Wie im Film

In letzter Zeit passiert es mir immer öfter, dass ich Zeuge von Gesprächen werde, oder gar selbst in Konversationen verwickelt bin, in denen ich mir vorkomme wie im Film – im falschen noch dazu. Diese Pseudo-Gespräche, in denen die Leute, nur um etwas zu sagen, die selben schon tausendmal durchgenudelten Phrasen rauf- und runterleiern. Sätze wie das unsägliche “Man trifft ja in Berlin nie Leute, die tatsächlich von hier kommen, das sind ja alles Zugezogene.” Mal ehrlich, ich gehöre zwar selbst irgendwie zu den Zugezogenen, aber echte Berliner kenne ich zuhauf! Und selbst, wenn es nicht so wäre, müsste ich das nicht mit jedem neuen Bekannten noch einmal durchgehen.

Oder Gespräche mit den Mitgliedern einer irgendwie gearteten “Minderheit” (allein das Wort schon!) – seien es nun Menschen mit Migrationshintergrund, sexuell nicht mainstreamig orientierte oder in irgendeiner Form physisch nicht der Norm entsprechende Mitmenschen – natürlich wird es ein Thema sein, dass manche Leute damit ja ein Problem haben. Und das man selber ja so gar nicht verstehen kann, warum es ein Problem ist. Da wird aus vorauseilendem Gehorsam und Gefallsucht dann mal eben rausgehauen, dass man es ja üüüüüberhaupt nicht nachvollziehen kann, warum es in Deutschland immernoch Leute gibt, die sich wundern, wenn eine Schwarze perfekt deutsch spricht. Absolut gaaaaar nicht.

Diese Gespräche in denen ich dann gequält grinse, mit den Gedanken abschweife und mich frage, warum man nicht einfach mal gar nichts sagen kann, wenn einem wirklich nicht mehr einfällt. Ich hab auch echt nichts gegen belanglosen Smalltalk oder banale Geschichten. Aber bitte nicht jedes Mal dieselben und in genau denselben Worten! Mit mir kann man sich über die Vielseitigigkeit von Gummibärchenvariationen unterhalten, über den Sinn und Unsinn von Blogs und Twitterei, über Work-Life-Balance, Krankheiten, das Wetter – ja sogar über Steuererklärungen, Reality Soaps oder die CSU. Ich toleriere sogar Vorträge über Adorno, Kontingenz und die Entwicklungsgeschichte von Scooter, wenn es wirklich nicht anders geht. Aber bitte bitte, formuliert doch bitte ab und zu mal eine neue These zur Demographie der Berliner; gebt zu, dass es in den meisten deutschen Kuhdörfern keine schwarze Bevölkerungsgruppen gibt und hört auf, vor mir darüber zu diskutieren, welche Tatorte die besten/lustigsten/langweiligsten sind, ok? Dankeschön!

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