Abschlüsse und Anfänge

Dieser 5. Oktober ist ein Tag der Abschlüsse und Anfänge.

  • Heute vor 11 Jahren kam ich mit meinem ersten Freund zusammen
  • J. (siehe letzter Beitrag) hat heute seine Verteidigung bestanden und heißt jetzt J., Ph.D.
  • Steve Jobs ist tot
  • Mio und ich beschlossen heute, ab jetzt besser Freunde zu sein

Abschlüsse und Anfänge…

Pittsburgh-Nachlese

Was ist es nur mit dieser Stadt? Vor sechs Jahren, als ich J. kennenlernte, hörte ich zum ersten Mal mehr von Pittsburgh als nur den Namen. Und seitdem taucht es überall wieder auf – im Kontext großartiger Menschen. First and foremost natürlich J. selbst, der, wie ich feststellen durfte, auch nach so langer Zeit immernoch ohne Schwierigkeiten in die Liste meiner favourite people in the world kommt – irgendwo in den Top 20 würde ich sagen – und das ist weit oben, dafür dass wir uns nur alle drei Jahre sehen.

Aber dann hat der Gute auch noch einen ganzen Haufen toller Freunde, von denen ich immer so aufgenommen werde, als gehörte ich schon immer einfach dazu. Diverse famose Menschen. Dazu noch die Familie (von Grandma über „Oma“ und „Opa“ bis hin zu den beiden Nichten und dem Neffen, mit diesen Kids bin ich irgendwie seelenverwandt!)

Aber man darf nicht denken, dass alle Pittsburgh-greatness sich nur um J. schart. Nein, auch andere Freunde von mir machen dieselbe Erfahrung. Eine Freundin, Italienerin, lebt mit ihrem quirky, nerdy, vegetarian Pittsburgher (T.) seit Jahren glücklich in Liverpool. Ein anderer Freund wird seine green, open-minded, cosmopolitan Pittsburgherin (K.) nächstes Jahr heiraten. J., T. und K. kennen sich nicht, haben nur durch mich voneinander gehört. Aber ich bin sicher: Sie würden sich verdammt gut verstehen.

Irgendwas muss im Wasser der drei Flüsse sein, dass eine bestimmte Art von Leuten hervorbringt. Und einer davon ist mein CEO, der mit J. zur Schule gegangen ist. Er leitet die am schnellsten wachsende Firma aller Zeiten und schafft es trotzdem, quirky, funny und politisch engagiert zu sein. Gotta love the ‚burgh…

The ‚burgh

Der erste Stop meines Urlaubs ist Pittsburgh. Andy Warhol kam daher, Christina Aguilera, Andrew Mason… Und ein Freund, den ich besuchen werde. Das letzte Mal war ich 2005 dort, zu Thanksgiving. Leider habe ich aufgrund eines verspäteten Fluges das Essen verpasst. Zum Glück gab es jedoch genügend leftovers, um sich noch die nächsten Tage davon zu ernähren. Der Aufenthalt dort war ganz zauberhaft, man könnte sagen, die Vereinigten Staaten präsentierten sich von ihrer besten Seite: herzlich, warm, familiär und multikulturell.

Ich staunte über die verschiedenen Thanksgiving-Rezepte, die in jeder Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Ich war hin und weg von der Gastfreundschaft von Menschen, die eigentlich gar nicht viel mit mir zu tun hatten und mir trotzdem ein Bett, eine Badewanne, eine Menge gutes Essen, diverse Drinks und sogar teure Zeitschriften für den Rückflug schenkten. Ich blätterte fasziniert durch diverse High School-Jahrbücher, disktutierte über grüne Energien, musste über die Cathedral of Learning lachen, bestaunte den Blick auf die Skyline bei Nacht und das Zusammenfließen von Monongahela und Alleghenny River zum mighty Ohio.

Irgendwie schien die Welt dort ganz in Ordnung zu sein und die Amerikaner gar nicht so oberflächlich, ignorant und beschränkt. Mag an der Stadt liegen, an der Landschaft, an den Unis, der Geschichte. Auf jeden Fall freue ich mich sehr, zurückzukehren. Eine knappe Woche werde ich diesmal dort verbringen, hoffentlich bei etwas wärmeren Temperaturen. Was auch gut ist:

„In 2007 Pittsburgh was named Top City for Geeks by Wired magazine […] „geek-friendly“ measures as its proximity to top-ranked engineering schools and the number of comic book stores […] per capita.“ (Insider’s Guide to Pittsburgh)

Alle Zeichen auf Urlaub

Am Sonnabend geht sie los, die mehr oder minder große Reise. Groß, weil sie in Kilometern gemessen recht lang ist, weil sie diverse Flugroutenbestimmte Zwischenstationen enthält, weil sie mein erster wirklicher Urlaub in diesem Jahr ist, die ersten zwei Wochen Urlaub am Stück seit meiner Festanstellung, das erste Mal Nicht-Europa seit fast 3 Jahren, die Rückkehr an geliebte Orte und ein Aufbruch – wenn ich zurückkehre ist eine Menge anders.

Nur noch fünfmal schlafen, nur noch viermal arbeiten. Zum Glück gibt es heute einen kleinen Vor-Urlaub, eigentlich nur ein verzögertes Wochenende. Zeit, um eine Menge Dinge zu erledigen und vorzubereiten, damit ich am Sonnabend vollen Herzens in den Flieger steigen kann. Aufbruchstimmung!!!

Zehn Jahre

Da gerade alles über 9/11 spricht, erhält dieser Schnappschuss von heute Nachmittag irgendwie nochmal eine Meta-Ebene. Zwei „Türme“ (in Wirklichkeit stinknormale Ostberliner „Neubauten“), zwei Flugzeuge, die am Himmel ein Kreuz hinterlassen haben, das die beiden Türme mit der Kirche (der Religion) verbindet. So sah der 11. September 2011 in Berlin aus. Auf dem Alex demonstrierten Nazis, wofür der gesamte Platz abgesperrt wurde, ein paar Gehminuten davon entfernt hat man davon gar nichts mehr mitbekommen. Gleichzeitigkeit, Vielfalt, Perspektivenwechsel.

Vor zehn Jahren saß ich übrigens am Fernseher, im Schlafanzug, krank. Ich schaute eine unsägliche Quiz-Sendung mit Sonja Zietlow, die für die Breaking News unterbrochen wurde. Der Rest des Tages war Fernsehen, Internet (damals vor allem die CNN-Webseite und verschiedene IRC-Chats, man stelle sich vor, es hätte bereits Twitter und Facebook gegeben) und abends eine lange Telefonkonferenz mit meinem damaligen Freund und seinem besten Freund. Ich weiß noch, dass ich Angst hatte, dass der Dritte Weltkrieg vor der Tür steht, während die Jungs (damals wirklich noch Jungs) sich in Verschwörungstheorien ergingen. Die Wahrheit war dann wohl doch wieder – wie immer – irgendwo in der Mitte.

Weiß

Gestern Abend die Geburtstagsparty eines lieben Freundes. Da er uns glaubhaft versprach, dass er nur einmal 33 werden würde, taten wir ihm den Gefallen, uns komplett in Weiß zu gewanden. Das bedeutete für mich den Einkauf von Hose, Schuhen und Shirt, aber was tut man nicht alles für einen gelungenen Abend.

Und das war er wirklich: Ein Partyraum mit Terrasse über den Dächern Friedrichshains, liebevoll mit Klopapier dekoriert; ein Büffet mit Weißwurst, Weißkraut, Weißbrot, weißen Baisers, Marshmallows und einem Kuchen mit weißem Frosting; und eine Menge Menschen, die sich fast alle dem Weißzwang unterwarfen – auf höchst unterschiedliche Weise. Zitat des Gastgebers: „Wir sehen aus wie in der Raffaelo-Werbung.“

Schön war, dass der Abend nicht zur reinen Mottoparty degenerierte. Ein filmisches Werk des Geburtstagskindes an der Wand – mit Darstellern, von denen einige unter den Gästen waren – und eine wilde Musikmischung – immer wieder unterbrochen vom Ende des Liedes und „Was soll ich jetzt spielen“? – boten die perfekte Untermalung für die schönsten, sexiesten, verrücktesten und grazilsten Tanz-Eskapaden. Hach, Berlin…

Es bewegt sich was

Gerade wird mal wieder alles neu. Ob die Reise nach vorn oder zurück geht, wird sich zeigen. Auf jeden Fall geht es erst einmal überhaupt, nachdem es viel zu lange stillstand. Ich bin sehr gespannt, was dabei am Ende herauskommt, nehme mir aber vor, den Kopf auf jeden Fall über Wasser zu lassen und offenen Auges, vielleicht ersteinmal vorsichtig, drauflos zu paddeln.

Egal, wie es endet, es wird auf jeden Fall gut. Insofern freue ich mich auf die Herausforderungen, die Erlebnisse, den Spaß, die Konzentration auf das Wesentliche, die Zeit zu denken, zu reflektieren und neuzudefinieren. Vermutlich find ich irgendwo da draußen sogar mich.

Parallel zur inneren, mentalen Reise steht in einer Woche auch eine tatsächliche, physische an. Macht sich ja immer gut, um alles mal von außen zu betrachten, aus einer anderen Perspektive, mit anderen Vorzeichen und Prioritäten. Noch fünfmal arbeiten, noch siebenmal schlafen…

Neues vom Mixxer

Gerade eben nach langer Zeit mal wieder ein Mixtape eine Mix-CD erstellt, als Geschenk für den 30. Geburtstag einer Freundin. Dabei habe ich folgende Entdeckungen gemacht:

  •  Für einige Jahre gibt es so viele gute Musik, dass man sich nur mit schlechtem Gewissen für ein Song-Highlight entscheiden kann.
  • Erschreckenderweise hat meine Festplatte aus den Jahren 2009 und 2010 nur sehr sehr wenig neue Musik zu bieten, da herrscht definitiv Nachholbedarf.
  • Ich kann nicht mal mehr eine Tracklist per Hand schreiben, ohne dass mein Handgelenk verkrampft – und lesen kann mans auch nicht.

Beim Auswählen habe ich mich mal wieder in den Untiefen meiner Festplatte verrannt und neue und alte Schätze gehoben. Dies bewog mich dann zum bewährten „Alles auf Shuffle“-Spiel. Resultat: Es geht in der Popmusik wirklich IMMER nur um das EINE. Hier die ersten Tracks, die der Mixxer ausspuckte:

1. Bryan Adams – Don’t Give Up – omg, der hat Dancetracks gemacht??
2. Nirvana – Milk It
3. Santana – Everything’s Coming Our Way
4. Holly Cole – Trust In Me
5. The Coral – She’s Got A Reason
6. Tocotronic – Gott Sei Dank Haben Wir Beide Uns Gehabt
7. Chumbawamba – Behave
8. Element Of Crime – Wahr und Gut und Schön
9. Beastie Boys – Hold It Now, Hit It
10. The Beatles – Can’t Buy Me Love
11. Eminem – Drips
12. Johnny Cash – Southern Accents
13. Bruce Springsteen – Prove It all Night
14. Dean Martin – Everybody Loves Somebody
15. Brian May – China Belle
16. Erik Silvester – Zucker im Kaffee
17. Robbie Williams – Lazy Days
18. Phil Collins – Only You Know And I Know
19. Neil Diamond – Cracklin‘ Rosie
20. Alicia Keys – If I Ain’t Got You

HexenTanzindenMaiDemoKrawall

Verrücktes Jahr, gerade war noch Ostern und wurde aus Arbeits- und Familienfeiergründen bis auf ein relativ spontan gebratenes Lamm so gar nicht begangen und schon ist der 30. April da und ich stehe gefühlsmäßig wieder vor einem Dilemma, dass meiner Biographie entspringt.

18 Jahre lang bedeutete der 30. April Hexenbrennen. Es galt, aus all dem in den Wochen zuvor beiseite geschafftem Holz einen großen Haufen zu errichten, mitunter sogar mit selbstgebastelter Hexe und so hoch, dass man ihn mit einer Leiter erklimmen muss. Beim Bauen des Haufens gab es erhellende Gespräche mit der vergleichsweise jungen Tante und den vergleichsweise alten Cousins und Cousinen und der Blick aufs Wetter spielte eine tragende Rolle. Gartenmöbel, Schläuche, Sandeimer, Saftkisten, Waldmeisterbowle, alkoholfreie Bowle für die Kinder, Zwiebelkuchen und mehr wurden zum Hexenplatz gekarrt und wenn es dämmerte, brannte das Feuer. Je älter ich wurde, desto länger durfte ich dabeibleiben. Der erste Mai begann dann mit dem Rösten von Kartoffeln in der noch heißen Asche, die nur mit Salz und Pfeffer ein perfektes Frühstück draußen wurden. Denke ich an Hexenbrennen und den ersten Mai, habe ich automatisch den Geschmack einer sehr heißen Kartoffel mit feinen Röstaromen, Ascheresten und Salz im Mund und den Sonnenschein im Gesicht – auch wenn es bestimmt auch oft regnete.

Die nächsten sechs Jahre bedeutete der 30. April den Tanz in den Mai – Parties, Maibowle und hintendran einen freien Tag zum Ausschlafen und/oder Demonstrieren zu verschiedenen Themen.

Und jetzt bin ich hier in Berlin und der 30. April bedeutet irgendwie gar nichts, während am 1. Mai regelmäßig die Steine fliegen, es diverse politische Veranstaltungen gibt und in der Karl-Marx-Allee die Erinnerungen an frühere Maidemos wachwerden.

Teilnehmen werde ich keiner einzigen Veranstaltung, weil ich krank zuhause auf der Couch liege, frei ist morgen weil Sonntag ist (und ich krank bin) und jetzt fehlt mir da was.

Ich würde jetzt gerne draußen in der Sonne mit Holz hantieren, mit meiner Oma (die inzwischen in einem Pflegeheim wohnt und sich wahrscheinlich nicht mehr daran erinnert, wie das alles geht) den Kuchen backen und Waldmeisterbowle ansetzen, am Feuer sitzen, danach in den Rostocker Clubs in den Mai tanzen, morgen früh Kartoffeln in der Asche rösten und dann am Strand sitzen und auf die Ostsee schauen. Irgendwie sowas… Geht das?

Wie im Film

In letzter Zeit passiert es mir immer öfter, dass ich Zeuge von Gesprächen werde, oder gar selbst in Konversationen verwickelt bin, in denen ich mir vorkomme wie im Film – im falschen noch dazu. Diese Pseudo-Gespräche, in denen die Leute, nur um etwas zu sagen, die selben schon tausendmal durchgenudelten Phrasen rauf- und runterleiern. Sätze wie das unsägliche „Man trifft ja in Berlin nie Leute, die tatsächlich von hier kommen, das sind ja alles Zugezogene.“ Mal ehrlich, ich gehöre zwar selbst irgendwie zu den Zugezogenen, aber echte Berliner kenne ich zuhauf! Und selbst, wenn es nicht so wäre, müsste ich das nicht mit jedem neuen Bekannten noch einmal durchgehen.

Oder Gespräche mit den Mitgliedern einer irgendwie gearteten „Minderheit“ (allein das Wort schon!) – seien es nun Menschen mit Migrationshintergrund, sexuell nicht mainstreamig orientierte oder in irgendeiner Form physisch nicht der Norm entsprechende Mitmenschen – natürlich wird es ein Thema sein, dass manche Leute damit ja ein Problem haben. Und das man selber ja so gar nicht verstehen kann, warum es ein Problem ist. Da wird aus vorauseilendem Gehorsam und Gefallsucht dann mal eben rausgehauen, dass man es ja üüüüüberhaupt nicht nachvollziehen kann, warum es in Deutschland immernoch Leute gibt, die sich wundern, wenn eine Schwarze perfekt deutsch spricht. Absolut gaaaaar nicht.

Diese Gespräche in denen ich dann gequält grinse, mit den Gedanken abschweife und mich frage, warum man nicht einfach mal gar nichts sagen kann, wenn einem wirklich nicht mehr einfällt. Ich hab auch echt nichts gegen belanglosen Smalltalk oder banale Geschichten. Aber bitte nicht jedes Mal dieselben und in genau denselben Worten! Mit mir kann man sich über die Vielseitigigkeit von Gummibärchenvariationen unterhalten, über den Sinn und Unsinn von Blogs und Twitterei, über Work-Life-Balance, Krankheiten, das Wetter – ja sogar über Steuererklärungen, Reality Soaps oder die CSU. Ich toleriere sogar Vorträge über Adorno, Kontingenz und die Entwicklungsgeschichte von Scooter, wenn es wirklich nicht anders geht. Aber bitte bitte, formuliert doch bitte ab und zu mal eine neue These zur Demographie der Berliner; gebt zu, dass es in den meisten deutschen Kuhdörfern keine schwarze Bevölkerungsgruppen gibt und hört auf, vor mir darüber zu diskutieren, welche Tatorte die besten/lustigsten/langweiligsten sind, ok? Dankeschön!