Auf dem Plan steht heute sowas wie Frühjahrsputz. War ja eigentlich schon vor Ostern geplant, dann zu Ostern, aber erst war wieder Covid akut, dann war wieder Long Covid und dann passte dieses Wochenende ganz gut in den Plan. Aber sag das mal meinem Körper! Gegen halb 12 habe ich es immerhin schonmal zum Frühstück (Quark mit Holundermarmelade, Banane und Sesam, Nudossibrot, Tee mit Milch) auf dem Balkon geschafft. Dann setzt sich Noosa nochmal ausführlich auf meinen Schoß, dann fange ich irgendwann an.
Als erstes leere ich das Katzenklo in einen leeren Katzenklobeutel aus und weiche es mit WC-Putzmittel ein. Dann bringe ich zwei Ladungen Müll herunter (zweimal gehen, weil alles auf einmal mir aktuell zu schwer wäre) und werde vom FitBit bejubelt, dass ich mein Trainingsziel für den Tag erreicht habe. Ich habe seit Mitte März keinen Sport gemacht, aber Müll runterbringen ist aktuell wie Cardiotraining. Dann erstmal kurz was trinken und ausruhen. Der nächste Schritt ist Katzenklo säubern und zum Trocknen auf den Balkon bringen. Wieder ausruhen.
Zwischendurch steht der Besuch von Mitbewohner auf und fährt zum Flughafen. Ich sauge die Wohnung, lege mich wieder hin. Ich putze das Bad und lege mich wieder hin. Ich wische Bad und Küche und lege mich wieder hin. Ich fülle das trockene Katzenklo auf und lege mich wieder hin. Ich stelle alles wieder an seinen Platz, beschließe, dass ich für heute genug geputzt habe und setze mich auf den Balkon.
Als es zu kalt wird, gehe ich rein. Ich mache mir einen Salat aus dem Biokistensalat, -gurke und -radieschen. Dazu gibt es ein Dressing aus Joghurt, Zitrone, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Ahornsirup und Kräutern vom Balkon (Schnittlauch, Dill, Petersilie, Basilikum). Und Stullen – eine mit Bergkäse, eine mit veganer Fleischwurst – gibt es auch.), dazu ein alkoholfreies Radler.
Ich lese „Noch wach“ von Benjamin von Stuckrad-Barre an, mir fallen aber recht schnell die Augen zu. Mit einem Umweg über die frisch geputzte Badewanne liege ich gegen 22 Uhr im Bett und mache das Licht aus.
Eigentlich wollte ich gerade aufstehen und Frühstück machen, dann legte sich Noosa auf meinen Bauch und jetzt blogge ich wohl doch noch. Gestern auf TikTok gesehen, dass die Liegeposition der Katze etwas über unser Verhältnis aussagt. Heute Nacht war ich Noosas Mama, jetzt gerade bin ich hingegen ihr Besitz. Nun denn…
Ich erwache zum Weckerklingeln des Liebsten in seinem Bett. Nach zweimal Snoozen ist er auch wach genug, um aufzustehen und Kaffee zu machen. Wir trinken und lesen im Internet, dann bringt er die zweite Runde und wir können schon reden und Quatsch machen. Er muss dann allerdings bald aufstehen und seinen Koffer packen, während ich liegen bleiben kann. Als er die Wohnung verlässt, trinke ich seinen und meinen zweiten Kaffee aus, kümmere mich um die Sprach-Apps, blogge und stehe dann auf.
Zum Frühstück mache ich mir Quarkbällchen warm, von denen der Liebste und das Teilzeitkind am Donnerstag mal wieder zu viele eingepackt bekommen hatten, dazu gibt es einen Apfel und Pfefferminztee. Ich stelle noch die Spülmaschine an und dann wird es auch für mich Zeit, aufzubrechen. Wenn ich schon mal mit etwas Zeit hier in der Gegend bin, gehe ich direkt mal zu dem großen, bekannten Outdoor-Laden. Mein Zelt zeigt nach 15 Jahren erste Alterserscheinungen und ich möchte mich beraten lassen, wie ich denen am besten beikomme, denn schon in wenigen Wochen will ich beim Immergut darin schlafen.
Der Mann in der Zeltabteilung schickt mich zur Werkstatt, dort hat aber niemand Zeit für mich und dann bin ich irgendwann genervt und gehe. Da ich später noch in den Baumarkt will, kann ich ja da auch nochmal fragen. Weil ich gerade hier bin, gehe ich dann noch in den Sportartikel-Discounter gegenüber. Ich wollte mir ja noch eine Schwimmbrille besorgen, damit ich entspannter im Wasser bin und vielleicht mal so Sachen wie Kraulen und Tauchen lernen kann. Als erstes sehe ich aber Zelte und hier werde ich dann auch direkt kompetent beraten. Hmpf. Dafür bei den Schwimmbrillen nicht so, ich stehe ewig vor dem Regal und versuche, die verschiedenen Ausstellungsstücke und Werbeschildchen mit den Verpackungen in Einklang zu bringen. Irgendwann greife ich entnervt zu einem teuren Exemplar, das aber wenigstens sehr flexibel verstellbar ist, und gehe damit zur Kasse.
Danach schnell in den U-Bahnhof und bloß weg aus der Shoppinghölle und wieder zurück in den Nordosten! Die U-Bahn bringt mich zur Ringbahn, mit der fahre ich eine Station weiter als sonst und dann geht es noch zwei Stationen mit der Tram weiter, denn ich will gleich unterwegs noch zum Baumarkt, bzw. ins Gartencenter. Der Balkon will bepflanzt werden! Ich fülle meinen Wagen mit Dekorativem und Nützlichem, immer im Blick, wieviel ich einigermaßen gut nach Hause tragen kann. Es dürfen mit: ein blühendes Zitrusbäumchen mit betörendem Duft, aus dem vermutlich bald Zierorangen wachsen, eine Lavendelstaude, ein Topf Basilikum, ein Topf Thymian, ein Topf Salbei, ein Topf Petersilie, ein Topf Schnittlauch, ein Topf Dill, ein Topf Schokominze (Pfeffer- oder Nana- gab es nicht), ein Topf Waldmeister (ist ja bald Mai!), ein gelb blühendes Dings, ein lila blühendes Dings, zwei Töpfe Katzengras und zwei Briketts Kokosblumenerde.
Schwer bepackt laufe ich damit nach Hause und muss mich dann erstmal kurz verpusten, als ich in der Wohnung ankomme. Außerdem warten die Katzen auf Frühstück. Danach geht es raus auf den Balkon. Ich lasse ein Brikett Blumenerde quellen, gemeinsam mit den Resten von letzten Jahr und dem Riesenvorrat an Rindenmulch, den der Hase mir hinterlassen hat, reicht das völlig für meine Zwecke heute. Lavendel und Zitrusbäumchen werden in die beiden großen Pflanztöpfe umgetopft. Der Basilikum wird auf drei kleinere Töpfe umverteilt, mal gucken, ob und wie gut das alles wächst und gedeiht.
Die anderen Töpfe werden nach Gutdünken in die Blumenkästen gestellt. Auspflanzen geht nicht, da die Katzen sich sonst drauflegen. Ein Blumenkasten bleibt wie immer leer als Katzenplatz und bekommt rechts und links jeweils einen Topf Katzengras daneben gestellt. Dann noch Müll beseitigen, Erde wegsaugen und Tisch abwischen und schon ist das zweite Wohnzimmer präsentabel. Evtl. kaufe ich bei Gelegenheit noch ein bisschen mehr Blühendes dazu, aber ansonsten bin ich ganz zufrieden.
Ich setze mich in einen der Liegestühle und lese im Internet herum. Die Sonne ist schon lange um die Ecke verschwunden und durch den Wind wird es langsam kühl. Ich hole mir aber erst noch eine Decke und außerdem einen Teller mit Stulle, Gurke und Radieschen. Erst nach dem Essen wird es wirklich zu kalt (obwohl die Wetter-App immer noch über 20 Grad anzeigt) und ich ziehe mit Decke und Katzen auf das Sofa um.
Die nächsten Stunden verbringe ich schlafend oder lesend. Genug getan für heute! Kurz nach 20 Uhr gesellt sich meine beste Freundin zu mir aufs Sofa. Wir bestellen uns Hot Dogs (jede 3 verschiedene) und eine Portion Kartoffelecken mit Käsesauce und Jalapeños und erzählen ein paar Stunden. Zwischendurch klingelt es ein drittes viertes (ein Paketbote war am Nachmittag auch noch da) Mal, als ein Freund des Mitbewohners eintrifft, der heute hier schläft, weil er morgen zum Pilgern nach Jiddah fliegt.
Meine Freundin verabschiedet sich gegen halb 11. Ich räume noch das Wohnzimmer auf, packe meine neue Schwimmbrille aus und stelle sie richtig ein, packe meinen Übernachtungsrucksack aus, putze mir die Zähne und lege mich ins Bett. Eigentlich wollte ich noch lesen, aber mein Kopf möchte nur noch konsumieren, also gibt es noch eine Weile TikTok und dann gegen halb 1 einen Podcast zum Einschlafen, von dem ich nur die ersten paar Minuten mitbekomme.
Schon wieder sehr früh wach und nicht mehr richtig einschlafen gekonnt. Ich glaube, bei den Katzen ist das mit dem Frühling jetzt so richtig angekommen. Sie wollen zwar morgens nicht unbedingt direkt etwas essen, aber schauen, ob ich noch lebe und dann kuscheln oder spielen. Und meistens ist es dann schon zu hell oder zu spät für mich, um nochmal in den Schlaf zu finden. Immerhin genug Zeit, um entspannt in den Arbeitstag zu starten.
Neben den beiden regulären Freitagsmeetings gibt es dort heute noch einen Call zum nur Zuhören und ein kurzes Ad-hoc-Meeting, ansonsten ein wenig kreative Arbeit und wieder viel Datenräumerei. Für den kreativen Teil setze ich mich erstmals dieses Jahr mit dem Laptop in einen Liegestuhl auf den Balkon, denn es ist sonnig und warm.
Mittags gehe ich deswegen auch raus und direkt zur Gelateria, wo ich mir je eine Kugel Orange-Basilikum und Pistazie gönne. Zum Schlecken sitze ich auf einer Bank, dann laufe ich wieder nach Hause. Zu schnellen Zeiten dauert der Hin- und Rückweg insgesamt 20 Minuten, heute brauche ich fast das Doppelte. Auf dem Rückweg spricht mich noch eine alte Dame mit Rollator an, und hält einen Monolog über am Gehweg angelegte alte, große Matratzen und wie man die eigentlich praktisch entsorgen könnte, wenn man so eine hätte, hat sie ja aber gar nicht. Ich schon, aber nicht zum Entsorgen. Sollte es mal soweit kommen, müsste ich mir dann wohl eine Säge borgen…
Ich schaffe einen freitäglich frühen Feierabend kurz nach halb 5. Ich verräume die zwischen zwei Meetings gelieferte Biokiste, nehme Wäsche ab, packe meinen Rucksack und füttere die Katzen. Dann mache ich mich auf den Weg nach Südberlin, zur Date Night mit dem Liebsten – auf den Ohren erst das neue Album von Blond, dann das von Talking To Turtles.
Auch der Weg von der U-Bahn zum Liebsten dauert heute doppelt so lange wie sonst. Eigentlich wollten wir ja schön Essen gehen, aber mein Körper sagt nein. Also legen wir uns aufs Sofa und bestellen uns das schöne Essen von unserem Stammchinesen her. Es gibt Algensalat, Morchelsalat und gemischte Jaozi für mich, für den Liebsten Algensalat, Wan-Tan-Suppe und kaltes Rindfleisch in Chili-Öl.
Wir schauen zwei Folgen Reservation Dogs und die neue Folge Marvelous Mrs Maisel. Dann gibt es für ihn noch eine Stunde GTA und für mich eine Stunde TikTok und schon ist Bettgehzeit, denn einer von uns muss morgen früh raus und eine andere ist sowieso kaputt und müde. 23 Uhr ist Licht aus.
Die Kombination aus frühem Schlafengehen, frühem Wecker, latentem Bauchweh, zeitigem Sonnenaufgang und anhänglichen Mietzekatzen macht mal wieder viel Zeit am Morgen – gegen 5 bin ich wach, anderthalb Stunden vor dem Wecker, der extra früh gestellt ist, um einen gemütlichen Start zu ermöglichen. Jetzt also extragemütlich, denn ich muss ja erst kurz nach 8 das Haus verlassen. Mein erster Bürotag seit mehr als 5 Wochen steht an.
Anders als die letzten Male oft, fahre ich mit der Tram hin, eine knappe Stunde Fußweg ist mir noch zu riskant, vor allem unter Zeitdruck und vor Beginn eines langen Arbeitstages. Den Sport für heute Abend habe ich auch bereits abgesagt – einen Schritt nach dem anderen. Da der Weg zur und von der Tram länger dauert, als vor Covid Nr. 2 brauche ich trotzdem ganz schön lange, habe aber trotzdem noch genug Zeit für Kaffee und Müsli mit Banane und ein Paar Worte mit einem Kollegen, bevor halb 10 das erste Meeting des Tages ansteht – das einzige in Präsenz, dessentwegen ich überhaupt gekommen bin.
Über den Tag verteilt gibt es dann noch vier andere sowie diverse spontane Gespräche mit Kolleg*innen, die mir live über den Weg laufen. Drumherum räume ich weiter Daten hin und her, übersetze einen Text ins Deutsche, organisiere Übersetzungen ins Italienische und Spanische, arbeite an einer Präsentation usw. usw. Zum Mittag hole ich mir aus dem Supermarkt Bio-Kartoffelsuppe, vegane Wiener und einen Smoothie aus tropischen Früchten und Algen. Zum Nachmittagskaffee gibt es etwas Adventskalenderschokolade aus der Schublade und eine Handvoll Blaubeeren, die ein Kollege nicht mehr schafft.
Mit besagtem Kollegen mache ich dann kurz vor 18 Uhr Feierabend und wir laufen noch gemeinsam bis zu seiner Tramstation. Die liegt auf meinem Weg, denn ich will versuchen, zumindest einen Teil des Heimwegs zu Fuß zu gehen – immer an meiner Tramlinie entlang, um notfalls einsteigen zu können. Ist aber sowieso der direkte Weg. Ich gehe langsam und mit immer kleiner werdenden Schritten. Dabei höre ich einen Podcast mit Justin Long und Seth Rogen und freue mich über saftig grünes Gras, blühende Blumen, aufgeplusterte Vögel und austreibende Bäume und Hecken. Es ist frühlingshaft hell und beinahe warm, so dass die Jacke offen bleiben kann.
Nach drei Vierteln des Weges jubelt mein Schrittzähler und ich beschließe, dass ich die letzten beiden Tramstationen jetzt auch noch schaffe. Dafür kann ich eine Abkürzung durch die Sternmagnolienstraße nehmen. Am Ende tun mir die Beine weh, aber ich habe es geschafft und dafür etwa 20 % mehr Zeit gebraucht, als vor Covid Nr. 2.
Zuhause werden erstmal hungrige Katzen versorgt, dann geht es auf die Couch, bis ich Hunger, Appetit und einen klaren Abendessenplan habe. Es läuft auf Toast Hawaii hinaus, da immer noch Dosenananas vom Iftar übrig sind. Statt Schinken gibt es vegane Fleischwurst, als Käse Bergkäse und dazu einen Apfel. Zum Essen und danach schaue ich den Justin-Long-Film „A Case of You“, der von der Prämisse her interessant aber insgesamt unterwältigend ist. Gegen zehn liege ich schon wieder im Bett.
Der Wecker klingelt unverschämt früh, da heute ein neuer Herd installiert wird. Der alte war schon alt, als ich vor fast zehn Jahren hier eingezogen bin, das passende Blech haben die Vormieter mitgenommen… Irgendwann rang ich mich durch und fragte nach, ob man da mal etwas Neues hinstellen könne. Man kann, allerdings ist es immer noch ein E-Herd mit Platten, ein Upgrade war nicht möglich. Als er angeschlossen ist, muss der Ofen erstmal eine halbe Stunde lang auf 250 Grad ballern, die Herdplatten fünf Minuten auf höchster Stufe. Unangenehme Düfte durchziehen die Wohnung, Fenster und Balkontür stehen offen. Ich beschäftige mich derweil mit der Bedienungsanleitung, freue mich über Grillfunktion und Eco-Modus, vermisse immer noch eine Umluftfunktion, aber bin glücklich, endlich ein passendes Backblech zu haben.
Der Arbeitstag wird vergleichsweise ruhig – zwei Meetings werden auf andere Tage verschoben, dafür kommt ein unverhofftes rein und ich schaue bei einem Townhall zu. Ansonsten verbringe ich den Großteil des Tages damit, Archivdaten von A nach B zu schieben und höre dabei Italo-Pop, weil draußen die Sonne scheint. Mittags mache ich mir den Rest Tortellini in brodo warm. Leider sind die Tortellini über Nacht auf fast doppelte Größe aufgequollen – ich muss nächstes Mal daran denken, Nudeln und Brühe getrennt aufzubewahren. Nach dem Essen gehe ich ins Draußen und besorge Katzensnacks und neue Katzenminze.
Heute kann ich mal etwas früher Feierabend machen, ich liege schon gegen 17:40 Uhr auf dem Sofa und gucke auf TikTok herum, bis mein Abendbrothunger da ist und ich ungefähr weiß, was ich machen will. Ich bastele eine Art Avocadosalat, gewürzt ähnlich wie hier und da ich beim Salz etwas großzügig war, kommt noch klein geschnittene Ananas dazu, was eine sehr gute Idee ist. Dazu gibt es das erste auf dem neuen Herd zubereitete Omelette (leicht verunglückt, das liegt aber eher an der Kombination aus Pfanne und aus Faulheit weggelassenem Fett) mit Mozzarella-Resten vom sonntäglichen Künefe.
Nach dem Essen liege ich noch ein wenig mit Katze auf dem Bauch auf dem Sofa und übe Tschechisch. Dann geht es in die Badewanne und kurz vor 10 liege ich schon im Bett. Morgen gibt es schon wieder einen frühen Wecker und außerdem bin ich müde genug, um beim Lesen schnell einzuschlafen.
Auf den so mobilen Montag folgt ein platter Dienstag. Pacing ist das Zauberwort im Long Covid Game und damit fällt heute auf jeden Fall der Yoga-Termin am Abend aus und auch sonst werde ich bis zum Ende des Tages das Drinnen nur zum Luftschnappen auf dem Balkon verlassen haben. Allgemeine Schlappheit, Bauchschmerzen, latentes Halsweh und immer wieder Kopfschmerzen… Nicht schön.
Abgesehen davon gibt es einen relativ normalen Homeoffice-Tag. Drei reguläre Meetings (1 monatlich, 1 wöchentlich, 1 vierzehntägiges) und ein spontanes, viel administrative Arbeit dazwischen und ein Feierabend mal wieder ein gutes Stück nach 18 Uhr. Zum Frühstück am Schreibtisch gibt es Müsli mit Banane, als Nachmittagssnack am Schreibtisch Apfel mit Erdbussbutter.
Die Mittagspause nutze ich zum Waschmaschine anstellen. Dann mache ich mir Tortellini in brodo – es sind fertige, trockene Tortellini mit Käsefüllung und Gemüsebrühe – und verfeinere mit Olivenöl und schwarzem Pfeffer. Evtl. muss ich mich mal frische machen oder alternativ mal wieder in die Emilia Romagna reisen? Aber schmeckte schon ganz gut.
Nach der Arbeit dann Wäsche aufhängen, Stullen machen, drei Folgen Mad Men gucken und dann ist halb 11 auch schon wieder das Licht aus.
Die Katzen und ich wachen früh und einigermaßen ausgeschlafen auf, finden aber Montagmorgende generell überbewertet, so dass ich nach dem Ablauf aller Morgenroutinen erst 9:15 Uhr am Schreibtisch sitze. Ich erledige gleich am Anfang eine gewichtigere Aufgabe, dann folgt das erste von drei regelmäßigen Montagsmeetings das mehr Arbeit nach sich zieht.
Um 12 breche ich auf zur Physiotherapie und dann bin ich körperlich ganz schön platt, als ich zwei Stunden wieder am Rechner sitze. Vorher habe ich mir noch Stullen geschmiert und Gurke und Apfel aufgeschnitten. Dinge sortieren und abarbeiten, dann gibt es 15:30 Uhr wieder ein regelmäßiges Meeting, dem sich noch ein halbstündiges weiteres ad hoc anschließt. Die Zeit bis zum großen Wochenstart-Teammeeting (eine Stunde ab 17 Uhr) überbrücke ich mit dem Sortieren von Grafiken. Dann ist es schließlich doch schon 18:20 Uhr, als ich den Rechner zuklappe.
Das Meeting hat mich allerdings wieder energetisiert und so ziehe ich mich hast automatisch nochmal wetterfest an und bringe dann erst den Müll runter, bevor ich die verschobenen Einkäufe vom Wochenende nachhole (bis auf die Balkonpflanzen, das mache ich dieses Wochenende in Ruhe, bei Sonnenschein). Auf dem Heimweg sagt das FitBit wie nebenbei, dass das Schrittziel voll ist. Wieder zurück mache ich mir eine Portion vom jamaikanischen Eintopf warm, außerdem mache ich einen simplen Kopfsalat mit Zitronendressing an und knabbere zu beidem die letzten pakistanischen Papri von gestern.
Auf dem Fernseher laufen während ich esse obskure Musikvideos aus vergangenen Zeiten. Dann übersetze ich noch schnell ein paar Phrasen für meine Eltern ins Niederländische, da sie dort diese Woche einen Vortrag (auf Englisch) halten werden. Kurz nach 9 schaffe ich den Absprung vom Sofa. Küche aufräumen, Katzenklo durchsieben, bettfertig machen. Kurz vor 10 liege ich und beschäftige mich noch mit einem alten New York Times Kreuzworträtsel, bis mir wiederholt für längere Zeit die Augen zufallen. Kurz vor 11 lege ich das Handy endgültig weg.
Keine Fotos heute – hat sich irgendwie nicht ergeben.
Bis fast halb 10 ausgeschlafen, juhu! Das Teilzeitkind ist schon vor uns wach, hört aber so leise Hörspiel, dass wir davon nicht aufwachen. So soll es sein! Wir bleiben noch gemütlich im Bett liegen, dann stehen wir alle gegen halb 11 richtig auf und essen Frühstück. Nach dem Tisch abräumen finden wir uns alle auf der Couch ein und schauen die dritte Staffel LOL zu Ende. Danach geht das Teilzeitkind Schuldinge üben, der Liebste liest das Internet leer und ich blogge, während eine Waschmaschine durchläuft.
Nach Schnelltests machen und Wäsche aufhängen fahren wir dann mit S- und U-Bahn zu meinen Eltern nach Mitte, die schon mit Rhabarberkuchen und Quarktorte warten. Spannende Tischgespräche über indigenen Völker, ethnologische Forschungen, frühe Globalisierung, das Testen der 4-Tage-Woche, postsozialistische Wirtschaftskarrieren, Familienhistorisches und Stasiakten. Außerdem spielen meine Mama und das Teilzeitkind zwei Partien Schach, ich installiere meinem Papa Duolingo, so dass er anfangen kann, Polnisch zu lernen und der Liebste probiert nebenbei, ob er mit Duolingo Mandarin lernen möchte (Nein).
Dann ist Aufbruch – der Liebste und das Teilzeitkind fahren zurück nach Berlin und ich nehme U-Bahn und Tram nach Hause, wo der Mitbewohner bereits seit Stunden in der Küche steht und seine Gäste (ehemalige Kolleg*innen aus Russland und Ägypten) gemeinsam mit Nimbin im Wohnzimmer auf dem Fußboden hocken und mein Siedler-Spiel aufbauen (Noosa sitzt unter meinem Bett). Als es Zeit für Iftar ist, beginnen wir mit dem Essen. Es gibt Hähnchencurry, Pakoras mit Tamarindensauce, Bohnensalat, Papri mit Mangopickle, Obstsalat und selbstgemachte Chapatis, später noch Kunafa und Chai.
Beim Essen gesellt sich auch Noosa zu uns und dann sind Nimbin und Noosa in all ihrer Niedlichkeit und Kuscheligkeit plötzlich sehr im Mittelpunkt. Ansonsten drehen sich die Gespräche über indische, pakistanische, russische, deutsche und arabische Küche im Vergleich, „In welcher Kultur in welcher Periode wärst Du am liebsten geboren worden?“, Katzenallergien, Laktoseintoleranz und die Tipps und Tricks beim Umgehen des ägyptischen bzw. russischen Militärdiensts. Beide männlichen Gäste können derzeit nicht in ihre Heimatländer reisen, da sie sonst nicht drumherumkämen, inoffiziell oder offiziell in den Krieg zu müssen. Scheißwelt.
Kurz nach 11 verabschiede ich mich ins Bett. Noosa und Nimbin kuscheln sich an mich, während ich über den Geräuschen beim Siedler spielen nebenan einschlafe.
Ich erwache nach 9 Uhr (nachdem es kurz nach 5 schon einmal Nimbin besnacken und kurz nach 6 schon einmal Noosa bekuscheln gab). Das macht also knappe drei Stunden, bis ich tatsächlich aufstehe. Dazwischen Internet leer lesen, Niederländisch, Tschechisch und Italienisch machen, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren und ein bisschen TikTok. Eigentlich habe ich mir ja heute vorgenommen, den Balkon zu begrünen und schön zu machen, aber nachdem es draußen kalt und regnerisch ist, verschiebe ich das schonmal.
Gegen 12 stehe ich auf, kümmere mich um das Geschirr von gestern, füttere die Katzen und mache Frühstück, das ich heute mal nicht im Bett oder am Schreibtisch, sondern am Wohnzimmertisch esse, um danach leichter hoch- und „ins Tun“ zu kommen. Allerdings fällt mir beim Durchlesen meines Einkaufszettels auf, dass ich nichts davon heute, morgen oder am Montag wirklich brauche, also kann auch das warten. Bleibt nur noch, dass ich am späten Nachmittag nach Südberlin fahren möchte und davor noch aufstehen, Sachen packen und das Katzenklo säubern muss. Bis dahin sind dann aber noch einige Stunden Zeit. Ich bringe meinen Körper also ganz achtsam von einer sitzenden in eine liegende Position, lasse die Katzen auf mir Platz nehmen, und wende mich wieder TikTok zu.
Kurz nach 16 Uhr geht dann der Countdown los, gegen 17 Uhr verlasse ich das Haus und kurz nach 18 Uhr treffe ich den Liebsten und das Teilzeitkind bei unserem Stammitaliener. Wir sind die ersten Gäst*innen und werden mit Handschlag begrüßt. Das Teilzeitkind ist heute überraschend experimentierfreudig und ich bin ja sowieso immer für Abwechslung.
Deshalb gibt es zu Bruschetta und Focaccia auch noch einen Antipasto misto. Statt seiner Standardpizza wünscht es sich eine mit „Schinken, Salami, Pilzen und Artischocken“ und lernt, dass das eine Capricciosa ist. Oliven sind auch drauf, denn eine Pizza ohne Oliven ist ja keine richtige Pizza, findet es. Pilze und Artischocken sind hingegen neu, ebenso wie dass der Büffelmozzarella plötzlich schmeckt. Für mich gibt es Spaghetti mit Calamaretti und Tomatensauce mit ordentlich Peperoncini-Öl drauf, die das Teilzeitkind, das ja eigentlich nix scharfes mag, unbedingt probieren will. „Das schmeckt halt nach Peperoni, aber richtig scharf ist das doch nicht!“ Ich feiere das sehr, macht wirklich Spaß, diesem Kind beim Wachsen zuzusehen!
Dank des frühen Essenstermins (erste Mahlzeit für den Liebsten, zweite für mich und das Teilzeitkinds) haben wir danach Zeit, die erste Hälfte der dritten Staffel LOL zu gucken. Danach bin ich mit Vorlesen dran und lese eine gute Stunde aus Harry Potter 7 vor (inkl. Dobbys Tod!). Dann geht das Teilzeitkind ins Bett und liest sich in den Schlaf, während der Liebste und ich endlich die ersten drei Folgen der neuen und finalen Staffel „Marvelous Mrs Maisel“ gucken können – erst einen ganzen Tag nach Veröffentlichung! Kurz nach 1 sind wir damit durch und gehen schlafen.
Es ist Freitag, juhu! Nach Krankheit und Urlaub kann sich so eine – intensive – 4-Tage-Woche ganz schön lang anfühlen. Zum Glück sind wir in der schönen Zeit im Frühling, die viele lange Wochenenden hat. Jetzt erstmal zwei volle Wochen und dann wieder nur vier Tage – bis dahin aber auf viel Selfcare achten!
Ich bin wieder deutlich vorm Weckerlingeln wach und habe dadurch ausreichend Zeit für die üblichen morgendlichen Dinge – kennt Ihr ja jetzt schon. Beim Tschechisch lernen frage ich mich, warum mir slawische Sprachen so viel schwerer fallen als germanische und romanische. Also klar, sie sind von der Aussprache, Schreibung und Grammatik komplizierter, aber ich habe auch direkt Probleme beim Erkennen von Mustern und dem „fotografischen“ Gedächtnis von Schriftbildern.
Dabei war Sorbisch nach Deutsch die zweite Sprache, die ich gelesen und geschrieben habe. Und ich bin unweit von Polen und Tschechien aufgewachsen. Ob ich da einen unconscious bias der Menschen in meiner Umgebung gegenüber dem Slawischen mit aufgenommen habe? Oder liegt es daran, dass ich Englisch und Französisch in der Schule deutlich strukturierter und systematischer beigebracht bekam, weil ich älter war und schon Grammatik aus dem Deutschunterricht kannte, während Sorbisch ja gleich in der ersten Klasse begann, ohne viel Grammatiktheorie? Sicherlich spielt dann auch eine Rolle, dass ich im Alltag viel mehr Kontakt mit germanischen und romanischen Sprachen habe und sehr viel auch einfach immersiv lerne und mitnehme. Wenn jemand Tipps oder Ideen hat, immer her damit! (Ich jammere aber auf hohem Niveau, meine paar Sorbischbrocken helfen mir tatsächlich schon viel weiter, sowohl bei Vokabeln, als auch bei Aussprache und ein wenig beim Geschlecht).
Zum Frühstück am Schreibtisch gibt es dann Müsli mit Weinbergpfirsichpüree statt Milch und einen Rest Kräutertee von gestern. Denn ich bin schon am späten Vormittag zur „Mittagspause“ unten im Café verabredet und dort ist „meine Bestellung“ der (sehr große) Caffè Latte aus Organic Bohnen ohne Zucker. Meine Verabredung ist der Mann meiner Cousine, der gerade in der Stadt ist, um ein Konzert zu besuchen und dafür bei seiner Mutter übernachtet, die mir gegenüber wohnt. Sie kommt dann später auch noch dazu. Fun Fact: Sie zog etwa ein halbes Jahr nach mir hier in diesen Kiez, damals war meine Cousine erst 16 und kannte ihren späteren Mann noch lange nicht. Allerdings war sie ein paar Mal bei mir zu Besuch. Und als sie dann später zum ersten Mal mit ihrem damals noch nur guten Freund nach Berlin fuhr, stellte sie fest, dass sie die Gegend sehr gut kennt. Ihre jetzige Schwiegermutter und ich können uns von unseren genau gegenüberliegenden, um zwei Stockwerke versetzten, Balkons zuwinken. Noch mehr Fun Fact: Die Schwiegermutter pendelt zwischen Berlin und Leipzig, ihre Leipziger Wohnung liegt in der Straße, in der ein gemeinsamer Cousin von uns lebt.
Direkt nach der frühen Mittagspause kommt die Biokiste an, was sehr gut ist, denn so habe ich direkt noch Material für die Stullen, die ich mir später schnell zwischendurch mache – einen Ziegenfrischkäse mit Honig und Haselnüssen und frischen Bärlauch. Aber erstmal geht es zurück an die Arbeit.
Heute wird vor allem viel Datenmaterial sortiert und organisiert. Erst ab 16 Uhr habe ich zwei einstündige Meetings, was zu einem Feierabend kurz nach 18 Uhr führt. An einem Freitag. Viele meiner Kolleg*innen und Freund*innen sind da schon längst im Wochenende. Immerhin haben wir uns darauf geeinigt, das regelmäßige der beiden Meetings ab nächster Woche vorzuziehen, so dass zumindest in der Theorie ein Feierabend um 16 Uhr für meine französische Kollegin und mich möglich wird – abhängig von anstehenden Aufgaben natürlich. Dazu hatte ich neulich ein Gespräch mit einer Freundin, die zeitlebens nie in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, und ganz entsetzt war, dass mir meine Chefin an einem Freitag noch nach 15 Uhr etwas Dringendes zu erledigen gegeben hatte.
Anyway, ich bin rechtschaffen erledigt von der Woche und begebe mich direkt in die Küche, um den Geschirrspüler aus- und einzuräumen und danach zu kochen. Als ich gerade mit dem Schnippeln anfange, schickt mein Bruder bereits ein Foto von seinem Abendbrot und mein Papa berichtet, dass er auch gerade mit Kochen anfängt. Bei mir gibt es Dinge die wegmüssen (Möhren und gelbe Bete, Koriander), neues aus der Biokiste (Staudensellerie) und Dinge aus dem Vorrat (Kidneybohnen, Kokosmilch, Knoblauch, Ingwer, Gemüsebrühe, Thymian, Piment, Chili, Mangopuolver, Kaffirlimettenblätter). Daraus entsteht ein von der jamaikanischen Küche inspirierter Gemüseeintopf. Zur Untermalung gibt es die passende Musik.
Danach liege ich mit den Katzen auf dem Sofa. Um zu lesen reicht meine Konzentration heute nicht mehr, stattdessen nochmal ein bisschen Duolingo und dann tauche ich wieder tief in den TikTok-Algorithmus ein. Später nehme ich noch ein Orange-Vanille-Schaumbad und höre die neue Folge von „Niemand wird verurteilt“. Im Bett dann wieder TikTok statt Lesen, bis mir kurz nach 1 die Augen zufallen.