Das Übliche zuerst: Gegen 6 aufgewacht, erstmal still vor mich hin das Internet leergelesen und außerdem das nächste Buch angefangen – „Salvation City“ von Sigrid Nunez. Gegen halb 8 dann alle wach, Kaffee und Kakao im Bett. Gegen 9 hinunter zum Frühstücksbuffet, wo ich erstmals nicht allzu vorsichtig esse. Es gibt Rührei mit Pilzen, Weißwurst, Käsebrot mit Gurke, Croissant mit Aprikosenmarmelade, Müsli mit Joghurt und Obst…
Nach dem Frühstück hat der Liebste familiäre Verpflichtungen und fährt zu seinen Eltern, um bei „technischen Dingen“ zu helfen. Das Teilzeitkind und ich gehen an den Pool. Ich kümmere mich zunächst um Sprachlern-Apps und Bloggen, während das Kindelein eine erste Runde durchs Wasser und durch die Sauna dreht. Dann kann ich mich nicht mehr wehren und gehe auch ins Wasser. Ein paar Bahnen schwimmen, ein wenig AquaFitness, sehr lange Zeit einen Flaschenöffner im Pool verstecken, damit das Teilzeitkind ihn tauchend suchen kann. Als mir kalt wird, gehen wir zu zweit in die Sauna. Ich schaffe dort immer noch keine ganze Viertelstunde, mein Organismus ist noch nicht wieder wie vor Covid No. 2.
Dann mummeln wir uns in unsere Bademäntel ein und lesen – das Teilzeitkind weiter in Harry Potter 7, ich in einem vor Monaten angefangenen Sachbuch: Laziness does not exist von Devon Price. Das hatte ich beim letzten Spa-Tag mit dem Liebsten angefangen, irgendwann im Oktober, und dann irgendwie nicht weitergelesen. Es ist so lange her, dass ich direkt wieder am Anfang anfangen muss, aber zumindest auf den ersten 40 Seiten eher zusammenfassend lese.
Der Liebste stößt wieder zu uns und ist das erste von zwei Malen für eine lange Zeit mit dem Teilzeitkind im Pool beschäftigt. Ich lese. Dann gehen wir zu dritt in die Sauna. Dann lese ich weiter. Dann gehen die zwei nochmal in den Pool und wir drei noch einmal in die Sauna und Zack ist es 15 Uhr. Wir gehen nach oben ins Zimmer, duschen und legen uns zur Siesta ins Bett. Dort schauen wir die zweite Staffel LOL zu Ende. Dann ist es auch langsam Zeit, sich für den Abend schick zu machen.
Die Liebstenschwester reist mit Mann und Kind an, seine Eltern stoßen auch dazu und dann essen wir zu acht im Hotelrestaurant und feiern ganz offiziell den Geburtstag des Schwiegerpapas nach. Ich esse Bärlauchsüppchen (Die Saison hatte ich ja bisher verpasst) Lammrücken mit Kräuterkruste an Polenta und Ratatouille (wegen Ostern und weil der Schwiegerpapa zahlt ;)) sowie Herrencreme (regionale Spezialitäten kosten!) und trinke dazu ein Glas Weißburgunder. Dann verabschiedet sich die Ü80-Generation nach Hause, die U10-Generation tobt unbeaufsichtigt durchs Hotel und die Generation GenX/GenY lässt den Abend gemütlich ausklingen.
Als wir ausgetrunken haben, die Kinder einsammeln und ins Bett gehen wollen, merke ich, dass es mir gar nicht gut geht. Die latenten Bauchschmerzen wachsen sich beim Aufstehen zu Kreislaufproblemen und Blässe aus und ich bitte den Liebsten, mich zu stützen. Bis ich etwas später im Bett liege, hatten der Liebste und ich ausreichend Gelegenheit, sich mein wirklich ausgezeichnetes Gründonnerstagsmenü nochmal ganz in Ruhe zu besehen und es aus Teppich, Kleidung und diversen Badezimmerbestandteilen zu waschen. Dann gibt es noch einen Kamillentee zur Beruhigung und eine nicht ganz so entspannte Nacht. Mein Organismus ist wirklich noch nicht auf dem Damm…
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ findet Ihr hier.
Der Morgen beginnt genau wie gestern auch – ich wache kurz nach 6 auf und lese erst einmal still vor mich hin – erst das Internet leer, dann die Buchempfehlung vom nOC zu Ende. Gegen halb 8 wacht der Rest auf und es gibt Kaffee und Kakao im Bett. Ich lese „Auf der Straße heißen wir anders“ aus, während das Teilzeitkind auf meinem Handy spielt und der Liebste sich durch Reddit arbeitet. Gegen 9 gehen wir hinunter zum Frühstücksbuffet.
Danach geht es jedoch nicht an den Pool, denn heute steht ein Ausflug an! Zunächst müssen wir aber noch ins Reisezentrum, um dem Teilzeitkind ein papiernes Zugticket für seine anstehende erste Alleinfahrt zu besorgen und lassen uns dort – nach langer, langer Wartezeit – auch noch zu den verschiedenen Optionen für allein reisende Kinder beraten (Macht das nicht: Buchen kann man sowas dann nämlich nicht vor Ort, sondern nur telefonisch) und das Teilzeitkind darf sich einen Sitzplatz zum Reservieren aussuchen (mit Tisch am Gang, gleich am Anfang des Wagens). Stifte und was zum Ausmalen bekommt es auch noch geschenkt – schon dafür hat es sich gelohnt, nicht am Automaten zu kaufen.
Dann endlich können wir los und fahren eine Stunde über Land in das Heimatstädtchen des Liebsten, wo das Teilzeitkind seine erste (und ich meine zweite) Führung zu seinen frühen Wirkungsstätten bekommt. Wir besichtigen (von außen) die beiden Häuser, in denen er aufgewachsen ist, sehen aus der Ferne seine ersten beiden WGs, erkunden seine Grundschule, das Gymnasium, den Jugendtreff und den Spielplatz, auf dem er als Jugendlicher mit seinen Freund*innen abhing. Er zeigt uns, wo er damals ins Eis eingebrochen ist, wo er in den Fluss gefallen ist, wie er früher über den Magnolienbaum vom Fenster aus auf die Straße geklettert ist, wo er gelernt hat, nicht mit Faschisten zu diskutieren und wo er und seine Klassenkamerad*innen sich künstlerisch auf dem Schulhof verewigt haben.
Irgendwann hängen die beiden weit über mir in einem Kletternetz. Und dann gibt es Waffeln und Eis und spätestens da hat sich der Auflug auch für das Teilzeitkind gelohnt. Über dem ganzen Spazieren haben sich an die 11.000 Schritte angesammelt, so dass ich dann rechtschaffen kaputt bin, als wir wieder im Auto sitzen. Wir fahren zurück zu den Liebsteneltern. Dort setze ich mich erstmal wieder auf den Balkon in die Sonne. Dann gibt es Abendessen, das heute ausnahmsweise mal die Schwiegermama gekocht hat – es gibt einen Gemüseeintopf mit Bohnen und Würstchen und als Aperitivo davor einen Campari Orange.
Nach dem Essen sichten wir alte Super-8-Filme, die zum Digitalisieren gegeben werden sollen und ich sehe den Liebsten in Klein, Bewegtbild und Farbe an Stränden in Griechenland, Portugal und Kalifornien. Von mir gibt es in diesem Alter Schwarzweißfotos und Farbdias, dabei ist er sieben Jahre älter als ich…
Später im Hotel schauen wir dann die ersten drei Folgen der zweiten Staffel LOL und dann sind kurz nach 10 alle außer mir bereits eingeschlafen.
Der Dienstag ähnelt zunächst dem Montag sehr: Kurz nach 6 bin ich wach und lese (um den Kreislauf in Schwung zu bringen?) in dem Buch das uns unser nOC gestern empfohlen hat, um seine Führungsphilosophie zu verstehen: „Amp it up“ von Frank Slootman. Spannend, ohne Frage, und ich kann mir gut vorstellen, dass das unktioniert und habe nebenbei direkt wieder ein bisschen Motivation, mich nach dem Urlaub wieder mit voller Kraft in die Arbeit zu werfen. Andererseits lese ich ja auch aus guten Gründen im Moment so viel über dolce far niente, Anti-Girlbosse und dass Laziness does not exist. Ich muss schauen, wie ich beide Ansätze sinnvoll miteinander vereinen kann. Vielleicht täglich zweimal vier Stunden den totalen Excellency Grind und den Rest des Tages konsequent chüllen mit ü, wie der Liebste so gerne sagt? Mal sehen…
Apropos Liebster, die anderen beiden erwachen so kurz vor 8 und dann gibt es wieder Tee und Kakao im Bett, bevor wir gegen 9 zum Frühstücksbuffet gehen. Danach geht es für ein paar Stunden wieder an den Pool, wo ich aber die meiste Zeit mit Lesen (hier wieder Belletristik, Laura Cwiertnias „Auf der Straße heißen wir anders“) verbringe. Nach einigen Stunden traue ich mich auch in den Pool – ein paar Bahnen schwimmen, ein paar AquaFitness-Übungen. Danach in die Sauna (kurz), kalt duschen, hinlegen, bis sich der Puls normalisiert hat und dann wieder hoch aufs Zimmer.
Ich ruhe und halte ein Schläfchen, bis die anderen auch genug haben. Dann gönnen wir uns gemeinsam eine weitere Folge LOL, bevor wir uns für die Familie hübsch machen. Der Schwiegerpapa holt uns ab und wir fahren gemeinsam zu Onkel und Tante des Liebsten, wo es Kaffee, Kuchen und Marzipan gibt. Dann geht es weiter zu den Liebsteneltern. Jetzt bin ich richtig platt und lege mich erstmal auf die Couch, während die anderen Quartett spielen. Zum Abendbrot gibt es Pasta mit Hackfleisch-Pilz-Sauce und nebenbei verfolgen wir mit Freude die Verhaftung Donald Trumps.
Pünktlich zur Tagesschau sind wir zurück im Hotel und danach schauen wir auf besonderen Wunsch des Teilzeitkinds die erste Staffel LOL zu Ende, bevor heute das Licht vergleichsweise früh ausgeht.
Ab heute bin ich weder krankgeschrieben noch ist Wochenende – ich habe jetzt ganz einfach Urlaub. Evtl. wäre es auch schlau gewesen, sich noch weiterhin krank schreiben zu lassen und die Urlaubstage für später aufzuheben, aber erstens möchte ich dem Team nicht noch mehr Abwesenheit zumuten und zweitens kann ich glaube ich alles machen, was für diesen Urlaub geplant war – viel ausruhen, ein bisschen Bewegung im Pool, Saunagänge, kurze Ausflüge und Spaziergänge, Zeit mit Familie und gutes Essen. Und wenn ich zurück bin, liegt immer noch der Großteil des langen Osterwochenendes vor mir, bevor es zurück an die Arbeit geht. Das sollte OK gehen.
Nachdem ich als letzte eingeschlafen war, erwache ich auch wieder als erste (vor 7 Uhr) – zu dritt im Zimmer ist halt immer irgendwo Bewegung oder ein Geräusch und auch mein Bauch ist innerlich in Aktion – immer noch. Ich lese still und gemütlich. Als die anderen wach werden, bereitet der Liebste Kaffee und Kakao vor, den wir noch entspannt im Bett trinken. Das Teilzeitkind darf auf meinem Handy spielen, während wir lesen. Gegen 9 gehen wir hinunter zum Frühstücksbuffet, wo ich eher behutsam nach verdauungstechnischen Aspekten auswähle, als mir aus Prinzip mit Dingen den Bauch vollzuschlagen, die man sonst selten bekommt.
Nach dem Frühstück lege ich mich noch einmal hin, während die anderen schon an den Pool gehen. Ich mache meine Sprachlernsachen und blogge, dann ziehe auch ich meine Badesachen an. Wir haben jetzt am Vormittag den ganzen Wellnessbereich für uns. Der Liebste muss kurz weg, um für seine Eltern einkaufen zu fahren. Das Teilzeitkind liest ein wenig und ich ziehe langsam und vorsichtig ein paar Bahnen im Pool, mache ein paar AquaFitness-Übungen und gehe dann so nach 15-20 Minuten erst einmal in die Sauna. Auch dort halte ich mich zurück und bin nach nicht einmal zehn Minuten wieder draußen. Bloß nicht übertreiben, an Tag 14 nach dem positiven Test. Lieber Pacing als Überanstrengen, das habe ich in einem Jahr Long Covid gelernt.
Wieder draußen liege ich wieder gemütlich und lese Sophie Minchillis „The Sweetness of Doing Nothing. Live Life The Italian Way With Dolce Far Niente.“ Man muss sich ja weiterbilden, schließlich. Dann wird dem Teilzeitkind zu langweilig beim Selberlesen und ich lese also ein gutes Kapitel Harry Potter vor. Dann kommt der Liebste zurück und macht wieder Quatsch im Pool mit dem Kind und ich darf weiterlesen. Als die beiden ganz durchgefroren sind, gehen wir zu dritt nochmal kurz in die Sauna und dann wieder hoch aufs Zimmer.
Während die beiden chillen, wähle ich mich – nur für diese eine Stunde, versprochen! – in ein All Hands auf Arbeit ein, bei dem sich unser „nOC“ (Gruß an Novemberregen!) vorstellt und seine Strategie und Vision erklärt. Pünktlich nach einer Stunde kommt das Arbeitshandy wieder weg und wir fahren hinüber zu den de facto Schwiegereltern. Zunächst üben der Schwiegervater und ich uns im Dolce far Niente auf dem sonnigen Balkon, während der Liebste mit Hilfe von YouTube daran arbeitet, ein altes Super 8 Gerät zum Laufen zu kriegen und das Teilzeitkind mit seiner Oma versucht, den neuen Worttiger zu lösen. Dann gibt es Kaffee und Kekse.
Während der Schwiegerpapa sich danach in die Küche stellt um Eierkuchen Pfannekuchen zuzubereiten und das Teilzeitkind über Übungsaufgaben für den anstehenden Vera-Test brütet, gehen der Liebste, seine Mama und ich noch eine Runde nach draußen und an den See. Die Sonne ist herrlich, aber es pfeift ein kalter Wind. Der Bewegungsapparat der Schwiegermama verlangt, sehr schnell zu gehen und dann zwischendurch Pausen zu machen, meiner verlangt, lieber langsam und in konstanter Geschwindigkeit zu gehen. Das erschwert die Gespräche und der Liebste muss immer ein bisschen hin und her, aber irgendwie kriegen wir es hin. Als wir nach einer knappen Stunde zurück sind, reicht es dann aber auch mit Bewegung für mich.
Es gibt für jeden zwei Pfannekuchen – ich esse einen mit Spinat und einen mit Apfelkompott, Zimt und Zucker. Danach sitzen wir noch ein wenig beieinander, bevor wir drei uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel machen, wo wir für einen weiteren Abendsnack einen Tisch in der Braustube reserviert haben. Für mich gibt es hier – wieder richtig foodiemäßig – regionale Spezialitäten: Ein Zwickelbier und gebratene Blutwurst mit Apfelchutney und Kartoffelbrot. Als ich mich nonchalant nach dem Tagesdessert erkundige, bekomme ich „Zweierlei von der Mango“ als Antwort und dann gibt es das eben auch noch, was soll ich machen?
Beim Essen versuchen das Teilzeitkind und der Liebste, sich gegenseitig zum Lachen zu bringen, wobei nur einer wirklich Erfolg hat. Irgendwie kommen wir dann darauf, dass es durchaus Momente gibt, in denen der Liebste zu Lachanfällen neigt und dass das zum Beispiel regelmäßig passiert, wenn wir LOL gucken. Das Teilzeitkind hat davon gehört, es aber noch nie gesehen. Da Urlaub ist, beschließen wir, dass wir das ändern müssen. Zurück auf dem Zimmer dauert es eine Weile und viele verschiedene technische Konstellationen, bis es uns gelingt, auf dem Hotelfernseher Amazon Prime zu schauen. Wir gucken die beiden ersten Folgen der ersten Staffel LOL und lachen uns kringelig.
Nur mit dem Versprechen, dass es morgen Abend weitergeht, dürfen wir dann sehr sehr spät den Fernseher ausmachen. Wenige Minuten später wird rechts und links von mir geschlafen, ich brauche aber heute auch nicht mehr so lange…
Heute klingelt der Wecker früh, aber ich bin noch früher wach – geweckt vor allem von den mich aktuell immer noch fast dauerhaft begleiteten Bauchgrummeleien und -schmerzen. Wir verbringen einen verkürzten Morgen im Bett mit Milchkaffee und Internet, dann heißt es aufstehen, fertig packen, Covid-Tests machen und auf zum Bahnhof. Dort angekommen, besorgen wir uns Frühstück – Brezeln für den Liebsten und Donuts für das Teilzeitkind und mich – und setzen uns in den Zug, der uns tief in den Westen Deutschlands bringt.
Wir verbringen die Fahrt hauptsächlich mit Lesen (alle), Sprachlern-Apps (ich), Handyspielen und Häkeln (beides Teilzeitkind). Unter anderem lese ich im neusten Buch vom Liebstenpapa (aka dem de facto (nicht: de jure) Schwiegervater und der Liebste liest im neusten Buch meiner Eltern. Fotos gehen um die Welt. Als dann auch noch das Teilzeitkind die ersten Seiten von „Opas neuem Buch“ liest, ist das Familienidyll perfekt. Dann ist es ihm aber zu viel Historie und Jahreszahlen und es klettert lieber unter dem Tisch durch auf meinen Schoß um zu kuscheln.
Dort, wo Züge sonst geteilt werden, steigen wir um und dann sind wir auch schon bald da und werden vom Schwiegerpapa abgeholt. Das Teilzeitkind nimmt von nun an den Nachmittag über seine Oma in Beschlag, während der Liebste und ich schon einmal im Hotel einchecken. Ich lege mich „nur kurz“ hin und beschließe dann, liegen zu bleiben, während der Liebste eine erste Runde durch Pool und Sauna dreht. Ich schlafe über eine Stunde tief und fest. Kurz danach wird es Zeit, wieder aufzustehen und zu den anderen zu stoßen. Der Schwiegerpapa hat für unseren Urlaubseinstand Rouladen mit Bandnudeln gekocht. Dazu gibt es Salat und für einige von uns ein Glas von dem spanischen Rotwein, den die Schwiegermama kürzlich anlässlich eines Vortrags geschenkt bekam.
Nach dem Essen sind alle bis auf das Teilzeitkind rechtschaffen müde. Also geht es schnell zurück ins Hotel, wo nochmal ordentlich im Pool geplanscht wird, während ich wieder im Bett liege und lese. Als wir dann alle bettfertig sind, bin ich dran mit Harry Potter vorlesen (wir befinden uns bereits im siebten Band und das Teilzeitkind liest zwischen den Vorleserunden eigenständig weiter). Nach gut anderthalb Kapiteln ist Selbstlesezeit für alle und nach und nach schlafen alle ein – ich als letzte, kurz nach Mitternacht.
Die erste Tageshälfte passt zu denen der letzten 10 Tage und ist blogtechnisch weniger spektakulär. Für die zweite Tageshälfte gibt es jedoch Pläne, die erfordern, dass ich um 13 Uhr aufstehe und mich ausgehfein mache. Ich nehme Wäsche ab und lege sie zusammen, räume um mein Bett herum auf und mache mein Bett. Dann entleere ich das Katzenklo, das in den letzten Wochen wirklich Heavy Duty verrichtet hat, säubere es, trockne es und fülle es mit frischem Streu. Jetzt noch Klamotten für sechs Tage zusammensuchen und im Koffer verstauen und dann wäre ich eigentlich bereit, mich wieder hinzulegen.
Stattdessen laufe ich zum Krankenhaus, verbringe ein Stündchen mit dem Bruder, der gemeinerweise schon wieder dort ist, und laufe dann wieder zurück nach Hause. Jetzt wäre ich eigentlich wieder bereit, mich hinzulegen. Stattdessen trinke ich nur noch fix meine Kanne Tee leer, füttere die Katzen, fülle Wassernäpfe auf, gieße Katzengras und dann rollkoffere ich mit Hilfe zweier S-Bahnen nach Südberlin zu Liebstem und Teilzeitkind, die mich bereits ungeduldig mit Burgern und Pommes und Harry Potter Teil 5 auf der Couch empfangen. Jetzt darf ich endlich wieder liegen.
Ich bin ganz stolz, dass ich es schaffe, auch nach dem Essen den ganzen Film über nicht auf mein Handy zu schauen, obwohl es mehrfach vibriert. Allerdings fallen mir Richtung Filmende die Augen zu und ich verpasse den Bosskampf Dumbledore/Voldemort komplett. Nachdem das Teilzeitkind im Bett ist, halte ich es noch ein Weilchen auf der Couch aus, aber relativ schnell streiche ich die Segel und falle in die Federn. Morgen früh geht gleich morgens wieder raus!
Grade schrieb ich noch vom vielen und tiefen Schlafen, da werde ich heute morgen aus dem Tiefschlaf wach geklingelt. Die ganze Woche hatte ich daran gedacht, dass heute morgen ein Handwerker kommt, um eine gesprungene Fensterscheibe auszutauschen, nur gestern Abend habe ich es vergessen und mir keinen Wecker gestellt. Das Klingeln reißt mich auch nur sehr zaghaft aus meinen Träumen, die Katzen und der Mitbewohner ignorieren es völlig. Mein Unterbewusstsein weiß aber Bescheid und so stehe ich eine Minute später im Schlafanzug an der Wohnungstür. Drei Minuten später begleite ich den Handwerker samt Fenster hinunter in den Keller und nochmal vier Minuten später liege ich wieder im Bett. Jetzt heißt es wach bleiben, bis er wieder klingelt, um das reparierte Fenster wieder einzuhängen.
Ich lese mich durchs Internet, kümmere mich um Duolingo und Babbel, versinke im TikTok-Algorithmus… Und dann ist es auch schon knapp anderthalb Stunden später. Der Handwerker hängt das Fenster wieder ein und ermahnt mich, es die nächsten fünf Wochen nicht zu putzen, bis der Kitt getrocknet ist. Kein Problem. Kurz nachdem der Handwerker weg ist, ruft der Liebste zum Morgenanruf an – es ist halb 9.
Den Rest des Tages verbringe ich weitestgehend im Bett. Zwischendurch mache ich mir Essen (Kokosporridge mit Ananas zum Frühstück, Avocado-Käse-Sandwiches zum Mittag, gebackene Topinambur, Kartoffeln und Gelbe Bete zum Abendbrot), hänge Wäsche auf, trinke nach Sonnenuntergang noch einen Tee mit dem Mitbewohner (für die kommende Nacht keine gute Idee!) und lege mich nochmal ausführlich in die Badewanne.
Ich lese weiter in Michelle Obamas „The Light We Carry“, in der Hoffnung, es vor dem Urlaub ausgelesen zu haben, aber so ganz versinken kann ich nicht. Irgendwann fallen mir die Augen zu und ich mache einen tiefen Mittagsschlaf. Außerdem bastle ich mir eine Meeresplaylist auf Spotify als Hintergrundmusik, lese ein paar E-Mails, chatte (privat) mit ein paar Kolleg*innen und telefoniere immer mal wieder mit dem Liebsten. Nach dem Baden reicht die Konzentration dann auch nicht mehr fürs Buch, stattdessen hänge ich bis weit nach Mitternacht auf TikTok rum.
Der Tag beginnt mit einer Nachricht des Liebsten zu Disneys Coup gegen DeSantis und irgendwann später kommt die Nacht, dass Trump angeklagt wird. Das war es dann aber auch mit guten Dingen. Es ist jetzt Tag 11 nach dem positiven Covid-Test, der 6. Tag, seitdem der Schnelltest wieder negativ blieb. An klar auszumachenden Symptomen ist noch ein etwas erratisch arbeitendes Verdauungssystem übrig und ich bin noch etwas heiser. Zwischendurch vergesse ich daher auch gerne mal, dass ich krank bin und tanze beim Zähneputzen durchs Badezimmer.
Und dann kommen die deutlichen Erinnerungen – wenn ich zum Beispiel plötzlich über 8 Stunden pro Nacht tief und fest schlafe (das ist zwar nicht doof, aber ungewöhnlich), wenn ich beim Nachmittagsnickerchen so tief einschlafe, dass ich beim Aufwachen leicht desorientiert bin, wenn ich beim draußen Herumlaufen plötzlich wieder mit steifen, kribbelnden Beinen auf um die Hälfte gedrosselter Geschwindigkeit laufe oder nach dem Treppensteigen völlig aus der Puste bin. Noch hoffe ich, dass das halt am gerade erst abklingenden Infekt liegt und ich mich in ein-zwei Wochen wieder auf dem „Fitness“-Level befinde, auf dass ich mich in den letzten Monaten mühsam heraufgearbeitet hatte.
Aber als ich um ein Rezept abzuholen eine längere Strecke gehen muss und mich dabei genauso eingeschränkt fühle wie kurz nach der ersten Covid-Runde vor einem Jahr, kommen mir Zweifel. Kann ich meine ehrgeizigen Pläne mit Festival- und Konzertbesuchen im Frühsommer weiter durchziehen? Oder bin ich jetzt um Wochen und Monate zurückgeworfen? Und war es das wert, am St. Patrick‘s Day zum ersten Mal seit drei Jahren unbeschwert unter vielen Menschen zu singen, zu tanzen und zu feiern?
Und ist es nicht verdammt unfair, dass es mich direkt wieder erwischt, sobald ich ein wenig die Deckung fallen lasse? Wo doch um mich herum fast alle schon seit Monaten wieder ein Leben wie vor der Pandemie führen und wenn sie sich anstecken meist nach einer Woche wieder fit wie ein Turnschuh durch die Gegend hopsen? Und wie wäre es mir ergangen, wenn ich nicht vor der ersten Infektion vierfach, vor der zweiten Infektion fünffach geimpft gewesen wäre? Und warum ich? Ich habe doch gar keine offenkundigen Risikofaktoren, außer zweier chronischer Erkrankungen, die nichts mit dem Herzen oder der Lunge zu tun haben und mich sonst im Alltag nicht allzu sehr einschränken? Das nervt unglaublich, und die Vorstellung, dass das jetzt noch Jahre so weitergeht und es mir vielleicht nach jedem Mal wieder etwas (oder irgendwann viel?) schlechter geht, die ist beängstigend.
Nach dem Ausflug ist auf jeden Fall erstmal wieder Schonung angesagt – ich gehe nur noch zweimal an die Tür. Einmal, als die Freundin meines Bruders kommt, um seinen Ersatzschlüssel zu holen, weil er spontan wieder ins Krankenhaus musste (noch so ein Mist) und einmal, als der Lieferando-Mann mit Misosuppe und Sushi klingelt. Es gibt Tage, da muss das.
Heute bin ich eine viel bessere Kranke als gestern. Ich gucke zwar ab und zu nach, was in meine Arbeits-Inbox flattert, aber die einzige E-Mail, die ich lese, ist die Abschiedsmail einer lieben Kollegin. Ansonsten konzentriere ich mich heute ganz aufs Schonen und Genesen.
Passend dazu hat Netflix mit Wellmania eine neue australische Serie am Start, in der eine Food-Journalistin aus gesundheitlichen Gründen gezwungen wird, kürzer zu treten und sich um ihr Wohlergehen zu kümmern. Ich bingewatche das quasi aus pädagogischen Gründen, auch wenn es weder wahnsinnig gut gemacht oder lustig ist. Seichte Unterhaltung ist ja nicht falsch, wenn man krank ist. Immerhin inspiriert es mich, jetzt wirklich tief durchzuatmen und erstmal gesund zu werden.
Zu diesem Behufe (und um Lebensmittel zu verwerten, die sonst schlecht würden), mache ich mir einen Mixer voll Smoothie aus dem Saft der restlichen acht Orangen – mit TK-Beerenmix, Joghurt und Ingwer-Curcuma-Shot, den ich über den Tag verteilt leertrinke. Abends koche ich sogar etwas aufwendiger, der Radicchio und die Bergamotte wandern in eine Pasta mit Rosinen und Anchovis.
Abends gucke ich, was TikTok zum Thema Nova Scotia zu bieten hat und versuche, meinen Algorithmus entsprechend zu trainieren. Erste Ideen für mögliche Ausflugsziele und besonders lustige Videos leite ich direkt an den Liebsten weiter.
Der Tag beginnt wie alle Tage gemütlich im Bett, ab jetzt ohne Schnelltest und Fiebermessen. Ich bin abgeschlagen und matt von der vielen Bewegung gestern und mein Bauch ist immer noch nicht wieder im Normalbetrieb, aber insgesamt geht es mir ganz gut und ich freue mich auf einen entspannten Schontag im Bett.
Da auf Arbeit ja immer noch eine sehr spannende Woche ist, kann ich mir einen Blick auf das Diensthandy allerdings nicht verkneifen. Die Abschlussmail zu dem Förderungsprogramm, an dem ich das letzte Jahr über teilgenommen habe, ist da. Sie enthält eine Aufzeichnung der letzten Session, die letzte Woche stattfand, als ich noch „richtig“ krank war und keinen Gedanken für irgendwas abseits davon übrig hatte. Und sie enthält das Zertifikat mit einigen Formulierungsvorschlägen zu LinkedIn-Posts und der Bitte, doch diese Woche darüber zu posten.
Was weg ist, ist weg, denke ich mir. Außerdem ist es sinnvoll, zu den ersten zu gehören, die posten – nächste Woche habe ich Urlaub und in der Woche darauf geht es dann wahrscheinlich im Algorithmus unter, wenn alle anderen schon gepostet haben. Also bastele ich aus den Formulierungsvorschlägen einen Text zusammen, füge noch einiges hinzu, tagge alle Beteiligten und poste. Dann lese ich die Abschiedsmail noch einmal, die mir meine aktuelle Chefin gestern spät abends noch geschrieben hat, und beantworte sie. Und weil ich dann den Laptop schon auf habe, gucke ich noch schnell nach etwas, das meine neue Chefin gestern im Teammeeting erwähnt habe, füge etwas in ein Doc ein, stimme mich kurz mit einer Kollegin ab… Huch, arbeite ich etwa?
Dann schaue ich mir „nur noch kurz“ die Abschlusssession von letzter Woche an, das ist ja quasi Privatvergnügen. Währenddessen schreibe ich mit zwei der Beteiligten, immerhin über private Dinge. Die eine ist gerade nach Madrid gezogen, die andere verbringt die nächsten Wochen im Familiendomizil am Mittelmeer und ich bekomme Reiselust.
Genau in dem Moment ruft der Liebste an. Wir hatten verabredet, heute zu entscheiden, ob wir diesen Sommer wieder nach Kanada fliegen können, trotz des um mehr als 20 % gestiegenen Preises für Flug und Mietwagen. Unabhängig voneinander sind wir beide zu dem Schluss gekommen, dass wir es machen wollen und dann sind wir beide sehr froh und ich drücke auf den „Jetzt buchen“-Knopf. Voller Vorfreude bastele ich eine Insta-Story dazu, untermalt von dem Song, den wir letzten Sommer immer gehört haben hören mussten, sobald der Liebste den Motor angelassen hat: Long Hair Queer von den Vandals.
Dann knurrt mein Magen und ich mache mir ein schnelles, schonköstliches Mittagessen – Gemüsebrühe mit TK-Erbsen, Möhren, Suppennudeln, Eierstich und koreanischer. Chilipaste. Nach dem Essen werde ich müde, aber Noosa schnarcht neben mir so laut, dass ich nicht einschlafen kann. Außerdem ist es gleich 15 Uhr und da wollte ich ja kurz in ein Meeting mit einigen Teamkolleg*innen und einem ehemaligen Kollegen reinschauen. Die müssen bis Donnerstag Abend CST ein umfangreiches Projekt abschließen und eigentlich war ich eingeplant, um bei Bedarf auszuhelfen. Als ich bei dem Meeting auftauche, schimpfen sie aber alle mit mir und sagen, ich solle mich gefälligst auskurieren. So kläre ich nur schnell ein für mich wichtiges Thema an dem Projekt und höre dann nur noch zu, als sie durchgehen, was noch zu tun ist. Schon davon bekomme ich Kopfschmerzen. Am Ende des Meetings sage ich nochmal, dass sie mich im Notfall dazuholen können, aber sie drohen mir mit „I can already hear the German HR sirens ringing, sign off, Susi!“ und dann gebe ich endlich nach.
Ich schimpfe mit mir selbst, kann aber immer noch nicht ganz abschalten und verfolge weiter den Teamchat und lese eine E-Mail. Dann klappe ich den Laptop mit Wucht zu. Jetzt habe ich noch eine gute Stunde Zeit, bis der Liebste und das Teilzeitkind auf Krankenbesuch vorbeikommen. Ich dusche mich und ziehe mich an, dann döse ich auf dem Bett, bis es klingelt. Das Teilzeitkind musste mit zwei Kugeln Eis bestochen werden, damit es seinen freien Nachmittag opfert, um für eine Stunde Krankenbesuch zwei Stunden Bahn zu fahren. Es schaut sich in der Wohnung um und entdeckt mit Adleraugen eine bereits offene Chipspackung, die ich irgendwann letzte Woche aufgemacht hatte, bevor die Bauchproblematik begann. Ja, es darf sich ein paar Chips nehmen. Jetzt ist es versöhnt.
Der Liebste widmet sich heldenmutig dem Katzenklo und saugt danach die Wohnung, während das Teilzeitkind und ich mich um mein Bett kümmern. Es zieht das Laken ab und hilft mir, die Heizdecke zurück in die Verpackung zu friemeln. Dann ist es schon wieder in der Wohnung unterwegs, während ich die Kissen und Bettdecke von den Bezügen befreie und neue Bettwäsche hole. Großmütig hilft es mir dabei, die Kissen zu beziehen und freut sich, als dabei Federn fliegen. Um die Decke kümmere ich mich selbst und dann sind wir fertig, setzen uns auf die Couch und sprechen über den Urlaub.
Das Teilzeitkind will unbedingt wieder in das Bed & Breakfast mit dem rosa Duschvorhang, wo es Muffins zum Frühstück gab. Und da wir diesmal nicht in dem Hotel mit Pool übernachten werden, müssen wir irgendwo einen anderen Pool auftreiben. Wir schauen uns die Fotos vom letzten Jahr an. Bei jedem Foto von sich bewertet das Teilzeitkind erst einmal, ob es darauf gut oder blöd aussieht und wie die Frisur war. Puh. Dann gibt es aber auch diverse Fotos, wo es sagt, dass es da wieder hin will. Unter anderem in das Freiluftmuseum, wo es einen geschmiedeten Nagel geschenkt bekam, mit seinem Alter drauf. „Diesen Sommer bin ich ja dann schon zehn, da brauche ich doch einen neuen Nagel!“ Und wir müssen wieder die Freunde meiner Eltern besuchen, weil man da so toll im Gazebo auf dem See schlafen kann. „Aber diesmal müssen sie mich beim Kochen helfen lassen, da war ich so traurig letztes Jahr!“ (Es gab Lobster und das Kind wurde aus ihm unbegreiflichen Gründen aus der Küche fern gehalten.)
Dann ist es schon wieder Zeit für den Aufbruch. Ich bringe meinen Krankenbesuch noch zur S-Bahn und habe dabei die ganze Zeit eine Kinderhand in der Hand. Am besten wäre es, wenn ich jetzt einfach direkt mitkäme und nicht erst am Wochenende! Hmm, ja. Nee. Ich will zurück ins Bett. An der Bahn treffen wir zufällig den Lieblingsnachbarn, der gerade aus dem Büro kommt und meine Begleitung auf dem Rückweg übernehmen kann. Praktisch!
Wieder zuhause lege ich mich erschöpft zurück ins Bett und verbringe den Rest des Abends mit TikTok, nur unterbrochen von Suppe warmmachen und Essen, Zähneputzen und einer klitzekleinen Antwort auf eine Rückfrage meiner neuen Chefin, die auf das reagierte, was ich morgens ins Doc eingetragen hatte. Morgen muss und werde ich eine bessere Kranke sein! Achja, der Liebste postet den Vandals-Song in seinem WhatsApp-Status, mit dem Hinweis auf die Urlaubsbuchung. Ich weise ihn auf meine Insta-Story hin. Er attestiert mir präemptives Stockholm-Syndrom und erzählt, dass das Teilzeitkind genervt gefragt hatte, ob wir in Kanada wieder die ganze Zeit diese Hoppe Hoppe Reiter Musik hören werden müssen. Ja, das werden wir wohl…