Jamaica, was bleiben wird (II)

-„Zeckenbiss? Kipp Rum drüber! Wespenstich? Kipp Rum drüber! Langeweile? Kipp Rum drüber!“

-Die vielen Verkehrsschilder, die vor Alkohol am Steuer warnen, zum Beispiel: „Arrive alive, don’t drink and drive!“, desgleichen vor dem Motorradfahren ohne Helm: „Protect your head, don’t end up dead!“

-Die kurvenreichen, schlaglochübersähten Straßen und das ständige Hupen (aus Sicherheitsgründen) vor jeder einzelnen.

-Das stundenlange Liegen in der Hängematte

-Die polizeiliche Willkür beim Herauspicken der Autos für Kontrollen und beim Entscheiden über Strafzettel und -gelder

-Die Polizisten mit ihren Maschinengewehren, die sich im Supermarkt ihre Snacks für die Mittagspause holen und sich an uns vorbeischieben, während wir an der Kasse stehen

-Die Fahrt auf Bambusfloßen den Rio Grande hinunter, die nackten Füße der Flößer, die ständig nass werden und auch in Stromschnellen immer die Balance halten

-Der aus Bambus gezimmerte Grill-Imbis an einer Flussniederung, dessen einzige Gäste die vorbeigeflößten Touristen sind. Alle paar Monate wird alles weggeschwemmt und wieder neu aufgebaut

-Die vielen freundlichen, offenen Menschen überall, die über unser ehrliches Interesse erstaunt sind, dann aber freudig Auskunft geben

-Das Hinnehmen von Problemen, etwa dass wenn der Kühlschrank kaputt ist, eben die Tiefkühltruhe benutzt wird und wenn das Auto kaputt ist oder dass man den Nachbarn um seines (inkl. Fahrdienste) bittet („Not a problem, mon!“)

-Guter (aber teurer) Internet-Empfang fast überall, dafür fast nirgends WLAN

-Die Kaffeefarm in den Blue Mountains, die von einer Rasta-Familie bereits in 4. Generation betrieben wird

-Die vielen Menschen überall, die einem etwas von sich erzählen, etwas verkaufen oder ihre Dienstleistungen anbieten wollen – bis auf einen war keiner wirklich aufdringlich und die meisten haben ein paar Groschen von uns bekommen

-Die weißen (deutschen) Jamaikaner in Seaford Town, die zu den ärmsten der armen gehören und denen nicht einmal ihre Geschichte bleibt

-Der Müll rund um den eigentlich schönen Bach, in dem viele Jamaikaner baden und sich waschen

-Im Vergleich dazu die ordentlich sauberen YS Falls, deren Eintrittspreise sich nur die Touristen leisten können

-Der Stolz der Maroons in Accompong

-Der Kulturschock beim Betreten eines „echten“ Restaurants nach zwei Wochen in Jerk-Imbissen

Tagebuch-5 im März

Wie gut, dass ich Frau Brüllen in meinem Feedreader habe, so wurde ich direkt morgens daran erinnert, dass heute der 5. ist. Da ich krank bin, spielt das Datum nämlich in meinem Alltag gerade eine untergeordnetere Rolle, als es das im Büro tun würde. So aber kann ich mich trotzdem der Frage widmen: WMDEDGT?

Ich erwache kurz vor 9 aus Urlaubsträumen (Sizilien, Sonne, Essen!) und kann natürlich erstmal ganz in Ruhe liegen bleiben und die Nachrichtenlage checken. Dabei stelle ich fest, dass es auch heute wieder ein Schnupfentag wird – seufz. Irgendwann wären freies Durchatmen und ein Alltag ohne lauter durchgeweichte Taschentücher auch mal wieder schön – ich beneide jeden, der eine Erkältung einfach innerhalb von 1-2 Tagen wegschwitzen bzw. ausschlafen kann. Bin jetzt bei Tag 6, trotz jeder Menge Schlaf, Ruhe, Flüssigkeit und Vitaminen.
Gegen 10 stehe ich auf, füttere die Katzen, nehme meine Medizin und koche die erste Kanne Tee des Tages. Dann mache ich einen Smoothie aus tiefgefrorenen Pflaumen (Danke an Pia für die Inspiration!), Banane, Blutorange, Ingwer, frisch gepresstem Mandarinensaft (die Schale geht so schwer ab…) und Sauerkirschsaft.

Die Beatsteaks übernehmen radioeins freundlich, während ich mir den Abwasch vorknöpfe. Dann frühstücken wir ausführlich und ab kurz vor 12 liege ich auf dem Sofa und ruhe mich aus. Ich schaue ein paar Serienfolgen und lese mich durchs Internet, dann machen die Kopfschmerzen nicht mehr mit und ich schmökere stattdessen in meinen Kochbüchern.

Wenig überraschend macht mich das hungrig und so landen Reste auf dem Teller. Es gibt jamaikanisches „Rice and Peas“, Cassava und frittierte Bananen mit einem ordentlichen Klecks Chili-Sauce drauf. Danach bin ich satt und schläfrig und als die Katzen sich zu mir aufs Sofa gesellen stehen alle Zeichen auf Mittagsschlaf.

Als ich wieder aufwache, ist mir kalt und meine Beine schmerzen: Die Katzen haben sich einfach zu breit gemacht und als braver Mensch wickelt man sich natürlich drumherum und zieht dem Kater nicht die Decke weg. Ich mummele mich also schnell warm ein und fange dann an, mit einer Freundin zu chatten, deren Blog ich Euch ausdrücklich ans Herz legen möchte. Sie ist derzeit in Vancouver und macht sich bald über Maui, Singapur und Thailand auf den Rückweg in ihre Wahlheimat Hamburg. An dieser Stelle passt es auch ganz gut, endlich mal wieder zu MuTZ zu verlinken, einer anderen Freundin, die gerade mit dem Fahrrad durch Südfrankreich unterwegs ist und sehr vergnüglich darüber bloggt. Meine Reiselust ist übrigens auch wieder entfacht: Seit gestern ist meine Teilnahme am Blog-und-Koch-Workshop in Sizilien bestätigt. Das Bezahlen hat zum Glück noch ein Weilchen Zeit, aber ich kümmere mich dann jetzt schon mal um einen Flug (danke, Flugmeilen!).

So langsam sind die Miezen im Abendbrot-Modus, so dass wir da bestimmt bald nachgeben werden. Unser Abendbrot besteht heute dann aus selbst gemachtem Sushi – mit Ingwer und Wasabi gegen die verstopften Nebenhöhlen! 

Jamaikanisches Essen – Woche 2

Dieses war der erste Streich und der zweite folgt zugleich. Da ich gerade total erkältet bin und nur noch in die Wanne, bzw. ins Bett möchte, fasse ich mich mal kurz und wünsche Euch viel Spaß beim Nach-Jamaika-Träumen…

Mandarinen frisch aus dem Garten.
Ebenso wie diese Sour Oranges, die wir dann ausgespresst haben und mit Wasser und Zucker zu Limonade verarbeitet haben:

Im Garten standen aber auch Kokospalmen, so dass wir es für einen Drink und einen kleinen Snack zwischendurch nicht weit hatten:

Ein Bild des Ital-Stews, für dass es demnächst nochmal eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Fotos gibt.
Red Snapper, mariniert für den Grillabend
Jerk Chicken und Red Snapper auf dem Jerk-Grill

Ein Soursop, auch Sauersack und Guanabana genannt. Angeblich kann der sogar Krebs heilen. Wir versuchten es mal traditionell mit dem Saft daraus, vermischt mit Kondensmilch und Muskat:

So sieht eine Jackfruit frisch aus – bisher kannte ich die nur als Chips oder im Curry.  Das Essen ist eine sehr klebrige Angelegenheit, aber dafür mal was Anderes und fruchtig lecker. Gegessen wird das die Kerne umgebende Fruchtfleisch, so dass es ein bisschen ist, als würde man Litschis naschen.

Yam, grüne Bananen und Dumplings

Curry Goat und Bammy (Cassava-Kokos-Puffer)

Eine Ladung Breadfruits

Das Pendant zum Soursop: Der Sweetsop. Kennt man auch als Zimtapfel oder Custard Apple und wird ebenso gegessen wie eine Jackfruit.

Auf dem Teller liegen noch Papaya, Mango und Sweetsop. In der Hand halte ich die Naseberry, die wir in der ersten Woche gefunden hatten. Reif schmeckt sie ein bisschen wie eine getrocknete Feige und sieht dabei aus wie eine Kiwi.

Breadfruit, frittierte Bananen und Callaloo
Mit Kokosflocken panierte Garnelen mit Mango-Chutney kurz vor dem Rückflug

Was wir so mitgebracht haben: Honig, zwei Sorten Rum, Kaffee, diverse Marmeladen, Chilisauce, Tees, Zimtblätter, Muscheln und viele, viele Rezepte…

Jamaikanisches Essen – Woche 1

Was ist das Wichtigste an so einem Urlaub? Richtig: das Essen. Also zumindest, wenn man nicht über Wochen in der Wildnis wandert und sich freut, wenn es den Kartoffelbrei mal warm statt kalt gibt. Und ja, das Meer, die Sonne, die Natur usw. sind auch wichtig. Sagen wir, das Essen ist das Tüpfelchen auf dem i. Und wie immer habe ich fleißig dokumentiert und kann Euch nun ein wenig über jamaikanisches Essen berichten. Zunächst Woche 1, damit wir uns nicht übernehmen…
Das Frühstück am ersten Morgen wartete neben ordinären hart gekochten Eiern mit allerlei landestypischen Leckereien auf. Da wäre ganz oben das Spice Bun, eine Art Bananenbrot mit diversen Gewürzen der Region. Deutsche Gaumen haben sofort weihnachtliche Assoziationen, aber in der Karibik sind Piment, Muskat, Zimt, Nelken etc. ganz alltäglich. Dazu gab es frittierte Breadfruit und Bammy, eine Art Reibekuchen aus Cassava (Maniok) und Kokosmilch. Unten rechts seht Ihr Callaloo, ein Gericht aus gedünstetem Blattgemüse mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Chili. Callaloo gibt es in vielen Ländern, das Blattgemüse ist aber ja nach Region ein anderes. Wenn ich dem Internet glauben kann, bezeichnet man in Jamaika so die Blätter der Amaranth-Pflanze.
Am Abend gab es zum Beispiel frittiertes Hähnchen in einer süß-scharfen Sauce, dazu Rice and Peas (Reis mit Kidneybohnen und Kokosraspel), Gemüse (hier Mangold mit Möhren, Chili usw.) und Salat.
Das war ein typisches Frühstück: Spiegelei (eher frittiert als gebraten) mit Callaloo, Dumplings, frittierter Banane, Brot und Erdnussbutter.
Darf ich vorstellen: Festival, ein frittiertes Teigdings aus Maismehl.
Ein Roots-Drink. Wurzeln, Obst, Pflanzenteile und Gewürze werden zu einem heilsamen Getränk verwurstet, in diesem Fall schmeckte es ähnlich wie amerikanisches Root Beer, aber ohne Kohlensäure, dafür mit einem deutlichen Guaven-Anteil. Mehr gesund als lecker, aber durchaus trinkbar.

Otaheiti Apples – schmecken wie irgendwas zwischen Birne, Stern- und Drachenfrucht.

DAS jamaikanische Frühstück überhaupt: Ackee und Saltfish, dazu in diesem Fall Pancakes.

Ackees dürfen erst verkauft werden, wenn sie sich geöffnet haben und ein für den Menschen giftiges Gas entfleucht ist. Danach kann man das gelbe Fruchtfleisch herauslösen und verarbeiten.
Pancakes mit frischer Ananas und Sirup. Der „Saft“ im Hintergrund wäre in Deutschland ein Fruchtsaftgetränk (Mango-Karotte mit ordentlich Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen)

Zuckerrohr wird geschält und der Länge nach geviertelt. Dann kann man darauf herumkauen, bis der Zuckersaft raus ist. Die holzigen Fasern werden ausgespuckt.
Getränke sind im allgemeinen süß. Viel zu süß für unseren Geschmack. Die einzigen, die man auch in größerer Menge gut trinken kann sind Cranberry Wata und die Grapefruit-Limonade Ting.

Grüne Bananen im Supermarkt. Bananen werden sowohl grün als auch reif verkauft, verarbeitet und verzehrt. Dabei werden die Grünen hauptsächlich gekocht. Unsere Kochbananen sind das aber nicht, die heißen Plantains und ihr werdet sie weiter unten nochmal sehen.
Das ist eine Naseberry, noch nicht ganz reif. Wir haben sie ein paar Tage liegen lassen und im zweiten Post seht Ihr dann, was daraus geworden ist.

Ein Rum Punch. Als ich nach dem Rezept fragte bekam ich die Antwort: Du kaufst Fruit Punch und machst Rum rein (und Limetten, Zucker und Eis. Ist das Ergebnis nicht rot, kommt noch Lebensmittelfarbe dazu). Man darf also experimentieren…

Frittiertes Hähnchen mit Dumplings

Hausgemachte Chili-Sauce in einer Saftflasche
Papayas und eine Mango

Einmal vegetarisch bitte: Wir lassen das Fleisch weg und haben dann nur noch Rice and Peas und Gemüse
Kaffeebeeren direkt am Strauch

Frisch geerntete Plantain-Staude fürs Frühstück

Fritters über dem offenen Feuer ausgebacken. Der Koch von Welt greift statt zum Weinglas zum Spliff.

Frühstück: Fritters, frittierte Plantain und Chocho.
Grapefruit – deutlich süßer und weniger bitter als hier bei uns

Juneplum-Juice mit Zucker, Limette und Ingwer

Gedünsteter Fisch, Rice and Peas und Gemüse
Frittierter Fisch, Plantain und Festival
Das Essen der zweiten Woche zeige ich Euch demnächst, u.a. I-Tal Stew, Jerk Chicken und frische Kokosnuss…

Tagebuch-5 im Februar

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

Gegen 6:20 erwache ich in einem Zimmer des Irie Rest Guesthouses in Treasure Beach an der jamaikanischen Südküste. Ich habe etwa 9 Stunden geschlafen – in den Tropen geht man früh ins Bett. Draußen geht die Sonne auf, im Zimmer ist es weitestgehend dunkel und der Mann schläft noch. Ich liege also im Dunkeln unter meinem Laken und lausche den Geräuschen draußen. Man hört vor allem Grillen und diverse Vögel (gestern war auch ein jaulender Hund dabei), außerdem ein Grundrauschen aus Wind und Meer. Bis zum Wasser sind es keine 200 m Luftlinie. 

Entweder ist der Router für das WLAN noch nicht an, oder das Signal reicht nicht bis hierher ans Bett. Trotz recht gutem 3G-Empfang bekomme ich mit dem iPhone auch wieder keine Verbindung zustande – aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen funktioniert es manchmal nicht und dann plötzlich wieder doch. Zum Buch lesen ist es noch zu dunkel, ich beschäftige mich also mit dem Telefon, sortiere und bearbeite Fotos und mache mir Notizen.
Ein nächster Versuch bringt die Verbindung und ich starte auf meine morgendliche Runde durch die Blogs und sozialen Netzwerke, während die ersten Geräusche aus der Küche an mein Ohr dringen. Um 7:00 sind es draußen 23 Grad, 31 sollen es noch werden. Eine Stunde nach dem Aufwachen ist es dann auch im Zimmer hell und mir wird langsam warm. Im Halbschlaf macht der Mann die Jalousien zu. Zack, wieder dunkel! Ich verschwinde im Bad und begucke mir meinen gestrigen Sonnenbrand.
Es sieht weniger schlimm aus als gedacht, aber besonders Ohren und Beine sind schon sehr rot. Ich trage Sonnencreme auf und ziehe mich an – passend dazu in Rot- und Lilatönen. Dann begebe ich mich nach Draußen in die Hängematte und harre der Dinge, die da kommen. Der Mann kommt kurze Zeit später dazu und auch unsere anderen Mitreisenden lassen nicht lange auf sich warten. Sachsen-Anhalt, das Land der Frühaufsteher… 
Bis alle soweit sind in den Tag zu starten, schaukeln der Mann und ich in den Hängematten. Sie sind so angebracht, dass sie sich gegenseitig in Schwingung versetzen, was durchaus lustige Momente mit sich bringt. Nebenbei beantworte ich eine Doodle-Anfrage meines Teams zuhause für unser nächstes Team-Event. Wenigstens gibt’s hier draußen ab und an WLAN.
Einer der Locals (es ist etwas unübersichtlich, wer zur Familie des Guesthouse-Betreibers gehört, wer angestellt ist und wer einfach nur als Nachbar hier rumhängt) läuft an uns vorbei, kurze Zeit später liegt süßer Ganja-Duft in der Luft. Wir beobachten das bei ihm schon seit wir angekommen sind. Er muss auch heut morgen vor unserem Fenster langgelaufen sein. 
Ich versuche, möglichst viele aussagekräftige Fotos von unserer Unterkunft zu machen, ohne dabei die Hängematte zu verlassen. Auf dieser Reise habe ich den Job der Fotografin inne. Die Planung war diesmal nicht drin, da ich ja erst kurz vor knapp erfahren habe, dass ich mitfliege. Das Treibenlassen ist auch mal eine schöne Erfahrung, obwohl ich mir natürlich trotzdem noch schnell einen Lonely Planet gekauft habe, sicher ist sicher.

Der wunderschöne sand-orange getigerte Jungkater Ginger kommt uns Gesellschaft leisten. Ein Wunder, dass der Hund Blacky, Adoptivtochter Lucky (4) und Enkelin Jada (2) noch nicht hier aufgetaucht sind, aber Lucky ist wohl im Kindergarten, der Likkle Fish School. Während ich den Satz schreibe, rückt Blacky an. Der Mann streichelt synchron. Dann bekommt Blacky von Ginger eine gelangt und jault panisch auf. Ginger läuft weg, Blacky legt sich zwischen uns auf den Boden.

Als sich alle eingefunden haben, begeben wir uns zum Frühstück mit Blue Mountain Coffee und frischer Ananas. Dazu bekommt jeder, was er am Vorabend bestellt hat: Callalou mit Dumplings, Ackee mit Saltfish, Pancakes mit Rührei, Eier mit Toast…  Blacky liegt derweil unter dem Tisch und versucht ab und zu reihum, ob sie wer streichelt. Irgendwann tobt auch Jada wieder um uns herum.


Nach dem Frühstück machen wir uns strandfertig. Das karibische Meer ist hier relativ wild und wellenreich, mit gefährlichen Strömungen. Daher geht man am besten nur bis zum Bauch hinein und hockt sich da hin und spielt Badewanne – eine Badewanne, in der man immerzu hin und her geworfen wird. Aber was solls, man sitzt in türkisem Wasser vor weißem Sandstrand mit Kokospalmen.


Pünktlich um 12:00 taucht eine Ziegenmutter mit ihren beiden Jungen am Strand auf und tut sich an den Blättern der umstehenden Pflanzen gütlich. Da am Strand außer uns nur etwa zehn andere Personen sind (soweit man in beide Richtungen sehen kann), ist das durchaus ein Ereignis. Das nächste sind zwei Locals, die ihren Hund im seichten Wasser mit Seife oder irgendeiner Tinktur abschrubben. Der Hund steht mit den Hinterbeinen im Wasser – die Vorderpfoten hält die Besitzerin – und lässt die Prozedur stoisch über sich ergehen. Danach wälzt er sich im Sand.
Wir machen einen kurzen Spaziergang am Wasser entlang und ich fotografiere bunte Fischerboote und den Grund unter dem klaren Wasser. Dabei sammeln wir Muscheln und finden eine komplette Krabbenhülle.

Später kommt ein Local vorbei und setzt sich zu uns. Nach etwas landesüblichem Smalltalk fragt er, ob wir was zu Rauchen kaufen wollen, was wir verneinen. Dann redet er über Musik und die Reggae-Künstler, die er kennt und singt uns ein Lied vor. Als nächstes bietet er uns Muscheln zum Kauf an, was wir mit einem Hinweis auf unsere Funde ablehnen. Zuletzt rückt er damit heraus, dass er kein Geld hat und fragt, ob wir ihm vielleicht helfen können. Wir geben ihm 50 Jamaika-Dollar, etwa 45 Cent. Er bedankt sich und zieht weiter.
Am frühen Nachmittag geht es zurück ins Guesthouse, Duschen und Sachen packen. Dann setzen wir uns nochmal gemütlich in den WiFi-Bereich und warten darauf, abgeholt zu werden. Es geht heute zurück zu unserem Freund in den Bergen. Lucky ist aus dem Kindergarten zurück und die beiden Mädchen lassen uns von ihren Juiceboxes kosten. Wir drehen die Musik lauter und bekommen eine Kostprobe jamaikanischer Tanzkunst. Dann klammert sich Jada an einen riesigen Plüsch-Elmo, während Lucky sich von uns Grimassen beibringen lässt.


Niemand wundert sich, dass wir viel länger als verabredet auf unsere Abholung warten müssen, das ist eben Jamaika: Die Leute sind lässig, die Straßenverhältnisse schlecht… In der Zwischenzeit sorgen die beiden Kinder immer wieder für Unterhaltung der kindertypischen Art (eine heult, die andere rennt weg und versteckt sich).

Am Ende ist es zwei Stunden später als geplant, als wir uns wieder auf den Weg machen. Das Auto ist klapprig, aber gut gefedert, die Straßen sind voller Schlaglöcher. Je weiter wir nach Norden kommen, desto grüner und vielfältiger wird die Vegetation. In Black River halten wir an, um unsere Bargeldvorräte aufzufüllen. Man kann hier fast nirgends mit Karte zahlen, so dass wir regelmäßig den Höchstbetrag abheben. Damit ist dann das Portemonnaie direkt so voll, dass es nicht mehr zugeht. Man bekommt ein dickes Bündel 1.000 J$-Scheine, jeder etwa 7,80 € wert. Zum Vergleich: Wir haben für die letzten zwei Übernachtungen in einem Guesthouse direkt am Meer inklusive Frühstück, Abendessen und Getränke ca. 60 € pro Person gezahlt. Nicht wirklich viel, aber zu fünft sind das ne Menge Tausender.

Gegen 6:00 geht die Sonne unter, leider können wir das Meer dabei nicht mehr sehen. Warm bleibt es trotzdem noch – in den Bergen fällt das Thermometer nachts auch nicht unter 20 Grad. Wir fahren weiterhin mit offenen Fenstern, auch weil der Benzingeruch sonst zu stark wäre. Besonders im Dunkeln wird vor jeder engen Kurve gehupt, damit es keine Unfälle gibt. Das Auto hat schwer zu tragen an seinen sechs Insassen (einer sitzt im Kofferraum) und klettert nur mühsam durch die Schlaglöcher den Berg hinauf. Unser Fahrer Dino lässt sich die Laune nicht verderben und singt lauthals zur Musik mit, obwohl wir immer wieder Schwierigleiten haben, vorwärts zu kommen.  Um uns herum ist jetzt alles grün.

Gefühlt mitten im Wald steht eine kleine Bude, an der wir für jeden von uns eine Kokosnuss kaufen und sofort austrinken. Sie kosten einen knappen € pro Stück. Für drei von uns (mich eingeschlossen) ist es eine (sehr angenehme) Premiere. Kurz vor 7:00 ist es stockdunkel. In Darliston halten wir an einem chinesischen Supermarkt an und kaufen 10 Liter Wasser und eine Dose Eis für den Nachtisch. Ich bekomme noch einen Erdbeer-Kiwi-Arizona Ice Tea und unser Senior ein Stück Gebäck. Danach erleichtern wir den Rastamann an seinem Stand um ein Kilo Bananen.

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir unser Ziel. Vom sternenklaren Himmel leuchten Millionen Sterne. Ich meine den Orion zu erkennen. Dazu zirpen die Grillen natürlich wie bekloppt. Jetzt bleibt die letzte Herausforderung für heute: Spaghettii mit Tomatensauce für acht Leute kochen! Dabei snacken wir frisch geschältes Zuckerrohr – eine weitere Premiere für mich.

Für einen der Jamaikaner sind unsere Spaghetti eine Premiere. Er fragt, wann wir wieder da sind – wir haben sozusagen einen Markt begründet. Nach den Nudeln stellen wir das Grapenut-Eis in die Mitte des Tisches, aber wir schaffen den Liter nicht, nach all den Nudeln.

Der Abend endet Jamaica-typisch mit Rum, Kaffee und anderen lokalen Genussmitteln. Da wir morgen früh losfahren wollen, bleibe ich nicht bis Mitternacht auf und beende diesen Eintrag bereits um 10.


Jamaica, was bleiben wird (I)

-Der junge Mann, der nicht fassen kann, dass meine Mitreisenden jeweils nur 1 Geschwister und 2 Cousins/Cousinen haben – „Die kleinste Familie der Welt!“ Und sie sollen sich schnell Frau und viele Kinder anschaffen, damit sie nicht so allein sind

-Der junge Mann, der komplett erstaunt ist, dass man als Obdachloser in Deutschland im Winter erfrieren kann, weil es dort so kalt ist
-Der junge Mann, der völlig baff ist, dass man in Deutschland für 1 kg Marihuana rund eine halbe Million Jamaika-Dollar bezahlt (eine Ernte bei ihm ergibt 20 kg, dafür kriegt er umgerechnet 200 €)
-Der junge Mann, der sein Auto mit einer 500 € teuren Musik- und Videoanlage ausgestattet hat und alles hört und sieht, was ihm unter die Finger kommt; er träumt davon, nach Kanada auszuwandern, hat aber trotz Commonwealth ohne verwandtschaftliche Beziehungen schelchte Karten
-Die junge Frau, die nur Patois spricht, aber kein Englisch, obwohl das die offizielle Amtssprache ist
-Lucky, das kleine Waisenmädchen, dass  die Betreiber des Guesthouses bei sich aufgenommen haben und das abends nie ins Bett will
-Die vielen Kinder, die nicht zur Schule gehen können, weil man für die kostenfreie Grundschule eine kostspielige Uniform braucht – alle Bildung danach kostet, eine Schulpflicht existiert nicht
-Das laute Knallen der Domino-Steine auf dem Tisch
-Die Nachbarskatze, die regelmäßig aufs Auto springt und damit die wahnsinnig laute Alarmanlage auslöst
-Zuckerrohrsaft mit Ingwer, der in alten Rumflaschen verkauft wird und köstlich ist
-Überhaupt der Rum – overproof mit Wasser dazu („So trinken ihn die alten und so ist er am besten, wir jungen mischen lieber mit Pepsi.“)
-Die Kolibris, die in der Luft stehen und eine Hibiskusblüte nach der anderen besuchen 
-Das Korallenriff, an dem wir uns festhalten, damit uns die Strömung nicht aufs Meer hinaus zieht, während uns ein paar Jungs mit einem Seil retten kommen – und die Abschürfungen an meinem Schienbein, die mich noch lange daran erinnern werden
-Die Musik überall – jedes Auto, jedes Haus, jeder Obststand, jedes Grüppchen am Strand hat eine Anlage, aus der Reggae ertönt (manchmal auch Dancehall, Beyoncé oder schnulzige Balladen aus den 80ern)
-Das köstliche Essen, das auf jeden Fall nochmal einen Extraeintrag bekommen wird 😉 
…to be continued

Tief in der Karibik…

liegt Mêlée Island. Dachte ich zumindest mal. Über die Jahre stellte sich heraus: Das is frei erfunden. Dafür liegt dort zum Beispiel Jamaica und durch eine Verkettung merkwürdiger Umstände hat es sich heute so ergeben, dass ich am Wochenende für zwei Wochen dorthin fliege. Mal eben. Spontan und komplett unvorbereitet. Bis dahin ist noch viel zu tun und zu erledigen, deswegen sag ich jetzt schonmal Tschüß!

Ich hoffe, dass ich trotz widriger Umstände ab und zu mal ins Internet komme und vielleicht zumindest das ein oder andere Foto hochladen kann. Von dreiköpfigen Affen etwa. Ahoj!

Guacamole oder Die Burrito-Nostalgie

Neulich saß ich mit meinem Bruder beim Abendessen und er schwärmte mir von der Guacamole vor, die er in den Staaten frisch zubereitet im Supermarkt kaufen kann. Aus seiner Beschreibung entnahm ich, dass sie dort zumindest nicht anders gemacht wird, als ich sie auch selbst zuhause zubereite. Am nächsten Tag kaufte der Mann nichtsahnend eine Avocado und bat mich, Guacamole daraus zu machen. Manchmal gibt es ja merkwürdige Zufälle. Beim Essen erzählte ich ihm dann von dem Bericht meines Bruders und geriet darüber ins Guacamole-Sinnieren…

Die beste Guacamole Berlins gibt es meiner Meinung nach bei dolores, vor allem gibt es dort auch die besten Tortilla-Chips dazu – einfach aus den übrig gebliebenen Tortillas hergestellt, die sie für ihre Burritos nutzen, dünn, knusprig und mit nur wenig Fett und Salz. Nicht, dass ich etwas gegen Fett und Salz hätte, aber ich vermute, dass diese Herstellungsform traditioneller ist als alles, was man so in Tüten kaufen kann. Schmeckt jedenfalls gemeinsam mit der puristischen Guacamole hervorragend.

Immer, wenn ich ans dolores denke, erinnere ich mich auch daran, wie ich das erste Mal dort war. Damals wohnte ich noch nicht in Berlin, sondern war nur für ein paar Wochen für ein Praktikum in der Stadt. Das war 2007. In Rostock, wo ich damals studierte gab es nur so ein typisches Tex-Mex-Restaurant mit zwei Filialen und die Burritos dort hatten nichts mit denen zu tun, die ich zwei Jahre vorher in Chicago geradezu verschlungen hatte.

Das war auf einem spontanen Wochenend-Trip während meiner Zeit in Toronto. Ich war seit gerade einmal zwei oder drei Wochen in Kanada und hatte ein paar Engländer kennengelernt, die übers Wochenende in Chicago Freunde besuchen wollten und mich einluden, mitzufahren. Ich zögerte nicht lange und nach einer ungefähr zehnstündigen Autofahrt inklusive aufreibender Befragung an der US-Grenze (Was machen wohl eine Deutsche, drei Engländer und ein Engländer mit kanadischem Pass mitten in der Nacht in einem Mietauto irgendwo in der Nähe von Detroit?), kamen wir dann auch tatsächlich in der windy city an. Wir schliefen uns erst einmal aus und schauten uns dann die Stadt an. Zum Essen gingen wir zu Chipotle und ich aß meinen allerersten Burrito.

Was mir natürlich keiner gesagt hatte, war dass das eben kein mexikanischer Burrito war, sondern eher ein kalifornischer. Daher konnte ich in Rostock auch keinen finden – ich glaube zu dem Zeitpunkt konnte man in Rostock nichtmal Koriandergrün kaufen. In Berlin war es dann das dolores-Schild in Avocado-Form, das mich zu meinem Glück führte. Wir waren gerade zu Dreharbeiten am Alex unterwegs und ich sollte die nächsten zwei Stunden auf dem Dach des Haus des Lehrers verbringen. Vorher wollte ich mir noch schnell was zu essen holen und zum Glück sprang mir da das Avocado-Schild ins Auge. Mein Burrito* (mit Extra-Guacamole!) schmeckte genau so, wie ich ihn aus Chicago kannte und ich mümmelte ihn genüsslich – hoch über dem Alex, während die Kamera den Sonnenuntergang einfing.

Seitdem ist eindeutig klar**, was an gute Guacamole gehört: reife Avocados, frisch gepresste Limette, ordentlich Knoblauch, kleine Tomatenwürfelchen, ein wenig Salz und Chili sowie frisches Koriandergrün. Es wird auch nicht püriert, sondern nur zerdrückt, ein paar Avocado-Stückchen sollten immer bleiben – dann sieht das ungefähr so aus, wie auf dem einzigen Guacamole-Bild, dass ich gerade auf meinem Telefon gefunden habe:

*Mein Standard-Burrito, bis sie die Speisekarte umgestellt hatten, war: Burrito mit Lime Rice, Lime Tofu, Tomato Salsa, Black Beans, Sour Cream, Käse und Guacamole. Ab und zu wurde das Lime Tofu auch durch Mole Tofu ersetzt.
**Manche Menschen tun Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Crème fraîche und andere Dinge an ihre Guacamole, da werde ich dann immer ein kleines bisschen unglücklich…

Ein paar wenige Worte

Nur ein paar wenige Worte aus einem Text von Luisa haben mich heute von einer Minute auf die andere komplett euphorisiert (was in der aktuellen Stimmungslage in etwa so wahrscheinlich ist, wie dass unsere beiden kastrierten Miezen auf einmal einen Schwung Junge bekommen).

„The flavors and fragrances of Sicily“, „food artisans“, „aperitivo hour“, „the language of food„, „picnic under the blossoming citrus groves“…
Eigentlich war das Jahr urlaubstechnisch einigermaßen durchgeplant, sowohl was die Zeiträume, als auch was das Budget angeht. Und plötzlich saß ich in der Klemme: Wenig macht mich so glücklich wie Sonne und gutes Essen. Was mich letztes Jahr nach Sizilien zog, war vor allem genau das – Sonne, Essen, Aromen, Orangen, Mandeln, Pistazien… Seit ich das Glück hatte, ein paar Jahre lang die Freuden der hausgemachten italienischen Küche aus erster Hand erleben zu dürfen, reicht allein der Gedanke daran, um mein Herz höher schlagen zu lassen. Und die besagten „citrus groves“ sind der Ort, an dem ich letzten März wie ein aufgeregter Teenager völlig hin und weg von auf und ab gelaufen bin und mir Taschen und Mund voller Früchte gestopft habe, während der Mann sich über mein Glück freute – im Nachhinein neben dem Abendessen im Wohnzimmer des Agriturismo Due Ganée (alles selbst gemacht aus eigenem Anbau!) und dem Aperitivo in Siracusa DER Höhepunkt der Reise.
Die Möglichkeit, ein paar Tage mit solchen Glücksgaranten zu verbringen, dazu noch Luisa und Rachel persönlich kennenzulernen, mich sowohl kulinarisch als auch intellektuell und kreativ weiterzubilden und das gute Gefühl, dass der Mann das alles so gut nachvollziehen kann und unterstützt, könnte nun dazu führen, dass ich bald unvernünftig viel Geld für ein paar glorreiche Tage ausgeben werde. Aber wie sagte ein Freund mir heute so schön: Wann, wenn nicht jetzt? Im Moment habe ich die Möglichkeit dazu, wer weiß was in ein paar Monaten ist? In zwei Jahren werde ich nicht mehr an das viele Geld denken, wohl aber an das, was ich erlebt habe. Und: Was ist vernünftiger, als Dinge zu tun, die einen glücklich machen? Eben…*

*Wer von meinen Freunden noch nicht weiß, was er/sie mir dieses Jahr zum Geburtstag schenken soll: Ich nehme Geldspenden für dieses Abenteuer dankend entgegen. Wer mitkommen möchte: Meldet Euch schnell, es gibt Gruppenrabatte! Hier noch ein paar Argumente:

So nämlich

Gestern vom Büro zum Kieser Training gelaufen, etwas über 5 km. Und dann eben auch noch trainiert. Gute Sache das, sowohl körperlich, als auch mental. Ein bisschen irritierend dann heute morgen erstmal all die neuen Schmerzen. Dabei war die Pause diesmal gar nicht so lang, gerademal zwei Wochen. Und die letzte große Runde zu Fuß (12,8 km) war noch keine Woche her. Da ist noch einiges zu tun an meiner Fitness.

To Do-mäßig war ich auch recht erfolgreich. Heute kam der Papierkram in die Mangel – Ablage von ca. 1,5 Jahren. Hat dann auch recht lange gedauert, am Ende bleibt ein kleiner Stapel mit noch zu erledigenden Dingen und ein riesiges Yippieh-Gefühl.

Was für Herz und Magen war dann 3in Kurzbesuch im Stamm-Café und später das Abendbrot in der Burgerie (Halloumi-Burger mit Spiegelei, getrockneten Tomaten und Guacamole, ausgebackene Kartoffelschalen mit Limetten-Pfeffer-Dip und hausgemachter Eistee. Und ein kleiner nostalgischer Gedankenausflug bei Pizza Nostra: Espresso und Sfogliatella in echt neapolitanischem Ambiente. Vorher sprachen wir noch mit Freunden über die Amalfi-Küste. Der Resturlaub von letztem Jahr muss ja auch noch verbraten werden, mal sehen, was uns dazu einfällt…