Reisetagebuch 8. September 2019 – Neapel und Salerno #loosinterrail

Nach Wein, Aperitivo und noch mehr Wein gestern habe ich eine etwas unruhige Nacht hinter mir, aber zum Glück ist ja Urlaub. Mein Host kehrt am Morgen in die Wohnung zurück, macht uns erstmal Kaffee und wir teilen uns ein schönes Stück Gebäck mit weißer Schokoladencreme drinnen. Dazu reden wir über alles mögliche, vom Lehrerberuf in Italien über Salvini und die neue Regierung bis hin zum Reisen um zu essen. Er ist beeindruckt davon, dass eine Deutsche sich so gut mit den verschiedenen regionalen Spezialitäten auskennt und gibt mir gute Tipps für Neapel, Salerno und Bari, meine nächsten Stationen. Dann mache ich mich mit Sack und Pack auf zum Bahnhof, nur um festzustellen, dass meine Verbindung zum Hauptbahnhof (Termini) heute ausfällt. Ich kann aber die U-Bahn (Metro) nehmen und weil ich so aussehe, als sei ich gerade erst mit dem Zug angekommen, darf ich sogar kostenlos mitfahren. In Termini steige ich dann in den Bummelzug nach Neapel und teile mir einen Vierersitz mit drei jungen Italienerinnen. Eine von ihnen schläft fast die ganze Zeit, die anderen beiden unterhalten sich lautstark und spielen sich gegenseitig Videos vor – ohne Kopfhörer natürlich. Ich verbringe viel Zeit damit, zu bloggen und angestrengt aus dem Fenster zu sehen. Nach etwa drei Stunden sind wir in Neapel (Vom Rom nach Neapel ist ungefähr so wie von Berlin nach Rostock – mit dem Schnellzug zwei Stunden, mit dem langsamen drei, der einzige Unterschied: Es gibt fast auf der ganzen Strecke, außer im Tunnel, guten Internet-Empfang.)

In Neapel habe ich eine halbe Stunde Aufenthalt und große Pläne: Es gilt, in einer Pasticceria Sfogliatelle und Babà zu kaufen und außerdem noch Pizza auf die Hand als Mittagessen (und Katerbewältigung) zu kaufen. Zum Glück gibt es in Bahnhofsnähe reichlich Gelegenheit, all das zu erledigen. Zwar ist die Schlange an der avisierten besten Pasticceria jetzt um die Mittagszeit zu lang, aber in einer anderen bekomme ich, was ich möchte – sogar in meine mitgebrachte Dose verpackt. Die Pizza hole ich mir dann direkt am Bahnhof und ich bin sogar noch ein paar Minuten vor der Zeit am Bahnsteig und kann sie essen, bevor ich in den Zug steige. Der Zug ist dann die Zirkumvesuvia, also die Linie, die um den Vesuv herumführt. Den ersten Teil der Fahrt habe ich ständig das Meer vor dem Fenster und bin sehr froh, es nach einem ganzen Tag ohne in Rom endlich wieder zu sehen.

In Agrigento angekommen laufe ich vom Bahnhof zu meiner Unterkunft und treffe unterwegs bereits auf meinen Host, der mir entgegengelaufen kam. Er hilft mir mit meinem Gepäck und wir unterhalten uns so gut wie möglich auf Italienisch. Als ich zwischendurch nicht weiter weiß und ins Englische wechsle, meint er: “Oh nein, mein Bruder ist der, der Englisch spricht.” – Willkommen in Süditalien! Ich beziehe mein Zimmer, das schon fast ein luxuriöses Apartment mit allem Komfort ist, und mache mich zunächst einmal über die neapolitanischen Leckereien her. Außer Sfogliatelle und Babà hatte mich auch noch eine Codina mit Zitronencreme angelacht.

Kurz nach 17 Uhr wird es draußen etwas weniger heiß und ich bin einigermaßen von der Hetzerei mit schwerem Gepäck erholt und spaziere hinunter ans Wasser. Für heute habe ich keine großen Pläne mehr, außer die Seeluft zu genießen und irgendwann später Mozzarella zu essen. Die Gegend hier ist nämlich berühmt für ihren Büffelmozzarella. Beim Flanieren auf der Promenade erinnere ich mich daran, wie ich vor Jahren mit Il Professore und seinen Eltern hier langspaziert bin. Salerno ist nur eine halbe Stunde von ihrem Zuhause entfernt und die erste Adresse, wenn man ans Meer möchte. Hätte ich mir damals auch nicht träumen lassen, Jahre später nochmal alleine hierher zu kommen. Ich erinnere mich an all die leckeren Dinge, die ich damals hier in Kampanien gegessen habe und die vielen Kilos, die ich bei den Aufenthalten immer zugenommen habe. Der Tag begann morgens mit selbstgebackenem Kuchen, mittags und abends gab es Menüs mit mindestens verschiedenen Antipasti, Pasta, Salat und Dessert – abends meist noch einen Secondo aus Fleisch oder Fisch dazu. Und dazwischen gehörte eine ordentliche Passegiata mit Eis oder Aperitivo in der Bar… Das waren Zeiten, die mich sehr geprägt haben.

Am Ende der Promenade gibt es einen kleinen Strand, an dem ich kurz die Hand ins Wasser halte und mich dann zu diversen anderen Menschen auf die Holzstufen setze. Scheinbar ist das hier der Treffpunkt für die jüngeren Generationen. Aus einem Kiosk ertönt entspannte Musik und man spricht und trinkt und raucht und schaut aufs Meer. Ich schaue nur aufs Meer und zwischendurch ab und zu in mein Telefon.

Zwischendurch bekomme ich grunzenden Besuch, sieht aus wie Stitch, hört aber auf den Namen Theo.

Ich warte den Sonnenuntergang ab, der hier leider von den Bergen verdeckt wird und schaue dann noch ein wenig aufs dunkle Wasser, bevor ich wieder so etwas wie ein Hüngerchen verspüre und zurück in die Stadt laufe.

Vor einem Bistro setze ich mich an einen Tisch und bestelle ein leichtes Abendessen – einen Involtino di Melanzane mit Kochschinken, Mozzarella und Béchamel sowie eine klassische Caprese. Dazu gibt es geröstetes Brot mit Olivenöl und Oregano und ein Glas Fiano di Avellino, mein Lieblingsweißwein.

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Danach geht es ab ins Bett und da ich nach Tagen endlich mal wieder WLAN habe, kann ich noch ein bisschen netflixen, bevor ich zufrieden einschlafe.

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