04.10.2026 – Wie-im-Buch-Sonntag

Sechs Stunden ununterbrochener Schlaf, dann aufwachen zwischen Noosa und dem Liebsten, leider halt schon um 7, aber das Ununterbrochene ist mir grad wichtiger als die Dauer. Ich starte leise in den morgendlichen Reboot. Kurz vor 8 verlangt der Liebste noch ganz verschlafen nach Kaffee, den ich nur leicht widerwillig zubereite. Als ich mit den beiden Tassen wieder am Bett stehe, schläft der Liebste natürlich wieder tief und fest und das bleibt dann auch noch eine ganze Weile so.

Als er dann endgültig wach ist und Kaffee trinkt, mache ich die lauten Teile vom Reboot, also Französisch und Italienisch. Und dann dauert es immer noch eine ganze Weile, bis wir uns endgültig aus den Federn schälen. Zuerst ich, denn ich habe ausschweifende Pläne fürs Frühstück, mit Mango-Lassi und Caprese und warmen Brötchen… Der Liebste kommt dazu, als es Zeit ist, die Eier zu braten (sein Job) und den Tisch zu decken.

Wir frühstücken bei strahlendem Sonnenschein und in aller Ruhe draußen. Kurz vor 12 wird die Tafel aufgehoben, der Tisch abgeräumt und der Liebste macht sich auf den Heimweg, während ich meinen Laptop raushole und mich mit dem zweiten Kaffee (Espresso Tonic auf Eis) in ein Kurstreffen per Zoom einwähle. Das dauert eine knappe Stunde und auch danach ist es mir im Schlafanzug auf dem Balkon noch nicht zu kalt. Ich ziehe mich dann aber doch an, weil ich noch ins richtige Draußen will.

Ich spaziere durch den Pberg, höre weiter die Schlager und Chansons von gestern (gezielt die Phasen nach, die ich gestern verpasst habe) und schaue nach einer passenden Gelegenheiten für Zimtschnecken, denn heute ist Tag der Zimtschnecke und wer wäre ich, den nicht zu feiern. Im ehemaligen Café Stockholm ist ein neuer Laden drin, der sich auf Kaffee fokussiert, aber auch internationales Essen hat und mit nordischem Gebäck wirbt. Heißt dann aber nicht Kanelbulle sondern Cinnamon Swirl und ist anders, aber auch sehr gut. Dazu gibt es eine Salted Hot Chocolate und ein paar Seiten im Buch.

Danach geht es wieder heimwärts, jetzt auf die Couch. Heute Morgen habe ich erst mitbekommen, das gestern im Speckgürtel von Washington mit Power To The People ein riesiges Protestkonzert stattgefunden hat, organisiert von Tom Morello und unter anderem mit Jack Black, Public Enemy, Run D.M.C., Cypress Hill, Stephen Stills, Joan Baez, Dropkick Murphys, Dave Matthews, Foo Fighters und Bruce Springsteen. Holla, was ein Line-up! Das Ganze wurde kostenlos live übertragen und lässt sich fast komplett auf YouTube nachgucken. Ich skippe mich so durch und bleibe bei „meinen“ Acts etwas länger hängen. Sehr schön, dass bei Dropkick Murphys neben Matt Kelly auch sein Bruder Mike Kelly auf der Bühne stand, beides ja wie hoffentlich bekannt ist Cousins der Kelly Family. Mike habe ich schon als Bandmitglied bei Jimmy Kelly live gesehen – in einem Berliner Pub – und er postet auf Instagram sehr gerührt sein Backstage-Treffen mit dem Boss.

Der Boss ist natürlich Headliner, aber am schönsten sind am Ende die Songs, bei denen alle zusammen auf der Bühne stehen – Keep On Rockin‘ In The Free World, This Land Is Your Land (mit allen, auch den antikapitalistischen, Strophen, und natürlich Power To the People. It hits different, wenn da eine wilde bunte Mischung an Amerikanern auf der Bühne mit in in die Luft gereckten Fäusten auf und ab springen und gegen Autoritarismus und Faschismus aufbegehren und die Welt im Livestream zuschaut. Am Ende, zum Abbau und Abspann läuft dann noch Bella Ciao vom Band und ich werde ganz nostalgisch für eine Zeit, in der ich noch ganz klein war und sich Musiker*innen international solidarisierten und für gute Sachen einstanden…

Dann aber weiter lesen, heute mache Ich richtig Seitenmeter, und dabei irgendwann in die Siesta rutschen und einschlafen. Nach dem Aufwachen bereite ich mir lauwarmen Kartoffelsalat mit Gurke, roter Zwiebel, geriebenem Apfel und jeder Menge Dill zu. Zur einen Hälfte gibt es geräucherten Sockeye-Wildlachs mit süßem Senf, die zweite Hälfte gibt es morgen.

In der Küche höre ich dann auch die Schlager und Chansons zu Ende und bekomme dabei unanständig gute Laune. Gut, dass ich das alles über die Sounds-App höre und mir nicht nachhaltig meinen Tidal-Algorithmus versaue!

Nach dem Essen lesen, lesen, lesen bis es plötzlich schon 23 Uhr ist. Dann ins Bett und weiterlesen bis Mitternacht. Mit etwas Glück schaffe ich das Buch morgen und kann dann übermorgen mit einem frischen Buch (thematisch passend in Tschechien spielend) nach Frankfurt aufbrechen…

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