16.05.2023 – Der Montagsdienstag

Da gestern ja Schulung war, ist erst heute wieder ein richtiger Arbeitstag. Ein Dienstag, der sich wie ein Montag anfühlt und nebenbei aber auch noch wie ein Donnerstag, denn ein langes Wochenende steht ja auch noch bevor. Zuallererst aber ist er ein relativ entspannter Homeoffice-Tag mit gemütlicher Morgenroutine der üblichen Art. Mein erstes Meeting ist für 9:30 Uhr angesetzt, kurz davor sitze ich mit Tee (schwarz mit Maracuja) und Müsli (Honig-Nuss mit Apfel) am Rechner. Dann wird das Meeting kurzfristig abgesagt und ich kann mich erstmal durch meine E-Mails wühlen, bis zum nächsten Meeting um 10:00 Uhr. Das dauert eine halbe Stunde und involviert heute Kolleg*innen aus Spanien, Italien, Frankreich und Polen.

Dann habe ich wieder eine halbe Stunde Zeit und gehe die Aufgaben durch, die ich diese Woche schaffen muss (aka heute und morgen) und verschiebe gleich einmal eine Deadline auf nächste Woche, weil das sonst echt eng wird. Außerdem schaue ich mir die Meeting Notes von dem Team-Meeting gestern an und mache mir eine mentale Notiz, später Fragen dazu zu stellen. Um 11:00 Uhr dann anderthalb Stunden Meeting mit Kolleg*innen, die alle in Berlin sind – zwei im selben Raum im Büro, der Rest im jeweiligen Zuhause.

Direkt im Anschluss Meeting mit einer Kollegin in England, die nebenbei ihre Wäsche aufhängt. Sie kann mir meine Fragen zu den Meeting Notes beantworten und ich schreibe mir direkt noch ein To Do für nach der Mittagspause auf. Dann ist es auch schon 13 Uhr und ich verschwinde in die Küche. Ich brate mir den Rest Kartoffeln von gestern in Bärlauchbutter auf und schlage zwei Eier darüber. Dazu gibt es Spreewaldgurken. Draußen ist es heute ungemütlich und kühl, deshalb esse ich drinnen.

Danach geht es zurück an den Schreibtisch. Ich erledige mein To Do aus den Meeting Notes und korrigiere weiter die KI-Übersetzungen von letzter Woche. Dann arbeite ich am Großprojekt weiter, für das ich einen Teil bis morgen fertig haben muss. Zwischendurch chatte ich dazu mit meiner Kollegin in Frankreich. Dann kommt ein Übersetzungsauftrag aus England herein – an einem Standardvertrag wurde eine Formulierung geändert und ich muss diese für die deutsche Variante anpassen.

Um 15 Uhr habe ich dann noch ein letztes Meeting, mit der Kollegin in Georgia. Von 15:30 bis 18:00 Uhr sitze ich weiter an den verschiedenen Aufgaben und dann mache ich pünktlich Feierabend. Ich schnappe mir meine Yoga-Matte und mache mich auf den Weg zur Physiotherapiepraxis. Unterwegs telefoniere ich zum dritten Mal heute mit dem Liebsten. Er berichtet, dass das Teilzeitkind heute beim Friedenslauf 7 Runden à 1,6 km gelaufen ist und damit seine Familie arm gemacht hat. WTF, gestern und vorgestern war es noch krank! In dem Alter war ich froh, wenn ich 1 km am Stück gelaufen bin (und wäre das vermutlich heute auch).

Meine „sportliche“ Leistung beim Yoga ist im Vergleich sehr überschaubar, ich mache mit, so gut ich kann, verbringe aber viel Zeit im „Kind“, weil einige Bewegungen gar nicht möglich sind, andere zu sehr schmerzen und andere zu viel Kraft kosten. Aber Yoga ist ja auch kein Wettbewerb und es ist gut, dass ich es gemacht habe. Auf dem Heimweg gehe ich noch kurz etwas einkaufen. Wieder zuhause mache ich mir Stullen, einen Salat (Spinat mit eingelegten Artischocken, Oliven und getrockneten Tomaten, dazu Kräuter vom Balkon und ein Dressing aus Olivenöl, Weißweinessig und süßem Senf), eine halbe Ananas und eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel).

Als ich mit dem Essen fertig bin, ist es plötzlich schon 22 Uhr. Ich trinke noch gemütlich die Limo aus und schaue dabei TikTok. Dann siebe ich das Katzenklo durch und mache mich bettfertig. Um 23 Uhr schlage ich mein Buch auf und bin dann nach wenigen Seiten eingeschlafen.

15.04.2023 – Ein ganz anderer Montag

Jetzt fängt mein Körper also an, den fehlenden Schlaf nachzuholen. Ich werde diese Nacht zweimal geweckt, einmal durch ein merkwürdiges Geräusch und einmal durch gelangweilte Katzen. Beide Male habe ich gerade erst anderthalb Stunden am Stück geschlafen, wache aber aus dem tiefsten Tiefschlaf auf und bin der Meinung, die Nacht sei jetzt vorbei. Trotzdem schlafe ich auch beide Male fast sofort wieder ein und dann bis gegen 7 durch, eine halbe Stunde vorm Weckerklingeln. Das passt mir ganz gut, denn an Bürotagen ist der Wecker eher eine Art letzte Warnung. So komme ich trotzdem gemütlich in den Tag.

Ich lese das Internet leer, mache Niederländisch, Tschechisch und Italienisch, blogge, füttere die Katzen, die Pflanzen gieße ich nicht, das reicht noch von gestern Abend. Ich ziehe mich an, packe meinen Rucksack, nehme mir Müsli mit und schnappe mir eine Mate vom Balkon, dann bin ich auf dem Weg zur Tram. Unterwegs telefoniere ich mit dem Liebsten. Im Büro angekommen stellt mir ein Kollege ein eigentlich leicht zu lösendes Rätsel, aber mein Geist schläft scheinbar wieder oder ich habe Brainfog. Mit vielen Tipps finde ich die Lösung. Dann gibt es erstmal einen Cappuccino mit zusätzlichem Espresso-Shot und das Müsli.

Der heutige Bürotag ist anders als sonst, denn ich befinde mich den ganzen Tag in einer Schulung und bin von den alltäglichen Aufgaben komplett abgemeldet. Es gibt eine ausgedehnte Session am Morgen, dann gehen wir in einer kleinen Gruppe Mittag essen (Bun bo und Ginger Ale, Foto vergessen!), dann folgt eine zweite Session am Nachmittag, unterbrochen durch eine weitere Kaffeepause (Espresso macchiato für mich). Weil der Referent pünktlich los muss, haben wir dann sogar etwas früher Schluss als geplant. Theoretisch könnte ich an meinem Teammeeting um 17 Uhr teilnehmen, praktisch bin ich ja abgemeldet und habe außerdem den müden Kopf voll von Schulungsinhalten. Ich mache mich also auf den Heimweg. Dabei telefoniere ich wieder mit dem Liebsten.

Ich möchte eigentlich so weit wie möglich laufen, aber da mein Körper immer noch Müdigkeit anmahnt und es dann auch noch zu regnen anfängt, steige ich schon bei der zweiten Gelegenheit in die Tram. So bin ich schon zuhause, bevor das Teammeeting zu Ende wäre und habe also einen ungewohnt frühen Feierabend. Ich gebe den Katzen etwas zu essen und setze mich dann mit einer Feierabendlimo (Tannenwald) auf den Balkon und gucke, was heute so im Internet los war. Dann habe ich auf einmal wieder Hunger, obwohl ich mich bis eben noch komplett vollgefressen fühlte.

Ich koche Pellkartoffeln und mache nebenbei den Abwasch. Dann gibt es die Kartoffeln mit Sahnehering, Radieschen und einem Apfel im Bett liegend. Nach dem Essen versuche ich, zu lesen, mir fallen aber ständig die Augen zu. Für den Nachtschlaf ist es noch zu früh, sonst liege ich später wieder ewig wach. Ich wechsle also das Medium und treibe mich auf TikTok herum. Kurz nach 20 Uhr telefoniere ich ein drittes Mal mit dem Liebsten, diesmal samt Teilzeitkind, das sich gerade zum ins Bett gehen und vorgelesen bekommen fertig macht und dabei wie wild das Känguru zitiert. Ich sage dem Liebsten direkt gute Nacht und gehe dann Zähne putzen und mache auch mich bettfertig.

Wieder liegend bin ich jetzt aber wieder munterer als eben und beschäftige mich noch ein Weilchen weiter mit TikTok. Der Algorithmus zeigt mir diverse Videos zu einem Thema, von dem ich einige an den Liebsten weiterleite, bis er mir zu Verstehen gibt, dass das jetzt genug waren und mir als Bestrafung ein Video von einem Let‘s Play schickt. Die andere interessante TikTok-Erkenntnis des Tages ist das Konzept des „Doing it for the plot“. Kommt mir irgendwie bekannt vor, hüstel.

Anyway, Zeit, wieder zu lesen. Ich komme über die Stelle hinweg, bei der ich gestern Abend immer eingeschlafen bin und dann gibt es sogar einen Plottwist, der mich viel länger als in den letzten Tagen weiterlesen lässt. Gegen 22 Uhr ist dann trotzdem der Schlaf übermächtig und ich gebe nach.

14.05.2023 – Sunday Funday

Wenn ich die letzte Nacht mit fünf Stunden Schlaf ausgekommen bin, mache ich das diese Nacht einfach auch, sagte sich mein Körper wohl. Jedenfalls bin ich halb 7 wach und muss auf Toilette. Diesmal hätte ich wohl wieder einschlafen können, aber irgendwie habe ich beim Toilettengang wohl das Teilzeitkind geweckt, das jetzt auch wach ist und Bienenstichsymptome eruiert haben will. Außerdem bekommt es vom Liebsten Kakao und Frühstück angeboten, hat aber keinen Appetit. Die Erwachsenen liegen und dösen und lesen dann ab jetzt. Irgendwann legt sich das Kind zu uns. Dann muss es aber aufstehen, denn um 9 wird es zu einem Außentermin abgeholt und muss dafür auch noch chic aussehen.

Als wir dann alleine sind, gibt es noch ganz in Ruhe einen Kaffee im Bett und ich mache Niederländisch und Tschechisch und blogge. Für Italienisch bleibt erstmal keine Zeit, denn wir haben noch einiges vor. Also stehen wir auf, ziehen uns an, packen unsere Sportsachen und spazieren 20 Minuten zum Fitnessstudio. Der Liebste hüpft auf den Crosstrainer und ich versuche mich erst einmal auf dem Laufband, wechsle dann aber schnell auf ein „Fahrrad“ und radle durch San Francisco. Dabei höre ich Podcast und stelle außerdem schnell fest, dass ich dank Rückenlehne auch nebenbei im Internet rumlesen könnte. Das verlangt nach einem Foto, einem Video für eine Insta Story und meinem nächsten TikTok. Bear with me, ich übe noch!

Nach dem Strampeln ziehen wir uns um und schwimmen noch ein paar Bahnen, bevor es in die Sauna geht – ebenfalls mit Bewegtbilder, denn bei 100 Grad können wir uns auf einem riesigen Bildschirm mit Videos von isländischen Stränden und kanadischen Wald- und Gebirgslandschaften abkühlen. Nach der Sauna ruhe ich noch kurz auf einer Liege, dann gehen wir duschen und uns anziehen und spazieren zum nächsten Programmpunkt, unserem Stamm-Frühstückslokal. Ich frühstücke schwedisch, der Liebste italienisch und mein Getränk heißt irritierenderweise Pelikan, ohne einer zu sein.

Nach dem gemütlichen Frühstück spazieren wir wieder nach Hause, fallen nun völligst erschöpft zurück ins Bett und schlafen erst einmal, bis das Teilzeitkind wieder zu Hause ist. Es ist nun auch komplett geschafft, also geben wir dem Drängen seit gestern nach und gucken zu dritt auf dem Sofa „Harry Potter und der Halbblutprinz“. Danach lasse ich die beiden alleine und nehme voll bepackt die S-Bahn nach Hause. Dort angekommen quäle ich mich durch Schwimmsachen aufhängen, Katzen füttern, Katzenklo sieben und Pflanzen gießen. Dann schnippele ich mir den Rest Erdbeeren klein, gieße Milch darüber und esse sie zum Abendbrot auf dem Balkon, mit einer Wochenendlimo (Blaubeere-Salbei) und einem Telefonat mit meinen Eltern.

Es ist dann kurz vor 21 Uhr. Ich putze mir die Zähne, gebe den Katzen noch etwas Trockenfutter für die Nacht und lege mich ins Bett. Ich mache die Italienischübungen, die ich morgens ausgelassen hatte, schaue noch etwas TikTok und nehme mir dann mein Buch. Ich lese den gleichen etwa siebenzeiligen Absatz ungefähr zwölfmal, mache dann das Licht aus und schlafe sofort tief und fest.

13.05.2023 – 20 Stunden wach

Das ist ja schön, dass die Tage an sich länger werden, aber meine Wachzeiten müssen da eigentlich nicht auch mitmachen. Ich werde am Morgen von kabbelnden Katzen geweckt, gehe kurz aufs Klo, verteile Snacks und lege mich wieder ins Bett. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt, dass es 5 Uhr ist. Beste Bedingungen, um wieder einzuschlafen, eigentlich. Ich lese kurz ein bisschen, bis mir die Augen wieder zufallen, döse aber nur noch ganz kurz weg, bevor mein Kopf sagt, dass ich mit das Weiterschlafen jetzt klemmen könne. Also weiter lesen, irgendwann Podcast hören… Bis 7 noch in der Hoffnung, dass der Schlaf doch nochmal zurück kommt… Aber nein.

Dann also Internet leer lesen, Niederländisch, Tschechisch und Italienisch machen, Bloggen und im Geiste schonmal die Logistik des Tages durchgehen. Gegen halb 10 stehe ich auf, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, ziehe mich an, packe meine Sachen und koche mir einen Kaffee für unterwegs. Das Hochblubbern in der Moka wird nebenbei zu meinem ersten richtigen TikTok-Video und findet gleich viel Anklang. Kurz nach 10 verlasse ich die Wohnung Richtung Südberlin. Ich hole noch Erdbeeren am Erdbeerhäuschen und setze mich dann in die S-Bahn. Am Zielbahnhof treffe ich den Liebsten und das Teilzeitkind und dann gehen wir auf den Markt.

Wie jeden zweiten Sonnabend holen wir Aufstriche, Börek, Oliven, Taboulé, Brot, Eier und Quarkbällchen. Der Salami-Mann ist heute nicht da und Obst habe ich ja schon dabei. Dann geht es nach Hause und gegen 12 Uhr gibt es Brunch. Dabei machen das Teilzeitkind und ich einen Geschmacksvergleich mit Kalamata-Oliven und geschwärzten Oliven und haben unterschiedliche Favoriten, mit voraussehbarer Verteilung. „Vielleicht schmeckt mir ja die Farbe?“

Nach dem Essen haben wir verteilte Aufgaben. Das Teilzeitkind schreibt die Einladungskarten für seine Geburtstagsparty in zwei Wochen, während der Liebste und ich mein Zelt reparieren, mit dem ich am Tag nach der Feier zum Immergut fahre. Dabei kommen Alleskleber und schwere Bücher von Perry Rhodan und Michail Bakunin zum Einsatz.

Als alles fertig ist, machen wir eine Pause und alle dürfen sich eine Weile mit Hörspiel, TikTok bzw. GTA beschäftigen. Dann machen der Liebste und ich einen Spaziergang durch den Park zum Kanal, während das Teilzeitkind sich mit einer Freundin zum Spielen trifft. Von dort kommt es später mit einem Bienenstich zurück, den es sich beim Radschlagen auf der Wiese zugezogen hat. Aber dieses Kind ist ja sehr tapfer und die Folgen sind überschaubar.

Halb 7 sitzen wir dann mit der Freundin zu viert am reservierten Tisch beim Stammitaliener. Es gibt Antipasti, Bruschetta und Focaccio und danach für die anderen Pizzen und für mich Ravioli mit Steinpilzen. Zum Nachtisch bekommt ein uns gut bekanntes Kind ein gemischtes Eis und besteht aus Gründen darauf, dass ich die Karamellcreme nehme. Die Kids gehen zwischen den Gängen jeweils draußen spielen, so dass wir beim Weinchen auch ein paar Erwachsenengespräche führen können.

Beim Bezahlen stelle ich fest, dass draußen auf der Terrasse inzwischen ein ehemaliger und ein aktueller Kollege sitzen. Berlin ist so ein Dorf! Wir halten einen kleinen Plausch, dann bringen wir die Freundin nach Hause und uns selbst aufs Sofa – das ESC-Finale geht gleich los! Das Teilzeitkind dürfte eine Stunde mitgucken, haben wir entschieden, aber es will gar nicht, weil es doof findet, dass wir lieber das gucken, als jetzt noch eine Stunde irgendeinen Film anzufangen. Es braucht drei Überredungsansätze von uns, bis es dann doch zum Fernseher kommt. Das Argument, dass ganz Europa das gerade guckt, hat dann doch gezogen. Nach der verabredeten Stunde ist das Kind dann gerade an meiner Schulter eingeschlafen, die Hand quasi noch in der Chipstüte. Der Liebste hält auch gerade ein Nickerchen, wird dann aber wieder wach und ist ganz verzückt ob der Niedlichkeit.

Gegen 23 Uhr wacht das Kind wieder auf und bringt sich selbständig ins Bett, der Liebste geht noch eine Runde zocken und bittet darum, zur Punkteverteilung wieder gerufen zu werden. Die schauen wir dann ab Mitternacht wieder gemeinsam und dann liegen wir irgendwann halb 2 im Bett.

12.05.2023 – Freitagsfreuden

Auch der heutige Tag ist noch von viel Müdigkeit und Erschöpfung geprägt, aber immerhin steht auch nicht mehr ganz so viel an, bis das Wochenende losgehen kann. Ich nehme mir vor, die Flexibilität von Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice voll auszunutzen. Dann beantworte ich aber doch schon kurz nach 8 die ersten Arbeitsnachrichten auf dem Diensthandy, woraus sich ein erstes dienstliches Telefonat kurz nach 9 ergibt. Zu diesem Zeitpunkt liege ich noch im Bett, habe noch nicht fertig gebloggt, aber immerhin schon einen Tee gekocht.

Um 10 kann ich dann das Bloggen abschließen und aufstehen. Ich richte mir das Balkon-Office her, esse Toasts mit Holundermarmelade und Pistaziencreme und einen Apfel und wühle mich durch die E-Mails der Nacht. Ein wichtiger Schritt im Großprojekt hätte eigentlich schon erledigt worden sein müssen, aber der zuständige spanische Kollege ist gerade in Indien und hat wegen der Zeitverschiebung vermutlich die Deadline verpasst. Durch Anpingen auf mehreren Kollegen erreiche ich ihn irgendwann und die Aufgabe ist drei Stunden nach Deadline erledigt – immerhin.

Zeitgleich, bzw. überlappend, findet dann das erste Meeting des Tages statt, für das ich allerdings nach drinnen an meinen Schreibtisch gewechselt bin. Mitte Mai wird es jetzt schon am späten Vormittag zu heiß, um auf dem Balkon zu arbeiten. Nach dem Meeting mache ich Mittagspause und schnipple mir einen Salat aus Lollo bionda, Radieschen, getrockneten Tomaten, Oliven und eingelegten Artischocken zurecht. Zum Essen ist es auf dem Balkon nicht zu heiß. Ich schnappe mir auch direkt noch eine Mate für den Nachmittag.

Ich arbeite noch Dinge ab und höre dabei das neue Album von Feine Sahne Fischfilet, dann startet um 15 Uhr unser Wochenabschluss-Teammeeting, das wir heute gnadenlos überziehen. Es gibt einfach sehr viel zu besprechen, da wir alle diese Woche so viel beschäftigt waren, dass wir wenig Gelegenheit für den Austausch über die allerdringendsten Aufgaben hinaus hatten. Aus dem Meeting ergeben sich dann nochmal einige To Do‘s und außerdem muss ich noch meinen Wochenbericht schreiben. Zwischendurch telefoniere ich auch noch mit meinem Bruder. Als dann alles fertig ist, ist es schon wieder fast 18 Uhr (soviel zu flexiblen Arbeitszeiten) und ich klappe den Laptop mit Schwung zu.

Bevor ich mich heute so richtig zurücklehnen lassen kann, gilt es noch, das Katzenklo durchzusieben, den Müll runterzubringen, beim Lieblingsnachbarn den Balkon zu gießen und Wäsche zu waschen. All das erledige ich, bevor es das Feierabendgetränk gibt – weil Wochenende ist, gönne ich mir einen Limoncello Soda (ich muss mir evtl noch Prosecco mit Schraubdeckel zulegen, dann kann es auch mal Spritz nur für mich geben). Zum Essen gibt es frisches Brot mit Bärlauchbutter, Cœur de Paille und Finocchiona und dazu die letzte Möhre und den Rest vom Ziegengouda.

Beim und nach dem Essen versinke ich in TikTok. Als der Mitbewohner nach Hause kommt, serviert er zum Nachtisch noch mitgebrachte „Carrot Sweets“, eine Art Barfi oder Halwa aus geriebenen Möhren und getrockneter (?) Milch, die er vorher in der Mikrowelle warm macht. Die Milch wird so lange erhitzt, bis keine Flüssigkeit mehr übrig ist, wie man das genau auf Deutsch nennt, fällt mir gerade nicht ein. Solid Milk auf Englisch jedenfalls.

Eigentlich hatte ich für den Abend noch Fantasien vom Buch lesen, aber mein Kopf kommt dafür nicht genügend zur Ruhe. Stattdessen geht es mit einem Podcast in die Badewanne, bis die Waschmaschine fertig ist. Dann noch schnell Wäsche aufhängen und kurz nach 23 Uhr lege ich mich zum Schlafen hin.

Zu der doch für die nicht dabei gewesenen wahrscheinlich eher eintönigen Alltagsbeschreibung könnten hier noch ein paar Gedankenfetzen dazu stehen, wie oft ich in letzter Zeit gedanklich mit Menschen anecke, weil sie Dinge sagen, die mich auf politischer Ebene entrüsten. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, natürlich. Bin ich in den letzten Jahren in meinen Ansichten radikaler und gleichzeitig im Zwischenmenschlichen intoleranter geworden oder sind es die Zeiten, wegen derer alle etwas on edge sind? Und wie konsolidiert man divergierende Meinungen damit, das man sich sonst eigentlich mag und in den in dieser Woche aufgefallenen Fällen ja auch weiterhin gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten will? Drei verschiedene Personen, einmal ging es um die Pandemie, einmal ums Klima bzw. die Maßnahmen gegen den Wandel desselben und einmal um Klassismus im weitesten Sinne. Und jedes Mal sagte die jeweilige Person was sie sagte eher nebenbei und in völligem Unbewusstsein dessen, wie dumm (sorry) es ist. Eigentlich ein Wunder, dass ich keine unsolidarischen Kommentare zum anstehenden Bahnstreik gehört habe. Zum Glück, sonst wäre ich wohl endgültig mit roter Fahne auf die Barrikaden gegangen.

Anyway, auf ins Wochenende!

11.05.2023 – Fatigue

Ich habe es ja durchaus erwartet, aber bin dann doch überrascht, WIE erschöpft ich nach den letzten beiden Wahnsinnstagen bin. Ich hätte ja nach dem Arbeitstermin bis kurz vor Mitternacht gestern gerne die gesetzlich verordneten 11 Stunden Ruhezeit eingehalten, aber morgens halb 10 findet ein Townhall statt, bei dem ich zumindest zuhören sollte. Als Kompromiss beschließe ich, das noch vom Bett aus zu machen, dann wieder zu ruhen und mich frühestens um 11 an den Schreibtisch zu setzen. Als dann der Reminder für das Townhall aufpoppt, bin ich erschrocken, dass es schon soweit ist, gefühlt bin ich doch gerade erst wachgeworden. Ja, alles geht heute morgen etwas langsamer.

Ich höre das Townhall an, beantworte im Chat eine Frage dazu, und klappe dann den Laptop nochmal zu. Richtiges Ruhen ist jetzt aber auch nicht mehr möglich. Ich lasse mir aber immerhin Zeit beim Aufstehen, Katzen füttern, Balkon gießen, Anziehen und Frühstück machen und esse dann erstmal entspannt mein Müsli, bevor ich ernsthaft anfange, zu arbeiten. Konzentration ist heute schwierig, ich bin einfach zu kaputt und müde. Ich arbeite also vor allem die dringendsten und einfach erscheinenden Aufgaben ab und verschiebe weniger Dringendes und Komplexeres.

Um 13:45 Uhr habe ich ein spontanes Meeting mit meiner Kollegin in Paris, um mich mit ihr zum Großprojekt abzustimmen. Dafür muss ich allerdings noch etwas fertigstellen. Ich ziehe mir also einen extra Schuss Koffein qua Mate rein, ballere mir die Immergut-2023-Playlist auf die Ohren und ziehe das so schnell wie möglich durch. Ich bin rechtzeitig zum Termin fertig damit und kann dann erstmal kurz Pause machen und mich danach wieder seichteren Aufgaben widmen. Zum Mittag gibt es Stulle mit Bärlauchbutter, Ziegengouda und Spreewaldgurke und ein Telefonat mit dem Liebsten.

Am Nachmittag nehme ich an einem Webinar teil, danach gibt es wieder ein Meeting, bei dem ich nur zuhören muss und danach verbringe dann den Rest des Arbeitstages mit der Korrektur von Übersetzungen, die per KI angefertigt wurden. Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu, schnappe mir eine Feierabendlimo (Estragon-Ingwer) und gehe nach draußen. Ich spaziere ein wenig, bringe eine Pfanddose zurück und telefoniere nebenbei mit meiner Kollegin und Freundin in Frankreich. Die Spazierrunde wird allerdings kurz, ich bin wirklich kaputt. Zuhause setze ich mich noch ein wenig auf den Balkon und bestelle während des Telefonierens online einen Cheeseburger mit Avocado und Jalapeños und dazu Pommes und Chipotle-Mayo – alles vegan.

Wir telefonieren noch, his das Essen da ist, dann mache ich es mir mit dem Burger und dem ESC-Halbfinale-Livestream gemütlich. Der halbe Bildschirm zeigt ESC, die andere Hälfte Kreuzworträtsel der New York Times und auf dem Diensthandy bespreche ich die ESC-Vorgänge mit einer Kollegin in England und einem Kollegen in den USA, der mal als Austauschstudent in Moskau war und seitdem ESC-Fan ist.

Kurz vor Mitternacht ist dann auch dieser Tag für mich vorbei.

10.05.2023 – The longest day

Gestern erzählte ich den Freundinnen auf dem Weg zur S-Bahn noch, dass die Katzen mich jede Nacht mindestens einmal wecken, weil ihnen langweilig ist und dass ich froh bin, wenn was vor 5 Uhr passiert, weil ich dann nochmal einschlafen kann, ansonsten bleibe ich oft wach. Prompt wecken mich die Katzen heute kurz vor 5 und ich kann nicht wieder einschlafen. Möglicherweise bin ich aufgeregt vor dem langen Tag, vielleicht auch, weil mein Laptop im Büro ist und ich damit komme was wolle ins Büro muss und das alles schon wieder so viel logistischer Aufwand ist, der durch meinen Kopf wabert.

Jedenfalls gebe ich irgendwann das wieder Einschlafen auf und beginne mein übliches Morgenprogramm. Beim Anziehen denke ich, ich müsste heute etwas seriöser aussehen als das Indiemädchen, das ich gestern war, schließlich habe ich heute einen wichtigen Außentermin. Ich ziehe an, was mir dazu und zum Wetter passend erscheint und muss dann doch lachen, weil ich in Sneakers, Leggings, Flatterkleid, Ringelshirt und Trainingsjacke vor dem Spiegel stehe. Ringelshirt und Trainingsjacke, mehr Indiemädchen geht gar nicht. Aber ist egal, für den Außentermin geht das so. Dafür nehme ich eine Handtasche mit statt des Turnbeutels von gestern Abend, das muss an Seriosität reichen.

Das Müsli muss heute in einem Glas mit, denn auch mein Müslibecher ist ja noch im Büro. Außerdem habe ich meine Sporttasche für den Abend dabei, eine Mate für den Weg und Papier- und Restmüll für den Müllplatz, als ich die Wohnung verlasse. Muss insgesamt ein interessanter Anblick sein. Nachdem ich den Müll losgeworden bin, telefoniere ich auf dem Weg zur Tram mit dem Liebsten. In der Tram recherchiere ich etwas für ihn und schicke ihm zwei Links, dann ist das schonmal erledigt.

Kurz vor 9 bin ich dann im Büro, wo es heute voller wird als gestern, dafür aber nur ein Meeting ansteht. Ich komme also erstmal wieder ganz in Ruhe dazu, meine eingeschlossenen Sachen von gestern hervorzuholen, meinen Arbeitsplatz einzurichten, mein Müsli zuzubereiten, meine Wasserflasche aufzufüllen und an der Kaffeemaschine einen ausführlichen Plausch mit Kolleg*innen zu halten – über Stadtnatur, koreanische Fernsehserien und andere wichtige Dinge.

Dann lese ich Müsli löffelnd und Cappuccino trinkend meine E-Mails, arbeite am Großprojekt weiter, stimme mich dazu mit Leuten vor Ort ab, schicke eine Rundmail zu Gesundheitsangeboten, beantworte Fragen von Kolleg*innen, die auf dem Weg zum Klo alle an mir vorbei müssen, beantworte Fragen von Kolleg*innen über Chat, schreibe eine E-Mail an ein globales Team… Um 13:30 Uhr starte ich in meine Mittagspause und da keine*r der Kolleg*innen vor Ort zeitgleich Zeit und Hunger hat, nutze ich die Gelegenheit mal für etwas Abwechslung und fahre direkt mit der U-Bahn in Richtung meines Außentermins. Im Foodcourt der Mall am Leipziger Platz hole ich mir eine Pokébowl mit Lachs, die ich dann am Potsdamer Platz draußen sitzend verspeise. Idyllisch ist anders, aber wenigstens bewegt sich hier die Luft, anders als in der Mall.

Als ich fertig bin, spaziere ich rüber zum Termin und habe dort noch eine gute Viertelstunde, um auf einer Bank zu sitzen und in mein nicht-Diensthandy zu schauen. Dann trudeln nach und nach die anderen Teilnehmer*innen ein, einige kenne ich, andere noch nicht. Wir smalltalken und gehen dann nach drinnen in einen Seminarraum, wo die nächsten gut anderthalb Stunden eine Präsentation mit Q+A-Session stattfindet. Einer der Präsentierenden spricht sehr langsam, das ist in Kombination mit meinem verdauenden Magen und dem Umstand, dass ich zu diesem Zeitpunkt nach weniger als 5 Stunden Schlaf schon mehr als 10 Stunden wach bin etwas unglücklich, ich werde sehr müde, und muss meine ganze Kraft aufbringen, das nicht zu zeigen und trotzdem konzentriert zuzuhören. Zum Glück sind die anderen Präsentierenden und die Fragen der Zuhörenden lebhafter, so komme ich insgesamt gut durch.

Als der Termin vorbei ist, muss ich mich sputen, zurück ins Büro zu kommen, für das einzige Meeting des heutigen Tages. In der U-Bahn telefoniere ich mit dem Liebsten, ansonsten marschiere ich flinken Fußes und komme nur 4 Minuten zu spät zum Meeting mit einem Teil meines Teams. Dieser Teil hat heute sozusagen Großkampftag und es gilt, letzte Dinge abzusprechen und den Zeitplan zu koordinieren. Zum Glück habe ich meine Aufgaben dazu schon gestern abgeschlossen und kann mich da heute weitestgehend rausnehmen. Als das Meeting vorbei ist, ist es 18 Uhr und ich bin die letzte im Büro. Ich beantworte, was während meines Außentermins aufgelaufen ist, schreibe eine Zusammenfassung meiner Erkenntnisse des Termins für mein Team und packe dann alles zusammen, was ich in den letzten beiden Tagen ins Büro getragen habe und verteile es sinnig auf Laptoprucksack und Sporttasche.

Ich verlasse das Büro voll bepackt gegen 20 vor 7 und fahre mit der S-Bahn ins Fitnessstudio. Auf dem Weg esse ich den Schokoriegel, den ich gestern in der Mittagspause gekauft und dann vergessen hatte und telefoniere mit meinen Eltern. Es gibt halbgute Nachrichten aus dem Gesundheitsbereich und das ist ja immerhin schon mal besser als schlechte. Im Fitnessstudio angekommen habe ich Mühe, all meine Habseligkeiten im Spind unterzubekommen, aber irgendwie geht es und ich bin pünktlich 5 Minuten vor Kursbeginn im Wasser. Die Musikauswahl des heutigen AquaFitness-Kurses ist extrem gut, nur habe ich Mühe, meine diversen Gliedmaßen und die verschiedenen Bewegungsabläufe zu koordinieren und gleichzeitig korrekt mitzusingen. Irgendwas ist ja immer. Der Kurs ist gut und genau richtig anstrengend.

Nach den 45 Minuten lasse ich mich noch kurz im Wasser treiben und schüttele mich aus, dann geht es direkt weiter in die Sauna. Ich liege erst über die volle Sanduhrzeit von 15 Minuten in der weniger heißen Sauna, die ich über einen großen Teil sogar für mich alleine habe. Einmal kommt ein Mann rein und geht direkt wieder, als er mich alleine da sieht. Ich unterstelle in diesem speziellen Fall mal ein anderes Schamgefühl wegen Migrationshintergrund. Später kommt dann eine Gruppe von Männern dazu und bleibt. Immer wieder interessante Sozialstudien da.

Nach dem Saunagang brause ich mich kalt ab und ruhe mich kurz in einem Liegestuhl aus, dann geht es noch einmal in die ganz heiße Sauna, die heute auch leerer ist als sonst, was mir erlaubt, eine Stufe höher zu sitzen als sonst. Nach 5 Minuten ist mein Puls bei 140 und da es gerade wieder voller wird, nutze ich die offene Tür, um rauszugehen. Irgendwie traue ich mich noch nicht richtig, da aufs Ganze zu gehen. Ich brause mich kalt ab und gehe dann direkt in die Damenumkleide, wo ich dusche, mich anziehe, die Badesachen durch die Trockenschleuder jage und mir die Haare föhne.

Kurz nach 9 mache ich mich zu Fuß und mit der S-Bahn auf den Heimweg. Zuhause angekommen bekommen erstmal die Katzen ihr Abendessen, dann hänge ich die nassen Sachen auf und packe meinen Rucksack aus. Zum Abendbrot mache ich mir eine Frittata mit Mozzarella, die ich in Bärlauchbutter brate und dazu gibt es Tomatensalat und eine Orange-Vanille-„Feierabendlimo“.

Um 22 Uhr gibt es Essen und ein weiteres Telefonat mit dem Liebsten. Danach hänge ich auf dem Sofa rum und schaue mit Nimbin und Noosa Katzenvideos auf TikTok, bis um 23 Uhr der Call anfängt, für den mein Team in den letzten Tagen so viel vorbereitet hat. Im Vorfeld bekomme ich ständige Benachrichtigungen, weil To Do‘s fällig werden, die sind aber alle für andere Kolleg*innen, ich bin nur mit auf dem Verteiler. Der Call geht bis kurz nach halb, dann klappe ich den Laptop endgültig zu, trinke noch meine Limo aus und mache mich bettfertig. Kurz vor Mitternacht heißt es Augen zu, nach mehr als 19 Stunden Aktivität.

09.05.2023 – Ein lang erwartetes Fest

Dieser Dienstag ist so ein Tag, in den gleich mehrere hineinpassen. Ich erwache erst kurz vor dem Weckerklingeln, was für das Müdigkeitslevel gut ist, aber auch bedeutet, dass ich mich heute morgen sputen muss. Weil mein letztes Meeting heute erst 19 Uhr zu Ende ist, will ich zwar erst um zehn anfangen, muss da aber bereits pünktlich im Büro am Platz sitzen, idealerweise bereits mit Frühstück und Kaffee bereit, wegen Meetingmarathon und weiter Wege in die Büroküche.

Ich absolviere also die übliche Morgenroutine (Internet leer lesen, Niederländisch, Tschechisch, Italienisch, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Pflanzen gießen, Katzen füttern, anziehen) und muss dann unter Zeitdruck strategisch meinen Rucksack packen. Kurz nach 9 laufe ich mit einer Mate in der Hand los zur Tram (diesmal die richtige, schnellere). An der vorletzten Station erreicht mich die Nachricht, dass das 10-Uhr-Meeting auf den Nachmittag verschoben ist. So kann ich erstmal durchatmen und dann ganz entspannt den Büro-Tag beginnen. Kolleg*innen begrüßen (wir sind heute zu 8), Milch in mein mitgebrachtes Müsli schütten, Cappuccino aus der Maschine holen, Laptop anschließen, E-Mails überfliegen, auf Dringendes reagieren und nebenbei das Müsli essen), bis 10:30 Uhr der nächste Call ansteht – mit Warschau. Danach hintereinander ein anderthalbstündiges und ein halbstündiges Meeting – beide hybrid. Einer der Kollegen erzählt, dass er heute noch 3 Meetings hat und dann in den Urlaub startet. Zu diesem Zeitpunkt stehen für mich noch 7 Meetings an, ohne den Urlaub danach.

Um 13 Uhr verabschiede ich mich direkt in die Mittagspause – Hunger habe ich zwar noch nicht so richtig, aber das ist der einzige Zeitslot, der mir heute dafür bleibt. Ich hole mir im Supermarkt nebenan zwei kleine vegane Salate, einen Smoothie und einen Schokoriegel. Den ersten Salat (Couscous mit Hummus und Zitrone) und den Smoothie (irgendwas mit tropischen Früchten in einer Glasflasche und mit humanitärer Botschaft, mit Absicht nicht von True Fruits) verzehre ich dann doch direkt noch in der Büroküche, im Gespräch mit einem Kollegen. Wir vergleichen unsere sehr ähnlichen, aber von unterschiedlichen Symptomen geprägten (Long-)Covid-Historien. Das tut ganz gut, nachdem der Kollege in Warschau mir am Morgen, nachdem er sich besorgt nach meiner Erholung nach Covid No. 2 erkundigt hatte, erstmal sagte, dass er sich ja nur wegen der Reiserestriktionen habe impfen lassen und auch nur die dafür vorgeschriebenen zwei Male, da seiner Meinung nach ja nur alte Menschen an Covid erkranken. Das Gespräch war danach sehr schnell beendet.

Um 14 Uhr dann der nächste Call mit Warschau, thematisch unschön, aber menschlich sehr viel angenehmer als der am Morgen. Abseits vom Beruflichen vergleichen die Kollegin und ich unsere Erfahrungen mit Bob-Dylan-Konzerten. 14:30 Uhr dann Catch-up mit der Kollegin in Paris, die ihren ersten Arbeitstag nach Urlaub und Feiertag hat und von mir auf den neusten Stand gebracht wird. Der 15-Uhr-Call mit Georgia wird auf später am Tag verschoben und schlussendlich ganz abgesagt, was aber nichts macht, da wir noch später am Tag sowieso Team-Meeting haben. Ich nutze die unverhoffte Zeit für das Korrekturlesen eines wichtigen Dokuments, um das mich meine Managerin während der Mittagspause gebeten hatte, da sie inzwischen durch das viele Überarbeiten betriebsblind geworden war.

15:30 Uhr Catch-up mit der Kollegin in Südengland, danach weiter im Dokument bzw. in Projektmanagement-Tool, 16:30 Uhr ein Nur-Zuhören-Meeting in globaler Runde, 17 Uhr globale Gesprächsrunde mit der Women@-ERG mit sehr schönem Austausch zu Schwangerschaft und Elternschaft im Arbeitskontext sowie zu Menstruationsprodukten auf Büro-Toiletten. Sehr interessant, die verschiedenen Erfahrungen aus den USA, verschiedenen europäischen Standorten und Indien miteinander zu vergleichen, außerdem zumindest beim ersteren Thema auch je nach Hierarchieebene. Ein schöner menschlicher Moment in einem langen Arbeitstag.

Danach löffele ich schnell den zweiten Salat (Nudeln mit Pesto) während ich auf letzte Nachrichten reagiere und sich das Büro um mich rasch leert. Von 18 bis 19 Uhr ist dann schließlich unser Team-Meeting, bei dem es thematisch ausschließlich um die Aufgaben des heutigen und morgigen Tages geht. Was ist bereits erledigt, wo stehen wir bei den anderen Sachen, von wem brauchen wir noch Inputs und Approvals, wer macht wann was? Zwischendrin erinnert uns unsere Managerin daran, dass sie gerade fast rund um die Uhr arbeitet und das ihre eigene Entscheidung sei. Wir sollen sie ermahnen, wenn sie deshalb etwas von uns erbittet, das außerhalb unserer Arbeitszeiten liegt und uns schlicht weigern, das dann zu tun bzw. es an jemanden delegieren, in dessen Zeitzone es besser passt. Ich mag meine Managerin.

Nach dem Meeting schließe ich meinen Laptop und diverse andere Dinge weg und packe mir nur einen winzigen Rucksack mit Portemonnaie, Ladekabel, Kopfhörern, Diensthandy und Ticket, den ich mit in den Feierabend nehme. Es geht „mit dem Fuß und mit der S-Bahn“ ins Lido. Dort ist heute endlich, endlich das wegen der Pandemie dreimal verschobene Konzert der wundervollen Talking To Turtles. Ich komme kurz vor offiziellem Konzertbeginn an und treffe direkt vor der Tür die Freundin, die ich neulich zufällig beim Schwimmen wieder getroffen habe und die bei diesem Konzert aus Gründen auf der Freundeliste steht. Kurz danach kommt auch meine beste Freundin dazu, der ich das Ticket zum Geburtstag geschenkt habe.

Das Lido ist noch sehr leer. Wir holen uns ein Getränk an der Bar und setzen uns noch raus in den Hof, bis wir die ersten Töne der Vorband Sorry Gilberto hören und aus Höflichkeit und Respekt natürlich reingehen. Die Musik ist schön, aber noch nicht so richtig mitreißend, sie passt aber als Einstimmung sehr gut zur musikalischen Farbe des Abends. Wir holen uns ein zweites Getränk und dann wird es auch schon Zeit für den Haupt-Act, der wir jedes verdammte Mal einfach unfuckingfassbar gut und schön ist. Ich habe darüber glaube ich schon öfter gebloggt. Vom allerallerersten Gig bei einer Gartenparty im Brandenburgischen über Festivalauftritte, prall gefüllte Berliner Clubs und das 10-Jahre-Jubiläumskonzert im ehemaligen DDR-Fernsehstudio vor 5 Jahren bis heute Abend – nie ein enttäuschendes Konzert, immer glücklich strahlende Gesichter, bei mir, beim Rest vom Publikum und bei der Band. Hachz.

Auf dem Heimweg höre ich sie dann direkt noch weiter, eigentlich bis ich gegen halb 12 ins Bett krabbele, wo mich die Katzen schon sehnsüchtig erwarten und erstmal ausgiebig bekuschelt werden wollen, bevor ich schlafen darf.

08.05.2023 – Sunny Monday

Ich habe gut und lange geschlafen und wache zwei Minuten vor dem Wecker auf, so soll es sein! Ein weiterer Tag im Homeoffice steht an und so finde ich mich nach der Morgenroutine mit dem Laptop auf dem Balkon wieder. Der Arbeitstag verspricht, ruhig zu werden: Ein großer Teil meines Teams hat Feiertag, entweder, um den Tag der Befreiung zu begehen, oder zu feiern, dass man sich erneut einen gekrönten Haupt unterworfen hat. Der Rest von meinem Team schläft noch den Schlaf der Gerechten, ehemalig Kolonialisierten. Ich bin also ganz für mich und auch sonst sind heute insgesamt nur drei Meetings geplant, von denen noch zwei abgesagt werden.

Ich hake ganz produktiv Dinge von meiner To-Do-Liste ab, dann kommt doch noch eine dringliche Anfrage herein, um die ich mich mit voller Konzentration und ohne von der Sonne geblendet zu werden kümmern muss. Ich wechsle also nach drinnen an den Schreibtisch und höre meinen „Mix der Woche“, während ich mich in die Aufgabe vertiefe. Dann ist auch schon Mittagspausenzeit und ich gehe wieder nach draußen. Erst bringe ich aussortierte Kleidung zur Altkleidersammlung, dann hole ich mir ein Banh Mi. In dem Imbiss bestellt und bezahlt man direkt an einem Display an der Theke und wartet dann auf seine Bestellung – Zukunft und so. Ich nehme das Banh Mi in einer Mehrwegdose mit nach Hause und verzehre es rechtzeitig vor dem einzigen Meeting des Tages am Schreibtisch – sehr lecker!

Nach dem Meeting geht es weiter mit der Aufgabe und dann melden sich auch schon bald die amerikanischen Kolleg*innen zum Dienst und übernehmen nach einer kurzen Absprache. Ich kümmere mich noch um einen kleinen Zwischenfall im Großprojekt und verwende danach einige Zeit für eine wichtige E-Mail, die wohlformuliert werden will. Kurz vor 18 Uhr kann ich Feierabend machen. Ich nehme mir eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel) und mein altes Küchenradio und gehe auf einen Abendspaziergang zum Wertstoffhof. Das Radio (mit Kassettendings) habe ich zu Grundschulzeiten geschenkt bekommen und es leistete mir lange Jahre treue Dienste, vor allem im Hörspielbereich, abends neben dem Bett und zum Kassetten aufnehmen. Irgendwann wurde dann die Stereoanlage wichtiger und erst Jahre später, als das Haus aufgegeben wurde, nahm ich es als Küchenradio mit nach Berlin. Inzwischen streame ich aber auch beim Radiohören meist und das Radio verklebte und verstaubte immer mehr. Heute wird es verabschiedet – witzigerweise während ich über Bluetooth-Kopfhörer Musik auf meinem Handy streame.

Wieder zuhause, mache ich mir Abendbrot. Es gibt gebackene Pastinaken mit Bärlauchbutter und Rinderschinken (alles in den Ofen, bis die Pastinaken weich und der Schinken knusprig sind), dazu grünen Salat mit Zitronendressing und hinterher Rhabarberpudding. Zum Essen gibt es TikTok, danach noch die beiden letzten Folgen Firefly Lane und dann wird auch schon wieder geschlafen.

07.05.2023 – Spielplatz und Schaumbad

Diese Nacht schlafe ich keine drei mal drei Stunden, aber trotzdem ausreichend aus. Kurz vor 9 ist die Nacht endgültig vorbei und das trifft sich ganz gut, denn ich habe noch viel vor. Mein Bruder ist ganz erstaunt, als ich schon halb 11 ein Foto von meinem Frühstück schicke – und das am Sonntag!

Das grüne da auf dem Brot ist übrigens Pistaziencreme. Beim Frühstücken telefoniere ich mit dem Liebsten, danach habe ich ein paar Hauselfendinge zu erledigen, während Nimbin weiter die Sonne genießt.

Ich räume die Spülmaschine aus und ein, siebe das Katzenklo durch (gotta scoop the poop!, wie ich auf TikTok gelernt habe), beziehe mein Bett neu, wische Staub, sauge die Wohnung und wische die Böden. Dann sitze ich wieder kurz auf dem Balkon, während die Böden trocknen. Ich ziehe mich an, nehme noch Müll mit herunter (Mein vorletztes Daunenkissen, das durch ein Loch seit einiger Zeit massiv Federn lässt, jetzt habe ich aktuell erstmal nur noch synthetische in Benutzung, bei den ganzen Allergiker*innen um mich herum vielleicht gar nicht so falsch.) und fahre dann mit einer Putz-Feierabendlimo (Pflaume-Kardamom) nach Charlottenburg.

Hier bin ich mit einer langjährigen Freundin (schon 21 Jahre, seit der ersten Uni-Woche) und ihren beiden Söhnen auf dem Spielplatz verabredet. Der große ist fast zweieinhalb, aber wegen der Pandemie habe ich ihn ingesamt erst so vier-, fünfmal gesehen. Der kleine ist vier Monate alt und wir haben heute Premiere. Beide sind blonde, blauäugige Bullerbü-Kinder und echte Berliner, sowohl Mamas als auch Papas Familie sind seit Generationen hier verwurzelt, nix mit zugezogen.

Wir holen uns in einem Café Kaffee (sie koffeinfrei, wegen des Stillens) und Kekse (Hafer- und Zitrone-Mandel) und setzen uns auf eine Bank, während der „Große“ buddelt. Dann verlagern wir das Gespräch an die Schaukel, dann an das Kletterhäuschen und schließlich wieder an den Sand. Der „Kleine“ schläft die meiste Zeit, hat aber zwischendurch mehrmals Durst und will strampeln, so dass ich auch ihn aus nächster Nähe sehen und halten kann.

Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Heimweg, meine Freundin muss zur Chorprobe und den Großen vorher noch dem Papa übergeben, der den Nachmittag für ein ausgedehntes Nickerchen genutzt hat. Vor der Verabschiedung gibt es aber noch E-I-S. Für mich dunkle Schokolade und Orange-Basilikum.

Wieder zuhause mache ich mir direkt Abendbrot (die Reste von gestern) und falle dann sehr erschöpft in die Badewanne. Danach lege ich mich direkt ins Bett, es ist aber erst kurz vor 8. Ich schaue noch die ersten vier Folgen des zweiten Batches der zweiten Staffel von Firefly Lane und mache dann kurz vor Mitternacht das Licht aus.