Schampus, Tischtennis und Fleisch

Ich schaffe es leider nicht mehr rechtzeitig, den heutigen Abend angemessen zu verbloggen, werde das aber morgen nachholen.

Kleines Vorschaubild anbei.

#TenYearChallenge

2009

Durch die sozialen Medien geistert gerade die so genannte #TenYearChallenge und viele Menschen posten Vergleichsfotos von sich von 2009 und heute. Der direkte optische Vergleich interessiert mich aber gar nicht mal so sehr. Erstens kann 2019-loosy da eigentlich nur verlieren (mehr Kilos, mehr Falten, erste graue Haare) und zweitens hat sich außer den Alterungsercheinungen optisch nicht viel verändert, wie ich an diesem Foto vom Immergut 2009 sehe. Selbe Frisur (Haareschneiden war ich in dieser Dekade vielleicht drei- oder viermal, wenn’s hochkommt), selber Klamottenstil (heute noch mehr Röcke und Kleider als früher), immer noch kein Make-up und keine künstliche Haarfarbe.

Viel spannender finde ich, wie sich meine Lebenssituation seitdem verändert hat und welche inneren Veränderungen ich möglicherweise hinter mir habe. Dafür lohnt sich der Blick zurück dann doch. Blogtechnisch kann ich soweit nicht zurückblicken, da das eine Phase war, in der ich nicht viel oder gar nicht gebloggt habe (das Archiv hier setzt erst 2011 wieder ein, das „Loosy says“ von davor habe ich irgendwann einmal gelöscht). Ich verlasse mich also hauptsächlich auf meine eigenen Erinnerungen (und ein bisschen auf die, die Facebook mir jeden Tag zeigt).

Anfang 2009 lebte ich erst seit einem halben Jahr in Berlin, und zwar alleine in einer 3-Zimmer-Neubauwohnung 10 Minuten vom Alex entfernt. Eigentlich wollte ich da zu zweit einziehen, dann aber kam das Leben dazwischen und so kam ich zu meiner ersten eigenen Wohnung. Allerdings auch nicht für lange, denn Anfang 2009 war ich auch frisch verliebt und in der Phase des gerade-noch-nicht-offiziell-Zusammengezogenseins. Den Hasen kannte ich übrigens noch nicht*.

Ich arbeitete auch noch nicht in meinem jetzigen Job, was durchaus eine gute Erklärung für diesen Umstand ist. Stattdessen verbrachte ich einen Großteil meiner Zeit tatsächlich zuhause in dieser Wohnung und hatte frei – abgesehen von ein paar Aushilfsjobs als Sekretärin oder Redaktionsassistentin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem einen oder anderen freiberuflichen Text- oder Übersetzungsauftrag und dem mehr oder weniger regelmäßigen Durchforsten der Stellenbörsen auf der Suche nach passenden Job-Angeboten und dann ab und zu auch Bewerbungen schreiben.

Eine dazu führte dann tatsächlich zu einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch. Allerdings hatten mein neuer Freund und ich da gerade mehrere Auslandsaufenthalte (in Paris, Turin und Rom) geplant, die mit dem angestrebten Eintrittsdatum kollidierten. Erstaunlicherweise einigte man sich auf einen Kompromiss: Ich würde „nur“ zweimal zwei Wochen wegfahren und bis zu meiner endgültigen Rückkehr als Praktikantin auf 400-Euro-Basis arbeiten, danach winkte die Festanstellung. Kam dann alles anders und nach dem Praktikum war auch der Job vorbei, aber im Nachhinein war das auch sehr viel besser so.

Was war noch los, Anfang 2009? Die Einjahresfrist, für die meine bestandene theoretische Führerscheinprüfung galt, war noch nicht vorbei und ich wagte noch einen dritten Versuch für die praktische Prüfung. Der scheiterte ebenso wie die ersten beiden und nach einigen Wochen und Monaten des Haderns beschloss ich dann, dass mein Leben auch ohne einen Führerschein ein gutes werden würde. Bereut habe ich das auch zehn Jahre später nie. Richtige Entscheidung also!

2009 lebten meine beiden Omas noch. Meine Eltern wohnten teilweise noch in der alten Heimat und in Berlin nur 5 Minuten Fußweg von mir entfernt, mein Bruder etwa 15 Minuten. Heute leben meine Omas nicht mehr, die alte Heimat wird selten besucht, zu meinen Eltern brauche ich mit der BVG etwa 45 Minuten (außer vom Büro aus) und mein Bruder lebt in England.

2009 war ich zwar physisch schon in Berlin, mental aber eigentlich noch Rostockerin. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich die Stadt, in der ich geboren wurde, zu meiner eigenen gemacht hatte und nach Rostock nicht mehr „nach Hause“, sondern „auf Besuch“ fuhr. Mein damaliger Freund, der wohl einer der größten Berlin-Fans der Welt ist, hatte da einen großen Anteil dran. Er zeigte mir sein Berlin, das der Literatur und Philosophie, das der wilden Westberliner Zeiten und das der wilden Nuller Jahre. Und natürlich wuchs mein Freundes- und Bekanntenkreis mit der Zeit an. Spätestens ein Jahr später, als ich meinen jetzigen Job antrat, war er größer als der in Rostock.

Heute wohne ich zu zweit und mit Katzen und Fischen in einer fast schon Altbauwohnung im Prenzlauer Berg, gehe seit Jahren einer geregelten Tätigkeit nach und bin in meiner Stadt zuhause.

Vieles ist in der Zwischenzeit passiert, bei weitem nicht alles davon war schön. Vieles aber doch. Und trotz aller Veränderungen um mich herum: Grundsätzlich verändert habe ich mich in den zehn Jahren nicht. Ein bisschen vernünftiger vielleicht im Bezug auf Gesundheit und materielle Sicherheit. Ein bisschen reifer, offener und gelassener im Bezug auf die Menschen um mich herum und auch auf meine Erwartungen an meine Zukunft. Ein bisschen wütender über politische Entwicklungen – aber das ist vielleicht einfach den politischen Entwicklungen geschuldet. Ein bisschen selbstbewusster, was meine Fähigkeiten angeht.

Gleichzeitig bin ich aber immer noch genau so impulsiv und leicht zu begeistern, genauso genießerisch und manchmal faul, genauso besserwisserisch und manchmal egoistisch und auch manchmal ganz genauso naiv und ängstlich. Mir ist es noch genauso egal, was die Mehrheit der Menschen von mir halten und genauso wenig egal bei ganz ausgewählten. Und wer die sind, das ändert sich immer noch nach den gleichen Mustern wie immer. Die gleiche Musik wie damals macht mich auch heute noch auf Knopfdruck traurig oder froh und gutes Essen macht mich heute vielleicht sogar noch ein wenig glücklicher als damals schon.

Ich hänge immer noch genauso viel wie damals im Internet herum, bin genau wie damals ständig auf Twitter und Facebook (und inzwischen auch Instagram). Ich schaue inzwischen mehr Serien als Filme, aber insgesamt immer noch ungefähr genau so viel. Ich lese oder quatsche oder tanze auch heute manchmal noch die ganze Nacht hindurch.

Ist mein Leben so, wie ich es mir vor zehn Jahren vorgestellt habe? Nicht wirklich. Es ähnelt dem von damals mehr als ich damals dachte und ich ähnele mir auch mehr, als ich damals dachte. Und vielleicht ist das ja auch total natürlich und wir glauben immer nur, dass in zehn Jahren alles anders sein wird. Ich sollte diese These 2029 überprüfen!

 

 

*und die Katzen lebten noch nicht einmal!

 

Ein unerwartetes Geschenk

Das Spannendste heute war ein komplett unerwartetes Geschenk, dass mir eine liebe Kollegin aus ihrem Indien-Urlaub mitgebracht hat. Ich bin immer noch ganz perplex und gerührt und freue mich tierisch.

In diesem speziellen Fall glaube ich dann übrigens doch mal an Karma und „A little kindness goes a long way“ und „Give and you shall receive“. Wenn ich zurückdenke an den sehr holprigen Start (wir haben uns mehrfach minutenlang lautstark im Großraumbüro gestritten), den wir vor Jahren miteinander hatten und wie sehr sich unser Verhältnis gewandelt hat – das macht Mut und motiviert mich sehr.

Morgen geht es in der Meditation um einen Menschen, mit dem wir einfach nicht können, aber trotzdem müssen. Ich weiß schon, wer das in meinem Fall sein wird. Und wer weiß, vielleicht bekomme ich von dem in ein paar Jahren ja dann auch so tolle und wie die Faust aufs Auge passende Geschenke…

Dankeschön!

Diskriminierungsfreie Sprache für Einsteiger

Ich beschäftige mich ja schon seit Jahren – mal mehr und mal weniger tiefgründig – mit den sogenannten Ismen (bzw. der *istischen Kackscheiße), mit geschlechtergerechter Sprache, mit diskriminierungsfreien Begriffen usw. Rassismus, Sexismus, Ableismus, Homosexuellenfeindichkeit, Heteronormativität… You name it. Das Thema begegnet mir auf Schritt und Tritt auf meinen Streifzügen durchs Internet, in den Podcasts, die ich höre, in meinen Facebook- und Twitter-Timelines oder ganz einfach im Freundes- und Bekanntenkreis, in dem es z. B. schwule, lesbische und bisexuelle Menschen gibt, transidente und nichtbinäre Menschen, Menschen verschiedenster Hautfarben und ethnischer Hintergründe sowie diverser Religionen. Interessanterweise sind die meisten Menschen in meinem Umfeld noch nicht behindert, aber ich denke mal, je älter ich werde, desto höher wird auch der Anteil von Menschen mit Behinderung werden.

Jedenfalls bewege ich mich relativ sicher in all den theoretischen Hintergründen und Begrifflichkeiten und gelte oft auch als diejenige, vor der eins auf seine/ihre Sprache besonders achtgeben muss, damit eins keinen auf den Deckel bekommt… Was das allerdings mit sich bringt, ist, dass vieles davon für mich völlig selbstverständlich ist (auch wenn natürlich auch mir immer noch regelmäßig Fehler unterlaufen) und ich irgendwie davon ausgehe, dass es für andere auch so ist. Und dann schmeiße ich manchmal auch mit Begriffen um mich wie Deadnaming oder Blackfacing oder Misgendering oder Cis-Mann/-Frau und dann gucken die Leute ganz oft wie Autos, verstehen nicht, was ich meine und wenden sich dann lieber anderen Themen zu.

Deswegen hat es mich heute ganz besonders gefreut und inspiriert, mal einen ganz niedrigschwelligen und leicht zugänglichen Einstieg in das Thema zu hören. Zunächst stellte sich eine Person hin und zählte all die Punkte auf, für die sie in ihrem Leben bereits diskriminiert wurde oder in denen sie diskriminierbar ist (Frau, im Vergleich zum Umfeld alt, klein, Ausländerin, nichtdeutscher Nachname). Man merkte direkt, wie es bei der Zuhörerschaft im Kopf ratterte und einige dieser Punkte ihr gar nicht bewusst gewesen waren. Und das irgendwie auch zu Recht, denn wie sie richtig sagte, ist es ja für die Zusammenarbeit zumindest theoretisch völlig egal, ob jemand jung oder alt, weiblich oder männlich, transgender, schwul, lesbisch oder polyamourös ist. Dann stellte sich eine zweite Person hin (männlich, weiß, heterosexuell, deutsch) und spielte den Erklärbär (man könnte jetzt Mansplaining unterstellen, aber ich glaube in der Konstellation waren die Geschlechterrollen nur zufällig passend verteilt):

Wenn wir im Alltag auf unsere Mitmenschen treffen, wissen wir in den allermeisten Fällen nicht alles über sie. Wir kennen weder ihre sexuelle Identität noch ihre Religion, wahrscheinlich nicht ihre ethnische Herkunft oder den Grad einer eventuellen Behinderung, wir wissen nichts über vergangene oder aktuelle traumatisierende Erfahrungen und wir wissen auch nicht, in welchem sozialen und kulturellen Umfeld sie aufgewachsen sind. Worte, Stereotype und Witze, die für uns in unserem gesellschaftlichen Kontext völlig normal und harmlos sind, können für unser Gegenüber daher verletzend sein, ohne dass wir das wissen oder gar beabsichtigen. Dessen sollten wir uns stets bewusst sein und uns immer wieder hinterfragen und das, was uns manchmal einfach so herausplatzt vielleicht vorher noch einmal filtern.

Bäm. So einfach erklärt, so schwierig einzuhalten. Ich fand das einen extrem guten Auftritt von den beiden in diesem Kontext und ich hoffe, dass ihre Worte auch beim Rest des Publikums einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich möchte mir diesen einfachen Erklärungsansatz jedenfalls gerne aufschreiben (erledigt) und in Zukunft verwenden, wenn ich mit Menschen über das Thema spreche, die weder feministische Blogs noch Texte zu Genderthemen oder Blackfacing-Debatten verfolgen. Danke Ihr beiden!

 

PS: Aufgefallen ist mir, dass als Beispiele für Religionen in dem Zusammenhang nur Christentum, Islam und Atheismus genannt wurden. Nun wird man für Buddhismus, Hinduismus oder Pastafarianism zumindest hier in Deutschland selten diskriminiert, aber dass das Judentum in dem Vortrag keine Rolle spielte, zeigt einmal mehr, wie unsichtbar Juden und Jüdinnen in unserem Alltag sind. Dazu und zu dem wachsendem Antisemitismus in Deutschland lese ich gerade das erschütternde und unbedingt empfehlenswerte Buch „Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem alltäglichen Antisemitismus“ von der wundervollen Juna Grossmann, dass ich Euch allen gerne ans Herz legen möchte (unbezahlte Werbung, ich bekam das Buch zu Weihnachten geschenkt).

PPS: Jeder Blogbeitrag braucht ein Bild, ich habe aber bei der Veranstaltung keins gemacht, stattdessen gibt es einen schönen Noosa-Schnappschuss. Passt immer.

Jamaica-Revival mit Ackee & Saltfish und Rice & Peas

Da schreibe ich doch eigentlich Dinge auch deswegen ins Blog, damit ich sie mir merke und dann passiert es mir doch wieder, dass ich wichtige Notizen an mich selbst vergesse. Zum Beispiel, dass ich ruhig Bohnen aus der Dose nehmen soll, wenn ich jamaikanisch koche. Ich habe die trockenen Kidney-Bohnen heute zwar den ganzen Tag über eingeweicht, aber völlig verpeilt, dass sie noch 1-2 Stunden kochen müssen, bis sie wirklich weich sind! Aber eigentlich bringt mich das auch schon wieder ins jamaikanische Mindset zurück. Alles dauert immer länger als man denkt und das ist kein Grund, sich zu stressen.

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Ich habe mir also eine jamaikanische Playlist angemacht und meine alten Blogbeiträge zu unserem Jamaika-Trip vor fast genau 4 Jahren noch einmal in Ruhe zu lesen. Die zum Alltag dort gibt es hier, hier und hier, die zum Essen hier, hier und hier. (Bitte entschuldigt die wechselnden Schriftarten, das war noch das vorletzte Blog-Layout und beim vorherigen Provider und ich war bisher noch nie motiviert genug, da mal ordentlich aufzuräumen…) Darin wieder herumzulesen bringt natürlich jede Menge Erinnerungen mit sich, wie auch gestern die Nachricht, dass unsere Gastgeberin dort (mit der zusammen ich damals das I-tal Stew aus dem letzten Link gekocht habe) dieser Tage Geburtstag hat und wir uns an einem Geschenk für sie beteiligen könnten. Aber eigentlich hatte ich das heutige Essen bereits einen Tag vorher auf unseren Plan gesetzt. Denn schon vor Wochen brachte uns mein Bruder eine Dose Ackee und eine Packung Saltfish aus Birmingham mit. Dort lebt er und die Stadt hat eine der größten jamaikanischen Communities außerhalb von Jamaika. Und beides ist in Berlin nicht allzu leicht zu bekommen – frische Ackees gibt es in Europa auch sowieso gar nicht.

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Es ist also längt überfällig, dass ich das jamaikanische Nationalgericht einmal koche, eben „Ackee & Saltfish“, dazu gibt es die allgegenwärtige Beilage „Rice & Peas“, die aber eben kein Risibisi ist, sondern ein Gericht mit Reis, Kidneybohnen und Kokosmilch. Als Vorlage habe ich mir zwei Rezepte aus dem Internet genommen (Ackee & Saltfish, Rice & Peas) und keins der Kochbücher, die ich mir damals mitgenommen habe – so digital versifft bin ich inzwischen, Schande über mein Haupt – aber improvisieren werde ich natürlich trotzdem. Hauptsache die Grundaromen der jamaikanischen Küche, also Piment, Frühlingszwiebeln, Thymian und Scotch Bonnet Peppers, sind enthalten!

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Grob gesagt wird der Saltfish eine Stunde lang in kaltem Wasser eingeweicht, dann abgetropft und in frischem Wasser nochmal für ca. 20 Minuten geköchelt.

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In der Zwischenzeit bereitet man den Rest vor: Knoblauch hacken, Zwiebeln schneiden, Scotch Bonnet hacken, Frühlingszwiebeln schneiden, Tomaten und Paprika würfeln, Ackees abtropfen lassen, Kokosmilch zu den Bohnen ins Wasser gießen und den Reis darin kochen (gewürzt mit Salz, Piment und einer in der Flüssigkeit mitschwimmenden zerquetschten Frühlingszwiebel).

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Dann Zwiebeln, Knoblauch und Chili andünsten und nebenbei den Saltfish mit einer Gabel kleinreißen. Frühlingszwiebeln, Paprika, Thymian und Pfeffer mit in die Pfanne geben und mit anbraten, Saltfish dazugeben und köcheln lassen, dann Tomaten dazu und wieder köcheln lassen.

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Zum Schluss die Ackee dazu und auch bisschen auseinanderzupfen, so dass sie die Konsistenz für Rührei erhält. Nach kurzer Zeit Pfanne runternehmen. Rice & Peas gegebenenfalls noch abtropfen lassen und dann wird serviert… und der Blogpost ist auch fertig!

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Auf Caturday folgen Sundog und das Nachdenken über Freundschaften

Nicht dass hier jemand denkt, ich hätte nicht den halben ganzen Tag mit den Katzen gekuschelt! Zum Beispiel beim Auslesen von David Lagercrantz‘ Verfolgung, beim Anlesen von Juna Grossmanns Schonzeit Vorbei und beim Weitergucken von The Affair. Das Spannendste Foto heute ist aber das vom Besuchshund der lieben Nachbar*innen, die wir heute Nachmittag zu Kaffee und Kuchen besucht haben. Und ja, obwohl ausgewachsen ist er wirklich so klein, wie er auf dem Foto aussieht (und um einiges kleiner als der Kater, der ständig bei ihnen lebt):

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Thematisch ging es heute für mich vor allem um Freundschaften und das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. Erst habe ich (zweimal) mit einer guten Freundin telefoniert, später ging es dann bei den Nachbar*innen ebenfalls um das Thema, wenn auch unter anderen Vorzeichen: Wieviel Nähe zu bestimmten Freund*innen tut gut, wann muss man Distanz wahren, um sich selbst oder die andere Person zu schützen? Was ist vonnöten, um ein*e gute*r Freund*in zu sein? Gibt es bestimmte Erwartungen, die erfüllt werden sollten und inwieweit erlegen wir uns diese selbst auf?

Logischerweise gibt es dafür keine einfachen Antworten, ich fand es aber auch spannend, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen, wenn man als neutrale Beobachterin die Perspektiven der Beteiligten einzeln einnimmt. Gilt auch nicht nur für Freundschaften, sondern natürlich auch für alle anderen Beziehungen. Wie die romantischen Zweierbeziehungen, die um uns herum gerade wie die Fliegen sterben. Oder die Beziehungen zu Kolleg*innen, die vielleicht zu Freund*innen werden. Gut, dass ich gerade zu diesen Themen meditiere jedenfalls.

#12v12 – Caturday-Edition

Es ist der 12. und halb Blogdeutschland dokumentiert seinen Alltag wieder in zwölf Bildern. Meine zwölf findet Ihr hier, die anderen gibt es hier. Da heute Sonnabend ist und ich das Haus nur für zwei Stunden verlassen habe, um zum Sport und einkaufen zu gehen, sind die Bilder recht katzenlastig:

Anders als an fast allen anderen Tagen konnte der Hase heute morgen nicht mehr schlafen, während ich noch selig schlummerte. Also stand er auf, flickte seinen Fahrradschlauch und fuhr Brötchen holen und ich kuschelte mich nochmal so richtig ausgiebig ins Bett, las das Internet leer, meditierte und machte dieses Foto.

 

Als ich dann aufgestanden bin, fand ich Noosa ganz relaxt in der Sofaecke lümmelnd vor,  mit Spielzeugmaus an ihrer Seite.

 

Zum Frühstück aßen wir die letzten Mandarinen, was mich daran erinnerte, dass jetzt gerade die Hauptsaison für Zitrusfrüchte ist und ich unbedingt Blutorangen essen und jede Menge zitrussige Rezepte zubereiten möchte.

 

Den Tee gabs aus unserer schönen neuen Kanne, die uns Hasenbruder und Freundin zu Weihnachten geschenkt haben.

 

So richtig entspannt frühstücken konnte ich jedoch nicht und der eine oder andere Krümel landete auf dem Boden.

 

Dann aber entdeckte Noosa die Freuden der Naturbeobachtung für sich und ich konnte in Ruhe aufessen.

 

Gegen Mittag bekamen wir Besuch und Nimbin zeigte sehr deutlich, dass er diesen Besuch gerne mag.

 

Als der Besuch wieder weg war, holte ich ein paar Kochbücher heraus, markierte Rezepte und legte für die nächste Woche fest, was wir wann kochen. (Schon heute zeigte sich, dass das System eher volatil ist, da ich weder im Bio- noch im normalen Supermarkt Fenchel ergattern konnte und zu faul war, noch in andere Läden zu gehen. Der Fenchel-Orangen-Salat ist allerdings nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

 

Nach dem Einkaufen ging es mit Mama zum Sport – und das schon zum zweiten Mal diese Woche. So langsam macht mir diese Disziplin etwas Angst, aber solange sie anhält, möchte ich mich nicht dagegen wehren. Die guten Gründe, abzusagen, kommen schnell genug wieder.

 

Wieder zuhause hängte ich die Wäsche auf und wie eigentlich immer half mir Noosa dabei, indem sie sich auf den Wäscheständer legte und aufpasste, dass ich das auch richtig mache.

 

Weil Sport hungrig macht, bekamen dann nicht nur die Katzen ein frühes Abendbrot, sonder auch ich (der Hase weilt inzwischen zum Schlachtefest in der Heimat). Es gab eine wilde Mischung aus einem Rest Tomaten-Kartoffel-Suppe, Eiern mit Kaviar (vom Seehasen, hihi) und einem Salat aus Postelein, Blutorangen und Kaki mit einem crazy Dressing aus Blutorangensaft, Leinöl und Ahornsirup. Klingt merkwürdig, schmeckte aber wirklich gut!

 

Dann war es endlich Zeit, sich auf die Couch zu setzen und Serien zu gucken. Währenddessen habe ich noch Thymian gerebelt. Der wird gleich noch in ein Glas verfrachtet und wandert dann zu den anderen Kräutern und Gewürzen.

 

Es folgen dann für mich noch Buch, Badewanne und Bett und für das wundervolle Fräulein Read On einen Dank für ihre heutige Verlinkung meines vorgestrigen Eintrags, der mir mal eben eine Verzehnfachung der Blogaufrufe bescherte. Willkommen an alle neuen Leser*innen, ich freu mich, wenn Ihr bleibt! 🙂

Mobster Dinner: Pancakes Galore

Ohne Worte.

Namensgedanken (und #nazisraus)

Irgendwie haben mich heute Namen durch den Tag begleitet. Das fing in der Mittagspause an (ich weiß gar nicht mehr wie), als wir über Nachnamen und ihre Praktikabilität sprachen. Meiner wird sehr oft falsch verstanden (oder nicht geglaubt) und dann mit lustig gemeinten Sprüchen versehen. Andere Leute haben einen Nachnamen, den nicht mal ihnen nahestehende Menschen zuverlässig richtig schreiben. Und wieder andere Leute sind sich nicht einmal selbst sicher, ob ihr Name offiziell mit oder ohne Umlaut geschrieben wird und müssen erst auf ihrem Ausweisdokument nachschauen.

Auf der Heimfahrt las ich dann in meinem aktuellen Unterwegs-Buch: Rostock, mein Arkadien (Hrsg.: Matthias Dettmann). Keine Werbung, ich habe in dem Verlag zwar vor nun schon fast 13 Jahren ein Praktikum gemacht, dieses Buch aber selbst gekauft und bezahlt. Darin stehen jedenfalls Ausschnitte aus allerlei Literatur, die in Rostock spielt. Ich las also einen Teil eines historischen Romans, der im 16. Jahrhundert angesiedelt ist. Und beim Lesen sprangen mir dann natürlich diverse Straßen- und Ortsnamen ins Auge, die ich aus dem Rostocker Stadtbild kenne. Bramow und Marienehe sind heute zwei S-Bahnhöfe zwischen Innenstadt und Warnemünde. An beiden bin ich noch nie ausgestiegen, aber immer, wenn ich die Namen lese, höre ich vor meinem geistigen Auge Ohr meinen ehemaligen Dozenten für Phonetik und Phonologie, der sagt: „Next Stop: Rostock-Bramow“/“Next Stop: Rostock-Marienehe“). Eine ganze Zeit lang wurden die Stationen nämlich – ich glaube für die IGA 2003 damals, zweisprachig angesagt und unter uns Studierenden kursierte die Auffassung, dass er derjenige gewesen sei, der die englische Fassung eingesprochen habe. Verifizieren konnte ich das nie, aber die Stimme klang schon sehr genau nach ihm.

Anyway, Bramow und Marienehe sind in besagtem Romanausschnitt jedenfalls Dörfer außerhalb von Rostock und werden in einem Atemzug mit Kröpelin und Doberan genannt, die auch heute noch eigenständig sind. Das und die im Text auftretenden Begriffe Kabutzen und Reepschläger – heute in Straßennamen immer noch präsent, auch wenn man auf den ersten Blick nicht weiß, was sie bedeuten – ließ mich darüber nachdenken, wie viel wir aus den Namen darüber lernen könn(t)en, wie Orte und das Leben dort früher so aussahen. Also, wenn wir uns dafür interessierten und nachschlügen jedenfalls. Das brachte mich dann gedanklich zu einem Buch aus Kindertagen, indem für diverse Straßennamen die namensgebenden Personen vorgestellt werden. Ein Stadtspaziergang wird dann ganz schnell zum Bildungsausflug.

Darüber sinnierend spazierte ich dann durch mein eigenes Wohnviertel, das allerdings schon sehr lange Teil meiner Stadt ist (der damalige Stadtteil Prenzlauer Tor gehörte schon vor der Vereinigung zu Groß-Berlin 1920 zum Stadtgebiet, im Gegensatz zu Pankow und Weißensee, die hier gerade einmal zwei Straßen weiter liegen. Gebaut wurden die heutigen Häuser aber erst 1929-1931. Die Straßen erhielten dann Namen von sozialdemokratischen Gewerkschaftern, bevor die Nazis sich im Stadtbild austobten. 1952 wurden sie dann nach hingerichteten oder ermordeten kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus benannt und da wohnt man dann doch gerne… (Stichwort #nazisraus).

Edit: Der angeblich größte Angelshop Europas, von dem der Hase gestern einen Katalog bekam, nennt sich übrigens Askari. Stichwort Namen, Macht und Dekolonialisierung

In der Rotznase ist Kaugummi…

…singt das kleine Kind neben mir in der U-Bahn wieder und wieder und kuschelt sich in den Schoß seines Papas. Ich bekomme einen heftigen Ohrwurm, der erst beim Gang über den endlich wieder Weihnachtsmarkt-freien Alex vergeht, auf dem ein Saxofonist steht und sehr jazzig die Töne von „Besame Mucho“ durch die Regentropfen über die Betonfläche schiebt.

Der Ton macht die Musik. Passt auch gut zu den heutigen Schwerpunktthemen Kommunikation, Missverständnisse, Respekt, Erwartungshaltungen. Diese ziehen sich wie der Rotznasenkaugummi durch den Tag, vom Privaten ins Halbprivate ins Ehrenamt und das ganz und gar Berufliche.

Passt auch gut zum aktuellen Meditationsthema, „Relationships“, bei dem ich gerade visualisiere, wie eine von mir gemochte Person nach und nach von Sonnenstrahlen, Wärme, Licht und Raum erfüllt wird und dadurch sehr glücklich aussieht. Vielleicht hätte ich das Meditieren heute morgen nicht ausfallen sollen, denke ich so in mich hinein. Auf jeden Fall wird die vor dem Schlafengehen noch nachgeholt, dann klappt es vielleicht diese Nacht mal mit der nötigen Erholung und der Kaugummi findet den Weg aus der Rotznase.