Neues Jahr dann erst morgen!

Der Plan für heute war, das Sofa nicht zu verlassen und genau das habe ich getan – mit Ausnahme eines Aufenthalts in der Badewanne, während der Hase das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee gesehen hat. Drumherum wurde gegessen (indisch-nepalesische Reste von gestern), geschlafen, gekuschelt und im Internet herumgelesen. Pläne wurden für die nächsten, für mich noch freien, Tage geschmiedet und diverse Folgen The Affair und Marvelous Mrs Maisel gesehen.

Jetzt noch eine Nacht Familienbett mit beiden Katzen, ab morgen geht das normale Leben wieder los – für den Hasen im Büro, für mich zum Glück noch im Urlaub. Aber angezogen!

2018 – Rückblick auf ein stacheliges Jahr

Wie schon im letzten Jahr recherchiere ich für diesen Text vornehmlich in den Fotos auf meinem Telefon, das ist zuverlässiger als jeder Kalender (und als dieses Blog sowieso). Tatsächlich gab es dieses Jahr sehr viel Tolles aber auch sehr viel Scheiße, die das Tolle überlagert. Durch das Durchsehen der Fotos habe ich mich gerade wieder an die Highlights erinnert, das war sehr schön. Insgesamt bin ich aber doch recht froh, dass es jetzt vorbei ist und wünsche mir für nächstes Jahr mehr Zeiten wie den März-Juni und weniger von den Kann-Weg-Monaten wie Februar und August, bittedanke. Aber jetzt das Jahr in Monaten und am Ende – weil ich endlich einmal durchgehalten habe – eine Liste der in diesem Jahr beendeten Bücher und im Kino gesehenen Filme:

Januar

Wir beginnen das Jahr tiefenentspannt und ruhig in der vorpommerschen Einöde und besuchen dann noch Susanne bei ihrer Familie in Greifswald (und sagen dem Bodden „Hallo!“, bevor es zurück nach Berlin geht. In den ersten Wochen des Jahres tagebuchblogge ich täglich (allerdings nicht hier), aber dann schläft das wieder ein. Auch andere Vorsätze, wie das tägliche Meditieren, klappen Anfang des Jahres noch gut, später dann schnell weniger. Davon abgesehen ist der Monat geprägt von Medikamenten, Arztbesuchen und einer dicken Erkältung. Kurz vor Schluss treffe ich allerdings das zauberhafte Fräulein wieder – definitiv ein Highlight. (Außerdem: Witzige Arbeits- und Abendveranstaltungen mit Kolleg*innen, mehrere liebe Besuche von Verwandten, Treffen mit Freundinnen, die Rückkehr der Eltern aus Kanada und einmal war ich auch tanzen.)

Februar

Vom Februar bleiben mir außer einem erneuten Treffen mit dem Fräulein, das wirklich wirklich wundervoll ist, keine positiven Bemerknisse zurück. Selbst die Fotos geben wenig her, ich habe fast keine gemacht und verbrachte einen großen Teil des Monats unter einer dunklen Wolke.

März

Der März beginnt mit dem Bemerknis, dass uns beim Lüften wegen starkem Wind die Balkontür kaputtgeht. Bis zur Reparatur ist es ein weiter Weg (Hausverwaltung, Handwerkerbesichtigung, Denkmalschutz…) Aber der Knall beim Zufallen der Tür hat mich vielleicht ein wenig aufgeweckt und zurück ins Leben geholt. Es geht aufwärts mit dem Jahr. Zunächst mit dem Konzert der Kelly Family in der Mercedes-Benz Arena (wenn auch etwas vergällt durch pöbelnde Idioten in der Reihe hinter uns). Dann folgt der Geburtstag zweier Freundinnen, bei dem wir über zugefrorene Berliner Seen spazieren, und bereits eine Woche später sitze ich mit der besten Freundin samt Familie im Stammcafé wieder draußen – es wird langsam Frühling. Mitte des Monats geht es für mich beruflich nach Hamburg, München und Bochum, was durchaus spannend ist. Dann kommt der St. Patrick’s Day, an dem der Hase und ich schon vormittags so viel irische Gemütlichkeit in uns aufnehmen, dass wir die zweite Hälfte des Tages schlafend auf dem Sofa verbringen und es abends nicht mehr ins Pub schaffen. Ein Wochenende in Rostock, mit Konzerten von Feine Sahne Fischfilet und Kat Frankie, einer tollen Indie Night, einem Strandbesuch und viel Familienflausch ist dann auch noch drin. Und ganz am Ende des Monats lerne ich Baby 2 einer lieben Freundin kennen. Jo, der März war ziemlich toll!

April

Im April werden wir französisch-vegan bekocht, der Grill im Büro wird eingeweiht und die Betriebsratswahl findet statt. Das bedeutet zunächst einmal Wahlkampf und Wahlorganisation, später dann den Wahltag selbst. Nach der Wahl setze ich mich in den Bus und erlebe in Magdeburg das nächste wundervolle Konzert – Shout Out Louds. Außerdem bringt der April Frühlingswetter und viel Zeit mit Freund*innen und Familie. Am Ende des Monats gibt es das erste kurzärmelige Balkonfrühstück für mich. Und weitere tolle Konzerte: Talking To Turtles (einmalig schönes Konzert zum zehnjährigen Band-Jubiläum), Das Paradies und La Suite Bizarre (inkl. Wiedersehen nach immerhin 6 Jahren, die Band hatte ich damals im Urlaub in Andalusien kennengelernt). Und eine Lesung mit Sabine Wirsching, deren zweiten Roman ich danach in Rekordzeit durchlese.

Mai

Der Mai ist der Festival-Monat. Er beginnt mit der re:publica und endet mit dem Immergut. Auf der re:publica erlebe ich Chelsea Manning live, lerne vier Akkorde auf der Ukulele, treffe neue und alte Internet-Bekanntschaften und genieße draußen die Sonne. Die Erdbeerhäuschen sind wieder da und ich feiere mein 8-jähriges Dienstjubiläum. Es folgen Familiengeburtstage und der Männertag in der Hasenheimat sowie ausgiebiges Bekuscheln der frisch geborenen Geißlein. Ab Mitte Mai ist es draußen schon so heiß, dass ich im kurzen Kleid herumlaufe und beim Konzert von Mike Friedman den ersten Sonnenbrand bekomme. Und kurz danach fahre ich dann zum Immergut – ganz alleine mit Rucksack, Zelt, Schlafsack, Isomatte und Verpflegungsbeutel mit dem Bus. Es wird ein wundervolles Festival-Wochenende nach 6 Jahren Abstinenz. Wichtigste musikalische (Neu-)Entdeckungen sind dabei Torpus & The Art Directors und Sam Vance-Law, deren Musik mich auch weiterhin durch das Jahr begleitet. Und natürlich bin ich nicht alleine geblieben, sondern habe jede Menge Leute (wieder-)getroffen. Hach war das toll. Und zurück in Berlin folgte dann mit Tex direkt noch ein Konzert.

Juni

Es ist und bleibt heiß. Der Juni beginnt mit Kindertag im Büro (alles voller Kolleg*innenkinder) und einem Wochenende in Rostock. Dort sehe ich Funny van Dannen live (wenn auch nur die zweite Hälfte des Konzerts, weil mein Bus Verspätung hat), hänge am Strand rum, esse Törtchen und Streetfood, und sehe auf KTV- und Brauereihoffest weitere Bands live (gut: Kudde & die Kudders, Les Bummms Boys, schräg: Christian Steifen) und am Ende gibts die nächste Indie Night, die jetzt wieder bis nach Sonnenaufgang dauert. Kurz danach eröffnen wir in Berlin die Freiluftkinosaison und schauen Loving Vincent. Einen Tag verbringe ich mit Kolleg*innen beim Müllaufsammeln im Tiergarten, danach geht es zum späten Anbaden in den Weißen See. Die WM beginnt und gleichzeitig wieder eine Zeit der vielen Arztbesuche. Zwischendurch ist mein Geburtstag und hui, 35 klingt schon echt ganz schön alt. Wir feiern wieder groß im Innenhof und es gibt jede Menge tolles Essen und schöne Menschen.

Juli

Obwohl mich eine Erkältung plagt ziehe ich ein mehrtägiges wichtiges Arbeitsmeeting durch und falle danach dann mit einer Kehlkopfentzündung und zehntägigem Sprechverbot aus. Es ist immer noch heiß draußen, aber ich verbringe die meiste Zeit drinnen auf der Couch, trinke Unmengen Tee und kuriere mich aus. Dann geht es Mitte des Monats zum runden Geburtstag des Hasenbruders, der groß gefeiert wird. MTS spielen live, und trotz Alte-Weiße-Männer-Humor ist doch noch der eine oder andere Lacher für mich dabei. Ein weiteres Highlight ist dann im Juli wieder ein Treffen mit dem Fräulein. Die dauernden Arztbesuche halten jedoch an, die Hitze ist zwar schön, aber auch sehr anstrengend für mich. Sie kulminiert Ende des Monats in einem Platzregen beim Konzert der Kelly Family in der Waldbühne (das nicht nur deswegen viel toller und legendärer ist als das im März drinnen).

August

Der August beginnt mit Sushi, großem Mist, langer Krankschreibung und vielen dunklen Wolken – obwohl es draußen immer noch die ganze Zeit heiß ist. Schön sind immerhin die Treffen mit Freund*innen und deren Kindern und das Babysitten beim großen Sohn der Freundin, die dieser Tage ihr zweites Kind bekommt. Erst in der letzten Augustwoche nehme ich wieder am normalen Leben teil und wir laden unsere lieben Katzensitter*innen zu einem italienischen Festmahl ein. Es folgen noch der Zug der Liebe und eine Anti-Nazi-Demo in Neukölln, die auf die Ereignisse in Chemnitz reagiert. Alles in allem kann der August aber – ähnlich wie der Februar – weg.

September

Der September verläuft zunächst unspektakulär, dann gibt es die große Sommerparty im Büro und im Anschluss ein Kurztrip in die Mecklenburger Seenplatte mit lieben Freunden. Wir gammeln viel rum, spazieren, reden und essen gut. Kurz danach geht es für ein Wochenende nach Sachsen-Anhalt auf eine Hochzeit, die ungeplant mit einer Nacht im Auto endet. Das Wochenende drauf verbringe ich mit den Cousins und Cousinen dann wieder in Rostock. Und dann sind nur noch ein paar Tage bis zum Urlaub, in denen lasse ich mir noch einen toten Zahn überkronen, mache eine Dienstreise nach Dortmund, und dann kann das Fressfest starten.

Oktober

Die ersten drei Wochen sind wir auf unserem Roadtrip durch Nord- und Mittelitalien, der südlichste Punkt ist der Lago di Bolsena. Über den Urlaub habe ich ja ausführlichst gebloggt, da gibt es jetzt nicht viel mehr zu zu sagen, außer, dass er superschön und trotzdem nicht unanstrengend war. Wieder zurück in Berlin treffe ich alte Schulfreund*innen wieder und besuche ein zauberschönes Konzert von Sam Vance-Law im Lido.

November

Den November beginne ich wieder mit einem Rostock-Wochenende voller Tanzen, Törtchen und Ostsee. Und dann wird schon langsam das Jahresende eingeläutet. Gänseessen mit der Hasenfamilie, diverse After-Work-Aktivitäten im Büro und beginnende Einigelung meinerseits. Bevor der November allzu grau wird, nehme ich mir spontan einen Tag frei und verbringe den im Vabali. Das war eine der besten Ideen seit langem! Ansonsten wird viel gegessen und wieder gut gekocht, wir treffen Fabrizia in Berlin bei einem sizilianischen Abend, gehen mit Freunden brunchen… Trotzdem ist die Stimmung gedrückt.

Dezember

Eine Nachhochzeitsfeier in Magdeburg, Zeit mit Freunden und Familie dort und ein Besuch auf dem schwedischen Weihnachtsmarkt in Wilmersdorf läuten den Dezember ein. Es folgen diverse Weihnachtsmarktbesuche in den unterschiedlichsten Konstellationen, viel Arbeit und Nach-Arbeits-Events, Geschenkebesorgerei, der Hasengeburtstag mit einem russischen Brunch und Theaterbesuch, ein Ausflug nach Wittenberg zu Familie und noch mehr Weihnachtsmarkt, die legendäre Weihnachtsfeier der Firma, dann Weihnachten in Familie und whoahistdasschonwiederalleszuvielgrad. Danach ein paar ruhige und entspannte Tage in Rostock zum Runterkommen. Mit Tanzen, lieben Freundinnen, viel Familie, Meer, Stadthafen, Spazierengehen, Durchatmen. Jetzt noch Silvester (Couch und Filme zu zweit) und dann ist es geschafft, dieses Jahr.

Kinobesuche 2018 (allesamt großartig):

  • Wildes Herz (2x)
  • Loving Vincent
  • Die Familie Brasch
  • Gundermann
  • Bohemian Rhapsody
  • Astrid

Beendete Bücher 2018 (wieder mehr gelesen als auch schon, nächstes Jahr mehr Frauen!):

  • Jane Gloriana Villanueva: Snow Falling (E-Book)
  • David Lagercrantz (nach Stieg Larsson): Verschwörung (Softcover)
  • Sven Regener: Wiener Straße (Hardcover)
  • Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich. (Hörbuch)
  • Rob Sheffield: On Bowie (Softcover)
  • Volker Kutscher: Moabit (Hardcover)
  • Dmitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters (Softcover)
  • Sven Regener: Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt (Softcover)
  • Wolfgang Herrndorf: Bilder Deiner großen Liebe (Softcover)
  • Ulrich Schacht: Grimsey (Hardcover)
  • Giovanni Frazzetto: Nähe (E-Book)
  • Nino Harataschwili: Das achte Leben (Für Brilka) (E-Book)
  • Amulya Malladi: Song of the Cuckoo Bird (E-Book)
  • André Aciman: Call me by your Name (Softcover)
  • Trevor Noah: Born a Crime (Softcover)
  • Ian McEwan: Nutshell (Softcover)
  • Stephan Thome: Gegenspiel (Softcover)
  • Thomas Lindemann: Keine Angst, hier gibts auch Deutsche. Unser neues Leben im Problemkiez (Softcover)
  • Mike Gayle: The Man I Think I Know (E-Book)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Hardcover)
  • Klaus Mann: Der Wendepunkt (Hörbuch)
  • Theodor Fontane: Cécile (Hörbuch)
  • Marlena di Blasi: 1000 Tage in Orvieto (Softcover)
  • Theodor Fontane: Stine (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Das nasse Fisch (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Der stumme Tod (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Goldstein (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Die Akte Vaterland (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Märzgefallene (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Lunapark (Hörbuch)
  • Volker Kutscher: Marlow. (Hardcover)

Opa

Mein Papa beschwerte sich, dass ich bei meinen Erinnerungen an Warnemünde immer nur von Oma rede. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass in den Jahren, in denen wir die beiden dort oben besucht haben und bevor sie dann in die Lausitz zogen und wir uns oft gesehen haben, Oma einfach die prägendere Figur war.

Opa saß am Schreibtisch und arbeitete – zuerst noch im Rahmen seiner Tätigkeit als Professor, später als Rentner seinen aktuellen Interessen nach. Er trat zu den Mahlzeiten in Erscheinung und abends vor dem Fernseher oder beim Rommé spielen. Und noch später am Abend dann in politischen Debatten mit Freunden und Kindern, aber an denen nahm ich erst viel später Teil. Oma hingegen war für mich den ganzen Tag über präsent*, wuselte im Haushalt herum und ging mit uns nach draußen, spazierte mit uns über die Promenade, nahm uns mit zum Einkaufen und ließ uns auf dem Spielplatz toben.

Später habe ich dann noch sehr viel Zeit mit Opa verbracht, auch wenn sich diese grundsätzliche Aufteilung nie so recht änderte. Opa war mehr so fürs Intellektuelle und die sitzenden Tätigkeiten, auch weil er körperlich nicht mehr so fit war. Er las stundenlang, beschäftigte sich mit Goethe und Van Gogh und schrieb an seinen „Memoiren“, die mein Bruder dann abtippte, weil Opa nach ersten Erfolgen am Computer doch lieber wieder zum Stift griff. Ich lernte seine winzige Handschrift auch noch lesen, als ich nach dem Auszug meines Bruders dafür zuständig war, seinen Schriftwechsel mit dem Sozialgericht über seine Rentenansprüche zu tippen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten hatte übrigens immer meine Oma abgetippt. Ich muss mal herausfinden, wie das mit den chemischen Formeln damals ging…

Opa war ein Freund von schönen Dingen, von Literatur, Malerei, Musik (auch wenn er selbst kein Instrument spielte) und süßen Leckereien. Er zeichnete und schrieb und schenkte mir ein koloriertes Stillleben, das ich immer noch habe und mal wieder aufhängen könnte. Er ermunterte auch uns zu all diesen Dingen und war stolz auf meine Geige spielende Cousine und vor allem auf alle naturwissenschaftlichen Leistungen, die wir so zu Stande brachten. Bei mir waren das nicht besonders viele, aber ich weiß noch, wie er reges Interesse an meiner Teilnahme bei der Matheolympiade zeigte und mich dabei anspornte. Und nebenbei versuchte, die Aufgaben auf seine Art zu lösen (nicht auf 6.-Klasse-Niveau). Damit verbrachte er Stunden, während ich schon längst wieder am spielen war…

Opa saß stundenlang, las oder dachte nach und rauchte eine Zigarette nach der anderen, erst f6 und später Pall Mall. Das erste, was er nach der Begrüßung zu mir sagte, war meist: „Holste mir mal den Aschenbecher?“ Andere typische Opa-Phrasen waren: „Naja!“ (als Abschluss einer längeren Denkpause oder um Schweigen zu überbrücken), „Pfui Geier!“ (beim Einnehmen ekliger Tropfen), „Schmeckt schön!“ bzw. „Macht’s Maul breet, das viel ’neigeht!“ (beim Essen) und „So’n Mist!“ (zu den Nachrichten im Fernsehen oder wenn wir Kinder Filme mit angedeuteten Sexszenen schauten.)

Als die Memoiren fertig waren (und später noch einmal) habe ich sie gelesen. Ich erfuhr viel Neues über Opas Kinder- und Jugendjahre. Sah den kleinen Knirps mit den Segelohren (daher habe ich die also) und den hübschen jungen Mann mit der blonden Tolle und den blauen Augen. Ich lernte etwas über die deutschen und die polnischen Vorfahren, über das Aufwachsen während des Krieges, über das Bewachen der Schule in der Bombennacht und die Heimkehr zur zerstörten Wohnung. Über das Eingezogenwerden, die Ausbildung an der Waffe und das Gefangennehmenlassen bei erster Gelegenheit. Mit 16. Über Jugendbeziehungen, Studienjahre und Familiengründung. Und dann konzentrierte ich mich auf die Geschichten über die Familie und überblätterte wissenschaftliche Erfolge, politische Arbeit und gesundheitliche Probleme.

Diesen Teil muss ich mir auf jeden Fall noch einmal genauer anschauen, den finde ich jetzt mit 15 Jahren Abstand doch deutlich spannender als damals. Wieso 15 Jahre? Heute vor 15 Jahren habe ich das letzte Mal mit Opa gesprochen. Da rief ich ihn an und gratulierte ihm zum 75. Geburtstag. Er klang krank und schwach, aber freute sich sehr. Bevor wir auflegten, erkundigte er sich noch nach dem Befinden meines damaligen Freundes. Einen Tag später war Opa tot.

Zum 90. denke ich heute sehr viel an ihn. ❤


*Oma war keine Hausfrau, sondern Lehrerin an der Hochschule für Seefahrt. Vermutlich hatte sie frei, wenn wir kamen?

Tagebuch-5 im November – Unter der Käseglocke #wmdedgt

Es ist der 5. und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen wieder: WMDEDGT? Die anderen Beiträge gibt es wie immer hier, mein Tag sah so aus:

Den Wecker des Hasen verschlafe ich einfach, denn ich bin von meinem Rostock-Trip immer noch wahnsinnig müde. Als meiner halb 8 dran ist, werde ich zumindest wach(er), brauche dann aber noch eine gute halbe Stunde, bis ich mich aus dem Bett schäle. Katzen auf den Balkon lassen, duschen, Zähne putzen, Rostock-Gepäck aus- und verräumen, Sportsachen einpacken, Besuch verabschieden und dann geht es ins Büro. Die Tram ist nach den Ferien wieder voll, dafür gibt es erstaunlicherweise in der U-Bahn einen Sitzplatz.

Viertel 10 bin ich im Büro. Zum Frühstück gibt es zwei Orangen und einen Milchkaffee. Ich bin den ganzen Tag über schrecklich müde und fühle mich wie unter einer Käseglocke. Zum Glück stehen keine besonderen Termine an und ich kann einfach in Ruhe Dinge abarbeiten. Dazu gibt es das neue Hanson-Album auf die Ohren, das dieser Tage erscheinen wird. Um 12 ergattere ich eines der Early Bird Tickets für die re:publica im nächsten Jahr. Mittags gehe ich mit Kolleg*innen an die Salattheke des nächsten Supermarkts und stelle mir mein Mittagessen zusammen.

Dann esse ich mit der besten Kolleginnenfreundin zu Mittag und berichte ihr von meinen Rostock-Erlebnissen und den Treffen mit gemeinsamen Freunden.

Den immer noch müden Nachmittag überstehe ich mit viel Tee und einer Unterbrechung durch eine Videokonferenz. Nebenbei verschiebe ich die Sportverabredung auf morgen: Heute muss ich wirklich früh ins Bett. Außerdem wird mit dem Hasen das Abendbrot besprochen und ein Treffen mit einer Freundin für nächste Woche ausgemacht.

Viertel 7 mache ich Feierabend und fahre auf direktem Weg nach Hause. Kurz vor 7 komme ich an. Erst einmal bekommen die Katzen ihr Futter und ich ziehe mich diskret aufs Sofa zurück, damit sie in Ruhe essen können. Dann mache ich mich an die Zubereitung des Abendbrots. Es gibt Nudeln mit Mangold (aus dem Garten der Haseneltern), Stracchino (aus dem italienischen Supermarkt) und Walnüssen (aus dem Innenhof).

Pünktlich um 8 steht das Essen auf dem Tisch. Dazu gibt es einen Lacrima di Morro d’Alba, den wir aus Marche mitgebracht haben (ein Geschenk der Eltern der italienischen Cousine). Während des Essens erzählen wir uns gegenseitig die letzten Tage und dann wird es für mich auch schon Zeit fürs Bett. Um 9 liege ich drin.

Meine Rostock-Sentimentalitis

Meine Rostock-Besuche machen mich ja immer extrem sentimental. Und tiefenentspannt. Und müde. Und dann sitze ich am Sonntag auf der Rückfahrt im Bus und lasse alles Revue passieren. Diesen Besuch und die davor und all die Jahre davor. Die Gedanken kreisen hin und her zwischen frühen Kindheitserinnerungen bei Oma in Warnemünde, Familien- und Freundebesuchen, Fernbeziehungswochenenden und -ferienzeiten, Studienjahren, Parties, Konzerten, Meeresmomenten, lebensprägenden Menschen, Schlüsselszenen, weitem Himmel und blauem Wasser und diesem ganz besonderen Flair in meiner sicherlich nicht ganz repräsentativen alternativen Kulturfuzzi-Bubble. Und dann atme ich tief durch und bevor ich hier aus Schlafmangel und Sentimentalitis kitschig werde oder es so klingt als sei Berlin nicht auch toll, lasse ich einfach ein paar Bilder da.

Morgen gehts wieder, versprochen!

Planbar entspannt zu spät – Rostock, ich komm‘ längs!

Am Alex gibt es seit einiger Zeit ein „Café“, in dem kann man sitzen, wenn der Bus mal wieder länger braucht als erwartet. Wobei erwartet das falsche Wort ist, sagen wir „als angekündigt“. Ich bin ja lernfähig und kann mich ganz gut daran gewöhnen, dass der Bus nach Rostock zu spät in Berlin ankommt, zu spät hier losfährt und dann auch noch länger für die Strecke braucht, weil dort eben gebaut wird. Dass es aber nicht möglich ist, diese für mich einplanbaren Verspätungen auch einfach tatsächlich einzuplanen und andere Zeiten anzugeben, das will mir nicht so recht in den Kopf.

Da ich es ja nun aber weiß, habe ich eine verspätete Ankunft angekündigt und werde heute weder wie vorletztes Mal die Hälfte eines Konzerts verpassen noch wie letztes Mal so spät zu einem Essen kommen, dass die Küche dann schon geschlossen hat.

Ich bin sogar so rechtzeitig im Café, dass ich einen der bequemen Sessel ergattern konnte, ich habe etwas zu essen und zu trinken dabei und bin heute Abend nur ganz lose verabredet. Feste Termine stehen erst ab morgen an und so kann ich ganz entspannt nochmal den Ärger über nicht funktionierende Dinge Revue passieren lassen, der mich die letzten Tage begleitet hat. Revue passieren und dann ziehen, denn jetzt ist ja quasi schon wieder Urlaub. Rostock, ich komm‘ längs!

Im November werde ich…

Auch dies ist ein monatliches Ritual, ich glaube ursprünglich von Frische Brise, aber auch übernommen von z. B. Frau Brüllen. Im November werde ich…

  • Weiter sehr viel selber kochen und backen, dabei Vorräte aufbrauchen, viel improvisieren und spannende Rezepte ausprobieren
  • Rostock, Warnemünde und die Ostsee sehen
  • Tanzen, bis das Licht angeht
  • Freunde treffen
  • Ins Kino gehen
  • Törtchen essen
  • Endlich wieder zum Sport gehen
  • Eine lang verschollene Freundin wiedersehen
  • Die Hasenfamilie besuchen und Gans essen
  • Mit spannenden Menschen dinieren
  • Einen Schaukelstuhl bekommen und dafür die Bibliothek umräumen
  • Die Lausitz und dort lebende Freunde und Familie wiedersehen, im Wald, unter der Brücke und vielleicht am Berg?
  • Das Brüderchen treffen
  • Ehrenamtlich agieren
  • Die Katzen ständig rein und raus lassen, bis es ihnen draußen zu kalt wird
  • Die Wahlen in den USA verfolgen
  • Die Ärzte endlich auf Spotify hören
  • Pfannkuchen essen, am 11. nämlich
  • Auf der Arbeit ganz neue Aufgaben erlernen
  • Vielleicht weiter mehr bloggen?

Wie der Oktober riecht

Regelmäßig schreibt das beste Fräulein von Allen, die Godmother der Tastatur, auf, wie ihr Monat roch und lädt ein, selbst olfaktorische Erinnerungen zu notieren. Und wie immer, wenn das Fräulein etwas anpackt, finden sich schnell Gleichgesinnte, diesen Monat u. a. in Indien und Hamburg, in Chile und in Brandenburg. Ich will mich nun auch einmal daran versuchen, denn beim Lesen und kurzen Überlegen sind mir erstaunlich viele Gerüche des Oktobers wieder eingefallen…

Der Oktober riecht zuerst einmal nach salziger Lagunenluft, nach Feuchte, Schimmel, Algen und jeder Menge Regen. Nach viel zu vielen enggedrängten nassen Menschen im Vaporetto und nach gutem Kaffee zu touristischen Preisen. Nach süßem Gebäck und überreifen Feigen, nach geschmolzenem Glas und Torta della Nonna. Er riecht nach Meeresgetier auf dem Teller und nach dunkler Schokolade.

Der Oktober riecht nach alten Gemäuern und jahrhundertealter Weisheit, duftet nach tropischen Blüten und schwerer, feuchter Luft ebenso wie nach verbranntem Gummi und Benzin. Der Duft von Schafskäse zieht sich durch den kompletten Monat, den von Trüffeln hingegen lassen wir nach einigen Tagen hinter uns. Trauben frisch von der Rebe gepflückt riechen im Oktober manchmal schon leicht vergoren und künden von dem Wein, zu dem sie werden.

Der Oktober riecht nach Oma, nach Zuhause, nach Kindheitserinnerungen und Kaminfeuer zwischen dicken Steinwänden, nach Jahrzehnten voller Bücher und Gemälden ebenso wie nach einem Hühnerstall und gleichzeitig nach den Zitronen, die C. für uns pflückt. Der Oktober riecht immer noch nach Tomaten.

Nach Wein riecht er wochenlang, in den verschiedensten Herstellungsstufen, Mischungen und Aromen. Nach Prosecco, Spumante und Lambrusco, nach Soave und Bardolino, Sangiovese, Brunello und Verdicchio, Pinot Grigio und Vinsanto.

Er riecht nach Eichenfässern, Kellerstaub und Trester. Nach frischem Brot und rohem Fleisch. Nach Pasta und Brühe und Pfeffer und noch mehr Käse. Nach Schinken, Salami, Salsiccia und Bacon. Nach zu flüssigen Frühstückseiern und aufgewärmter Lasagne. Er umschmeichelt die Nase mit Squaquerone und karamellisierten Feigen und fordert sie mit Schwefelquellen und gechlortem Wasser heraus.

In den Bergen riecht der Oktober schon nach tiefstem Herbst, nach Holzfeuer und Gebirgsbächen und nach Abendbrot im Bett. Er riecht nach Aprikosenmarmelade und cremigem Gelato, nach Frittiertem und jeder Menge Caffè, nach angekohltem Hefeteig und Schokoladenfabrik. Und nach Gianduia riecht er auch.

Der Oktober riecht nach Knoblauch und Kakis, nach Eseln und Ziegen, nach frisch gepflügter Erde und verbrannten Weinstöcken. Er riecht nach nassem Hund und schlammigen Pfoten auf neuen Hosen.

Nach blauem Meer und blauem Himmel, sanfter Brise und weißen Kieseln riecht der Oktober. Nach Meerfenchel und salziger Seife, nach Honig und nach Rosenblättern. Nach Neuem und Altem und der schwierigen Zeit dazwischen. Nach Puderzucker und Maroni, geschmolzenem Käse, Kürbis und Mandeln.

Er riecht nach Ledersitzen im Zug und Zugtoiletten. Nach uiguirischem, irischem und irgendwie modernem Essen. Nach Selbstgekochtem und endlich wieder deutschem Kuchen. Nach Aufbruch und Neuanfang und einer Ahnung vom Schweren.

Nach bunten Blättern und abgemähten Hagebuttenhecken, nach Asphalt und Alltag, Bürofußbodenbelag und erstem Glühwein, nach Katzenschnurren und jeder Menge Tee – und immer noch nach Rattenkot. So riecht der Oktober.

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 22: Die Rückfahrt

Morgens wurde es etwas hektisch, da ich zwar den Wecker gestellt hatte, aber vergessen habe, dass er „nur an Wochentagen“ klingeln würde. Zum Glück wurde ich trotzdem gegen 8 wach, so dass wir es noch locker geschafft haben, unsere Sachen zu packen, zum Bahnhof zu laufen und dort auch noch einen Kaffee zu trinken, bevor wir in den Zug nach München stiegen. Das war dann übrigens auch der Moment, an dem der Hase lernte, dass München auf italienisch Monaco heißt und kurz verunsichert ob unserer Reiseroute war.

Diesmal hatten wir leider keine Plätze im Abteil, sondern ganz normal zwei Fensterplätze mit Tisch in einem Vierersitz. Trotzdem war der Eurocity immer noch deutlich bequemer als später der ICE. Ich nutzte die ersten Stunden zum Verbloggen der beiden vergangenen Tage, dann schaute ich aus dem Fenster wehmütig zu, wie die Landschaft immer alpiner und weniger typisch italienisch wurde. Dann waren wir auch schon in Österreich und nur etwas über eine Stunde später auch schon wieder in Bayern. Wahnsinn, wie nah das alles beieinander liegt. Würde ich in Bayern wohnen (und da sei Gott vor, auch wenn ich nicht an sie glaube), würde ich wahrscheinlich regelmäßig nach Italien fahren und nicht an die Ostsee. Aber ich hörte, das macht man in Bayern auch so.

 

In München hatten wir diesmal eine gute Stunde Aufenthalt. Das reichte genau, um mal wieder beim Uiguren vorbei zu schauen, Schnittlauch-Lagman zu essen, Tee zu trinken, festzustellen, dass wir nicht mehr genug Bargeld haben, zum Geldautomaten zu sprinten, Bargeld abzuheben, die Rechnung zu zahlen und wieder rechtzeitig am Gleis zu stehen. Dieses entpuppte sich kurzfristig als das Falsche, da die Bahn beschloss, einmal kräftig durchzuwürfeln und mehrere Züge einfach zu tauschen. So rannten von mindestens vier Gleisen des Kopfbahnhofs Fahrgäste samt Gepäck hektisch und kopflos durch die Gegend, Wagenbezeichnungen stimmten nicht, Reservierungen waren nicht eingelesen und selbst das Zugpersonal wusste zeitweise nicht, wer jetzt wohin fährt. Es ruckelte sich dann aber alles zurecht und wir fanden zwei Plätze, die sich auch nachdem die Reservierungen plötzlich angezeigt wurden bis Berlin freibleiben sollten. Während sich die anderen Fahrgäste noch lange über das Chaos unterhielten, las der Hase in seinem Buch und ich hörte mehrere Folgen des „Punch Up The Jam„-Podcasts.

 

Und dann waren wir auch schon wieder in Berlin, nahmen vom Hauptbahnhof die S-Bahn zum Alex und dann die Tram nach Hause. Kurz nach 22:00 nahmen uns die Wohnungssitterin, Nimbin und Noosa in Empfang. Während die Sitterin uns erwartet hatte, waren die beiden Miezen sichtlich überrascht uns wiederzusehen. Aber schon nach wenigen Minuten hatten sie sich daran gewöhnt, dass wir zurück sind und tobten freudig auf uns herum. Zuhause. ❤

#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 21: Abschiedstag und Verona

Unser letzter ganzer Tag in Italien war ein Tag voller letzter Male. Zunächst begann er aber in einem Palazzo in Chioggia, wo wir vom nebenstehenden Glockenturm geweckt wurden. Wir frühstückten in einer Bar am Corso und dann führen wir über diverse Brücken, die über Flüsse, Kanäle und Lagune führten, zurück aufs Festland und nach Padua. Dort machten wir unseren Mietwagen, den zuverlässigen Baobao, abgabefertig und verteilten unsere Habe final auf unsere beiden Reiserucksäcke, meine Handtasche, den Tagesrucksack des Hasen und zwei Leinenbeutel. Dann gaben wir die Autoschlüssel ab und fuhren mit dem Regionalexpress nach Verona. Den ersten Teil der Zugfahrt verbrachten wir stehend, denn gefühlt Milliarden Student*innen wollten nach Vicenza. Direkt nach Vicenza hatten wir dann Sitzplätze und jede Menge Platz für unsere verschiedenen Gepäckstücke. In Verona checkten wir in unserem Quartier ein, machten uns einen Plan für den Rest des Tages und liefen dann los in die Stadt.

 

Zunächst ging es zum Schloss und der daran angrenzenden Ponte Scaligero, auf der wir den Adige/die Etsch überquerten. Dann liefen wir am Fluss entlang, der das historische Zentrum auf drei Seiten umschließt. Bereits gestern waren wir (kurz nach dem Po) über die Etsch gefahren, die uns bisher vor allem aus nationalistischem Liedgut ein Begriff war. „Living on the Edge“ ist da die viel angenehmere Assoziation. Oder man sagt halt einfach Adige. Auf jeden Fall kann man verstehen, warum die Deutschen früher gerne Anspruch auf diesen Fluss erhoben, er und Verona selbst sind nämlich ganz schön schön.

 

 

Mit einem letzten italienischen Eis gestärkt ging es dann zum Dom, den wir uns mal wieder nur von außen ansahen. Sieht auch so beeindruckend genug aus!

 

Wir entschieden uns dann dagegen, mit der Standseilbahn nach oben zum Amphitheater zu fahren, um für viel Geld einen Blick auf die Stadt zu erhaschen, den sämtliche andere Besucher*innen auch haben, und spazierten stattdessen lieber durch die Altstadt.

 

 

Auf einem Markt – der erste, den wir erlebten, der auch am späten Nachmittag noch frisches Obst und Gemüse anbot, kauften wir Trauben, Tomaten und Gurken als Reiseproviant sowie einen schönen großen Granatapfel als Mitbringsel für unsere Wohnungssitterin. Den ganzen Urlaub über hatten wir immer wieder Granatapfelbäume gesehen, aber leider immer hinter Gartenzäunen, so dass wir nicht wie letztes Jahr in Sardinien einfach einen mundrauben konnten.

 

Dann kamen wir zum Touristenmagnet schlechthin, dem Balkon, den man an ein altes Haus angebaut hat und als Julias Balkon deklariert hat. Romantik-Fans aller Altersklassen machten dort Fotos, hinterließen Liebesbriefe und träumten von Romeo und Julia. Der Hase tat sich das Spektakel gar nicht erst an. Ich schlenderte für zwei Minuten näher heran und machte ein Foto von den Massen. Sehr süß fand ich ein älteres schwules Pärchen aus dem asiatischen Raum, das ein Selfie vorm Balkon machte, sehr creepy hingegen den Typen, der sich hinter die Julia-Statue stellte und sich dabei fotografieren ließ, wie er ihre Brüste angrabschte. Schnell wieder weg hier!

 

 

Wir kauften noch Proviantbrötchen und fotografierten ein wenig Streetart und dann machten wir uns auf Richtung Arena. In deren Nähe nahmen wir unseren letzten Aperitivo zu uns – der Hase mit Südtiroler Bier, ich mit einem alkoholfreien Fruchtcocktail. Das kostete jeweils um die 4 € und dazu konnte man sich am Snackbuffet einen Teller voll Leckereien zusammenstellen. Unser letzter Aperitivo war damit nicht nur der günstigste, sondern auch der Leckerste.

 

Hinterher ging es fürs letzte Abendmahl in eine Pizzeria, die uns die Hasenschwägerin empfohlen hatte. Sie hat regelmäßig beruflich in Verona zu tun und ihre Kolleg*innen sind der Meinung, dort gäbe es die beste Pizza Veronas. Nun was soll ich sagen, es war schon ganz lecker, aber Norditalien ist einfach nicht der Ort für neapolitanische Pizza. Die beste Pizza Berlins schlägt die beste Pizza Veronas definitiv. Trotzdem genoss der Hase seine Boscaiola mit diversen Pilzen und meine Friarielli mit Rübstielen und süßer Salsiccia war auch sehr schmackhaft. Danach ging es schnell ins Bett, denn ein langer Reisetag lag vor uns.