20.09.2026 – Wahltag

Noosa hat aktuell einen eher unruhigen Schlaf und ich daher auch. Es sind also nur sehr stückelige kurze Schlafstunden und um 5 klingelt dann eh der Wecker. Morgendlicher Reboot im Bett (bis auf die Rätsel), dann fertigmachen für den Tag, Stulle schmieren für später, ein schnelles Müsli löffeln und mit Tee aus dem Haus.

Pumpkin Spice Latte Müsli

Zehn vor 7 komme ich im Wahllokal an und dann folgen Schritt auf Schritt auch die anderen. Anders als die letzten Male sind zwei der ursprünglich Berufenen nicht dabei, wovon sich zumindest eine abgemeldet hat und zum Glück hat die Wahlvorsteherin rechtzeitig Bescheid gesagt, so dass wir noch einen Nachberufenen bekommen haben und mit einer Hilfsperson dann acht sind. Da die Person, die sich nicht abgemeldet ist, stellvertretender Wahlvorsteher hätte sein können, wird eine der Beisitzerinnen kurzerhand befördert (die die die Schulung gemacht hat UND nicht erst 16 ist) und dann kann es losgehen.

Wahllokal vor Einrichtung

Pünktlich um 8 machen wir auf und kurz danach sind die ersten Wählenden da. Es ist die gleiche Schule wie letztes Jahr bei der Bundestagswahl, nur ein Raum weiter, das Publikum aber ähnlich – Plattenbausiedlung in Ostberlin. Sehr, sehr viele alte Menschen (Rekordhalterinnen sind zwei 97jährige Damen), viele der jüngeren Wählenden sind so jung, dass sie noch zuhause wohnen und mit ihren Eltern kommen. Und aber auch: Die Wahlberechtigten sind weniger weiß als in keinem Kiez auf der anderen Seite der Greifswalder, wo die meisten Nichtweißen Expats ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind. Hier im Plattenbau gibt es Schwarze Deutsche, türkischstämmige Deutsche, arabischstämmige Deutsche und asiatischstämmige Deutsche. Und viele Deutsche, die sehr stolz auf ihre deutschen Namen sind, die gibt es auch.

Um 13 Uhr habe ich Pause und laufe mit Umweg über den Bäcker nach Hause. Kurzes Liebstentelefonat, dann machen Noosa und ich eine gute Stunde Mittagsschlaf. Hinterher gibt es Kaffee und Kuchen und die Morgens ausgelassenen Rätsel.

Zu 17 Uhr geht es dann (vorher eine Regenhusche abwartend) zurück ins Wahllokal, wo sich nach und nach die ganze Mannschaft wieder sammelt. Der Strom der Wählenden nimmt schon vor 18 Uhr deutlich ab (wir haben im Lokal 64% Wahlbeteiligung, ohne Briefwählende), so dass wir pünktlich 18 Uhr mit dem Zählen anfangen können.

Eine Bürgerin ist zum Zugucken da und stellt interessierte Fragen, sie will sich überlegen, nächstes Mal auch mitzumachen, ist am Ende des Abends aber von der Kleinteiligkeit des Vorgangs (und den diversen Nachzählungen) doch abgeschreckt.

Dabei ist diese meine dritte Wahl (hihihi) die Unkomplizierteste beim Zählen. Wenn wir nicht drei Teenager am Start hätten, die zwischendurch viel schnattern, würden wir noch schneller durchkommen. So folgt die Schnellmeldung über die Abgeordnetenhauswahl um 19:34, die über die Wahl der Bezirksverordnetenversammlung um 20:13.

Kurz danach ist meine Niederschrift soweit fertig, dass alle die Ergebnisse unterschreiben und sich nach dem Rückbau des Raumes verabschieden können. Die Vorsteherin und ich vervollständigen dann noch alle Formalitäten und lassen uns dann von ihrem Mann im Auto kurz nach 20:30 zum Wahlamt fahren.

Dort gibt es eine ziemlich lange Schlange von anderen Wahllokalsverantwortlichen, so dass es eine Weile dauert, bis wir dran sind. Es wird nochmal kontrolliert, ob wir an alles gedacht haben und dann sind wir entlastet und können gehen. Wir fahren zurück in unseren Kiez und dann hole ich mir vom Erfrischungeld noch Ayran und einen Halloumiteller zum Abendbrot.

Dreiviertel 10 sitze ich beim Abendessen und telefoniere nochmal mit dem Liebsten. Wir diskutieren und verfolgen die Ergebnisse in Berlin und MV. Wie letztes Jahr auch schon ist meine Plattenbausiedlung nicht repräsentativ für Prenzlauer Berg: Die AfD lag bei uns deutlich vor der Linken, die wiederum deutlich vor allen anderen lagen – hätte so auch in Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt sein können. In MV sieht es zum Glück noch ein wenig anders aus, aber auch hier hat es am Ende zur Mehrheit für die Blauen gereicht, wir freuen uns trotzdem über die zu erwartende RRG-Koalition. Und hoffen, dass in Berlin RGR kommt und nicht wieder jemand (hüstel) einknickt…

Nach dem Auflegen gucke ich noch ein bisschen weiter Wahlnachrichten und dann ist irgendwann endgültig Schicht im Schacht und ich krieche kurz vor Mitternacht ins Bett. Zum Glück muss ich morgen nicht ganz so früh arbeiten.