03.05.2026 – Heißer Sonntag

Dieses Bloggen am Morgen über gestern macht, dass mir die Tage ein wenig ineinander fließen. Wenn ich es aber richtig sortiert habe, dann wache ich heute relativ früh das erste Mal auf, zwischen beiden Katzen, weil das Katerchen mit eine Pfote ins Gesicht steckt und insistiert. Ich fülle Trockenfutter nach und tatsächlich knabbert es ein wenig daran, so dass ich mich beruhigt wieder hinlege und nochmal ein bisschen weiterschlafe. Kurz vor 9 ist die Nacht dann endgültig vorbei und ich starte in den morgendlichen Reboot. Danach gibt es Frühstück auf dem Balkon.

Quark mit TK-Blaubeeren und Erdbeermüsli, Orange, Sencha mit Minze und Limettensaft auf Eis

Es ist heiß heute, laut Wetterbericht werden es zwischendrin 28 Grad. Die Katzen sind dementsprechend ziemlich inaktiv, Noosa liegt fast den ganzen Tag unterm Bett und pennt, Nimbin liegt erst auf dem Bett, aber nachdem ich ihm unter viel Streicheln und Trickserei eine Tablette heruntergezwungen habe, ist er beleidigt und verzieht sich für Stunden in den Schrank. Ich verbringe weite Teile des Tages draußen auf dem Balkon, höre leise Musik (Gianna Nannini) und lese das Buch zu Ende, das ich neulich in der Magnolienstraße gefunden habe.

Amy Liptrot – The Instant ist ganz viele Dinge auf einmal – Berlin-Roman, Naturbeobachtung, Zeitgeistbeobachtung, poetisierte Biografie, tragische Romanze… Am Anfang hatte ich Sorge, dass es zu sehr um diese gehypte Berlin-Vision geht, die so viele Expats und aus dem ländlichen Deutschland Zugezogene hier leben, mit den Clubs und den Drogen und der ganzen Freiheit und den ganzen Klischees, die daraus erwachsen. Von wegen in Berlin tragen alle Schwarz, haben keine richtigen Jobs und keine echten Beziehungen. Ein bisschen geht es darum auch, aber dann halt auch um einerseits die wahre Geschichte der Autorin und andererseits um Berlin aus ganz anderer Sicht – Vögel, Waschbären, Verkehrsinseln… Macht Spaß. Der zweite Teil dreht sich dann viel um besagte Romanze, von der zu Beginn eigentlich klar ist, dass es böse endet. In der Beschreibung des Endes und der Umgang der Erzählerin damit, erkenne ich viel von mir selbst wieder. Der Vorgängerroman der Autorin wandert dann auch direkt auf meine To-Read-Liste.

Am Nachmittag sind die Katzen immer noch in ihren Verstecken und ich traue mich dann einfach mal aus dem Haus und spaziere in Rock und T-Shirt zum Helmi, wo ich den extra aus Südberlin angereisten Liebsten auf ein Eis treffe. Bei Matcha-Mangolassi und Zitrone-Cheesecake sitzen wir mit den ganzen anderen Leuten auf der Wiese und erzählen, so wie Berlin am schönsten ist.

Danach spazieren wir zu mir und werden von Nimbin begrüßt, der sein Schmollen und Verstecken aufgegeben hat und kuscheln will. Eigentlich auch Essen, aber nichts von den angebotenen Sachen ist ihm Recht. Wir setzen uns mit Limettenwasser auf den Balkon und der Kater springt mir auf den Schoß. Noosa gesellt sich auch bald dazu. Der Liebste war ja schon einige Wochen nicht mehr hier und ihm fällt noch mehr auf als mir, wie sehr Nimbin ab- und gleichzeitig Noosa zugenommen hat. Man kann sagen, Nimbin hat seiner Schwester ungefähr ein Kilo abgegeben. Wäre es nicht so traurig, könnte man drüber lachen.

Nachdem der Liebste wieder aufgebrochen ist, fange ich das Buch an, dass mir neulich beim Sortieren seiner Bücher auf den SuB gewandert ist: Michael Kraske, Christian Werner – Tief im Osten. Begegnungen mit der anderen deutschen Art. Das hat ihm ein inzwischen verstorbener DDR-Bürgerrechtler und später Bundespolitiker vor vielen Jahren mal geschenkt. Geht gut los.

Als ich Hunger bekomme, koche ich Pasta und dazu gibt es Avocado, Knoblauch, getrocknete Tomaten und eingelegte Artischocken. Obwohl es draußen noch gemütlich warm ist, werde ich müde und verziehe mich zu den Katzen aufs Bett. Ich verabreiche Nimbin seine Salbe, was nicht so schwierig ist wie Tabletten geben, aber viel einfacher wäre, wenn ich dabei nicht Handschuhe tragen müsste. Er ist dann aber nicht lange sauer und kommt schnell wieder kuscheln.

Den Rest des Abends verbringe ich mit einem Film, den mir der Indiejunge empfohlen hat. The Materialists wird als RomCom beworben, ist aber eher so etwas wie eine Gesellschaftssatire. Auf jeden Fall interessant und mit guten Schauspieler*innen.

Danach ausführliche Abendroutine, inklusive des Versuchs, nochmal Essen in den Kater zu bekommen. Er probiert ein bisschen Nassfutter, ich nehme das als Sieg. Ansonsten ist er den Rest des Abends sehr kuschelig und aktiv, putzt sich ausführlich usw. Ich beobachte weiter sorgfältig und harre der Dinge, die da kommen.

Zum Einschlafen, das heute sehr schnell kommt, gibt es jetzt den dritten Tag in Folge Lukas Rietzschel – Sanditz als Hörbuch. Auch das lässt sich bisher sehr gut an und ich erkenne die Menschen aus der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, sehr gut wieder. Vielleicht eine Art aktualisierter Einblick für Leute, die mit dem Osten fremdeln und sich fragen, warum und wieso das dort alles passiert.

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