Zwar mit mehreren Unterbrechungen aber immerhin fast bis 9 geschlafen, damit lässt sich doch arbeiten! Der gemütliche morgendliche Reboot im Bett zieht sich, ich habe endlich mal Zeit. Als ich aufstehe, ist es halb 12, als ich das Bis ich im italienischen Café ein paar Straßen weiter sitze 12.

Heute nur kleines Frühstück, ich habe kulinarisch noch einiges vor in den nächsten Stunden. Als das Cornetto aufgegessen bzw. in Krümeln großflächig auf Hose, Shirt und Sitzbank verteilt, lese ich zu den Getränken noch etwas in Anna Seghers Transit, jetzt hat es sogar schon ein wenig Plot (keine Kritik, ich bin immer noch in Kapitel 1, ich schlafe nur immer so schnell ein beim Lesen).
Nach dem Frühstück schreibt der Münchener Himmel blauweiße Geschichten und ich lasse mich treiben. Ah, das ist das Lenbachhaus, über das ich schon oft in Blogs las, da der Königsplatz, das NS-Dokumentationszentrum, die Residenz, der Hofgarten…



Ich denke, ich müsste mich nochmal ausführlicher mit Münchener Geschichte befassen, vor allem mit der Räterepublik und dem Drumherum.
Dann laufe ich weiter zum und in den Englischen Garten und muss ganz viel an das letzte Mal denken, als ich hier war. Das ist jetzt zwölf Jahre her und war mit vier Freundinnen, von denen inzwischen nur noch eine in meinem Leben ist, was ich mir damals so nie hätte vorstellen können. Damals hatten wir gerade angefangen, jährlich gemeinsam Städetrips zu machen. München war der zweite, ein dritter fand schon nicht mehr statt.





Zwischendurch setze ich mich auf eine Bank in die Sonne am Wasser und lese nochmal ein paar Seiten. Dann fühle ich mich bereit für die nächste Mahlzeit und laufe Richtung Uni und dann zu der Eisdiele, in der ich auf dem Trip vor 12 Jahren das erste Mal, die ich schon vorher aus den einschlägigen Blogs kannte und in der ich auch auf meiner letzten Dienstreise nach München vor sieben Jahren eingekehrt bin. Obligatorisch quasi. Beim Rumlaufen an der Uni denke ich darüber nach, warum das nicht die Geschwister-Scholl-Uni ist und ahne, dass es dazu bestimmt mal Initiativen gab. Das mal recherchieren.

Erstmal aber Eis. Ich entscheide mich für drei Sorten (vor dem Teilzeitkind gab es immer drei, dann aus pädagogischen Gründen nur noch zwei. Kirschblüte, Grüner Apfel/Weißer Pfirsich und Birne/Aprikose sind es heute, dazu ein Probierlöffel Weißwurst, wir sind ja in München.


Nach dem Eis spaziere ich wieder Richtung Altstadt und hole mir am erstbesten Stand elf Maroni, die ich dann in der Fußgängerzone sitzend esse. Dabei denke ich an meine prägenden Maroni-Erfahrungen – die ersten gab es vor ziemlich genau 15 Jahren an einem sehr kalten Herbsttag mit meinen Eltern in Ljubljana, die prägendsten vor ziemlich genau neun Jahren bei einer Sagra auf Sardinien mit dem Hasen, dazu Rotwein aus Plastikbechern und Karaoke singende Sard*innen auf dem Dorfplatz.
Als Nächstes geht es wieder zurück in die Studentenstadt, in ein auf Google Maps als „cosy matcha café“ beschriebenes Lokal. Es macht seinem Namen alle Ehre, bis auf die sehr anstrengenden, lauten und sexistisches Zeig daherredenden studentischen Gäste (kein Gendern nötig), die allen Klischees von Münchener Schickeria entsprechen – dabei sind es laut Gesprächsinhalten Naturwissenschaftler, die kenne ich sonst anders.

Der Berry Matcha ist allerdings gut und ich versuche nebenbei zu lesen, was aufgrund der Gespräche um mich herum leider nicht so gut klappt. Dann ist es Zeit fürs Abendessen, ich gehe für Malatang in ein Lokal nochmal ein paar Meter weiter und lade meine Schüssel aus Versehen viel zu voll. Nächstes Mal dran denken, erst ganz zum Schluss und evtl. Nudeln hinzufügen! Die Knochenbrühe, Algen, Pilze, verschiedenen Gemüse und Muscheln und frittieren Tofuwürfel sind aber alle sehr lecker, ich schaffe nur leider maximal die Hälfte.

Denn jetzt ist es auch schon fast Einlasszeit bei der Bloglesung, die ja der eigentliche Anlass für diesen München-Ausflug ist. Als ich knapp zehn Minuten vor Einlass da bin, sammeln sich schon die Menschenmengen und ich fühle mich gar nicht so merkwürdig für meinen Enthusiasmus. Dann wieder das altbekannte Phänomen bei Treffen mit Menschen aus diesem Internet – alle begucken sich vorsichtig, versuchen herauszufinden, wer wer ist und während man noch niemanden zum Reden hat, guckt man verschämt in sein Handy, ob vielleicht jemand auch grad was zur Situation trötet.
Drinnen finden sich dann aber doch recht schnell Gesprächspartner*innen – einige zum ersten, einige zum wiederholten Mal, zum Glück kennt man mein Profilbild und mein Handle steht auf meiner Jacke, so dass es für mich gar nicht so schwer ist für manch andere, viel anonymer unterwegs Seiende. Es ist wirklich schön, so viele Leute plötzlich in echt zu sehen und dass das Fangirlen teilweise gegenseitig ist. Der überraschendste Moment ist, als eine mir unbekannte Blogleserin mir eine Schachtel Hallorenkugeln übergibt und mir von zeitgleich besuchten Konzerten berichtet, liebe Grüße nach Halle!

Die Lesung selbst ist natürlich genau so toll, wie erwartet. Hinterher kaufe ich mir noch das erste Buch von Frau Nessy und lasse es signieren, ihr neueres und das von Mek habe ich ja schon im Regal stehen.
Um zehn müssen wir dann aus der Location raus und der harte Kern (an die 40 Leute) zieht ins Wirtshaus nebenan weiter, wo ich das einzige Bier des Abends trinke und weitere alte und neue Bekanntschaften vertiefe. Als dort um Mitternacht auch Schluss ist, verteilt sich der noch härtere Kern (elf Leute) auf drei Taxis und fährt in eine sehr versteckte aber großartige Karaoke-Bar.

Meine erste Karaoke-Session nach sieben Jahren ist herausragend schön und ich kann anscheinend neben den Profis Herzbruch, Novemberregen und Frau Klugscheißer ganz gut mithalten. Größter Erfolg aber wahrscheinlich das zweifache Duett mit Mek zur Fickt-Euch-Allee…
Nach zwei Stunden läuft unsere Zeit in der Kabine ab. Der ganz harte Kern (sechs Leute) fährt dann mit weiteren Taxis in einen Club (und später noch eine andere Bar, wie ich am Morgen lese?), ich aber lasse mich am Hotel absetzen und bin im Bett, als es zum zweiten Mal 2 Uhr wird.
Schön, hier diesen Tag nochmal nachzulesen. Ich freue mich, dass ich mich diesmal aufgerafft habe und mich auch zumindest zum Mitfahren in die Karaokebar habe überreden lassen. Jetzt passt ein weiteres Gesicht zu einem Account.
War schön, Dich kennengelernt zu haben! Gute Heimreise!