26.05.2023 – Endlich wieder Immergut

Von 2006 bis 2011 war ich jedes Jahr auf dem Immergut – zuerst quasi „beruflich“, mit Gästelistenplatz, Interviewtätigkeit (legendär zum Beispiel Friska Viljor – völlig betrunken und verschwitzt nach dem Konzert auf dem Boden eines aufgeheizten Bauwagens sitzend) und Radio-Merch-Verkauf, später dann einfach als Festivalbesucherin, mal zu mehreren, mal „allein“. 2011 hatte dann die Orga gewechselt und alles kam mir plötzlich anders vor – die Musik zu wenig gitarrenlastig, das Publikum zu jung und glitzerig – und dann habe ich mir für 2012 kein Ticket gekauft. 2018 hatte ich dann aus Gründen wieder Lust, wollte mich wieder jung und frei und selbstbestimmt fühlen und fuhr wieder hin. Alleine und es war toll. 2019 war ich auch da und dann kam die Pandemie.

2020 fiel das Immergut aus und ich wäre auch nicht gefahren, wenn nicht. 2021 gab es eine abgespeckte Version im Spätsommer und ich habe mich noch nicht getraut. 2022 fuhr ich mit Tränen in den Augen am Immergut vorbei zu einem Wochenende auf Usedom, von dem ich weite Teile im Liegestuhl verbracht habe, weil ich zwei Monate nach Covid noch sehr schwach war. Damals habe ich mir geschworen, 2023 wieder zu fahren. Dieses Jahr ist es wieder zwei Monate nach Covid, aber es geht mir deutlich besser als letztes Jahr und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Ich schlafe einigermaßen aus (bis halb 9) und lasse mir dann viel Zeit bei der Morgenroutine. Ziemlich schnell wird mir klar, dass ich einen Zug später nehmen werde, um möglichst stressfrei zu sein. Ich mache mir ein gemütliches Balkonfrühstück, dusche ausgiebig, versorge die Katzen und die Pflanzen, siebe das Katzenklo durch, packe meine Sachen und muss mich dann am Ende doch sputen, um pünktlich Dreiviertel 1 in der S-Bahn zu sitzen. Klappt aber. Am Gesundbrunnen steige ich in den sehr vollen RegionalExpress, bekomme aber zum Glück noch einen Sitzplatz. Dann gibt es ein Problem mit den Türen, das für etwa 20 Minuten Verspätung sorgt, aber das ist jetzt auch egal.

14:20 Uhr sind wir in Neustrelitz und der historische Zug der Hafenbahn, der uns zum Festivalgelände fährt, wartet schon am Gleis gegenüber. Ein heimeliges Gefühl beschleicht mich und all die anderen berucksackten Menschen. Am Einlass zeige ich meinen Ticketcode vor und bekomme mein Bändchen, das Begleitheft und drei verschiedenfarbige Müllbeutel samt Müllpfand ausgehändigt. Damit laufe ich glücklich über den Zeltplatz zu meinem Stammstandort, der aber aufgrund der Neustrukturierung des Festivalgeländes belegt ist. Stattdessen suche ich mir ein Plätzchen in zweiter Reihe, unter einer Birke, und lege meinen Rucksack und meine Jacke möglichst breitflächig aus, bevor ich mich – die Wertsachen im Beutel bei mir – auf die Suche nach den Klos mache.

Dann setze ich mich ein Weilchen zu meinem Rucksack und lese, bis mir langweilig wird. Ich spaziere hinüber zum Festivalmarktplatz, lasse mir einen Rhabarbercider in meinen Immergutbecher füllen (aus Emaille, mit Henkel, 2019 gekauft, glaube ich) und lausche dem Podiumsgespräch einiger Podcasterinnen. Dann ruft auch schon meine Zelttransporteurin an und wir treffen uns zur Übergabe. Nach einer Viertelstunde steht mein Zelt und ich lege mich erst einmal gemütlich hinein und döse eine Weile weg. Gegen 17:30 Uhr kehre ich hungrig zum Marktplatz zurück und esse eine vegane Quesadilla mit Guacamole. Dabei verfolge ich das Immergut-Quiz, das auf der Bühne stattfindet und kann aus dem Stand zwei Fragen beantworten.

Ein alter Rostock-, Immergut-, Berlin- und Kneipenquiz-Kumpan gesellt sich zu mir und wir quatschen eine Runde. Er wird dieses Wochenende 45 und fand das einen guten Anlass, mal wieder zum Immergut zu fahren – Recht hat er! Während wir reden, sagt auch noch eine andere alte Bekannte „Hallo“. Das meine ich damit, dass man ja eigentlich nie „alleine“ herkommt. Es hat noch keine Band gespielt, aber ich habe schon drei bekannte Gesichter getroffen und davon nur eins verabredet.

Als das Quiz vorbei ist, wird es dann auch bald Zeit, dass das Festivalgelände aufmacht und Brockhoff mit ihrem Konzert das Festival offiziell eröffnet. Softer Gitarrenpop mit schöner Stimme, den ich mir bis fast zum Schluss anhöre, bevor ich mir in Ruhe das Festivalgelände anschaue. Gegen den Durst gibt es ein Lübzer Naturradler Grapefruit in den Becher. Als nächstes spielen AZE aus Österreich türkisch angehauchten ruhigen R‘nB. Dann ist Martin Kohlstedt dran, der Elektroelemente und Klavier zu abgefahrenen Klangteppichen verknüpft. Gegen Ende kann man sogar mal kurz tanzen.

Ich hole mir zum Abendbrot eine große Tüte Pommes mit Aioli und Mango-Chili-Sauce – alles vegan – und spaziere weiter umher. Langsam wird es dunkel und damit auch gleich ganz schön kalt. Ein dicker Wollpullover mit Kapuze hilft ein bisschen. Während Futurebae spielt und das jugendliche Publikum in Partystimmung bringt, hole ich mir noch einen großen, heißen, dunklen Kakao in meinen Becher, der nochmal ein wenig Lebensgeister weckt. Genug um ungefähr die Hälfte des Konzerts von Die Nerven mit Enthusiasmus zu begleiten, zu tanzen und ein bisschen die Haare zu schütteln. Da kam kurz das alte Immergut-Feeling der Nuller Jahre wieder auf.

Es ist aber jetzt auch wirklich kalt – 5 Grad sagt der Wetterbericht als Tiefsttemperatur für die Nacht voraus. Ich statte den wundervollen Kompostttoiletten noch einen letzten Besuch ab und gehe dann ins Zelt. Mit Schlafanzughose, Schafwollsocken und einer Fleece-Decke krabbele ich in meinen Schlafsack und höre den letzten Takten von Die Nerven zu, bevor auf dem Marktplatz die Immergut-Organisator*innen mit dem Auflegen beginnen. Es gibt eine wilde Mischung von Pop der letzten sechs oder sieben Dekaden in laut, ungefähr direkt neben meinem Kopf. Zudem ist es wirklich arschkalt.

Ich wälze mich hin und her, optimiere immer wieder die Position der Decke und döse immer mal wieder weg. Gegen 4 ist die Musik dann vorbei und es wird still auf dem Zeltplatz, aber auch ganz langsam wieder hell.

25.05.2023 – Teilzeitkindgeburtstag

Als ich kurz nach halb 5 aufwache, ist in diesem Haushalt niemand mehr unter 10. Uiuiui. Ich gehe schnell und leise aufs Klo und versuche, wieder einzuschlafen. Das klappt aber – mal wieder – nicht. Dafür höre ich es ab 5 nebenan im Kinderzimmer rumoren. Kurz vor halb 6 steht dann ein verschlafenes Kind in der Tür und bittet um ein warmes Körnerkissen, da es ja nicht in die Küche gehen darf. Da hat es Recht und der Liebste steht auf und kümmert sich. Jetzt sind wir alle wach, das Teilzeitkind schläft aber nochmal ein, bis um 6 der Wecker klingelt – heute früher wegen Anlass. Es kommt zu uns ins Bett gekrabbelt und wird von uns erst einmal ausgiebig gefeiert und besungen, bevor Kaffee und Kakao im Bett serviert werden. Natürlich ist aber die Aufregung so groß, dass wir nicht lange liegen bleiben können. Stattdessen geht es nach wenigen Schlucken in die Küche, wo der Geburtstagstisch bewundert und dann die Geschenke unter Jubel ausgepackt werden.

Dann gibt es erste Muffins zum schnellen Frühstück und das Teilzeitkind verschwindet im Bad, um zu duschen, Haare zu waschen und sich heute besonders hübsch zu machen. Normalerweise geht es halb 8 los in die Schule (oder später, wenn jemand verschlafen hat), heute können wir es nur bis viertel 8 drinnen halten, dann schwingt es sich auf seinen Roller. Es muss ja noch das Geburtstagsoutfit anziehen, dass es gestern in der Schule hat hängen lassen. Kurz danach stiefelt der Liebste mit Unmengen Muffins hinterher. Ich liege wieder im Bett, trinke Kaffee, lese das Internet leer und blogge. Als der Liebste zurückkommt, muss er direkt mit der Arbeit anfangen und ich verziehe mich aufs Sofa. Dort kümmere ich mich um die Sprachlern-Apps und baue den BoulderBall zusammen, den das Teilzeitkind von mir bekommen hat. Dabei höre ich den Podcast mit Gerhart Baum weiter und irgendwann fallen mir die Augen zu. Ich schlafe wieder gemütlich ein, während der Liebste in seinem und die Mitbewohnerin in ihrem Zimmer dienstlich telefonieren. Ich habe Urlaub!

Gegen 11 ist es dann mit der Ruhe vorbei, die Blase drückt, ich habe Hunger und es gibt ja auch noch ein bisschen was zu tun heute. Ich mache mir Fladenbrot mit Aufstrichen zum Brunch und ziehe mich dann für den Tag an. Dann beseitige ich das Chaos in der Küche, wo der Liebste und das Teilzeitkind gestern noch Unmengen Muffins gebacken haben und noch keine Zeit zum Aufräumen hatten. Dabei höre ich laut Tina Turner (RIP) – die Mitbewohnerin macht gerade Pause und singt mit. Um 12 macht der Liebste Feierabend, er hat zumindest den Nachmittag frei genommen. Er geht wieder raus und holt das Mietauto ab, das er für den Tag heute und den anstehenden Wochenendausflug reserviert hat. Dann liegen wir noch ein wenig gemeinsam auf der Couch und chillen bzw. lernen den Umgang mit dem BoulderBall. Um 14 Uhr klingelt es an der Tür und das Nachbarskind steht da. Das ist mein Zeichen zum Aufbruch. Gemeinsam mit dem Nachbarskind laufe ich zum Bus und fahre bis an die Stadtgrenze. Von dort aus laufen wir hinüber nach Brandenburg, wo der andere Teil der Patchworkfamilie seit einem halben Jahr wohnt. Währenddessen unterhalten wir uns natürlich auch – über die gerade stattfindende Klima-Projektwoche an seiner Schule, über Handys und Handynutzung, über Kindergeburtstage im Allgemeinen und im Besonderen… Es wird nicht langweilig. Im Haus in Brandenburg angekommen, empfängt uns die Oma mütterlicherseits des Teilzeitkinds und wir helfen ihr beim Tische decken und Kuchen heraustragen. Ein Süßigkeitenbuffet ist ebenfalls schon aufgebaut.

Dann sitzen wir gemütlich zu dritt auf dem Sofa und harren der Dinge, die da kommen. In kurzem Abstand kommen kurz vor halb 4 der Liebste und die Teilzeitkind-Mama mit jeweils einem Auto voller Kinder, Sitzerhöhungen und Schulranzen angefahren. Ein weiterer Gast wird zeitnah von seinen Großeltern gebracht. Schnell ist der zukünftige Garten – gerade noch Baustelle – voll mit insgesamt 12 Kindern zwischen 9 und 11, die sich als erstes gleich mal auf das Süßigkeitenbuffet stürzen. Dann rufen die Eltern des Liebsten an, die inzwischen am S-Bahnhof in der Nähe angekommen sind und von ihm mit dem Auto abgeholt werden.

In der Zwischenzeit sitzt die Kinderschar bereits am Tisch unterm Pavillon und es werden rundherum und unter viel Hallo Geschenke ausgepackt. Dann begrüßt das Teilzeitkind seine Großeltern, die an einen Erwachsenentisch verfrachtet und mit Kaffee und Kuchen versorgt werden, ähnlich wie die Kinder am Kindertisch, nur bekommen die Apfelschorle. Zwischendurch kommt noch der Papa der Geschwister des Teilzeitkinds von der Arbeit nach Hause, der die beiden Kleinen auf dem Weg noch aus der Kita abgeholt hat. Sie tragen das gleiche Outfit wie das Teilzeitkind und übergeben ihm rote Rosen zum Geburtstag. Alles platzt vor Niedlichkeit.

Schon ist es Zeit für die Schatzsuche: Die großen Kinder, der Liebste, ich und die Teilzeitkindmama brechen auf und folgen einem Pfad voller Pfeile, Hinweise, Rätseln und Aufgaben durch die nähere Umgebung. Nach Angaben der Wartenden dauert es fast anderthalb Stunden, bis wir am Ziel – dem Sandhaufen in der Gartenecke – ankommen und die Kinder dort abwechselnd und durch Würfeln bestimmt nach der Schatzkiste graben dürfen. Jetzt ist für mich wieder ein wenig Zeit zum Verschnaufen, Kaffee trinken und ein wenig Kuchen essen – allerdings ist der Grill auch schon an. Ich versorge die Liebsteneltern mit den ersten Würstchen, dann wird noch das obligatorische Geburtstagsfoto des Teilzeitkinds mit den Großeltern und dem Geburtstagszug mit der 10 gemacht, den die Oma extra mitgebracht hat. Das größere Geschwister kommt auch mit aufs Foto – wir sind ja da nicht so. Dann bringt der Liebste seine Eltern wieder zur Bahn – sie sind mit über 80 extra für das Essen gestern und den Geburtstag heute nach Berlin angereist und haben zwischendurch noch einen Freund getroffen (er) bzw. eine Ausstellung besucht (sie). Respekt! Die andere Oma des Teilzeitkinds verteilt inzwischen Rosé an die Erwachsenen, was ich dankend annehme.

Endlich wird der Schatz gefunden und alle Kinder bekommen jeweils einen Halbedelstein für Zuhause, außerdem stellen sie sich Süßigkeitentüten am Buffet zusammen. Dann werden die Kinder mit Würstchen, Halloumi, Mozzarella und Gemüse versorgt und ich esse auch mit, während bereits die ersten Eltern zum Abholen kommen, aber gerne noch einen Moment zum Quatschen bleiben, während ihre Kids durch die Gegend flitzen und Kontakto (oder Contacto?) spielen. Zwischendurch kommen übrigens auch immer wieder Nachbar*innen vorbei und gratulieren dem Teilzeitkind. Es ist ein Gewusel!

Dann sind endlich alle Kinder abgeholt und der Liebste ist mit den restlichen wieder Richtung Berlin gefahren. Jetzt darf das Teilzeitkind die Geschenke von diesem Teil der Patchworkfamilie aufmachen und freut sich besonders, dass es im Herbst mit seiner Oma nach Hamburg zum Harry-Potter-Theaterstück fahren darf. Auch von „unserer“ Oma gibt es noch ein tolles Geschenk auszupacken – nämlich einen handgeschriebenen Brief, der für ein ganzes Jahr handgeschriebene Schneckenpost mit immer jeweils einem Rätsel oder einem Witz ankündigt. Dann rufen noch meine Eltern an und gratulieren ebenfalls, ebenso der andere Opa des Teilzeitkinds, der heute nicht dabei war. Ein Paket von der Mama des Geschwisterpapas wurde auch noch pünktlich während des Fests geliefert. Das Kind hat wirklich tolle Familien!

Und dann ist endlich wirklich Ruhe. Die kleinen Kinder werden von ihrem Papa geduscht und ins Bett gebracht, wir räumen noch ein wenig auf und dann zeigt mir das Teilzeitkind noch sein neues „anderes“ Zimmer, das ich ja noch gar nicht kenne. Dann verabschiede ich mich und laufe durch schönstes Brandenburger Naturidyll zurück nach Berlin zur S-Bahn, mit der ich zurück in den Prenzlauer Berg fahre. Unterwegs denke ich an die drei anderen Geburtstage, die ich bereits mit dem Teilzeitkind verbracht habe.

Beim ersten Mal war es ein Vorschulkind im Lockdown und die sechs Erwachsenen und das Baby des erweiterten Patchwork-Haushalts verkleideten sich in den wildesten Kostümen, um dem Kind einen schönen Geburtstag ganz ohne andere Geschwister zu bereiten. Der zweite fand auf einem Spielplatz statt und außer der Familie durften nur die Klassenkamerad*innen kommen, mit denen es sowieso den ganzen Tag in einem Zimmer saß. Letztes Jahr gab es erstmals wieder eine große Party mit Familie und Freund*innen, damals in der Wohnung des Liebsten, die wir vorher in tagelanger Aktion präsentabel gemacht hatten. Und heute dann das vierte Mal. Nächstes Jahr wird das Kind 11 und dann ist die Zeit der Kindergeburtstage auch bald vorbei. Mal sehen, was danach kommt! Das Tagebuch seiner Mama aus der Schwangerschaft wollte es heute jedenfalls noch nicht lesen – „lieber erst, wenn ich 12 bin, Mama“. Hach, man wird sentimental.

Zuhause angekommen, füttere ich zwei verhungernde Katzen, setze mich dann mit einer wohl verdienten Feierabendlimo (Estragon-Ingwer) noch auf den Balkon, bis es dunkel ist und telefoniere mit dem Liebsten. Dann mache ich mich schnell bettfertig, lege alle Geräte, die ich in den nächsten Tagen auf dem Immergut brauche, an den Strom (zwei Handys, den Kindle, das FitBit und vor allem die PowerBank) und schlafe schnell tief und fest ein.

24.05.2023 – Schlaflos im Büro, Steak und Schenkse

Kurz nach 4 findet Nimbin, er müsse überprüfen, ob ich noch lebe und miaut mich an. Als ich ihn ignoriere, stupst er mich sanft mit der Kralle in die Wange. Ich gebe auf, gehe aufs Klo und gebe den Katzen eine Handvoll Trockenfutter. Dann lege ich mich wieder hin und mache einen Podcast an, um wieder einzuschlafen. Dummerweise dämmert es draußen schon bald und Gerhart Baum erzählt sehr spannend und überhaupt bin ich auch etwas aufgeregt und die Katzen sind extrem kuschelbedürftig… Langer Rede kurzer Sinn: Ich schlafe nicht mehr ein. Gegen 6 gebe ich endgültig auf, mache mir einen Tee und beginne die Morgenroutine im Bett.

Dann stehe ich kurz vor 8 auf, packe meinen Rucksack fürs Büro, gieße die Pflanzen, fülle Wasser- und Futternäpfe auf, mache mir Müsli zurecht, schnappe mir eine Mate und gehe los. Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich mit dem Liebsten und wecke ihn mit meinem Anruf. Der Glückliche! Im Büro angekommen, ziehe ich mir einen Cappuccino plus doppeltem Espresso-Shot (also drei Espressi) und gieße Milch in mein Müsli. Dann verbringe ich die drei Stunden der Fokuszeit mit Emails lesen, Live-Gesprächen mit Kolleg*innen und Arbeit am Großprojekt, das ich heute größtenteils abschließen kann. Ab um 12 darf es wieder Meetings geben und ich habe prompt eins mit Paris.

Danach gehe ich mit einem Kollegen in den Supermarkt nebenan und hole etwas zu essen. Bei einer Poke-Bowl mit Shiitake und Edamame in der Büroküche erzählen wir und andere Kolleg*innen über dies und das, danach trinke ich noch einen Espresso macchiato und dann geht es zurück an den Laptop. Um 3 habe ich ein Meeting mit Georgia, halb 5 eins live vor Ort und ab 5 dann eins mit Paris, Georgia und Nordengland. Dazwischen arbeite ich Dinge ab, schreibe meinen (Kurze-)Wochenbericht, richte meine Abwesenheitsnotiz ein und arbeite ein paar gebookmarkte Artikel und Videos ab.

Kurz nach 18 Uhr verlasse ich das Büro und fahre mit der U-Bahn zu einem bekannten Steakhaus in Mitte, wo schon der Liebste, seine Eltern und das Teilzeitkind warten. Wir speisen sehr lecker und zusammen und erfreuen uns aneinander. Ich entscheide mich für Wagyu-Carpaccio, Rib-Eye-Steak mit Pimientos de Padron und Chimichurri und geschmolzene Marshmallows mit Salty-Caramel-Sauce. Dazu gibt es Maracujaschorle.

Nach dem Essen ist es schon ganz schön spät. Der Liebste, das Teilzeitkind und ich fahren mit U- und S-Bahn nach Südberlin, wo alle unter 10 (höhö) sofort ins Bett gehen. Die anderen packen Geschenke ein und bereiten den Geburtstagstisch für morgen früh vor, schauen dann noch die neue Folge „Marvelous Mrs Maisel“ und liegen gegen halb 12 im Bett.

23.05.2023 – Erledigrrrl

Ich glaube, es war Frau Brüllen, bei der ich den Begriff Erledigirl zum ersten Mal gelesen habe, bei mir in noch feministischer nun eben Erledigrrrl. So läuft nämlich dieser Tag, zumindest was den Nicht-Broterwerb-Teil angeht. Aber erst fängt alles ganz gemütlich an, mit der morgendlichen Routine im Bett, kuscheligen Katzen und einem Homeoffice-Tag am Schreibtisch – das Wetter ist wieder kühler und durchwachsen. Zum Frühstück gibt es Honig-Mandel-Müsli mit Apfel und eine Cuppa Tea. Über den Tag verteilt dann noch eine Kanne grünen Tee mit Minze vom Balkon und etwas Apfelsaft.

Der Arbeitstag beginnt mit einem kurzen Meeting mit Warschau und der anschließenden Dokumentation, dann folgt ein längeres Meeting mit Berlin und Potsdam – zwei der Beteiligten sitzen dabei sogar im Büro. Direkt im Anschluss verfolge ich eine Live-Diskussion zu KI in der Kommunikation und dann ist es auch schon Zeit für die Erledigrrrl-Mittagspause. Ich laufe eine Viertelstunde bis zum nächsten Handyladen und lasse mir dort professionell eine Panzerglasfolie auf das neue Privathandy applizieren – diesmal noch bevor es die ersten Sprünge im Display gibt, yay! Jetzt muss nur noch die Hülle ankommen, die Gehäuse und Kameras schützen soll… Auf dem Heimweg gehe ich in den Supermarkt und kaufe, was der Einkaufszettel hergibt – Waschmittel und Shampoo für Zuhause, Porridge und H-Milch für die drei Immergut-Frühstücke und einer spontanen Eingebung folgend dänische Remoulade.

Die nutze ich zuhause gleich für mein Mittagessen: Es gibt Sandwich mit Remoulade, Salat, Finocchiona und Waldmeister-Käse und dazu, weil es mir etwas wenig erscheint und die Tüte schon so lange abgebrochen ist, einen Rest Paprikachips. In Amerika isst man ja auch gerne Chips zum Sandwich.

Eigentlich hatte ich geplant, beim Meeting mit der Kollegin in Georgia zu essen, aber die hat verschlafen und bittet mich, auf morgen zu verschieben. So habe ich Zeit, an meinen verschiedenen Aufgaben zu arbeiten und die beiden letzten Meetings des Tages vorzubereiten. Das eine – mit Menschen in Illinois, London und dem Berliner Büro – dient mir zur weiteren Abstimmung im Großprojekt. Das andere ist das erste 1:1 mit meiner Chefin in Nordengland seit vielen, vielen Wochen – es war einfach nie Zeit. Danach bearbeite ich noch kurz ein paar E-Mails und Chats und dann ist auch schon wieder Feierabend.

Ich schnappe mir meine Yogamatte und packe meine beiden alten Handys (das kaputte private und das mindestens abgerockte ehemalige Diensthandy, beide vom Hersteller nicht mehr unterstützt) ein. Dann laufe ich durch stärker werdenden Nieselregen eine halbe Stunde zum Wertstoffhof, der ganz in der Nähe von der Physiotherapiepraxis liegt. Als ich ankomme, ist gerade Containerwechsel. Das Tor ist zu und es bildet sich eine lange Schlange von Fußgänger*innen, Fahrradfahrer*innen und Autos, die im Regen auf Einlass warten.

Nach etwa 10 Minuten dürfen wir rein und ich darf meine Handys in den entsprechenden Behälter (Elektroaltgeräte mit fest verbautem Akku) werfen. Zufrieden laufe ich zur Physiotherapiepraxis, wo – wahrscheinlich dank des neuen Handys – der Check-in fürs Yoga heute zum ersten Mal direkt klappt (Ich hatte allerdings in den letzten Tagen auch einen sehr langen und frustrierenden Mailverlauf mit dem Kundenservice der App, vielleicht haben die da auch nochmal was korrigiert.)

Zum Yoga sind wir heute wohl dank des Wetters nur zu dritt, so dass die Physiotherapeutin noch mehr als sonst auf unsere individuellen Symptomatiken eingehen kann – ich erkenne einige Übungen aus der Krankengymnastik wieder und wir machen nur Asanas, die für mich gut schaffbar sind – zumindest in vereinfachter Ausübung, etwa bei der Taube. Trotzdem habe ich selbst bei ganz einfachen Sachen, die sonst gut gehen, heute ziemliche Schmerzen und muss oft auf Ersatzhaltungen ausweichen. In dieser Atmosphäre kein Problem, zumal wir uns spirituell eh an einem Lagerfeuer am See aufgehalten haben – besonders schön und ausführlich angeleitet heute in der Anfangs- und Endmeditation.

Hinterher wieder die nassen Schuhe und die nasse Jacke anzuziehen ist dann weniger angenehm, aber man freut sich ja auch über jedes bisschen Regen aktuell. Ich laufe wieder eine halbe Stunde zurück nach Hause und telefoniere dabei mit dem Liebsten (zum fünften Mal heute, glaube ich). Zuhause angekommen bekommen erst die Katzen Futter und dann ich. Ich mache aus den letzten Pellkartoffeln von gestern Bratkartoffeln, die ich in Bärlauchbutter anbrate und werfe dazu den Rest Blattspinat in die Pfanne und am Ende noch ein Ei. Dazu gibt es den Rest Heringssalat und eine Feierabendlimo (Blaubeere-Salbei).

Dann ist es auch schon fast Schlafenszeit – ich höre weiter „Hagrids Hütte“ während ich das Katzenklo durchsiebe und mich bettfertig mache, liege gegen halb 11 im Bett und schlafe dann auf der ersten oder zweiten Seite von „Patria“ ein.

22.05.2023 – Balkon statt See und der Wedding kommt

Heute ist der erste Tag des Jahres, an dem ich den ganzen Tag auf dem Balkon arbeiten kann, weil es dank Wolken morgens nicht zu heiß und dank sommerlichen Temperaturen nachmittags nicht zu kalt dafür ist. Mal sehen, ob und wann sich so ein Tag wieder anbietet.

Abgesehen davon startet der Morgen ganz normal mit der üblichen Routine und dann einer Cuppa Tea und einem Müsli zum Frühstück. Über das lange Wochenende sind erstaunlich wenig E-Mails angefallen – ich erfahre später, dass das Team die meiste Zeit an einem unvorhergesehenen Projekt gesessen hat und alles andere derweil ruhte. Für mich auf jeden Fall gut, diese Woche scheint insgesamt weniger stressig zu werden als die letzten. Ich habe ein kurzes Meeting halb 10 (Bochum) und eins halb 1 (Südengland), ansonsten arbeite ich ganz entspannt vor mich hin, erledige einigen Kleinkram und komme im Großprojekt weiter.

Zwischendurch klingelt es und meine unvernünftige Ausgabe von letzter Woche wird geliefert. Ich verbringe dann die Mittagspause und einen Teil des Nachmittags damit, mein neues Handy einzurichten und mein altes Handy zum neuen Diensthandy zu machen. Dieses habe ich damals vor fast vier Jahren schon gebraucht übernommen und es wird seit einiger Zeit nicht mehr vom Provider supporter und der Akku hielt zuletzt nur noch wenige Stunden durch. Eigentlich wollte ich es durch mein letztes altes Privathandy ersetzen (wir haben eine Phone Allowance, ich kann und soll mich also selbst darum kümmern), aber als ich das neulich aus dem Winterschlaf weckte, stellte ich fest, dass auch dessen Akku hin ist, sogar mit Warnmeldung. Ich hatte also die Wahl, ein neues, günstiges Diensthandy zu kaufen oder eben mein privates teuer upzugraden und das noch gut funktionierende aktuelle mit nur leicht abgenutztem Akku, umzuwidmen. Da ich mit dem Diensthandy nur selten Fotos mache, GPS nutze oder Sachen streame, sollte der Akku noch eine ganze Weile halten. Außerdem habe ich so jetzt endlich keine Spiderman App mehr auf dem Privaten. Und neuer und besser ist es natürlich, zwei Generationen später, auch. Win-Win also, außer für mein Konto. Aber immerhin gab es Rabatt.

Gegessen habe ich mittags dann nur ein schnelles Sandwich mit Finocchiona, Salat und Tomate und dann ging der nachmittägliche Meetingmarathon los. Erst kurz auf Deutsch zwischen Berlin und Bochum, dann länger auf Englisch mit Paris und Georgia, dann nochmal kurz Berlin und Bochum und nochmal länger, Paris, Georgia, Süd- und Nordengland. Zwischendurch noch ein Chat mit den Niederlanden. Und dann ist es auch schon 18 Uhr. Ich räume meinen Arbeitsplatz vom Balkon ins Arbeitszimmer zurück und setze Pellkartoffeln auf. Dann gehe ich kurz in den Keller (was nachschauen, nicht lachen) und bringe außerdem den Müll runter.

Die Kartoffeln sind dann auch schnell fertig und dazu gibt es Quark mit Leinöl und noch eine Tomate, wieder auf dem Balkon. Beim Essen telefoniere ich mit dem Liebsten und danach muss ich nochmal los. Ich schleppe mein Zelt, meine Isomatte, meinen Schlafsack, meine Picknickdecke und eine Fleece-Decke in einer großen Ikea-Tüte bis in den Wedding (mit Hilfe von S- und U-Bahn), und lege sie dort in den Bulli einer Bekannten, die auch zum Immergut fährt und sie netterweise mitnimmt. So habe ich dann am Freitag nur meinen Rucksack zu transportieren, das bekomme ich hin. Vor Covid hatte ich einfach immer den Rucksack auf dem Rücken und den Rest in der Hand, aber das ist im jetzigen Zustand unrealistisch bis wahnsinnig.

Jedenfalls war ich schon lange nicht mehr im Wedding, jedenfalls nicht nördlich der Ringbahn. Witzig, wie das Publikum in der U-Bahn einfach wirklich aussieht wie der Cast von „Gutes Wedding Schlechtes Wedding”, dessen Plakat ich im U-Bahnhof direkt entdecke. Cool, dass das immer noch läuft. Ich glaube, ich habe zwei Folgen live im Prime Time Theater gesehen und dann die vier, die es mal im rbb gab. Müsste man vielleicht auch mal wieder hingehen, das hat immer viel Spaß gemacht.

Anyway, da wo ich aus der U-Bahn steige ist es dann insgesamt sehr grün und die Straßen heißen erst Englisch und dann Afrikanisch. Für den Rückweg, ohne das schwere Gepäck, spaziere ich dann mehr durchs Grüne und zur Tram in Französisch Buchholz, die mich ohne Umsteigen dann wieder zurück über die Grenze in meinen Kiez bringt. Ich bin nach 21 Uhr wieder zuhause, es dämmert bereits deutlich, ist aber immer noch angenehm warm. Ich setze mich mit einer Feierabendlimo (Pflaume-Kardamom) nochmal in den Liegestuhl und lasse den Tag auf mich wirken.

Dann lege ich mich in die Badewanne, wobei ich einen Teil der aktuellen Folge „Hagrids Hütte“ höre, in der es ums Essen im Potter-Universum geht, und kurz nach halb 11 liege ich im Bett und schlafe dann sehr schnell ein.

21.05.2023 – Mehr See

Ich kann wieder schön ausschlafen und mich dann meiner Morgenroutine widmen, bis mich eine Nachricht meines Bruders erreicht, dass es in 20 Minuten Frühstück auf dem Steg gibt. Das Bloggen wird also erstmal verschoben, stattdessen stehe ich auf und mache mich seefertig. Auf dem Steg warten schon die anderen vier und der Frühstückstisch ist gedeckt.

Wir haben die Marmelade in der Hütte vergessen, daher gibt es für mich Erdnussbutter mit Erdbeeren, ich bin ja flexibel.

Nach dem Frühstück verabschiedet sich der Besuch wieder und wir drei richten uns für den Rest des Tages auf dem Steg ein. Heute ist es deutlich wärmer als gestern und selbst der Wind, der ab und zu aufkommt, ist angenehm warm. Mein Bruder holt seinen Laptop, ich blogge und dann kommt seine Freundin mit der in unsere Familie fast traditionellen Flasche Sekt und gefrorenen Erdbeeren. Das stammt noch von der Tante meiner Mutter und wird nun mit Wonne fortgesetzt.

Nach dem Bloggen komme ich in den Organisationsmodus. Ich schreibe mir eine Packliste fürs Immergut, bestelle ein Geburtstagsgeschenk für das Teilzeitkind, suche ein Restaurant für meinen Geburtstag aus, reserviere einen Tisch und benachrichtige die Familie. Dann wird es immer heißer und heißer und ich beschließe, mich jetzt doch ins Wasser zu trauen. Die Luft hat 27 Grad, das Wasser an der Oberfläche 18, drunter wirkt es deutlich kälter. Ich steige die Leiter herunter, tauche unter, mache ein paar Schwimmzüge und komme nach weniger als 5 Minuten wieder raus. Hui ist das kalt!

Draußen ist es dann aber warm genug, um entspannt an der Luft trocknen zu können. Und zu lesen. Und dabei fast einzunicken. Dann wird es aber auch schon wieder Zeit für den Aperitivo, denn der Zeitplan ist eng getaktet! Es gibt Aperol Spritz mit von mir mitgebrachter Bio-Orange.

Dann gehen wir gemeinsam hoch in die Hütte. Ich packe meine Sachen zusammen (die Bettwäsche bleibt gleich hier für den nächsten Besuch) und mein Bruder und seine Freundin kochen. Es gibt Gnocchi mit Wildfenchelpesto, Lachs und Salat und dazu ein Gläschen Grillo.

Nach dem Essen heißt es Abschied nehmen, denn der letzte Bus zurück fährt bald. Mein Bruder begleitet mich noch mit dem Fahrrad die 30 Minuten bis ins Dorf zur Bushaltestelle. Dann geht es eine halbe Stunde über Land bis in die Kleinstadt, wo ich 40 Minuten auf den RegionalExpress warte, der mich dann in 20 Minuten ans Ostkreuz bringt. Noch kurz mit der Ringbahn fahren und dann bin ich ganz plötzlich wieder zuhause. Katzen füttern, Katzenklo durchsieben, mit Taschenlampe die Balkonpflanzen gießen, Rucksack auspacken… Zum Schluss setze ich mich noch mit einer Tannenwald-Limo auf den dunklen Balkon, telefoniere mit dem Liebsten und vermisse den See. Um 23 Uhr liege ich im Bett.

20.05.2023 – See sehen

Guck mal einer an, wer erst um 2 im Bett war und davor noch einiges getrunken hat und dann keine Katzen in der Nähe hat, der schläft mit Unterbrechungen auch easy bis um 10. Würde sicherlich auch noch länger gehen, aber da werden die Frühstückszubereitungsgeräusche dann zu laut, um sie guten Gewissens zu ignorieren. Da es draußen noch recht frisch ist, brennt ein schönes Feuer im Ofen, es riecht nach Kaffee (der gute Kopi Luwak) und warmen Brötchen. So soll ein Wochenendfrühstück sein. Wir frühstücken gemütlich und schmieden nebenbei Pläne. Dann radelt die Freundin meines Bruders nochmal ins Dorf zum Einkaufen, während er sich draußen umschaut und ich den gestrigen Tag verblogge.

Später gehe ich dann draußen spazieren und setze mich eine Weile ans Wasser. Ich mache meine Sprachübungen, beobachte einen badenden Hund und dann zwei relativ aggressive Schwäne, die den Hund aus ihrem Revier vertreiben. Dann spaziere ich noch ein wenig durch den Wald.

Auf dem Rückweg treffe ich die beiden anderen, die gerade den Steg für die Saison bereit machen und helfe mit – Matten auslegen, Möbel aufstellen, Polster und Kissen verteilen… Dann lasse ich mich in einen der Sessel nieder und bleibe dort die nächsten Stunden sitzen. Aufs Wasser schauen, das Schwanenpaar beim Gründeln beobachten, Lesen, zwischendurch Einnicken… So gehts. Es weht aber immer noch ein kalter Wind, so dass ich mich fest in eine Decke einwickle.

Am Nachmittag stößt weiterer Besuch aus Berlin zu uns, dessen eine Hälfte tatsächlich mehrfach in den See springt, während ich schon ziemlich durchgefroren bin und noch nicht einmal weiß, ob ich morgen baden gehen möchte, wenn die Temperaturen so richtig sommerlich werden sollen. Respekt!

Am späten Nachmittag sind wir dann ein paar Häuser weiter zum Grillen eingeladen. Im Garten steht ein riesiger Barbecue-Grill samt Dutch Oven, in dem schon seit Stunden ein Schweinenacken schmort. Außerdem gibt es Lachs, Mais, gefüllte Pilze, Halloumi, Knoblauchbaguette, Bulgur-Salat mit Joghurt-Dressing und für die anderen in Butter, Zucker und Weißwein gedünstetem Spargel mit Thymian. Ich habe meinem Bruder versprochen, davon zu kosten und habe daher gleich am Anfang zwei Stückchen auf dem Teller – eins mit Kopf und eins ohne. Ich koste und finde es nicht schlimm. Aber zwischen nicht schlimm finden und gerne essen ist immer noch ein himmelweiter Unterschied. Ich denke, ich kann inzwischen vereinzelte Stücke in einem Gericht ignorieren (Hühnerfrikassee comes to mind), aber ich würde mir niemals Spargel bestellen oder selber machen und auch nichts essen, wo Spargel die Hauptzutat ist. Keine Ahnung, was Menschen daran finden und woher der Hype kommt, wirklich nicht. Es gibt so viele Gemüse, die lecker sind, warum also dieses essen?

Nach dem Essen geht es als große Gruppe zurück auf den Steg, vorbei an den Meerschweinchen Pumpkin und Black Pearl (oder Donald und Barry?) und dem Amselnest am Gartentor.

Dann hocken wir wieder auf dem Wasser, trinken Sekt und Bier und erzählen – bis zum Sonnenuntergang. Kaum ist die Sonne weg, wird es kühl und wir verziehen uns nach drinnen, wo der Abend noch gemütlich ausklingt, heute aber dann schon um Mitternacht.

19.05.2023 – Reiseabenteuer

Heute ist Brückentag – oder St. Brück, wie die Kaltmamsell sagt. Für den Liebsten nicht, daher habe ich von Anfang an nur für mich geplant. Erst hatte ich überlegt, das lange Wochenende in Rostock zu verbringen, wo ich jetzt schon mehr als anderthalb Jahre nicht mehr war, dann war mir das aber wieder ein bisschen viel Action, so kurz vorm Immergut. In der Stadt bleiben wollte ich aber auch nicht und so kam es dann zu einem Miniurlaub light – am See in Brandenburg, in der Hütte der Freundin meines Bruders – und Anreise mit dem 49-Euro-Ticket. Aber erstmal in Ruhe morgens im Bett herumliegen, Internet leer lesen, Spachen lernen, gestern verbloggen, mit dem Liebsten telefonieren… Gegen 10 stehe ich auf, mache mir Tee und Porridge und frühstücke auf dem Balkon.

Dann muss ich allerdings wirklich langsam mal ins Tun kommen, denn ich habe einen Zug zu erreichen, der nur stündlich fährt, um einen Bus zu erreichen, der wegen Brückentag nur alle drei Stunden fährt. Also schnell Katzen füttern, Pflanzen gießen, Katzenklo durchsieben, Sachen packen, vom Mitbewohner verabschieden und dann geht es los – mit etwas zeitlichem Vorlauf, denn ich möchte auf dem Weg noch Bargeld besorgen und Erdbeeren kaufen. Das mit dem Bargeld ist nicht ganz trivial, die nächsten Automaten, an denen ich keine Gebühren zahlen muss, sind recht weit weg und liegen so gar nicht auf dem Weg. Alternativ kann ich an der Supermarktkasse Geld „abheben“, denke ich mir und durchstreife den Supermarkt nach etwas, das ich sinnvollerweise kaufen kann. Ich entscheide mich für Bio-Rhabarberschorle mit Schraubverschluss als Reiseproviant um dann an der Kasse festzustellen, dass man erst ab 10 Euro Warenwert Bargeld abheben kann. Hmpf. „Dann eben ohne Bargeld nach Brandenburg“, denke ich mir, die Uhr tickt schließlich.

Auf dem Weg zum Erdbeerhäuschen schreibt mir mein Bruder und fragt, ob ich noch Bio-Orangen für den Aperol Spritz mitbringen kann. Der Bio-Supermarkt liegt direkt neben dem Erdbeerhäuschen am S-Bahnhof. Trotz tickender Uhr sollte das möglich sein. Ich stelle mich am Erdbeerhäuschen an, warte bis die Frau vor mir fertig ist, lasse mir 2 kg in meinen Beutel packen und muss dann feststellen, dass das Kartenlesegerät in der Nacht gestohlen wurde und heute nur Barzahlung möglich ist. Arrrrrgh. Es hilft nichts, ich muss in den sauren Apfel beißen und zu einem Geldautomat flitzen, bei dem ich Gebühren zahlen muss. Dafür hebe ich dann gleich genug ab, um nächstes Wochenende das Immergut auch bestreiten zu können, trotzdem nerven mich die knapp 5 Euro. Und dass die Frau, die vor mir am Erdbeerhäuschen langsam war jetzt auch vor mir am Geldautomat langsam ist. Die Uhr tickt doch, verdammt!

Auf dem Weg zurück zum Erdbeerhäuschen sehe ich, dass dort schon wieder eine Schlange steht. Also biege ich erst schnell in den Bio-Supermarkt ab. Dort gibt es Orangen, aber nicht im Netz, sondern ich muss sie selbst in eine Papiertüte packen, die dann auf dem Weg zur Kasse natürlich prompt reißt. Aber die Uhr tickt doch! Schnell zurück, neue Tüte, Orangen umpacken, dann wieder ewig an der Kasse anstehen. Raus, zum Erdbeerhäuschen, meinen Beutel entgegennehmen und bar bezahlen, dann runter zur S-Bahn. Die nächste kommt erst in 6 Minuten, aber das ist dann auch die, die ich ursprünglich als letztmögliche eingeplant hatte – sollte also alles klappen, puh.

Den genauen Reiseverlauf mit zwei S-Bahnen, RegionalExpress und Bus konnte man gestern auf Mastodon live mitverfolgen – bitte dem Link folgen und dort nachlesen.

An der Haltestelle holt mich mein Bruder ab und wir laufen nochmal eine knappe halbe Stunde, bis wir an Hütte und See angekommen sind. Dort warten seine Freundin und eine Tafel Schokolade, die er mir von seiner Dienstreise aus Wien mitgebracht hat.

Ich lege mein Gepäck ab, wir schmieren uns Schnittchen und bereiten Getränke zu (für mich helles Bier mit Rhabarberschorle) und setzen uns auf den Bootssteg zum Essen und Erzählen. Danach haben die beiden noch einiges zu tun und ich chille erst im Liegestuhl auf dem Steg und als es dort zu windig und kalt wird ein paar Meter landeinwärts auf einem Sofa, wo ich dann auch so richtig wegpenne. Der Tag war ja doch recht anstrengend bisher.

Nach dem Schlafen wird es draußen wirklich zu kalt und wir gehen rein und heizen den Ofen an. Ich trinke einen heißen Mango-Ingwer-Tee, um mich aufzuwärmen und dann wird gekocht – es gibt Vollkorn-Linguine mit einer Tomaten-Hackfleischsauce mit Oliven, Koriandersamen, Chili, Zimt und gerösteten Pinienkernen und dazu ein Gläschen Primitivo.

Während des Essens meldet sich meine Freundin in Frankreich und bittet um ein Telefonat. Es gibt also noch einen Abendspaziergang, statt mit Feierabendlimo heute mit Rum-Rhabarberschorle. Ich spaziere am See und durch den Wald und wir erzählen ein wenig.

Nach einer halben Stunde bin ich wieder zurück und dann entwickelt sich der Abend zu einem lang anhaltenden Musikraten – erst per DJ Shuffle durch meine Lieblingssongs-Playlist auf Spotify (Ganz erstaunlich übrigens, wie gut mein Bruder die Kelly Family kennt :D), dann mit den Songs von Eläkeläiset und Steve n Seagulls. Und natürlich fällt einem dann zu fast jedem Song irgendwas zu Erzählen ein und auch der Satz „[Der/Die] ist auch schon tot.“ fällt ziemlich oft. Dank Strawberry Basil Smash (Rezept eine Entdeckung von TikTok) und Gin Tonic wird das ein sehr lustiger und langer Abend, bevor wir gegen 2 ins Bett fallen…

18.05.2023 – Brunch, Eis, Aperitivo

Die Anzahl, Abfolge und Art der Mahlzeiten am Tag ist ab einem bestimmten Alter flexibel handhabbar und wenn kein Arbeitstag einen Einfluss auf den Tagesablauf hat, kann das schon mal so aussehen:

Kurz vor halb 7 werde ich das erste Mal wach, ich glaube, weil die innere Uhr das Teilzeitkind geweckt hat und es aufs Klo gegangen ist. Dann gehe ich eben auch und lese dann, bis ich wieder einschlafe. Gegen 8 liegen wir dann aber zu dritt im Bett und zwei von uns (nicht ich) sind hellwach. Zum Glück gibt es Kaffee, den ich trinken kann, während das Teilzeitkind auf meinem Handy spielt und der Liebste Sachen von Reddit vorliest. Halb 10 wird dann aufgestanden und der Tisch gedeckt, der Feiertag wird nämlich mit einem Brunch begangen, zu dem die ehemalige Mitbewohnerin der beiden eingeladen ist.

Nach dem Essen verabschieden wir das Kindelein, das mit dem Bus zu Mama, Stiefpapa und Geschwistern fährt. Wann ist es eigentlich so groß geworden, dass es dafür selbständig die Wohnung verlässt und zur Bushaltestelle geht? Wir anderen bleiben noch ein wenig sitzen und erzählen, dann brechen wir zu einem Spaziergang auf, der uns am Eisladen vorbei und durch den Park führt. (Für mich gibt es Limone Primo Fiore und Gianduia.)

Wieder an der Haustür angekommen, verabschieden wir die ehemalige Mitbewohnerin und dann legen der Liebste und ich uns erstmal wieder hin. Es ist ja schließlich Feiertag. Wir lesen, dösen, schlafen und erzählen bis etwa 16:30 Uhr. Ich beende dabei mein Buch („Salvation City“ von Sigrid Nunez). Dann packe ich meine Sachen und wir fahren gemeinsam in den Prenzlauer Berg. Dort gibt es einen ausschweifenden Aperitivo mit Prosecco, Limoncello Spritz, Pizza, Aranacini, Parmigiana und mehr mit Blick auf das Planetarium.

Der Liebste muss morgen wieder arbeiten, bringt mich aber noch nach Hause, bevor er sich auf den Heimweg macht. Ich versorge die Katzen, packe meine Tasche aus und setze mich dann mit einer „Feierabendlimo“ (Pflaume-Kardamom) auf den Balkon und mache meine täglichen Duolingo- und Babbel-Aufgaben, für die am Morgen keine Zeit war. Dann schaue ich (wieder drinnen, es wird kühl) die Folge „Marvelous Mrs Maisel“, bei der ich gestern eingeschlafen bin. Als nächstes verbringe ich gute anderthalb Stunden in der Badewanne, bevor ich gegen 23 Uhr im Bett liege und das nächste Buch anfange: „Patria“ von Fernando Aramburu – auch dieses wieder eine Empfehlung der Kaltmamsell. Auf Seite 12 schlafe ich ein.

17.05.2023 – Zack, Freitag

Und schon ist die kurze Woche rum und es ist Freitag Mittwoch. Nachdem die Katzen mich die ganze Nacht bekuschelt haben (war wohl etwas kühler diese Nacht), wache ich kurz vorm Weckerklingeln erfrischt auf. Ich überlege, ob ich zukünftig meinen Wecker schon auf 7 Uhr stelle, damit ich immer Zeit für meine ausschweifende Morgenroutine habe, die ich mir über die langen Jahre im Homeoffice antrainiert habe. Aber noch bin ich nicht entschlussfreudig und sitze dann erst 9:30 Uhr am Schreibtisch – mit grünem Tee mit frischer Minze und Schoko-Orangenmüsli mit Apfel und Ananas.

Die ersten drei Stunden des Mittwochs sind bei uns Fokuszeit. Ich arbeite mich durch E-Mails, schaue mir ein Tutorial an, passe meine Einstellungen für unser Projektmanagement-Tool entsprechend an und arbeite dann am Großprojekt weiter. Zwischendurch tätige ich noch einen Impulskauf, der meinen Technikfuhrpark auf- und meinen Kontostand abwerten wird. Immerhin kaufe ich bei meiner Firma, es ist also fast für einen guten Zweck.

Um 12 Uhr habe ich das erste Meeting des Tages mit einem Kollegen in Potsdam, das für eine halbe Stunde angesetzt ist, aber fast eine ganze dauert. Dann mache ich Mittagspause, in der ich Wäsche abnehme und aufhänge und meine Tasche für den Abend packe, bevor ich mir Stullen mit Hummus mache und dazu Tomaten- und Staudensellerie-Reste verputze. Der Nachmittag ist bestimmt von Meetings – eins mit Paris und zwei global – und dazwischen arbeite ich weiter am Großprojekt und schreibe meinen Wochenbericht.

Um 18 Uhr mache ich Feierabend und nehme mir eine Feierabendlimo (Orange-Vanille). Ich versorge die Katzen, mache den Abwasch, bringe den Müll runter und fahre dann los ins Fitnessstudio, wo ich die Überraschungsfreundin von neulich auf eine Runde AquaFitness und Sauna treffe. um 21 Uhr komme ich wieder raus und es ist immer noch hell. Wir befinden uns ja seit einigen Wochen in der besten Jahreszeit. Ich hole mir eine Makali-Box vom Stamm-Falafelmann und esse die auf der Fahrt nach Südberlin.

Beim Liebsten angekommen hänge ich leise meine nassen Sachen auf (das Teilzeitkind schläft schon). Dann legen der Liebste und ich uns auf die Couch und schauen endlich die beiden neuesten Folgen „Marvelous Mrs Maisel“, zu denen wir noch nicht gekommen waren. Also der Liebste, denn ich schlafe bei der zweiten ein. Als sie vorbei ist, bringen wir uns gegenseitig ins Bett.