Die Sachbuch-Welle

Fragte man mich früher nach meinem Büchergeschmack, wäre eine Antwort wie „Alles außer Sachbücher“ höchstwahrscheinlich gewesen. Ähnlich wie bei Musik „Alles außer Techno und Schlager“ oder bei Filmen „Alles außer Thrillern und Actionfilmen“. Naja, mit dem Alter wird man weich…

Ich habe gerade hintereinander 4 (in Worten: vier) Sachbücher gelesen. Jedes Einzelne hat mich weitergebracht, gut unterhalten, ein bisschen ob meiner Fehlerhaftigkeit beruhigt und mich angespornt, Dinge anders zu sehen und anzupacken. Hier nochmal kurz die Liste:

  • Marla Cilley: Sink Reflections.
  • Noah Sow: Deutschland Schwarzweiß.
  • Jonathan Safran Foer: Eating Animals
  • Malte Welding: Frauen und Männer passen nicht zusammen. Auch nicht in der Mitte.

(Zum Verlinken bin ich gerade zu faul, ich empfehle Copy Paste und eine Suchmaschine Eurer Wahl.)

Nachdem ich nun also ein mehr oder weniger motiviertes FlyBaby bin, eine mehr oder weniger engagierte Rassismus-im-Alltag-Aufdeckerin, eine mehr oder weniger strenge Teilzeitvegetarierin und eben auch ein Wildkaninchen (Nicht fragen, lesen!) werde ich nun nach langer Zeit endlich wieder ein Stück Belletristik in mein Leben lassen. Freue mich schon sehr auf The Book Thief von Markus Zusak.

Alle erwähnten Sachbücher sind uneingeschränkt an alle möglichen und unmöglichen Menschen zu empfehlen. Bei Sink Reflections ist zu beachten, dass man seine Gendersensibilität und seinen Atheismus für die Zeit des Lesens in die Ecke stellen muss, dann tut man sich auch nuiht weh und profitiert von den Kernaussagen in großem Außmaß. Also: Lesen, lesen, lesen und lesen!

Passend zur Endzeitstimmung…

…ist dann jetzt auch noch Knut tot. Reicht dann jetzt aber bald mal, ok? Morgen möchte ich in meinem Feed lesen, dass irgendwas Tolles passiert ist, ok? Bitte?

Aus den Fugen

Gestern Abend sagte ein kluger Mensch im Fernsehen, es sei schon erstaunlich. Alles hätte doch so gut angefangen. Es gab ein paar Frühlingstage, in Nordafrika wuchsen neue Demokratien, ein großer Schummler wurde des Amtes verwiesen, die Herrschaft des Volkes rückte immer näher… Dann spielt plötzlich Gaddafi verrückt und seit letztem Freitag ist das alles sowieso irgendwie hinüber. Da zeigt uns die Natur wieder einmal, dass wir eben doch nicht über diesen Planeten herrschen und selbst wenn wir unser bestmöglichstes Benehmen an den Tag legen, manches einfach immernoch unglaublich schiefgehen kann. Wir sind dann jetzt also doch nicht Gott. Gut, dass uns das mal einer sagt.

Auch gut, dass uns mal einer sagt, dass Atomkraft gar nicht sicher ist, hätte unsere Regierung sonst gar nicht mitbekommen. Komisch, wie eine studierte Physikerin diesen Fakt mal eben jahrzehntelang ausblenden kann, wenn es die Seilschaften nötig machen. Es gruselt einen ganz gewaltig. Noch gruseliger ist natürlich, was direkt vor Ort in Japan passiert. Seit letztem Freitag schlafen wir wohl alle nur noch gerade soviel wie unbedingt nötig ist. Der letzte Blick am Abend und der erste am Morgen gelten den Live-Tickern. Man wünscht sich geradezu einen kombinierten Japan-Libyen-Ticker, damit man ja nichts verpasst und in komprimierter Form alle Entwicklungen zu sich nehmen kann, während hier in Deutschland die Welt einfach weitergeht und Tag für Tag bezwungen werden will.

Geht nur mit Galgenhumor, denn wie will man denn hochkonzentriert arbeiten, unter Stress, in einem Raum voller lauter Leute, wenn die Gedanken  ständig ängstlich den Ticker rekapitulieren. Wenn die Bilder im Kopf geprägt sind von dem Buch, dass man als Kind gelesen hat und das jetzt wieder die Bestenlisten hinaufklettert? Wie soll man denn einen klaren Kopf behalten, wenn man nicht über die ganze Scheiße lacht? Ich habe noch nie so viele politisch unkorrekte Witze gemacht, wie in dieser letzten Woche.

Und es ist ja nicht nur Japan. Momentan läuft irgendwie alles schief. Die Arbeit wird immer mehr, die Technik spielt uns Streiche, die Gesundheit von vielen macht einfach nicht mehr mit. Hiobsbotschaften wohin man auch sieht. Da gehen die positiven Entwicklungen leicht unter.

Trotzdem hier die Top 7 der Dinge, die diese Woche wider Erwarten doch lebenswert gemacht haben:

  • Die Freundin einer Freundin ist meine neue Kollegin und bringt das Büro zum Strahlen (schon wieder einer dieser Witze…)
  • Das Beobachten einer gerade beginnenden Liebe(lei?) und die glücklichen Gesichter der beiden Probanden, denen man das bisschen Glück von Herzen wünscht
  • Das Foto vom gerade geborenen Kollegen-Sohn, dass heute im E-Mail-Postfach lag
  • Dass der Liebste gerade eine wundervolle Zeit mit seiner Familie in Italien hat, von der guten Laune schwappt einiges herüber ins kalte, graue Berlin
  • Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines Tickets für das diesjährige Immergut-Festival, auf das ich mir schon jetzt ein Loch in den Bauch freue
  • Dank der sturmfreien Wohnung gibt es morgen einen wundervollen Mädelsabend mit Schokofondue und lieben Freundinnen
  • Die Lektüre des soeben erworbenen Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte. Warum die Liebe trotzdem glücklich macht von Malte Welding – voller Wahrheiten und Lehren und Lachern

Irgendwie ist halt doch nicht alles vorbei und selbst an den schlimmsten Tagen beginnt immer auch etwas Gutes. Mein unverbesserlicher Optimismus lässt sich einfach nicht unterkriegen!

PS: Am Nervenaufreibensten ist wohl, dass sich all die Katastrophen alle so lange und unbestimmt hinziehen. Man will doch Ergebnisse sehen und wissen, ob man jetzt Angst haben muss, erleichtert sein soll, oder einfach alles scheiße ist, aber zum Glück nur für die Anderen. Being in limbo is exhausting…

Kommentar zur Weltlage

Um es mit einem Filmzitat zu sagen:

Die Kacke dampfet gar sehr.

Wer den Film weiß, darf sich einen „Atomkraft Nein Danke“-Badge auf sein Facebook-Profilfoto kleben.

"Bugger bugger buggedybuggedybuggedybug fuck fuck fuck arse shit tits"

  • Colin hat gewonnen, voll verdient, endlich, glamourös und umwerfend. Auch in seiner Dankesrede stylisch, großartig, witzig – die nächsten Tage werden sehr Firth-lastig in unserem DVD-Player!

  • The Social Network hätte noch beste Regie und besten Film gewinnen müssen.
  • Trotzdem waren meine Vorraussagen ziemlich gut. Bei unserem Home Ballot hatte ich in 8 von 19 Kategorien Recht und belegte gemeinsam mit einer Mit-Oscar-Zirklerin Platz 2. Der Erstplatzierte schaffte 9 Übereinstimmungen. Nicht schlecht für meine erste Teilnahme.
  • Die Oscars nicht alleine zu gucken ist eine hervorragende Idee, die Zeit vergeht schneller, ich bin nicht eingeschlafen, es gab nette Gespräche am Rand und gutes Essen.
  • Egal zu wievielt man ist, es ist immer immer immer zu viel Werbung, gefühlt ungefähr 2:1 gegenüber dem tatsächlichen Geschehen.
  • Montag morgens um 6 ist in der U-Bahn mehr los als Sonntag abends halb 11. Verwirrend 😉
  • Gut, dass ich heut frei habe.

Trivia

Was man nicht alles findet in den Archiven der Daily Show. In diesem Interview von 2001 reden Jon Stewart und Owen Wilson über Kate Hudson, die damals noch ein relativ neuer Stern am Hollywood-Himmel war. Owen findet sie „ganz lustig“. Interessant, wenn man an die darauf folgende On-Off-Beziehung mit Suizidversuch denkt….

Colin Firth und Jon Stewart

Zwei meiner liebsten Leute aus Film und Fernsehen sorgen für einige der schönsten Szenen im Fernsehen.

Alle Besuche von Colin Firth – future Oscar winner – in der Daily Show. Man beachte das sich durch alle Interviews ziehende Sex-Thema, das England-Bashing, das Hugh Grant-Bashing und die Veränderungen in Haartracht und Gewicht bei Herrn Stewart und wie Colin Firth einfach immer nur großartig aussieht und ist 🙂

This is the Daily Show with Jon Stewart – my guest tonight: The great Colin Firth:

PS: Love the idea of an annual Firth-film-festival… (5. Video)

PPS: Jon Stewart ist AUCH immer großartig!

3. Juni 2002: The Importance of Being Earnest

6. November 2003: Love Actually

4. April 2008: Then She Found Me

19. Januar 2010: A Single Man

11. Januar 2011: The King’s Speech

Film und Preis

Wie versprochen, Post Nr. 2 zum Filmthema 😉

Es ist wird Oscar-Nacht sein. Seit einigen Jahren verfolge ich das Geschehen ja gerne live am Fernseher. Diesmal wird es das erste Mal kein einsames Vergnügen und damit wahrscheinlich auch das zweite Mal, dass ich komplett durchhalte, ohne zwischendurch einzuschlafen.

Der exklusive Filmzirkel Friedrichshain lud mich zu seinem alljährlichen Oscar-Bankett ein. Es gibt Essen und Oscar-Musik, Geläster und ernsthafte Diskussionen, eigene Prognosen und wer weiß was noch alles. Halb elf gehts los, vorbei ist es wohl wie immer gegen 6 Uhr morgens.

Zur Vorbereitung des Abends gab es die Hausaufgabe, sich möglichst alle zehn Nominierten in der Kategorie Bester Film vorher anzusehen. Sechs habe ich geschafft – immerhin. Über Toy Story 3, The Fighter, 127 Hours und Black Swan kann ich mir leider kein Urteil erlauben.

Ich halte dann jetzt hier mal meine Favoriten in den wichtigsten Kategorien (aka die Kategorien, die ich irgendwie beurteilen kann) fest und bin gespannt wie ein Flitzebogen.

loosy’s Oscar goes to:

Beste Nebendarstellerin: Hailee Steinfeld in True Grit (Helena Bonham-Carter wäre auch ok, aber wo ist Julianne Moore bitte in der Liste?)

Bester Nebendarsteller: John Hawkes in Winter’s Bone (freue mich auch über Mark Ruffalo oder Geofffrey Rush)

Bestes Originaldrehbuch: The Kids Are All Right

Bestes adaptiertes Drehbuch: The Social Network

Beste Hauptdarstellerin: Jennifer Lawrence in Winter’s Bone (Natalie Portman nicht gesehen)

Bester Hauptdarsteller: Colin Firth in The King’s Speech (gleich für A Single Man im letzten Jahr mit, Jesse Eisenberg war auch toll, James Franco nicht gesehen)

Bester Film: The Social Network, gefolgt von The King’s Speech und Winter’s Bone

Film und Schrott

Zwei Dinge, die erstaunlich viele Berührungspunkte haben. Hier soll es jetzt jedoch nicht um schlechte Filme gehen, sondern ums Entrümpeln. Decluttering heißt das bei der FlyLady. Die Logik dahinter ist, sein Leben (und seine Wohnung) nur mit den Dingen zu füllen, die man wirklich liebt und die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das reduziert die Menge an Zeug, verschafft gute Laune und lässt sich leichter aufräumen und saubermachen. Eine Situation voller Wins also.

Im Zuge des Declutterings habe ich schon etliche Tüten voller Klamotten und „Zeug“ entsorgt, zur Kleiderspende gebracht oder zum Verschenken zurechtgestellt. Eine Kiste Bücher wandert im Laufe der Woche jetzt zum Café Tasso. Oh war das schwer, Bücher zu entrümpeln. Deswegen ist auch nur etwa ein Zwanzigstel aller Bücher in die Kiste gewandert. Bücher machen nun einmal glücklich und sind auch noch unheimlich dekorativ.

Das nächste Projekt waren die Filme. Hier ist es mir gelungen, mich von VHS-Kassetten zu trennen, wenn ich die Filme bereits auf DVD habe oder seit Jahren weder gesehen noch vermisst habe. Nichtsdestotrotz bleiben noch etwa 20 Videos übrig. Von DVDs ganz zu schweigen, denn davon mag ich keine einzige entbehren. Zumal ja monatlich durchschnittlich ungefähr zehn dazukommen (Angebotskäufe, selbstverständlich, keine meiner DVDs hat mehr als 10 Euro gekostet, die meisten gabs für unter 7 Euro).

Bleiben aber noch die Unmengen an aus dem Fernsehen mitgeschnittener Filme. Dazu muss man wissen, dass meine Eltern es geschafft haben, mir bis ich 17 war die Freuden (?) des Privatfernsehens vorzuenthalten. Es gab zwei, später drei, später vier öffentlich-rechtliche Fernsehsender. Und es gab Videos. Und es gab die Möglichkeit, tolle Spielfilme aufzunehmen, wenn sie spät in der Nacht liefen. Oder wenn sie einfach so großartig waren, dass man sie öfter sehen wollte. Oder wenn Schauspieler mitspielten, die toll waren. Oder wenn Freunde die Filme toll fanden. Oder wenn die BRAVO die Filme toll fand.

Wie auch immer – massenhaft selbstbespielte VHS-Kassetten, ordentlich durchgenudelt vom Immer-Wieder-Sehen, versetzt mit Werbung, teilweise verlorenen Enden und Anfängen etc. etc. Auch durch diese Regalbretter bin ich gerade durchgegangen. Ergebnis: Ungefähr 5 Videos einfach so entsorgt. Bei den anderen Abgleich mit der DVD-Sammlung, wieder einige entsorgt. Alles andere wanderte auf den Amazon-Wunschzettel und einiges wurde sofort bestellt. Da sind so viele „Klassiker“. Nicht unbedingt gute Filme, aber Filme die ich tausendmal gesehen habe, die ich mitsprechen kann und die meine Kindheit und Jugend geprägt haben.

Ja, es gibt Streams, ja man kann sich Filme herunterladen, ja es gibt Videotheken. Aber mal ehrlich – bei Büchern und Filmen gilt: Besitzen! Hoffen wir nur, dass sich DVD noch eine Weile gegen Blu-ray behaupten kann und nicht demnächst das nächste tolle, praktische und formschöne Medium auf uns zurollt. Sowas kann echt teuer werden…

PS: Zum Thema Film gibt es demnächst noch einen Post – hat mit heute Nacht zu tun.

PPS: Das Aufwachsen mit wenigen Fernsehsendern hat mir nur insofern geschadet, als dass ich bis heute bei gewissen Gesprächen einfach nicht mitreden kann – ich habe diese ganzen Serien einfach nie gesehen! Gleichzeitig hat es eine gewisse Nerdigkeit was Filme, Musik und das Internet angeht befördert – ob das positiv oder negativ ist, mögen meine Mitmenschen entscheiden…

Zwei Neue in der Blogroll

Nachdem ich Noah Sows Deutschland Schwarzweiß verschlungen habe – dank an die Pixelamazone für den Hinweis – möchte ich sowohl das Buch als auch den Blog der Autorin allen ans Herz legen, die nein, allen. Das Blog gibts hier.

Und ein tolles neues Comic-Blog habe ich über Facebook gefunden – könnt Ihr sofort in Euren Reader übernehmen. 🙂 A Byoo-ti-ful Day.

Und wo ich gerade am Empfehlen bin – seit einer guten Woche gibt es in Mitte ein neues Café, das Café International – nur ein paar Schritte vom gleichnamigen Kino entfernt in einem typischen DDR-Baracken-Bau, riesige Fenster, gemütliches Interieur, selbstgebackene Leckereien, interessante Zeitschriftenauswahl, superfreundliches Personal. Alle mal hin da! (Muss mal eruieren, ob sie da auch WLAN haben…)