Reisetagebuch 7. September 2019 – Testaccio #loosinterrail

Eine erstaunlich ruhige Freitagnacht in Rom, so dass ich morgens ausgeruht erwache und die restlichen Trauben und Pflaumen von gestern frühstücke, während ich das Internet leerlese und weitere Reiseplanung betreibe. Gegen zehn geht es dann durch dieses schöne Treppenhaus und den grünen Innenhof nach draußen, wo Testaccio auf mich wartet.

Rachel beschreibt das Viertel gerne als ein großes, dreieckiges Käsestück. An der Spitze befindet sich die Pyramide, die Seiten werden von zwei großen Straßen gebildet, die geschwungene Rinde vom Tiber. Dazwischen befinden sich sehr rechteckig angeordnete kleinere Straßen mit Mietskasernen, eine große Piazza, auf der man zusammenkommt, der überdachte Markt und der ehemalige riesige Schlachthof, für dessen Arbeiter das Viertel einst gebaut wurde. Ich spaziere ein bisschen umher und schaue mich um, entdecke einige der Läden und Restaurants, über die ich schon bei Rachel gelesen habe, und mache mich dann auf den Weg zum Markt, wo ich mit ihr auf einen Kaffee verabredet bin.

Nach immerhin vier Jahren gibt es eine sehr herzliche Begrüßung und wir sind schnell wieder mitten im Gespräch. Kein Wunder: Eine knappe Woche Schreib-Workshop und gutes Essen schaffen eine starke Verbindung. Wir waren damals ja eine recht kleine Gruppe – sechs Teilnehmerinnen, zwei „Anleiterinnen“ und zwei Gastgeberinnen – und haben viele Stunden miteinander verbracht und sowohl über Schwach- als auch Tiefsinniges geredet. Trotzdem freue ich mich sehr, dass sich Rachel auch noch an meinen Erdbeeren-Text erinnert, den sie damals gemeinsam mit mir lektoriert hatte. Gemeinsam mit ihrem Sohn Luca* schlendern wir nach dem Kaffee über den Markt. Rachel kauft für Rezepte ein, die sie für ihr neues Buch ausprobiert. Aus Gamberi und Zucchini wird später diese Pasta, für den nächsten Tag sind Hähnchen und Schafsricotta bestimmt, woraus kleine frittierte Fleischbällchen werden sollen.

Mit Rachel in Testaccio unterwegs zu sein ist so, wie man es sich beim Lesen ihrer Texte vorstellt: Die Verkäufer auf dem Markt kennen sie alle und beraten Sie zu ihren Produkten und der besten Zubereitungsart. Ständig trifft sie Bekannte aus dem Viertel und wechselt ein paar Worte mit ihnen. Und als wir gerade darüber sprechen, ob sie mit dem neuen Buch vielleicht auf Lesereise nach Berlin kommt, wird sie von englischen Touristinnen erkannt und angesprochen, die ihre Kolumne im Guardian kennen und deswegen nach Testaccio gekommen sind.

Wir bekommen eine Probierportion Amatriciana angeboten, was mir erlaubt, eine weitere der typischen römischen Pasta-Spazialitäten zu kosten. Dann muss Rachel zurück an den Schreibtisch – die Deadline droht! Wir verabreden uns für den Abend auf einen Aperitivo und ich befasse mich jetzt mal ernsthaft mit meinem Mittagessen. Es wird ein mit Artischocke alla romana und Pecorino belegtes Panino von einer Streetfood-Bude auf dem Markt mit einem Glas Weißwein dazu.

Danach laufe ich zum Mattatoio, dem Alten Schlachthof, der heute vor allem Kunst- und Kulturzentrum ist. Selbst Eric Clapton ist hier schon aufgetreten. Heute hingegen ist es eher leer und ruhig hier und ich verziehe mich schnell in eine ruhige Ecke, um mich ein wenig auszuruhen, zu lesen und den Alkohol im Wein abzubauen. Auf Google Maps sehe ich, dass es in der Nähe einen Orangengarten gibt und spaziere durch ein eher grünes Villenviertel dorthin. Er befindet sich oben auf einem Hügel, von wo aus man einen schönen Ausblick auf Rom hat. Die Nachmittagshitze ist jetzt so richtig da, deswegen suche ich mir ein schattiges Plätzchen und lese weiter im Goethe, der inzwischen in Neapel weilt, wo ich ja morgen auch durchkomme.

Nach einer Weile schaue ich auf und merke, wie zwei weiß gekleidete Frauen mit einem riesigen Ballen Tüll beginnen, einen Bereich abzutrennen und zu dekorieren. Das sieht nach Hochzeit aus. Eigentlich habe ich ja gerade überhaupt keine Lust auf romantischen Kitsch, aber erstens ist es hier sonst sehr schön und zweitens bauen zeitgleich zwei Musiker auf und stimmen ihre Instrumente (Kontrabass und E-Gitarre) und das verspricht dann doch, spannend zu werden. Nach und nach versammeln sich immer mehr weiß Gekleidete, von denen sich einer als der Bräutigam herausstellt. Dann ertönt aus einem Lautsprecher eine Art Dudelsack-Marsch (nicht „Join This Parade“, aber etwas ähnliches) und die Braut erscheint. Als alle versammelt sind, gibt es noch „Amazing Grace“ vom Dudelsack-Band und dann beginnt die Zeremonie, die etwa anderthalb Minuten dauert.

Die Familien stellen sich in einer Reihe hinter dem jeweiligen Teil des Brautpaares auf, jeweils mit der rechten Hand auf der Schulter der Vorderperson. Die Familie des Bräutigams sieht irisch-schottisch aus, die der Braut südostasiatisch. Ein Schal wird um die Hände des Paars gewickelt, ein paar Worte werden gesprochen, dann darf die Braut geküsst werden und es wird applaudiert. Fertig. Jetzt noch Schampus und Fotos und dann wird der Tüll wieder eingerollt. Ich und die anderen Umstehenden sind ein wenig irritiert, wie schnell das jetzt alles ging. Aber dafür fangen endlich die Musiker an zu spielen und bringen feinsten Big-Easy-Südstaaten-Sound zu Gehör, inkl. zweistimmigem Gesang. Ich kann anhand der Lyrics drei der vier Songs identifizieren, sie sind von Tom Waits, Hugh Laurie und Grateful Dead. Ich kann mir nicht helfen, die Musik ist eindeutig das Highlight dieser Hochzeit! (Oder, dass ich im Gehen entdecke, dass neben dem Brautpaar Plüschtiere von Simba und Nala auf dem Boden lagen…?)

Dann wird es Zeit, zur Piazza zurückzukehren, wo inzwischen Rachel, ihr Partner Vincenzo und halb Testaccio beim Aperitivo und Abendschwätzchen versammelt sind, während die Kinder sich nochmal austoben. Ich erzähle Rachel von der Hochzeit und sie erklärt mir, dass das wahrscheinlich eine Flashmob-Hochzeit war. Viele Menschen wollen gerne in Rom heiraten, aber die Kirche oder zumindest die Stadt wollen mit daran verdienen und es ist alles schrecklich kompliziert, deswegen finden vor allem nichtchristlicher Hochzeiten vermehrt spontan auf der grünen Wiese statt, so wie die, die ich eben gesehen habe.

Apropos auf der grünen Wiese: Die Stadt vergibt auch teure Lizenzen dafür, dass Gastronomiebetriebe Stühle nach Draußen stellen dürfen. Die Bar, bei der wir uns treffen hat seit Jahren versucht, so eine Lizenz zu bekommen, ist aber gescheitert. Daher machen sie jetzt die gesamte Piazza zu ihrem Außenbereich und servieren auch an Bänken, Springbrunnen oder überall dort, wo Leute stehen und reden. Der klassische Aperitivo hier hat eine Campari-Basis und so genehmige ich mir einen Campari Spritz. Dazu gibt es frei Haus zwei Sorten kalte Pizza – eine mit Tomate und Käse, eine mit dünn gehobelten Kartoffelscheiben – und Chips. Wir plaudern weiter über Dieses und Jenes, bis es nach einer guten Stunde Zeit ist, dass Luca ins Bett kommt. Rachel bringt mich aber noch zu einer ihrer liebsten Trattorien, organisiert mir einen Tisch und stellt mich dem Besitzer als eine ihrer Freundinnen vor, bevor wir uns verabschieden.

Ich nehme dankbar Platz und werde sehr liebevoll umsorgt, sogar die halbe Speisekarte wird mir übersetzt, wobei es nur für einige Dialektbegriffe nötig gewesen wäre. Es gibt Weißbrot und Focaccia mit Rosmarin und dann Fritto Misto (je zwei panierte und frittierte Bällchen aus Ricotta, Hackfleisch bzw. Oliven) und dann Spaghetti mit Calamaretti und Zucchiniblättern. Dazu gönne ich mir noch einen Viertelliter Frascati und bin danach so angetrunken müde, dass ich ohne Nachtisch und Zähneputzen direkt ins Bett muss…

*Ich verwende hier Klarnamen, weil Rachel das in ihren Texten ebenso tut.

Reisetagebuch 6. September 2019 – Rom #loosinterrail

Nach einer weiteren sehr erholsamen Nacht im kleinen Dorf erwache ich, um mir heute das krasse Gegenteil zu geben: Rom! Eigentlich widerspricht dieser Abstecher ja meinen Vorsatz, mich drei Wochen lang am Meer oder zumindest in unmittelbarer Umgebung des Meeres aufzuhalten. Aber wie das so ist: Alle Wege führen nach Rom, zumindest in Italien. Es gibt tatsächlich keine vernünftige Zugverbindung vom Nordwesten in den Südwesten, ohne dass man über Rom fährt. Und da kann ich doch auch gleich die Gelegenheit nutzen, mich ein wenig dem römischen Essen zu widmen. Seit ich 2015 den Language of Food-Workshop bei ihr gemacht habe, lese ich in ihren Kochbüchern, Artikeln im Guardian, Instagram-Posts und in Rachel Roddys Blog regelmäßig über das Leben und Essen in Rom und besonders in Testaccio, dem Viertel, in dem sie lebt. Also dachte ich mir, ich schau mir das ganze mal aus der Nähe an, und habe mir ein AirBnB gleich dort in der Nähe ausgesucht.

Denn in Rom selbst war ich schon zweimal – erst 2009 mit Il Professore, als ich ihn auf einem Forschungsaufenthalt begleitet habe und dann 2013 nochmal mit dem Hasen, als wir Il Professore über Pfingsten dort besucht haben, der für mehrere Monate in der Stadt weilte. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten – Kolosseum, Petersdom, Vatikanische Museen, Forum, Capitol, Pantheon usw., habe ich also alle schon einmal oder gar zweimal gesehen. Das gibt mir die Freiheit, sie dieses Mal links liegen zu lassen und mich auf die mir wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Gegen Mittag komme ich an und stelle als erstes fest, dass der Bahnhof Ostiense, in der Nähe meines AirBnBs und von Testaccio, keine Gepäckaufbewahrung besitzt. Da noch nicht klar ist, ab wann ich einchecken kann – der Host hat meine Buchung zwar schon vor Tagen angenommen, aber sich bisher noch nicht persönlich bei mir gemeldet oder auf Nachrichten reagiert, fahre ich also weiter zum Hauptbahnhof Termini, um dort mein Gepäck abzugeben. Ähnlich wie in La Spezia aber anders als in Palermo gibt es auch hier keine Schließfächer, sondern drei Schalter, an denen man Gepäck abgeben und wieder abholen kann – nicht ohne vorher eine Nummer zu ziehen und gemeinsam mit diversen anderen Reisenden ewig in der Schlange zu stehen. Zwanzig Minuten dauert es, dann bin ich mein Gepäck los und trete aus dem Bahnhof. In diesem Moment meldet sich dann mein Gastgeber und ich will mich schon ärgern, dass ich jetzt umsonst angestanden und Geld bezahlt habe. Aber nein, er ist ans Meer gefahren und wird erst heute Abend zurück sein. Also doch alles richtig gemacht. Übrigens findet die Konversation per WhatsApp und auf Italienisch statt – ich bin ein bisschen stolz, dass ich das kann.

Jetzt liegen also ein paar freie Stunden in Roms Zentrum vor mir, außerdem ist es langsam Zeit etwas zu essen. Logischerweise mache ich mich also zunächst auf zu Giolitti, in die beste Eisdiele der Stadt. Ein schönes Gefühl, an den Menschenmengen vorbeizulaufen, die in Scharen zur Fontana di Trevi oder zur Piazza Navona laufen. Been there, done that, thanks. Bei Giolitti bin ich auch zum dritten Mal, aber dieses Vergnügen ist ja dank der vielen Sorten jedes Mal ein anderes. Ich habe Glück und nur wenige Menschen vor mir in der Schlange. Für meine coppa grande wähle ich die vier Sorten Granatapel, Brombeere, Wildkirsche und Birne-Walnuss-Karamell, dazu gibt es natürlich noch eine Portion Sahne. Das muss bei Giolitti sein, denn erstens ist sie im Preis inbegriffen und zweitens schmeckt sie leicht angefroren vom Eis wirklich vorzüglich. Der Eismensch fragt mich übrigens auf Englisch nach meinen Wünschen, ich antworte auf Italienisch und bekomme das Eis dann mit deutschen Worten überreicht. Einen Akzent habe ich also ganz eindeutig, auch wenn mir nicht klar ist, an welchen Lauten er festzumachen ist, habe ich doch mein Italienisch hauptsächlich aus kampanischen Mündern, also quasi mit süditalienischem Dialekt gelernt.

Als ich die Eisdiele verlasse stehen draußen schon wieder Menschenmassen in der Schlange, mein Timing war also wirklich perfekt. Ich suche mir eine ruhige Ecke zum Hinsetzen und löffle genüsslich mein Eis. Hier muss ich die Zero-Waste-Sache leider mal aufgeben, denn vier Kugeln schmelzen schnell und ich esse Eis eher langsam, eine Waffel wäre also sicherlich durchgeweicht und außerdem mit der Sahne dazu dann doch etwas viel gewesen. Nach dem Aufessen sehe ich auf Google Maps, dass ich mich schon fast am Tiber-Ufer befinde und spaziere also dort hin und dann im Schatten der Platanen am Fluss entlang – beginnend an der Engelsburg und endend am Ponte Sisto.

Von dort geht es durch enge Gassen mit eher alternativen Läden und Streetart zum Campo dei Fiori, wo gerade der Markt abgebaut wird. Ich nicke Giordano Bruno einen Gruß zu – pflichtbewusst, denn nichts anderes hätte Il Professore von mir verlangt, wäre er dabei – und spaziere weiter zum Largo di Torre Argentina, wo in einer archäologischen Ausgrabungsstätte viele, viele Katzen leben. Auch sie wollen jedes Mal besucht werden, wenn ich in Rom bin. Inzwischen gibt es dort auch einen Verein, der die Katzen füttert, impft und sterilisiert. Man kann gegen Spenden Souvenirs erwerben, eine Katze aus der Ferne adoptieren oder einfach so Spenden da lassen.

Dann bewege ich mich langsam und gemächlich wieder in die grobe Richtung Termini und komme dabei fast zufällig am Capitol und der Trajan-Säule vorbei. Als ich in der Ferne das Kolosseum entdecke, schreibt mir mein Host, seine ungefähre Ankunftszeit, die bedeutet, dass ich mich so langsam auf den Weg machen kann. Bis Termini habe ich noch ein wenig zu laufen,

Ich stelle mich wieder in die Schlange an der Gepäckaufbewahrung, habe meinen Rucksack diesmal aber schon nach etwa zehn Minuten wieder. Dann schaue ich in meiner Interrail-App nach dem nächsten Zug nach Ostiense – es fährt von hier aus zwar auch eine U-Bahn, die nur fünf Minuten braucht, aber für die müsste ich ein Ticket kaufen und mich erstmal in das U-Bahn-System einfuchsen. Der Regionalzug hingegen ist schon bezahlt und da er einen großen Bogen ums Zentrum fährt und 15 Minuten braucht, sehe ich auch noch etwas von der Stadt, zum Beispiel den riesigen Parco Regionale Appia Antica, der mich kurz überlegen lässt, ob ich wirklich noch in Rom bin oder aus Versehen den falschen Zug erwischt habe. Aber nein, es hat alles seine Richtigkeit.

In Ostiense steige ich aus und laufe vorbei an der Pyramide, die den Eingang zu Testaccio markiert, zu dem alten Palazzo, in dem mein Host lebt. Er empfängt mich an der Straße, dann steigen wir erst eine Treppe hinauf, um in den sehr grünen Innenhof zu gelangen, von dem die verschiedenen Aufgänge zu den Wohnungen führen. Sie sind alphabetisch benannt und wir müssen zum Aufgang O. Oben erwartet mich ein kleines Studio-Apartment mit Wohnküche, Bad und Schlafzimmer. Mein Host selbst wird das Wochenende über nicht da sein, so dass ich die komplette Wohnung für mich haben werde. Aber erst putzt er noch schnell das Bad fertig und gibt mir Tipps, wo ich in der Nähe gut und authentisch römisch essen gehen kann.

Ich ruhe mich ein wenig aus und mache mich frisch, dann laufe ich gegen 20 Uhr hinaus ins römische Nachtleben. Ich freue mich über die hiesige Streetart mit einem Portrait von Antonio Gramsci – eine weitere Erinnerung an Il Professore. Dann erreiche ich die von meinem Host empfohlene Pizzeria, die „günstig, aber sehr gut“ ist und außer Pizza auch Bruschetta, Fritti, Pasta (4 traditionelle römische Sorten und Gnocchi, aber die nur donnerstags), Fleisch, Fisch und Desserts serviert. Sie ist sehr groß, laut und hektisch, aber so stelle ich mir das in Rom auch vor. Ich bekomme einen Tisch gleich am Eingang und in der Nähe des Pizzaofens und kann den Pizzaioli bei der Arbeit zusehen. Beim Bestellen erinnere ich mich wieder an alles, was ich je bei Rachel gelesen habe und entscheide mich für Supplì, Fiore di Zucca, Cacio e pepe und weil das alles ziemlich teig- und fettlastig ist noch eine Insalata Mista. Sie kommt als eine große Schüssel voll verschiedener Blattsalate und Tomatenstücke auf den Tisch, dazu gibt es Olivenöl, Balsamico und Salz. Achja und ein Viertel vom roten Hauswein habe ich natürlich auch bestellt – der erste Rotwein auf dieser Reise.

Es ist alles wahnsinnig lecker und unglaublich schnell auf dem Tisch. Die beiden Fritti esse ich natürlich stilecht mit den Fingern, die dabei schön ölig werden. Der Mozzarella zieht eine lange Schnur zwischen Supplì und meinem Mund, bei der Fiore di Zucca werden Erinnerungen an meine erste – damals bei der Hochzeitsfeier auf dem Rasen einer Villa bei Bologna – wieder wach (und an meinen eigenen bisher einzigen Versuch, das nachzukochen) und bei der ersten Gabel Cacio e pepe überlege ich kurz, ob man Nudeln heiraten kann. Auch der Salat ist lecker und knackig-frisch und die perfekte Ergänzung. Der Wein ist einfach aber stimmig und so bin ich schnell sehr zufrieden und sehr satt. Ein Dessert schaffe ich nicht mehr, also bezahle ich schnell – mit Trinkgeld 20 € für dieses Festmahl – und gehe wieder zurück auf die Straße, wo inzwischen an die 40 Leute auf einen Tisch oder ihre Pizza zum Mitnehmen warten. Wieder perfektes Timing! Ich laufe zurück in meine Unterkunft und kehre noch kurz bei einem Obst- und Gemüseladen ein, den ich auf dem Hinweg bereits gesehen hatte. Als leichten Nachtisch und Snack für morgen früh hole ich mir ein paar Pflaumen und Trauben. Und dann geht es auch schon sehr schnell ins Bett.

Reisetagebuch 5. September 2019 – Baratti #loosinterrail #wmdedgt

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ findet Ihr hier.

Ich erwache, nachdem ich unglaublicherweise mehr als acht Stunden durchgeschlafen habe. Es ist wirklich so still draußen, wie erhofft. Abends noch ein paar Grillen, morgens ein paar Vögel, ansonsten absolute Ruhe. Der erste Zug fährt erst durch, als ich schon wach bin. Ich lese mich gemütlich durchs Internet und stehe dann gegen acht auf, ziehe mich an und gehe hinunter ins Café, um zu frühstücken. Zum Cappucino gibt es heute gleich zwei Cornetti – eins alla crema und eins mit Aprikosenmarmelade. Ich kann mich nämlich erstens nicht entscheiden und zweitens plane ich einen langen Tag am Strand, da kann man ruhig bisschen auf Vorrat essen. Nebenan hole ich mir dann noch ganz ehrgeizig la Repubblica, zwei Pfirsiche für den Tag (ich sag ja, ein pfirsichlastiger Urlaub) und einen Liter Aprikosensaft. Und dann geht es los Richtung Strand.

Der Weg dorthin dauert zu Fuß eine halbe Stunde und führt vorbei an Feldern, Olivenhainen, Pinienwäldern, Zypressenalleen und Bambusstauden. Ich treffe die drei Katzen vom Vortag wieder – alle auf einem Haufen und ansonsten leider vielen Autos. Der Weg ist nämlich eine gewöhnliche Landstraße, die wenig Raum für Fußgänger*innen lässt. Ich werde ziemlich merkwürdig angestarrt, weil ich dort einfach so langlaufe. Besonders unangenehm ist ein Kreisverkehr, der wirklich nicht vorsieht, dass man ihn zu Fuß bewältigt und dann eine einspurige Straße, auf der sich natürlich in beiden Richtungen Autos bewegen. Interessanterweise habe ich das Gefühl, die Autos mit deutschen Kennzeichen sind weniger überrascht und rücksichtsvoller als die mit den italienischen, die oft ziemlich nah an mir vorbeibrausen, während die deutschen oft langsamer werden oder sogar proaktiv ausweichen.

Ich bin jedenfalls ganz froh, als ich gegen halb zehn am Strand ankomme, der dann auch noch ziemlich leer ist, und mir ein schönes schattiges Plätzchen unter Pinien aussuchen kann. Dann geht es natürlich gleich erstmal ins Wasser und auf einmal bin ich wieder acht Jahre alt. Damals, vor 28 Jahren, habe ich nämlich an genau diesem Strand endlich richtig schwimmen gelernt. Der Untergrund ist sandig, bis auf ein paar größere Felsen, die man aber gut sehen kann. Es geht ganz sanft hinein und es gibt mehrere Sandbänke, so dass mein heutiges 1,80 m großes Ich eigentlich sogar überall bequem stehen kann. Damals musste ich mich schwimmend von Sandbank zu Sandbank bewegen, was aber ziemlich gut ging, da das Wasser hier ja anders als in der mir damals bekannten Ostsee so salzig ist, dass es einfach trägt, wenn man sich reinlegt und stillhält. Wobei die Ostsee das ja auch tut, das konnte ich nur damals noch nicht glauben – oder ich konnte einfach nicht stillhalten. Hier jedenfalls habe ich damals gelernt, dass ich nicht untergehe, egal was passiert und das gab mir dann den Mut, loszulassen und echte Schwimmzüge zu machen.

Auch sonst hatte der Strand damals viele neue Erfahrungen zu bieten, etwa Sand, der der heiß ist, dass man nicht barfuß auf ihm gehen möchte – das ist heute dank sanfter Brise sogar möglich, anders als neulich in Genua. Oder dass es ein Pinienwäldchen direkt am Strand gibt, wo man im Schatten liegen oder seine Hängematte aufspannen kann. Oder die fliegenden Händler, die ständig vorbeikommen und ihre Waren anpreisen. Die sind heute auch wieder in rauen Mengen vorhanden und im Wesentlichen haben sich die Waren in den 28 Jahren kaum verändert: Tücher, Strandspiele, Schmuck. Der Eismann hat neuerdings auch Kokosnüsse dabei und es gibt auch eine Händlerin, ansonsten ist alles wie damals.

Nur kann ich inzwischen etwas besser Italienisch und interessiere mich für Politik. Deswegen versuche ich mich an der Zeitung. Auf den ersten Seiten geht es natürlich um die Regierungsbildung und das neue Kabinett, da komme ich noch einigermaßen mit. Für den Rest fehlt es mir dann aber an Ehrgeiz und Hintergrundwissen. Außerdem bratzt die Sonne inzwischen ganz schön und ich gehe ein zweites Mal ins Wasser. Dann lese ich weiter – im Reiseführer und in Goethes „Italienischer Reise“ – und bekomme irgendwann Besuch von einer Eidechse, die schon fast auf meinem Handtuch steht, als ich sie bemerke. Bis ich das Handy fotobereit habe ist sie allerdings schon fast wieder weg.

Irgendwann döse ich ein und schlafe nochmal fast ein Stündchen – ich habe wirklich eine Menge Schlaf nachzuholen. Danach geht es ein drittes Mal ins Wasser (und später noch ein viertes Mal). Ich verzehre über den Tag verteilt meine beiden Pfirsiche und trinke den Aprikosensaft aus. Nebenbei plane ich ein wenig an den nächsten Tagen herum und buche mir eine kostenpflichtige Reservierung, damit ich morgen schon etwas früher aufbrechen kann. Das Dorf ist wirklich sehr klein und wenn ich ausgecheckt habe, gibt es nicht mehr viel zu tun. Außerdem ist Goethe gerade in Rom unterwegs und da will ich ja morgen auch hin.

Kurz nach um fünf verlasse ich dann den Strand, als die Sonne nämlich so weit herumgekommen ist, dass ich ihr nicht weiter ausweichen kann. Meine Beine haben unterhalb der Knie schon Sonnenbrand. Also packe ich meine sieben Sachen und laufe den gleichen Weg wie heute morgen zurück zur Unterkunft. Duschen, Haare waschen, Handtuch, Pareo und Bikini zum Trocknen aufhängen… Und dann liege ich noch auf dem Bett herum und lese weiter, bis meine Haare wieder trocken sind.

Gegen sieben gehe ich runter zur Pizzeria und bestelle mir eine Pizza „Super Ago“ mit Tomaten, Mozzarella, Kochschinken, frischem Gemüse (Paprika, Zucchini und Auberginen) und Oliven. Dazu gibt es eine Zitronenlimo. Authentisch wäre Bier gewesen, aber nach all der Sonne habe ich keine Lust auf Alkohol und immerhin gibt es eine Limonadensorte, die nicht zu Coca Cola gehört.

Die Pizza macht mich schon wieder sehr müde und gegen acht wird es nach Sonnenuntergang dann auch schon recht fröstelig draußen, so in T-Shirt und Rock. Ich mache mich auf den Heimweg und denke: Gut, dann fahre ich halt morgen weiter in den Süden. Ich mache mich direkt bettfertig und lege mich hin, verbringe dann aber noch zwei Stunden mit Lesen und Schreiben, bevor gegen zehn dann das Licht ausgeht.

 

Reisetagebuch 4. September 2019 – Livorno-Populonia #interrail

Nach einer eher mühsamen Nacht empfängt mich mein Gastgeber um neun zum Frühstück. Wie bei solchen Gelegenheiten üblich, gibt es ein einzeln verpacktes süßes Cornetto, ein Trinkpäckchen (Pfirsich) und jede Menge Kaffee. Dazu läuft der Fernseher mit den Nachrichten und wir unterhalten uns kurz über die neue Regierung, das Wetter (präsentiert von einem Militär in Uniform) und meine Reisepläne. Dann laufe ich los, die Stadt zu erkunden. An einem Obststand lachen mich die Pfirsiche sehr an (es ist eine sehr pfirsichlastige Reise, merke ich) und ich suche mir einen schönen aus. Als ich ihn bezahlen will, winkt der Standbetreiber ab: „Den schenke ich Dir.“ Das Kilo kostet 99 Cent, der einzelne Pfirsich also vermutlich nicht mehr als 10 Cent, das kann ich annehmen. Ich freue mich, überlege, ob ich demnächst vielleicht öfter immer genau dann, wenn ich Appetit auf etwas habe, das in der genau richtigen Menge kaufen sollte und damit möglicherweise umsonst an Essen komme, und genieße meinen reifen, aromatischen Pfirsich, während ich weiter Richtung Zentrum gehe.

Dort gibt es unter anderem zwei alte Festungen (man ist schließlich schon seit Jahrhunderten Hafenstadt), von denen eine von einem Festungsgraben umgeben ist und diverse kleine Kanäle. Besagter Stadtteil heißt dann auch Venezia Nuova, was allerdings schon ein bisschen übertrieben ist. Aber irgendwas muss man den ganzen Touristen ja bieten, die von hier nach Sardinien und Korsika übersetzen. Und die Kanäle sind zumindest historisch und nicht neu angelegt.

Gut und besser gelöst als in den Teilen von Genua und La Spezia, die ich gesehen habe, finde ich in Livorno, dass es deutlich mehr Grün gibt. Es stehen mehr Bäume herum, es gibt Parkanlagen… Zusammen mit der leichten Brise, die vom Meer weht, lässt sich damit die Wärme hier deutlich besser ertragen und selbst in der größten Mittagshitze habe ich noch nicht das Gefühl, mich komplett im Schatten verkriechen zu müssen. Natürlich hat Livorno auch einen neuen, modernen Teil mit den üblichen Geschäften und monumentalen Gebäuden faschistischer Architektur. Aus dieser Zeit stammt auch die Mascagni-Terrasse etwas außerhalb der Innenstadt, auf der man promenieren und aufs Meer schauen kann. Also, wenn man nicht vom Fußboden abgelenkt ist, was durchaus passieren kann.

Als ich ein Mittagshüngerchen bekomme, stehe ich zufällig genau vor der Gelateria, die der Reiseführer als die beste der Stadt bezeichnet. Ich gönne mir also eine große Waffel mit vier Sorten: Ricotta e fichi, Fondente, Pistacchio und Limone. Damit setze ich mich in einer Grünanlage auf eine Bank, bis ich die Schattenseiten des Schattens bemerke: Hier gibt es fiese mückenartige Tierchen, die mich aussaugen wollen. Dann also doch lieber weiterspazieren, es ist ja dank Wind gar nicht ganz so heiß. In der großen Markthalle werden die Waren gerade schon wieder weggeräumt. Das ist schade, denn ich hätte zwar nichts kaufen gewollt, aber über so einen Lebensmittelmarkt zu spazieren gehört auf jeden Fall zu den schönsten Zeitvertreiben im Süden. Stattdessen setze ich mich dann doch noch in den Schatten in einem anderen Park ohne Mückengetier, studiere den Reiseführer, plane meine nächsten Tage und lese weiter in der „Italienischen Reise“.

Dann laufe ich zurück zum AirBnB, hole mein Gepäck, verabschiede mich von meinem Gastgeber und breche zum Bahnhof auf. Mit dem Bummelzug geht es heute nur knapp anderthalb Stunden weiter, nach Populonia am Golf von Baratti. Der Ort hat knappe 250 Einwohner, ein Café, eine Mini-Pizzeria, 2-3 Läden für den täglichen Bedarf und nebendran eine große Ferienanlage. Ich schlafe allerdings nicht dort, sondern habe ein eher spartanisches AirBnB-Zimmer gebucht. Das beziehe ich, dann mache ich einen kleinen Spaziergang durch den Ort und beschließe, keines der Restaurants der Ferienanlage (es gibt da einen Pool und jede Menge deutsche Touristen) auszuprobieren. Stattdessen hole ich mir für einen kleinen Snack ein paar Tomaten im Supermarkt und ziehe mich nochmal auf mein Zimmer zurück. Auf dem Weg von der Ferienanlage zum Supermarkt komme ich übrigens an der Kirche vorbei:

Das Internet verrät mir, dass das Café ein Aperitivo-Buffet anbietet, also gehe ich als es Abend wird noch einmal hinaus, genehmige mir einen Aperol Spritz, kalte Pizza, Brot, Chips und Nüsschen zum Abendessen – die Pizzeria ist dann morgen Abend dran!

Reisetagebuch 3. September 2019 – Genua-La Spezia-Livorno #loosinterrail

Nach dem gestrigen Gewaltmarsch wache ich eine Stunde später auf: halb 7. Yeah. Ich lese im Internet herum, schreibe mit Menschen, die auch schon wach sind, und stehe dann so auf, dass ich kurz nach 8 fertig zum Losgehen bin, denn um 8 macht die Rezeption des Hostels auf und ich kann auschecken. Der ursprüngliche Plan ist, noch bevor es so richtig heiß wird, mein Gepäck zum Bahnhof zu bringen (ein anderer, als der, den ich angekommen bin und der liegt über eine halbe Stunde Fußmarsch vom Hostel entfernt), es dort einzuschließen und auf leichten Sohlen noch ein wenig die Genueser Innenstadt zu erkunden, bevor es nachmittags weiter geht. Nun ja, ich sag’s wie es ist: Über eine halbe Stunde mit dem großen und dem kleinen Rucksack zum Bahnhof zu laufen ist auch morgens zwischen 8 und 9 kein großer Spaß. Und die Vorstellung, dann wieder eben so lange zurückzulaufen, nur um ein bisschen italienische Großstadtstraßen entlang zu bummeln und dann wieder zurück zu tigern gefällt mir irgendwie nicht mehr ganz so. Stattdessen beschließe ich, gleich einen früheren Zug zu nehmen und das mit der Gepäckaufbewahrung und dem Bummeln stattdessen in La Spezia zu machen, wo ich sowieso umsteigen muss.

Also frühstücke ich direkt am Bahnhof Cappuccino, Cornetto mit Pistaziencreme und frisch gepressten Orangensaft und setze mich dann in den Bummelzug, der direkt an der Küste entlang und durch den Cinque Terre Nationalpark nach La Spezia führt. Urprünglich hatte ich ja vor gehabt, mir zumindest ein oder zwei der Cinque Terre auch ganz aus der Nähe anzusehen, aber erstens gibt es nur in einem von ihnen ein Hostel, das nur telefonisch buchbar ist und nur über 6-Bett-Zimmer verfügt, zweitens bin ich nicht sicher, ob ich an den kleinen Bahnhöfen mein Gepäck einschließen kann und habe außerdem wenig Lust, selbst mit kleinem Gepäck, viel hoch und runter zu laufen, drittens habe ich mir sagen lassen, dass es dort inzwischen wie bei allen schönen Ecken alles sehr touristisch ist (merkt man auch an den Übernachtungspreisen abseits des Hostels) und viertens sind die Cinque Terre jetzt in meinem Kopf leider auch „vorbelastet“ – ich würde wahrscheinlich die ganze Zeit über unterbewusst nach der Stelle suchen, an der dieses eine Foto gemacht wurde, das der Anfang von allem war.

Aus psychohygienischen Gründen bleibe ich also vorsätzlich im Zug sitzen und genieße lieber die schönen Ausblicke aufs Meer, erhasche den einen oder anderen Blick auf den Nationalpark und steige dann erst in La Spezia selbst aus. Dort gebe ich mein Gepäck ab – statt Schließfächern gibt es hier eine von Menschen betriebene Gepäckaufbewahrung und dementsprechend kann man auch nur zu bestimmten Zeiten Gepäck abgeben und -holen und es kostet etwas mehr, als ein zeitunabhängiges Schließfach. Aber was solls, meiner Reisekasse geht es ja noch ziemlich gut. Nur mit dem kleinen Rucksack laufe ich dann durch La Spezia und habe etwa vier Stunden zu vertrödeln. Leider bietet die Stadt nicht allzu viel Sehenswertes (ich weigere mich, zum Schloss hinaufzusteigen und dort ggf. noch Eintritt zu zahlen), aber immerhin gibt es schöne Orangenbaum-Alleen, die voller Früchte hängen, eine Marina mit einer Promenade, auf der man unter Palmen entlanggeht und ein paar Fußgängerzonen.

An der Marina hole ich mir zum Mittag ein Lemonsoda und eine Art Spinatpastete und setze mich unter Palmen hin, um mit Blick aufs Wasser Mittag zu essen (es ist inzwischen halb 1) und ein wenig zu lesen – inzwischen bin ich bei Goethes „Italienischer Reise“. Auf die Idee hatte mich mein Bruder gebracht und tatsächlich liest sich das gar nicht so übel. Mir fallen sofort die Stellen auf, die ich aus „Go Trabi Go“ kenne, aber auch drumherum gibt es einiges Vernügliches zu entdecken. Dann bummele ich weiter durch die Innenstadt und bin schnell auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen, wo ich weitere Lesezeit verbringen kann, denn es wird wieder sehr heiß und viel zu sehen gibt es wie gesagt sowieso nicht. Vor einer Gelateria stehen Bänke unter einem Sonnensegel, das sieht gemütlich aus. Also gehe ich zunächst einmal hinein und frage nach der Toilette. Eine italienische Nonna schnappt sich den Schlüssel und führt mich auf verschlungenen Wegen hin – wieder raus aus der Gelateria, dann zum Eingang des Nachbarhauses, dort in den Innenhof (groooooße Stufe!) und dort gibt es ein kleines, abgeschlossenes Kabuff, in dem sich dann aber zum Glück ein normales WC und kein Plumpsklo befindet.

Wieder zurück in der Gelateria bestelle ich mir zum Dank eine Granità, die hier mit frisch gepresstem Orangensaft zubereitet wird, und setze mich dann raus auf die Bänke, um genüsslich zu schlürfen, auf einen vulvischen Springbrunnen zu starren, und weiter zu lesen. Irgendwann setzt sich mir gegenüber ein Straßenkünstler hin, der sich ein Brathähnchen gekauft hat, Mittagspause macht und ungefähr die Hälfte seines Hähnchens an die Tauben verfüttert. Irgendwann ist es Zeit aufzubrechen und langsam, ganz langsam, durch die Hitze zum Bahnhof zu laufen. Ich nehme meinen großen Rucksack wieder in Empfang und fahre mit einmal Umsteigen in Pisa weiter nach Livorno. „Wieso nicht Pisa?“ hatte mich eine Freundin am Morgen gefragt. Die Antwort ist relativ einfach: In Pisa war ich schon mindestens 3 oder 4 mal, in Livorno noch nie. Außerdem ist Livorno am Meer und Pisa nicht.

Als ich auf meinen Zug warte schreibt mir übrigens meine Chefin, die meine Reise auf Instagram sehnsüchtig verfolgt, mit guten Nachrichten und während der Zugfahrt dann nimmt eine lang geplante Verabredung Gestalt an – ich fahre also dann am Wochenende nach Rom!

Livorno beginnt mich mit einem grüßen Bahnhofsvorplatz mit Gras und Bäumen und den ersten zirpenden Grillen dieses Urlaubs. Fühlt sich gleich viel entspannter und gemütlicher an als Genua und La Spezia! Ich habe einen 20-minütigen Weg bis zu meinem AirBnB vor mir, aber wenn ich langsam gehe, ist das durchaus zu schaffen. Anders als in Genua gibt es nämlich auch keine unliebsamen Steigungen und außerdem ist es inzwischen nach 18 Uhr. Mein AirBnB-Gastgeber ist Pole, lebte schon in England und Deutschland und jetzt eben in Italien, und kommt mir schon entgegen. Seine Wohnung liegt in einem typisch italienischen Miethaus mit Fahrstuhl (yay!) und mein Zimmer leider direkt zur vielbefahrenen Straße hinaus (nay!). Ich schließe als erstes direkt mal die Fenster, aber die sind nicht besonders dicht und jeder Ton schallt herein.

Aber erstmal ist das egal, ich komme in Ruhe an und skype erstmal ausführlich mit dem Bruder in Berlin, der mich wahrscheinlich demnächst für ein paar Tage auf meiner Reise besuchen wird, und den Eltern in Kanada, die heute zu ihrer großen Tour in die Arktis aufbrechen werden. Dann suche ich mir eine Osteria für den Abend und habe Glück – sie liegt nur ein paar Minuten vom AirBnB entfernt und hat tolle Bewertungen! Es handelt sich um eine kleine, traditionelle Osteria mit begrüntem Innenhof. Der Wein kommt in unbeschrifteten offenen Flaschen und wird einfach auf den Tisch bestellt, die Karte ist überschaubar und sehr text- und fischlastig. Selbst mit meinen eher rudimentären Italienischkenntnissen verstehe ich einen Großteil des Textes und muss viel grinsen.

Dann bestelle ich mir Kichererbsen mit Hering (ein sehr reichhaltiges Antipasto) und Linguine alla marinara, die heute mit Polpo bianco serviert werden. Der Wein dazu schmeckt, Wasser gibt es auch, und ich bin sehr zufrieden mit allem. Für die angebotenen Nachtische reicht meine Magenkapazität dann aber nicht mehr aus und müde bin ich auch, also zahle ich meine Rechnung und laufe nach Hause. Trotz Straßenlärm kann ich erstmal relativ gut und schnell einschlafen, nachdem ich erst einmal die Fenster noch kurz weit geöffnet und den Ventilator angeschmissen habe, damit er mir etwas kühlere Luft hinquirlt. Aber nach dem ersten Aufwachen gegen zwei – mein Körper hat noch die üblichen Katzenweckzeiten in seinem Rhythmus drin – bin ich erstmal hellwach. Ich höre einen Podcast, versuche es mit einer Schlafmeditation und gebe irgendwann genervt auf. Oropax müssen her, denn zusätzlich zu den Autos, die auch um diese Zeit noch erstaunlich oft vorbeifahren, ist auch noch ein Wind aufgekommen, der die Jalousien laut klappern lässt.

Mit Oropax und lesen schaffe ich es dann irgendwann zwischen vier und und fünf wieder zurück in den Schlaf – immerhin bis gegen 7 diesmal… Die nächsten zwei Tage verbringe ich in einem winzigen Ort, vielleicht schlafe ich dann ja sogar mal bis 8?

Reisetagebuch 2. September 2019 – Genua #loosinterrail

27.879 Schritte, sagt die App (ich muss aber gleich nochmal ins Bad), das sind 18,8 km und 23 Stockwerke bin ich auch hoch- oder runtergelaufen. Dazu habe ich noch lokal begrenzten Sonnenbrand am Dekolleté, an Oberarmen und Oberschenkeln. Das mit dem Eincremen üben wir dann also morgen noch einmal. Reicht eigentlich als Zusammenfassung des Tages, oder?

Na gut. Ähnlich wie zuletzt in Berlin auch fast immer, wache ich viel zu früh auf, nämlich um halb 6. Dabei ist es weder im Hostel noch draußen auf der Straße laut. Ich bin halt einfach wach. Versuche zunächst mit einem Podcast und später mit Lesen wieder einzuschlafen, aber das ist mal wieder nicht von Erfolg gekrönt. Zumal ich ja auch in einer mir neuen Stadt bin, die entdeckt werden will! Zunächst gönne ich aber meinem müden Körper noch etwas Ruhe und schreibe meinen Blogeintrag fertig, lese mich durchs Internet, schreibe mit ein paar Freund*innen… Gegen halb 9 stehe ich auf, dusche und mache mich fertig für den Tag. Kurz nach 9 verlasse ich dann das Hostel und laufe zunächst einmal schnurstracks ans Meer, in diesem Fall an den Hafen, der nur wenige Fußminuten entfernt liegt. Leider ist der schöne Naturhafen zugebaut mit Hafenzeugs und der so genannte antike Hafen steht voller moderner Gebäude und Amüsement-Zubehör. Vom Wasser sieht man so gut wie nix. Aber ich wollte ja eh eine ganze Weile laufen und den Corso Italia entlang zum Vor- und Badeort Boccadasse promenieren.

Nur muss ich den Corso erstmal finden. Direkt am Wasser gibt es nur eine hässliche und viel befahrene Hochstraße, also muss ich erstmal quer durch die Stadt. Blöderweise geht quer in Genua nicht gut, zumal besagtes Stadtviertel irgendwie auf einem Berg liegt. Es geht also viel nach links und rechts und vor allem sehr viel hoch und runter und ich mache hunderte Umwege. Hoch über dem Meer auf einem Aussichtspunkt nehme ich an einer Bar erstmal das obligatorische Frühstück – Cappuccino und süßes Teilchen – ein.

Dann suche ich mir wieder einen Weg nach unten und nach vielem Herumgeirre bin ich dann tatsächlich irgendwann auf dem Corso Italia, der wirklich sehr schön ist und direkt am Meer entlangführt. Es handelt sich dabei vor allem um eine breite Promenade, ohne viel Schatten oder Kioske oder Eisstände oder… Aber halt mit Aussicht auf blaugrünes, glitzerndes tyrrhenisches Meerwasser. Immer geradeaus geht es nach Boccadasse, an dessen Eingang mich die Kirche des Heiligen Antonio von Boccadasse mit einer geöffneten Seitentür und dem Blick auf ein maritim-blaues Kirchenfenster, durch das die Sonne gerade hindurchscheint, empfängt. Fasziniert trete ich ein – normalerweise bin ich ja keine Kirchenguckerin – und mache Fotos vom Kirchenfenster. Dann verlasse ich die Kirche auf der gegenüberliegenden Seite und sehe, dass ich nur ein paar Schritte nach unten gehen muss und schon am Wasser stehe.

Die Piazza Nettuno ist ein Kuriosum. Eine winzig kleine Piazza, umgeben von Wohnhäusern, einer Bar und einer Gelateria, und in der Mitte statt Piazza eben ein Kieselstrand, der voller (vermutlich einheimischer) Leute ist, die dort liegen, sich sonnen und im Wasser baden. Ich habe Lust, ein bisschen da zu bleiben und vor allem, etwas Kaltes zu trinken. In der Bar bestelle ich mit Blick auf die herumliegenden Zitronen eine Limonade, bekomme aber nur ein Fertiggetränk angeboten. Ich ändere also zu frisch gepresster Zitrone mit Wasser und werde ungläubig angeschaut. Dann presst man mir 1,5 (!) Zitronen in ein Whiskyglas (!), schmeißt Eiswürfel dazu und einen Schluck Wasser und das Ganze kostet dann 3,50 €. Zum Glück habe ich ja meine Wasserflasche dabei und kann nach dem Abtrinken der ersten sauren Schlucke immer nachfüllen, solange, bis am Ende ein wirklich wohlschmeckendes Getränk dabei herauskommt. Mit dieser improvisierten Limonade setze ich mich auf einen Stuhl am Kieselstrand und schaue auf Wasser und Menschen. Nach einer Weile habe ich genug, gebe mein Glas wieder ab, fülle meine Wasserflasche am Brunnen auf und laufe weiter.

Es gibt hier nämlich noch deutlich mehr Strand. Also, irgendwo, in der nächsten Bucht. Und dazwischen wieder ein enges Straßen- und Gassengewirr mit viel rechts und links, hoch und runter. Kein Wunder, dass ich auf so viele Kilometer komme! Der richtige Strand ist dann sogar noch einen Ort weiter, in Sturla. Inzwischen bratzt die Sonne ordentlich vom Himmel, es ist kurz nach 12. Ich möchte mich in den Schatten legen, aber der Strand hat keinen, außer man bringt ihn sich mit oder mietet ihn sich. Also gebe ich 5 € aus, um den bewirtschafteten Strand zu betreten und noch einmal 5 € für eine Liege mit Sonnendach, die ich mir dann nah ans Wasser rücke. Mein Kopf ist im Schatten (wichtige weitere Körperteile nicht so, siehe oben), das Meer rauscht und ich liege gemütlich rum, genieße das Leben und plane meine nächsten Tage.

Kurz nach 2 wird es mir zu heiß und trotz mehrfachen Eincremens merke ich, dass der Sonnenbrand naht. Außerdem verspüre ich ein Hüngerchen. Ich setze mich also auf einen unbequemen Plastikstuhl unter das Sonnendach der Strandbar, schlürfe eine Granità mit Minzgeschmack, snacke eine kleine Tüte Kartoffelchips und lese weiter in den „Sternstunden der Menschheit“. Das Meer rauscht weiterhin fröhlich vor sich hin und je später der Tag, desto mehr Wind und damit auch Wellen kommen auf. Gegen 15:30 kommen die ersten Italiener*innen zurück an den Strand, scheinbar ist die größte Mittagshitze offiziell vorbei. Da ich aber weder Flip Flops noch Badesachen dabei habe und also weder ans noch ins Wasser komme, breche ich auf und laufe auf ähnlichen, aber nicht ganz den gleichen Wegen, zurück ins Zentrum. Immerhin kann ich jetzt ab und zu die Schattenseite der Straße nutzen und ein leichtes Lüftchen weht auch, zumindest, wenn ich schnell genug laufe. Die Wellen schwappen schäumend über die Steine am Ufer und alles fühlt sich schön meerig-maritim an auf dem Corso Italia. Meer macht allerdings auch Gedanken, solche, wegen derer ich wieder viel Licht und Liebe nach Irgendwo schicken muss und dann den Schritt noch etwas beschleunigen, damit sie sich nicht festsetzen können.

Am Ende des Corso angekommen, wähle ich diesmal eine andere Route und hoffe so, allzu viel Auf und Ab vermeiden zu können. Das klappt auch einigermaßen. Ich laufe stattdessen breite Prachtstraßen unter schönen Platanen entlang, schnurgerade und auch weitestgehend flach. Am Triumpfbogen vorbei geht es unter einem Berg hindurch durch einen Tunnel. Puh. Ich bin ja eigentlich nicht ängstlich, aber so ein sehr langer, glatter Tunnel ist schon etwas beklemmend. Laut, stinkend und eben laaaaaaang. Aber da auch andere Fußgänger*innen dort hindurchliefen, soll das wohl so und irgendwann war auch der Tunnel zu Ende und ich wieder einigermaßen im Zentrum. Dort lief ich vorbei am angeblichen Geburtshaus von Columbus, dem ollen Verbrecher, hinein (und hinauf, leider) in die Altstadt.

Wieder enge Gassen und niedliche Lädchen und dann große, offene Plätze. Auf der Piazza di Ferrari setze ich mich zunächst an einen riesigen rauschenden Springbrunnen. Doch mit dem sich drehenden Wind bläst der Brunnen plötzlich lauter Wassertröpfchen auf mein Telefon-Display und das ist mir dann doch etwas zu anstrengend. Also setze ich mich dem Brunnen gegenüber auf die Stufen vor dem Palazzo Ducale. Drinnen gibt es kostenlose Kunstausstellungen, gerade unter anderem von De Chirico. Mein Ex-Ex-Freund hätte seine helle Freude daran gehabt, aber da er nicht mit ist, fühle ich mich nicht verpflichtet, hineinzugehen. Stattdessen sitze ich gemütlich auf den Stufen und lese die „Sternstunden der Menschheit“ zu Ende.

Dann flaniere ich, immer müder werdend, noch ein wenig durch die Straßen auf der Suche nach einem abendlichen Imbiss. Obwohl ich heute wenig gegessen habe und viel gelaufen bin, habe ich keinen richtigen Hunger. Eigentlich hätte ich gerne eine Farinata (Kichererbsenpfannkuchen) mit ordentlich Gemüse, aber sowas finde ich irgendwie nicht auf die Schnelle. Irgendwann habe ich genug vom Herumgelaufe und hole mir schnell entschlossen ein großes Stück Focaccia mit Tomaten für 2 € und in einem Laden um die Ecke vom Hostel noch ein halbes Kilo Tomaten, ein halbes Pfund Trauben und einen Liter Pfirsichsaft, für zusammen 2,80 €. Supergünstiges Abendbrot ist schließlich auch gut fürs Urlaubsbudget. Die Tomaten veredle ich dann in der Hostel-Küche noch mit Meersalz und Olivenöl. Ich esse, während andere Hostel-Bewohner Brownies backen. Einen Rest Trauben und den Rest Saft nehme ich mit hoch auf mein Zimmer – zum Snacken beim Bloggen. Bevor es ans Bloggen geht, wird allerdings erstmal der Sonnenbrand mit Aloe Vera versorgt. Zum Glück habe ich da noch ein angebrochenes Fläschchen dabei…

Reisetagebuch 1. September 2019 – Von Berlin nach Genua #loosinterrail

Der Wecker klingelt morgens um 4 und reißt mich unverhofft aus meinen Träumen – dabei war ich doch zwischendurch schon dreimal wach, seit ich gegen 21 Uhr ins Bett gegangen bin. Sei’s drum, jetzt wird es ernst! Ich kuschele kurz mit Nimbin, der wie immer morgens neben mir liegt und sammle meine Gedanken. Dann stehe ich auf, mache mich fertig, verstaue letzte Utensilien im Rucksack und schmiere mir eine Stulle für den Weg. Dann noch Katzen füttern, Blumen gießen, Noosa verabschieden und schon geht es los – vollbepackt mit großem Reiserucksack auf dem Rücken, kleinem Tagesrucksack vor der Brust und schwerem Proviantbeutel – 3 l Getränk plus 0,5 l Grießbrei mit Rosinen, Käsestulle, Gurken, Tomaten, Studentenfutter – in der Hand. Der Sommer ist so langsam vorbei, es ist noch stockdunkel in Berlin. Allerdings bin ich nicht alleine auf den Straßen, denn in Berliner Zeitrechnung ist es natürlich noch Samstagnacht und nicht etwa Sonntagmorgen. Am S-Bahnhof und in der Ringbahn begegne ich Partymenschen auf dem Weg zur nächsten Location oder nach Hause ins Bett, während mein großes Abenteuer gerade beginnt.

Am Gesundbrunnen steige ich mit wenigen anderen Leuten in einen leeren ICE ein und suche mir ein gemütliches, nicht reserviertes Plätzchen. Eigentlich wollte ich ja noch eine Weile schlafen, aber der Zug hält erstmal noch am Hauptbahnhof und in Südkreuz, wo jeweils viele Menschen zusteigen und dann ist in der Dreiviertelstunde bis Wittenberg auch noch Fahrscheinkontrolle. Also wird es erst einmal nichts mit dem Schlafen. Stattdessen lese ich (Stefan Zweig – „Schachnovelle“) und denke an das Fräulein, dem ich vom Wittenberger Bahnhof aus hinüber zum Friedhof zuwinke. In Gedanken nehme ich es mit auf die Reise, denn bei unserem letzten Treffen im März hatten wir noch darüber gesprochen, ob wir nicht ein paar Stationen davon gemeinsam befahren wollen…

Ungefähr bei Leipzig hole ich dann mein Essen heraus, nach drei Stunden Wachsein kann man ruhig mal frühstücken. Erstaunlicherweise ist mir eher nach dem herzhaften Teil des Proviants, gibts den Grießbrei eben später. In den nächsten Wochen werde ich ja sowieso vorwiegend süß frühstücken. Kurz nach dem Essen ist die Novelle ausgelesen, stattdessen schnappe ich mir den Reiseführer und lese mich ein wenig zu Genua und Ligurien ein und überlege, wie es danach weitergehen soll auf meinem Interrail-Trip durch Italien. Als ich genug vom Lesen habe, schaue ich nach draußen und befinde mich ganz offensichtlich im „grünen Herzen Deutschlands“. Ein kurzer Blick auf die Karte verrät mir, dass wir Thüringen dabei sogar schon verlassen haben und uns bereits in Hessen befinden. Wie erwartet, überkommen mich dabei ein paar traurige Gedanken an jemand anderen, der mich eigentlich auf zumindest einen Teil dieser Reise begleiten wollte, bis dann doch alles anders kam. Bevor ich zu sehr ins Grübeln verfalle, schnappe ich mir meinen Laptop und schreibe diesen ersten Teil des Reisetagebuchs – nicht ohne dabei auch ein bisschen Licht und Liebe nach Wo-auch-immer-Du-gerade-bist zu senden.* Vielleicht liest Du ja hier noch ab und zu mit, das wäre schön!

In Frankfurt wird es ein bisschen spannend: Wir fahren mit fünf Minuten Verspätung los, die sich bis Mannheim noch auf acht Minuten ausdehnen. Dabei habe ich doch in Mannheim planmäßig nur neun Minuten Umsteigezeit! Die Schaffnerin meint, das würde wahrscheinlich klappen, da der Zug nach Basel direkt vom Nachbargleis fahre und auch „der halbe Zug“ den nehmen möchte. Na gut. Kurz vor Mannheim dann Alarm: Auf dem Display im Zug steht, der Anschlusszug warte nicht. Ich wundere mich nicht, fährt er doch in die Schweiz und wir wissen ja alle, wie wenig die Schweizer*innen Verspätungen schätzen. Das Gute: Der nächste Zug nach Basel fährt nur zehn Minuten später und mit dem erreiche ich immer noch meinen Anschlusszug, auch wenn sich dafür dann die Umsteigezeit in Basel auf sportliche acht Minuten reduziert. Doch es kommt alles anders – der Anschlusszug steht noch da, als wir in Mannheim einfahren und da sofort alle rüber sprinten, kann man wohl nicht anders, als sie an Bord zu nehmen. Am Ende fährt der Zug mit knapp zehn Minuten in Mannheim los, holt diese aber bis Basel fast vollständig auf.

Auf dem Weg fahren wir übrigens durch Offenburg, wo ich in Gedanken an eine tolle Hochzeit schwelge und den beiden Bräuten, die inzwischen ja auch in Berlin leben, Grüße sende. In Basel begrüßt mich dann zunächst eine SMS, dass ich für jeden Tag, an dem ich mein Telefon nutze, automatisch 5,99 € Roaming-Gebühren zahle. Ach richtig, da war ja was. Hallo Schweiz, hallo Nicht-EU-Ausland! Ich bleibe nur vier Stunden, aber da ich ansonsten heute recht sparsam lebe, zahle ich die Gebühren gerne und bleibe weiterhin mit den lieben Menschen nah und fern verbunden. Auch hier steht mein Anschlusszug bereits wieder auf dem Nachbargleis, dabei hätte ich diesmal eine Viertelstunde Umsteigezeit gehabt. Ich dachte ja, dass das alles ganz schön knapp ist, aber scheinbar ist die App, die zum Interrail-Ticket gehört ganz schön clever und stellt mir keine Verbindungen zusammen, die man nicht schaffen kann. Im nächsten Abschnitt geht es im gemütlichen Vierersitz, den ich ganz für mich allein habe (sehr angenehm, nachdem ich mir im letzten Zug das Abteil mit drei Erfurter Wandervögeln teilte), mit Panoramablick einmal quer durch die Schweiz – bis nach Lugano. Schnell stelle ich fest, dass schräg gegenüber dafür jetzt vier Aachener Wanderfreundinnen sitzen, die sich in schönem Dialekt über Diät-Tipps austauschen. Ich löffele stumm meinen halben Liter Grießbrei mit Rosinen und schaue aus dem Fenster in die Schweizer Landschaft.

Die wird irgendwann nach Luzern dann richtig alpin. Schroffe Felswände, wolkenverhangene Gipfel, riesige Gletscherseen. Irgendwo am Vierwaldstädtersee (kurzer Gedanke ans Exil der Familie Mann und mit den Manns auch wieder ans Fräulein – ach…) ist mein 2-l-Tetrapak Eistee alle, es ist gerade einmal kurz nach 15 Uhr und ich habe bereits 2/3 meines Getränkevorrats geleert. Zusätzlich zu dem halben Liter Wasser, den ich morgens nach dem Aufstehen getrunken habe. Ein wichtiges Learning für die Rückfahrt, bei der ich allerdings ingesamt 27 Stunden unterwegs sein werde – keine Ahnung, wie ich das dann löse, aber darüber kann sich Zukunftsloosy Gedanken machen. Gegenwartsloosy hat noch einen Liter Wasser in ihrer Trinkflasche und teilt sich den jetzt am besten gut ein, dann muss sie auch nicht so oft auf Zugtoiletten. Mit der Alpiniizität kommen neben schönen Bergen und Seen leider auch viele Tunnel, so dass das Hinausschauen zwischendurch immer wieder wenig ergiebig wird. Gelegenheit, hier weiter zu schreiben und außerdem auch weiter zu lesen. Ich bleibe erstmal bei Stefan Zweig, jetzt sind die „Sternstunden der Menschheit“ dran. Merke: Wer alleine reist, kann viel lesen. Und wer wenig schleppen will, der kann sich für den E-Reader diverse Klassiker der Weltliteratur für umsonst oder einen schmalen Taler besorgen.

Nach einem besonders langen Tunnel, der fast für eine komplette Sternstunde reicht, sind alle Beschriftungen vor dem Zugfenster auf einmal auf Italienisch – wir haben das Tessin erreicht! Ab jetzt fühlt sich diese Reise wirklich nach Urlaub an. Nur noch einmal umsteigen vor Italien, und zwar in Lugano. Auch jetzt sind es wieder nur neun Minuten Zeit, aber diesmal mache ich mir keine Sorgen, denn noch sind wir in der Schweiz und bei der SBB CFF FFS gibt es keine Verspätungen! In Lugano war ich übrigens schonmal – irgendwann in den 90ern auf der Durchreise nach Frankreich, meine ich, wirklich erinnern kann ich mich nicht mehr – nur an einen großen See, das kann aber auch der Lago Maggiore gewesen sein, denn übernachtet haben wir damals in Locarno. Lugano ist auf jeden Fall bereits südlich der Alpen, das merke ich beim Aussteigen sofort – die Sonne hat eine ganz andere Kraft, die Luft fühlt sich anders an und der Himmel ist irgendwie viel blauer. Zeit, die Sonnenbrille rauszuholen! Nach den angepeilten neun Minuten geht es gemütlich mit dem Bummelzug (17 Stationen in 75 Minuten) über die Grenze und nach Mailand.

Genau am Grenzbahnhof in Chiasso höre ich das erste charakteristische „Allora…“ von einer Mitreisenden und merke, wie ich mich instantan entspanne. Italien, da bin ich wieder! Für einen Moment fallen alle Lasten der letzten Wochen von mir ab und ich fühle mich ausgeglichen und angekommen. Gleich fange ich an, meine nächsten Mahlzeiten zu planen und der Gedanke, dass ich in den nächsten drei Wochen täglich nur drei Dinge klären muss (Wo schlafe ich? Was esse ich? Wann sehe ich das Meer?), malt mir ein dickes Grinsen ins Gesicht. Ich fange an, um mit Eat Pray Love (siehe *) zu sprechen, mit meiner Leber zu lächeln und das scheinen mir beste Voraussetzungen für diesen Urlaub zu sein.

Eigentlich wollte ich ja in Mailand die 35 Minuten Aufenthalt nutzen, um gemütlich einen Aperitivo zu trinken und die Wahlprognosen aus Sachsen und Brandenburg zu verarbeiten. Allerdings bin ich ja jetzt in Italien und damit sind die Züge wieder nicht so pünktlich. Außerdem muss ich bis zum allerletzten Gleis laufen, um meinen kleinen regionalen Bummelzug zu finden und dann wird es mir doch zu hektisch. Ich sitze also im Zug, als ich die Wahlprognosen lese, ohne Alkohol. Im ersten Moment freue ich mich, dass die AfD in keinem der beiden Länder stärkste Kraft geworden ist. Im zweiten wird mir klar, wie viele Menschen sie gewählt haben und was das für die Landtage, die Parteienfinanzierung und das allgemeine Lebensgefühl in Sachsen und Brandenburg bedeutet. Heidewitzka. Kleiner Lichtblick: Die wahrscheinlichste Koalition bedeutet in beiden Ländern, dass die Grünen demnächst mitregieren. In noch zwei Ländern. Im Osten. Und Brandenburg wird das nächste R2G-Land. Perspektivisch eigentlich eine ganz schöne Aussicht… Wenn dann bei der nächsten Wahl die Protestwählenden wieder umschwenken (sollten), dann sind die AfD-Ergebnisse bestimmt immer noch viel zu hoch, aber vielleicht dreht sich der Trend dann trotzdem deutlich. Immer optimistisch bleiben!

Apropos optimistisch, bei der Ausfahrt aus Mailand habe ich keine Sorge mehr, heute Abend nicht mehr ausreichend Essen in mich hineinschaufeln zu können. Reisen macht hungrig. Oder in Italien sein. Jetzt muss ich nur noch ein nettes Lokal in Hostelnähe finden, das am Sonntagabend geöffnet hat. In Genua angekommen ist es bereits dunkel. Google Maps bringt mich zuverlässig zu meinem Hostel, das abseits der Via di Prè liegt, einer langen, sich windenden Gasse, in der auch am Sonntagabend das Leben tobt. Ein kleines Lädchen liegt hier neben dem anderen, dazwischen Imbisse, Restaurants und Cafés. Vor allem Schwarze Menschen in traditionellen afrikanischen Gewändern prägen das Straßenbild und scheinen dabei perfekt italienisiert: Stehen vor den Geschäften und unterhalten sich mit Passant*innen und Nachbarinnen, während ihre Kinder noch im Dunkeln draußen auf der Gasse spielen. Mal gucken, ob der Rest von Genua auch so multikulturell ist! Unterwegs werde ich von einer weiteren Backpackerin angesprochen, die ebenfalls mein Hostel sucht, aber kein Datenpaket für ihr Handy hat. Da kann ich helfen – danke EU! Im Hostel geht dann alles italienisch langsam, der Typ an der Rezension hat alle Zeit der Welt, als er mich eincheckt, nebenbei telefoniert, meinen Personalausweis abschreibt, Bezahlung, Kurtaxe und Schlüsselpfand verlangt, Bettwäsche heraussucht, meinen Schlüssel heraussucht, die Hostel-Regeln erklärt und mir dann mein Zimmer zeigt. Währenddessen drückt der Rucksack immer mehr auf meine Schultern und mein Magen hängt in den Kniekehlen.

Mein Zimmer ist dann überraschend nett, ich habe ein Doppelbett mit fester Matratze und eine Klimaanlage mit akustisch angenehmem Schlafmodus. Das Bad ist gleich um die Ecke und ich teile es mir nur mit den Bewohner*innen des 4er-Zimmers nebenan. Kann man machen! Nach kurzem Frischmachen laufe ich dann mit leichtem Gepäck hinaus in die Genueser Nacht – es wird Zeit für das Einstandsdinner! Bereits im Vorfeld habe ich mir eine gut bewertete Trattoria mit ligurischer Küche in der Nähe ausgesucht. Interessant und auch schon woanders in Italien so gesehen: Von der Straße aus blickt man erst einmal in einen sehr kleinen, familiären Gastraum, in dem gefühlt nur die Familie der Betreiber*innen sitzt und freut sich, dass man so ein authentisches Lokal gefunden hat. Kommt man aber dann hinein, wird man durch einen Bogen in den weitaus größeren Gastraum geleitet, an dem dann deutlich mehr Menschen sitzen und es gastronomisch professionell zugeht. War aber trotzdem immer noch sehr nett da und neben Tourist*innen waren auch viele Italiener*innen am Start.

Ich beginne meinen „Eatalien“-Urlaub mit Antipasti vom Meer und einem Viertel vom weißen Hauswein, die beide gleich beim ersten Mundkontakt überzeugten. Im Ernst, wie kann etwas ganz einfaches gleich so viel besser schmecken als zuhause? Nun gut, das Meeresgetier ist sicher fangfrisch, die Tomaten italiensonnengereift und das Olivenöl von guter Qualität. Beim Wein spielt vielleicht auch das Urlaubsgefühl eine Rolle. Das muss ich in den nächsten Tagen mal beobachten. Als Hauptgang gönne ich mir dann noch die Trofie al pesto genovese, denn wenn ich schon in Genua bin, muss ich auch echtes Pesto essen! Und wow, ja, jetzt weiß ich, wie das eigentlich gedacht ist! Herrlich aromatischer Basilikum-Geschmack, eine sehr sämige Konsistenz, die aus der Verbindung mit viel stärkehaltigem Pastakochwasser kommen muss und interessanterweise gab es darin noch ein paar grüne Bohnen und Kartoffelstücke, die traditionell wohl eher nicht hineingehören, aber sehr köstlich waren und das Ganze noch aufwerteten.

Ich spare mir Nachtisch, Espresso und Digestif und gehe schnellen Schrittes und ganz ohne digitale Navigationshilfe zurück ins Hostel und direkt ins Bett. Nach 20 Stunden Wachsein schlafe ich recht unproblematisch zum weißen Rauschen der Klimaanlage ein.

 

*Gestern ganz klischeemäßig noch „Ich bin dann mal weg“ und „Eat Play Love“ auf Netflix gesehen. In letzterem gelernt: Es ist OK, jemanden zu vermissen. Dann einfach Licht und Liebe dorthin senden und weitermachen.

Noch zweimal Arbeiten bis Urlaub #loosinterrail

So langsam wird es wirklich ernst… Morgen und übermorgen geht es nochmal ins Büro und es ist auch noch eine ganze Menge zu tun, fertigzustellen und zu übergeben, aber dann habe ich meinen ersten richtigen Urlaub seit Weihnachten (Frauentag, Osterfeiertage, re:publica, Immergut und vor allem Beerdigung nicht mitgerechnet).

Morgen Abend treffe ich meinen Bruder, der von einer Expedition vom Yukon und aus den Northwest Territories zurückkehrt. Freitag Abend verabschieden wir eine liebe Kollegin mit einem rauschenden Fest. Am Sonnabend dann letzte Einkäufe und Vorbereitungen und Sonntag in aller Frühe geht es dann so ganz richtig ernsthaft los.

Ich und mein Rucksack, drei Wochen auf Schienen unterwegs, immer dorthin, wohin uns der Wind treibt. Das wird auf jeden Fall aufregend und nochmal etwas völlig anderes. Das Einzige, was halbwegs steht, sind Hin- und Rückfahrt. Sonntag geht es über Mannheim, Basel, Lugano und Mailand bis nach Genua, wo ich in einem Hostel einkehren und hoffentlich lecker essen gehen werde.

Ganz am Ende bin ich aller Voraussicht nach an einem der schönsten und magischsten Orte der Welt im Landesinneren von Sizilien, bevor ich mich auf die 27-stündige Fahrt zurück nach Berlin mache – vom Provinzdorf in die Provinzstadt, weiter nach Catania und von dort über Neapel, Bologna und München wieder zurück nach Hause. Ich komme in einer Samstagnacht wieder in Berlin an, habe den Sonntag um mich zu regenerieren und Montag geht das wahre Leben wieder mit voller Macht los.

Was zwischen Genua und dem Paradies auf Sizilien liegt, weiß ich noch nicht genau. Ich habe ein paar grobe Ideen und Anhaltspunkte – Orte, die auf meiner persönlichen Bucket List stehen ebenso wie Orte, die ich nach Jahren gerne einmal wiedersehen möchte. Welche davon ich tatsächlich besuche, wird von Lust und Laune, dem Wetter und diversen anderen Umständen abhängen, die ich jetzt noch nicht voraussehen kann. Wichtig ist: Ich will so oft wie möglich am Meer sein und so oft wie möglich gut essen. Alles andere wird sich zeigen…

Hallo?

Ist hier noch wer? Ich war so lange nicht mehr auf meinem Blog, dass ich nicht einmal bemerkt habe, wie sich vor mehreren Wochen ein alter angefangener Entwurf als veröffentlichter Beitrag hier hereingeschlichen hat – wohl ein Synchronisationsproblem zwischen App und Web… Auch sonst werde ich gerade immer wieder gefragt, ob es mir gut geht und warum ich so still bin. Stimmt auch irgendwie, ich bin grad ganz schön still, aber vielleicht kann ich das ja jetzt auch mal wieder ändern, dachte ich mir.

Gründe fürs Stillsein gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel bin ich mit vielen Dingen beschäftigt, die sich nicht als Inhalt für ein öffentliches Blog unter Klarnamen eignen. Und da ich seit August einen neuen Job habe und jetzt hauptberuflich den ganzen Tag kommuniziere, sind meine Kommunikationsakkus abends dann auch so ausgebrannt, dass mir Energie, Inspiration und Muße fehlen, um die blogbaren Momente des Alltags in schöne Worte zu kleiden. Zudem haben mich die Ereignisse um den Tod einer Freundin, die in den Medien weite Kreise zogen, auch ein wenig verstummen lassen. Ich war ein wenig abgeschreckt, ein wenig verunsichert über Sinn und Unsinn der Bloggerei… Und mir fehlt jetzt auch einfach eine der Säulen, die stets für neue Inspiration sorgten.

Ich hoffe, dass ich trotz des neuen Jobs jetzt aber wieder öfter dazu komme, etwas hier hinein zu schreiben – vielleicht nicht jeden Tag, wie Anfang des Jahres großspurig angefangen und auch sehr lange Zeit komplett durchgezogen, aber doch möglichst ein wenig häufiger als zuletzt.

Was mir dabei durchaus helfen könnte, ist der Urlaub, den ich heute in zwei Wochen antreten werde. Dann geht es mit dem Interrail-Ticket drei Wochen lang auf große Fahrt und es gibt wahrscheinlich auch vieles zu berichten und erzählen. Einen genau fixierten Plan habe ich noch nicht im Kopf, anders als bisher will ich versuchen, mich ein wenig mehr treiben zu lassen. Daher verrate ich hier erstmal nur die erste Station, die einzige auch, für die ich tatsächlich schon eine Unterkunft gebucht habe: Die ersten beiden Septembernächte werde ich in Genua verbringen.

Ich bin sehr gespannt, was es mit mir macht, drei Wochen lang auf eigene Faust und ganz alleine unterwegs zu sein. Meine letzten Alleinreisen beschränkten sich immer auf wenige Tage und meist besuchte ich dabei Leute. Das längste waren mal zehn Tage, vor sieben Jahren in Spanien. Diese Reise endete allerdings damit, dass ich effektiv nur zwei oder drei Tage wirklich alleine war, weil ich jeweils zwei bis drei Tage mit Freundinnen verbrachte und in der Zeit, die dazwischen lag, auch noch neue Freund*innen kennenlernte und dann halt viel mit denen herumhing. Möglicherweise passiert mir das ja diesmal auch so, man wird sehen.

Wenn nicht, freue ich mich tatsächlich darauf, Zeit mit mir alleine zu verbringen und dabei nicht auf der Couch zu hängen oder in Berlin herumzulaufen, sondern tatsächlich unterwegs zu sein. Es gibt eine Menge zu sortieren in meinem Kopf und ich stelle mir das als eine gute Gelegenheit vor…

1000 Fragen vor dem Kino

Heute Abend geht es mit der Mitbewohnerin ins Kino, deswegen bleibt keine Zeit, aus den Ereignissen des Tages einen ansprechenden Text zu klöppeln. Stattdessen gibt es wieder die nächsten der 1000 Fragen.

Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:

Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.

 

481. Bei welcher Fernsehsendung schaltest du sofort um?

Lange Antwort: Ich gucke ja so gut wie nie lineares Fernsehen. Die letzten regelmäßigen Fernsehtermine sind mit dem Hasen ausgezogen. Seitdem schaue ich vor allem Netflix oder ausgewählte Sachen aus den Mediatheken. Insofern habe ich keinen Grund, sofort umzuschalten, da ich mir das Programm ja selbst auswähle.

Kurze Antwort: Tatort.
482. Wann hast du zuletzt jemandem vorgelesen?

Ich lese ab und zu mal Sachen vor, in Meetings oder so. Wenn es aber darum geht, wann ich zuletzt ein Buch vorgelesen habe, dann ist das schon etwas länger her. Ich glaube das war Anfang des Jahres, als ich die Goldkind-Familie besucht habe.
483. Bist du gut in Small Talk?

Je nach Stimmung. Wenn mich gerade andere Dinge beschäftigen eher nicht, dann mag ich mich nicht auf scheinbar Belangloses einlassen. Ansonsten geht es aber oft auch ganz gut.
484. Welche Nachricht hat dich in letzter Zeit stark berührt?

News oder Message?
485. Welche Sprache würdest du gerne gut beherrschen?

Sorbisch, aber ich bin zu faul, es wirklich zu lernen. Ansonsten Italienisch, da werde ich zum Glück jedes Jahr ohne großen Aufwand besser drin.
486. Kannst du Kaugummiblasen machen?

Nein, da fehlt mir wohl ein entscheidendes Puzzlestück frühkindlicher Erziehung. manchmal kriege ich die Vorstufe hin, aber eine große Blase schaffe ich nicht.
487. Welcher deiner Geburtstage hat dir am besten gefallen?

Auf die Gefahr hin, langweilig zu klingen: Der letzte war schon ganz schön toll.
488. Welche Floskel benutzt du zu oft?

„Irgendwie“, „oder so“ und „ein bisschen“ – alles relativierende Floskeln, merke ich gerade. Ob das was bedeutet?
489. Kannst du dich leicht in Zeichentrickfilme hineinversetzen?

Ich guck die relativ selten. Würde aber sagen, dass es für mich keinen allzu großen Unterschied macht, ob die Filmfiguren gezeichnet oder real sind.
490. Suchst du dein Waschmittel nach dem Duft aus?

Nö. Eher nach ökologischen Kriterien.