Allgemeine #rp14-Notizen: Diversity

Was einem auffällt, während man durch die Station Berlin streift: Eine Konferenz dieser Größe würde z.B. in Kanada völlig anders aussehen. Die re:publica ist weiß, weiß, weiß. Das eine oder andere Kopftuch sieht man, ab und an mal ein Middle Eastern oder Asian wirkendes Gesicht und unter den Speakern gibt es ein paar Latinos und sogar Native Americans, aber der einzige Schwarze, den ich bisher gesehen habe, arbeitete an einem von den Infoständen. Die überüberwiegende Mehrheit der Besucher ist weiß. Innerhalb dieser Gruppe wimmelt es natürlich von bunten Haaren, stylishen und nicht-stylishen Leuten, Dicken und Dünnen, Menschen mit Behinderungen und Noch-Nicht-Behinderten und es sind erfreulich viele Frauen anwesend. Aber es bleibt: Die meisten sind „Pigment-impaired, People of no Color“, wie es Michael Running Wolf Jr. gestern ausdrückte (allerdings nicht auf die re:publica bezogen). Wäre interessant zu untersuchen, woran das liegt.

Edit: Natürlich gibt es dann doch ein paar Schwarze mehr, nämlich in diesem ganzen Afrika-Themenkomplex. Sind aber eben vor allem die Speaker selbst und nicht die Nur-Besucher.

re:publica Tag 2

Wenn ich meinen Foursquare-Checkins glauben kann, habe ich heute insgesamt 10 Sessions gesehen. Na holla! Kann aber auch wirklich hinkommen, denn ich hatte eigentlich keine längere Pause dabei und war neuneinhalb Stunden vor Ort in der Station. Aber beginnen wir am Anfang…

Los ging es mit Into The Body, einem Workshop, der auf recht anschauliche Weise erklärte, warum wir alle Rückenschmerzen haben oder haben werden und wie wir dem vorbeugen können. Ein paar Übungen waren auch dabei, aber leider beschränkte sich alles auf die Knochen und Muskeln, während mich auch die diversen inneren Organe interessiert hätten (im Abstract klang es allumfassender). Aber dafür fehlte wohl die Zeit und die Vortragende war zudem auch Physiotherapeutin, was den Schwerpunkt natürlich erklärt.
Dann ging es weiter zu Get real, Netzgemeinde von FrDingens. Brechend voller Raum, frenetischer Jubel vor Ort und in meiner Timeline. War auch gut und richtig und wichtig. Vor allem die Warnung vor der Exklusion breiter Bevölkerungsschichten in der so-called Netzgemeinde und der Wunsch, dass nicht immer nur die mittelalten weißen Männer das Internet erklären dürfen.
Als nächstes sprachen @marthadear und @kuebra über die Geschichte von #aufschrei und #schauhin und darüber, wie solche wichtigen Themen den Sprung aus dem Netz in die Mainstreammedien schaffen. Derzeitige Antwort: Trending Topic bei Twitter werden und hoffentlich weitere ähnlich effektive Wege finden.
Weiter ging es mit dem Talk von @journelle über die Auswirkungen des Internets auf unser aller Sexualität. Alles in allem nämlich positiv! 😉
@RaulDE sprach dann über Innovationen in der Mobilität von Menschen mit Behinderungen. Da gibt es in Deutschland noch eine Menge zu tun, während große deutsche Firmen u.a. In Japan rollstuhlkompatible Rolltreppen bauen oder extra barrierefreie Taxis für London bauen. Es fehlt scheinbar eine mächtige Lobby hier bei uns (ebenso wie barrierefreie Züge, Taxis, Taxi-Apps etc).
Dann brauchte ich kurz etwas frische Luft, Sonne und was zu essen bevor ich mich auf die Präsentation zur Einhornhaltung einlassen konnte. Fazit: Einhörner gut, wir brauchen mehr Whimsy auf der Welt, aber ich kann kein Einhornfarmer werden, denn die müssen immer Lakritze essen. Mist.
Danach nochmal volle Kanne Bildung beim Einsteigerworkshop Programmieren für Nullcheckerbunnies. Der war wirklich für Leute ohne jegliche Vorkenntnisse, weswegen ich Beetlebum dann gleich mal per Twitter verpetzen musste. Aber immerhin folgt er mir jetzt. Es stellte sich heraus, dass ich das meiste tatsächlich schon kannte, allerdings habe ich mich zuletzt vor 14 Jahren in der Schule mit dem Programmieren beschäftigt. Aber ein paar Ansätze für die Selbstmotivation und Tipps, wo man Hilfe bekommt waren dabei. Und viele süße Tierbabybilder. Als Belohnung für so viel Initiative bekam ich hinterher sogar einen Toffee Nosed Friend von Frau… äh… Mutti geschenkt, über den nicht nur ich, sondern auch der Mann aka Hase sich sehr gefreut haben!

Ich musste dann aber sehr schnell weiter, um zu einem der Talks zu kommen, auf den ich mich am meisten gefreut hatte. Caroline und Michael Running Wolf stellten ihr Filmprojekt über „Expat Indians“ in Europa vor und sprachen über die Rolle, die soziale Medien bei der Kommunikation zwischen Native Americans in den Reservaten und den großen Städten bzw. dem Ausland spielen. Kurz zusammengefasst: Sie ist groß. Ich freue mich sehr auf den Film und werde versuchen, mit den beiden Kontakt zu halten. Da wir am Ende der Session alle zusammen einen Rounddance tanzten und die beiden nochmal auf die Episode mit den Yes Men vom Tag zuvor zu sprechen kamen, habe ich dann noch einmal nachgefragt, ob die Fake-Kostüme und der Fake-Song/Tanz negativ bei ihnen ankam. Sie lachten aber nur und meinten, dass Tito, einer der an dem Trick beteiligten ein bekannter Native Comedian sei und man als Native von Anfang an erkennen konnte, dass es darum ging, die Weißen zu verarschen und auch extra ein neues, nicht traditionelles Lied dafür geschrieben wurde. Also, alles in Butter.

Die beiden haben ein wenig überzogen, so dass ich vom Talk über die Five Eyes leider nur noch den Rest mitbekam, den werde ich mir evtl. noch mal in Gänze anschauen müssen.

Darauf folgte dann auf der Main Stage noch eine Präsentation über die eher unbekannteren Seiten des Web, jene, die man in den Mainstream-Medien nicht mehr vermitteln könnte, weil es entweder zu kompliziert wäre, oder aber ein schlechtes Licht auf das Internet werfen würde.

Als Abschluss sah ich mir dann noch den Science Slam an und erfuhr interessantes über Experimente mit Mäusen, Quantenphysik, Urban Gaming und Modealgorithmen.

Dann war mein Kopf voll und der re:publica-Tag zum Glück auch vorbei… Kurz durchgezählt… Wenn man die Five Eyes mitzählt, waren das sogar elf Sessions. Himmel hilf! Zum Glück wärmt mir die schnurrende Noosa jetzt den Bauch, so dass ich eigentlich nix mehr tun muss als entspannen und schlafen…

Mein erstes Mal… re:publica

Gerade ist die erste re:publica, an der ich so richtig offiziell teilnehme. Vor zwei Jahren hab ich mich das erste Mal in die Nähe getraut, war aber nur auf der – auch ohne Ticket – zugänglichen Twitterlesung. Letztes Jahr war mir der Urlaub dafür zu schade (zweimal Übersee und ein Umzug, da blieb nix übrig) und ich stand nur eine Weile auf dem Hof der Station rum und habe gestaunt. Dieses Jahr nun endlich mit Ticket und (Bildungs-)urlaub. Juhu!

Von den geplanten Sessions habe ich heute tatsächlich alle besucht (OK, zwei habe ich spontan getauscht, dafür zwei früher verlassen und eine zusätzlich in den Plan aufgenommen) und trotzdem fühlte sich mein Kopf am Ende noch nicht überfüllt an und ich hätte ruhig noch weiter gekonnt.
Die Eröffnung war nett, die Yes Men waren beeindruckend und lustig (mit einem kurzen Stutzer, ob meine Indigenous-Freunde mit dem gefaketen Indianertanz einverstanden gewesen wären). Bianca Jagger war insofern spannend, als dass man mal gesehen hat, wie Leute der Generation Mick Jagger aussehen, wenn sie nicht ständig auf Bühnen rumturnen. Die körperliche Unfitness machte sie dann aber durch geistige Fitness und Nebenbeitwittern wieder wett. Außerdem war für mich als Anglistin interessant, die drei Akzente der Sprecher (indisch, spanisch, portugiesisch) zu vergleichen. Die Elternblog-Session war nett aber harmlos und für Leute, die Elternblogs bereits lesen nicht besonders erkenntnisreich. Die Väterblog-Diskussion war da schon aufwühlender, was aber eher an latent sexistischen Einlassungen und sonstigen Klischees lag. Immerhin bot das die Gelegenheit, mit Frau Brüllen und Frau… äh… Mutti ins Gespräch zu kommen. Die Mission „neue Internetmenschen kennenlernen“ hat sich also bereits erfüllt. 
Dann kam die Verkaufsveranstaltung mit David Hasselhoff, die ab dem Zeitpunkt langweilig wurde, als der „Krass, er ist wirklich da“-Effekt nachließ, langweilig wurde. Ich hab es zwar länger ausgehalten als viele andere, aber bis zum Gesang hab ich es dann doch nicht geschafft. Stattdessen sah ich Johnny Haeusler beim Live-Umfragen zu, was deutlich unterhaltsamer war. Danach dann pfichtbewusst zu Sascha Lobo, aber nach ca. 20 Minuten wieder raus. Die Session bei @mspro zu dezentralen Netzwerken war dann etwas zu advanced für mich, aber da es Kopfhörer gab und ich nebenbei auf dem Handy spielen konnte, war es auch nicht anders, als #wmr zu hören.
Der nächste Stop war die 10 Jahre Bildblog-Session, die erwartbar interessant und unterhaltsam war. Den Abschluss bildete die Bingo-Session des Guten Tag-Teams von @hermsfarm und @nilzenburger. Diese verließ ich nach einer Stunde mit nur noch drei Zahlen auf der Karte, um mit den Damen Brüllen und Mutti, dem Herrn Mutti und dem Herrn Skizzenblog noch zum Inder zu gehen. Frisch gewonnene Kontakte wollen ja gepflegt werden.
Festzuhalten bleibt, dass ich bereits eine lange Liste an Sessions habe, die ich mir im Nachhinein nochmal online anschauen muss, zu viele Dopplungen im Zeitplan und zu viele Lobpreisungen in meiner Timeline. Aber wäre ja auch schlimm, wenn man sich langweilen würde und nix Spannendes fände. Jetzt lass ich mich noch kurz ein wenig von den Katzen bepuscheln und dann gehts ab in die Heia. Fortsetzung folgt!

Tagebuch-5 im Mai

Der Tag beginnt trotz Spätschicht unfreiwillig früh, als ich gegen halb 7 aus einem merkwürdigen Traum erwache, der mich auf eine Reise per Flugzeug, Bus, Bahn und Moped durch verschiedene deutsche Städte, irgendwo in Belgien und irgendwo in Spanien schickt. Inkl. Terminstress. Dabei hab ich heute gar nicht so viel Anstrengendes vor, eher Schönes. Merkwürdig. Das Blöde ist, dass draußen die Müllabfuhr laut ist und es mit dem Einschlafen daher nichts mehr wird. Aufstehen möchte ich aber auch noch nicht, denn dann würden mich die Katzen zur Fütterung zwingen und die sollen sich gar nicht erst an so unchristliche Zeiten gewöhnen. Also bleibe ich liegen und lese das Internet leer. Um 7:20 klingelt der Wecker vom Mann, aber wirklich wach macht ihn das nicht. Wir bleiben also noch eine Weile liegen.

Gegen 8 raffe ich mich doch auf und füttere die Katzen. Dann mache ich mir einen heißen Bananensaft und setze mich für ein paar Überweisungen an den Rechner. Danach werden hier in der Bude endlich mal ein Poster aufgehängt, immerhin ist Sonnabend Einweihungsparty. Das Bad ziert nun ein Filmplakat eines befreundeten Schauspielers inkl. nacktem Hintern. Hängt auch direkt überm Klo, da kann man das schon mal machen. Währenddessen wechselt der Mann die Glühbirnen im Flur aus. Endlich wieder hell und ab jetzt auch in LED. Derweil vergnügen sich die Miezen auf dem Balkon und beobachten Vögel. Man muss nur aufpassen, dass sie nicht unser Erdbeerpflanzen abknabbern oder plattdrücken. Und eine vom Balkon gestürzte Katze wäre jetzt auch eher ungünstig.

Der Mann verabschiedet sich ins Büro und ich habe dank Spätschicht noch ein wenig Zeit, die ich der Playlist für unsere Party widme. Zwischendurch beobachte ich immer wieder fasziniert die Interaktionen zwischen der rolligen Noosa und dem kastrierten Nimbin. Sie versucht ihn zu animieren, er schwankt zwischen ernsthaften, aber erfolglosen Versuchen, sie zu besteigen und genervtem Wegrennen. Arme kleine Maus… Sobald die Rolligkeit vorbei ist, wird kastriert und dann geht das entspannte Katzenleben wieder los.

Dann noch ein wenig Hausarbeit… Katzenklo sauber machen, Müll runterbringen und etwas aufräumen. Da fällt mir ein, dass ich mein Bahn-Buch (Bridget Jones 3) ja gestern ausgelesen habe und suche mir schnell ein neues aus (Orange is the new Black, das Buch, auf dem die großartige Serie basiert). Und dann geht es auch für mich los ins Büro – mit einem Blech Rhabarberkuchen, um mein vierjähriges Dienstjubiläum zu feiern.

Der Bürotag entpuppt sich als sehr essensreich. Insgesamt gibt es allein in der Redaktion drei Kuchen, zudem ein Frühstücksbüffet im Finance und einen 16 Liter-Topf Chili con carne im Partner Management. Geburtstage und Jubiläen en masse. 
Ansonsten läuft der Tag relativ normal ab. Irgendwann fragt mich ein Kollege, ob ich wüsste, wie denn hier das Faxgerät funktioniere. Ich überlege kurz, was ein Faxgerät ist, wozu man es benötigt und wann ich zuletzt eines benutzt hatte. Dann muss ich ihm leider eine Absage erteilen – in dieser Firma noch nicht. Davor zuletzt, als ich bei einem Aushilfsjob in der Dispo eines Fernsehsenders gearbeitet habe.
Zum Mittag hole ich mir einen Salat und setze mich damit und mit meinem Buch in die Lounge. Dann ab 16 Uhr beginnt die pre:publica und ich fange an hibbelig zu werden. Die letzten Stunden bis zum Feierabend ziehen sich eher gummiartig dahin, dann ist endlich (Bildungs-)Urlaub und ich fahre in die Station Berlin um einzuchecken und mir mein Bändchen und mein Goodie Bag zu holen. 
Bei einem Bierchen auf dem Hof sehe ich die ersten bekannten Gesichter, halte ein erstes Pläuschchen und laufe dann etwas ziellos und verschüchtert durch die Gegend. Dann kapituliere ich und setze mich auf eine Bank, um an diesem Beitrag weiter zu schrieben.
Ab 21 Uhr werden wir hinausgebeten, was mir angesichts der Temperaturen und meiner Schüchternheit ganz recht ist. Auf dem Heimweg lese ich mein Buch weiter. Zuhause angekommen bestelle ich erst einmal einen Neuland-Burger (und Pommes, und Milchreis für morgen früh). Danach baue ich meinen vorläufigen #rp14-Plan zusammen und komme auf insgesamt 28 Sessions an den drei Tagen. Mal sehen, wieviele ich tatsächlich schaffe. 
Der Abend endet mit Burger essen, Snooker gucken und ausgedehntem Katzen-und-Mann-kuscheln auf dem Sofa.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 6: Palermo

Nachdem das Essen am Vortag ja eher enttäuschend war, rettete das Frühstücksbüffet ein wenig die Ehre des Etablissements. Neben dem üblichen Süßkram gab es diverse Antipasti, Käse, Aufschnitt und eine Cassata – nicht so gut wie selbst gemacht, aber immerhin. Nach dem Aufbruch hieß unser erstes Ziel Erice. Dieses mittelalterliche Städtchen, dass sich um ein Kloster herum entwickelte, liegt auf dem gleichnamigen Berg in rund 750 Meter luftiger Höhe. Um dorthin zu gelangen, folgt man eine gefühlte halbe Stunde lang engen Serpentinen, mit immer wieder großartigen Ausblicken aufs Meer (und eine Schafherde). 


Oben angekommen wollte Tommy uns mal wieder mit dem Kopf durch die Wand führen. Buchstäblich, denn wir mussten unser Auto dann an der Stadtmauer zurücklassen und zu Fuß die letzten Treppen nehmen. Es muss aber auch andere Wege geben, denn oben gab es auch wieder vereinzelte Autos. Wir schlenderten durch die Gassen auf der Suche nach einer Pasticceria, die in unserem Reiseführer hochgelobt wurde. Sie war natürlich proppenvoll und wir kauften dort Köstlichkeiten als Mitbringel für Zuhause. Dann aßen wir ein Eis und beguckten die Schaufenster. Als wir Pistaziencreme entdeckten, mussten wir ein Souvenir- und Delikatessengeschäft betreten und sie mitnehmen (nicht ohne dass uns die Inhaberin zwang diverse Pestosorten auf vollen Frühstück- und Eismagen zu verkosten und dann sichtlich enttäuscht waren, dass wir wirklich nur die Pistaziencreme kauften.

Von Erice ging es dann weiter nach Palermo. Vor der Stadt hatte ich im Vorfeld ne Menge Respekt und habe sie mir „chaotisch und kriminell“ wie Neapel, nur nochmal schlimmer vorgestellt. Tatsächlich war ich damit, bis auf den Straßenverkehr zu Stoßzeiten, zumindest in der Innenstadt schief gewickelt. Zu keinen Zeitpunkt war mir irgendwie mulmig, auch das Auto bekam bis auf einen Parkkratzer nichts weiter ab (obwohl eine Zeitlang nicht abgeschlossen war *pfeif*) und die Stadt bezauberte uns mit gutem Wetter und vor allem den täglich stattfindenden Straßenmärkten.

Es gab die ersten „Monatserdbeeren“ des Jahres (zweimal eine 250 g-Schale voll für jeweils 1 € bzw. 1,50 €, gekochte Artischocken frisch aus dem Topf, frittierte Sardellen und Auberginen und eine Menge zu sehen.

Auch sonst hatte die Stadt eine Menge an Architektur, Street Art und Flair zu bieten. Den Sonnenuntergang verbrachten wir in guter Tradition in Wassernähe. Dann spazierten wir noch zum sizilianischen Parlament und dem Theater, in dem Teile des Paten gedreht wurden und dann beschlossen wir den Abend in einer kleinen Osteria voller Einheimischer. Die Kellner waren zwar etwas hektisch, das Essen jedoch sehr solide, wenn auch nicht besonders raffiniert. Gut bürgerlich eben, würde man hier sagen. Dazu was vom offenen Roten, das ist doch mehr als zufriedenstellend.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 5: Guarrato (Trapani)

Man müsste mal wissenschaftlich untersuchen, ob nach dem Höhepunkt-Tag eines Urlaubs immer ein nicht so guter Tag folgt und wenn ja, ob das dann nur gefühlt so ist, oder statistisch doch irgendwie zu rechtfertigen. So im Nachhinein betrachtet war dieser Tag jedenfalls im Vergleich irgendwie lasch. Dabei fing es richtig gut an – mit einem gemütlichen Frühstück im Wohnzimmer, inklusive frisch gebackener Croissants und hausgemachter Marmelade. Danach ließen wir uns vom Sohn des Hauses noch einmal durch Hof und Garten führen und von Oregano bis Hühnerstall alles zeigen. Er schenkte uns dann einen Rosmarinzweig sowie einen Zweig eines Strauches, aus dessen Blättern man einen Tee gegen Magenbeschwerden kochen kann (Inzwischen schon zweimal probiert und durchaus lecker und bekömmlich. Leider habe ich den Namen nicht verstanden und bisher durch Googlen auch nicht herausbekommen können.)

Dann kauften wir noch eine Flasche des hauseigenen Olivenöls und machten uns noch einmal auf den Weg nach Agrigento, in kulinarischer Mission. Wir hatten nämlich in einem fast 20 Jahre alten Reiseführer gewesen, dass man, wenn man an einer bestimmten Tür an einem Zisterzienserinnenkloster klopft, dort von den Nonnen hergestellte Paste di Mandorle, also Mandelkekse, kaufen kann, und wollten herausfinden, ob das immernoch so ist. Die kurze Antwort ist: Ja. 
Die lange Antwort ist, dass die Nonnen inzwischen keinem Schweigegelübde mehr folgen und uns fast ein Ohr abgekaut wurde. Wir sollten uns noch das Kloster oder zumindest die Kapelle zeigen lassen. Leider ist unser Interesse an Religion deutlich geringer als das an gutem Essen und da wir es auch etwas eilig hatten, mussten wir die gute Dame enttäuschen. Die Kekse waren hingegen recht lecker, aber es gab sie nur in einer festen, etwas überteuerten Zusammenstellung für 10 Euro. Nunja, haben wir eben auch mal die katholische Kirche unterstützt. Dafür können die sich jetzt zwei Heiligsprechungen auf einmal leisten.
Der nächste Programmpunkt war ein kleines Naturreservat, bei dem man sich sogenannte „Vulcanelle“, also kleine Vulkane anschauen konnte. Ich hatte als Island-vorgeprägte an so etwas wie Solfataren oder Fumarolen gedacht, mit ein wenig Blubber, Rauch und Schwefelgeruch. Tatsächlich handelte es sich aber nur um winzige Löchlein am Boden von Pfützen aus denen ab und zu mal kleine Gasbläschen aufstiegen. Nichtmal gerochen haben die. Und dafür fährt man nun extra ne halbe Stunde Umweg. Irgendwie… Underwhelming. Beim nächsten Sizilienbesuch müssen wir auf jeden Fall zum Stromboli, damit der Mann auch mal etwas Vulkan-Action zu sehen bekommt.

Als nächstes wurde die Scala dei Turchi abgehakt, ein großer, weißer, Treppenartiger Felsen direkt am Strand. Allerdings sah der von weitem auch nicht so spektakulär aus, so dass wir uns damit beschieden, endlich mal die Füße ins Mittelmeer zu tauchen, ein paar Muscheln einzusammeln und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Weiter ging die Fahrt dann Richtung Trapani, einen Ort, den ich vor allem als den Herkunftsort des Mannes einer ehemaligen Italienischkurskollegin kannte. Wir hatten die Wahl gehabt zwischen einer Übernachtung in Marsala oder einer in Trapani und uns dann für Trapani entschieden. Im Nachhinein wäre Marsala wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen, denn Trapani war irgendwie langweilig und hässlich. Es gab zwar einen Weg am Meer entlang und wahnsinnig gutes Eis, aber verzehrt haben wir es inmitten von Müll, der direkt am Ufer herumlag. Ein paar nette Gässchen gab es dann doch noch, aber alles in allem ist Trapani keine Reise wert. 
Passend dazu war auch die Übernachtung nicht schön. Laut Webseite ein gemütlich-uriger Agriturismo inmitten von Oliven und Zitronen, mit afrikanisch angehauchter Küche nach Großmutters Rezepten entpuppte er sich eher als Landgasthof und Ausflugslokal, in dem Touristengruppen mit mittelmäßigem Essen abgespeist werden. Ich habe meinen Hauptgang kaum angerührt, weil ich ihn vor lauter Salz (und Haaren) gar nicht essen konnte. Auch die Vorspeisen und der Wein waren nichts besonderes und so endete der Abend früh und unbefriedigend in einem auch noch lauten Zimmer. Möp.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 4: Montaperto (Agrigento)

Nach dem Hostelfrühstück mit Cappuccino und frisch gebackenen Croissants machten wir uns auf, die zweite große Sehenswürdigkeit Siracusas zu besichtigen: Den archäologischen Park. Hier kann man durch das „Ohr des Dyonisos“ spazieren, griechische Altare und ein römisches Amphitheater sehen. Leider wurde es gerade für die sommerlichen Aufführungen griechischer Dramen hergerichtet, so dass die Bauarbeiten den antiken Charakter übertönten. So brachen wir recht schnell wieder auf gen Süden, zur barocken Stadt Noto.

Einen kurzen Spaziergang entlang des Boulevards mit sonnengelben, rötlich schimmernden Palazzi und ein Eis der angeblich besten Gelateria der Welt (Lonely Planet) später setzten wir uns wieder ins Auto und ließen uns von Tommy durch wunderschöne, wildmalerische Berge und Täler nach Agrigento leiten – zum Tal der Tempel.

Hier spazierten wir bei strahlendstem Sonnenschein zwischen den griechischen Tempelruinen umher. Durchaus beeindruckend, aber das Highlight des Tages fanden wir erst, als wir einem unscheinbaren Schild zum Garten der Kolymbetra folgten. Er ist das Ergebnis von Bewässerungsanlagen, die hier in antiker Zeit angelegt wurden und aus Agrigento eine der bedeutendsten griechischen Siedlungen machten. Heute ist der Garten eine Art botanische Ausstellung, vor allem von allen Zitrusbäumen von Kumquat bis Pampelmuse, aber auch Mandeln, Artischocken, Kakteen und anderen typisch sizilianischen Gewächsen. Der Clou: Man bezahlt 4 € Eintritt und darf sich dafür nach Herzenslust bei den Früchten bedienen. 

Wir pflückten Mandarinen, Apfelsinen, Blutorangen und  Zitronen direkt vom Baum oder sammelten sie aus dem Gras auf. Alles wurde verkostet (und danach noch pfundweise eingepackt). Bevor wir in den Garten kamen, hatte mein Kreislauf mir zu schaffen gemacht und ich wollte nur noch zu unserer Unterkunft. Nach dem Garten war ich rundherum glücklich und aufgedreht – Vitamin C-Überschuss wahrscheinlich 😉
An diesem Abend ging es dann auch zur besten Unterkunft, die wir auf dieser Reise hatten, dem Agriturismo Due Ganée. Der Biobauernhof ist bereits seit Jahrzehnten im Besitz der Familie und lebt vor allem von den Olivenbäumen und dem daraus hergestellten Olivenöl. Aber auch diverse Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter werden hier angebaut. Wir bekamen unser Abendbrot, ein Menü aus  hausgemachten Antipasti, Pasta mit Kirschtomaten und Ricotta, einem Schweinesteak und köstlichen Orangen, Wein, Espresso und selbstgemachten Limoncello im Wohnzimmer der Familie serviert. Vater Salvatore ist der Koch, sein Sohn spielte den Kellner und versorgte uns mit Smalltalk und Informationen zur Gegend. Vollgestopft und glücklich fielen wir danach gegen zehn Uhr todmüde ins Bett.

Verhindert

Ich würde ja bloggen, aber Nimbin schläft auf meinem rechten Arm und nur mit Links ist mir das zu anstrengend…

Vorschau

Es ist schon sehr spät, daher nur schnell ein Vorschaubild. Morgen geht’s weiter mit Sizilien. Und damit:

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 3: Siracusa

Am nächsten Tag machten wir uns nach dem köstlichen Frühstück mit Pistaziencreme zunächst noch einmal auf nach Randazzo, um ein wenig frisches Obst zu kaufen. Der Mann bestand auf Orangen, wobei ich meine Zweifel hatte, wie gut die denn so ohne Messer unterwegs zu essen seien….
Dann ging es weiter am Ätna entlang bis zu einer uralten (Ess-)Kastanie, die je nach Legende 1000 bis 3000 Jahre alt ist und in ihrem Innern schon 100 bis 300 Pferden inkl. Reitern Schutz geboten haben soll. Ich würde sagen, selbst 100 wird knapp, aber ne Menge Leute passen schon rein. Ansonsten ist das Ganze inzwischen schon etwas morsch und muss gestützt werden, ist aber immernoch beeindruckend:

Nächster Haltepunkt war Zafferana Etnea, ein kleines Örtchen in dem ein großer Anteil der italienischen Honigproduktion stattfindet. Wir steuerten also zielsicher einen Laden an, in dem man Honig und andere Produkte verkosten und kaufen konnte. Am Ende kauften wir unter anderem Kastanienhonig, Scharfgarbenhonig, Zitronenhonig, Honig mit Melone, Honig mit Erdbeeren, Honig mit Pistazien, Honig mit Haselnüssen, Honig mit Pistazien… Aber auch noch Olivenöl und Oliven, Dessertwein, Pistazienlikör, verschiedene Pestos und Kekse. Es war ein sehr guter Tag für den (sehr zu empfehlenden) Laden…

Als nächstes zog es mich nun endlich ans Meer und so fuhren wir an die Riviera dei ciclopi, die Zyklopenküste, wo einst Odysseus den Zyklopen blendete und deswegen davongejagt wurde. Wir setzten uns auf einen im Wasser liegenden Stein in Aci Trezza, mit Blick auf die Felsen, die der Zyklop Odysseus hinterhergeschmissen hatte, und aßen unsere erste sizilianische Orange. Ohne Messer. Sie lassen sich ganz einfach mit der Hand schälen, wie eine Clementine etwa, und sind unwahrscheinlich süß, aromatisch und saftig. Dazu der blaue Himmel, das blaue Meer… loosy im Glück.

Dann fuhren wir weiter zu unserem heutigen Ziel, nach Siracusa. Die Heimat von Archimedes ist heute vor allem wegen ihrer griechischen und römischen Ruinen, sowie wegen ihrer wunderschön malerischen, auf einer Insel vor der Küste gelegenen Altstadt touristisch interessant. Unser Hostel befand sich genau in der Mitte zwischen den beiden Punkten. Wir luden unsere Sachen ab und die Handy-Akkus ein wenig auf und machten uns auf den Weg auf die Isola d’Ortiga, um den Sonnenuntergang zu erleben. 

Da wir ein wenig Zeit hatten, spazierten wir zunächst noch ein wenig durch die engen Gassen des ehemaligen jüdischen Viertels und umrundeten die Insel dann fast vollständig, direkt am Wasser entlang. Als wir an den Punkt kamen, von dem man den besten Blick gen Sonnenuntergang hatte, kauften wir uns ein gar köstliches Eis (bei mir Zitrone – noch nie ein so cremiges Sorbet gegessen – und Pistazie) und setzten uns auf eine Bank und schauten zu.

Danach hatten wir (es war ja erst März) noch gute zwei Stunden Zeit bis zum Abendbrot und liefen also erst einmal kreuz und quer durch die Altstadt und begutachteten die Restaurants, die Reiseführer und Hostelrezeptionist uns empfohlen hatten. Dann hörten wir aus einem Hinterhof Jazzklänge und entdeckten eine gemütliche kleine loungige Bar, die gerade ihre Türen geöffnet hatte. Die Crew saß noch beisammen und plauderte, aber als wir ankamen wurden wir sofort freundlich begrüßt. Zeit für einen Aperitif, wir sind schließlich in Italien. Es gab einen Aperol Spritz draußen unterm Wärmepilz und gute Musik dazu. Die Küche sei montags leider geschlossen, sagte man uns. Nichtsdestotrotz tauchte der Koch nach einer Viertelstunde mit frisch gebackenem Kräuterbrot vor uns auf. Nochmal eine Viertelstunde später brachte er dann auch noch Padelle, einer palermitanischen Spezialität aus Kichererbsenmehl, die seien gerade frisch fertig geworden. Alles war heiß und lecker und wir hatten die perfekte Zeitüberbrückung bis zum Abendessen gefunden.

Hinterher machte sich der Mann im Restaurant über einen riesigen Berg an Fischspezialitäten her, während ich mit einem Teller Pasta bestens bedient war und spazierten satt und glücklich und mit einem kleinen Verdauungs-Umweg durch den idyllischen Yachthafen zurück ins Hostel.