Tagebuch-5

Heute findet das erste Mal Tagebuch-5 statt, das Tagebuchbloggen am jeweils 5. eines Monats. Im Interesse meiner Blogmotivation und als Ausrede, um meine Leser mit Banalitäten aus meinem Alltag zu quälen bin ich direkt zum Start mit dabei, ich alte Early Adopterin. Eine Liste der teilnehmenden Blogs findet sich beim kl. Brüllen.

Der Wecker des Mannes klingelt viel zu früh. Er möchte heute früher los und außerdem wie jeden Morgen die Sportnachrichten im Morgenmagazin sehen. Nachdem ich mich ein wenig herumgewälzt habe und meine ersten verschlafenen Blicke ins Internet geworfen habe, zwingt mich die Blase zu einem kurzen Trip ins Bad. Dabei sehe ich den Mann selig auf der Couch schlummern.

Man hat mir eine Infografik zu den Filtern auf Instagram geschickt, leider finde ich meine eigene Filternutzung nicht unter den verschiedenen Nutzertypen – ich verwende oft keinen Filter, aber meistens nicht aus Faulheit, sondern weil die Bilder auch so gut aussehen bzw. ich sie nicht farblich verfälschen möchte. Wenn ich einen Filter verwende, ist es oft Sierra oder Valencia, kann aber auch was ganz anderes sein. Jedenfalls immer je nach Motiv und nie aus Prinzip.

Rege mich auf Facebook über die immernoch (wenn auch nicht mehr staatlich) vorgenommene Rassentrennung in Rochelle, Georgia, auf, wo die Schulbehörde gemeinsam mit Eltern und Lobbyisten dafür sorgt, dass es getrennte Proms für Schwarze und weiße gibt. Der Link stammt von meiner ehemaligen Mitbewohnerin M., die in Georgia promoviert.

Während dann um 8:30 mein Wecker klingelt, befinde ich mich bereits auf der Tour durch meinen Feedreader und der Mann schaut rein, um sich auf dem Weg zur Arbeit zu verabschieden. Doch noch rechtzeitig, trotz ausgiebigem Boxenstopp im Traumland.

Kurz vor 9 bin ich mit dem Feedreader durch und entscheide mich ausnahmsweise vernünftig zu sein und nicht “nur ganz schnell” noch die gestrige Folge Big Bang Theory zu schauen. Stattdessen besorge ich für eine Freundin, die ihre Kreditkarte verlegt hat, noch ein Ticket für die Stones im Hyde Park im Juli. Spannende Sache, da sie sehr schnell weggehen. Auf Facebook bricht schon Panik aus, als der Access Code nicht um Punkt 9 zur Verfügung steht. Ich überlege kurz, mir auch ein Ticket zu holen, denke dann aber an die Flugkosten und meine weiteren Reisepläne in diesem Jahr und entscheide mich dagegen. Schon zum zweiten Mal heute vernünftig gewesen. (Hoffentlich spielen sie auch noch in Deutschland!). Nach 5 Minuten sind die Tickets ausverkauft.

Um 9:40 verlasse ich die Wohnung, lege die Fußmatte, die jeden Freitag vom Reinigungspersonal beiseite gepackt wird, wieder vor die Tür und laufe zur U-Bahn – vorbei an den Dixi-Klos und Absperrungen, die für den Halbmarathon am Wochenende bereit stehen.

Es schneit.

Der Akkordeon-Spieler am Alex hat sich heut morgen für den Hummelflug entschieden. Passt zu meiner Eile, der Amelie-Waltzer hätte meinem Adrenalinspiegel heute besser getan.

Ich lese in dem E-Book, dass ich gestern neu begonnen habe: Could you but find it von Robert Cilley, dem Mann der FlyLady.

Um 10:05 betrete ich leicht verspätet das Gebäude, zwei Minuten später sitze ich an meinem Platz im 5. Stock und gleich liegt die erste Aufgabe vor mir: Eine dringende Änderung in einem Newsletter, der am Sonntag an über 4 Millionen User rausgeht.

Dann richte ich mir meinen Arbeitsplatz für den Tag ein. Auf dem linken Bildschirm läuft die Kommunikation – Outlook, ein Browser für Facebook, Twitter, GMail und alles, was Nicht-Arbeit ist sowie Skype. Kaum habe ich mich angemeldet erreichen mich ein Link vom Mann zum Uluru mit dem Hinweis, dass er Fernweh hat (ich beruhige ihn mit unserem Rom-Trip in wenigen Wochen) und ein GIF von einem Kollegen:

Auf dem rechten Bildschirm befindet sich die “reine Arbeit” – der Browser mit den verschiedenen Tools, die ich zur Arbeit brauche und Word.

Zum Frühstück gibt es Smacks, Bananen und Kirschjoghurt. Der Joghurt ist vom letzten Redaktionsbrunch übrig, den Rest stellt die Firma den Mitarbeitern. Ich mache mir eine Thermoskanne voll heißem Wasser und baue mir den ersten Tee mit Saft des Tages: Alnatura Glückstee mit Kakaoschalen, Rooibos und Vanille und ein Schuss Birnensaft. Jetzt kann es losgehen.

Momentan brennt nichts an, ich kann mich also Sonderaufgaben widmen, wie der Übersetzung eines Textes für unsere Mobile App und das Testen eines neuen Prozesses, dass hoffentlich bald die Arbeit zweier Abteilungen um einiges erleichtern wird.

(Die Kollegen aus der spanischen Redaktion scheinen auch viel zu Spaß zu haben und schicken uns einen schönen Tumblr.)

Kurzer Zwischenstopp zum Geburtstagskuchen in der 4. Etage im Legal Team. Der Kollege (und ehemalige Mitbewohner vom Mann) wird 30. So sieht es in seinem Büro aus.

Mittags geht es mit Herrn Sehnenreizung für einen Salat zum Little Green Rabbit. Auf dem Rückweg nehme ich noch was Süßes beim Bäcker mit und schaue beim Mann vorbei, der gerade mit diversen Kollegen einer spanischen Mitarbeiterin zum Geburtstag gratuliert. Sie hat Kuchen mitgebracht und Brot mit Serrano-Schinken.

Es ist der letzte Arbeitstag einer lieben Kollegin, die mehr als drei Jahre hier war. Länger als ich selbst und damit definitiv zum Urgestein gehörend. Das macht es besonders traurig, denn es fehlen inzwischen so viele tolle Menschen, die früher selbstverständlich dazugehörten. Natürlich kommen auch immer wieder neue hinzu, aber die kennen eben einfach unsere Anfangsmonate nicht, in denen unzählige Abend- und Wochenendstunden auf engstem Raum uns aneinandergeschweißt haben – sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne. In einem Gebäude mit rund 800 Mitarbeitern freut man sich jedes Mal, wenn man eines dieser altbekannten Gesichter sieht.

Nach einer ausgiebigen Verabschiedungsrunde mit Gelächter und Tränen (und Sekt) tröpfelt der Rest des Arbeitstages relativ entspannt vor sich hin, bis um 19 Uhr endlich Wochenende ist.

Ich mache mich mit einem Topf voller verwelkterNarzissen (ein Guerilla-Gardening-Projekt) auf den Heimweg, der Mann fährt mit dem Fahrrad. Genau gleichzeitig kommen wir zuhause an. Jetzt noch schnell das Aquarium für eine Freundin aus den Keller wuchten und für morgen in den Kofferraum packen.

Dann kochten wir uns eine wundervolle Rote-Bete-Suppe und beschließen den Tag jetzt mit einem Gilmore Girls-Marathon.

That’s all, folks!

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