Tagebuch-5 im Februar

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

Gegen 6:20 erwache ich in einem Zimmer des Irie Rest Guesthouses in Treasure Beach an der jamaikanischen Südküste. Ich habe etwa 9 Stunden geschlafen – in den Tropen geht man früh ins Bett. Draußen geht die Sonne auf, im Zimmer ist es weitestgehend dunkel und der Mann schläft noch. Ich liege also im Dunkeln unter meinem Laken und lausche den Geräuschen draußen. Man hört vor allem Grillen und diverse Vögel (gestern war auch ein jaulender Hund dabei), außerdem ein Grundrauschen aus Wind und Meer. Bis zum Wasser sind es keine 200 m Luftlinie. 

Entweder ist der Router für das WLAN noch nicht an, oder das Signal reicht nicht bis hierher ans Bett. Trotz recht gutem 3G-Empfang bekomme ich mit dem iPhone auch wieder keine Verbindung zustande – aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen funktioniert es manchmal nicht und dann plötzlich wieder doch. Zum Buch lesen ist es noch zu dunkel, ich beschäftige mich also mit dem Telefon, sortiere und bearbeite Fotos und mache mir Notizen.
Ein nächster Versuch bringt die Verbindung und ich starte auf meine morgendliche Runde durch die Blogs und sozialen Netzwerke, während die ersten Geräusche aus der Küche an mein Ohr dringen. Um 7:00 sind es draußen 23 Grad, 31 sollen es noch werden. Eine Stunde nach dem Aufwachen ist es dann auch im Zimmer hell und mir wird langsam warm. Im Halbschlaf macht der Mann die Jalousien zu. Zack, wieder dunkel! Ich verschwinde im Bad und begucke mir meinen gestrigen Sonnenbrand.
Es sieht weniger schlimm aus als gedacht, aber besonders Ohren und Beine sind schon sehr rot. Ich trage Sonnencreme auf und ziehe mich an – passend dazu in Rot- und Lilatönen. Dann begebe ich mich nach Draußen in die Hängematte und harre der Dinge, die da kommen. Der Mann kommt kurze Zeit später dazu und auch unsere anderen Mitreisenden lassen nicht lange auf sich warten. Sachsen-Anhalt, das Land der Frühaufsteher… 
Bis alle soweit sind in den Tag zu starten, schaukeln der Mann und ich in den Hängematten. Sie sind so angebracht, dass sie sich gegenseitig in Schwingung versetzen, was durchaus lustige Momente mit sich bringt. Nebenbei beantworte ich eine Doodle-Anfrage meines Teams zuhause für unser nächstes Team-Event. Wenigstens gibt’s hier draußen ab und an WLAN.
Einer der Locals (es ist etwas unübersichtlich, wer zur Familie des Guesthouse-Betreibers gehört, wer angestellt ist und wer einfach nur als Nachbar hier rumhängt) läuft an uns vorbei, kurze Zeit später liegt süßer Ganja-Duft in der Luft. Wir beobachten das bei ihm schon seit wir angekommen sind. Er muss auch heut morgen vor unserem Fenster langgelaufen sein. 
Ich versuche, möglichst viele aussagekräftige Fotos von unserer Unterkunft zu machen, ohne dabei die Hängematte zu verlassen. Auf dieser Reise habe ich den Job der Fotografin inne. Die Planung war diesmal nicht drin, da ich ja erst kurz vor knapp erfahren habe, dass ich mitfliege. Das Treibenlassen ist auch mal eine schöne Erfahrung, obwohl ich mir natürlich trotzdem noch schnell einen Lonely Planet gekauft habe, sicher ist sicher.

Der wunderschöne sand-orange getigerte Jungkater Ginger kommt uns Gesellschaft leisten. Ein Wunder, dass der Hund Blacky, Adoptivtochter Lucky (4) und Enkelin Jada (2) noch nicht hier aufgetaucht sind, aber Lucky ist wohl im Kindergarten, der Likkle Fish School. Während ich den Satz schreibe, rückt Blacky an. Der Mann streichelt synchron. Dann bekommt Blacky von Ginger eine gelangt und jault panisch auf. Ginger läuft weg, Blacky legt sich zwischen uns auf den Boden.

Als sich alle eingefunden haben, begeben wir uns zum Frühstück mit Blue Mountain Coffee und frischer Ananas. Dazu bekommt jeder, was er am Vorabend bestellt hat: Callalou mit Dumplings, Ackee mit Saltfish, Pancakes mit Rührei, Eier mit Toast…  Blacky liegt derweil unter dem Tisch und versucht ab und zu reihum, ob sie wer streichelt. Irgendwann tobt auch Jada wieder um uns herum.


Nach dem Frühstück machen wir uns strandfertig. Das karibische Meer ist hier relativ wild und wellenreich, mit gefährlichen Strömungen. Daher geht man am besten nur bis zum Bauch hinein und hockt sich da hin und spielt Badewanne – eine Badewanne, in der man immerzu hin und her geworfen wird. Aber was solls, man sitzt in türkisem Wasser vor weißem Sandstrand mit Kokospalmen.


Pünktlich um 12:00 taucht eine Ziegenmutter mit ihren beiden Jungen am Strand auf und tut sich an den Blättern der umstehenden Pflanzen gütlich. Da am Strand außer uns nur etwa zehn andere Personen sind (soweit man in beide Richtungen sehen kann), ist das durchaus ein Ereignis. Das nächste sind zwei Locals, die ihren Hund im seichten Wasser mit Seife oder irgendeiner Tinktur abschrubben. Der Hund steht mit den Hinterbeinen im Wasser – die Vorderpfoten hält die Besitzerin – und lässt die Prozedur stoisch über sich ergehen. Danach wälzt er sich im Sand.
Wir machen einen kurzen Spaziergang am Wasser entlang und ich fotografiere bunte Fischerboote und den Grund unter dem klaren Wasser. Dabei sammeln wir Muscheln und finden eine komplette Krabbenhülle.

Später kommt ein Local vorbei und setzt sich zu uns. Nach etwas landesüblichem Smalltalk fragt er, ob wir was zu Rauchen kaufen wollen, was wir verneinen. Dann redet er über Musik und die Reggae-Künstler, die er kennt und singt uns ein Lied vor. Als nächstes bietet er uns Muscheln zum Kauf an, was wir mit einem Hinweis auf unsere Funde ablehnen. Zuletzt rückt er damit heraus, dass er kein Geld hat und fragt, ob wir ihm vielleicht helfen können. Wir geben ihm 50 Jamaika-Dollar, etwa 45 Cent. Er bedankt sich und zieht weiter.
Am frühen Nachmittag geht es zurück ins Guesthouse, Duschen und Sachen packen. Dann setzen wir uns nochmal gemütlich in den WiFi-Bereich und warten darauf, abgeholt zu werden. Es geht heute zurück zu unserem Freund in den Bergen. Lucky ist aus dem Kindergarten zurück und die beiden Mädchen lassen uns von ihren Juiceboxes kosten. Wir drehen die Musik lauter und bekommen eine Kostprobe jamaikanischer Tanzkunst. Dann klammert sich Jada an einen riesigen Plüsch-Elmo, während Lucky sich von uns Grimassen beibringen lässt.


Niemand wundert sich, dass wir viel länger als verabredet auf unsere Abholung warten müssen, das ist eben Jamaika: Die Leute sind lässig, die Straßenverhältnisse schlecht… In der Zwischenzeit sorgen die beiden Kinder immer wieder für Unterhaltung der kindertypischen Art (eine heult, die andere rennt weg und versteckt sich).

Am Ende ist es zwei Stunden später als geplant, als wir uns wieder auf den Weg machen. Das Auto ist klapprig, aber gut gefedert, die Straßen sind voller Schlaglöcher. Je weiter wir nach Norden kommen, desto grüner und vielfältiger wird die Vegetation. In Black River halten wir an, um unsere Bargeldvorräte aufzufüllen. Man kann hier fast nirgends mit Karte zahlen, so dass wir regelmäßig den Höchstbetrag abheben. Damit ist dann das Portemonnaie direkt so voll, dass es nicht mehr zugeht. Man bekommt ein dickes Bündel 1.000 J$-Scheine, jeder etwa 7,80 € wert. Zum Vergleich: Wir haben für die letzten zwei Übernachtungen in einem Guesthouse direkt am Meer inklusive Frühstück, Abendessen und Getränke ca. 60 € pro Person gezahlt. Nicht wirklich viel, aber zu fünft sind das ne Menge Tausender.

Gegen 6:00 geht die Sonne unter, leider können wir das Meer dabei nicht mehr sehen. Warm bleibt es trotzdem noch – in den Bergen fällt das Thermometer nachts auch nicht unter 20 Grad. Wir fahren weiterhin mit offenen Fenstern, auch weil der Benzingeruch sonst zu stark wäre. Besonders im Dunkeln wird vor jeder engen Kurve gehupt, damit es keine Unfälle gibt. Das Auto hat schwer zu tragen an seinen sechs Insassen (einer sitzt im Kofferraum) und klettert nur mühsam durch die Schlaglöcher den Berg hinauf. Unser Fahrer Dino lässt sich die Laune nicht verderben und singt lauthals zur Musik mit, obwohl wir immer wieder Schwierigleiten haben, vorwärts zu kommen.  Um uns herum ist jetzt alles grün.

Gefühlt mitten im Wald steht eine kleine Bude, an der wir für jeden von uns eine Kokosnuss kaufen und sofort austrinken. Sie kosten einen knappen € pro Stück. Für drei von uns (mich eingeschlossen) ist es eine (sehr angenehme) Premiere. Kurz vor 7:00 ist es stockdunkel. In Darliston halten wir an einem chinesischen Supermarkt an und kaufen 10 Liter Wasser und eine Dose Eis für den Nachtisch. Ich bekomme noch einen Erdbeer-Kiwi-Arizona Ice Tea und unser Senior ein Stück Gebäck. Danach erleichtern wir den Rastamann an seinem Stand um ein Kilo Bananen.

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir unser Ziel. Vom sternenklaren Himmel leuchten Millionen Sterne. Ich meine den Orion zu erkennen. Dazu zirpen die Grillen natürlich wie bekloppt. Jetzt bleibt die letzte Herausforderung für heute: Spaghettii mit Tomatensauce für acht Leute kochen! Dabei snacken wir frisch geschältes Zuckerrohr – eine weitere Premiere für mich.

Für einen der Jamaikaner sind unsere Spaghetti eine Premiere. Er fragt, wann wir wieder da sind – wir haben sozusagen einen Markt begründet. Nach den Nudeln stellen wir das Grapenut-Eis in die Mitte des Tisches, aber wir schaffen den Liter nicht, nach all den Nudeln.

Der Abend endet Jamaica-typisch mit Rum, Kaffee und anderen lokalen Genussmitteln. Da wir morgen früh losfahren wollen, bleibe ich nicht bis Mitternacht auf und beende diesen Eintrag bereits um 10.


Jamaica, was bleiben wird (I)

-Der junge Mann, der nicht fassen kann, dass meine Mitreisenden jeweils nur 1 Geschwister und 2 Cousins/Cousinen haben – „Die kleinste Familie der Welt!“ Und sie sollen sich schnell Frau und viele Kinder anschaffen, damit sie nicht so allein sind

-Der junge Mann, der komplett erstaunt ist, dass man als Obdachloser in Deutschland im Winter erfrieren kann, weil es dort so kalt ist
-Der junge Mann, der völlig baff ist, dass man in Deutschland für 1 kg Marihuana rund eine halbe Million Jamaika-Dollar bezahlt (eine Ernte bei ihm ergibt 20 kg, dafür kriegt er umgerechnet 200 €)
-Der junge Mann, der sein Auto mit einer 500 € teuren Musik- und Videoanlage ausgestattet hat und alles hört und sieht, was ihm unter die Finger kommt; er träumt davon, nach Kanada auszuwandern, hat aber trotz Commonwealth ohne verwandtschaftliche Beziehungen schelchte Karten
-Die junge Frau, die nur Patois spricht, aber kein Englisch, obwohl das die offizielle Amtssprache ist
-Lucky, das kleine Waisenmädchen, dass  die Betreiber des Guesthouses bei sich aufgenommen haben und das abends nie ins Bett will
-Die vielen Kinder, die nicht zur Schule gehen können, weil man für die kostenfreie Grundschule eine kostspielige Uniform braucht – alle Bildung danach kostet, eine Schulpflicht existiert nicht
-Das laute Knallen der Domino-Steine auf dem Tisch
-Die Nachbarskatze, die regelmäßig aufs Auto springt und damit die wahnsinnig laute Alarmanlage auslöst
-Zuckerrohrsaft mit Ingwer, der in alten Rumflaschen verkauft wird und köstlich ist
-Überhaupt der Rum – overproof mit Wasser dazu („So trinken ihn die alten und so ist er am besten, wir jungen mischen lieber mit Pepsi.“)
-Die Kolibris, die in der Luft stehen und eine Hibiskusblüte nach der anderen besuchen 
-Das Korallenriff, an dem wir uns festhalten, damit uns die Strömung nicht aufs Meer hinaus zieht, während uns ein paar Jungs mit einem Seil retten kommen – und die Abschürfungen an meinem Schienbein, die mich noch lange daran erinnern werden
-Die Musik überall – jedes Auto, jedes Haus, jeder Obststand, jedes Grüppchen am Strand hat eine Anlage, aus der Reggae ertönt (manchmal auch Dancehall, Beyoncé oder schnulzige Balladen aus den 80ern)
-Das köstliche Essen, das auf jeden Fall nochmal einen Extraeintrag bekommen wird 😉 
…to be continued

Tief in der Karibik…

liegt Mêlée Island. Dachte ich zumindest mal. Über die Jahre stellte sich heraus: Das is frei erfunden. Dafür liegt dort zum Beispiel Jamaica und durch eine Verkettung merkwürdiger Umstände hat es sich heute so ergeben, dass ich am Wochenende für zwei Wochen dorthin fliege. Mal eben. Spontan und komplett unvorbereitet. Bis dahin ist noch viel zu tun und zu erledigen, deswegen sag ich jetzt schonmal Tschüß!

Ich hoffe, dass ich trotz widriger Umstände ab und zu mal ins Internet komme und vielleicht zumindest das ein oder andere Foto hochladen kann. Von dreiköpfigen Affen etwa. Ahoj!

Guacamole oder Die Burrito-Nostalgie

Neulich saß ich mit meinem Bruder beim Abendessen und er schwärmte mir von der Guacamole vor, die er in den Staaten frisch zubereitet im Supermarkt kaufen kann. Aus seiner Beschreibung entnahm ich, dass sie dort zumindest nicht anders gemacht wird, als ich sie auch selbst zuhause zubereite. Am nächsten Tag kaufte der Mann nichtsahnend eine Avocado und bat mich, Guacamole daraus zu machen. Manchmal gibt es ja merkwürdige Zufälle. Beim Essen erzählte ich ihm dann von dem Bericht meines Bruders und geriet darüber ins Guacamole-Sinnieren…

Die beste Guacamole Berlins gibt es meiner Meinung nach bei dolores, vor allem gibt es dort auch die besten Tortilla-Chips dazu – einfach aus den übrig gebliebenen Tortillas hergestellt, die sie für ihre Burritos nutzen, dünn, knusprig und mit nur wenig Fett und Salz. Nicht, dass ich etwas gegen Fett und Salz hätte, aber ich vermute, dass diese Herstellungsform traditioneller ist als alles, was man so in Tüten kaufen kann. Schmeckt jedenfalls gemeinsam mit der puristischen Guacamole hervorragend.

Immer, wenn ich ans dolores denke, erinnere ich mich auch daran, wie ich das erste Mal dort war. Damals wohnte ich noch nicht in Berlin, sondern war nur für ein paar Wochen für ein Praktikum in der Stadt. Das war 2007. In Rostock, wo ich damals studierte gab es nur so ein typisches Tex-Mex-Restaurant mit zwei Filialen und die Burritos dort hatten nichts mit denen zu tun, die ich zwei Jahre vorher in Chicago geradezu verschlungen hatte.

Das war auf einem spontanen Wochenend-Trip während meiner Zeit in Toronto. Ich war seit gerade einmal zwei oder drei Wochen in Kanada und hatte ein paar Engländer kennengelernt, die übers Wochenende in Chicago Freunde besuchen wollten und mich einluden, mitzufahren. Ich zögerte nicht lange und nach einer ungefähr zehnstündigen Autofahrt inklusive aufreibender Befragung an der US-Grenze (Was machen wohl eine Deutsche, drei Engländer und ein Engländer mit kanadischem Pass mitten in der Nacht in einem Mietauto irgendwo in der Nähe von Detroit?), kamen wir dann auch tatsächlich in der windy city an. Wir schliefen uns erst einmal aus und schauten uns dann die Stadt an. Zum Essen gingen wir zu Chipotle und ich aß meinen allerersten Burrito.

Was mir natürlich keiner gesagt hatte, war dass das eben kein mexikanischer Burrito war, sondern eher ein kalifornischer. Daher konnte ich in Rostock auch keinen finden – ich glaube zu dem Zeitpunkt konnte man in Rostock nichtmal Koriandergrün kaufen. In Berlin war es dann das dolores-Schild in Avocado-Form, das mich zu meinem Glück führte. Wir waren gerade zu Dreharbeiten am Alex unterwegs und ich sollte die nächsten zwei Stunden auf dem Dach des Haus des Lehrers verbringen. Vorher wollte ich mir noch schnell was zu essen holen und zum Glück sprang mir da das Avocado-Schild ins Auge. Mein Burrito* (mit Extra-Guacamole!) schmeckte genau so, wie ich ihn aus Chicago kannte und ich mümmelte ihn genüsslich – hoch über dem Alex, während die Kamera den Sonnenuntergang einfing.

Seitdem ist eindeutig klar**, was an gute Guacamole gehört: reife Avocados, frisch gepresste Limette, ordentlich Knoblauch, kleine Tomatenwürfelchen, ein wenig Salz und Chili sowie frisches Koriandergrün. Es wird auch nicht püriert, sondern nur zerdrückt, ein paar Avocado-Stückchen sollten immer bleiben – dann sieht das ungefähr so aus, wie auf dem einzigen Guacamole-Bild, dass ich gerade auf meinem Telefon gefunden habe:

*Mein Standard-Burrito, bis sie die Speisekarte umgestellt hatten, war: Burrito mit Lime Rice, Lime Tofu, Tomato Salsa, Black Beans, Sour Cream, Käse und Guacamole. Ab und zu wurde das Lime Tofu auch durch Mole Tofu ersetzt.
**Manche Menschen tun Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Crème fraîche und andere Dinge an ihre Guacamole, da werde ich dann immer ein kleines bisschen unglücklich…

Ein paar wenige Worte

Nur ein paar wenige Worte aus einem Text von Luisa haben mich heute von einer Minute auf die andere komplett euphorisiert (was in der aktuellen Stimmungslage in etwa so wahrscheinlich ist, wie dass unsere beiden kastrierten Miezen auf einmal einen Schwung Junge bekommen).

„The flavors and fragrances of Sicily“, „food artisans“, „aperitivo hour“, „the language of food„, „picnic under the blossoming citrus groves“…
Eigentlich war das Jahr urlaubstechnisch einigermaßen durchgeplant, sowohl was die Zeiträume, als auch was das Budget angeht. Und plötzlich saß ich in der Klemme: Wenig macht mich so glücklich wie Sonne und gutes Essen. Was mich letztes Jahr nach Sizilien zog, war vor allem genau das – Sonne, Essen, Aromen, Orangen, Mandeln, Pistazien… Seit ich das Glück hatte, ein paar Jahre lang die Freuden der hausgemachten italienischen Küche aus erster Hand erleben zu dürfen, reicht allein der Gedanke daran, um mein Herz höher schlagen zu lassen. Und die besagten „citrus groves“ sind der Ort, an dem ich letzten März wie ein aufgeregter Teenager völlig hin und weg von auf und ab gelaufen bin und mir Taschen und Mund voller Früchte gestopft habe, während der Mann sich über mein Glück freute – im Nachhinein neben dem Abendessen im Wohnzimmer des Agriturismo Due Ganée (alles selbst gemacht aus eigenem Anbau!) und dem Aperitivo in Siracusa DER Höhepunkt der Reise.
Die Möglichkeit, ein paar Tage mit solchen Glücksgaranten zu verbringen, dazu noch Luisa und Rachel persönlich kennenzulernen, mich sowohl kulinarisch als auch intellektuell und kreativ weiterzubilden und das gute Gefühl, dass der Mann das alles so gut nachvollziehen kann und unterstützt, könnte nun dazu führen, dass ich bald unvernünftig viel Geld für ein paar glorreiche Tage ausgeben werde. Aber wie sagte ein Freund mir heute so schön: Wann, wenn nicht jetzt? Im Moment habe ich die Möglichkeit dazu, wer weiß was in ein paar Monaten ist? In zwei Jahren werde ich nicht mehr an das viele Geld denken, wohl aber an das, was ich erlebt habe. Und: Was ist vernünftiger, als Dinge zu tun, die einen glücklich machen? Eben…*

*Wer von meinen Freunden noch nicht weiß, was er/sie mir dieses Jahr zum Geburtstag schenken soll: Ich nehme Geldspenden für dieses Abenteuer dankend entgegen. Wer mitkommen möchte: Meldet Euch schnell, es gibt Gruppenrabatte! Hier noch ein paar Argumente:

Sprachlos

Eigentlich wollte ich diese Woche über Positives berichten, über Geschafftes und Vorgenommenes, über sonnige Tage, süße Katzen, gutes Essen, Theater, Freunde und mein Oscar-Filme-Aufholprojekt. Und dann passierte was, was all das in den Schatten stellte, wortwörtlich. Deswegen bleibt es hier erstmal etwas stiller, manche Dinge wollen nicht nach Draußen. Zur Überbrückung etwas Catcontent: So geht Sonntag.

Tagebuch-5 im Januar

Und zack ist schon wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

Dieser Montag war für mich ein Sonntag, da ich am Sonnabend gearbeitet habe. So konnte ich, während die halbe Timeline darüber jammerte, dass die Ferien vorbei sind, gemütlich bis kurz vor 10 ausschlafen und dann ganz entspannt in den Tag gleiten. Nach dem üblichen morgendlichen Timeline-Checken, der Blogrunde etc., setzten wir uns zu einem gemütlichen Frühstück zusammen. Danach verzog ich mich mit den Katzen erst einmal auf die Couch und fröhnte meiner neuen Leidenschaft, Wordfeud.

Am Nachmittag suchte ich dann alle ärztlichen Befunde der letzten Jahre zusammen und machte mich auf den Weg zu meinem neuen Hausarzt. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall sehr gut, schon alleine die Aussage, dass er sich das alles in Ruhe durchlesen wird und ich dann nächste Woche wieder auf der Matte stehen soll, gefällt mir sehr gut. Spricht dafür, dass er wirklich daran intereressiert ist, die Gründe für meine ständigen Krankheiten herauszufinden. Ausgestattet mit Terminen und Überweisungen verließ ich die Praxis dann in Richtung Kieser Training, wo ich mich dann auch recht tapfer schlug – nur ein Gerät macht mir im Moment schmerzhaft zu schaffen, ansonsten war ich ein kräftiges Superloosy.

Nach dem Sport hieß es, Besorgungen machen. Ein Brief brauchte eine Marke (der erste mit inzwischen 62 Cent Porto…) und der Kühlschrank hatte Hunger. Ebenso wie ich scheinbar, denn ich kaufte Essen für eine ganze Garnison. Vollgepackt bis untern Rand kam ich völlig außer Puste zuhause an und musste nach dem Katzenfüttern erstmal kurz auf der Couch entspannen. Merke: Nach dem Training den Rucksack nicht zu voll nehmen.

Nach noch mehr Wordfeud stellte ich mich dann freudig (und hungrig) an den Herd und brutzelte mir ein schönes Thai-Curry zusammen – mit Shiitake-Pilzen, Zucchini, Auberginen, Spinat, Knoblauch, Zwiebeln, frischem Ingwer, frischer Curcuma, Tofu, Sojasauce, Fischsauce, Sriracha-Sauce, Kokosmilch, Koriandersamen, Koriandergrün, Kaffirlimettenblättern, Chili, Zitronengras, Mangopulver und Kokosmilch. Bis auf die Pilze, das Gemüse und den Tofu habe ich das alles inzwischen vorrätig (Koriandergrün war noch vom Silvesterfestmahl übrig), was ein sehr gutes Gefühl ist.

jhzuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu6
#tgffffr (das hat Noosa geschrieben)

Beim Essen gab es die neuste Folge The Good Wife, danach den Abwasch (die Spülmaschine ist kaputt, eine neue steht nicht ganz oben auf der Prioritätenliste) und diesen Blog-Eintrag. Jetzt werde ich noch ein wenig lesen und dann wird geschlafen, denn der morgige Dienstag ist ja dann mein Montag.

So nämlich

Gestern vom Büro zum Kieser Training gelaufen, etwas über 5 km. Und dann eben auch noch trainiert. Gute Sache das, sowohl körperlich, als auch mental. Ein bisschen irritierend dann heute morgen erstmal all die neuen Schmerzen. Dabei war die Pause diesmal gar nicht so lang, gerademal zwei Wochen. Und die letzte große Runde zu Fuß (12,8 km) war noch keine Woche her. Da ist noch einiges zu tun an meiner Fitness.

To Do-mäßig war ich auch recht erfolgreich. Heute kam der Papierkram in die Mangel – Ablage von ca. 1,5 Jahren. Hat dann auch recht lange gedauert, am Ende bleibt ein kleiner Stapel mit noch zu erledigenden Dingen und ein riesiges Yippieh-Gefühl.

Was für Herz und Magen war dann 3in Kurzbesuch im Stamm-Café und später das Abendbrot in der Burgerie (Halloumi-Burger mit Spiegelei, getrockneten Tomaten und Guacamole, ausgebackene Kartoffelschalen mit Limetten-Pfeffer-Dip und hausgemachter Eistee. Und ein kleiner nostalgischer Gedankenausflug bei Pizza Nostra: Espresso und Sfogliatella in echt neapolitanischem Ambiente. Vorher sprachen wir noch mit Freunden über die Amalfi-Küste. Der Resturlaub von letztem Jahr muss ja auch noch verbraten werden, mal sehen, was uns dazu einfällt…

Vorsätze, Vorhaben und Vorfreuden

Ein guter Zeitpunkt, um sich ein paar Gedanken zu machen. Heute ist noch frei, ab morgen dreht sich das Arbeits- und Alltagskarussell weiter und ich bin fest entschlossen, die negativen Schwingungen der letzten Wochen hinter mir zu lassen und dieses Jahr das Positive überwiegen zu lassen.

Dazu gehört first and foremost die Gesundheit – ganz dringend dranbleiben und wieder die Oberhand gewinnen. Zunächst wird einmal der Hausarzt gewechselt, in der Hoffnung, dass der Neue hält, was die Bewertungen versprechen: Zeit für die Patienten, der Blick aufs Gesamtbild, den unbedingten Willen zur Ursachenforschung und die Bereitschaft, über den schulmedizinischen Tellerrand zu schauen, wenn man mit ihr nicht weiterkommt. Außerdem muss ich mal wieder zum Zahnarzt und zum Augenarzt, für die ich zeitnah Termine machen werde.
Unterstützend kommt dann hoffentlich das regelmäßigere Kieser Training dazu, das in den letzten Wochen oftmals wegen diverser Wehwehchen oder verpasster Wochenend-Schließzeiten ausfallen musste. (Unlust war interessanterweise höchstens 1-2 mal ein Ausfallgrund) Mehr Bewegung wird durch wieder häufigere Mittagspausen-Spaziergänge und morgendliche Gymnastik-/Yoga-Übungen ergänzt. Und wenn der Frühling kommt und der Mann bis dahin sein eigenes Fahrrad repariert hat, könnte ich ja meins auch mal wieder benutzen 😉
Zu Weihnachten habe ich den heiß gewünschten Mixer mit mehr Power bekommen, mit dem man gut Smoothies mixen, Nüsse zu Mus verarbeiten und Eis slushen kann. Dann kann die Morgen-Smoothie-Tradition also wieder auferstehen, ich kann mehr der vielen tollen Rezepte ausprobieren, die ich täglich lese und spätestens wenn der Sommer kommt, ist es Zeit für köstliche Mango-Slushies und Margarithas.
Der Mann und ich haben uns gemeinsam vorgenommen, jeden Tag unsere Wohnung etwas schöner zu machen, sei es durch die Entrümpelung einer Dreckecke, das Aufhängen von Bildern (über ein Jahr nach dem Einzug kann man ja damit mal anfangen), Umräumen und Optimieren oder auch mal nervige Hausarbeiten, die im Alltag liegen bleiben. 
Für mich selbst habe ich beschlossen, genauer zu dokumentieren, welche Bücher ich lese, welche Filme ich sehe und wo ich essen gehe/bestelle. Dann kann ich nächstes Jahr auch mal eine Übersicht dazu verbloggen. Apropos bloggen, das soll natürlich auch wieder mehr Raum bekommen, wie es ja in den letzten Tagen schon ganz gut anfing.
Ansonsten freue ich mich dieses Jahr auf meine zweite re:publica, auf meine x-te live verfolgte Oscar-Nacht, auf einen Polterabend und das Hexenbrennen in der alten Heimat, auf eine Hochzeit, auf lieben Besuch, auf das diesjährige Cousins- und Cousinentreffen, auf Ausflüge und Urlaube (noch komplett ungeplante sogar), auf spannende Projekte im Büro, auf Zeit mit Familie, Freunden und Katzen, auf Theater, Lesungen, Konzerte, auf Treffen mit Bloggern und Twitterern… Und ganz aktuell für diesen Monat auf einen Spa-Tag mit einer guten Freundin, auf Spejbl & Hurvinek live mit dem Mann und auf ein Triple Date mit lieben Menschen dieses Wochenende.

2014 in Monaten

Beim Durchgehen der Fragen zum üblichen Jahresendstöckchen („Zugenommen oder abgenommen?“ etc.) stellte ich fest, dass meine Antworten ganz allgemein eher so wischi-waschi ausfallen würden, daher versuche ich es in diesem Jahr mal chronologisch, das liest sich wahrscheinlich auch interessanter.

Januar
Das Jahr beginnt recht optimistisch, in der neuen, noch nicht komplett eingerichteten, Wohnung (daran arbeiten wir seit heute wieder…) und mit zwei neuen flauschigen Mitbewohnern. Dazu kommt der Vorsatz, sich mehr zu bewegen. Ich verbringe viele Mittagspausen draußen spazierengehend und nehme im Büro oft die Treppe in den 5. Stock.
Februar
Die neu gewonnene Energie hält nur kurz vor, denn Anfang Februar kommt erstmal eine geplante OP, die mich dann wieder für drei Wochen mehr oder minder an die Couch fesselt. Dadurch entspannt sich zumindest das Verhältnis der Katzen zu mir, da sie sehen, dass ich ziemlich ungefährlich bin. Beim Mann brauchen sie deutlich länger, um das einzusehen.
März
Das Highlight des Monats ist eine Woche auf Sizilien mit mehr Sonne als in Berlin, wahnsinnig gutem Essen, vielen neuen Eindrücken und am Ende leider Mietwagen-Ärger, der sich noch heute auf dem Konto bemerkbar macht. Mit Autos hatten wir dieses Jahr einfach kein Glück.
April
Zum April fällt mir aus dem Stand nichts ein und weder Blog noch Kalender verraten mir Bahnbrechendes. Aber ereignislos muss ja nicht immer schlecht sein, nicht wahr?
Mai
Im Mai weihen wir unsere Wohnung mit allem Drum und Dran ein. Es wird ein rauschendes Fest mit so vielen Gästen wie Quadratmetern. Vorher war natürlich noch meine erste re:publica.
Juni
Zu Pfingsten feiern wir den 30. meiner Cousine mit einer großen Party im Garten, inkl. Anbaden im Gartenteich. Es ist wahnsinnig heiß, aber auch wahnsinnig schön. Der Juni steht ansonsten wie immer ganz im Zeichen meines Geburtstags. Dieses Jahr feiern wir ihn ganz ruhig, nur mit ein paar Freunden und Familie essenderweise zuhause. Abends gucken wir WM, stimmt, die war auch noch. 
Juli
Großes Familientreffen zum 30. Geburtstag meines Cousins in der mecklenburgischen Pampa und das einzige Mal Ostsee und Baden im Meer für dieses Jahr.
August
Sommer in Berlin, also eher grau und trübe (dafür ging der Herbst ja dann nach hintenraus schön lang und mild weiter). Grau und trübe können wir auch anders, daher fliegen wir nach Irland und haben dort zwei wundervolle Urlaubswochen mit viel Natur und hervorragendem Essen, das mir noch heute Likes auf Instagram einbringt.
September
Der Monat beginnt schön, mit der zweiten Woche Irland (obwohl wir eine Reifenpanne haben) und einem Cousins- und Cousinentreffen in Bremen. Auf der Rückfahrt haben wir den Unfall, bei dem wir unser Auto abschaffen und der irgendwie der Wendepunkt des Jahres ist – ab da geht es (gefühlt) bergab.
Oktober
Ich bin nämlich andauernd krank, so auch kurz nach dem 20-jährigen Grundschuljubiläum. Bei der Gelegenheit bin ich seit langem zum ersten Mal wieder in der Heimat, treffe Familienmitglieder wieder, frische Kontakte auf und sitze zum ersten Mal seit dem Unfall wieder in einem Auto.
November
Immernoch dauernd krank oder kränklich, ab Mitte des Monats tut es mir der Mann gleich. Positives? Kaum. Achja, ich gestalte meine erste Betriebsversammlung mit, die ein großer Erfolg ist. Danach liege ich allerdings wieder flach.
Dezember 
Bis auf Weihnachten und den Geburtstag des Mannes alles eher schwerfällig bis stressig/frustrierend. So richtig gesund ist keiner von uns an keinem Tag und auch sonst sind wir froh, hinter dieses Jahr einen Haken zu machen.
Fazit: Die Highlights waren ganz sicher die beiden Urlaube, die Zeiten mit Freunden und Familie, gutes Essen und die beiden Fellnasen. Unter Lowlights verbuchen wir den Unfall und alles was mit Krankheit, Schmerz, Stress und den Folgen zu tun hat. 
Und jetzt gucken wir einfach mal optimistisch auf die nächsten 12 Monate – es kann ja alles nur besser werden als zuletzt!