Licht und Dunkel

Ich habe da eine Theorie. Da ja übermorgen die Sommerzeit beginnt, mehren sich die Gespräche über Vor- und Nachteile von Sommer- und Winterzeit und in welche Richtung die Uhr denn nun verstellt wird. Warum sich das immernoch keiner merken kann, ist auch so ein Ding. (Auf Twitter sah ich gestern die Eselsbrücke: Spring forward, fall back – einfach mal zehnmal lesen, dann klappts!)

Beim großen Zeitenvergleich gewinnt bei den 100 Prozent der von mir befragten Personen (ich und meine beste Freundin aus Kindertagen) übrigens die Sommerzeit: Wen interessiert es, wann es morgens hell wird – mit etwas Glück hat man einen Job, bei dem man sowieso erst so spät aufstehen muss, dass der Mond schon hinter den sieben Bergen weilt. Wichtig ist, dass es abends, nach dem viel zu späten Feierabend, noch möglichst lange hell bleibt. Also: Sommerzeit 365 Tage im Jahr! (Vermutlich ändern wir diese Einschätzung, wenn wir mal Kinder haben, ergo früher aufstehen müssen und die Kleinen abends einfach nicht müde werden.)

Doch zurück zur Theorie. In unserer Wohnung gibt es zwei riesige Fenster, einander gegenüber, die so breit sind wie drei Türen und und so hoch wie eine (wird das deutlich?). Wenn es draußen hell ist, dann ist es drinnen immens hell, Tag, Motivation, supi-dupi-Gute-Laune, die Welt gehört uns. Wenn es draußen dunkel ist, ist Nacht, Abend, Zeit sich unter die Decke aufs Sofa zu verkriechen und einfach nicht mehr rauszugehen. Einfach wegen der Größe der Dunkelfläche (und der Tatsache, dass die Deckenlampe seit Monaten kaputt ist und ich zu faul bin, jemanden anzurufen). Nun gut, es ist also halb acht jetzt und gefühlt Nacht. Wäre es Sommer, wäre die Wohnung taghell. Also entweder stelle ich den Kalender vor, oder mach die Gardinen zu, oder verfalle in Winterschlaf. Ich bin gespannt.

Wenn Euch also demnächst jemand zu einer Unzeit erzählt, er wäre schon zu müde für irgendwelche Unternehmungen, dann fragt einfach nach: Wahrscheinlich hat er nur zu große Fenster…

Genie und Wahnsinn

Ich weiß nicht ob es empirisch erforscht ist, aber wenn es schon der Volksmund sagt, dann muss da ja was dran sein. Genie und Wahnsinn liegen sehr nahe beieinander. Merke ich in meinem Umfeld gerade wieder verstärkt:

Über Gottesbegriffe, die Freiheit des Einzelnen und die Gräuel der Demokratie diskutieren und als Argument ein Buch aus dem Ärmel ziehen und dann ausflippen, wenn vor dem Fenster ein Hundewelpe kackt und dabei süß aussieht.

Unwahrscheinlich kluge Sachen zu allen wichtigen und brandaktuellen Dingen zu sagen haben und dann Videos von sich selbst ins Netz stellen, in denen man klatscht.

Kreativer Output ohne Ende, improvisiertes Vorlesen und dabei das Raum-Zeit-Kontinuum auflösen und dann Videos von sich selbst ins Netz stellen, in denen man… kotzt.

Jedes naturwissenschaftliche sowie philosophische Problem erörtern, verstehen und erklären können, aber vor einem Rätsel stehen, wenn man mit mehreren Leuten im selben Raum Smalltalk halten soll.

Und das sind nur drei vier Beispiele, die mir spontan einfallen.

Ziehe ich diese Leute magisch an? Und wenn ja, liegt es daran, dass ich auch so bin? Den Wahnsinn mag ich mir ja gar nicht absprechen, aber ich suche noch das Genie 😉

Ein paar Schlucke Glück

Jeder Morgen beginnt gleich und das ist gar nichts schlechtes. Ein wenig infantiles, dadaistisches Geplänkel und dann gehts ans Frühstück. Und jeden Morgen bereitet der Liebste dann den Cappuccino zu.

  • Der Kaffee stammt meist aus den CARE-Paketen aus Süditalien
  • Das perfekte Verhältnis von caffè und Wasser in der Bialetti kann er sich patentieren lassen – alle seine Freunde sind der Meinung, er könne es am besten.
  • Die Milch wird im Milchkochtopf warm gemacht, den meine Eltern uns geschenkt haben
  • Die Milch ist Frischmilch, kauft er sie ist sie fettarm, kaufe ich sie, ist es tagesfrische Vollmilch
  • Milchschaum!
  • Eine Prise Zimt oben drauf – das besondere Extra

In Abwandlungen gibt es diese Tradition seit unserem ersten gemeinsamen Frühstück. Damals kam sie mir wie ein absoluter, dekadenter Luxus vor. Heute habe ich das jeden Tag und nehme es oft einfach als normal hin. Aber manchmal, wenn Besuch da ist und von diesem Cappuccino schwärmt oder wenn ich über den Cappuccino in die Augen des Liebsten blicke und mein Gesicht sich zu einem debilen Grinsen verzieht, dann fällt mir wieder auf, wie dekadent-luxuriös-unglaublich mein Leben ist. Eine halbe Stunde Ruhe, ein paar Schlucke Glück. Jeden Morgen. Danke!

Die Sachbuch-Welle

Fragte man mich früher nach meinem Büchergeschmack, wäre eine Antwort wie „Alles außer Sachbücher“ höchstwahrscheinlich gewesen. Ähnlich wie bei Musik „Alles außer Techno und Schlager“ oder bei Filmen „Alles außer Thrillern und Actionfilmen“. Naja, mit dem Alter wird man weich…

Ich habe gerade hintereinander 4 (in Worten: vier) Sachbücher gelesen. Jedes Einzelne hat mich weitergebracht, gut unterhalten, ein bisschen ob meiner Fehlerhaftigkeit beruhigt und mich angespornt, Dinge anders zu sehen und anzupacken. Hier nochmal kurz die Liste:

  • Marla Cilley: Sink Reflections.
  • Noah Sow: Deutschland Schwarzweiß.
  • Jonathan Safran Foer: Eating Animals
  • Malte Welding: Frauen und Männer passen nicht zusammen. Auch nicht in der Mitte.

(Zum Verlinken bin ich gerade zu faul, ich empfehle Copy Paste und eine Suchmaschine Eurer Wahl.)

Nachdem ich nun also ein mehr oder weniger motiviertes FlyBaby bin, eine mehr oder weniger engagierte Rassismus-im-Alltag-Aufdeckerin, eine mehr oder weniger strenge Teilzeitvegetarierin und eben auch ein Wildkaninchen (Nicht fragen, lesen!) werde ich nun nach langer Zeit endlich wieder ein Stück Belletristik in mein Leben lassen. Freue mich schon sehr auf The Book Thief von Markus Zusak.

Alle erwähnten Sachbücher sind uneingeschränkt an alle möglichen und unmöglichen Menschen zu empfehlen. Bei Sink Reflections ist zu beachten, dass man seine Gendersensibilität und seinen Atheismus für die Zeit des Lesens in die Ecke stellen muss, dann tut man sich auch nuiht weh und profitiert von den Kernaussagen in großem Außmaß. Also: Lesen, lesen, lesen und lesen!

Passend zur Endzeitstimmung…

…ist dann jetzt auch noch Knut tot. Reicht dann jetzt aber bald mal, ok? Morgen möchte ich in meinem Feed lesen, dass irgendwas Tolles passiert ist, ok? Bitte?

Aus den Fugen

Gestern Abend sagte ein kluger Mensch im Fernsehen, es sei schon erstaunlich. Alles hätte doch so gut angefangen. Es gab ein paar Frühlingstage, in Nordafrika wuchsen neue Demokratien, ein großer Schummler wurde des Amtes verwiesen, die Herrschaft des Volkes rückte immer näher… Dann spielt plötzlich Gaddafi verrückt und seit letztem Freitag ist das alles sowieso irgendwie hinüber. Da zeigt uns die Natur wieder einmal, dass wir eben doch nicht über diesen Planeten herrschen und selbst wenn wir unser bestmöglichstes Benehmen an den Tag legen, manches einfach immernoch unglaublich schiefgehen kann. Wir sind dann jetzt also doch nicht Gott. Gut, dass uns das mal einer sagt.

Auch gut, dass uns mal einer sagt, dass Atomkraft gar nicht sicher ist, hätte unsere Regierung sonst gar nicht mitbekommen. Komisch, wie eine studierte Physikerin diesen Fakt mal eben jahrzehntelang ausblenden kann, wenn es die Seilschaften nötig machen. Es gruselt einen ganz gewaltig. Noch gruseliger ist natürlich, was direkt vor Ort in Japan passiert. Seit letztem Freitag schlafen wir wohl alle nur noch gerade soviel wie unbedingt nötig ist. Der letzte Blick am Abend und der erste am Morgen gelten den Live-Tickern. Man wünscht sich geradezu einen kombinierten Japan-Libyen-Ticker, damit man ja nichts verpasst und in komprimierter Form alle Entwicklungen zu sich nehmen kann, während hier in Deutschland die Welt einfach weitergeht und Tag für Tag bezwungen werden will.

Geht nur mit Galgenhumor, denn wie will man denn hochkonzentriert arbeiten, unter Stress, in einem Raum voller lauter Leute, wenn die Gedanken  ständig ängstlich den Ticker rekapitulieren. Wenn die Bilder im Kopf geprägt sind von dem Buch, dass man als Kind gelesen hat und das jetzt wieder die Bestenlisten hinaufklettert? Wie soll man denn einen klaren Kopf behalten, wenn man nicht über die ganze Scheiße lacht? Ich habe noch nie so viele politisch unkorrekte Witze gemacht, wie in dieser letzten Woche.

Und es ist ja nicht nur Japan. Momentan läuft irgendwie alles schief. Die Arbeit wird immer mehr, die Technik spielt uns Streiche, die Gesundheit von vielen macht einfach nicht mehr mit. Hiobsbotschaften wohin man auch sieht. Da gehen die positiven Entwicklungen leicht unter.

Trotzdem hier die Top 7 der Dinge, die diese Woche wider Erwarten doch lebenswert gemacht haben:

  • Die Freundin einer Freundin ist meine neue Kollegin und bringt das Büro zum Strahlen (schon wieder einer dieser Witze…)
  • Das Beobachten einer gerade beginnenden Liebe(lei?) und die glücklichen Gesichter der beiden Probanden, denen man das bisschen Glück von Herzen wünscht
  • Das Foto vom gerade geborenen Kollegen-Sohn, dass heute im E-Mail-Postfach lag
  • Dass der Liebste gerade eine wundervolle Zeit mit seiner Familie in Italien hat, von der guten Laune schwappt einiges herüber ins kalte, graue Berlin
  • Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines Tickets für das diesjährige Immergut-Festival, auf das ich mir schon jetzt ein Loch in den Bauch freue
  • Dank der sturmfreien Wohnung gibt es morgen einen wundervollen Mädelsabend mit Schokofondue und lieben Freundinnen
  • Die Lektüre des soeben erworbenen Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte. Warum die Liebe trotzdem glücklich macht von Malte Welding – voller Wahrheiten und Lehren und Lachern

Irgendwie ist halt doch nicht alles vorbei und selbst an den schlimmsten Tagen beginnt immer auch etwas Gutes. Mein unverbesserlicher Optimismus lässt sich einfach nicht unterkriegen!

PS: Am Nervenaufreibensten ist wohl, dass sich all die Katastrophen alle so lange und unbestimmt hinziehen. Man will doch Ergebnisse sehen und wissen, ob man jetzt Angst haben muss, erleichtert sein soll, oder einfach alles scheiße ist, aber zum Glück nur für die Anderen. Being in limbo is exhausting…

Kommentar zur Weltlage

Um es mit einem Filmzitat zu sagen:

Die Kacke dampfet gar sehr.

Wer den Film weiß, darf sich einen „Atomkraft Nein Danke“-Badge auf sein Facebook-Profilfoto kleben.

"Bugger bugger buggedybuggedybuggedybug fuck fuck fuck arse shit tits"

  • Colin hat gewonnen, voll verdient, endlich, glamourös und umwerfend. Auch in seiner Dankesrede stylisch, großartig, witzig – die nächsten Tage werden sehr Firth-lastig in unserem DVD-Player!

  • The Social Network hätte noch beste Regie und besten Film gewinnen müssen.
  • Trotzdem waren meine Vorraussagen ziemlich gut. Bei unserem Home Ballot hatte ich in 8 von 19 Kategorien Recht und belegte gemeinsam mit einer Mit-Oscar-Zirklerin Platz 2. Der Erstplatzierte schaffte 9 Übereinstimmungen. Nicht schlecht für meine erste Teilnahme.
  • Die Oscars nicht alleine zu gucken ist eine hervorragende Idee, die Zeit vergeht schneller, ich bin nicht eingeschlafen, es gab nette Gespräche am Rand und gutes Essen.
  • Egal zu wievielt man ist, es ist immer immer immer zu viel Werbung, gefühlt ungefähr 2:1 gegenüber dem tatsächlichen Geschehen.
  • Montag morgens um 6 ist in der U-Bahn mehr los als Sonntag abends halb 11. Verwirrend 😉
  • Gut, dass ich heut frei habe.

Trivia

Was man nicht alles findet in den Archiven der Daily Show. In diesem Interview von 2001 reden Jon Stewart und Owen Wilson über Kate Hudson, die damals noch ein relativ neuer Stern am Hollywood-Himmel war. Owen findet sie „ganz lustig“. Interessant, wenn man an die darauf folgende On-Off-Beziehung mit Suizidversuch denkt….

Colin Firth und Jon Stewart

Zwei meiner liebsten Leute aus Film und Fernsehen sorgen für einige der schönsten Szenen im Fernsehen.

Alle Besuche von Colin Firth – future Oscar winner – in der Daily Show. Man beachte das sich durch alle Interviews ziehende Sex-Thema, das England-Bashing, das Hugh Grant-Bashing und die Veränderungen in Haartracht und Gewicht bei Herrn Stewart und wie Colin Firth einfach immer nur großartig aussieht und ist 🙂

This is the Daily Show with Jon Stewart – my guest tonight: The great Colin Firth:

PS: Love the idea of an annual Firth-film-festival… (5. Video)

PPS: Jon Stewart ist AUCH immer großartig!

3. Juni 2002: The Importance of Being Earnest

6. November 2003: Love Actually

4. April 2008: Then She Found Me

19. Januar 2010: A Single Man

11. Januar 2011: The King’s Speech