Eine sehr minimalistische Nacht, schlaftechnisch betrachtet. Tiefschlaf von 22-23:50. Zweite Phase bis 1:30, dritte Phase bis irgendwann zwischen 4 und 5, dann wache Noosa, re:publica-Aufregung und Tagesbeginn.
Ausführlicher morgendlicher Reboot aber und auch richtiges Frühstück – richtig gekochtes Porridge mit TK-Blaubeeren und frischem Apfel auf dem Balkon.

Beim Anziehen telefoniere ich mit dem Liebsten, dann Rucksack packen, Kaffeebecher mitnehmen und los mit Straßenbahn und U-Bahn zur re:publica. Trotz Check-in gestern reicht die Schlange bis zum U-Bahnhof, weil erst die mit und ohne Bändchen gemischt stehen und außerdem hat der Einlass eben erst begonnen und die Taschenkontrolle braucht schon etwas. Ich habe es ja aber zum Glück nicht eilig und auf dem Gelände geht mir dann schon ein wenig das Herz auf. Bzw. beim Betreten der Halle, die gestern ja noch zu war und jetzt noch frisch nach Holz riecht. Jede Menge Erinnerungen aus den letzten 12 Jahren (minus dreimal Remote und zweimal Arena).
Ich verschaffe mir einen Überblick und laufe bis ganz nach hinten durch. Dort setze ich mich in die Sonne, hole meinen Laptop raus und arbeite ein paar E-Mails etc. ab. Das passiert mir im Laufe des Tages noch mehrmals, dass ich Sachen nicht mal eben einfach am Diensthandy machen kann. Bin froh, den Laptop dabei zu haben, aber schwer ist er schon auch.
Eine Viertelstunde vor Eröffnung suche ich mir einen Platz drinnen vor Stage 1 und vermisse dann nicht nur Johnny und Tanja (und Marcus, der wahrscheinlich tausend andere Dinge zu tun hat ohne die Beiden), sondern bewundere auch Nilz, der trotz familiärem Trauerfall gewohnt routiniert und fröhlich seine Show abzieht. Uiuiui. Schon komisch, so viel über die Leute zu wissen. Dieses Internet. Neu und schön ist, dass wir diesmal gleich am Anfang singen, nämlich das Motto der ganzen Sause, das bringt gleich die richtige Stimmung rein.

Dann geht es schnell weiter zu Stage 2, wo Luisa Neubauer, Carolin Ehmcke, Alice Hasters und Constanze Kurz moderiert von Isabella Herrmann über die verschiedenen Krisen und ihre aktivistischen Themengebiete sprechen und wie sie es schaffen, sich uns uns dabei nicht aufzugeben. Ein schöner Einstieg ins Thema.
Danach habe ich schon wieder Hunger, mein Porridge ist lange her, und ich hole mir eine persische Safranreis-Bowl mit Linsen und Auberginen, die ziemlich lecker und ziemlich teuer ist. Überhaupt ist das Essen dieses Jahr gefühlt noch teurer geworden, aber das passt ja auch zur Gesamtweltlage. Ich denke darüber nach, mir morgen selbst etwas mitzubringen und checke mal wieder, wie privilegiert ich bin, dass das eine Überlegung ist und kein Automatismus.

Nach dem Essen laufe ich wieder durch die Halle und direkt den Damen aus der Flipperia in die Arme, witzigerweise fast genau dort, wo sie letztes Jahr ihren Stand hatten. Das gibt natürlich ein großes Hallo und true to form werde ich gleich noch mit einer anderen Flippie vernetzt, proof of concept. Dann eilen alle weiter zu ihren nächsten Sessions, wir sind aber für morgen Abend eh noch verabredet.
Für mich geht es dann im Loft weiter und quasi dienstlich. Yasmina Benz spricht über den aktuellen Dark-Romance-Trend und was daran problematisch ist, wenn er aus dem geordneten digitalen Raum in den chaotischen rechtsfreien analogen Raum des stationären Buchhandels schwappt. Witzig, dass wir im Jahr 2026 in diese Richtung diskutieren. Yasmina Benz hat in diesem Jahr ihren Nachnamen ändern lassen, was ich mitbekommen habe, weil ich ihr seit Jahren als lasershushi in diversen Netzwerken folge. Das Interessehalber ecosiae ich während ihres Talks nochmal ihren alten Namen, Yasmina Banaszuk, und stolpere dabei direkt auf Seite 1 auf einen alten Blogartikel von mir auf der re:publica 2014. Kreise schließen sich.
Dann geht es auf der gleichen Bühne weiter mit dem Rechtsruck und dem Osten und Social Media. Luna Möbius ist die Social-Media-Beauftragte von Ricarda Lang und erklärt sehr pointiert, was Politiker*innen in den sozialen Medien anders machen müssen, um dort genauso erfolgreich zu sein, wie die AfD und vielleicht das Ruder noch rumzureißen. Sehr sehr guter Vortrag und sehr witzige Gen-Z-Vortragende, nach der Jahrtausendwende geboren. („Ich bin checkend.“)

Als Nächstes will ich gleich nebenan in einen Workshop, der ist aber so überfüllt, dass ich den Raum schnell wieder verlasse (direkt nach einer Frau, die laut Namensschild einen der Jobs bekommen hat, auf die ich mich vor ein paar Monaten beworben hatte – witzig!).
Jetzt habe ich also wieder ein bisschen Luft und laufe durch die Gegend. Ich hole mir einen schönen warmen Meta Mate aus dem Makerspace, tanke mein Kaffeinlevel auf und lade nebenbei meinen Handyakku auf dem Affenfelsen bei weiterer Lohnarbeit. Dann geht es zum Vortrag von Bernhard Pörksen übers Zuhören. Habe neulich schon einen Podcast mit ihm darüber gehört, aber das kann man immer wieder hören. Bin nur leider so müde, dass mir beim Mittelteil die Augen zufallen und ich ein paar Minuten verpasse. So viel zum Zuhören.

Dann geht es an gleicher Stelle weiter mit dem von Geraldine de Bastion moderierten Gespräch zwischen Mareice Kaiser und Hanno Sauer, die anhand ihrer beiden aktuellen Bücher über Klassismus diskutieren – sie von unten und er von oben. Ziemlich schnell übernimmt Mareice dann aber die Regie, führt Hanno regelrecht vor und holt dann unabgesprochen eine Küchenkraft aus der Charité auf die Bühne, die dem feinen Herrn Professor mal erklärt, wie das Leben in der Unterschicht wirklich ist und auch dem geneigten und faszinierten Publikum wieder seine Privilegien vorführt. Großes Kino, unbedingt nachschauen!
Bald darauf bin ich mit meiner Internetbekanntschaft Rpunkt von Verwaltet.com zum Flammkuchen testen verabredet. Er hatte sich zur Mittagszeit auf Mastodon beschwert, dass ich noch keine Food-Rezensionen gepostet hatte. Wir treffen uns zum ersten Mal bewusst in der Kohlenstoffwelt und sprechen natürlich erstmal über meine Katzensituation, dann über Rostock und gemeinsame Bekannte. Wir teilen uns je einen halben Flammkuchen mit Kartoffeln und Trüffelcreme und einen mit Apfel, Karamell und Zimt. Sehr lecker, wenn auch wieder sehr teuer. Danke für die Einladung an dieser Stelle!

Während wir da stehen und reden kommen die Flippies wieder vorbei. „Natürlich trifft man Dich am Food-Stand!“ Ich habe einen Ruf zu verteidigen!
Dann ziehen wir zu zweit weiter zur nächsten und letzten Session des Tages, einem Gespräch zwischen Alex Matzkeit, Franziska Bluhm, Felix Schwenzel und der Kaltmamsell über den Mythos Blogosphäre. Ich werde dabei ganz nostalgisch, nicht nur, weil ich die teilweise seit über 20 Jahren lese, sondern weil mir klar wird, dass ich da am Rande auch schon fast genauso lange dazugehöre. Nach ersten Homepage-Erfahrungen Ende der 90er und dann wöchentlichen Rundmails an Freunde und Familie Anfang der 00er Jahre habe ich auch schon 2005 mein erstes Blog aufgesetzt und war seitdem mehr oder weniger regelmäßig immer dabei. Hach.

Wir sitzen um die vier herum wie am Lagerfeuer und ich sehe viele bekannte Gesichter aus meinem Feedreader. Heimelig. Hinterher noch kurzer Schnack mit Horax, der sich sehr lieb nach Noosa und meinem Gesundheitszustand erkundigt und dann nochmal ausführlicher mit Das Nuf und Marcus Richter. Sehr schöner Ausklang des re:publica-Tages!
Ich fahre auf dem gleichen Wege heim, wie ich hergekommen bin, hole ein Paket bei den Nachbarn ab und werde dann von Noosa angepöbelt, warum ich jetzt erst nach Hause komme, was das für neue Sitten sind und wann ich gedenke, mit ihr zu spielen. Ich lade mein Telefon auf, füttere das Katzentier, das aber erstmal Zuwendung will und erst frisst, als ich mit dem Liebsten telefoniere. Dann ausführliche Spielrunde, während ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Muss aber sein, sonst darf ich gleich nicht schlafen. Es wird dann aus Gründen trotzdem alles noch später als gedacht, aber gegen Mitternacht liege ich dann doch im Bett.