Wie an jedem guten ersten Urlaubstag habe ich vergessen, den Wecker auszuschalten. Normalerweise schlafe ich ja eh nie bis dahin, aber heute weckt er mich tatsächlich aus dem Tiefschlaf. Mist. Andererseits gut, denn ich habe heute ungewöhnlich viel vor für einen Urlaubstag zuhause.

Nach dem morgendlichen Reboot gibt es Frühstück auf dem Balkon – Joghurt mit Kirsch-Johannisbeer-Marmelade und Granola, Hofbirne, Kaktusfeige und Trauben, Cappuccino mit Erbsenmilch. Dann schnell Sachen packen für die verschiedenen Sidequests des Tages los.
Zu spät fällt mir ein, dass auf der Straßenbahnstrecke gerade Schienenersatzverkehr ist und der Umweg mit S- und U-Bahn macht, dass ich erst zehn Minuten zu spät zum Sportkurs in Mitte ins Wasser gleite – mit Anraunzer durch eine andere Teilnehmerin, die jetzt weniger Platz zur Verfügung hatte, als erwartet. Etwas angefressen sportele ich los – der Trainer meint es richtig ernst heute, es ist – für mich – von 0 auf 100 anstrengend. Witzig ist hingegen, als zehn Minuten später noch ein Zuspätkommer ins Wasser steigt und besagte Mitteilnehmerin vollends eskaliert, weil sie jetzt genauso wenig Platz hat wie alle anderen… Sie verlässt dann das Becken irgendwann vorzeitig.
Nach dem Kurs geht’s in den Whirlpool – der Vorteil des Studios in Mitte – und das tut richtig gut. Ich entspanne mich soweit, dass ich Dampfbad und Sauna links liegen lasse und lieber früher wieder aufbreche und so ein bisschen Tempo aus dem Rest des Tages nehme. Beim Anziehen lausche ich besorgniserregenden Gesprächen in der Umkleide – die Stimmung im Land (der Welt!) ist wirklich am Kippen, zumindest in Teilen der Bevölkerung.
Dann geht’s weiter zu den Ellis, Post und Blumen bedienen und dann am Ende doch kein Eis essen, weil noch so viel mehr Essen heute ansteht. Mit U- und S-Bahn geht es nach Lichtenberg und dort mit der Lichtenberger Freundin erstmal ins indische Restaurant, Mittag essen und Neuigkeiten erzählen, Nachbarschaftspflege betreiben für sie.

Dann gehen wir hoch zu ihr in die Wohnung und verkosten die Kardamom- und Rhaberberschnecken, die sie aus dem Dänemarkurlaub mitgebracht und eingefroren hatte. Wir sind uns einig, dass unsere eigenen Kardamomschnecken letztes Jahr besser geschmeckt haben, dass die Kombination mit Rhabarber aber eine gute Idee ist, man braucht nur mehr davon. Ein Projekt fürs nächste Frühjahr also!

Dann muss ich auch schon wieder weiter, mit zwei S-Bahnen weiter nach Kreuzberg, ins Büro. Ja, an meinem Urlaubstag. Wir müssen noch eine technische Sache klären, die gestern nicht ging, weil die beiden dafür erforderlichen Kolleg*innen nicht verfügbar waren. Ich wäre aber auch so gekommen, denn eine andere Kollegin hat ihren letzten Bürotag und das begehen wir mit Geschenken, Fotos und Champagner. Dann geht es mit dem ganzen Team weiter in den Biergarten.

Wir sitzen und erzählen, essen und trinken ein paar Stunden. Gegen halb 9 trennen sich die Wege, genau als die Nachricht vom Tod von Dolly Parton eintrifft. Uff. Drei von uns fahren mit zwei S-Bahnen zurück in den Nordosten. Finale Verabschiedung am heimischen S-Bahnhof. Zuhause erstmal aufs Sofa. Die sozialen Medien sind voller Reaktionen auf Dolly Parton, die Musik, der Mensch, die Legende. Ich lasse mich eine Weile mittreiben und werde in den nächsten Tagen mutmaßlich mehr Musik von ihr hören als sonst – „9 to 5“ und „Jolene“ sind eh in meinen alltäglichen Playlists…
Und weil ich ja Urlaub habe und morgen ausschlafen kann, fange ich dann noch Sterling Point an, amerikanische Teenieserie, die in Kanada spielt, gut geschrieben auch noch und mit einigen Highlights im Cast. What‘s not to like? Nach drei Folgen schaffe ich den Absprung ins Bett.