06.05.2023 – Die Erdbeeren sind da

Wie gestern schon verbloggt, habe ich diese Nacht drei mal drei Stunden geschlafen, mir quasi die Woche aus den Knochen geschlafen. Das tut gut! Für heute habe ich eine kleine To-Do-Liste, die ich aber schnell auf zwei Tage Wochenende verteile und dann kann ich ganz entspannt in den Tag starten. Nach dem normalen Teil der Morgenroutine mache ich mir und den Katzen Frühstück und nehme meins direkt wieder mit ins Bett. Es gibt Banana Pancakes aus zwei überreifen Bananen, zwei Eiern, zwei gehäuften Esslöffeln Mehl und Mineralwasser zum Verdünnen des Teigs, dazu Ahornsirup, einen Apfel und Schwarztee mit Milch.

Zum und nach dem Frühstück schaue ich mir – kritisch! – im Livestream der BBC die Krönungsfeierlichkeiten in London an. Als Anglistin, Politikwissenschaftlerin und popkulturell Interessierte ist es ja durchaus nicht uninteressant anzusehen, auch wenn es sich insgesamt ganz schön zieht. Beeindruckende Musik, archaische Rituale, fragwürdige religiöse Bezüge, symbolhafte Auftritte von Gospelchören, indigene Trachten tragende Vertreter*innen der einst kolonialisierten Völker, die Ernsthaftigkeit, mit der gewählte Volksvertreter den Quatsch mitmachen, der mutmaßliche Sexualstrafstäter in der 5. Reihe neben dem, der sich einfach nur weigert, weiter mitzuspielen und trotzdem einen Teil des Geburtstags seines Sohnes für das hier verpasst… Es gibt viel zu sehen, entdecken und durchdenken bei diesem Spektakel, dass für viele „once in a lifetime” sein dürfte. Ich hoffe ja persönlich, dass ich für mindestens noch eins davon am Leben bin, allerdings noch mehr, dass der Kram noch vorher abgeschafft wird.

Dann ist es auch schon 16 Uhr und langsam mal Zeit, aufzustehen. Draußen ist es kalt und grau, sonst hätte ich mir den Tag vielleicht auch anders vertrieben. Jetzt gehe ich aber doch raus – bei 8 Grad im Wintermantel! – und mache die geplanten Erledigungen, für die es geöffnete Läden braucht. Ich bringe zwei Pfanddosen vom Russischbestellen am Montag zurück, kaufe mir ein paar Übertöpfe für die Balkonpflanzen im Haushaltswarenladen, hole noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt und nehme unterwegs die ersten richtigen Erdbeeren des Jahres am Erdbeerhäuschen mit. Sie sind noch teuer (aber nicht teurer als letztes Jahr) und nicht süß genug, aber duften und schmecken schon original aromatisch. Das wird in den nächsten Wochen alles noch besser und günstiger, aber Rituale sind Rituale!

Wieder zuhause mache ich mich ans Abendessen. Während die Ofenkartoffeln vor sich hin backen, bereite ich eine Bärlauchbutter zu, schnipple Salat (Lollo bionda mit Radieschen und Joghurt-Dressing mit Kräutern vom Balkon), zuckere die Erdbeeren, mische Almdudler-Sirup mit Mineralwasser und brate vegane „Frikadellen“ an. Mir war zu diesem Essen nach Buletten gewesen, ich wollte aber keine selbst machen und fertige gab es nicht in Bio-Qualität, also griff ich zu den veganen, die aber leider viel zu süß schmecken. Naja, wieder was gelernt. Zum und nach dem Essen schaue ich die letzten beiden Folgen „The Diplomat“.

Danach beginne ich mit der neuen Staffel „Bridgerton“ und nutze die Gelegenheit, die kuscheligen Katzen ordentlich zu bürsten und jede Menge Haare herauszuholen. Jetzt im Frühling Haaren sie noch mehr als sonst und da sowohl der Mitbewohner als auch der Liebste allergisch sind, ist das nicht nur ein rein optisches Problem. Gegen 23 Uhr mache ich mich bettfertig und kaum liege ich, schlafe ich auch schon wieder ein.

05.05.2023 – Schritte, physische und andere #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ach guck, 5.5.23. Das Datum ist mir auch erst aufgefallen, als ich Frau Brüllens Blogeintrag heute morgen las – ein Insider für Leser*innen der Illuminatus-Trilogie und ihrer Derivate. Nun aber…

Ich schlafe bis zum Weckerklingeln halb 8 und beginne die gewöhnliche Morgenroutine. Internet leer lesen, Niederländisch und Tschechisch auf Duolingo, Italienisch auf Babbel, mit dem Liebsten telefonieren, Balkonpflanzen begießen, Katzen füttern, mich tagfein machen. Der Arbeitstag fängt so richtig um halb 10 an, mit der monatlichen virtuellen Kaffeerunde der deutschen Kolleg*innen und Gesprächen über die Meisterschaft von Neapel, die Pläne fürs Wochenende, neue Strategien des neuen CEO, was sich im Marketing gerade tut… Ein lockerer Austausch an der virtuellen Kaffeemaschine, den wir aus der Pandemie in die neue Remote-/Hybridarbeitswelt mitgenommen haben.

Das Meeting danach verschiebe ich auf später am Tag, denn ich will noch rechtzeitig in meine Hausarztpraxis kommen, um eine Überweisung abzuholen. Die liegt da seit Dienstag, aber bisher hatte ich keine Chance, während der Öffnungszeiten dort zu sein. Bei schönem Frühlingswetter spaziere ich also dort hin und höre nebenbei auf radioeins einer Debatte über die häufigen Streiks der letzten Zeit zu. Sehr schön: Weder Moderatorin noch Hörer*innen sagen irgendetwas negatives über Streiks oder die Streikenden, stattdessen geht es um Verbesserungen des Streikrechts und wie mehr Arbeitende in Gewerkschaften und tarifgebundene Arbeitsverhältnisse kommen können, um überhaupt ein Streikrecht zu haben.

Zurück aus der Praxis mache ich mir dann endlich ein Müsli mit Apfel zum späten Frühstück. Ich arbeite To Do‘s ab, beantworte Fragen und koordiniere Abläufe im Großprojekt (dies auch schon von unterwegs auf dem Handy). um 12 ist das nächste Meeting, wieder mit deutschen Kolleg*innen, aber in kleinerer Runde, bei dem wir uns über unsere Fortschritte in einem Projekt auf dem Laufenden halten und nächste Schritte beraten. Danach habe ich das vom Vormittag verschobene Meeting mit einem Kollegen hier in Deutschland.

Jetzt braucht mein Kopf eine kurze Pause, auch wenn mein Bauch noch nicht wieder Hunger hat. Ich setze mich für eine halbe Stunde aufs Sofa, kuschelt mit den Katzen und gucke, was die sozialen Medien sagen. Es kommen aber schnell wieder Großprojekt-Nachrichten rein und ich gehe zurück an den Schreibtisch. Ich kläre letzte Ungereimtheiten und organisiere mit Hilfe von Kolleg*innen in Großbritannien, Spanien, Indien und den USA, das alle Schritte, die bis heute Abend amerikanischer Zeit zu erledigen sind, auch getan werden können. Nebenbei räume ich in dem Google Doc auf, das wir gemeinsam für das Projekt nutzen und trage außerdem Schritte in das Projektmanagement-Tool ein, zu dem nicht alle Teilnehmenden Zugang haben. Da steht dann als Aufgabe von mir sowas drin wie: „Mit X über Y gesprochen und Z entschieden.“

Um 15 Uhr ist wöchentliches Teammeeting, allerdings sind drei von uns nicht da. Ich spreche mit meiner Managerin in Nordengland und der Teamkollegin in Georgia letzte Dinge ab und wir entwerfen einen Notfallplan für den Fall, dass der Kollege an der amerikanischen Westküste, dessen Zuarbeit wir dringend noch benötigen und der aber noch schläft, seinen Part nicht rechtzeitig abliefern kann. Nach dem Meeting schreibe ich meinen Wochenbericht und telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten, bevor ich um 17 Uhr das potenziell wichtigste Meeting der Woche mit einer Kollegin in Illinois habe. Es wird dann aber deutlich weniger aufregend als vorher möglich schien und so kann ich 17:30 Uhr entspannt Feierabend machen.

Ich rufe wieder den Liebsten an und berichte ihm, dann schnappe ich mir eine Feierabendlimo (Blaubeere-Salbei) und treffe mich mit dem Lieblingsnachbarn auf einen ausgedehnten Spaziergang. Gegen 19 Uhr meldet der Kollege von der Westküste Vollzug und ich kann meinem Team Entwarnung geben.

Wieder zuhause bekommen die Katzen Abendbrot und ich koche mir Spaghetti mit Tomatensauce, in die heute ein paar eingelegte Peperoncini wandern. Seit ich heute Morgen im Italienischkurs von den peperoni cruschi in Matera gelesen habe, ist mir nach etwas warmer Schärfe. Das Foto zeigt den ersten Teller, der zweite hatte mehr Sauce.

Für die Abendunterhaltung habe ich heute mal Lust auf etwas ganz anderes. Auf Netflix gibt es (neuerdings?) „Kein Pardon“ und weil das einer dieser deutschen Kultfilme ist, die ich noch nie gesehen habe, aus denen aber recht häufig zitiert wird, schaue ich mir den an. Ist ganz witzig, aber wahrscheinlich hätte man ihn damals gucken müssen, um die Begeisterung zu verstehen.

Danach überfällt mich eine furchtbare Müdigkeit, ob das das Spaghetti-Koma, die über 12.000 Schritte, die anstrengende Woche, Long Covid oder einfach Frühjahrsmüdigkeit ist, weiß ich nicht. Ich liege aber Punkt 22 Uhr im Bett und schlafe dann – mit den üblichen Unterbrechungen durch gelangweilte Katzen – drei mal drei Stunden.

04.05.2023 – Balkon-Office und Gespräche

Nachdem es ja gestern spät wurde, lasse ich mir heute Zeit mit dem Wach- und Fertigwerden. Außerdem freue ich mich, nach zwei Tagen im Büro wieder im Homeoffice zu sein und zum Beispiel vormittags auf dem Balkon arbeiten zu können und in der Mittagspause die Waschmaschine anzuschmeißen. Nach dem üblichen Morgenprogramm sitze ich also kurz vor 10 Uhr mit Müsli, Tee, Laptop, Katze und Sonnenbrille auf dem Balkon in der Sonne und beginne zu arbeiten.

Aus einem Chat mit einer Kollegin in Warschau wird schnell ein Videotelefonat, da sie mir einen etwas komplexeren Vorgang erklären möchte. Das zieht sich dann über eine halbe Stunde, bis der nächste Call ansteht, ein regelmäßiger Catch-up mit einer Kollegin in Dublin. Der geht dann fließend über in ein Kick-Off-Meeting zu einem neuen Thema, diesmal nur mit drei deutschen Kollegen und somit das erste Mal heute – bis auf das Telefonat mit dem Liebsten – dass ich Deutsch spreche (mit dem Mitbewohner Englisch, mit den Katzen meist Miauisch). Während dieses Calls ruft eine Kollegin per Telefon an, die ich nach dem Meeting zurückrufe. Wir telefonieren, während ich den Laptop nach drinnen auf den Schreibtisch umziehe, da die Sonne jetzt um die Hausecke herum ist und im Schatten nur 11 Grad sind.

Dann koordiniere ich noch fix ein paar Dinge mit Kolleginnen in London und Valencia per Chat, bevor es in die Mittagspause geht. Ich mache mir die Reste der roten und gelben Bete von Dienstag warm, dazu gibt es den Rest Heringssalat. Das esse ich auf dem Sofa sitzend, während ich schaue, was in der Welt heute sonst so los ist. Eine halbe Stunde später bin ich zurück am Schreibtisch. So langsam sind die Kolleg*innen in den USA wach und auch mit denen gibt es viel zu klären.

Vorher dann noch schnell ein spontaner Call mit meiner Managerin, die in Nordengland auf einem Bauernhof wohnt und mir interessante Neuigkeiten überbringt. Das Gespräch beginnt mit „So this is a strange one…“ und endet mit „So this is your Thursday thing to think about.“ Indeed… Aber erst später. Zuerst habe ich ein Meeting mit meiner Kollegin in Smyrna bei Atlanta. Es beginnt mit ihren Erzählungen und Sorgen über den „active shooter“, der gestern in ihrer Nachbarschaft von der Polizei aufgegriffen wurde, während sie mit ihrem kleinen Sohn im Auto unterwegs war und über die unsäglichen Waffengesetze in den USA. Danach sprechen wir über das Großprojekt und ich gebe ihr eine Einführung in das Tool, das sie dafür benutzen muss.

Mit kurzer Pause geht es dann weiter in den nächsten Call, mit einer Kollegin in der ältesten Stadt Englands. Wir reden über die anstehenden Krönungsfeierlichkeiten und die Beerdigung, auf die sie morgen geht und dann führt sie mich in ein Tool ein, dass ich zukünftig benutzen werde.

Dann ist es 17 Uhr. Ich mache noch ein paar Abstimmung mit verschiedenen Leuten im Rahmen des Großprojekts und verabrede mich nebenbei mit einer Freundin (und Kollegin, aber beruflich haben wir keine Berührungspunkte mehr) im ländlichen Frankreich zu einem Walk and Talk. Kurz vor 18 Uhr nehme ich mir eine Wostok-Feierabendlimo (Estragon-Ingwer), ziehe die Kopfhörer auf und gehe nach draußen. Nach ein paar Metern ruft sie an und wir telefonieren die nächsten zwei Stunden, während ich durch den Kiez spaziere. In einem Park setze ich mich nochmal kurz und beantworte auf dem Diensthandy zwei Anfragen zum Großprojekt. Außerdem im Park: Vier deutlich erwachsene Menschen, mindestens Ende 20, die oben in einem Ahornbaum sitzen und kiffen. Berlin…

Gegen 8 bin ich schon längst wieder drinnen, als der Liebste anruft und ich nahtlos den Gesprächspartner wechsele. Das sind dann aber nur so zehn Minuten. Danach gehe ich in die Küche, wo der Mitbewohner am Kochen für sich und einen Freund ist. Wir erzählen uns die neusten Neuigkeiten, während ich mein Abendbrot zubereite. Es gibt ein Sandwich mit Rinderschinken, Ziegengouda, saurer Gurke und körnigem Senf und dazu eingelegte Artischocken und Tomaten und den Rest vom Salat von Dienstag.

Zum Essen und danach schaue ich eine Folge „The Diplomat“. Dann hänge ich noch die Wäsche auf, die ich über die ganzen Gespräche vergessen hatte, und mache mich bettfertig. Im Bett gibt es noch ein wenig TikTok zum Runterkommen und dann ist kurz nach 22 Uhr Schlafenszeit.

03.05.2023 – 13 Jahre

Ich hatte ja durchaus geplant, dass der Wecker schon um 7 klingelt, weil es wieder ein Bürotag wird, aber dass ich dann schon kurz vor halb 6 wach werde (danke Nimbin!) und dann nicht wieder einschlafen kann, das war so nicht geplant. Immerhin kann ich so ganz in Ruhe wach werden, das Internet leer lesen, Katzenfutter nachbestellen, als mein Mund wach genug ist auch Niederländisch, Tschechisch und Italienisch (heute Sizilianisch, damit endet die Reise durch die Regionalsprachen) machen und bloggen. Kurz vor 8 stehe ich dann auf.

Der Bürorucksack ist noch von gestern gepackt, das gestern vergessene Müsli kommt direkt dazu. Dann nur noch Anziehen, Balkon gießen und Katzen füttern, den Liebsten anrufen (aka als seine Weckerin fungieren, da er seinen eigenen Wecker verschlafen hat) und dann kann es auch schon losgehen, wieder mit der Mate in der Hand, ganz lässige Berliner Digitalworkerin. Diesmal gehe ich auch direkt zur „richtigen“ Tramhaltestelle, nur um dann festzustellen, dass auf einem Teil der Strecke ausgerechnet diese Woche Schienenersatzverkehr ist. Allerdings erst ab 9 und da ich früh unterwegs bin, komme ich zum Glück noch durch. Bis auf das letzte Stück, denn an der vorletzten Haltestelle gibt es ein Problem mit den Schaltsignalen, die Tram steht länger und viele Menschen steigen aus. So auch ich, dann bekomme ich auch noch ein paar mehr Schritte rein – bald will ich auch wieder ins Büro laufen.

Ich komme kurz nach 9 im Büro an und hole mir als erstes Milch für mein Müsli und einen Cappuccino. Dabei laufe ich direkt zwei Kollegen in die Arme, die mir gratulieren. Ich habe nämlich heute 13jähriges Firmenjubiläum. Damit bin ich in der Berliner Digitalworker*innenszene definitiv eine Rarität, bei uns in der Firma global gesehen auch, aber hier in Deutschland gibt es durchaus noch eine Handvoll Leute, die dieses Jahr die 13 Jahre knacken (und zwei, die das sogar schon vor mir getan haben). Deutsche Arbeitsgesetze sei Dank, würde ich mal sagen. Und ein sehr familiäres Arbeitsumfeld trägt natürlich auch dazu bei.

Eigentlich beginnt der Mittwoch ja immer mit drei Stunden Fokuszeit, in der man ohne Meetings ungestört Dinge abarbeiten kann. Das gilt aber leider nicht mehr für alle Abteilungen und die, für die das am wenigsten gilt, hat ausgerechnet mittwochs ihren Bürotag. Von daher fällt das konzentrierte Arbeiten direkt mal hinten runter, ich werde ständig angesprochen, nach Dingen gefragt oder einfach so in Gespräche verwickelt. Als es gar nicht mehr geht, muss ich mir Kopfhörer aufsetzen und die Musik sehr laut machen. Großraumbüro eben… Aber genau dadurch bekomme ich auch überhaupt erst mit, dass einer der Stakeholder in meinem Großprojekt den Rest der Woche Urlaub hat und kann schnell noch mit seinem Manager das Nötigste klären, um diese für mich überraschende Abwesenheit aufzufangen und ein loses Ende festzuzurren.

Dann ziehe ich mich für den ersten Call des Tages in einen Meeting-Raum zurück. Mir wird wieder gratuliert, es wird ein wenig strategisiert und dann verabschiede ich einen lang(11,5-)jährigen Kollegen, der heute seinen letzten Tag in der Firma hat. Damals haben wir interessanter Weise im gleichen Team angefangen, dann schlug er einen anderen Weg ein. Zunächst waren wir räumlich noch eng beieinander und er war dadurch ein enger Begleiter der ersten Beziehungsmonate zwischen mir und dem Hasen (auch das ist jetzt schon fast 11 Jahre her) und dann ging seine Karriere steil und bis heute hat er es zu einem Global-Director- und einem Geschäftsführertitel geschafft. Wir verabschieden uns recht emotional.

Danach gehe ich mit einem Kollegen in die Mittagspause. Wir holen uns Döner (ich vegetarisch) und setzen uns damit in die Frühlingssonne. Die Gespräche drehen sich heute hauptsächlich um Musik und Musikkultur. Nach dem Döner gibt es noch ein Eis aus dem Supermarkt und dann geht es zurück an den Schreibtisch. Jetzt habe ich wirklich mal kurz etwas Zeit für konzentriertes Arbeiten bis nach einer Stunde das nächste Meeting ansteht. Diesmal geht es um ein kreatives Brainstorming zu dritt und ich merke, wie es meinen gestressten Kopf entlastet. Das hat Spaß gemacht!

Dann folgen erst anderthalb Stunden wilde Projektkoordination mit zwischendurch einem schnellen Übersetzungsauftrag und danach wieder eine Stunde Call, diesmal innerhalb meines eigenen Teams, von dem derzeit zwei Leute im Urlaub sind und eine der Anwesenden „nebenbei“ Corona hat, aber trotzdem arbeitet, mit kleinem, ebenfalls Corona-positivem Kind daneben. Es gilt also, Aufgaben sinnvoll umzuverteilen und uns gegenseitig auf den dafür nötigen Stand zu bringen. Kurz vor 18 Uhr sind wir fertig und ich schreibe dann noch eine zusammenfassende, übersichtliche und hoffentlich nicht überwältigende E-Mail an die Corona-Kollegin mit den Dingen, die sie bis zum Ende des amerikanischen Arbeitstages für mich im Auge behalten soll und außerdem eine zweite an die Brainstorming-Kollegin von vorhin mit dem Input, dem meine Chefin uns gerade noch gegeben hat.

Kurz nach halb 7 verlasse ich dann endlich das Büro und mache mich auf Richtung Fitnessstudio. Viertel 8 bin ich im Wasser und schwimme gemächlich ein paar Bahnen, bevor halb 8 der AquaFitness-Kurs losgeht. Eine Dreiviertelstunde wird intensiv trainiert (also ich so intensiv, wie mein Körper es gerade zulässt), danach geht es noch in zwei verschiedene Saunen. Auf dem Heimweg trinke ich eine „Trinkmahlzeit“ mit „Erdbeergeschmack“. Die gab es heute kostenlos im Büro. Sie dient mir sowohl als Feierabendgetränk als auch als proteinreiches Abendbrot und schmeckt wie flüssiger Erdbeerpudding oder dickflüssiges Kabafit. Genuss ist jedenfalls anders.

Währenddessen schaue ich in der S-Bahn, was es Neues in Sachen Projekt gibt. Ich muss noch einen Kommentar in einem Dokument beantworten und außerdem lese ich von der Bombenentschärfung in der Nähe unseres Büros morgen und schreibe eine Nachricht an die Belegschaft. Leider kann ich beides nicht abschicken. In der Umkleidekabine ist mein Diensthandy runtergefallen und dabei ist die SIM-Karte verrutscht. Also erstmal nach Hause. Dort angekommen füttere ich die Katzen und hänge meine nassen Sachen auf. Dann hole ich die SIM-Karte aus dem Handy und setze sie neu ein. Jetzt geht alles wieder. Ich erledige die beiden Sachen, schreibe noch eine Nachricht an die Corona-Kollegin und habe dann um 22 Uhr wirklich Feierabend.

Ich telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten, der mich mit „Na, Sporty Spice?“ begrüßt, und trinke dann Schluck für Schluck meine Trinkmahlzeit zu Ende aus, während ich meine abendliche Runde durchs Internet drehe. Während der Arbeit komme ich ja aktuell zu so gut wie nix! Die Biokistenbestellung für Freitag muss noch raus und dann mache ich mich bettfertig. Kurz nach 23 Uhr schlafe ich zu den ersten Minuten eines Podcasts („Halbe Katoffl“ mit Gast Paul Bokowski) ein. Morgen werde ich definitiv Muskelkater haben!

02.05.2023 – Montagsdienstag im Büro

Mein Wecker klingelt heute früher, da ich im Büro verabredet bin. Ich lese das Internet leer, mache Niederländisch, Tschechisch und Italienisch (heute: Neapolitanisch), blogge und telefoniere mit dem Liebsten. Dann stehe ich auf, begieße den Balkon, ziehe mich an, füttere die Katzen und packe meinen Rucksack. Bei Frühlingswetter und mit der entsprechenden Kleidung (inkl. Sonnenbrille), verlasse ich mit Musik auf den Ohren und Mate in der Hand die Wohnung. Ganz automatisch laufe ich zur Tramstation, erst beim Einsteigen fällt mir ein, dass die andere, mit dem schnelleren Weg, ja inzwischen auch wieder fährt. Das kommt davon, wenn man so selten im Büro ist!

Ich nehme also den etwas längeren Weg, bin aber trotzdem fast pünktlich im Büro. Als erstes geht es in die Küche. Ich hole mir einen Cappuccino und stelle fest, dass ich mein Müsli zuhause auf der Küchentheke habe stehen lassen. Ein Kollege hilft mir mit ein paar Haferflocken aus, die ich mit Hilfe der Mikrowelle und etwas Honig und Zimt in Porridge verwandle. Dann gehe ich an meinen Schreibtisch, begrüße zwei andere Kollegen (insgesamt sind wir heute zu sechst, von um die 50 in Berlin) und baue meinen Laptop auf.

Ich frühstücke, lese E-Mails und bringe mich bei meinem Großprojekt auf den neusten Stand. Da bis auf die amerikanischen Kolleg*innen alle anderen Beteiligten auch gestern Feiertag hatten, habe ich nicht allzuviel verpasst. Um 10 verschwinde ich in einem Meetingraum und komme da knapp drei Stunden nicht wieder raus. Eigentlich bin ich wegen dieses Meetings extra ins Büro gekommen, aber der Kollege, den ich hier hatte treffen wollen, ist noch erkältet und deshalb zuhause geblieben. Hmpf. Am Ende ist es aber doch ganz gut, dass ich vor Ort bin, so kann ich ein paar Dinge in Akten nachschlagen, die wir schon seit ein paar Tagen klären wollten.

Nach dem Meeting schwirrt mir der Kopf. Ich beantworte nur noch schnell ein paar Chatnachrichten und mache dann Mittagspause. Im Foodcourt nebenan hole ich mir einen vegetarischen Burrito mit Extra-Guacamole, den ich in der Büroküche im Gespräch mit einem Kollegen esse. Außerdem konferiere ich mit der Sportfreundinnengruppe über die Pläne für morgen und schaue was in der Cousins- und Cousinengruppe zu unseren Plänen für den Sommer und Herbst abgeht.

Danach scanne ich die Akten ein, die ich gefunden habe. Unterbrochen von vier weiteren Meetings am Nachmittag arbeite ich weiter am Großprojekt. Zwischendurch ruft auch noch meine Hausärztin mit den Ergebnissen der Blutuntersuchung vom Freitag an – soweit alles im Normbereich, ich werde mir aber diese Woche noch eine Überweisung für weitere Untersuchungen abholen gehen. Kurz nach halb 6 verlasse ich dann das Büro (als Vorletzte) und beschließe, mal wieder so weit ich es schaffe, nach Hause zu laufen.

Ich höre die ersten drei Folgen des Podcasts „Boys Club“ über Springer und die Reichelt-Affäre und laufe wieder bei schönem, aber kühlem Frühlingswetter. Glück gehabt, tagsüber war es ganz schön grau! Zwischendrin beantworte ich auch noch eine E-Mail zum Großprojekt (die vielen Zeitzonen…). Außerdem hat der Mitbewohner geschrieben, dass die Spülmaschinentabs alle sind. Ich kehre also auch noch beim Bio-Supermarkt ein und kaufe bei der Gelegenheit auch noch Kartoffeln und MSC-zertifizierten Sahneheringssalat (Ich dachte, es gibt keinen Hering mehr mit Zertifikat?? Muss ich recherchieren).

Die letzten 10 Minuten laufe ich dann schwerfällig, da schwer bepackt, ansonsten ging es gut zu Fuß. Zuhause angekommen (schon nach 7) stelle ich als erstes die Waschmaschine an und werfe dann zwei gelbe und zwei rote Beten in den Backofen. Dann hole ich mir ein Feierabend-Wostok vom Balkon (Tannenwald), plausche mit dem Mitbewohner über seinen ersten Arbeitstag im neuen Job, telefoniere mit dem Liebsten und mache den Rest vom Essen fertig. Zu den Beten gibt es Heringssalat und saure Gurken, außerdem Kopfsalat aus der Biokiste mit Zitronen-Ahornsirup-Dressing.

Dann schaue ich die neue (und letzte) Staffel „Workin‘ Moms“ zu Ende – 13 Folgen à 22 Minuten gehen hier easy an zwei Abenden über die Bühne. Als die Waschmaschine durch ist, mache ich noch eine weitere Folge „Boys Club“ an und höre sie beim Wäsche aufhängen, Katzenklo durchsieben und Zähne putzen. Gegen halb 12 mache ich das Licht aus.

01.05.2023 – Heraus zum ersten Mai

Ich war schon wieder vor 7 wach und lese erstmal das Internet leer, bis des Liebsten Wecker klingelt und er Kaffee bringt. Das Teilzeitkind wird um 9 abgeholt, wir bleiben noch bis halb 11 liegen. Dann deckt der Liebste den Frühstückstisch, während ich die beiden kleinen Waldmeistersträußchen, die ich gestern Mittag aufgehängt hatte, in die beiden Mate-Flaschen, die ich vorgestern gesäubert hatte, hänge und eine Flasche Riesling auf die beiden Flaschen verteile. Dann kommen jeweils noch 100 ml Sekt hinzu und das Ganze bleibt während des ausgedehnten Frühstücks so stehen.

Beim Essen unterhalten wir uns über den ersten Mai, über Berliner Lokalpolitik, Beziehungsdynamiken zwischen uns (Ich glaube ich war noch nie in einer so entspannten Beziehung, was diese Art Gespräche angeht.) und unsere Pläne für den Tag. Als wir gerade fertig sind, kam die Mitbewohnerin des Liebsten von ihrem Spanienurlaub zurück und erzählt uns noch ein wenig von ihrer Reise. Dann machen der Liebste und ich uns ausgehfein, der Waldmeister landet im Biomüll und die Flaschen werden mit etwas Wasser aufgefüllt und zugeschraubt. Sie kommen mit einem weiteren Piccolo Sekt und einem Bier in den Beutel. Ich leihe mir eine Sonnenbrille vom Teilzeitkind (die ihm zu groß ist) und dann fahren wir mit der U-Bahn nach Kreuzberg.

Am Kotti treffen wir die beste Freundin des Liebsten und überreichen ihr eine Bowle. Ich nehme die zweite und der Liebste den Piccolo. Die Freundin verteilt noch metallene, goldfarbene Strohhalme und dann flanieren wir durchs Geschehen. Zwischendurch setzen wir fußlahmen Mädels und eine Weile auf eine Bank am Oranienplatz, während der Liebste schnell bei meinen Eltern vorbeigeht, um meinen Schlüssel abzuholen, den ich gestern dort vergessen hatte. Dann ziehen wir zu dritt weiter zum Mariannenplatz, wo wir auf weitere Freundinnen des Liebsten samt Anhang treffen.

Wir besorgen weitere Getränke und Chips und lassen uns dann auf dem Rasen nieder. Ich war ja am 1. Mal noch nie in Kreuzberg, obwohl ich seit 15 Jahren in Berlin lebe. Meine Traditionen sind da andere und oftmals war ich gar nicht da, weil eben Hexenbrennen oder Tanz in den Mai angesagt war. Nachdem ich aber nun gestern den Abend mit lauter Ossis verbracht habe, die mit dem 1. Mai eher andere Demonstrationen etc. verbinden, bin ich heute nun unter Wessis, die aus dem Westen nach Kreuzberg gezogen sind und für die der 1. Mai Kultstatus hat. Ich finde es recht klischeehaft, als jemand mit dem Fahrrad vorbeifährt und aus seinen Lautsprechern „Keine Macht für Niemand“ dröhnen lässt, für die anderen gehört es genau so.

Neben uns fängt eine Musikduo an zu spielen – mit Congas und Drums zu Musik vom Band. Wir sitztanzen zu „In da Club“, „Freestyler“ und Punjabi MC und amüsieren uns gut. Nach dreieinhalb Stunden Menschengewimmel bricht der Liebste auf an den heimischen Rechner und ich fahre zurück nach Hause. Bereits unterwegs beginne ich die Überlegungen zum Abendessen, aber irgendwie ist der Wurm drin und ich entscheide mich erst bei einer „Feierabend“-Limo (Wostock Dattel-Granatapfel) auf dem Balkon für Wareniki mit Sauerkraut und Sirniki, die ich mir dann liefern lasse.

Ein Kollege hat meine Instastory von der Band gesehen und schreibt mir, dass er auch am Mariannenplatz war. Zum Beweis schickt er ein Foto, auf dem ich mich und meine Begleitung entdecke. Ist aber Zufall, gesehen hat er mich nicht. Wir amüsieren uns über die Dorfigkeit Berlins.

Ich verbringe den Abend mit Essen, Katzen kuscheln und „Workin‘ Moms“ gucken, dann geht es in die Badewanne und gegen halb 11 ist Schlafen angesagt.

30.04.2023 – Party like it‘s 2023

Es ist immer noch Wochenende, ich könnte immer noch ausschlafen, aber ich bin noch früher wach als gestern. Das gibt mir Gelegenheit, in Ruhe das Internet leer zu lesen und anzufangen zu bloggen, bevor der Liebste wach wird. Kurz nach halb 8 kommt dann das Teilzeitkind zu uns ins Bett und verlangt nach Spielen auf meinem Handy, das ich jetzt ohne großen Schmerz abtreten kann. Ich lese stattdessen etwas und schlafe dabei sogar wieder ein wenig ein. Irgendwann ist dann auch der Liebste wach und serviert die erste von zwei Tassen Kaffee-im-Bett. Als über eine Stunde Spielzeit vorbei ist (upsi), schicken wir das Kind zurück zum Hörspiel in seinem Zimmer und trinken den zweiten Kaffee. Ich blogge zu Ende und mache Niederländisch, Tschechisch und Italienisch (heute: Toskanisch), während der Liebste ein bisschen zockt.

Als wir beide soweit fertig sind, wird der Frühstückstisch gedeckt und wir finden uns zu dritt daran ein. Dann holt das Teilzeitkind das von gestern verschobene Duschen und Haarewaschen nach, bevor wir uns die letzten beiden Folgen der neuen Staffel LOL anschauen. Dann dürfen alle nochmal ein wenig ihren Interessen nachgehen (Hörspiel, Zocken, TikTok – die Zuordnung schafft Ihr selbst) bevor wir uns partyfein machen. Es gibt eine Runde Schnelltests für alle und der angewelkte Waldmeister wandert standesgemäß in ein Biohazard-Tütchen.

Am S-Bahnhof angekommen, bemerkt der Liebste, dass er seine Allergiemedizin vergessen hat und dreht nochmal um. Das Teilzeitkind und ich fahren alleine los, denn erstens ist Warten doof und zweitens ist ja Großsein toll und hoffentlich sind wir vor Papa da! Das klappt natürlich sehr gut und meine Eltern sind angemessen beeindruckt, als das Kind auf einmal alleine ins Wohnzimmer spaziert, weil ich mir noch die Schuhe ausziehe. Ein paar Minuten später treffen auch der Liebste, mein Bruder und seine Freundin ein und dann gibt es Nusstorte, Himbeertorte und Quarktorte.

Alle, die dürfen, stoßen mit einem Prosecco an, das Teilzeitkind darf hintereinander erst mit meiner Mama und dann mit meinem Bruder Schach spielen, wir erzählen und finalisieren die Abendbrotpläne. Dann gehen mein Bruder, seine Freundin und das Teilzeitkind los und holen beim arabischen Restaurant um die Ecke diverse Mezze für einen dreistelligen Eurobetrag ab. Dazu wird es Kartoffelsalat und Dhal geben, außerdem Waldmeisterbowle. Nicht nur für uns sieben natürlich, denn kurz nachdem die Drei zurück sind, trudeln nach und nach die anderen Geburtstagsgäste ein und das Büffet wird eröffnet.

Kurz nach 21 Uhr verabschieden wir drei uns als erstes, da das Teilzeitkind morgen früh schon wieder Termine hat. Eigentlich hatte ich überlegt, noch länger zu bleiben und dann später alleine hinterherzukommen, aber ein leises Stimmchen der Vernunft bewegt mich dazu, doch gleich aufzubrechen und das stellt sich im Nachhinein als goldrichtig heraus. Spätestens in der Bahn merke ich, wie kaputt ich bin und als wir ankommen, lege ich mich gegen 22 Uhr ohne Umschweife ins Bett. Der zweite Abend hintereinander mit einem richtigen Energie-Crash, dazu wieder Schmerzen. Hatte natürlich nicht lange geschlafen und außerdem viel gegessen und ein wenig – nicht so viel – Alkohol getrunken. Das ist aktuell keine so gute Kombination. (Die lange nicht gesehene Freundin neckte mich nach dem Schwimmen damit, dass es ja auch das Alter sein könnte, nicht Post oder Long Covid, aber Anfang März war ich noch viel agiler.)

Im Bett schaue ich mir noch die Reden von Joe Biden und Roy Wood Jr beim diesjährigen White House Correspondents Dinner an, dann fallen mir sehr schnell die Augen zu.

29.04.2023 – Gespräche und Gelächter

Yay, Wochenende, ausschlafen… Pah, ich bin früher wach, als der Wecker in der Woche klingelt. Aber ich kann liegen bleiben, das ist schon mal super. Ich lese das Internet leer, ich mache insgesamt fast eine Stunde Sprachübungen – bei den italienischen Dialekten ist heute bolognesisch dran -, ich blogge, ich gucke TikTok… Ich telefoniere mit dem Liebsten… Und weiß gar nicht, was noch alles. Gegen 11 stehe ich dann auf, dusche und ziehe mich an. Dann gibt es Frühstück für die Katzen und mich.

Ich habe noch einiges zu tun, bis ich aufbrechen kann, um mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind das Wochenende zu verbringen. Es steht noch etwas Abwasch rum, der Müll muss nach unten, das Katzenklo gehört durchgesiebt, die Pflanzen gegossen, die Sachen gepackt. Dann packe ich den gesamten Topf Waldmeister transportsicher ein, wickle Geschenke in Geschenkpapier, fülle Wassernäpfe auf und stelle den Katzen Futter für zwei Tage bereit. Als ich endlich fertig bin, ist es fast 14 Uhr. Ich packe mir einen Podcast auf die Ohren (die neue Folge „Niemand wird verurteilt“, über der ich gestern eingeschlafen bin) und fahre mit zwei S-Bahnen nach Südberlin.

Als ich die Wohnungstür des Liebsten aufschließe, ist die Folge zu Ende. Von Tür zu Tür dauert es also genau eine Stunde. Der Liebste und das Teilzeitkind sind noch unterwegs. Ich ernte die Hälfte des Waldmeisters und hänge sie als Strauß am Fenstergriff auf. Dann spüle ich zwei Mateflaschen mit Schraubverschluss aus dem Pfandvorrat des Liebsten aus, die werden noch gebraucht. Die beiden kommen nach Hause und wir begrüßen uns nach über einer Woche (Liebster) und fast zwei Wochen (Teilzeitkind) endlich wieder live.

Dann gehe ich noch schnell in den Supermarkt um die Ecke und besorge eine Flasche Riesling, zwei Piccoli lokalen Sekt und ein paar Dinge, die der Liebste vergessen hatte, während die beiden sich mit Haushaltstätigkeiten beschäftigen. Als ich wieder zurück bin, gibt es für mich und das Teilzeitkind Erdbeer-Rhabarber-Grütze und eine Folge „Die Bergretter“ (nicht meine Wahl, aber was tut man nicht alles), während der Liebste sich einige Matches der PUBG Global Series anschaut (und dann hinterher ganz furchtbar enttäuscht ist, weil „sein“ Team am Ende knapp nicht weitergekommen ist. Es fehlt eigentlich nur noch der Schal, das Bier und das traurige vor sich Hinstarren).

Damit er sich von dem Unglück erholen kann, darf er dann die Couch warm halten, während das Teilzeitkind und ich zum Stammitaliener gehen, um das Abendessen abzuholen. Wir bestellen Pizzen für uns und Pasta für den Liebsten und Antipasti für alle. Während wir warten, trinke ich einen Sarti Spritz und das Teilzeitkind eine Apfelschorle. Hier in der Öffentlichkeit und ohne echte Erziehungsberechtigte dabei ist das Teilzeitkind gleich zwei Köpfe größer und fünf Jahre älter. Keine Kleindkindstimme, kein Herumalbern, sondern kerzengerade Haltung, Teenagerposen und „ernsthafte“ Gespräche über wer in wen verliebt ist, was auf TikTok gerade abgeht, wer schon ein eigenes Handy hat und dass obwohl man in Anwesenheit der Eltern ja oft „Scheiße“ sagt, das eigentliche Lieblingswort der Kids ja „Fuck“ ist. Meine Damen und Herren: Dritte Klasse, Berlin. Dann noch schnell professionell ein Selfie machen und dann geht es zurück in den Kindermodus – Kirschlolli und High Five vom Chef abholen (der uns die Getränke spendiert hat) und dann den Bürgersteig nach Hause entlang hopsen und bei Papa wieder klein und niedlich werden.

Dann geht es zu dritt auf die Couch, die neue Staffel LOL anfangen. Der Liebste hat die größten Schwierigkeiten, sich das Lachen zu verkneifen, das Teilzeitkind lacht auch über Witze, die es trotz heimlicher Pre-Teen-Identität noch nicht versteht und alle drei finden wir bisher Kurt Krömer am überzeugendsten. Nach vier Folgen ist dann aber Schluss, der Rest wird auf morgen verschoben. Stattdessen ist jetzt Vorlesezeit. Gestern haben die beiden ohne mich Harry Potter 7 zu Ende gelesen, heute darf ich die ersten sieben Szenen vom verwunschenen Kind vorlesen. Dann verschwindet das Kindl mit dem Kindle zum alleine weiter Lesen ins Bett.

Der Liebste und ich schauen noch die neue Folge von Marvelous Mrs Maisel und dann bin ich so müde, dass ich mich mit TikTok ins Bett verziehe und der Liebste Gelegenheit bekommt, noch ein paar Verbrechen auf den Straßen von Los Angeles zu begehen.

28.04.2023 – Raus aus der Routine

Dieser Freitag beginnt anders als die anderen Tage der Woche, da ich morgens erstmal zum Blutabnehmen muss. Der Wecker klingelt also früher, damit ich trotzdem genug Zeit habe, entspannt in den Tag zu kommen. Bis auf das Bloggen schaffe ich alles (Internet leer lesen, Sprachen üben – im Italienischkurs bin ich jetzt bei Regionalsprachen angekommen, heute Venezianisch -, mit dem Liebsten telefonieren, Balkon begießen, Katzen füttern), bevor ich mich zu Fuß durch schönstes Frühlingswetter auf den Weg zur Praxis mache.

Nach dem Pieksen möchte ich noch schnell in den italienischen Spezialitätenladen nebenan. Der macht allerdings erst eine Viertelstunde später auf, also stehe ich erstmal noch ein wenig in der Sonne und beantworte auf dem Diensthandy erste Nachrichten. Dann kaufe ich ein paar Leckereien (Pistaziencreme, getrocknete Tomaten in Öl, Artischockenherzen in Öl, Taralli mit Fenchelsamen, neapolitanischen Espresso…). Die erste Mahlzeit des Tages sind dann ein Tartufo Nero und ein Cremino Pistacchio, die ich an der Kasse geschenkt bekomme.

Ich laufe wieder nach Hause und fühle mich sehr gentrifizierend, aber eben auch nach dolce vita und das ist ja immerhin gut. Die Sonne scheint so warm, dass ich beschließe, erstmal auf dem Balkon zu arbeiten. Ich mache mir zum richtigen Frühstück Joghurt mit dem Rest Kirschkompott, einer Banane und einem Rest Müsli. Dazu gibt es für den Flow eine Mate und danach Apfelsaft mit Wasser. Eigentlich hatte ich mir Zeit im Kalender geblockt, um Dokumente zu sichten und eine Sitzung nächste Woche vorzubereiten. Aber das neue Projekt ist wie ein Sack Flöhe und ich werde ständig unterbrochen.

Dann habe ich ein Brainstorming-Meeting zu einem noch ganz anderen, eher langfristig angelegten Thema. Weil ich ja gerade erst gegessen habe und außerdem später angefangen habe, beschließe ich, die Mittagspause sausen zu lassen und durchzuarbeiten. Jetzt allerdings wieder drinnen, denn die Sonne ist um die Hausecke verschwunden und 13 Grad im Schatten sind dann doch sehr frisch.

Am Schreibtisch geht es weiter – immer noch nicht mit meinen Dokumenten, dafür mit ständigen Unterbrechungen und einem kurzen Telefonat statt eines Meetings, das der Gegenpart verpennt hatte. Zwischendurch kommt die Biokiste an und will verräumt werden. Drin sind Rote Bete, Kopfsalat, Radieschen, Gurke, Äpfel, Ziegengouda und Rinderschinken – alles aus der Region. Da alle im Team noch viel abzuarbeiten haben, beschließen wir, unser Freitagsmeeting abzusagen und stattdessen lieber früher ins Wochenende zu kommen.

Durch diverse Ablenkungen per Mail und Chat, hauptsächlich, aber nicht nur, das Projekt betreffend, weiß ich so langsam nicht mehr, woran ich gerade arbeite. Ich schreibe meinen Wochenbericht, eigentlich ja aber auch gerade noch eine Agenda für die Sitzung nächste Woche, dann möchte wieder jemand kurz per Videocall über das Projekt sprechen und jemand anderes schlägt vor, einen Schritt, der schon abgehakt war, nochmal ganz neu zu denken, irgendwie diverser und mit Hilfe von KI? Und ach ja, kannst Du mir nochmal diese eine wichtige Info geben (die im Projektdokument eigentlich genau da steht, wo sie hingehört) und nebenbei wird auch noch der Abschied von einem Kollegen angekündigt, mit dem ich noch ein paar Worte wechseln will und eine andere Kollegin verabschiedet sich in den Urlaub und und und… Aaaaaaah.

Als die Agenda und der Wochenbericht endlich fertig sind, klappe ich den Laptop zu. Ich halte einen kurzen Schwatz mit dem Mitbewohner, der das lange Wochenende auswärts verbringt und öffne dann dem Lieblingsnachbar die Tür, mit dem ich auf ein Feierabendgetränk auf dem Balkon (warm eingemummelt) verabredet bin. Er nimmt eine Mate und ich ein Wostok (Pflaume-Kardamom). Wir reden teils Privatkram, teils Arbeitskram. Beide sind wir gerade beruflich viel mit Transformation und Prozessen in einem hybriden bzw. Remote-Umfeld beschäftigt – er als Geschäftsführer, ich als Kommunikatorin, in zwei sehr unterschiedlichen Unternehmen aber mit erstaunlich ähnlichen Herausforderungen – und ich kann das Gespräch und seinen Input guten Gewissens noch als Arbeitszeit zählen – zumal ich eh noch ständig nebenbei am Mailen und Chatten in Sachen Projekt bin.

Irgendwann taucht der Mann meiner Cousine unverhofft auf dem Balkon gegenüber auf, wo ja seine Mutter wohnt und wir winken uns quer über den Hof zu und wechseln mit nur leicht erhobener Stimme ein paar Worte. Ist ja auch gut zu wissen, WIE gut man hier gehört wird, wenn man sich auf dem Balkon unterhält. Das mal im Hinterkopf behalten für sensible Themen und den inneren Lautstärkeregler immer sorgfältig austarieren!

Der Lieblingsnachbar verabschiedet sich gegen 18:30 Uhr. Ich nutze erstmals meinen neuen Sprudelwasservorrat und mixe mir anlässlich des Wochenendes einen Aperol Soda. Dazu gibt es – halb Aperitivo, halb Abendbrot – Taralli, Käse, Schinken, Oliven, getrocknete Tomaten, Artischockenherzen, Ricotta mit Olivenöl und Pfeffer und ein paar Scheiben Brot. Zum und nach dem Essen gucke ich wieder zwei Folgen „The Diplomat“. Dann blogge ich, lese den Stuckrad-Barre zu Ende, schaue noch ein wenig TikTok und liege dann Punkt Mitternacht im Bett. Noch schnell die wichtigen Aufgaben für morgen in die To Do App tackern, damit sie mich nicht nachts beschäftigen und dann schlafe ich zur neuen Folge „Niemand wird verurteilt“ ein.

27.04.2023 – Drei Tage in einem

Als Nimbin mich weckt, weil er einen Snack braucht, ist es halb 4. Ich gehe kurz aufs Klo, gebe ihm dann etwas (nie andersherum, erzieherische Maßnahme), dann lege ich mich wieder hin. Vom ersten bewussten Wachsein an jedoch spinnt mein Kopf die Arbeitsthemen weiter. Ich mache mir einen Podcast an, um sie wegzudrücken und wieder einzuschlafen, lausche dann aber hellwach Iris Berben und Kurt Krömer. Nach einer Dreiviertelstunde Podcast schnappe ich mir mein Buch und lese Stuckrad-Barre weiter. Nochmal ungefähr eine Stunde, dann fallen mir endlich die Augen wieder zu, bis mich der Wecker anderthalb Stunden später aus dem Tiefschlaf reißt.

Ich spule das Morgenprogramm ab, muss aber schon vor dem Teil in der Küche kurz an den Schreibtisch, um auf eine Nachricht von einem Kollegen zu reagieren. Dann füttere ich erstmal schnell die Katzen und hole mir eine Mate vom Balkon, um irgendwie wach zu bleiben. Um 10 muss eine wichtige Sache raus, das muss ich erst erledigen. Danach habe ich kurz Luft, um Müsli zu machen, Apfel zu schnippeln und eine große Kanne Kräutertee zu kochen (gestern gab es glaube ich insgesamt zu viel Koffein, daher die kurze Nacht). Ich verbringe die nächsten anderthalb Stunden noch mit der Nachbereitung der wichtigen Sache, dann ist es Zeit, ein großes Standortmeeting zu hosten, zum ersten Mal mit zwei für mich noch neuen Tools. Bis auf einen kleinen Moment läuft das aber reibungslos, allerdings überziehen wir etwas, so dass von meiner schon vorsorglich auf eine halbe Stunde verkürzte Mittagspause nur noch zwei Drittel übrig bleiben.

Die nutze ich, um den Rest Salat von gestern zu essen und kurz durchzuschnaufen. Dann sitze ich im nächsten Call, zu dem aber außer mir niemand auftaucht. Das gibt mir Gelegenheit, endlich das dicke große Projekt, das mich die nächsten zwei Wochen hauptsächlich beschäftigen wird auch über mein Team hinaus anzuschieben und die ganzen anderen Stakeholder zu involvieren. Wir machen da ein Dings in drei Ländern, mit jeweils leicht anderen Vorzeichen und ich bin die einzige, die alle Schritte kennt (allerdings nur für Deutschland, die beiden anderen Länder sind für mich neu und bedeuten zum Teil andere Schritte und Stakeholder). Was hilft ist, dass ich gleich im ersten Satz der E-Mail erwähnen kann, dass unser neuer CEO sein Approval gegeben hat, das steigert den Mitmachwillen und das Tempo der anderen doch ungemein. 🙂

Was nicht hilft, ist dass das Projekt über zwei verschiedene Tools gemanagt werden muss, da noch nicht alle Mitarbeiter*innen Zugang zu dem neuen Tool haben. Alle Schritte müssen also einmal für alle in dem alten dokumentiert werden und dann zusätzlich nochmal in dem Neuen für diejenigen, die bereits Zugang haben und angehalten sind, alle ihre Aufgaben dort nachzuhalten. Achja, und natürlich sind nicht nur Stakeholder in den drei betroffenen Ländern involviert, sondern noch in mindestens drei weiteren. Alle mit unterschiedlichem Wissensstand. Aber hey, immerhin können soweit alle Englisch. Das wird.

Pünktlich 18 Uhr ist Feierabend, ich schnappe mir also ein Getränk (Wostok Orange-Vanille) und setze mich kurz auf die Couch. Dann muss ich allerdings schon meine Sportsachen zusammenpacken (bis auf den Bikini, den ich mir aus psychologischen Gründen gleich morgens angezogen habe) und los. Um 19 Uhr bin ich mit meiner besten Freundin zu Schwimmen und Sauna verabredet.

Während ich in der S-Bahn sitze, schreibt dann mein Papa mit der – sinngemäßen – Mitteilung, dass jetzt nach erst mir, dann meiner Mama, dann meinem Bruder, dann wieder mir auch das letzte Mitglied unserer Kernfamilie innerhalb eines Jahres sich eine ernstzunehmende Erkrankung zugezogen hat. 4/4, Quartett voll, reicht dann jetzt auch wirklich!

Die beste Freundin und ich tauschen uns beim Umziehen kurz aus, was es Neues gibt (nicht gar so viel, denn wir haben uns ja am Wochenende erst gesehen) und was ihre Mama meinem Papa zur Geburtstagsparty mitbringen könnte. Dann steigen wir frisch geduscht in den Pool und während wir noch vor Kälte zittern, werden wir plötzlich von einer überraschten Stimme begrüßt. Genau in diesem Moment schlägt nämlich eine gemeinsame Freundin von uns am Beckenrand an, die ich seit 8 Jahren nicht gesehen habe und meine beste Freundin fast genauso lange. Sie ist zum ersten Mal in diesem Fitnessstudio, konnte nur durch Zufall mal abends und eigentlich wollte sie schon eine Bahn vorher Richtung Sauna verschwinden. Wie viele Zufälle kann es gleichzeitig geben??

Wir huddlen kurz zu dritt am Beckenrand (ich stelle dabei fest, halbnackt begrüßt man sich nicht mit Umarmung), bis es uns zu kalt wird. Dann verabreden wir uns für gleich in der Sauna und wir zwei Neuankömmlinge schwimmen los. Ich schaffe insgesamt sechs Bahnen, nach den ersten beiden brauche ich schon eine Pause, bei den nächsten dann jeweils schon nach einer Bahn (jeweils 25 m). Dazwischen mache ich noch alle Aquafitnessübungen, die mir aus dem Stegreif einfallen. Nach etwa 25 Minuten bin ich platt, meine beste Freundin ist derweil einfach durchgehend geschwommen, jetzt reicht es aber auch ihr.

Wir wechseln hinüber in die Sauna, wo wir auf unsere andere Freundin treffen und uns erstmal saunabedingt anschweigen müssen. Als wir dann draußen sind und uns zwischen zwei Saunagängen ausruhen, erzählen wir los – leider immer wieder unterbrochen von einem Typen, der sich ins Gespräch einmischt und denkt, er müsse uns auch von sich erzählen. Nach dem zweiten Saunagang und der Umkleide setzen wir uns dann noch in die Lobby und haben endlich Gelegenheit, in Ruhe zu quatschen.

Wir reden über unsere Jobs, unsere Beziehungen, die Kinder (neben dem Teilzeitkind sind noch zwei weitere inzwischen dazugekommen, bei jeder meiner Freundinnen eins), gemeinsame Freunde, Feiern mit um-die-40… Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir alle noch total jung sind (sehen ja auch so aus!), es sind nur die Umstände, die müde machen. Es wird dann ganz schön spät, wir brechen erst gegen 22 Uhr nach Hause auf und hoffen, uns jetzt wieder öfter zu sehen. Ich gründe direkt in der S-Bahn noch eine WhatsApp-Gruppe – mal sehen! Auf jeden Fall hat dieser Riesenzufall es geschafft, dass ich den ganzen Abend über nur wenig über Arbeit oder Krankheiten nachgedacht habe.

Wieder zuhause muss ich dann noch dringend Abendbrot essen – es gibt eine Avocado, eine Käsestulle, Gurke, Radieschen und vegane Wiener. Dann hänge ich die nassen Sachen auf, putze mir die Zähne und gehe mit Buch ins Bett. Es dauert nicht lange, bis ich beim Lesen einschlafe.