25.07.2026 – Inselleben

Nach etwas unruhiger Nacht wegen lautem Motel (Klimaanlagen, Toilettenspülungen, Zimmernachbarn) bin ich ziemlich früh wach und erledige schon den Großteil des morgendlichen Reboots, bevor der Liebste aufwacht und uns unseren Morgenkaffee nebenan bei Tim Hortons holt. Damit gibt es dann noch Kuscheln im Bett und Rätseln, bis auch alle anderen wach sind. Wir bereiten uns auf einen langen Ausflugstag vor, spielen mit den Motelkatzen, füllen an der Tanke nebenan noch unsere Wasser- und Taschentuchvorräte auf und fahren dann ein paar Minuten zum von mir ausgesuchten, supermausigen Frühstückscafé.

Dort gibt es jede Menge Sachen zu entdecken und eine wirklich unterhaltsame Bedienung („My name is Hannah Banana, we have two Hannahs, sooo…“) und eine Speisekarte, die für lange Überlegungen sorgt.

Ich entscheide mich schließlich für einen Chai Latte mit Honig und Ingwer und das „Cabot Park Karen“, weil ich den Namen so witzig finde. Dazu altmodische, für die Gegend traditionelle Baked Beans. Sehr lecker!

Wir sind alle högscht angetan und planen schon einen zweiten Besuch morgen, bis uns auffällt, dass der nicht in unseren engen Zeitplan passen wird. Schade!

Wir bezahlen und fahren weiter zum Anne of Green Gables Museum, in dem Haus in dem die Autorin Lucy Maud Montgomery die meiste Zeit ihrer Jugend verbracht hat und das bis heute von Teilen ihrer Familie geleitet wird. Es gibt eine Führung durchs Haus, einen geführten Weg durch den Wald und die Möglichkeit, mit echten Verwandten zu sprechen und sich von ihnen Bücher signieren zu lassen – ein bisschen cringe. Ich schaue mir nur fleißig alles an und kaufe mir dann ein Kochbuch mit angeblichen Originalrezepten aus Tante Mauds Küche, ohne Autogramm.

Dann geht es weiter zur offiziellen Green Gables Heritage Site. Erst fahren wir aber an Lucy Mauds Montgomerys Geburtshaus vorbei, vor dem gerade mindestens ein Reisebus japanischer Tourist*innen parkt und Fotos macht. Wir hingegen bleiben nicht stehen und sind dann etwas überwältigt von dem gewaltigen Visitor Centre, das die kanadische Regierung da vor das historische Green Gables gestellt hat. Da wir ja alle immer noch #CanadaStrong sind, ist der Eintritt hier aber immerhin frei. Drinnen gibt es Infos zu Montgomerys Leben und der Geschichte von Prince Edward Island zu der Zeit.

Mein Gehirn explodiert ein bisschen, als es eine Familie Mennoniten/Hutterer/Amische (?) sieht, deren Vater sich per Audioguide informiert und deren Töchter (?) allesamt mit Stanley Cups und Smartphones ausgestattet sind. Ansonsten sind sie optisch gar nicht so leicht von den verkleideten Angestellten zu unterscheiden, die draußen im Garten als Charaktere aus Anne of Green Gables ein Picknick machen, Hufeisen werfen, sich in altertümlicher Sprache mit den Besucher*innen unterhalten und für Fotos posieren. Die sind ziemlich witzig!

Richtig schön ist dann Green Gables selbst, samt Garten. Auch hier darf man einmal durchs Haus spazieren, das das literarische Vorbild für die Bücher war (das Museum, in dem wir vorher waren war immerhin das Vorbild für New Moon). Wir spazieren noch ein wenig die Lovers Lane hinab und fliehen dann bald wieder ins kühle Visitor Centre, wo sich das Nifftenkind fleißig mit Lego beschäftigt.

Als alle ihre Besichtigungen abgeschlossen haben, fahren wir weiter zum North Rustico Beach, nicht dem schönsten der Insel, aber einem, der auf dem Weg liegt und dank der Lage am Golf nochmal deutlich wärmer ist als alle bisherigen. Diesmal gehen das Teilzeitkind, die Liebstenschwester und der Liebstenschwager richtig tief rein und schwimmen. Wir anderen sind etwas weniger gut vorbereitet, waten aber immerhin lange am Ufer hin und her und bauen Kleckerburgen mit dem Nifftenkind.

Als alle genug haben, getrocknet und entstandet sind, fahren wir mit Anne auf Green Gables auf den Ohren weiter in die Provinzhauptstadt Charlottetown, in der vor 150 Jahren und 24 Tagen Kanada gegründet wurde. Im Hafen ergattern wir einen Tisch in einem Restaurant und essen moderne Interpretationen lokaler Küche. Für mich gibt es Patatas Bravas aus P.E.I.-Kartoffeln und ein Thubfisch-Ceviche mit Mango und Ananas – leider gab es vor Ort nicht die online beworbenen Austern, die auch sehr typisch für die Insel sind.

Als wir fertig sind gucke ich kurz aufs Handy und sehe die schrecklichen Nachrichten vom Berliner CSD. Im Laufe des Abends schaue ich immer wieder nach Neuigkeiten, sage auch dem Liebsten und seiner Schwester Bescheid. Später erzählen wir es noch dem Teilzeitkind, damit es nicht unvorbereitet mit den Nachrichten konfrontiert wird, wenn es nachher im Motel-WLAN zum Handy greift. Ansonsten thematisieren wir das Ganze nicht groß, schlechte Nachrichten verbreiten sich noch früh genug. Immerhin lese ich am nächsten Morgen einige Statusmeldungen von Besucher*innen, die ich kenne und denen nichts passiert ist.

Die Reisegruppe jedenfalls hat heute noch einen Programmpunkt offen: Den Nachtisch gibt’s in der Stammfiliale von Cows, DEM legendären Eisladen in den Maritimes! Vorher holen wir uns nebenan bei Anne of Green Gables Chocolates noch ein paar Leckereien (Kartoffelchips mit Vollmilchschokolade überzogen!!), dann geht es durch die Merch-Abteilung von Cows. Der Liebste und ich greifen wieder Klamotten ab, das Teilzeitkind einen Squishie und Mitbringsel für seine Geschwister. Erst dann geht es in die Schlange fürs Eis, ich entscheide mich heute für ein Erdbeersorbet aus lokalen Beeren.

Nach dem Eis fahren wir zurück nach Summerside und ins Motel, sitzen dann wieder bei Bier und Wein draußen auf der Terrasse zusammen, während das Nifftenkind den Spielplatz unsicher macht und gehen dann früh schlafen, als die Mücken überhand nehmen. Was für ein Tag!

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