24.07.2026 – Auf die Straße und hoch hinaus

Nach frühzeitig beendeter Nacht und also wenig Schlaf ist heute dann also wieder Roadtrip-Zeit, nicht aber vor dem Frühstück. Kurz nach 10 sind wir auf der Straße und sausen mit Musik den Highway entlang nach grob Norden. Irgendwann habe ich den Liebsten und das Teilzeitkind soweit, dass ich das „Anne of Green Gables“-Hörspiel anmachen darf, dass ich heute Nacht heruntergeladen habe. Die Beiden hören mich und die Liebstenschwester zwar schon seit Monaten über Anne reden und das Teilzeitkind hat nicht eine, sondern zwei Ausgaben bereits als Buch geschenkt bekommen (eine auf Deutsch und eine zweisprachig Deutsch-Englisch), aber Beide haben sich bisher nicht mit dem Stoff beschäftigt und der Liebste hat auch meine regelmäßigen Hinweise auf „Anne with an E“ auf Netflix bisher ignoriert.

Aber besser spät als nie, beide haben sehr viel Spaß mit dem Hörspiel, es wird ordentlich gelacht und möglicherweise haben die Zwei jetzt mehr davon, wenn wir sie morgen durch all die Anne-Sehenswürdigkeiten schleppen.

Ansonsten wird die Fahrt nur durch zwei Toilettenstopps (mit Kaffee/Donuts/Softdrinks natürlich) unterbrochen und führt uns von Nova Scotia wieder nach New Brunswick und dann über die Brücke (deutlich länger als die Öresund-Brücke, wir haben das überprüft) nach Prince Edward Island – neue Provinz unlocked!

Danach fahren wir durch einen bunt besiedelten Kartoffelacker mit roter Erde, während uns Anne weiter von der Schönheit der Insel vorschwärmt, bis zu einem Kletterpark. Hier soll die Kletterpremiere des Nifftenkinds stattfinden, weil ausnahmsweise schon Sechsjährige klettern dürfen. Das Teilzeitkind klettert zur seelisch-moralischen Unterstützung mit und erklärt geduldig, feuert an und ist insgesamt ganz wunderbar. Das Nifftenkind hat den Dreh nach wenigen Minuten raus und klettert bald wie ein Profi. Hachz.

So vergehen gute anderthalb Stunden und danach fahren wir nochmal eine Dreiviertelstunde bis zu unserem heutigen Motel. Wir kommen gerade rechtzeitig an, um mit etwas Beeilung noch einchecken und zum letzten seating um 19:45 im Grillrestaurant schräg gegenüber aufzuschlagen. Viel länger hat hier kaum was auf, aber es geht auch die räumliche Nähe: So können die beiden Fahrer erstmals in diesem Urlaub zum Abendbrot beide ein Bier trinken.

Für mich gibt es ein Fried Clam Dinner mit Tartar Sauce, Coleslaw und zwei frei wählbaren Beilagen. Ich entscheide mich für Garlic Mashed Potatoes und saisonales Gemüse. Den Caesar trinke ich heute ohne Alkohol, schmeckt aber auch sehr gut. Dieser hat noch „Dill Juice“, also Gurkenwasser aus dem Glas als weitere Zutat dabei. Das Teilzeitkind darf probieren und findet es supereklig. Hihi.

Beim Bezahlen werden wir gefragt, wo wir übernachten und bekommen dann eine interessante Ermahnung, gut auf uns acht zu geben. In einem Teil des Motels, in dem wir schlafen, würden sich merkwürdige Gestalten befinden und sie wäre überrascht, dass die dort überhaupt Buchungen von Tourist*innen annehmen. Wir sind gespannt. Tatsächlich sehen wir bei unserer Ankunft dann, dass sich an unseren Zimmerkomplex und einen Bereich mit Ferienhütten ein weiterer Zimmerkomplex anschließt, vor dem viele einzelne Männer sitzen – mutmaßlich Handwerker auf Montage, Trucker oder Leute, denen das Leben übel mitgespielt hat und die deswegen eine temporäre Bleibe suchen. Wirken aber harmlos.

Wir hingegen machen etwas für kanadische Verhältnisse total merkwürdiges, gießen uns vom mitgebrachten Wein in unsere Zahnputzbecher und setzen uns raus auf die Veranda, während die Kinder über das nigelnagelneue Klettergerüst turnen. Gegen 10 wird es dann langsam dunkel und weil es eh nichts mehr zu tun gibt, verschwinden alle Sieben schnell in ihren Betten.