29.04.2023 – Gespräche und Gelächter

Yay, Wochenende, ausschlafen… Pah, ich bin früher wach, als der Wecker in der Woche klingelt. Aber ich kann liegen bleiben, das ist schon mal super. Ich lese das Internet leer, ich mache insgesamt fast eine Stunde Sprachübungen – bei den italienischen Dialekten ist heute bolognesisch dran -, ich blogge, ich gucke TikTok… Ich telefoniere mit dem Liebsten… Und weiß gar nicht, was noch alles. Gegen 11 stehe ich dann auf, dusche und ziehe mich an. Dann gibt es Frühstück für die Katzen und mich.

Ich habe noch einiges zu tun, bis ich aufbrechen kann, um mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind das Wochenende zu verbringen. Es steht noch etwas Abwasch rum, der Müll muss nach unten, das Katzenklo gehört durchgesiebt, die Pflanzen gegossen, die Sachen gepackt. Dann packe ich den gesamten Topf Waldmeister transportsicher ein, wickle Geschenke in Geschenkpapier, fülle Wassernäpfe auf und stelle den Katzen Futter für zwei Tage bereit. Als ich endlich fertig bin, ist es fast 14 Uhr. Ich packe mir einen Podcast auf die Ohren (die neue Folge „Niemand wird verurteilt“, über der ich gestern eingeschlafen bin) und fahre mit zwei S-Bahnen nach Südberlin.

Als ich die Wohnungstür des Liebsten aufschließe, ist die Folge zu Ende. Von Tür zu Tür dauert es also genau eine Stunde. Der Liebste und das Teilzeitkind sind noch unterwegs. Ich ernte die Hälfte des Waldmeisters und hänge sie als Strauß am Fenstergriff auf. Dann spüle ich zwei Mateflaschen mit Schraubverschluss aus dem Pfandvorrat des Liebsten aus, die werden noch gebraucht. Die beiden kommen nach Hause und wir begrüßen uns nach über einer Woche (Liebster) und fast zwei Wochen (Teilzeitkind) endlich wieder live.

Dann gehe ich noch schnell in den Supermarkt um die Ecke und besorge eine Flasche Riesling, zwei Piccoli lokalen Sekt und ein paar Dinge, die der Liebste vergessen hatte, während die beiden sich mit Haushaltstätigkeiten beschäftigen. Als ich wieder zurück bin, gibt es für mich und das Teilzeitkind Erdbeer-Rhabarber-Grütze und eine Folge „Die Bergretter“ (nicht meine Wahl, aber was tut man nicht alles), während der Liebste sich einige Matches der PUBG Global Series anschaut (und dann hinterher ganz furchtbar enttäuscht ist, weil „sein“ Team am Ende knapp nicht weitergekommen ist. Es fehlt eigentlich nur noch der Schal, das Bier und das traurige vor sich Hinstarren).

Damit er sich von dem Unglück erholen kann, darf er dann die Couch warm halten, während das Teilzeitkind und ich zum Stammitaliener gehen, um das Abendessen abzuholen. Wir bestellen Pizzen für uns und Pasta für den Liebsten und Antipasti für alle. Während wir warten, trinke ich einen Sarti Spritz und das Teilzeitkind eine Apfelschorle. Hier in der Öffentlichkeit und ohne echte Erziehungsberechtigte dabei ist das Teilzeitkind gleich zwei Köpfe größer und fünf Jahre älter. Keine Kleindkindstimme, kein Herumalbern, sondern kerzengerade Haltung, Teenagerposen und „ernsthafte“ Gespräche über wer in wen verliebt ist, was auf TikTok gerade abgeht, wer schon ein eigenes Handy hat und dass obwohl man in Anwesenheit der Eltern ja oft „Scheiße“ sagt, das eigentliche Lieblingswort der Kids ja „Fuck“ ist. Meine Damen und Herren: Dritte Klasse, Berlin. Dann noch schnell professionell ein Selfie machen und dann geht es zurück in den Kindermodus – Kirschlolli und High Five vom Chef abholen (der uns die Getränke spendiert hat) und dann den Bürgersteig nach Hause entlang hopsen und bei Papa wieder klein und niedlich werden.

Dann geht es zu dritt auf die Couch, die neue Staffel LOL anfangen. Der Liebste hat die größten Schwierigkeiten, sich das Lachen zu verkneifen, das Teilzeitkind lacht auch über Witze, die es trotz heimlicher Pre-Teen-Identität noch nicht versteht und alle drei finden wir bisher Kurt Krömer am überzeugendsten. Nach vier Folgen ist dann aber Schluss, der Rest wird auf morgen verschoben. Stattdessen ist jetzt Vorlesezeit. Gestern haben die beiden ohne mich Harry Potter 7 zu Ende gelesen, heute darf ich die ersten sieben Szenen vom verwunschenen Kind vorlesen. Dann verschwindet das Kindl mit dem Kindle zum alleine weiter Lesen ins Bett.

Der Liebste und ich schauen noch die neue Folge von Marvelous Mrs Maisel und dann bin ich so müde, dass ich mich mit TikTok ins Bett verziehe und der Liebste Gelegenheit bekommt, noch ein paar Verbrechen auf den Straßen von Los Angeles zu begehen.

28.04.2023 – Raus aus der Routine

Dieser Freitag beginnt anders als die anderen Tage der Woche, da ich morgens erstmal zum Blutabnehmen muss. Der Wecker klingelt also früher, damit ich trotzdem genug Zeit habe, entspannt in den Tag zu kommen. Bis auf das Bloggen schaffe ich alles (Internet leer lesen, Sprachen üben – im Italienischkurs bin ich jetzt bei Regionalsprachen angekommen, heute Venezianisch -, mit dem Liebsten telefonieren, Balkon begießen, Katzen füttern), bevor ich mich zu Fuß durch schönstes Frühlingswetter auf den Weg zur Praxis mache.

Nach dem Pieksen möchte ich noch schnell in den italienischen Spezialitätenladen nebenan. Der macht allerdings erst eine Viertelstunde später auf, also stehe ich erstmal noch ein wenig in der Sonne und beantworte auf dem Diensthandy erste Nachrichten. Dann kaufe ich ein paar Leckereien (Pistaziencreme, getrocknete Tomaten in Öl, Artischockenherzen in Öl, Taralli mit Fenchelsamen, neapolitanischen Espresso…). Die erste Mahlzeit des Tages sind dann ein Tartufo Nero und ein Cremino Pistacchio, die ich an der Kasse geschenkt bekomme.

Ich laufe wieder nach Hause und fühle mich sehr gentrifizierend, aber eben auch nach dolce vita und das ist ja immerhin gut. Die Sonne scheint so warm, dass ich beschließe, erstmal auf dem Balkon zu arbeiten. Ich mache mir zum richtigen Frühstück Joghurt mit dem Rest Kirschkompott, einer Banane und einem Rest Müsli. Dazu gibt es für den Flow eine Mate und danach Apfelsaft mit Wasser. Eigentlich hatte ich mir Zeit im Kalender geblockt, um Dokumente zu sichten und eine Sitzung nächste Woche vorzubereiten. Aber das neue Projekt ist wie ein Sack Flöhe und ich werde ständig unterbrochen.

Dann habe ich ein Brainstorming-Meeting zu einem noch ganz anderen, eher langfristig angelegten Thema. Weil ich ja gerade erst gegessen habe und außerdem später angefangen habe, beschließe ich, die Mittagspause sausen zu lassen und durchzuarbeiten. Jetzt allerdings wieder drinnen, denn die Sonne ist um die Hausecke verschwunden und 13 Grad im Schatten sind dann doch sehr frisch.

Am Schreibtisch geht es weiter – immer noch nicht mit meinen Dokumenten, dafür mit ständigen Unterbrechungen und einem kurzen Telefonat statt eines Meetings, das der Gegenpart verpennt hatte. Zwischendurch kommt die Biokiste an und will verräumt werden. Drin sind Rote Bete, Kopfsalat, Radieschen, Gurke, Äpfel, Ziegengouda und Rinderschinken – alles aus der Region. Da alle im Team noch viel abzuarbeiten haben, beschließen wir, unser Freitagsmeeting abzusagen und stattdessen lieber früher ins Wochenende zu kommen.

Durch diverse Ablenkungen per Mail und Chat, hauptsächlich, aber nicht nur, das Projekt betreffend, weiß ich so langsam nicht mehr, woran ich gerade arbeite. Ich schreibe meinen Wochenbericht, eigentlich ja aber auch gerade noch eine Agenda für die Sitzung nächste Woche, dann möchte wieder jemand kurz per Videocall über das Projekt sprechen und jemand anderes schlägt vor, einen Schritt, der schon abgehakt war, nochmal ganz neu zu denken, irgendwie diverser und mit Hilfe von KI? Und ach ja, kannst Du mir nochmal diese eine wichtige Info geben (die im Projektdokument eigentlich genau da steht, wo sie hingehört) und nebenbei wird auch noch der Abschied von einem Kollegen angekündigt, mit dem ich noch ein paar Worte wechseln will und eine andere Kollegin verabschiedet sich in den Urlaub und und und… Aaaaaaah.

Als die Agenda und der Wochenbericht endlich fertig sind, klappe ich den Laptop zu. Ich halte einen kurzen Schwatz mit dem Mitbewohner, der das lange Wochenende auswärts verbringt und öffne dann dem Lieblingsnachbar die Tür, mit dem ich auf ein Feierabendgetränk auf dem Balkon (warm eingemummelt) verabredet bin. Er nimmt eine Mate und ich ein Wostok (Pflaume-Kardamom). Wir reden teils Privatkram, teils Arbeitskram. Beide sind wir gerade beruflich viel mit Transformation und Prozessen in einem hybriden bzw. Remote-Umfeld beschäftigt – er als Geschäftsführer, ich als Kommunikatorin, in zwei sehr unterschiedlichen Unternehmen aber mit erstaunlich ähnlichen Herausforderungen – und ich kann das Gespräch und seinen Input guten Gewissens noch als Arbeitszeit zählen – zumal ich eh noch ständig nebenbei am Mailen und Chatten in Sachen Projekt bin.

Irgendwann taucht der Mann meiner Cousine unverhofft auf dem Balkon gegenüber auf, wo ja seine Mutter wohnt und wir winken uns quer über den Hof zu und wechseln mit nur leicht erhobener Stimme ein paar Worte. Ist ja auch gut zu wissen, WIE gut man hier gehört wird, wenn man sich auf dem Balkon unterhält. Das mal im Hinterkopf behalten für sensible Themen und den inneren Lautstärkeregler immer sorgfältig austarieren!

Der Lieblingsnachbar verabschiedet sich gegen 18:30 Uhr. Ich nutze erstmals meinen neuen Sprudelwasservorrat und mixe mir anlässlich des Wochenendes einen Aperol Soda. Dazu gibt es – halb Aperitivo, halb Abendbrot – Taralli, Käse, Schinken, Oliven, getrocknete Tomaten, Artischockenherzen, Ricotta mit Olivenöl und Pfeffer und ein paar Scheiben Brot. Zum und nach dem Essen gucke ich wieder zwei Folgen „The Diplomat“. Dann blogge ich, lese den Stuckrad-Barre zu Ende, schaue noch ein wenig TikTok und liege dann Punkt Mitternacht im Bett. Noch schnell die wichtigen Aufgaben für morgen in die To Do App tackern, damit sie mich nicht nachts beschäftigen und dann schlafe ich zur neuen Folge „Niemand wird verurteilt“ ein.

27.04.2023 – Drei Tage in einem

Als Nimbin mich weckt, weil er einen Snack braucht, ist es halb 4. Ich gehe kurz aufs Klo, gebe ihm dann etwas (nie andersherum, erzieherische Maßnahme), dann lege ich mich wieder hin. Vom ersten bewussten Wachsein an jedoch spinnt mein Kopf die Arbeitsthemen weiter. Ich mache mir einen Podcast an, um sie wegzudrücken und wieder einzuschlafen, lausche dann aber hellwach Iris Berben und Kurt Krömer. Nach einer Dreiviertelstunde Podcast schnappe ich mir mein Buch und lese Stuckrad-Barre weiter. Nochmal ungefähr eine Stunde, dann fallen mir endlich die Augen wieder zu, bis mich der Wecker anderthalb Stunden später aus dem Tiefschlaf reißt.

Ich spule das Morgenprogramm ab, muss aber schon vor dem Teil in der Küche kurz an den Schreibtisch, um auf eine Nachricht von einem Kollegen zu reagieren. Dann füttere ich erstmal schnell die Katzen und hole mir eine Mate vom Balkon, um irgendwie wach zu bleiben. Um 10 muss eine wichtige Sache raus, das muss ich erst erledigen. Danach habe ich kurz Luft, um Müsli zu machen, Apfel zu schnippeln und eine große Kanne Kräutertee zu kochen (gestern gab es glaube ich insgesamt zu viel Koffein, daher die kurze Nacht). Ich verbringe die nächsten anderthalb Stunden noch mit der Nachbereitung der wichtigen Sache, dann ist es Zeit, ein großes Standortmeeting zu hosten, zum ersten Mal mit zwei für mich noch neuen Tools. Bis auf einen kleinen Moment läuft das aber reibungslos, allerdings überziehen wir etwas, so dass von meiner schon vorsorglich auf eine halbe Stunde verkürzte Mittagspause nur noch zwei Drittel übrig bleiben.

Die nutze ich, um den Rest Salat von gestern zu essen und kurz durchzuschnaufen. Dann sitze ich im nächsten Call, zu dem aber außer mir niemand auftaucht. Das gibt mir Gelegenheit, endlich das dicke große Projekt, das mich die nächsten zwei Wochen hauptsächlich beschäftigen wird auch über mein Team hinaus anzuschieben und die ganzen anderen Stakeholder zu involvieren. Wir machen da ein Dings in drei Ländern, mit jeweils leicht anderen Vorzeichen und ich bin die einzige, die alle Schritte kennt (allerdings nur für Deutschland, die beiden anderen Länder sind für mich neu und bedeuten zum Teil andere Schritte und Stakeholder). Was hilft ist, dass ich gleich im ersten Satz der E-Mail erwähnen kann, dass unser neuer CEO sein Approval gegeben hat, das steigert den Mitmachwillen und das Tempo der anderen doch ungemein. 🙂

Was nicht hilft, ist dass das Projekt über zwei verschiedene Tools gemanagt werden muss, da noch nicht alle Mitarbeiter*innen Zugang zu dem neuen Tool haben. Alle Schritte müssen also einmal für alle in dem alten dokumentiert werden und dann zusätzlich nochmal in dem Neuen für diejenigen, die bereits Zugang haben und angehalten sind, alle ihre Aufgaben dort nachzuhalten. Achja, und natürlich sind nicht nur Stakeholder in den drei betroffenen Ländern involviert, sondern noch in mindestens drei weiteren. Alle mit unterschiedlichem Wissensstand. Aber hey, immerhin können soweit alle Englisch. Das wird.

Pünktlich 18 Uhr ist Feierabend, ich schnappe mir also ein Getränk (Wostok Orange-Vanille) und setze mich kurz auf die Couch. Dann muss ich allerdings schon meine Sportsachen zusammenpacken (bis auf den Bikini, den ich mir aus psychologischen Gründen gleich morgens angezogen habe) und los. Um 19 Uhr bin ich mit meiner besten Freundin zu Schwimmen und Sauna verabredet.

Während ich in der S-Bahn sitze, schreibt dann mein Papa mit der – sinngemäßen – Mitteilung, dass jetzt nach erst mir, dann meiner Mama, dann meinem Bruder, dann wieder mir auch das letzte Mitglied unserer Kernfamilie innerhalb eines Jahres sich eine ernstzunehmende Erkrankung zugezogen hat. 4/4, Quartett voll, reicht dann jetzt auch wirklich!

Die beste Freundin und ich tauschen uns beim Umziehen kurz aus, was es Neues gibt (nicht gar so viel, denn wir haben uns ja am Wochenende erst gesehen) und was ihre Mama meinem Papa zur Geburtstagsparty mitbringen könnte. Dann steigen wir frisch geduscht in den Pool und während wir noch vor Kälte zittern, werden wir plötzlich von einer überraschten Stimme begrüßt. Genau in diesem Moment schlägt nämlich eine gemeinsame Freundin von uns am Beckenrand an, die ich seit 8 Jahren nicht gesehen habe und meine beste Freundin fast genauso lange. Sie ist zum ersten Mal in diesem Fitnessstudio, konnte nur durch Zufall mal abends und eigentlich wollte sie schon eine Bahn vorher Richtung Sauna verschwinden. Wie viele Zufälle kann es gleichzeitig geben??

Wir huddlen kurz zu dritt am Beckenrand (ich stelle dabei fest, halbnackt begrüßt man sich nicht mit Umarmung), bis es uns zu kalt wird. Dann verabreden wir uns für gleich in der Sauna und wir zwei Neuankömmlinge schwimmen los. Ich schaffe insgesamt sechs Bahnen, nach den ersten beiden brauche ich schon eine Pause, bei den nächsten dann jeweils schon nach einer Bahn (jeweils 25 m). Dazwischen mache ich noch alle Aquafitnessübungen, die mir aus dem Stegreif einfallen. Nach etwa 25 Minuten bin ich platt, meine beste Freundin ist derweil einfach durchgehend geschwommen, jetzt reicht es aber auch ihr.

Wir wechseln hinüber in die Sauna, wo wir auf unsere andere Freundin treffen und uns erstmal saunabedingt anschweigen müssen. Als wir dann draußen sind und uns zwischen zwei Saunagängen ausruhen, erzählen wir los – leider immer wieder unterbrochen von einem Typen, der sich ins Gespräch einmischt und denkt, er müsse uns auch von sich erzählen. Nach dem zweiten Saunagang und der Umkleide setzen wir uns dann noch in die Lobby und haben endlich Gelegenheit, in Ruhe zu quatschen.

Wir reden über unsere Jobs, unsere Beziehungen, die Kinder (neben dem Teilzeitkind sind noch zwei weitere inzwischen dazugekommen, bei jeder meiner Freundinnen eins), gemeinsame Freunde, Feiern mit um-die-40… Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir alle noch total jung sind (sehen ja auch so aus!), es sind nur die Umstände, die müde machen. Es wird dann ganz schön spät, wir brechen erst gegen 22 Uhr nach Hause auf und hoffen, uns jetzt wieder öfter zu sehen. Ich gründe direkt in der S-Bahn noch eine WhatsApp-Gruppe – mal sehen! Auf jeden Fall hat dieser Riesenzufall es geschafft, dass ich den ganzen Abend über nur wenig über Arbeit oder Krankheiten nachgedacht habe.

Wieder zuhause muss ich dann noch dringend Abendbrot essen – es gibt eine Avocado, eine Käsestulle, Gurke, Radieschen und vegane Wiener. Dann hänge ich die nassen Sachen auf, putze mir die Zähne und gehe mit Buch ins Bett. Es dauert nicht lange, bis ich beim Lesen einschlafe.

26.04.2023 – Bewegt und gelesen

Ausgeschlafen aufgewacht und die morgendlichen Dinge erledigt – Internet leer gelesen, mit dem Liebsten telefoniert, Niederländisch, Tschechisch und Italienisch geübt, gebloggt, dann aufgestanden, Balkonpflanzen gegossen, Katzen gefüttert und mich mit Müsli und schwarzem Tee mit Maracuja an den Schreibtisch gesetzt. Viel Konzept- und Projektarbeit, und nur drei Meetings heute. Außerdem klingelt es zweimal wegen Paketlieferungen – zu Verschenkendes, Katzenfutter und -streu.

Mittags mache ich aus dem Rest Thunfischpasta von gestern mit Rucola, Olivenöl und Zitrone einen Salat. Den esse ich, während ich mit einem Kollegen telefoniere. Es geht nur an Rand um Arbeit und ansonsten viel über Essen, Gesundheit, Musik usw. Büroküche im Homeoffice sozusagen.

Gegen das Salatkoma gibt es wieder eine Mate, damit komme ich noch einmal in einen kreativen Flow für den Nachmittag und mache dann etwas früher Feierabend, weil es nicht mehr lohnt, das nächste große Thema anzufangen. Ein guter und produktiver, nicht zu stressiger Arbeitstag, trotzdem fällt es schwer, in der Nichtarbeitszeit abzuschalten. Gerade habe ich noch stolz meiner Mama erzählt, dass das inzwischen wieder geht, dieser Tage klappt es wieder so gar nicht. Ich muss mein Hirn aktiv mit anderen Inhalten beschäftigen, sobald es Spielraum hat, denkt es über Arbeitsdinge nach, will nach E-Mails sehen, geht To-Do-Listen durch, durchdenkt Szenarien… Auch beim nächtlichen Toilettengang direkt, bei dem die Arbeitsdinge aus den Träumen nahtlos weitergedacht werden. Work-Life-Balance ist gerade nicht meine Stärke und das liegt nicht an der Menge der Arbeit an sich.

Jedenfalls versuche ich, da ein bisschen entgegenzuwirken und bringe nach Feierabend erstmal die leeren Kartons von den Lieferungen zum Müll und drehe direkt noch eine größere Runde, bei der ich erst mit dem Liebsten telefoniere und dann einfach Radio höre. Auf dem Rückweg schönstes Blütenmeer:

Wieder zurück mache ich mir einen Aperitivo, es gibt Wostock Blaubeer-Salbei und eine Handvoll Taralli mit Fenchelsamen. Ich genieße und lasse mich dabei von TikTok beschallen, bis ich weiß, was ich zum Abendbrot möchte. Pünktlich zur Tagesschau (gucke ich ja selten, aber mir war nach Ausbruch aus der Routine) gibt es eine Burrata, dazu Rucola mit Olivenöl, Oregano-Weißweinessig, Oliven und getoastetem Dinkelbrot.

Dann ist der Fernseher aus und lasse mich – nicht ohne gelegentliche Blicke auf das Diensthandy für die E-Mails – mehr oder weniger von Stuckrad-Barre fesseln. Liest sich wirklich gut, ich mag den Stil und die kulturellen und Zeitgeist-Bezüge, auch wenn das Thema an sich schwer verdaulich ist. Und ja, es ist kein Schlüsselroman, aber wenn man schonmal auf der neuen Dachterrasse bei Springers gestanden hat, fällt es schwer, keine Parallelen zu ziehen.Gegen halb 11 mache ich mich bettfertig und lese dann im Bett noch weiter, bis mir gegen 12 die Augen zu fallen.

25.04.2023 – Kein Schritt vor die Tür

Ich erwache ziemlich früh, was aber OK ist, da ich ja auch früh im Bett war. So bin ich schon kurz nach 8 mit allen Dingen fertig, die ich morgens im Bett noch so mache und stehe einfach auf. Bereits dreiviertel 9 sitze ich am Laptop, trinke Tee mit Milch und esse Müsli.

Nachdem mir gestern Nachmittag arg der Kopf schwirrte von den vielen Meetings, der Fülle der Aufgaben und den vielen Querverbindungen zu den verschiedensten Leuten, verläuft der heutige Arbeitstag entspannter und strukturierter. Vielleicht liegt es an der Mate, die ich nach dem Tee trinke, vielleicht daran, dass ich beim Sortieren und Planen vorankomme, vielleicht daran, dass einige Puzzleteile an ihren Platz fallen, vielleicht daran, dass ich in größeren Zeitblöcken an Themen arbeiten kann, vielleicht daran, dass ich heute „nur“ 5 Meetings habe? Oder daran, dass ich zwischendurch immer mal wieder vom Schreibtisch aufstehe. Ich mache mir zum Beispiel eine große Kanne Wasser mit Holunderblütensirup, Zitronenstückchen und Minze vom Balkon. Ich stelle eine Maschine Wäsche an und hänge diese später auf. Ich koche mir mittags einen Grießbrei mit Kirschkompott und esse den auf der Couch…

Heute ist es viel kälter als gestern und nachdem ich gestern fast 10.000 Schritte gegangen bin, zieht mich nichts aus der Wohnung und alles auf die Couch. Selbst als pünktlich zum Feierabend die Sonne rauskommt, drehe ich keine Runde mehr, sondern höre auf meinen Körper. Als Feierabendgetränk/Aperitivo gibt es ein Wostok Estragon-Ingwer und dann stehe ich am Herd und koche mir Fusilli mit Thunfisch und Tomaten. Während des Abendessens gratuliere ich meinem Papa zum Geburtstag und bespreche die anstehenden Feierlichkeiten am Wochenende. Übrigens hat Papa bereits einen 9-Tage-Streak auf Duolingo, das ist nicht jeder Tag, seit ich ihm die App installiert habe, aber er ist in der Zwischenzeit ja auch mit meiner Mama auf Reisen gewesen und sie haben zwei Vorträge gehalten.

Nach dem Telefonat schaue ich die ersten beiden Folgen The Diplomats und lese dann bis 22 Uhr weiter im Stuckrad-Barre. Dann heißt es Katzenklo durchsieben, bettfertig machen und bis zum Einschlafen weiterlesen – das ist dann so gegen 23 Uhr.

24.04.2023 – Schon Montag

Nachdem ich gestern schon gegen halb 11 eingeschlafen war, wache ich heute trotzdem erst kurz vor dem Weckerklingeln halb 8 auf. Ich erinnere mich auch nicht, nachts großartig wach gewesen zu sein. Nur Nimbin kam einmal, um sich an meinen Bauch zu kuscheln und da liegt er noch. Sehr gute Nacht, gerne wieder!

Zur Morgenroutine gehört seit gestern nun auch wieder, nach den Balkonpflanzen zu sehen und eventuellen Gießbedarfen nachzukommen. Ansonsten alles wie immer und obwohl ich erst halb 9 aufstehe, sitze ich trotzdem um 9 am Schreibtisch, bewaffnet mit Tee und Müsli. Eingeplant sind heute drei halbstündige Meetings und ein einstündiges. Irgendwann am Vormittag wird das einstündige noch um eine Stunde nach hinten verschoben, so dass es erst um 19 Uhr endet. Außerdem entstehen tagsüber noch vier spontane Meetings. Beste Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten… nicht.

Am späten Vormittag mache ich dann aber sowieso erstmal Pause, denn der letzte Physio-Termin steht an. Auf dem Weg werfe ich noch zwei Wahlbriefe zur Sozialwahl ein und bringe Altglas weg. Auf dem Rückweg kaufe ich kurz im Supermarkt ein und zurück zuhause koche ich mit dann ein schnelles Mittagessen aus Fertig-Gnocchi in Bärlauchbutter mit regionalen Cherry-Tomaten, Rucola und Grana Padano. Außerdem habe ich an der Kasse noch einen Bambina-Riegel mitgenommen, inspiriert von einem TikTok am Wochenende. Allerdings schaffe ich den nicht direkt nach dem Mittagessen sondern hebe ihn mir für später auf.

Irgendwann am Nachmittag wird das späte Meeting dann doch wieder abgesagt, was aber dann ein spontanes, früheres und kürzeres nach sich zieht, um zumindest einige Punkte zu klären. Während dieses Meetings kommt meine Getränkelieferung an. Ich habe in den letzten Wochen öfter über die Schönheit von Aperitivi und Feierabendcocktails nachgedacht. Nun habe ich zwar diverse Basics im Haus, aber meistens fehlt es an den „Mixern“. Und ganz abgesehen davon kann ein rituelles Feierabendgetränk ja auch gänzlich ohne Alkohol auskommen. Jedenfalls habe ich gestern dann Nägel mit Köpfen gemacht und einen Kasten Sprudelwasser (regional, Glasflaschen, mineralisch und medium) bestellt, dazu einen Kasten Mate (für tagsüber oder zu Partygelegenheiten) und eine gemischte Kiste Wostock-Limo (aus Berlin, AUS Berlin). Mein Balkon sieht jetzt richtig hipsterig aus und mit den Kräutern und meinen Vorräten an Alkoholischem geht jetzt so einiges. Nur Ginger Ale und Tonic könnte ich noch haben, aber da lohnt sich kein ganzer Kasten, das bringe ich mal flaschenweise mit.

Nach dem letzten Meeting schwirrt mir jedenfalls der Kopf und die letzten eintrudelnden E-Mails treffen auf harten Brainfog. Deshalb klappe ich dann doch kurz vor 18 Uhr den Laptop zu. Ich wasche schnell die Pfanne vom Mittagessen ab, räume den Geschirrspüler ein, bringe den Biomüll nach unten und dann schmiere ich mir ein paar Stullen zum Rest Salat von gestern, die es mit einer Flasche Wostok Tannenwald und dem Bambina-Riegel dann zum Abendbrot auf dem Balkon gibt.

Danach liege ich mit den Katzen auf dem Sofa, höre den Alles gesagt Podcast mit Maria Lorenz-Bokelberg zu Ende, den ich schon gestern Abend, heute draußen und beim Abendbrot gehört hatte und verbringe danach noch etwas Zeit mit Duolingo und TikTok. Dann mache ich mich bettfertig und liege gegen 21 Uhr im Bett. Ich schaue noch eine Folge Mad Men und mache dann gegen 22 Uhr schon wieder das Licht aus. Alles anstrengend.

23.04.2023 – Sowas wie Frühjahrsputz

Auf dem Plan steht heute sowas wie Frühjahrsputz. War ja eigentlich schon vor Ostern geplant, dann zu Ostern, aber erst war wieder Covid akut, dann war wieder Long Covid und dann passte dieses Wochenende ganz gut in den Plan. Aber sag das mal meinem Körper! Gegen halb 12 habe ich es immerhin schonmal zum Frühstück (Quark mit Holundermarmelade, Banane und Sesam, Nudossibrot, Tee mit Milch) auf dem Balkon geschafft. Dann setzt sich Noosa nochmal ausführlich auf meinen Schoß, dann fange ich irgendwann an.

Als erstes leere ich das Katzenklo in einen leeren Katzenklobeutel aus und weiche es mit WC-Putzmittel ein. Dann bringe ich zwei Ladungen Müll herunter (zweimal gehen, weil alles auf einmal mir aktuell zu schwer wäre) und werde vom FitBit bejubelt, dass ich mein Trainingsziel für den Tag erreicht habe. Ich habe seit Mitte März keinen Sport gemacht, aber Müll runterbringen ist aktuell wie Cardiotraining. Dann erstmal kurz was trinken und ausruhen. Der nächste Schritt ist Katzenklo säubern und zum Trocknen auf den Balkon bringen. Wieder ausruhen.

Zwischendurch steht der Besuch von Mitbewohner auf und fährt zum Flughafen. Ich sauge die Wohnung, lege mich wieder hin. Ich putze das Bad und lege mich wieder hin. Ich wische Bad und Küche und lege mich wieder hin. Ich fülle das trockene Katzenklo auf und lege mich wieder hin. Ich stelle alles wieder an seinen Platz, beschließe, dass ich für heute genug geputzt habe und setze mich auf den Balkon.

Als es zu kalt wird, gehe ich rein. Ich mache mir einen Salat aus dem Biokistensalat, -gurke und -radieschen. Dazu gibt es ein Dressing aus Joghurt, Zitrone, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Ahornsirup und Kräutern vom Balkon (Schnittlauch, Dill, Petersilie, Basilikum). Und Stullen – eine mit Bergkäse, eine mit veganer Fleischwurst – gibt es auch.), dazu ein alkoholfreies Radler.

Ich lese „Noch wach“ von Benjamin von Stuckrad-Barre an, mir fallen aber recht schnell die Augen zu. Mit einem Umweg über die frisch geputzte Badewanne liege ich gegen 22 Uhr im Bett und mache das Licht aus.

22.04.2023 – Balkon und Hotdogs

Eigentlich wollte ich gerade aufstehen und Frühstück machen, dann legte sich Noosa auf meinen Bauch und jetzt blogge ich wohl doch noch. Gestern auf TikTok gesehen, dass die Liegeposition der Katze etwas über unser Verhältnis aussagt. Heute Nacht war ich Noosas Mama, jetzt gerade bin ich hingegen ihr Besitz. Nun denn…

Ich erwache zum Weckerklingeln des Liebsten in seinem Bett. Nach zweimal Snoozen ist er auch wach genug, um aufzustehen und Kaffee zu machen. Wir trinken und lesen im Internet, dann bringt er die zweite Runde und wir können schon reden und Quatsch machen. Er muss dann allerdings bald aufstehen und seinen Koffer packen, während ich liegen bleiben kann. Als er die Wohnung verlässt, trinke ich seinen und meinen zweiten Kaffee aus, kümmere mich um die Sprach-Apps, blogge und stehe dann auf.

Zum Frühstück mache ich mir Quarkbällchen warm, von denen der Liebste und das Teilzeitkind am Donnerstag mal wieder zu viele eingepackt bekommen hatten, dazu gibt es einen Apfel und Pfefferminztee. Ich stelle noch die Spülmaschine an und dann wird es auch für mich Zeit, aufzubrechen. Wenn ich schon mal mit etwas Zeit hier in der Gegend bin, gehe ich direkt mal zu dem großen, bekannten Outdoor-Laden. Mein Zelt zeigt nach 15 Jahren erste Alterserscheinungen und ich möchte mich beraten lassen, wie ich denen am besten beikomme, denn schon in wenigen Wochen will ich beim Immergut darin schlafen.

Der Mann in der Zeltabteilung schickt mich zur Werkstatt, dort hat aber niemand Zeit für mich und dann bin ich irgendwann genervt und gehe. Da ich später noch in den Baumarkt will, kann ich ja da auch nochmal fragen. Weil ich gerade hier bin, gehe ich dann noch in den Sportartikel-Discounter gegenüber. Ich wollte mir ja noch eine Schwimmbrille besorgen, damit ich entspannter im Wasser bin und vielleicht mal so Sachen wie Kraulen und Tauchen lernen kann. Als erstes sehe ich aber Zelte und hier werde ich dann auch direkt kompetent beraten. Hmpf. Dafür bei den Schwimmbrillen nicht so, ich stehe ewig vor dem Regal und versuche, die verschiedenen Ausstellungsstücke und Werbeschildchen mit den Verpackungen in Einklang zu bringen. Irgendwann greife ich entnervt zu einem teuren Exemplar, das aber wenigstens sehr flexibel verstellbar ist, und gehe damit zur Kasse.

Danach schnell in den U-Bahnhof und bloß weg aus der Shoppinghölle und wieder zurück in den Nordosten! Die U-Bahn bringt mich zur Ringbahn, mit der fahre ich eine Station weiter als sonst und dann geht es noch zwei Stationen mit der Tram weiter, denn ich will gleich unterwegs noch zum Baumarkt, bzw. ins Gartencenter. Der Balkon will bepflanzt werden! Ich fülle meinen Wagen mit Dekorativem und Nützlichem, immer im Blick, wieviel ich einigermaßen gut nach Hause tragen kann. Es dürfen mit: ein blühendes Zitrusbäumchen mit betörendem Duft, aus dem vermutlich bald Zierorangen wachsen, eine Lavendelstaude, ein Topf Basilikum, ein Topf Thymian, ein Topf Salbei, ein Topf Petersilie, ein Topf Schnittlauch, ein Topf Dill, ein Topf Schokominze (Pfeffer- oder Nana- gab es nicht), ein Topf Waldmeister (ist ja bald Mai!), ein gelb blühendes Dings, ein lila blühendes Dings, zwei Töpfe Katzengras und zwei Briketts Kokosblumenerde.

Schwer bepackt laufe ich damit nach Hause und muss mich dann erstmal kurz verpusten, als ich in der Wohnung ankomme. Außerdem warten die Katzen auf Frühstück. Danach geht es raus auf den Balkon. Ich lasse ein Brikett Blumenerde quellen, gemeinsam mit den Resten von letzten Jahr und dem Riesenvorrat an Rindenmulch, den der Hase mir hinterlassen hat, reicht das völlig für meine Zwecke heute. Lavendel und Zitrusbäumchen werden in die beiden großen Pflanztöpfe umgetopft. Der Basilikum wird auf drei kleinere Töpfe umverteilt, mal gucken, ob und wie gut das alles wächst und gedeiht.

Die anderen Töpfe werden nach Gutdünken in die Blumenkästen gestellt. Auspflanzen geht nicht, da die Katzen sich sonst drauflegen. Ein Blumenkasten bleibt wie immer leer als Katzenplatz und bekommt rechts und links jeweils einen Topf Katzengras daneben gestellt. Dann noch Müll beseitigen, Erde wegsaugen und Tisch abwischen und schon ist das zweite Wohnzimmer präsentabel. Evtl. kaufe ich bei Gelegenheit noch ein bisschen mehr Blühendes dazu, aber ansonsten bin ich ganz zufrieden.

Ich setze mich in einen der Liegestühle und lese im Internet herum. Die Sonne ist schon lange um die Ecke verschwunden und durch den Wind wird es langsam kühl. Ich hole mir aber erst noch eine Decke und außerdem einen Teller mit Stulle, Gurke und Radieschen. Erst nach dem Essen wird es wirklich zu kalt (obwohl die Wetter-App immer noch über 20 Grad anzeigt) und ich ziehe mit Decke und Katzen auf das Sofa um.

Die nächsten Stunden verbringe ich schlafend oder lesend. Genug getan für heute! Kurz nach 20 Uhr gesellt sich meine beste Freundin zu mir aufs Sofa. Wir bestellen uns Hot Dogs (jede 3 verschiedene) und eine Portion Kartoffelecken mit Käsesauce und Jalapeños und erzählen ein paar Stunden. Zwischendurch klingelt es ein drittes viertes (ein Paketbote war am Nachmittag auch noch da) Mal, als ein Freund des Mitbewohners eintrifft, der heute hier schläft, weil er morgen zum Pilgern nach Jiddah fliegt.

Meine Freundin verabschiedet sich gegen halb 11. Ich räume noch das Wohnzimmer auf, packe meine neue Schwimmbrille aus und stelle sie richtig ein, packe meinen Übernachtungsrucksack aus, putze mir die Zähne und lege mich ins Bett. Eigentlich wollte ich noch lesen, aber mein Kopf möchte nur noch konsumieren, also gibt es noch eine Weile TikTok und dann gegen halb 1 einen Podcast zum Einschlafen, von dem ich nur die ersten paar Minuten mitbekomme.

21.04.2023 – Sonne und Freitag

Schon wieder sehr früh wach und nicht mehr richtig einschlafen gekonnt. Ich glaube, bei den Katzen ist das mit dem Frühling jetzt so richtig angekommen. Sie wollen zwar morgens nicht unbedingt direkt etwas essen, aber schauen, ob ich noch lebe und dann kuscheln oder spielen. Und meistens ist es dann schon zu hell oder zu spät für mich, um nochmal in den Schlaf zu finden. Immerhin genug Zeit, um entspannt in den Arbeitstag zu starten.

Neben den beiden regulären Freitagsmeetings gibt es dort heute noch einen Call zum nur Zuhören und ein kurzes Ad-hoc-Meeting, ansonsten ein wenig kreative Arbeit und wieder viel Datenräumerei. Für den kreativen Teil setze ich mich erstmals dieses Jahr mit dem Laptop in einen Liegestuhl auf den Balkon, denn es ist sonnig und warm.

Mittags gehe ich deswegen auch raus und direkt zur Gelateria, wo ich mir je eine Kugel Orange-Basilikum und Pistazie gönne. Zum Schlecken sitze ich auf einer Bank, dann laufe ich wieder nach Hause. Zu schnellen Zeiten dauert der Hin- und Rückweg insgesamt 20 Minuten, heute brauche ich fast das Doppelte. Auf dem Rückweg spricht mich noch eine alte Dame mit Rollator an, und hält einen Monolog über am Gehweg angelegte alte, große Matratzen und wie man die eigentlich praktisch entsorgen könnte, wenn man so eine hätte, hat sie ja aber gar nicht. Ich schon, aber nicht zum Entsorgen. Sollte es mal soweit kommen, müsste ich mir dann wohl eine Säge borgen…

Ich schaffe einen freitäglich frühen Feierabend kurz nach halb 5. Ich verräume die zwischen zwei Meetings gelieferte Biokiste, nehme Wäsche ab, packe meinen Rucksack und füttere die Katzen. Dann mache ich mich auf den Weg nach Südberlin, zur Date Night mit dem Liebsten – auf den Ohren erst das neue Album von Blond, dann das von Talking To Turtles.

Auch der Weg von der U-Bahn zum Liebsten dauert heute doppelt so lange wie sonst. Eigentlich wollten wir ja schön Essen gehen, aber mein Körper sagt nein. Also legen wir uns aufs Sofa und bestellen uns das schöne Essen von unserem Stammchinesen her. Es gibt Algensalat, Morchelsalat und gemischte Jaozi für mich, für den Liebsten Algensalat, Wan-Tan-Suppe und kaltes Rindfleisch in Chili-Öl.

Wir schauen zwei Folgen Reservation Dogs und die neue Folge Marvelous Mrs Maisel. Dann gibt es für ihn noch eine Stunde GTA und für mich eine Stunde TikTok und schon ist Bettgehzeit, denn einer von uns muss morgen früh raus und eine andere ist sowieso kaputt und müde. 23 Uhr ist Licht aus.

20.04.2023 – Büro und Frühling

Die Kombination aus frühem Schlafengehen, frühem Wecker, latentem Bauchweh, zeitigem Sonnenaufgang und anhänglichen Mietzekatzen macht mal wieder viel Zeit am Morgen – gegen 5 bin ich wach, anderthalb Stunden vor dem Wecker, der extra früh gestellt ist, um einen gemütlichen Start zu ermöglichen. Jetzt also extragemütlich, denn ich muss ja erst kurz nach 8 das Haus verlassen. Mein erster Bürotag seit mehr als 5 Wochen steht an.

Anders als die letzten Male oft, fahre ich mit der Tram hin, eine knappe Stunde Fußweg ist mir noch zu riskant, vor allem unter Zeitdruck und vor Beginn eines langen Arbeitstages. Den Sport für heute Abend habe ich auch bereits abgesagt – einen Schritt nach dem anderen. Da der Weg zur und von der Tram länger dauert, als vor Covid Nr. 2 brauche ich trotzdem ganz schön lange, habe aber trotzdem noch genug Zeit für Kaffee und Müsli mit Banane und ein Paar Worte mit einem Kollegen, bevor halb 10 das erste Meeting des Tages ansteht – das einzige in Präsenz, dessentwegen ich überhaupt gekommen bin.

Über den Tag verteilt gibt es dann noch vier andere sowie diverse spontane Gespräche mit Kolleg*innen, die mir live über den Weg laufen. Drumherum räume ich weiter Daten hin und her, übersetze einen Text ins Deutsche, organisiere Übersetzungen ins Italienische und Spanische, arbeite an einer Präsentation usw. usw. Zum Mittag hole ich mir aus dem Supermarkt Bio-Kartoffelsuppe, vegane Wiener und einen Smoothie aus tropischen Früchten und Algen. Zum Nachmittagskaffee gibt es etwas Adventskalenderschokolade aus der Schublade und eine Handvoll Blaubeeren, die ein Kollege nicht mehr schafft.

Mit besagtem Kollegen mache ich dann kurz vor 18 Uhr Feierabend und wir laufen noch gemeinsam bis zu seiner Tramstation. Die liegt auf meinem Weg, denn ich will versuchen, zumindest einen Teil des Heimwegs zu Fuß zu gehen – immer an meiner Tramlinie entlang, um notfalls einsteigen zu können. Ist aber sowieso der direkte Weg. Ich gehe langsam und mit immer kleiner werdenden Schritten. Dabei höre ich einen Podcast mit Justin Long und Seth Rogen und freue mich über saftig grünes Gras, blühende Blumen, aufgeplusterte Vögel und austreibende Bäume und Hecken. Es ist frühlingshaft hell und beinahe warm, so dass die Jacke offen bleiben kann.

Nach drei Vierteln des Weges jubelt mein Schrittzähler und ich beschließe, dass ich die letzten beiden Tramstationen jetzt auch noch schaffe. Dafür kann ich eine Abkürzung durch die Sternmagnolienstraße nehmen. Am Ende tun mir die Beine weh, aber ich habe es geschafft und dafür etwa 20 % mehr Zeit gebraucht, als vor Covid Nr. 2.

Zuhause werden erstmal hungrige Katzen versorgt, dann geht es auf die Couch, bis ich Hunger, Appetit und einen klaren Abendessenplan habe. Es läuft auf Toast Hawaii hinaus, da immer noch Dosenananas vom Iftar übrig sind. Statt Schinken gibt es vegane Fleischwurst, als Käse Bergkäse und dazu einen Apfel. Zum Essen und danach schaue ich den Justin-Long-Film „A Case of You“, der von der Prämisse her interessant aber insgesamt unterwältigend ist. Gegen zehn liege ich schon wieder im Bett.