17.09.2026 – Da Real Frankfurt

Ich bin ja immer noch Frankfurt-Novizin. Vor einem Monat habe ich hier zum ersten Mal eine Nacht verbracht, war aber trotzdem nur im Büro und am Bahnhof (und mittags in einem Restaurant in der Nähe vom Büro). Davor kannte ich neben dem Bahnhof nur den Flughafen. Heute dann das erste Mal Frankfurt auf freier Wildbahn, von Aufwachen bis Einschlafen.

Das Aufwachen ist nach leicht unruhiger Nacht (geht auch ohne Katze im Bett) kurz vorm Weckerklingeln halb 7. Dann morgendlicher Reboot im Hotelbett an erstem doppeltem Espresso (es wird ein koffeinreicher Tag). Gegen 7 Liebstentelefonat, als der aus dem Haus geht. Dreiviertel 8 gehe ich zum Frühstück und gönne mir die selbe Waffel wie letztes Mal, heute mit Ahornsirup, Beerenpüree, Ananas und Wassermelone, dazu Müsli, O-Saft und grünen Tee.

Gegen 9 dann Aufbruch und ich fahre mit einer historisch anmutenden Straßenbahn von Westen durchs Zentrum nach Süden und durch den Stadtwald.

Beim Aussteigen treffe ich direkt zwei Kolleginnen, die am Hauptbahnhof eingestiegen sind, und gemeinsam laufen wir weiter zum Treffpunkt an einer Ausflugsgaststätte. Heute ist Teamtag und den werden wir mit zwei Coachinnen verbringen, die Gespräche moderieren und Übungen anleiten.

Es kommen weitere Kolleg*innen an, zwei kenne ich bereits live, eine weitere virtuell, drei sind ganz neu für mich. Es gibt mehr Kaffee und dann starten wir mit einigen Warm-ups – Vorstellungen, aktuelle Befindlichkeiten, dominante Themen – bevor es praktisch wird und wir zu acht mit Hilfe von vier Pollern und drei Brettern gemeinsam über einen Säurefluss kommen sollen, was viel Kollaboration und Kommunikation erfordert.

Danach drehen wir in Zweierpaaren eine Runde durch den Wald und reflektieren. Ich schnappe mir die Kollegin, mit der ich bis jetzt noch kein Wort gewechselt habe und nutze das direkt zum Kennenlernen.

Als wir zurückkommen wird ausgewertet und dann gehen wir zum Mittagessen. Für mich gibt es eine riesige Portion Spinatknödel mit unter anderem Mispelschaum und dazu Kirschschorle.

Nach dem Essen (und noch mehr Kaffee) spielen wir den „fliegenden Teppich“ und lernen etwas über das Austarieren und Priorisieren verschiedener, entgegengelagerter Ziele und schon wieder: Kommunikation.

Nach weiterer Auswertung geht es tiefer in den Wald hinein und dann packen die Coachinnen DAS Gimmick des Tages aus – zwei Gummihühner und acht Schläger, wir spielen in zwei Teams Gummihuhngolf und schlagen unsere Hühner mit möglichst wenig Schlägen durch diverse Hindernisse. Auch hier wieder: Kooperation, Kommunikation, verschiedene Stärken („Fähigkeiten“ sagt die Innere Kursleiterin der letzten Wochen!) gezielt einsetzen. Und dabei sehr viel lachen, weil es wirklich herrlich bekloppt aussieht und die Hühner die ganze Zeit quietschen.

Am Ende ist das andere Team schneller, aber wir brauchen weniger Schläge. Wir einigen uns auf unentschieden. Die letzte Aufgabe ist, uns gegenseitig Trophäen zu basteln und eine Rede für die andere Mannschaft zu schreiben. Wenig überraschend schreibe ich in meinem Team die Rede.

Danach Abschlussreflexion und schon brechen die ersten wieder auf, die weite Wege oder private Anschlusstermine haben. Wir anderen nehmen noch Kuchen, oder Nachtisch und ein Getränk. Bei mir gibt es Haselnuss-Tiramisù und Zimtpflaumen und einen KiBa.

Dann verabschieden auch wir uns und eine Kollegin und ich nehmen gemeinsam die Straßenbahn zurück in die Stadt. Ich steige noch in die U-Bahn um, fahre zum Römer, bummele dort kurz herum und setze mich dann an einen Baumstamm am Main und wähle mich in einen Zoom-Call mit meiner Kursgruppe ein.

Wir erzählen uns von unseren letzten Tagen und sind froh, uns zu haben. Nach einer guten halben Stunde verabschieden wir uns und ich fahre mit U- und Straßenbahn zurück Richtung Hotel, hole mir ein leichtes Abendessen im Supermarkt und esse dann bei Liebstentelefonat auf dem Zimmer.

Gegen 9 habe ich noch eine lose Verabredung mit den beiden Coachinnen an der Hotelbar, nehme aber auch ein Buch mit.

Italienisches Buch an italienischen Cocktail

Wie vermutet, wird es nichts mit dem gemütlichen Tagesausklang zu dritt. Die Beiden haben noch familiäre Verpflichtungen am Telefon zu klären (Kindergeburtstage organisieren sich nicht von selbst) und nehmen ihre Getränke bald mit aufs Zimmer. Das bringt mich auf die gute Idee, das auch zu tun. Hotelbar abends alleine als Frau kann nervig werden und oben warten das Bett und meine Tüte Chips von gestern.

Also Negroni und Chips im Bett und dazu dann doch wieder Onlinevideos statt Buch. Mein Internet flippt immer noch aus über die anvisierte Associate Membership Kanadas in der EU. Ich fiebere mit und freue mich – das ist alles sehr nah an der Vision, die ich letzte Woche für mich in zehn Jahren geschrieben habe – und gucke zum Tagesabschluss noch die Rede von Mark Carney vor dem EU-Parlament. Mit dem Gedanken, dass er vielleicht wenige Tage vor den Midterms im November einen Friedensnobelpreis bekommen könnte, wie ein gewisser jemand das finden könnte, schlafe ich gegen Mitternacht schließlich mit einem Grinsen im Gesicht ein.