Zu viele Zahlen

Im Moment ist es hier sehr ruhig, was unter anderem, nicht nur, aber auch, daran liegt, dass in meinem Kopf gerade so viel verschiedenes herumschwirrt und um Aufmerksamkeit heischt.

Auf Platz 1 steht selbstverständlich die Arbeit. Unsere Abteilung wird gerade prozesstechnisch gehörig durcheinander gewirbelt, in der Urlaubszeit und bei unglücklicherweise recht hohem Krankenstand. Da die beiden Instanzen über mir aus ebensolchen Gründen nicht da sind, übernehme ich teilweise deren Aufgaben mit und habe nebenbei ein Auge auf Vieles.
Auf Platz 2 steht die Wohnungssuche, die uns ordentlich in Beschlag nahm. Zum Glück ist die jetzt erfolgreich abgeschlossen, aber natürlich tauchen sofort neue Themen auf: Schlüssel, Ausmessen, Raumplanung, Farbgebung, was kommt mit, was kommt weg und wann kümmern wir uns darum sowie die Logistik von Wohnungskündigung, solidarischer Wohnungsweitervermittlung (es sucht ja wirklich jeder gerade), Malern, Laminat verlegen und schlussendlich umziehen und die Altwohnungen übergabefertig machen.
Drittens haben wir uns die letzten Wochen auch damit beschäftigt, sechs kleine Katzenkinder möglichst gut zu vermitteln, die auf dem Hof des Mannesbruders auftauchten, aber ihm nicht gehörten. Vier haben wir geschafft, die letzten zwei Rabauken nehmen wir jetzt höchstwahrscheinlich selbst, aber eben erst nach dem Umzug. Da der aber erst in 3 Monaten ist, besteht die Überlegung, die Biester schonmal nach Berlin zu holen und bei zweien ihrer Ziehgeschwister (und deren Dosenöffnern) einzuquartieren, damit sie sich schonmal an das Wohnungs- und Balkonleben gewöhnen und der Schock dann nicht erst mit 6 Monaten auf sie wartet. Oder sollte man ihnen so lange wie möglich die freie Streunerei auf dem Land gönnen? Expertenmeinungen gerne in die Kommentare…
Nummer Vier ist das Quiz, das heute stattfindet und für das es wir jeden Monat galt, ein möglichst starkes und zuverlässiges Team zu finden. Hat ganz gut geklappt, aber wie immer muss man mit kurzfristigen Absagen, Krankheitsfällen etc. jonglieren.
Die 5 ist das dieswochenendliche Familientreffen, bei dem viele Dinge verschiedenen Leuten mitzubringen sind.
Sechstens musste ich dem Finanzamt mitteilen, dass ich die Steuererklärung noch nicht machen kann und dem Wahlamt, dass ich briefwählen werde.
Weil wir nämlich (6.) in zwei Wochen für drei Wochen in den Urlaub fahren. Dafür müssen noch einige Übernachtungen und Treffen mit Freunden organisiert werden. 
Immerhin habe ich dann aber mal 21 Tage lang Ruhe vor den Punkten 1-5 und vielleicht mal Zeit, mich um Punkt 7 zu kümmern: den Städtetrip mit vier Freundinnen aus der Schulzeit, den ich zum Geburtstag bekommen habe und der am Wochenende nach unserer Rückkehr stattfindet.
Irgendwann danach ist dann vielleicht auch mal wieder Zeit für so lapidare Dinge wie einkaufen, Wäsche waschen, saubermachen und Co…

12 von 12 Juni

Ich hangle mich derzeit wirklich mit „Krücken“ durch die Bloggerei, ich weiß. Aber an diesem 12. Juni gibt’s jetzt eben 12 Fotos von heute:

Beim Stullenschmieren von den Farben überwältigt: Papayango- und Rote Beete-Aufstrich.
Belegt mit rotem Kopfsalat, Käse und Kresse bzw. Gurke.

Direkt nach der Weisheitszahn-OP wär das nicht gegangen, aber morgen kommen schon die Fäden raus.

Gegessen wurde aufm Sonnendeck bei uns im Büro.

Dann kam das Foto von dieser Miez, für deren Junge wir gerade Abnehmer suchen. Zum Glück ist nur noch bei einem dir Zusage wackelig.

Beim Einkaufen mit diesen beiden Steppkes geschäkert.

Im Briefkasten ein Bußgeldbescheid fürs Falschgrillen.

Zuhause dann Erdbeeren in den Mixer verfrachtet.
Erdbeer-Shake

Zum Abendbrot Rote Beete-Carpaccio mit Büffelmozzarella, Olivenöl mit Zitrone, Fleur de sel, Pfeffer und Basilikum

Der letzte Haps.

Tagebuch-5

Heute findet das erste Mal Tagebuch-5 statt, das Tagebuchbloggen am jeweils 5. eines Monats. Im Interesse meiner Blogmotivation und als Ausrede, um meine Leser mit Banalitäten aus meinem Alltag zu quälen bin ich direkt zum Start mit dabei, ich alte Early Adopterin. Eine Liste der teilnehmenden Blogs findet sich beim kl. Brüllen.

Der Wecker des Mannes klingelt viel zu früh. Er möchte heute früher los und außerdem wie jeden Morgen die Sportnachrichten im Morgenmagazin sehen. Nachdem ich mich ein wenig herumgewälzt habe und meine ersten verschlafenen Blicke ins Internet geworfen habe, zwingt mich die Blase zu einem kurzen Trip ins Bad. Dabei sehe ich den Mann selig auf der Couch schlummern.

Man hat mir eine Infografik zu den Filtern auf Instagram geschickt, leider finde ich meine eigene Filternutzung nicht unter den verschiedenen Nutzertypen – ich verwende oft keinen Filter, aber meistens nicht aus Faulheit, sondern weil die Bilder auch so gut aussehen bzw. ich sie nicht farblich verfälschen möchte. Wenn ich einen Filter verwende, ist es oft Sierra oder Valencia, kann aber auch was ganz anderes sein. Jedenfalls immer je nach Motiv und nie aus Prinzip.

Rege mich auf Facebook über die immernoch (wenn auch nicht mehr staatlich) vorgenommene Rassentrennung in Rochelle, Georgia, auf, wo die Schulbehörde gemeinsam mit Eltern und Lobbyisten dafür sorgt, dass es getrennte Proms für Schwarze und weiße gibt. Der Link stammt von meiner ehemaligen Mitbewohnerin M., die in Georgia promoviert.

Während dann um 8:30 mein Wecker klingelt, befinde ich mich bereits auf der Tour durch meinen Feedreader und der Mann schaut rein, um sich auf dem Weg zur Arbeit zu verabschieden. Doch noch rechtzeitig, trotz ausgiebigem Boxenstopp im Traumland.

Kurz vor 9 bin ich mit dem Feedreader durch und entscheide mich ausnahmsweise vernünftig zu sein und nicht „nur ganz schnell“ noch die gestrige Folge Big Bang Theory zu schauen. Stattdessen besorge ich für eine Freundin, die ihre Kreditkarte verlegt hat, noch ein Ticket für die Stones im Hyde Park im Juli. Spannende Sache, da sie sehr schnell weggehen. Auf Facebook bricht schon Panik aus, als der Access Code nicht um Punkt 9 zur Verfügung steht. Ich überlege kurz, mir auch ein Ticket zu holen, denke dann aber an die Flugkosten und meine weiteren Reisepläne in diesem Jahr und entscheide mich dagegen. Schon zum zweiten Mal heute vernünftig gewesen. (Hoffentlich spielen sie auch noch in Deutschland!). Nach 5 Minuten sind die Tickets ausverkauft.

Um 9:40 verlasse ich die Wohnung, lege die Fußmatte, die jeden Freitag vom Reinigungspersonal beiseite gepackt wird, wieder vor die Tür und laufe zur U-Bahn – vorbei an den Dixi-Klos und Absperrungen, die für den Halbmarathon am Wochenende bereit stehen.

Es schneit.

Der Akkordeon-Spieler am Alex hat sich heut morgen für den Hummelflug entschieden. Passt zu meiner Eile, der Amelie-Waltzer hätte meinem Adrenalinspiegel heute besser getan.

Ich lese in dem E-Book, dass ich gestern neu begonnen habe: Could you but find it von Robert Cilley, dem Mann der FlyLady.

Um 10:05 betrete ich leicht verspätet das Gebäude, zwei Minuten später sitze ich an meinem Platz im 5. Stock und gleich liegt die erste Aufgabe vor mir: Eine dringende Änderung in einem Newsletter, der am Sonntag an über 4 Millionen User rausgeht.

Dann richte ich mir meinen Arbeitsplatz für den Tag ein. Auf dem linken Bildschirm läuft die Kommunikation – Outlook, ein Browser für Facebook, Twitter, GMail und alles, was Nicht-Arbeit ist sowie Skype. Kaum habe ich mich angemeldet erreichen mich ein Link vom Mann zum Uluru mit dem Hinweis, dass er Fernweh hat (ich beruhige ihn mit unserem Rom-Trip in wenigen Wochen) und ein GIF von einem Kollegen:

Auf dem rechten Bildschirm befindet sich die „reine Arbeit“ – der Browser mit den verschiedenen Tools, die ich zur Arbeit brauche und Word.

Zum Frühstück gibt es Smacks, Bananen und Kirschjoghurt. Der Joghurt ist vom letzten Redaktionsbrunch übrig, den Rest stellt die Firma den Mitarbeitern. Ich mache mir eine Thermoskanne voll heißem Wasser und baue mir den ersten Tee mit Saft des Tages: Alnatura Glückstee mit Kakaoschalen, Rooibos und Vanille und ein Schuss Birnensaft. Jetzt kann es losgehen.

Momentan brennt nichts an, ich kann mich also Sonderaufgaben widmen, wie der Übersetzung eines Textes für unsere Mobile App und das Testen eines neuen Prozesses, dass hoffentlich bald die Arbeit zweier Abteilungen um einiges erleichtern wird.

(Die Kollegen aus der spanischen Redaktion scheinen auch viel zu Spaß zu haben und schicken uns einen schönen Tumblr.)

Kurzer Zwischenstopp zum Geburtstagskuchen in der 4. Etage im Legal Team. Der Kollege (und ehemalige Mitbewohner vom Mann) wird 30. So sieht es in seinem Büro aus.

Mittags geht es mit Herrn Sehnenreizung für einen Salat zum Little Green Rabbit. Auf dem Rückweg nehme ich noch was Süßes beim Bäcker mit und schaue beim Mann vorbei, der gerade mit diversen Kollegen einer spanischen Mitarbeiterin zum Geburtstag gratuliert. Sie hat Kuchen mitgebracht und Brot mit Serrano-Schinken.

Es ist der letzte Arbeitstag einer lieben Kollegin, die mehr als drei Jahre hier war. Länger als ich selbst und damit definitiv zum Urgestein gehörend. Das macht es besonders traurig, denn es fehlen inzwischen so viele tolle Menschen, die früher selbstverständlich dazugehörten. Natürlich kommen auch immer wieder neue hinzu, aber die kennen eben einfach unsere Anfangsmonate nicht, in denen unzählige Abend- und Wochenendstunden auf engstem Raum uns aneinandergeschweißt haben – sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne. In einem Gebäude mit rund 800 Mitarbeitern freut man sich jedes Mal, wenn man eines dieser altbekannten Gesichter sieht.

Nach einer ausgiebigen Verabschiedungsrunde mit Gelächter und Tränen (und Sekt) tröpfelt der Rest des Arbeitstages relativ entspannt vor sich hin, bis um 19 Uhr endlich Wochenende ist.

Ich mache mich mit einem Topf voller verwelkterNarzissen (ein Guerilla-Gardening-Projekt) auf den Heimweg, der Mann fährt mit dem Fahrrad. Genau gleichzeitig kommen wir zuhause an. Jetzt noch schnell das Aquarium für eine Freundin aus den Keller wuchten und für morgen in den Kofferraum packen.

Dann kochten wir uns eine wundervolle Rote-Bete-Suppe und beschließen den Tag jetzt mit einem Gilmore Girls-Marathon.

That’s all, folks!

Anfänge

Bisher war dieser Sommer einer voller Abschiede.

Der erste kam mit Ansage und gab mir Zeit, mich auf ihn vorzubereiten. Trotzdem kippte er mich ein wenig aus den Latschen, aber er brachte auch viel Schönes mit sich – Gespräche, Nähe, einen Tag am Strand, eine Menge Kindheitserinnerungen, zwei große Eisbecher und eine wunderschöne Blumenwiese – die mich mit diesem Abschied versöhnt haben.

Der nächste kam reichlich unerwartet, ohne Ansage, es sei denn man definiert ein „Guten Hunger 🙂 Bis dann.“ als Ansage. Tiefschlag, aber so richtig. Grobes Foul. Rote Karte. Wie ein Aus im Halbfinale sozusagen. Das einzig Schöne daran ist, dass er mir andere Menschen ein Stück näher gebracht hat. Und der Gedanke, dass das ja noch nicht alles gewesen sein kann. Dass es eine Erklärung gibt und dass am Ende alles gut wird. Und wenn es nicht gut wird, dann ist es halt noch nicht das Ende.

Apropos Ende: Der dritte Abschied ist das Ende einer Ära – der Abschied von dem Gebäude, in dem ich über zwei Jahre lang jeden Werktag gestiefelt bin, in dem ich viel geflucht, aber noch viel mehr gelacht habe und mit dem mich eine Menge Erinnerungen verbinden. Daran hängen eine Menge Orte, die mir in den letzten zwei Jahren zum zweiten Wohnzimmer wurden und die ich jetzt nur noch selten besuchen werde. Dieser Abschied wird in großer Runde zelebriert und hoffentlich morgen früh durch ein Wahnsinnsneuanfang gemildert.

Neuanfänge sind generell ne gute Idee, is ja auch jetzt Juli. Ich bin bereit.

Fremdgebloggt

Und zwar hier: http://blog.groupon.de/2012/03/06/groupons-gesichter-susanne/

Getting all soppy on Christmas Eve

Ich bin ja sonst nicht übermäßig sentimental, glaube ich. Aber wenn man so kurz vor Weihnachten krank ist und viel Zeit zum Nachdenken hat, dann kommt da doch ganz schnell ein warm fuzzy feeling ins Bäuchlein, das jetzt einfach mal hier in den Blog wandern muss.

Dieses Jahr war insgesamt eher durchwachsen für mich und trotzdem geht es mir gerade (also außer gesundheitlich) ziemlich doll gut. Das liegt an Euch, liebe Mitmenschen! Ich habe unheimlich viele tolle Sachen erlebt in diesem Jahr, so dass die nicht so tollen einfach irgendwie mit durchgerutscht sind.

Vieles hat mit den Leuten zu tun, mit denen ich Tag für Tag im Büro hocke und von denen einige mir extrem ans Herz gewachsen sind. Und einige von denen waren ja schon vorher meine Freunde und ich sehe sie jetzt jeden Tag. Großartig! Thanks for being sooooo awesome.

Ein weiterer großer Batzen sind die Leute mit denen ich Tag für Tag über das Internet verbandelt bin. Das großartige Netz schafft es, dass auch die Freunde, die weit weg leben immer ganz nah sind und Freud und Leid mit mir teilen. Und so ganz lässt sich das ja alles nicht trennen, auch die Kollegen und die Freunde hier in Berlin gehören ja zu meinem Internet-Bekanntenkreis, dem großen flauschigen Netz, das immer da ist und mich auffängt und sich ständig vergrößert.

Und mitunter lernt man über das Netz ja auch Menschen kennen, die rein virtuell zu Freunden werden. You know who you are, danke!

Ach am Liebsten würde ich hier eine Liste mit allen diesen großartigen Menschen aufstellen, aber erstens mögen einige die Publicity nicht und zweitens könnte es sein, dass ich im Eifer des Gefechts jemanden vergesse.

Also nochmal ein ganz allgemeines Danke an alle, die dieses Jahr mit mir verbracht, bequatscht, ausgewertet und belacht haben; mit denen ich die Oscar-Verleihung durchwacht habe; mit denen ich philosophierend durch Städte gelaufen bin; die mich in ihren Wohnungen bzw. Häusern empfangen und bewirtet haben; mit denen ich großartige Konzerte erlebt habe; mit denen ich gekocht, gegessen und getanzt habe; mit denen ich Filme und Serien geschaut habe; die großartig zu mir waren, auch nachdem wir uns jahrelang nicht gesehen haben; mit denen ich gechattet, gemailt, gesmst, gemmst, geskyped und telefoniert habe; mit denen ich Texte diskutiert habe; mit denen ich Minigolf gespielt habe; mit denen ich heftige, aber nicht unsanfte Wortgefechte geführt habe; die mit mir an Gewässern gesessen haben; die mich in meiner Bubble Tea-Sucht unterstützt haben; die mir verrückte Geschenke geschenkt haben; die an mich gedacht und mich besucht haben; mit denen ich Musik gehört habe; mit denen ich von alten Zeiten geschwärmt habe; die mir das Gefühl gegeben haben, dass alles gut ist und sein wird.

Danke auch dafür, dass dieses Beziehungsende so glimpflich und mit wenig schlechten Gefühlen vonstatten gegangen ist.

Danke dafür, dass Ihr lieb zu mir seid, auch wenn ich Euch auf die Nerven gehe. Danke, dass Ihr mich in Ruhe lasst und nicht nachbohrt, wenn ich keine Lust habe, emotional zu sein. Danke, dass Ihr mir Eure Sorgen anvertraut. Danke, dass Ihr mir auch bei der 20. Krankheitsmeldung auf Facebook immernoch gute Besserung wünscht. Danke, dass Ihr in meinem Leben drin seid und bleiben werdet!

Und, nicht zu vergessen: Danke dafür, dass ich dieses Weihnachten nicht allein sein werde! Danke, Familie 🙂

Weil die Zeit sich so beeilt

Ich mag meinen Job. Wirklich. Oft glaubt man mir das nicht, wenn ich von Überstunden erzähle, Wochenendeinsätzen, Problemen in den Arbeitsabläufen etc. Aber es ist so: Ich mag meinen Job. Er ist in vielerlei Hinsicht genau die Art von Job, die ich brauche und ich habe jeden Tag eine Menge Spaß dabei. Was aber stört ist, dass ich nach nur wenigen Tagen im Büro anfange, nachts von der Arbeit zu träumen. Und dass die Wochen so schnell vorbei sind.

Ich fühle mich immernoch so, als sei das Wochenende gerade erst gewesen. Irgendwas am Anfang der Woche muss doch sein, so nah sind Tretbootfahren, Minigolf spielen, Quatschen mit Freunden, beim Umzug helfen… Dabei ist morgen schon wieder Freitag. Hab ja auch nix weiter gemacht, außer zu arbeiten, fernzusehen, im Internet rumzuhängen und zu schlafen. Passiert halt nicht viel. Es fehlt die Muße zum wirklich erleben. Und dann fällt einem auch nix ein, wenn man ein Gespräch führen möchte, nur irgendso ein banaler Scheiß. Es wird wieder Zeit für neuen Input… Spätestens, wenn auch dieser Freitag überstanden ist.

Aus den Fugen

Gestern Abend sagte ein kluger Mensch im Fernsehen, es sei schon erstaunlich. Alles hätte doch so gut angefangen. Es gab ein paar Frühlingstage, in Nordafrika wuchsen neue Demokratien, ein großer Schummler wurde des Amtes verwiesen, die Herrschaft des Volkes rückte immer näher… Dann spielt plötzlich Gaddafi verrückt und seit letztem Freitag ist das alles sowieso irgendwie hinüber. Da zeigt uns die Natur wieder einmal, dass wir eben doch nicht über diesen Planeten herrschen und selbst wenn wir unser bestmöglichstes Benehmen an den Tag legen, manches einfach immernoch unglaublich schiefgehen kann. Wir sind dann jetzt also doch nicht Gott. Gut, dass uns das mal einer sagt.

Auch gut, dass uns mal einer sagt, dass Atomkraft gar nicht sicher ist, hätte unsere Regierung sonst gar nicht mitbekommen. Komisch, wie eine studierte Physikerin diesen Fakt mal eben jahrzehntelang ausblenden kann, wenn es die Seilschaften nötig machen. Es gruselt einen ganz gewaltig. Noch gruseliger ist natürlich, was direkt vor Ort in Japan passiert. Seit letztem Freitag schlafen wir wohl alle nur noch gerade soviel wie unbedingt nötig ist. Der letzte Blick am Abend und der erste am Morgen gelten den Live-Tickern. Man wünscht sich geradezu einen kombinierten Japan-Libyen-Ticker, damit man ja nichts verpasst und in komprimierter Form alle Entwicklungen zu sich nehmen kann, während hier in Deutschland die Welt einfach weitergeht und Tag für Tag bezwungen werden will.

Geht nur mit Galgenhumor, denn wie will man denn hochkonzentriert arbeiten, unter Stress, in einem Raum voller lauter Leute, wenn die Gedanken  ständig ängstlich den Ticker rekapitulieren. Wenn die Bilder im Kopf geprägt sind von dem Buch, dass man als Kind gelesen hat und das jetzt wieder die Bestenlisten hinaufklettert? Wie soll man denn einen klaren Kopf behalten, wenn man nicht über die ganze Scheiße lacht? Ich habe noch nie so viele politisch unkorrekte Witze gemacht, wie in dieser letzten Woche.

Und es ist ja nicht nur Japan. Momentan läuft irgendwie alles schief. Die Arbeit wird immer mehr, die Technik spielt uns Streiche, die Gesundheit von vielen macht einfach nicht mehr mit. Hiobsbotschaften wohin man auch sieht. Da gehen die positiven Entwicklungen leicht unter.

Trotzdem hier die Top 7 der Dinge, die diese Woche wider Erwarten doch lebenswert gemacht haben:

  • Die Freundin einer Freundin ist meine neue Kollegin und bringt das Büro zum Strahlen (schon wieder einer dieser Witze…)
  • Das Beobachten einer gerade beginnenden Liebe(lei?) und die glücklichen Gesichter der beiden Probanden, denen man das bisschen Glück von Herzen wünscht
  • Das Foto vom gerade geborenen Kollegen-Sohn, dass heute im E-Mail-Postfach lag
  • Dass der Liebste gerade eine wundervolle Zeit mit seiner Familie in Italien hat, von der guten Laune schwappt einiges herüber ins kalte, graue Berlin
  • Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines Tickets für das diesjährige Immergut-Festival, auf das ich mir schon jetzt ein Loch in den Bauch freue
  • Dank der sturmfreien Wohnung gibt es morgen einen wundervollen Mädelsabend mit Schokofondue und lieben Freundinnen
  • Die Lektüre des soeben erworbenen Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte. Warum die Liebe trotzdem glücklich macht von Malte Welding – voller Wahrheiten und Lehren und Lachern

Irgendwie ist halt doch nicht alles vorbei und selbst an den schlimmsten Tagen beginnt immer auch etwas Gutes. Mein unverbesserlicher Optimismus lässt sich einfach nicht unterkriegen!

PS: Am Nervenaufreibensten ist wohl, dass sich all die Katastrophen alle so lange und unbestimmt hinziehen. Man will doch Ergebnisse sehen und wissen, ob man jetzt Angst haben muss, erleichtert sein soll, oder einfach alles scheiße ist, aber zum Glück nur für die Anderen. Being in limbo is exhausting…

Krank sein

Krank sein nervt

  • Wenn am kommenden Wochenende gefeiert werden soll und man noch nicht weiß, ob man dabei sein kann
  • Wenn man heute Abend deswegen nicht zum Kneipenquiz gehen kann
  • Wenn man die schöne freie Zeit, nicht dazu nutzen kann, tausend Dinge zu erledigen, die man gerne erledigen wollen würde
  • Man die meiste Zeit über kaum Appetit hat

Krank sein hat aber auch Vorteile

  • Ohne schlechtes Gewissen die Arbeit links liegen lassen, sich nicht mitverantwortlich fühlen, während im Büro grad Land unter ist
  • Viel Zeit am schönsten Ort der Welt verbringen (mein Bett!)
  • Den ganzen Tag lesen, im Netz surfen, Filme gucken, Serien gucken, schlafen….
  • Wenn man – wenn dann doch Appetit da ist –  ne gute Ausrede zum Essen bestellen hat

Deswegen heute – mal wieder – Pizza! Und ein Film. Hervorragend.

PS: Eigentlich nur Zufall, aber vielleicht macht das Schule: Donnerstag scheint mein Fleisch-Ess-Tag zu werden. Letzte Woche Hühnersuppe, heute Pizza mit Beef und Bacon. An den Tagen dazwischen: Rein vegetarisch! Jawoll!

Update zu den Super Bowl-Ads

Wer sich immer noch fragt, was dahintersteckt und warum Groupon so „zynisch“ ist, der sollte die folgenden beiden Blogposts lesen:

Andrew im Groupblogpon

Greenpeace-Blog

Edit: Und noch mehr Statements von den beteiligten NGOs:


Rain Forest Action Network

buildOn