20.05.2023 – See sehen

Guck mal einer an, wer erst um 2 im Bett war und davor noch einiges getrunken hat und dann keine Katzen in der Nähe hat, der schläft mit Unterbrechungen auch easy bis um 10. Würde sicherlich auch noch länger gehen, aber da werden die Frühstückszubereitungsgeräusche dann zu laut, um sie guten Gewissens zu ignorieren. Da es draußen noch recht frisch ist, brennt ein schönes Feuer im Ofen, es riecht nach Kaffee (der gute Kopi Luwak) und warmen Brötchen. So soll ein Wochenendfrühstück sein. Wir frühstücken gemütlich und schmieden nebenbei Pläne. Dann radelt die Freundin meines Bruders nochmal ins Dorf zum Einkaufen, während er sich draußen umschaut und ich den gestrigen Tag verblogge.

Später gehe ich dann draußen spazieren und setze mich eine Weile ans Wasser. Ich mache meine Sprachübungen, beobachte einen badenden Hund und dann zwei relativ aggressive Schwäne, die den Hund aus ihrem Revier vertreiben. Dann spaziere ich noch ein wenig durch den Wald.

Auf dem Rückweg treffe ich die beiden anderen, die gerade den Steg für die Saison bereit machen und helfe mit – Matten auslegen, Möbel aufstellen, Polster und Kissen verteilen… Dann lasse ich mich in einen der Sessel nieder und bleibe dort die nächsten Stunden sitzen. Aufs Wasser schauen, das Schwanenpaar beim Gründeln beobachten, Lesen, zwischendurch Einnicken… So gehts. Es weht aber immer noch ein kalter Wind, so dass ich mich fest in eine Decke einwickle.

Am Nachmittag stößt weiterer Besuch aus Berlin zu uns, dessen eine Hälfte tatsächlich mehrfach in den See springt, während ich schon ziemlich durchgefroren bin und noch nicht einmal weiß, ob ich morgen baden gehen möchte, wenn die Temperaturen so richtig sommerlich werden sollen. Respekt!

Am späten Nachmittag sind wir dann ein paar Häuser weiter zum Grillen eingeladen. Im Garten steht ein riesiger Barbecue-Grill samt Dutch Oven, in dem schon seit Stunden ein Schweinenacken schmort. Außerdem gibt es Lachs, Mais, gefüllte Pilze, Halloumi, Knoblauchbaguette, Bulgur-Salat mit Joghurt-Dressing und für die anderen in Butter, Zucker und Weißwein gedünstetem Spargel mit Thymian. Ich habe meinem Bruder versprochen, davon zu kosten und habe daher gleich am Anfang zwei Stückchen auf dem Teller – eins mit Kopf und eins ohne. Ich koste und finde es nicht schlimm. Aber zwischen nicht schlimm finden und gerne essen ist immer noch ein himmelweiter Unterschied. Ich denke, ich kann inzwischen vereinzelte Stücke in einem Gericht ignorieren (Hühnerfrikassee comes to mind), aber ich würde mir niemals Spargel bestellen oder selber machen und auch nichts essen, wo Spargel die Hauptzutat ist. Keine Ahnung, was Menschen daran finden und woher der Hype kommt, wirklich nicht. Es gibt so viele Gemüse, die lecker sind, warum also dieses essen?

Nach dem Essen geht es als große Gruppe zurück auf den Steg, vorbei an den Meerschweinchen Pumpkin und Black Pearl (oder Donald und Barry?) und dem Amselnest am Gartentor.

Dann hocken wir wieder auf dem Wasser, trinken Sekt und Bier und erzählen – bis zum Sonnenuntergang. Kaum ist die Sonne weg, wird es kühl und wir verziehen uns nach drinnen, wo der Abend noch gemütlich ausklingt, heute aber dann schon um Mitternacht.

19.05.2023 – Reiseabenteuer

Heute ist Brückentag – oder St. Brück, wie die Kaltmamsell sagt. Für den Liebsten nicht, daher habe ich von Anfang an nur für mich geplant. Erst hatte ich überlegt, das lange Wochenende in Rostock zu verbringen, wo ich jetzt schon mehr als anderthalb Jahre nicht mehr war, dann war mir das aber wieder ein bisschen viel Action, so kurz vorm Immergut. In der Stadt bleiben wollte ich aber auch nicht und so kam es dann zu einem Miniurlaub light – am See in Brandenburg, in der Hütte der Freundin meines Bruders – und Anreise mit dem 49-Euro-Ticket. Aber erstmal in Ruhe morgens im Bett herumliegen, Internet leer lesen, Spachen lernen, gestern verbloggen, mit dem Liebsten telefonieren… Gegen 10 stehe ich auf, mache mir Tee und Porridge und frühstücke auf dem Balkon.

Dann muss ich allerdings wirklich langsam mal ins Tun kommen, denn ich habe einen Zug zu erreichen, der nur stündlich fährt, um einen Bus zu erreichen, der wegen Brückentag nur alle drei Stunden fährt. Also schnell Katzen füttern, Pflanzen gießen, Katzenklo durchsieben, Sachen packen, vom Mitbewohner verabschieden und dann geht es los – mit etwas zeitlichem Vorlauf, denn ich möchte auf dem Weg noch Bargeld besorgen und Erdbeeren kaufen. Das mit dem Bargeld ist nicht ganz trivial, die nächsten Automaten, an denen ich keine Gebühren zahlen muss, sind recht weit weg und liegen so gar nicht auf dem Weg. Alternativ kann ich an der Supermarktkasse Geld „abheben“, denke ich mir und durchstreife den Supermarkt nach etwas, das ich sinnvollerweise kaufen kann. Ich entscheide mich für Bio-Rhabarberschorle mit Schraubverschluss als Reiseproviant um dann an der Kasse festzustellen, dass man erst ab 10 Euro Warenwert Bargeld abheben kann. Hmpf. „Dann eben ohne Bargeld nach Brandenburg“, denke ich mir, die Uhr tickt schließlich.

Auf dem Weg zum Erdbeerhäuschen schreibt mir mein Bruder und fragt, ob ich noch Bio-Orangen für den Aperol Spritz mitbringen kann. Der Bio-Supermarkt liegt direkt neben dem Erdbeerhäuschen am S-Bahnhof. Trotz tickender Uhr sollte das möglich sein. Ich stelle mich am Erdbeerhäuschen an, warte bis die Frau vor mir fertig ist, lasse mir 2 kg in meinen Beutel packen und muss dann feststellen, dass das Kartenlesegerät in der Nacht gestohlen wurde und heute nur Barzahlung möglich ist. Arrrrrgh. Es hilft nichts, ich muss in den sauren Apfel beißen und zu einem Geldautomat flitzen, bei dem ich Gebühren zahlen muss. Dafür hebe ich dann gleich genug ab, um nächstes Wochenende das Immergut auch bestreiten zu können, trotzdem nerven mich die knapp 5 Euro. Und dass die Frau, die vor mir am Erdbeerhäuschen langsam war jetzt auch vor mir am Geldautomat langsam ist. Die Uhr tickt doch, verdammt!

Auf dem Weg zurück zum Erdbeerhäuschen sehe ich, dass dort schon wieder eine Schlange steht. Also biege ich erst schnell in den Bio-Supermarkt ab. Dort gibt es Orangen, aber nicht im Netz, sondern ich muss sie selbst in eine Papiertüte packen, die dann auf dem Weg zur Kasse natürlich prompt reißt. Aber die Uhr tickt doch! Schnell zurück, neue Tüte, Orangen umpacken, dann wieder ewig an der Kasse anstehen. Raus, zum Erdbeerhäuschen, meinen Beutel entgegennehmen und bar bezahlen, dann runter zur S-Bahn. Die nächste kommt erst in 6 Minuten, aber das ist dann auch die, die ich ursprünglich als letztmögliche eingeplant hatte – sollte also alles klappen, puh.

Den genauen Reiseverlauf mit zwei S-Bahnen, RegionalExpress und Bus konnte man gestern auf Mastodon live mitverfolgen – bitte dem Link folgen und dort nachlesen.

An der Haltestelle holt mich mein Bruder ab und wir laufen nochmal eine knappe halbe Stunde, bis wir an Hütte und See angekommen sind. Dort warten seine Freundin und eine Tafel Schokolade, die er mir von seiner Dienstreise aus Wien mitgebracht hat.

Ich lege mein Gepäck ab, wir schmieren uns Schnittchen und bereiten Getränke zu (für mich helles Bier mit Rhabarberschorle) und setzen uns auf den Bootssteg zum Essen und Erzählen. Danach haben die beiden noch einiges zu tun und ich chille erst im Liegestuhl auf dem Steg und als es dort zu windig und kalt wird ein paar Meter landeinwärts auf einem Sofa, wo ich dann auch so richtig wegpenne. Der Tag war ja doch recht anstrengend bisher.

Nach dem Schlafen wird es draußen wirklich zu kalt und wir gehen rein und heizen den Ofen an. Ich trinke einen heißen Mango-Ingwer-Tee, um mich aufzuwärmen und dann wird gekocht – es gibt Vollkorn-Linguine mit einer Tomaten-Hackfleischsauce mit Oliven, Koriandersamen, Chili, Zimt und gerösteten Pinienkernen und dazu ein Gläschen Primitivo.

Während des Essens meldet sich meine Freundin in Frankreich und bittet um ein Telefonat. Es gibt also noch einen Abendspaziergang, statt mit Feierabendlimo heute mit Rum-Rhabarberschorle. Ich spaziere am See und durch den Wald und wir erzählen ein wenig.

Nach einer halben Stunde bin ich wieder zurück und dann entwickelt sich der Abend zu einem lang anhaltenden Musikraten – erst per DJ Shuffle durch meine Lieblingssongs-Playlist auf Spotify (Ganz erstaunlich übrigens, wie gut mein Bruder die Kelly Family kennt :D), dann mit den Songs von Eläkeläiset und Steve n Seagulls. Und natürlich fällt einem dann zu fast jedem Song irgendwas zu Erzählen ein und auch der Satz „[Der/Die] ist auch schon tot.“ fällt ziemlich oft. Dank Strawberry Basil Smash (Rezept eine Entdeckung von TikTok) und Gin Tonic wird das ein sehr lustiger und langer Abend, bevor wir gegen 2 ins Bett fallen…

18.05.2023 – Brunch, Eis, Aperitivo

Die Anzahl, Abfolge und Art der Mahlzeiten am Tag ist ab einem bestimmten Alter flexibel handhabbar und wenn kein Arbeitstag einen Einfluss auf den Tagesablauf hat, kann das schon mal so aussehen:

Kurz vor halb 7 werde ich das erste Mal wach, ich glaube, weil die innere Uhr das Teilzeitkind geweckt hat und es aufs Klo gegangen ist. Dann gehe ich eben auch und lese dann, bis ich wieder einschlafe. Gegen 8 liegen wir dann aber zu dritt im Bett und zwei von uns (nicht ich) sind hellwach. Zum Glück gibt es Kaffee, den ich trinken kann, während das Teilzeitkind auf meinem Handy spielt und der Liebste Sachen von Reddit vorliest. Halb 10 wird dann aufgestanden und der Tisch gedeckt, der Feiertag wird nämlich mit einem Brunch begangen, zu dem die ehemalige Mitbewohnerin der beiden eingeladen ist.

Nach dem Essen verabschieden wir das Kindelein, das mit dem Bus zu Mama, Stiefpapa und Geschwistern fährt. Wann ist es eigentlich so groß geworden, dass es dafür selbständig die Wohnung verlässt und zur Bushaltestelle geht? Wir anderen bleiben noch ein wenig sitzen und erzählen, dann brechen wir zu einem Spaziergang auf, der uns am Eisladen vorbei und durch den Park führt. (Für mich gibt es Limone Primo Fiore und Gianduia.)

Wieder an der Haustür angekommen, verabschieden wir die ehemalige Mitbewohnerin und dann legen der Liebste und ich uns erstmal wieder hin. Es ist ja schließlich Feiertag. Wir lesen, dösen, schlafen und erzählen bis etwa 16:30 Uhr. Ich beende dabei mein Buch („Salvation City“ von Sigrid Nunez). Dann packe ich meine Sachen und wir fahren gemeinsam in den Prenzlauer Berg. Dort gibt es einen ausschweifenden Aperitivo mit Prosecco, Limoncello Spritz, Pizza, Aranacini, Parmigiana und mehr mit Blick auf das Planetarium.

Der Liebste muss morgen wieder arbeiten, bringt mich aber noch nach Hause, bevor er sich auf den Heimweg macht. Ich versorge die Katzen, packe meine Tasche aus und setze mich dann mit einer „Feierabendlimo“ (Pflaume-Kardamom) auf den Balkon und mache meine täglichen Duolingo- und Babbel-Aufgaben, für die am Morgen keine Zeit war. Dann schaue ich (wieder drinnen, es wird kühl) die Folge „Marvelous Mrs Maisel“, bei der ich gestern eingeschlafen bin. Als nächstes verbringe ich gute anderthalb Stunden in der Badewanne, bevor ich gegen 23 Uhr im Bett liege und das nächste Buch anfange: „Patria“ von Fernando Aramburu – auch dieses wieder eine Empfehlung der Kaltmamsell. Auf Seite 12 schlafe ich ein.

17.05.2023 – Zack, Freitag

Und schon ist die kurze Woche rum und es ist Freitag Mittwoch. Nachdem die Katzen mich die ganze Nacht bekuschelt haben (war wohl etwas kühler diese Nacht), wache ich kurz vorm Weckerklingeln erfrischt auf. Ich überlege, ob ich zukünftig meinen Wecker schon auf 7 Uhr stelle, damit ich immer Zeit für meine ausschweifende Morgenroutine habe, die ich mir über die langen Jahre im Homeoffice antrainiert habe. Aber noch bin ich nicht entschlussfreudig und sitze dann erst 9:30 Uhr am Schreibtisch – mit grünem Tee mit frischer Minze und Schoko-Orangenmüsli mit Apfel und Ananas.

Die ersten drei Stunden des Mittwochs sind bei uns Fokuszeit. Ich arbeite mich durch E-Mails, schaue mir ein Tutorial an, passe meine Einstellungen für unser Projektmanagement-Tool entsprechend an und arbeite dann am Großprojekt weiter. Zwischendurch tätige ich noch einen Impulskauf, der meinen Technikfuhrpark auf- und meinen Kontostand abwerten wird. Immerhin kaufe ich bei meiner Firma, es ist also fast für einen guten Zweck.

Um 12 Uhr habe ich das erste Meeting des Tages mit einem Kollegen in Potsdam, das für eine halbe Stunde angesetzt ist, aber fast eine ganze dauert. Dann mache ich Mittagspause, in der ich Wäsche abnehme und aufhänge und meine Tasche für den Abend packe, bevor ich mir Stullen mit Hummus mache und dazu Tomaten- und Staudensellerie-Reste verputze. Der Nachmittag ist bestimmt von Meetings – eins mit Paris und zwei global – und dazwischen arbeite ich weiter am Großprojekt und schreibe meinen Wochenbericht.

Um 18 Uhr mache ich Feierabend und nehme mir eine Feierabendlimo (Orange-Vanille). Ich versorge die Katzen, mache den Abwasch, bringe den Müll runter und fahre dann los ins Fitnessstudio, wo ich die Überraschungsfreundin von neulich auf eine Runde AquaFitness und Sauna treffe. um 21 Uhr komme ich wieder raus und es ist immer noch hell. Wir befinden uns ja seit einigen Wochen in der besten Jahreszeit. Ich hole mir eine Makali-Box vom Stamm-Falafelmann und esse die auf der Fahrt nach Südberlin.

Beim Liebsten angekommen hänge ich leise meine nassen Sachen auf (das Teilzeitkind schläft schon). Dann legen der Liebste und ich uns auf die Couch und schauen endlich die beiden neuesten Folgen „Marvelous Mrs Maisel“, zu denen wir noch nicht gekommen waren. Also der Liebste, denn ich schlafe bei der zweiten ein. Als sie vorbei ist, bringen wir uns gegenseitig ins Bett.

16.05.2023 – Der Montagsdienstag

Da gestern ja Schulung war, ist erst heute wieder ein richtiger Arbeitstag. Ein Dienstag, der sich wie ein Montag anfühlt und nebenbei aber auch noch wie ein Donnerstag, denn ein langes Wochenende steht ja auch noch bevor. Zuallererst aber ist er ein relativ entspannter Homeoffice-Tag mit gemütlicher Morgenroutine der üblichen Art. Mein erstes Meeting ist für 9:30 Uhr angesetzt, kurz davor sitze ich mit Tee (schwarz mit Maracuja) und Müsli (Honig-Nuss mit Apfel) am Rechner. Dann wird das Meeting kurzfristig abgesagt und ich kann mich erstmal durch meine E-Mails wühlen, bis zum nächsten Meeting um 10:00 Uhr. Das dauert eine halbe Stunde und involviert heute Kolleg*innen aus Spanien, Italien, Frankreich und Polen.

Dann habe ich wieder eine halbe Stunde Zeit und gehe die Aufgaben durch, die ich diese Woche schaffen muss (aka heute und morgen) und verschiebe gleich einmal eine Deadline auf nächste Woche, weil das sonst echt eng wird. Außerdem schaue ich mir die Meeting Notes von dem Team-Meeting gestern an und mache mir eine mentale Notiz, später Fragen dazu zu stellen. Um 11:00 Uhr dann anderthalb Stunden Meeting mit Kolleg*innen, die alle in Berlin sind – zwei im selben Raum im Büro, der Rest im jeweiligen Zuhause.

Direkt im Anschluss Meeting mit einer Kollegin in England, die nebenbei ihre Wäsche aufhängt. Sie kann mir meine Fragen zu den Meeting Notes beantworten und ich schreibe mir direkt noch ein To Do für nach der Mittagspause auf. Dann ist es auch schon 13 Uhr und ich verschwinde in die Küche. Ich brate mir den Rest Kartoffeln von gestern in Bärlauchbutter auf und schlage zwei Eier darüber. Dazu gibt es Spreewaldgurken. Draußen ist es heute ungemütlich und kühl, deshalb esse ich drinnen.

Danach geht es zurück an den Schreibtisch. Ich erledige mein To Do aus den Meeting Notes und korrigiere weiter die KI-Übersetzungen von letzter Woche. Dann arbeite ich am Großprojekt weiter, für das ich einen Teil bis morgen fertig haben muss. Zwischendurch chatte ich dazu mit meiner Kollegin in Frankreich. Dann kommt ein Übersetzungsauftrag aus England herein – an einem Standardvertrag wurde eine Formulierung geändert und ich muss diese für die deutsche Variante anpassen.

Um 15 Uhr habe ich dann noch ein letztes Meeting, mit der Kollegin in Georgia. Von 15:30 bis 18:00 Uhr sitze ich weiter an den verschiedenen Aufgaben und dann mache ich pünktlich Feierabend. Ich schnappe mir meine Yoga-Matte und mache mich auf den Weg zur Physiotherapiepraxis. Unterwegs telefoniere ich zum dritten Mal heute mit dem Liebsten. Er berichtet, dass das Teilzeitkind heute beim Friedenslauf 7 Runden à 1,6 km gelaufen ist und damit seine Familie arm gemacht hat. WTF, gestern und vorgestern war es noch krank! In dem Alter war ich froh, wenn ich 1 km am Stück gelaufen bin (und wäre das vermutlich heute auch).

Meine „sportliche“ Leistung beim Yoga ist im Vergleich sehr überschaubar, ich mache mit, so gut ich kann, verbringe aber viel Zeit im „Kind“, weil einige Bewegungen gar nicht möglich sind, andere zu sehr schmerzen und andere zu viel Kraft kosten. Aber Yoga ist ja auch kein Wettbewerb und es ist gut, dass ich es gemacht habe. Auf dem Heimweg gehe ich noch kurz etwas einkaufen. Wieder zuhause mache ich mir Stullen, einen Salat (Spinat mit eingelegten Artischocken, Oliven und getrockneten Tomaten, dazu Kräuter vom Balkon und ein Dressing aus Olivenöl, Weißweinessig und süßem Senf), eine halbe Ananas und eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel).

Als ich mit dem Essen fertig bin, ist es plötzlich schon 22 Uhr. Ich trinke noch gemütlich die Limo aus und schaue dabei TikTok. Dann siebe ich das Katzenklo durch und mache mich bettfertig. Um 23 Uhr schlage ich mein Buch auf und bin dann nach wenigen Seiten eingeschlafen.

15.04.2023 – Ein ganz anderer Montag

Jetzt fängt mein Körper also an, den fehlenden Schlaf nachzuholen. Ich werde diese Nacht zweimal geweckt, einmal durch ein merkwürdiges Geräusch und einmal durch gelangweilte Katzen. Beide Male habe ich gerade erst anderthalb Stunden am Stück geschlafen, wache aber aus dem tiefsten Tiefschlaf auf und bin der Meinung, die Nacht sei jetzt vorbei. Trotzdem schlafe ich auch beide Male fast sofort wieder ein und dann bis gegen 7 durch, eine halbe Stunde vorm Weckerklingeln. Das passt mir ganz gut, denn an Bürotagen ist der Wecker eher eine Art letzte Warnung. So komme ich trotzdem gemütlich in den Tag.

Ich lese das Internet leer, mache Niederländisch, Tschechisch und Italienisch, blogge, füttere die Katzen, die Pflanzen gieße ich nicht, das reicht noch von gestern Abend. Ich ziehe mich an, packe meinen Rucksack, nehme mir Müsli mit und schnappe mir eine Mate vom Balkon, dann bin ich auf dem Weg zur Tram. Unterwegs telefoniere ich mit dem Liebsten. Im Büro angekommen stellt mir ein Kollege ein eigentlich leicht zu lösendes Rätsel, aber mein Geist schläft scheinbar wieder oder ich habe Brainfog. Mit vielen Tipps finde ich die Lösung. Dann gibt es erstmal einen Cappuccino mit zusätzlichem Espresso-Shot und das Müsli.

Der heutige Bürotag ist anders als sonst, denn ich befinde mich den ganzen Tag in einer Schulung und bin von den alltäglichen Aufgaben komplett abgemeldet. Es gibt eine ausgedehnte Session am Morgen, dann gehen wir in einer kleinen Gruppe Mittag essen (Bun bo und Ginger Ale, Foto vergessen!), dann folgt eine zweite Session am Nachmittag, unterbrochen durch eine weitere Kaffeepause (Espresso macchiato für mich). Weil der Referent pünktlich los muss, haben wir dann sogar etwas früher Schluss als geplant. Theoretisch könnte ich an meinem Teammeeting um 17 Uhr teilnehmen, praktisch bin ich ja abgemeldet und habe außerdem den müden Kopf voll von Schulungsinhalten. Ich mache mich also auf den Heimweg. Dabei telefoniere ich wieder mit dem Liebsten.

Ich möchte eigentlich so weit wie möglich laufen, aber da mein Körper immer noch Müdigkeit anmahnt und es dann auch noch zu regnen anfängt, steige ich schon bei der zweiten Gelegenheit in die Tram. So bin ich schon zuhause, bevor das Teammeeting zu Ende wäre und habe also einen ungewohnt frühen Feierabend. Ich gebe den Katzen etwas zu essen und setze mich dann mit einer Feierabendlimo (Tannenwald) auf den Balkon und gucke, was heute so im Internet los war. Dann habe ich auf einmal wieder Hunger, obwohl ich mich bis eben noch komplett vollgefressen fühlte.

Ich koche Pellkartoffeln und mache nebenbei den Abwasch. Dann gibt es die Kartoffeln mit Sahnehering, Radieschen und einem Apfel im Bett liegend. Nach dem Essen versuche ich, zu lesen, mir fallen aber ständig die Augen zu. Für den Nachtschlaf ist es noch zu früh, sonst liege ich später wieder ewig wach. Ich wechsle also das Medium und treibe mich auf TikTok herum. Kurz nach 20 Uhr telefoniere ich ein drittes Mal mit dem Liebsten, diesmal samt Teilzeitkind, das sich gerade zum ins Bett gehen und vorgelesen bekommen fertig macht und dabei wie wild das Känguru zitiert. Ich sage dem Liebsten direkt gute Nacht und gehe dann Zähne putzen und mache auch mich bettfertig.

Wieder liegend bin ich jetzt aber wieder munterer als eben und beschäftige mich noch ein Weilchen weiter mit TikTok. Der Algorithmus zeigt mir diverse Videos zu einem Thema, von dem ich einige an den Liebsten weiterleite, bis er mir zu Verstehen gibt, dass das jetzt genug waren und mir als Bestrafung ein Video von einem Let‘s Play schickt. Die andere interessante TikTok-Erkenntnis des Tages ist das Konzept des „Doing it for the plot“. Kommt mir irgendwie bekannt vor, hüstel.

Anyway, Zeit, wieder zu lesen. Ich komme über die Stelle hinweg, bei der ich gestern Abend immer eingeschlafen bin und dann gibt es sogar einen Plottwist, der mich viel länger als in den letzten Tagen weiterlesen lässt. Gegen 22 Uhr ist dann trotzdem der Schlaf übermächtig und ich gebe nach.

14.05.2023 – Sunday Funday

Wenn ich die letzte Nacht mit fünf Stunden Schlaf ausgekommen bin, mache ich das diese Nacht einfach auch, sagte sich mein Körper wohl. Jedenfalls bin ich halb 7 wach und muss auf Toilette. Diesmal hätte ich wohl wieder einschlafen können, aber irgendwie habe ich beim Toilettengang wohl das Teilzeitkind geweckt, das jetzt auch wach ist und Bienenstichsymptome eruiert haben will. Außerdem bekommt es vom Liebsten Kakao und Frühstück angeboten, hat aber keinen Appetit. Die Erwachsenen liegen und dösen und lesen dann ab jetzt. Irgendwann legt sich das Kind zu uns. Dann muss es aber aufstehen, denn um 9 wird es zu einem Außentermin abgeholt und muss dafür auch noch chic aussehen.

Als wir dann alleine sind, gibt es noch ganz in Ruhe einen Kaffee im Bett und ich mache Niederländisch und Tschechisch und blogge. Für Italienisch bleibt erstmal keine Zeit, denn wir haben noch einiges vor. Also stehen wir auf, ziehen uns an, packen unsere Sportsachen und spazieren 20 Minuten zum Fitnessstudio. Der Liebste hüpft auf den Crosstrainer und ich versuche mich erst einmal auf dem Laufband, wechsle dann aber schnell auf ein „Fahrrad“ und radle durch San Francisco. Dabei höre ich Podcast und stelle außerdem schnell fest, dass ich dank Rückenlehne auch nebenbei im Internet rumlesen könnte. Das verlangt nach einem Foto, einem Video für eine Insta Story und meinem nächsten TikTok. Bear with me, ich übe noch!

Nach dem Strampeln ziehen wir uns um und schwimmen noch ein paar Bahnen, bevor es in die Sauna geht – ebenfalls mit Bewegtbilder, denn bei 100 Grad können wir uns auf einem riesigen Bildschirm mit Videos von isländischen Stränden und kanadischen Wald- und Gebirgslandschaften abkühlen. Nach der Sauna ruhe ich noch kurz auf einer Liege, dann gehen wir duschen und uns anziehen und spazieren zum nächsten Programmpunkt, unserem Stamm-Frühstückslokal. Ich frühstücke schwedisch, der Liebste italienisch und mein Getränk heißt irritierenderweise Pelikan, ohne einer zu sein.

Nach dem gemütlichen Frühstück spazieren wir wieder nach Hause, fallen nun völligst erschöpft zurück ins Bett und schlafen erst einmal, bis das Teilzeitkind wieder zu Hause ist. Es ist nun auch komplett geschafft, also geben wir dem Drängen seit gestern nach und gucken zu dritt auf dem Sofa „Harry Potter und der Halbblutprinz“. Danach lasse ich die beiden alleine und nehme voll bepackt die S-Bahn nach Hause. Dort angekommen quäle ich mich durch Schwimmsachen aufhängen, Katzen füttern, Katzenklo sieben und Pflanzen gießen. Dann schnippele ich mir den Rest Erdbeeren klein, gieße Milch darüber und esse sie zum Abendbrot auf dem Balkon, mit einer Wochenendlimo (Blaubeere-Salbei) und einem Telefonat mit meinen Eltern.

Es ist dann kurz vor 21 Uhr. Ich putze mir die Zähne, gebe den Katzen noch etwas Trockenfutter für die Nacht und lege mich ins Bett. Ich mache die Italienischübungen, die ich morgens ausgelassen hatte, schaue noch etwas TikTok und nehme mir dann mein Buch. Ich lese den gleichen etwa siebenzeiligen Absatz ungefähr zwölfmal, mache dann das Licht aus und schlafe sofort tief und fest.

13.05.2023 – 20 Stunden wach

Das ist ja schön, dass die Tage an sich länger werden, aber meine Wachzeiten müssen da eigentlich nicht auch mitmachen. Ich werde am Morgen von kabbelnden Katzen geweckt, gehe kurz aufs Klo, verteile Snacks und lege mich wieder ins Bett. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt, dass es 5 Uhr ist. Beste Bedingungen, um wieder einzuschlafen, eigentlich. Ich lese kurz ein bisschen, bis mir die Augen wieder zufallen, döse aber nur noch ganz kurz weg, bevor mein Kopf sagt, dass ich mit das Weiterschlafen jetzt klemmen könne. Also weiter lesen, irgendwann Podcast hören… Bis 7 noch in der Hoffnung, dass der Schlaf doch nochmal zurück kommt… Aber nein.

Dann also Internet leer lesen, Niederländisch, Tschechisch und Italienisch machen, Bloggen und im Geiste schonmal die Logistik des Tages durchgehen. Gegen halb 10 stehe ich auf, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, ziehe mich an, packe meine Sachen und koche mir einen Kaffee für unterwegs. Das Hochblubbern in der Moka wird nebenbei zu meinem ersten richtigen TikTok-Video und findet gleich viel Anklang. Kurz nach 10 verlasse ich die Wohnung Richtung Südberlin. Ich hole noch Erdbeeren am Erdbeerhäuschen und setze mich dann in die S-Bahn. Am Zielbahnhof treffe ich den Liebsten und das Teilzeitkind und dann gehen wir auf den Markt.

Wie jeden zweiten Sonnabend holen wir Aufstriche, Börek, Oliven, Taboulé, Brot, Eier und Quarkbällchen. Der Salami-Mann ist heute nicht da und Obst habe ich ja schon dabei. Dann geht es nach Hause und gegen 12 Uhr gibt es Brunch. Dabei machen das Teilzeitkind und ich einen Geschmacksvergleich mit Kalamata-Oliven und geschwärzten Oliven und haben unterschiedliche Favoriten, mit voraussehbarer Verteilung. „Vielleicht schmeckt mir ja die Farbe?“

Nach dem Essen haben wir verteilte Aufgaben. Das Teilzeitkind schreibt die Einladungskarten für seine Geburtstagsparty in zwei Wochen, während der Liebste und ich mein Zelt reparieren, mit dem ich am Tag nach der Feier zum Immergut fahre. Dabei kommen Alleskleber und schwere Bücher von Perry Rhodan und Michail Bakunin zum Einsatz.

Als alles fertig ist, machen wir eine Pause und alle dürfen sich eine Weile mit Hörspiel, TikTok bzw. GTA beschäftigen. Dann machen der Liebste und ich einen Spaziergang durch den Park zum Kanal, während das Teilzeitkind sich mit einer Freundin zum Spielen trifft. Von dort kommt es später mit einem Bienenstich zurück, den es sich beim Radschlagen auf der Wiese zugezogen hat. Aber dieses Kind ist ja sehr tapfer und die Folgen sind überschaubar.

Halb 7 sitzen wir dann mit der Freundin zu viert am reservierten Tisch beim Stammitaliener. Es gibt Antipasti, Bruschetta und Focaccio und danach für die anderen Pizzen und für mich Ravioli mit Steinpilzen. Zum Nachtisch bekommt ein uns gut bekanntes Kind ein gemischtes Eis und besteht aus Gründen darauf, dass ich die Karamellcreme nehme. Die Kids gehen zwischen den Gängen jeweils draußen spielen, so dass wir beim Weinchen auch ein paar Erwachsenengespräche führen können.

Beim Bezahlen stelle ich fest, dass draußen auf der Terrasse inzwischen ein ehemaliger und ein aktueller Kollege sitzen. Berlin ist so ein Dorf! Wir halten einen kleinen Plausch, dann bringen wir die Freundin nach Hause und uns selbst aufs Sofa – das ESC-Finale geht gleich los! Das Teilzeitkind dürfte eine Stunde mitgucken, haben wir entschieden, aber es will gar nicht, weil es doof findet, dass wir lieber das gucken, als jetzt noch eine Stunde irgendeinen Film anzufangen. Es braucht drei Überredungsansätze von uns, bis es dann doch zum Fernseher kommt. Das Argument, dass ganz Europa das gerade guckt, hat dann doch gezogen. Nach der verabredeten Stunde ist das Kind dann gerade an meiner Schulter eingeschlafen, die Hand quasi noch in der Chipstüte. Der Liebste hält auch gerade ein Nickerchen, wird dann aber wieder wach und ist ganz verzückt ob der Niedlichkeit.

Gegen 23 Uhr wacht das Kind wieder auf und bringt sich selbständig ins Bett, der Liebste geht noch eine Runde zocken und bittet darum, zur Punkteverteilung wieder gerufen zu werden. Die schauen wir dann ab Mitternacht wieder gemeinsam und dann liegen wir irgendwann halb 2 im Bett.

12.05.2023 – Freitagsfreuden

Auch der heutige Tag ist noch von viel Müdigkeit und Erschöpfung geprägt, aber immerhin steht auch nicht mehr ganz so viel an, bis das Wochenende losgehen kann. Ich nehme mir vor, die Flexibilität von Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice voll auszunutzen. Dann beantworte ich aber doch schon kurz nach 8 die ersten Arbeitsnachrichten auf dem Diensthandy, woraus sich ein erstes dienstliches Telefonat kurz nach 9 ergibt. Zu diesem Zeitpunkt liege ich noch im Bett, habe noch nicht fertig gebloggt, aber immerhin schon einen Tee gekocht.

Um 10 kann ich dann das Bloggen abschließen und aufstehen. Ich richte mir das Balkon-Office her, esse Toasts mit Holundermarmelade und Pistaziencreme und einen Apfel und wühle mich durch die E-Mails der Nacht. Ein wichtiger Schritt im Großprojekt hätte eigentlich schon erledigt worden sein müssen, aber der zuständige spanische Kollege ist gerade in Indien und hat wegen der Zeitverschiebung vermutlich die Deadline verpasst. Durch Anpingen auf mehreren Kollegen erreiche ich ihn irgendwann und die Aufgabe ist drei Stunden nach Deadline erledigt – immerhin.

Zeitgleich, bzw. überlappend, findet dann das erste Meeting des Tages statt, für das ich allerdings nach drinnen an meinen Schreibtisch gewechselt bin. Mitte Mai wird es jetzt schon am späten Vormittag zu heiß, um auf dem Balkon zu arbeiten. Nach dem Meeting mache ich Mittagspause und schnipple mir einen Salat aus Lollo bionda, Radieschen, getrockneten Tomaten, Oliven und eingelegten Artischocken zurecht. Zum Essen ist es auf dem Balkon nicht zu heiß. Ich schnappe mir auch direkt noch eine Mate für den Nachmittag.

Ich arbeite noch Dinge ab und höre dabei das neue Album von Feine Sahne Fischfilet, dann startet um 15 Uhr unser Wochenabschluss-Teammeeting, das wir heute gnadenlos überziehen. Es gibt einfach sehr viel zu besprechen, da wir alle diese Woche so viel beschäftigt waren, dass wir wenig Gelegenheit für den Austausch über die allerdringendsten Aufgaben hinaus hatten. Aus dem Meeting ergeben sich dann nochmal einige To Do‘s und außerdem muss ich noch meinen Wochenbericht schreiben. Zwischendurch telefoniere ich auch noch mit meinem Bruder. Als dann alles fertig ist, ist es schon wieder fast 18 Uhr (soviel zu flexiblen Arbeitszeiten) und ich klappe den Laptop mit Schwung zu.

Bevor ich mich heute so richtig zurücklehnen lassen kann, gilt es noch, das Katzenklo durchzusieben, den Müll runterzubringen, beim Lieblingsnachbarn den Balkon zu gießen und Wäsche zu waschen. All das erledige ich, bevor es das Feierabendgetränk gibt – weil Wochenende ist, gönne ich mir einen Limoncello Soda (ich muss mir evtl noch Prosecco mit Schraubdeckel zulegen, dann kann es auch mal Spritz nur für mich geben). Zum Essen gibt es frisches Brot mit Bärlauchbutter, Cœur de Paille und Finocchiona und dazu die letzte Möhre und den Rest vom Ziegengouda.

Beim und nach dem Essen versinke ich in TikTok. Als der Mitbewohner nach Hause kommt, serviert er zum Nachtisch noch mitgebrachte „Carrot Sweets“, eine Art Barfi oder Halwa aus geriebenen Möhren und getrockneter (?) Milch, die er vorher in der Mikrowelle warm macht. Die Milch wird so lange erhitzt, bis keine Flüssigkeit mehr übrig ist, wie man das genau auf Deutsch nennt, fällt mir gerade nicht ein. Solid Milk auf Englisch jedenfalls.

Eigentlich hatte ich für den Abend noch Fantasien vom Buch lesen, aber mein Kopf kommt dafür nicht genügend zur Ruhe. Stattdessen geht es mit einem Podcast in die Badewanne, bis die Waschmaschine fertig ist. Dann noch schnell Wäsche aufhängen und kurz nach 23 Uhr lege ich mich zum Schlafen hin.

Zu der doch für die nicht dabei gewesenen wahrscheinlich eher eintönigen Alltagsbeschreibung könnten hier noch ein paar Gedankenfetzen dazu stehen, wie oft ich in letzter Zeit gedanklich mit Menschen anecke, weil sie Dinge sagen, die mich auf politischer Ebene entrüsten. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, natürlich. Bin ich in den letzten Jahren in meinen Ansichten radikaler und gleichzeitig im Zwischenmenschlichen intoleranter geworden oder sind es die Zeiten, wegen derer alle etwas on edge sind? Und wie konsolidiert man divergierende Meinungen damit, das man sich sonst eigentlich mag und in den in dieser Woche aufgefallenen Fällen ja auch weiterhin gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten will? Drei verschiedene Personen, einmal ging es um die Pandemie, einmal ums Klima bzw. die Maßnahmen gegen den Wandel desselben und einmal um Klassismus im weitesten Sinne. Und jedes Mal sagte die jeweilige Person was sie sagte eher nebenbei und in völligem Unbewusstsein dessen, wie dumm (sorry) es ist. Eigentlich ein Wunder, dass ich keine unsolidarischen Kommentare zum anstehenden Bahnstreik gehört habe. Zum Glück, sonst wäre ich wohl endgültig mit roter Fahne auf die Barrikaden gegangen.

Anyway, auf ins Wochenende!

11.05.2023 – Fatigue

Ich habe es ja durchaus erwartet, aber bin dann doch überrascht, WIE erschöpft ich nach den letzten beiden Wahnsinnstagen bin. Ich hätte ja nach dem Arbeitstermin bis kurz vor Mitternacht gestern gerne die gesetzlich verordneten 11 Stunden Ruhezeit eingehalten, aber morgens halb 10 findet ein Townhall statt, bei dem ich zumindest zuhören sollte. Als Kompromiss beschließe ich, das noch vom Bett aus zu machen, dann wieder zu ruhen und mich frühestens um 11 an den Schreibtisch zu setzen. Als dann der Reminder für das Townhall aufpoppt, bin ich erschrocken, dass es schon soweit ist, gefühlt bin ich doch gerade erst wachgeworden. Ja, alles geht heute morgen etwas langsamer.

Ich höre das Townhall an, beantworte im Chat eine Frage dazu, und klappe dann den Laptop nochmal zu. Richtiges Ruhen ist jetzt aber auch nicht mehr möglich. Ich lasse mir aber immerhin Zeit beim Aufstehen, Katzen füttern, Balkon gießen, Anziehen und Frühstück machen und esse dann erstmal entspannt mein Müsli, bevor ich ernsthaft anfange, zu arbeiten. Konzentration ist heute schwierig, ich bin einfach zu kaputt und müde. Ich arbeite also vor allem die dringendsten und einfach erscheinenden Aufgaben ab und verschiebe weniger Dringendes und Komplexeres.

Um 13:45 Uhr habe ich ein spontanes Meeting mit meiner Kollegin in Paris, um mich mit ihr zum Großprojekt abzustimmen. Dafür muss ich allerdings noch etwas fertigstellen. Ich ziehe mir also einen extra Schuss Koffein qua Mate rein, ballere mir die Immergut-2023-Playlist auf die Ohren und ziehe das so schnell wie möglich durch. Ich bin rechtzeitig zum Termin fertig damit und kann dann erstmal kurz Pause machen und mich danach wieder seichteren Aufgaben widmen. Zum Mittag gibt es Stulle mit Bärlauchbutter, Ziegengouda und Spreewaldgurke und ein Telefonat mit dem Liebsten.

Am Nachmittag nehme ich an einem Webinar teil, danach gibt es wieder ein Meeting, bei dem ich nur zuhören muss und danach verbringe dann den Rest des Arbeitstages mit der Korrektur von Übersetzungen, die per KI angefertigt wurden. Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu, schnappe mir eine Feierabendlimo (Estragon-Ingwer) und gehe nach draußen. Ich spaziere ein wenig, bringe eine Pfanddose zurück und telefoniere nebenbei mit meiner Kollegin und Freundin in Frankreich. Die Spazierrunde wird allerdings kurz, ich bin wirklich kaputt. Zuhause setze ich mich noch ein wenig auf den Balkon und bestelle während des Telefonierens online einen Cheeseburger mit Avocado und Jalapeños und dazu Pommes und Chipotle-Mayo – alles vegan.

Wir telefonieren noch, his das Essen da ist, dann mache ich es mir mit dem Burger und dem ESC-Halbfinale-Livestream gemütlich. Der halbe Bildschirm zeigt ESC, die andere Hälfte Kreuzworträtsel der New York Times und auf dem Diensthandy bespreche ich die ESC-Vorgänge mit einer Kollegin in England und einem Kollegen in den USA, der mal als Austauschstudent in Moskau war und seitdem ESC-Fan ist.

Kurz vor Mitternacht ist dann auch dieser Tag für mich vorbei.