13.04.2023 – Bewegung und Erbsen

Der Liebste und ich werden überraschend beide schon deutlich vorm Klingeln seines Weckers wach, das passiert, wenn man so früh schläft, schätze ich. Ich mache uns schnell einen Kaffee und dann liegen wir kuschelnd, lesend und Kaffee trinkend im Bett, bis er aufstehen muss. Als er die Wohnung Richtung Büro verlässt (dort ist heute eine Veranstaltung, er war vorher wochenlang nur im Homeoffice), klingelt gerade mein Wecker. Ich mache meine Sprachlernsachen und blogge, dann wird es auch für mich Zeit, aufzustehen und mich an den Schreibtisch zu setzen.

Zum Frühstück gibt es Müsli und Joghurt und mit einem großen Schwapp von dem Weinbergpfirsichpüree. Auf Arbeit ist heute ein spannender Tag, wir arbeiten im Team an einem kleinteiligen Projekt mit ausgefeilter Timeline der verschiedenen Schritte, die getriggert wird, wenn der Startschuss fällt, von dem wir nicht genau wissen, wann er fällt. Ich verbringe den Vormittag vor allem mit Übersetzungen und Administrativem. Dann muss ich los zur Physiotherapie, dummerweise ungefähr zeitgleich mit dem Startschuss, so dass eine Kollegin einen Teil meiner Aufgaben übernehmen muss.

Auf dem Hin- und Rückweg zur Physiotherapie gebe ich jeweils Pfandbehälter an verschiedenen Stationen ab. Bei der Physio selbst freut sich die Therapeutin, mich nach der langen Pause wiederzusehen und schafft es auch, mich mit den richtigen Übungen ein wenig weiterzubringen und vor allem, mich zu motivieren. Nein, ich werde nicht wieder ein ganzes Jahr brauchen, um mich von den Rückschritten durch Covid Nr. 2 zu erholen!

Als ich wieder zuhause bin, bin ich physisch total kaputt und mein Magen knurrt fürchterlich. Ich mache mir noch schnell ein paar Stullen und setze mich wieder an den Laptop, die letzten Schritte des Projekts mit begleiten, inklusive der Premiere, erstmals live Änderungen an einem Text in unserem (brandneuen, während meiner Krankheit gelaunchten) Intranet vorzunehmen, auf den mutmaßlich gerade die halbe Belegschaft draufschaut. Im alten Intranet habe ich das ständig gemacht, da hatte ich aber nur Bearbeitungsrechte für den deutschen Teil und kannte außerdem das System. Heute erstmals global in einem neuen System und bei einem högscht brisanten Thema. Puls!

Viel Zeit zum Feiern bleibt uns nicht, als wir fertig sind, denn für den amerikanischen Teil des Teams hat der Arbeitstag ja gerade erst begonnen und sie haben noch eine Menge anderes zu tun. Ich selbst erledige noch ein paar Kleinigkeiten, aber merke zunehmend, dass ich heute nichts großartiges mehr reißen werde. Ich lese mich dann aber doch noch in einem Dokument fest, mit dem ich erst kurz nach 18 Uhr fertig bin.

Dann muss ich dringend meinen Kopf ausruhen und kümmere mich erst einmal darum, das Geschirr von gestern Abend abzuwaschen bzw. in die Spülmaschine zu stellen, die Katzen zu füttern, eine Waschmaschine anzusetzen etc. Dann kurz ausruhen und in TikTok versinken, für Längerfristiges bleibt keine Zeit, da der Hase für 19 Uhr seinen Besuch angekündigt hat.

Wir quatschen ein halbes Stündchen auf der Couch, während Nimbin und er miteinander kuscheln. Noosa spricht ja leider nicht mehr mit ihm, seit er hier ausgezogen ist. Sie kommt erst wieder unter dem Bett hervor, als er geht. Das ist normales Verhalten bei ihr, wenn „Fremde“ da sind. Bei jedem Klingeln verschwindet sie unterm Bett und dann kommt es drauf an, wer da ist. Beim Liebsten ist sie nach 2 Minuten wieder da, bei den meisten Frauen nach etwa einer halben Stunde, beim Teilzeitkind nach etwa 2 Stunden, bei den meisten Männern nach etwa drei Stunden und so lange bleibt der Hase eigentlich nie, der ist ja immer auf dem Sprung. Trotzdem merkwürdig, denn früher lag sie gerne auf ihm drauf. Aber seit er ausgezogen ist, wird er von ihr wieder als „fremd“ einsortiert.

Weil ich erst nachmittags Stullen gegessen hatte, dauert es noch bis 20 Uhr, bis ich nochmal ein Hüngerchen verspüre. Appetit habe ich eigentlich nur auf gekochtes Gemüse, aber das ist ja alles relativ aufwendig vong Aufwand her und eigentlich ist es ja auch schon spät. Ich schaue mich in der Küche um und am Ende koche ich mir schnell eine größere Menge TK-Erbsen in Gemüsebrühe, drapiere sie um eine Portion körniger Frischkäse (Ricotta war keiner da) und garniere mit ein wenig Butter, Zitrone und Koriander (der ist da und muss weg). Alternativ hätte ich noch irgendwas mit Ei dazu gemacht, aber der Mitbewohner hat die letzten Eier mit zum Iftar-Kochen bei Freunden genommen. Die Gemüsebrühe schütte ich nicht weg, sondern trinke sie dazu.

Klingt komisch, ist aber so. Man muss ja nicht immer elaborierte Dinge kochen oder von Stullen leben. Durch die vielen „What I eat in a day“-Videos auf TikTok bin ich inzwischen viel offener dafür, einfach irgendwelchen Kram, der halt da ist und schnell geht, zusammenzuhauen. Nach dem Essen telefoniere ich nochmal kurz mit dem Liebsten und dann höre ich die neue Folge NBE mit Heike Makatsch, während ich die Wäsche aufhänge und mich bettfertig mache. Beim ins Bett krabbeln habe ich 9762 Schritte auf dem Tacho, aber weder Energie noch Ehrgeiz, das Schrittziel noch schnell voll zu machen.

12.04.2023 – Arbeit und Date Night

Puh, das war eine wirklich kurze Nacht. Als ich gegen halb 4 von den Katzen und meiner Blase aufgeweckt werde, kann ich nicht wie üblich wieder einschlafen. Zum Einen bin ich immer noch aufgeregt wegen der Arbeitsthematik und das Gedankenkarussell lässt sich weder durch Lesen noch durch Podcasts verlangsamen, zum Anderen kommt mein Bauch zwar mit der heftigen Abendmahlzeit von gestern klar, aber dass er daran arbeitet merke ich doch. Völlegefühl und leichtes Sodbrennen. Bauch ohne Gedankenkarussell oder Gedankenkarussell ohne Bauch hätte ich wohl bezwingen können, aber mit beidem zusammen habe ich keine Chance und gebe kurz vor 6 Uhr das wieder einschlafen Wollen auf.

Stattdessen beginne ich die Morgenroutine früh – Internet leer lesen, Sprachlern-Apps, bloggen. Beim Sprachenlernen gibt es aus Gründen eine Neuerung. Wir bekommen gerade viele neue Kolleg*innen aus Tschechien dazu und in unserem sehr globalen Unternehmen stelle ich fest, dass so gut wie niemand (außer die Kolleg*innen in Polen) deren Namen richtig aussprechen kann. In meinem kleinen Team kann es außer mir niemand auch nur annähernd (Meine direkten Teammates sitzen in Frankreich, Großbritannien und den USA. Einer von ihnen kann ein wenig Russisch, aber kennt slawische Laute nur in Kombination mit kyrillischen Buchstaben.) Die deutschen Kolleg*innen kommen zwar mit den Vokalen einigermaßen klar, aber Konsonanten wie š, ř oder ł bringen dann doch alles durcheinander. Ich habe mir vorgenommen, die Aussprache zumindest selbst richtig hinzubekommen und bei Bedarf auch meinen Kolleg*innen dabei helfen zu können. Und ein paar Floskeln schaden ja nie, die werfe ich in Meetings auch gerne mal auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch oder Polnisch ein.

Als ich mit den Tagesaufgaben auf Niederländisch durch bin, switche ich also für die übrig gebliebenen Duolingo-Herzen rüber auf Tschechisch. Ich schlage mich ganz gut, da helfen mir das Aufwachsen in der Lausitz, jeweils eine halbe Autostunde von Tschechien und Polen entfernt, und meine rudimentären Sorbischkenntnisse (4 Jahre Unterricht in der Grundschule und einige Monate Unterricht vor ein paar Jahren hier in Berlin, jeweils in Kleingruppen – wann Sorbisch auf Duolingo???). Einige Worte kenne ich (ano, ahoj, hrad) andere lassen sich aus dem Sorbischen herleiten (prosím, děkuji, dobrý, večer, malý, špatně, ráno, ne). Mal schauen, wie weit ich damit komme. Slawische Grammatik und ich ist bisher keine gute Kombination. Zur Erholung geht es danach jedenfalls mit Italienisch auf Babbel weiter. Eigentlich ganz cool, dass ich jetzt eine germanische, eine romanische und eine slawische Sprache am Wickel habe.

Kurz vor 8 ruft der Liebste zum Morgentelefonat an, danach stehe ich auf, nachher mich schreibtischfein, füttere die Katzen und mache mir eine Tasse englischen Schwarztee mit Milch, eine Kanne Kräutertee und Joghurt mit frischer Ananas und Ahornsirup zum Frühstück am Schreibtisch. Die ersten drei Arbeitsstunden verbringe ich mit Recherche und Erstellung der ersten Slides einer Präsentation für unser Team-Meeting am Freitag. Darauf folgt ein einstündiger Call mit einer Arbeitsgruppe des Teams. Gegen 13 Uhr ruft die Hausverwaltung an und wir vereinbaren Termine für anstehende Malerarbeiten in meiner Wohnung. Danach zieht es mich nach Draußen.

Ich spaziere wieder durch schönstes Frühlingswetter, eine ähnlich große, aber etwas andere Route als gestern, die mich noch zum Drogeriemarkt führt. Wieder zuhause bereite ich mir mir (Crowdfarming-)Avocadotoast mit Tomate, Koriander und Safransalz zu. Damit geht es zurück an den Schreibtisch. Eine Stunde Kleinigkeiten abarbeiten, dann zwei weitere, kürzere 1:1-Meetings, nach denen es bereits 16 Uhr ist. Ich befasse mich noch eine Stunde mit dem Korrekturlesen einer Übersetzung eines rechtlichen Texts, dann breche ich kurz nach 17 Uhr die Zelte ab und beginne damit, die Wohnung für den Besuch des Liebsten (allergisch auf Hausstaub, Pollen und Katzen, hmpf!) vorzubereiten.

Ich nehme trockene Wäsche ab und sortiere sie in den Schrank, siebe das Katzenklo durch, ziehe die haarige Bettwäsche ab und dann… ruft ein Kollege an und wir reden nochmal eine halbe Stunde über Arbeitsdinge, während ich das Bett neu beziehe und den Fußboden frei räume. Als wir aufgelegt haben, hole ich den Staubsauger raus. Die Katzen verstecken sich hinterm Sofa, während ich mit dem Monster durch die Wohnung ziehe. Kurz nach 18 Uhr ist alles bereit und ich verschnaufe eine halbe Stunde auf dem Sofa.

Dann ist der Liebste da und wir nehmen einen stilechten Aperitivo zu uns, während ich das Abendbrot zubereite. Es gibt Bellinis aus Crémant (war halt da) und Weinbergpfirsichpüree – beides Weihnachtsgeschenke von meinem Bruder – und allerlei Knabbereien.

Zu Essen gibt es dann Spaghetti mit Zitronenpesto, das ich aus Procida mitgebracht habe, Petersilie, Safransalz und Eismeerkrabben (MSC-zertifiziert). Dazu trinken wir weiter Bellini, denn die Flasche muss ja leer werden. Nach dem Essen fällt der Liebste in ein Reddit-Loch aus Katzenvideos und bleibt am Thema Katzenminze hängen. Ich habe noch welche da und demonstriere ihm sogleich die Wirkung in Echt. Wir amüsieren uns über die Niedlichkeit von Nimbin und Noosa auf Droge.

Dann wollen wir uns noch ein Comedy-Special auf Netflix anschauen, aber ich werde von einer ehemaligen Kollegin angeschrieben und chatte nebenher mit ihr, während der Liebste nach einer Viertelstunde oder so wegnickt – die Kombination aus Sekt und Allergietabletten… Wir geben also recht schnell auf und liegen kurz nach 10 beide (bzw. alle vier) im Bett. Der Liebste macht noch ein Hörbuch zum Einschlafen an, aber wir bekommen wohl beide nur die ersten 5 Minuten mit… Zzzzzzzzzz.

11.04.2023 – Hallo Arbeit

Es ist soweit, ab heute arbeite ich wieder. Nachdem ich mir Ende der letzten Woche noch gar nicht so sicher war, ob das schon wieder geht, freue ich mich jetzt direkt ein wenig darauf. Weniger auf die Fremdbestimmtheit meiner Zeit, mehr auf spannende Aufgaben und liebe Kolleg*innen – vor allem, nachdem mir die letzten gut drei Wochen unverhofft ein bisschen Abstand zum Stress der Wochen davor gebracht haben und ich hoffe, mit etwas mehr Gelassenheit an die Sache gehen zu können.

Ich wache nach gut durchschlafener Nacht früh auf und habe genug Zeit für das Morgenprogramm aus Internet leer lesen, Sprachlern-Apps und Liebstentelefonat, bevor ich aufstehe, mich schreibtischfein mache, die Katzen füttere und mir Kaffee (Tasse), Tee (Kanne) und Müsli zubereite. Überpünktlich sitze ich um 8:58 am Schreibtisch und während der Laptop startet entdecke ich unten auf dem Rasen ein Eichhörnchen – die sind grad wieder vermehrt im Kiez unterwegs.

Als erste Amtshandlung muss ich mein Passwort ändern, das während meiner Abwesenheit abgelaufen ist – irgendwie ist der Rhythmus so, dass das fast immer passiert, wenn ich krank oder im Urlaub bin. Es klappt aber diesmal erstaunlich gut und direkt über alle Teile des Systems hinweg. Dann verbringe ich eine gute Stunde damit, mich durch ca. 250 E-Mail-Threads zu wühlen, zu löschen, vorzusortieren und To Do‘s aufzuschreiben. Nebenbei melde ich mich per Chat in den verschiedenen Arbeitsgruppen zurück, mit denen ich tagtäglich zu tun habe.

Als nächstes beantworte ich noch ein paar E-Mails, die schon sehr lange herumlagen und um 11 Uhr wird es Zeit für das erste Meeting des Tages, das direkt anderthalb Stunden dauert. Gegen Ende davon merke ich, dass ich jetzt schon dreieinhalb Stunden ohne Pause am Laptop sitze und beschließe, die Mittagspause vorzuziehen. Draußen bricht gerade der Wolkenhimmel auf und die Frühlingssonne lockt. Ich schnappe mir also den Biomüll, bringe ihn runter und drehe danach noch eine kleine Spazierrunde um die umliegenden Gärten, durch die Straße, in der ich die ersten Wochen meines Lebens gewohnt habe und durch die Straße mit den Sternmagnolien, die gerade in voller Blüte stehen.

Ich bin etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs und merke dann auch an der Anzahl der Schritte, dass ich noch deutlich langsamer bin als vor drei Wochen. Meine Füße und Beine kribbeln, die Muskeln und Gelenke sind steif und schwer. Je häufiger ich mich bewege, desto besser wird das wieder werden, aber noch bin ich nicht fit genug für Exzesse und auch vor drei Wochen, ein Jahr nach Covid-Infektion Nummer 1, war das alles noch nicht wieder richtig gut.

Als ich wieder oben bin, mache ich mir noch zwei Sandwiches und setze mich damit wieder an den Schreibtisch. Ich wühle mich durch die aufgelaufenen Aufgaben und versuche, Kleinigkeiten schnell zu erledigen und mir für Großigkeiten einen Plan zu machen. Außerdem braucht der Laptop einen Neustart, weil nach drei Wochen auch diverse Updates installiert wurden. Um 14:30 Uhr folgt das nächste Meeting, das noch kürzer dauert als die angesetzten 30 Minuten und keine zusätzlichen To Do‘s bringt, wohl aber einen Präsenztermin nächste Woche im Büro. Diese Woche bleibe ich noch komplett im Homeoffice, habe ich entschieden. Ab nächster Woche schaue ich, wie ich im Büro mit viel zusätzlicher Bewegung klarkomme. Irgendwann werde ich wieder 1-2 mal die Woche dort sein, denke ich.

Ich nutze die längere Pause vor dem nächsten Meeting, um mir die Aufzeichnung eines Townhalls von letzter Woche nochmal in Ruhe anzusehen, das ich nur in ganz klein auf dem Handy verfolgt hatte. Jetzt kann ich auch die Folien mitlesen und fokussierter zuhören als mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind um mich herum. Danach folgt das Highlight-Meeting des Tages, das große Veränderungen ankündigt und das Team fröhlich und enthusiastisch zurücklässt. Wir überziehen gerne ein paar Minuten, einfach um noch beisammen zu sein.

Dann ist es wieder Zeit für ein paar Schritte und Frischluft – ich trinke daher den Rest der Kanne Tee auf dem Balkon aus, denn gleich steht noch das letzte kurze Meeting des Tages an. Und plötzlich ist es dann 18 Uhr, offiziell Feierabend. Inoffiziell geht das Hin- und Hergeschreibe mit den Teamkolleg*innen auf privaten Kanälen dann noch eine Weile weiter und ich sehe noch bis kurz vor 22 Uhr E-Mails eintrudeln – das Problem bei einem frisch enthusiasmiertem Team, das über vier Zeitzonen verteilt ist. Ich muss dringend lernen, da abends nicht mehr draufzugucken, aber heute fühlt es sich noch OK an.

Ich teile die frohe Kunde noch mit dem Liebsten und dem Mitbewohner, dann stelle ich zur Feier des Tages meinen unsteten Bauch auf die Probe und bestelle mir aus meinem Lieblingsimbiss in der Umgebung einen Arancino mit Ragù, ein großes Stück Mailänder Pizza mit Stracciatella, Mortadella und Pistazien und einen riesigen Cannolo. Dazu gibt es ein alkoholfreies Radler, ich will’s ja nicht gleich übertreiben.

Das Essen nehme ich dann wieder im Bett ein, wo ich es vor allem gegen Noosa mit aller Kraft verteidigen muss. Dazu gibt es ein paar Folgen „Mad Men“ und dann geht kurz nach 22 Uhr das Licht aus – die letzte Nachricht einer Kollegin in Frankreich kommt allerdings erst kurz vor 23 Uhr und da ich sie noch wach sehe, bekommt sie auch noch eine Antwort. Es ist immerhin nichts mit Arbeit, sondern eine Doku-Empfehlung zu antiqueerer Gewalt auf Arte.

10.04.2023 – Letzte Schonfrist

Es ist Montag aber Feiertag und somit ein weiterer Tag mit Schongelegenheit. Eigentlich war geplant, aufzustehen, Körper- und Wohnungspflege zu betreiben, mich mit dem Liebsten bei meinen Eltern zu treffen und ihn dann als Übernachtungsgast mit nach Hause zu nehmen. Ich bin zwar reichlich müde nach einer kurzen Nacht, deren Anfang vom Seriengucken und Ende von Kuschelkatzen bestimmt wurden, aber gut. Doch dann ruft der Liebste an, der mehr als reichlich müde ist und sich außerdem noch erkältet fühlt und auch so klingt. Pläne? Ha!

Um mich aufzumuntern, mache ich mir ein luxuriöses Frühstück (Grießbrei mit frischer Ananas und Zimt) und setze mich damit im Schlafanzug auf den sonnenbebratzten Balkon. Nach einem vorsorglichen Covid-Schnelltest (negativ, der des Liebsten dann auch), telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten und wir hängen unsere Pläne offiziell an den Nagel. Die Sonne ist schön warm, die Vögel singen, Kirchenglocken und ein Skateboard sind die einzigen menschengemachten Geräusche. Ich hole die Liegestühle auf den Balkon, die in meinem Zimmer überwintert haben. Jetzt sitzt es sich noch gemütlicher und die Vorstellung, zu putzen und dann durch die Stadt zu fahren, scheint immer weniger attraktiv. Die Eltern und ich vertagen uns aufs Wochenende und ich lege einen letzten Tag aktive Schonung ein, bevor mich die Arbeitswelt morgen wieder hat.

Bis 13 Uhr habe ich Sonne auf dem Balkon, danach wird es im Schlafanzug zu frisch und ich gehe zurück ins Bett, wo bereits die Katzen warten. Ich habe ja „Mad Men“ weiter zu gucken! Am späten Nachmittag meldet sich der Hunger wieder und ich bastele aus restlichen Pellkartoffeln von gestern, einer Dose Thunfisch, einer grünen Paprika, Oliven, Kapern, Zitrone, Petersilie, Olivenöl, Salz und Pfeffer einen Salat. Sehr lecker und die Katzen werden ganz aufgeregt, als ich die Dose öffne, bekommen aber nichts ab!

„Pünktlich zur Tagesschau“ ruft der Liebste nochmal an und wir vergleichen unseren Tag und besprechen die Osterfotos, die wir vom Teilzeitkind und seinen Geschwistern bekommen haben. Danach stehe ich nochmal auf, räume die Spülmaschine aus und ein, halte ein Schwätzchen mit dem Mitbewohner und lasse mir danach ein schönes Lavendelbad ein. Ganz weich und schrumpelig falle ich danach zurück ins Bett, gucke noch ein wenig durch meinen TikTok-Feed (lauter Videos zu Osteressen in Italien heute) und mache dann kurz vor 23 Uhr das Licht aus.

09.04.2023 – Betttag

Gut geschlafen und dann einen gemütlichen Morgen im Bett verbracht. Relativ früh ruft der Liebste an, obwohl er ja gestern Abend aus war. Ansonsten das Übliche: Internet leer lesen, Niederländisch bei Duolingo, Italienisch bei Babbel, Bloggen… Ich beschließe, zur weiteren Erholung/Genesung nochmal einen kompletten Kranktag im Bett einzulegen und verschiebe einen Besuch bei den Eltern auf morgen, wenn ich eh wieder aufstehen muss.

Dass Ostern ist merkt man an den sozialen Medien und an den Frühstücksfotos, die in der Familiengruppe gepostet werden: Bei mir gibt es hart gekochte Eier mit Kaviar, beim Bruder weichgekochte und Trüffelsalami und den Eltern steht Lachs auf dem Tisch und mein Papa gönnt sich heute nicht nur ein, sondern zwei Frühstückseier. Natürlich warm und weichgekocht und ungefärbt, sonst werden sie ja kalt! Dafür mit Schnittlauch. Ansonsten ist Ostern uns ja relativ egal, wären wir nicht kulturell mit sorbischen Ostereiern und -bräuchen geprägt. Dahingehend fällt Ostern dieses Jahr komplett aus. Dem Teilzeitkind ist gar nicht aufgefallen, dass wir dieses Jahr keine Eier verziert haben, glaube ich.

Nach dem Frühstück lese ich das Buch „Laziness does not exist“ von Devon Price aus, das ich sehr empfehlen kann. Danach schaue ich mir in der ARTE-Mediathek eine zweiteilige Doku über den italienischen Appenin an und bekomme schon wieder ein bisschen Fernweh. Drei der bereisten Regionen fehlen mir noch auf meiner Italien-Checkliste: Abbruzze, Molise, und durch die Basilicata bin ich nur auf einer Schnellstraße durchgefahren. Ob ich es diesen Herbst wieder nach Italien schaffe?

Der Rest des Tages steht dann im Zeichen von „Mad Men“. Die Serie stand schon sehr lange auf meiner To-Do-Liste und heute habe ich genau die richtige Stimmung dafür. Ich schaffe fast die komplette erste Staffel – nur unterbrochen von ein paar Crackern als Nachmittagssnack und Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl zum Abendbrot. Als ich den Laptop zuklappe ist es – upsi – zwei Uhr morgens!

08.04.2023 – Wofür Pläne

Hui, habe ich lange geschlafen. Im eigenen Bett ist dann doch nochmal was Anderes als zu dritt in einem Hotelzimmer in fremder Umgebung. Einmal mittig in der Nacht – vermutlich als mein Mitbewohner gerade sein Suhur einnimmt – wird Nimbin wach und muss ausgiebig mit mir kuscheln. Ansonsten schlafe ich durch bis nach 8, obwohl ich ja schon vor Mitternacht das Licht ausgemacht hatte. Juhu! Mein Bauch ist allerdings immer noch ein wenig gereizt…

Ich mache mir erstmal nur ein leichtes Frühstück aus Müsli und Melissentee und bleibe bis mittags im Bett liegen. Ursprünglich hatte ich ja große Pläne für dieses lange freie Wochenende zwischen Urlaub und Arbeit: Samstag Lebensmittel aufstocken und Balkonpflanzen besorgen und abends auf einen Geburtstag gehen, Sonntag und Montag Balkon frühlingsfein machen und allgemein Frühjahrsputz in der Wohnung. Meinem Genesungslevel nach wird das so aber erstmal nichts. Den Geburtstag sage ich gleich morgens ab, vom Balkonthema verabschiede mich auch schnell – ganz ohne schlechtes Gewissen, da es grau und trüb draußen ist.

Gegen 13 Uhr raffe ich mich dann doch auf, ziehe mich warm an und gehe nach draußen auf eine kleine Tour durch den Kiez. Zunächst reparierte Kleidung aus der Änderungsschneiderei abholen, dann kurz ein paar Sachen aus der Drogerie holen, dann in den Supermarkt für Frisches – Basics habe ich genug da. Wieder zuhause gibt es Stulle und Apfel zum Mittagessen und dann wird ein Mittagsschlaf nötig.

Ich schlafe tief und fest und es fühlt sich richtig lange an, ist dann aber doch nur ungefähr eine Stunde. Allerdings bin ich nach dem Aufwachen dann völlig gerädert und entscheide schnell, den Rest des Tages im Bett zu verbringen. Erstmals kommt der Gedanke auf, dass ich nächste Woche noch nicht wieder fit für die Arbeit sein könnte, was mir so gar nicht behagt. Ebensowenig gefällt mir der Gedanke, dass meine Verdauung möglicherweise auf lange Zeit hin gestört sein könnte. Gutes, neugieriges Essen ist so sehr Teil meines Wesens und meiner Selfcare-Strategie, wenn ich da eingeschränkt wäre, müsste ich wahrscheinlich komplett umdenken, um klarzukommen. Fast aus Trotz esse ich dann zum frühen Abendbrot das Thai-Curry von gestern, das ich mir dann doch nicht mehr zugetraut hatte. Und obwohl es schärfer ist als erwartet und die Portion riesig groß ist, merke ich keine negativen Auswirkungen. Yay.

Ansonsten verbringe ich den Nachmittag und Abend dann mit Film gucken. Irgendwo taucht Cuba Gooding Jr in meinem Blickfeld auf, das erinnert mich an „As good as it gets“ und da man den kostenlos streamen kann und ich nicht ins Wohnzimmer wechseln muss, um die DVD herauszusuchen, schaue ich mir den Film mal wieder an. Früher in den 90ern hatten wir den auf Video und ich habe ihn ziemlich oft gesehen. Fast 30 Jahre später fällt mir natürlich auf, wie viel Problematisches da drin ist – Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, der heftige Altersunterschied zwischen Jack Nicholson und Helen Hunt, der Umgang mit OCD und psychischen Erkrankungen im Allgemeinen… Ein Netflix-Remake von heute würde mich interessieren, da käme der alte Mann dann sicherlich auch eher mit der Mutter seiner Kellnerin zusammen…

Auf der Suche nach dem nächsten Film google ich Helen Hunt und erinnere mich an ihr Regiedebüt „Then she found me“. Dafür hätte ich aber ans DVD-Regal gemusst, also gucke ich stattdessen, welche anderen Filme mit Colin Firth verfügbar sind und freue mich sehr, dass „Supernova“ mit ihm und Stanley Tucci als Paar zur Auswahl steht. Auf den hatte ich mich damals gefreut, aber wegen Pandemie und so war ich nicht im Kino. Wie erwartet ein guter Film!

Als letztes will ich einen Klassiker sehen, der mir noch auf der „Gesehen“-Liste fehlte. „Girl, interrupted“ habe ich irgendwann in den Neunzigern mal angefangen, aber nie zu Ende gesehen – war mir wohl zu harter Stoff damals. Heute Abend geht es hingegen sehr gut. Allerdings denke ich beim Sehen darüber nach, wie sehr die Darstellung der Psychiatrie in diesem Film – ähnlich wie in „Einer flog über das Kuckucksnest“ – dazu beitrug, die „Klapse“ zu stigmatisieren. Darüber sprachen Kurt Krömer und Jakob Hein bei „Chez Krömer“ auch, ich weiß aber nicht mehr, ob auch dieser Film dabei genannt wurde.

Kurz nach 23 Uhr ist es dann genug mit Filmen, ich putze mir die Zähne und schlafe nach wenigen Buchseiten ein.

07.04.2023 – Letzter Urlaubstag

Nachdem ich mitten in der Nacht anderthalb Stunden wachgelegen hatte, schlafe ich heute deutlich länger als die letzten Tage und wache erst gegen halb 8 auf. Das Teilzeitkind schläft sogar noch länger und der ursprüngliche Plan mit Frühstück um 8 geht nicht wirklich auf. Aber irgendwann sitzen wir dann doch zu sechst beim Frühstück. Mein Bauch fühlt sich noch nicht wieder richtig gut an, also gibt es für mich Kamillentee und Schonkost (Toast mit gekochtem Ei, eine Weißwurst und etwas Milchreis mit Pfirsichkompott). Dann gehen wir zurück aufs Zimmer und fangen an, unsere Sachen zusammen zu packen. Der Liebste und das Teilzeitkind werfen sich nochmal in Bademode, dann geht es ein letztes Mal an den Pool.

Das Nifftenkind (3) hatte gesagt, es würde heute mal Schwimmen probieren wollen. Es wurde im Januar 2020 geboren und hat bisher nicht viel Berührungspunkte mit Badefreuden gehabt. Das Teilzeitkind (9) hat hingegen schon sein Bronzeabzeichen, macht derzeit einen Kurs bei der DLRG und kann seinen Vater durchs Becken abschleppen. Die drei Erwachsenen und das Teilzeitkind versuchen, dem Nifftenkind Freude am Wasser zu vermitteln, was aber jetzt wo es ernst wird eher so mittelgut klappt. Irgendwann hat es genug und darf nach einer kurzen Dusche im Bademantel auf meinem Schoß Platz nehmen, sich einkuscheln und den anderen zusehen.

Viel zu schnell wird es Zeit, wieder nach oben zu gehen, der Check-out steht an. Als wir schließlich mit gepackten Koffern in der Lobby stehen, ist der Schwiegerpapa bereits da, um uns abzuholen. Wir treffen uns alle noch einmal in der schwiegerelterlichen Wohnung. Ich trinke einen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, der Rest Kaffee. Dann machen wir noch ein Familienfoto und werden zum Bahnhof gebracht. Dort setzen wir das Teilzeitkind für seine erste Solofahrt (planmäßig eine knappe Stunde) und warten dann bei Kaffee und Chai Latte auf unseren eigenen Zug.

Der Liebste wird nach und nach ein nervliches Wrack, bis das Teilzeitkind schließlich mit 20 Minuten Verspätung anruft. Der Zug hatte eine Viertelstunde auf freier Strecke gestanden. Puh. Jetzt können wir recht entspannt den Rest der Heimreise bewältigen, die wegen Bauarbeiten und Umleitung auch bei uns länger dauert als normal. Was wirklich nervt ist eine niederländische Reisegruppe junger Männer, die sich ein Bier nach dem anderen reinstellt und den ganzen Wagen unterhält. Wohl die Rache für all die Partytouristen, die regelmäßig Amsterdam unsicher machen?

Zurück in Berlin trennen sich unsere Wege und jede/r fährt in sein/ihr Zuhause. Noch in der Tram bestelle ich mir Abendbrot (Tom Kha mit Tofu und ein Gemüsecurry mit Honig und Sesam). Zuhause angekommen werde ich von den Katzen freudig begrüßt. Dann packe ich schnell noch den Koffer aus, koche Melissentee und stelle die Waschmaschine an. Als das Essen da ist, telefoniere ich noch kurz mit dem Liebsten. Während ich die Suppe esse, rufen meine Eltern an. Das Curry koste ich vorsichtig und beschließe dann, es besser morgen zu essen.

Gegen 8 bin ich mit meiner lieben Kolleginnenfreundin in Frankreich zum Telefonieren verabredet und wie bei uns üblich werden mehr als 3 Stunden daraus. Ich nutze die letzte halbe Stunde davon, um die Wäsche aufzuhängen und die Spülmaschine auszuräumen. Kurz nach 11 verabschieden wir uns. Ich mache mich bettfertig, die Katzen suchen sich ihre Kuschelplätze an und auf mir und dann schlafen wir mit einer Einschlafmeditation in Nullkommanix ein.

06.04.2023 – Pool Life und Familiendinner

Das Übliche zuerst: Gegen 6 aufgewacht, erstmal still vor mich hin das Internet leergelesen und außerdem das nächste Buch angefangen – „Salvation City“ von Sigrid Nunez. Gegen halb 8 dann alle wach, Kaffee und Kakao im Bett. Gegen 9 hinunter zum Frühstücksbuffet, wo ich erstmals nicht allzu vorsichtig esse. Es gibt Rührei mit Pilzen, Weißwurst, Käsebrot mit Gurke, Croissant mit Aprikosenmarmelade, Müsli mit Joghurt und Obst…

Nach dem Frühstück hat der Liebste familiäre Verpflichtungen und fährt zu seinen Eltern, um bei „technischen Dingen“ zu helfen. Das Teilzeitkind und ich gehen an den Pool. Ich kümmere mich zunächst um Sprachlern-Apps und Bloggen, während das Kindelein eine erste Runde durchs Wasser und durch die Sauna dreht. Dann kann ich mich nicht mehr wehren und gehe auch ins Wasser. Ein paar Bahnen schwimmen, ein wenig AquaFitness, sehr lange Zeit einen Flaschenöffner im Pool verstecken, damit das Teilzeitkind ihn tauchend suchen kann. Als mir kalt wird, gehen wir zu zweit in die Sauna. Ich schaffe dort immer noch keine ganze Viertelstunde, mein Organismus ist noch nicht wieder wie vor Covid No. 2.

Dann mummeln wir uns in unsere Bademäntel ein und lesen – das Teilzeitkind weiter in Harry Potter 7, ich in einem vor Monaten angefangenen Sachbuch: Laziness does not exist von Devon Price. Das hatte ich beim letzten Spa-Tag mit dem Liebsten angefangen, irgendwann im Oktober, und dann irgendwie nicht weitergelesen. Es ist so lange her, dass ich direkt wieder am Anfang anfangen muss, aber zumindest auf den ersten 40 Seiten eher zusammenfassend lese.

Der Liebste stößt wieder zu uns und ist das erste von zwei Malen für eine lange Zeit mit dem Teilzeitkind im Pool beschäftigt. Ich lese. Dann gehen wir zu dritt in die Sauna. Dann lese ich weiter. Dann gehen die zwei nochmal in den Pool und wir drei noch einmal in die Sauna und Zack ist es 15 Uhr. Wir gehen nach oben ins Zimmer, duschen und legen uns zur Siesta ins Bett. Dort schauen wir die zweite Staffel LOL zu Ende. Dann ist es auch langsam Zeit, sich für den Abend schick zu machen.

Die Liebstenschwester reist mit Mann und Kind an, seine Eltern stoßen auch dazu und dann essen wir zu acht im Hotelrestaurant und feiern ganz offiziell den Geburtstag des Schwiegerpapas nach. Ich esse Bärlauchsüppchen (Die Saison hatte ich ja bisher verpasst) Lammrücken mit Kräuterkruste an Polenta und Ratatouille (wegen Ostern und weil der Schwiegerpapa zahlt ;)) sowie Herrencreme (regionale Spezialitäten kosten!) und trinke dazu ein Glas Weißburgunder. Dann verabschiedet sich die Ü80-Generation nach Hause, die U10-Generation tobt unbeaufsichtigt durchs Hotel und die Generation GenX/GenY lässt den Abend gemütlich ausklingen.

Als wir ausgetrunken haben, die Kinder einsammeln und ins Bett gehen wollen, merke ich, dass es mir gar nicht gut geht. Die latenten Bauchschmerzen wachsen sich beim Aufstehen zu Kreislaufproblemen und Blässe aus und ich bitte den Liebsten, mich zu stützen. Bis ich etwas später im Bett liege, hatten der Liebste und ich ausreichend Gelegenheit, sich mein wirklich ausgezeichnetes Gründonnerstagsmenü nochmal ganz in Ruhe zu besehen und es aus Teppich, Kleidung und diversen Badezimmerbestandteilen zu waschen. Dann gibt es noch einen Kamillentee zur Beruhigung und eine nicht ganz so entspannte Nacht. Mein Organismus ist wirklich noch nicht auf dem Damm…

05.04.2023 – Narzissen und Magnolien

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ findet Ihr hier.

Der Morgen beginnt genau wie gestern auch – ich wache kurz nach 6 auf und lese erst einmal still vor mich hin – erst das Internet leer, dann die Buchempfehlung vom nOC zu Ende. Gegen halb 8 wacht der Rest auf und es gibt Kaffee und Kakao im Bett. Ich lese „Auf der Straße heißen wir anders“ aus, während das Teilzeitkind auf meinem Handy spielt und der Liebste sich durch Reddit arbeitet. Gegen 9 gehen wir hinunter zum Frühstücksbuffet.

Danach geht es jedoch nicht an den Pool, denn heute steht ein Ausflug an! Zunächst müssen wir aber noch ins Reisezentrum, um dem Teilzeitkind ein papiernes Zugticket für seine anstehende erste Alleinfahrt zu besorgen und lassen uns dort – nach langer, langer Wartezeit – auch noch zu den verschiedenen Optionen für allein reisende Kinder beraten (Macht das nicht: Buchen kann man sowas dann nämlich nicht vor Ort, sondern nur telefonisch) und das Teilzeitkind darf sich einen Sitzplatz zum Reservieren aussuchen (mit Tisch am Gang, gleich am Anfang des Wagens). Stifte und was zum Ausmalen bekommt es auch noch geschenkt – schon dafür hat es sich gelohnt, nicht am Automaten zu kaufen.

Dann endlich können wir los und fahren eine Stunde über Land in das Heimatstädtchen des Liebsten, wo das Teilzeitkind seine erste (und ich meine zweite) Führung zu seinen frühen Wirkungsstätten bekommt. Wir besichtigen (von außen) die beiden Häuser, in denen er aufgewachsen ist, sehen aus der Ferne seine ersten beiden WGs, erkunden seine Grundschule, das Gymnasium, den Jugendtreff und den Spielplatz, auf dem er als Jugendlicher mit seinen Freund*innen abhing. Er zeigt uns, wo er damals ins Eis eingebrochen ist, wo er in den Fluss gefallen ist, wie er früher über den Magnolienbaum vom Fenster aus auf die Straße geklettert ist, wo er gelernt hat, nicht mit Faschisten zu diskutieren und wo er und seine Klassenkamerad*innen sich künstlerisch auf dem Schulhof verewigt haben.

Irgendwann hängen die beiden weit über mir in einem Kletternetz. Und dann gibt es Waffeln und Eis und spätestens da hat sich der Auflug auch für das Teilzeitkind gelohnt. Über dem ganzen Spazieren haben sich an die 11.000 Schritte angesammelt, so dass ich dann rechtschaffen kaputt bin, als wir wieder im Auto sitzen. Wir fahren zurück zu den Liebsteneltern. Dort setze ich mich erstmal wieder auf den Balkon in die Sonne. Dann gibt es Abendessen, das heute ausnahmsweise mal die Schwiegermama gekocht hat – es gibt einen Gemüseeintopf mit Bohnen und Würstchen und als Aperitivo davor einen Campari Orange.

Nach dem Essen sichten wir alte Super-8-Filme, die zum Digitalisieren gegeben werden sollen und ich sehe den Liebsten in Klein, Bewegtbild und Farbe an Stränden in Griechenland, Portugal und Kalifornien. Von mir gibt es in diesem Alter Schwarzweißfotos und Farbdias, dabei ist er sieben Jahre älter als ich…

Später im Hotel schauen wir dann die ersten drei Folgen der zweiten Staffel LOL und dann sind kurz nach 10 alle außer mir bereits eingeschlafen.

04.04.2023 – Familiaritäten

Der Dienstag ähnelt zunächst dem Montag sehr: Kurz nach 6 bin ich wach und lese (um den Kreislauf in Schwung zu bringen?) in dem Buch das uns unser nOC gestern empfohlen hat, um seine Führungsphilosophie zu verstehen: „Amp it up“ von Frank Slootman. Spannend, ohne Frage, und ich kann mir gut vorstellen, dass das unktioniert und habe nebenbei direkt wieder ein bisschen Motivation, mich nach dem Urlaub wieder mit voller Kraft in die Arbeit zu werfen. Andererseits lese ich ja auch aus guten Gründen im Moment so viel über dolce far niente, Anti-Girlbosse und dass Laziness does not exist. Ich muss schauen, wie ich beide Ansätze sinnvoll miteinander vereinen kann. Vielleicht täglich zweimal vier Stunden den totalen Excellency Grind und den Rest des Tages konsequent chüllen mit ü, wie der Liebste so gerne sagt? Mal sehen…

Apropos Liebster, die anderen beiden erwachen so kurz vor 8 und dann gibt es wieder Tee und Kakao im Bett, bevor wir gegen 9 zum Frühstücksbuffet gehen. Danach geht es für ein paar Stunden wieder an den Pool, wo ich aber die meiste Zeit mit Lesen (hier wieder Belletristik, Laura Cwiertnias „Auf der Straße heißen wir anders“) verbringe. Nach einigen Stunden traue ich mich auch in den Pool – ein paar Bahnen schwimmen, ein paar AquaFitness-Übungen. Danach in die Sauna (kurz), kalt duschen, hinlegen, bis sich der Puls normalisiert hat und dann wieder hoch aufs Zimmer.

Ich ruhe und halte ein Schläfchen, bis die anderen auch genug haben. Dann gönnen wir uns gemeinsam eine weitere Folge LOL, bevor wir uns für die Familie hübsch machen. Der Schwiegerpapa holt uns ab und wir fahren gemeinsam zu Onkel und Tante des Liebsten, wo es Kaffee, Kuchen und Marzipan gibt. Dann geht es weiter zu den Liebsteneltern. Jetzt bin ich richtig platt und lege mich erstmal auf die Couch, während die anderen Quartett spielen. Zum Abendbrot gibt es Pasta mit Hackfleisch-Pilz-Sauce und nebenbei verfolgen wir mit Freude die Verhaftung Donald Trumps.

Pünktlich zur Tagesschau sind wir zurück im Hotel und danach schauen wir auf besonderen Wunsch des Teilzeitkinds die erste Staffel LOL zu Ende, bevor heute das Licht vergleichsweise früh ausgeht.