Wieder viel geschlafen und in den letzten Auswüchsen davon, den frühen Morgenstunden also, gemerkt, dass die Nebenhöhlen frei sind und halb gefreut, halb resigniert festgestellt, dass ich dann ja eigentlich wieder arbeiten kann. Gefreut, weil wir ja gerade in der Übergabephase stecken und jeder Tag zählt, resigniert, weil mir ein weiterer Tag Nichtstun auch gut gefallen hätte nach der letzten Woche. Nun denn.
Der richtige Tag beginnt dann mit Liebstentelefonat und morgendlichen Reboot, bevor ich tatsächlich aufstehe, so richtig mit Anziehen, und mich mit dem Frühstück an den Schreibtisch setze. Wenn ich nämlich nicht bettlägerig bin, habe ich Donnerstag einen Arzttermin, für den ich mir heute noch eine Überweisung holen muss, in der Mittagspause. Da kann ich mich nicht erst dann aus dem Bett-Office schälen.

Ich arbeite E-Mails der letzten Tage ab, reiche Verpflegungsmehraufwände ein und plane die Arbeitswoche. Dann Meeting mit dem übergebenden Kollegen in Frankfurt zwecks weiterer Absprachen und kurz danach reguläres Meeting mit Kolleginnen in München. Und schon ist Mittagspause und ich laufe durch schönste Herbstsonne, goldener Oktober und so, zur Straßenbahn.


Noch ganz schön viel Grün fürs Gold, aber das gibt sich bestimmt in den nächsten Tagen. Mit zwei Straßenbahnen geht es zur Praxis der besten Freundin, die den Termin mit mir schnell nach ihrer Mittagspause einschiebt. Ich trage Maske und bin sichtlich erkältet, wir winken uns also nur kurz zu, besprechen kurz Medizinisches und Privates und nach wenigen Minuten bin ich mit Überweisung und E-Rezept wieder draußen. Der Rückweg zur Bahn ist dann schon ganz schön anstrengend und ich bin froh, als ich wieder sitze.
Die ältere (also als ich) Dame gegenüber telefoniert die ganze Fahrt über, schafft es aber, sich darüber aufzuregen, dass die jungen Leute (also ich) in diesem Deutschland gar nicht mehr für ältere Leute (also als sie) aufstehen würden. Die angesprochenen älteren Leute beschwichtigen sie und setzen sich auf die freien Plätze eine Reihe weiter, während ich (erkältet, Maske) und ein stehender nichtkartoffeliger junger Mann uns amüsiert angrinsen.
Wieder zuhause geht es dann mit Schnittchenteller ins Bett-Office für den Rest des Arbeitstages, der aus lauter kleinteiligen Sidequests besteht.

Kurz nach 16 Uhr nehme ich mir welche von den Messe-Überstunden und mache früh Feierabend. Erstmal ordentlich Mittagsschlaf. Dann dümpel ich so im Bett herum, der Kopf wieder ordentlich verschleimt und denke über Unterhaltung nach. Das Internet empfiehlt die gestrige Hart aber fair-Sendung, die tatsächlich interessant ist, wenn auch nicht besonders ermutigend. Ein paar gute Momente gibt es, von Lauterbach, van Aken, sogar Liminski. Und viel polarisierendes von der anwesenden Journalistin und der anwesenden Frau aus der Wirtschaft. Auch die Politiker haben natürlich polarisierendes mitgebracht und der Job des Moderators ist es natürlich auch. Die einzig durchgehend angenehme Person ist mal wieder Marina Weisband und es ist so schön, dass sie es trotz ihrer Erkrankung immer wieder zu solchen Auftritten schafft und lichte Momente ins Fernsehprogramm bringt.
Dann ist es Zeit fürs Abendbrot. Ich verlängere den Rest Senfsauce von gestern mit Wasser und TK-Erbsen, wärme Kartoffelbrei und Karotten auf. Sehr lecker! Jetzt ist natürlich wieder Erbsensauce übrig, aber ich habe damit schon Pläne für den dritten Akt morgen in der Mittagspause.

Zum und nach dem Essen mal wieder eine deutsche Komödie – der Liebste richtet mir sein Beileid aus. Einfach mal was Schönes ist aber gar nicht soooo schlecht, obwohl es natürlich klamaukig sein muss und mit viel ernsthaftem Drama drin, statt einfach nur klug und witzig. Das kann es aber auch. Und als wäre der Film für Netflix gedreht und nicht fürs Kino, kommen wie selbstverständlich nichtkartoffelige Sidekicks, lesbische Liebe und Menschen mit Behinderung vor. Waren wir vor vier Jahren schon soweit? Wenn ja: Schön. Hoffentlich bleiben wir’s.
Dann ist es gegen 22 Uhr. Letztes Liebstentelefonat, Zähneputzen und dann noch ganz schön lange weiter im Buch, wir schaffen den ganzen Ersten Weltkrieg, bevor mir endlich die Augen zu fallen.