Auch heute wieder beginnt der Tag mit bleierner Müdigkeit. Es ist das Wetter, sagen einige, es ist die Umstellung und der neue Job, sagen andere. Noosa guckt unschuldig und ist auch nur in geringem Maße verantwortlich. Es ist ein bisschen alles. Gut, dass Freitag ist!

Der Arbeitstag beginnt mit Müsli und Crowdfarming-Mango, die jetzt nach dem Nachreifen wirklich perfekt süß, weich und aromatisch ist und bei Zungenkontakt leichte Juchzgeräusche auslösen kann – schmeckt nach Urlaub in Australien oder auf Jamaika, nach dem Smoothie damals in Santiago de Chile… Das erreicht Stellen in Hirn, an die Supermarktmangos (auch Flugmangos) nie heranreichen können. Der Kaffee dazu, aus der Moka mit aufgeschäumter Erbsenmilch, ist auch gut.
Der Arbeitstag lässt sich gemütlich an. Trotz eigentlich meetingfreiem Freitag sind heute gleich drei angesetzt, aber das wird sich in den nächsten Wochen hoffentlich einpendeln. Davon ab ist aber wenig dringendes zu tun, so dass ich Dinge vorarbeiten, organisieren und den Kolleginnen Kleinigkeiten abnehmen kann. Die nächsten drei Dienstreisen sind jetzt bürokratietechnisch schon mal in Sack und Tüten, was meinen Mental Load um einiges erleichtert. Ich werde Oktober und Dezember in vollen Zügen genießen und kann mich im November ein bisschen einigeln – hier oder in Wellnessbereichen meiner Wahl.
Das erste Meeting ist der Abschied einer lieben Kollegin aus dem alten Job, das zweite ist mit den beiden aktuellen Kolleginnen zu aktuell zu planenden Dingen und das dritte ist ein Meeting mit einer Kollegin, die so neu ist, dass sie sogar erst nach mir im neuen Job angefangen hat. Wir tauschen uns aus und schmieden Pläne.
Zwischen Meeting 1 und Meeting 2 mache ich Mittagspause und verputze den Rest Salat von gestern (Apfel, Karotte, Zitrone, Petersilie, Koriander), reichere ihn mit Couscous und Gurke an und verfeinere schließlich noch mit dem Rest Sardinen, Dill und schwarzem Sesam. Sehr fein!

Nach dem letzten Meeting bleibt gar nicht mehr arg viel Zeit bis zum Feierabend und ich beginne mir bereits Gedanken zu dessen Planung zu machen. Sobald der Stift fällt, aka der Laptop zugeklappt ist, geht es los: Biomüll wegbringen und Eimer auswaschen, damit jede Menge Fliegenpuppen aus dem Aktivkohlefilter popeln. Yay! Weniger eklig als die Larven und rechtzeitig bevor die Fliegen schlüpfen…
Dann geht es hinaus in die große Stadt. Erst mit Straßenbahn (die endlich wieder durchfährt) und U-Bahn (die teils immer noch, teils schon wieder nicht nach Plan fährt) nach Mitte zum Briefkastenleeren und Pflanzengießen.

Dann zurück in den Pberg, wo ich die Lichtenberger Freundin zum Arbeitswochenausklang in einem indonesischen Restaurant treffe. Eine Kurskollegin hat so viel von Bali geschwärmt, dass ich den bereits vor langer Zeit erhaltenen Tipp nun endlich mal umsetzen möchte.

Es gibt warme Ingwermilch für die Freundin und kalte Maracujaschorle mit Kokosgelee für mich, dazu frittierte Enoki-Pilze mit Chilisauce und einer Erdnusssauce, die to die for ist, mich also gustatorisch umhaut. Zum Glück hat die Freundin die auch in ihrem Hauptgericht, so dass ich mich an der zur Vorspeise schadlos halten kann. Gut, dass das Restaurant auch liefert, ich sehe da einige Gelegenheiten vor mir, im oben genannten November zum Beispiel!

Mein Hauptgericht kommt aus dem Bananenblatt und besteht aus Reis mit verschiedenen ebenfalls spannend gewürzten Dingen – zartes geschmortes Rindfleisch, Jackfruit, Kohl, Kartoffelkrokette und grünes Chili. Die Freundin hat Gado Gado und ist ebenfalls begeistert. Wir schwelgen im Essen und erzählen uns unsere letzten Wochen, die auf beiden Seiten sehr stressig waren. Dann wickele ich meine Rest wieder ins Bananenblatt und wir laufen durch den dunklen Pberg zur S-Bahn, bzw. nach Hause.
Punkt um 10 liege ich auf der Couch und telefoniere mit dem Liebsten, der noch darauf wartet, dass das Teilzeitkind nach Hause kommt. Soweit ist es jetzt also, ich gehe abends aus und bin trotzdem früher zuhause als das Kindelein. Als es dann da ist, will es aber dringend die neue Folge Die drei !!! hören und das rückt unser Weltbild dann wieder zurecht. Ich vergesse zu fragen, ob es schon genauso erwartungsvoll die vier neuen Taylor-Swift-Songs gehört hat, die ebenfalls heute erschienen sind und die ich als erste Amtshandlung am heute Morgen gehört habe. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Fürs Lesen bin ich jetzt zu kaputt, ich hänge noch ein bisschen im Internet herum und schleppe mich dann gegen Mitternacht ins Bett, sehr froh darüber, den Abend noch für Aktiverholung genutzt und nicht sofort auf der Couch versandet zu sein.