#ithasien – Italien-Roadtrip 2018 – Tag 4: Padua, Soave und Bardolino

Zum ersten Mal in diesem Urlaub klingelt ein Wecker, denn wir müssen unseren Mietwagen abholen, bevor die Station zur Siesta schließt (auch im Oktober) und haben bis dahin noch einiges zu absolvieren. Also stehen wir kurz nach 8 auf und machen uns abreisefertig. Dann fahren wir ein letztes Mal mit dem Vaporetto quer über die Lagune, diesmal bis zum Bahnhof. Unterwegs kaufe ich über die Trenitalia-App schonmal die Zugtickets (nur 8,50 € für uns beide zusammen).

Am Bahnhof haben wir dann noch genug Zeit, um Brot und Caffè latte zu kaufen. Wir haben geplant, im Zug zu frühstücken. Deswegen wollen wir den Kaffee auch zum Mitnehmen, und zwar in unseren tollen wiederverwendbaren Bechern aus dem Stammcafé. Nun ist es so, dass die To-Go-Kultur (zu Recht) in Italien noch nicht wirklich angekommen ist. Den Espresso kippt man schnell an der Theke weg und andere Kaffee-Varianten nimmt man mit einem Stück Gebäck und der Zeitung oder einem Gespräch zu sich. Den Kaffee mitzunehmen und dabei womöglich kalt werden zu lassen ist “dem Italiener” an sich völlig fremd. Aber in Touristenhochburgen wie Venedig hat man sich der Nachfrage inzwischen angepasst und gibt widerwillig Pappbecher aus. Als ich nun die beiden wiederverwendbaren Becher hinstreckte, guckte der Barista erst unverständig, dann ungläubig, dann belustigt und zum Schluss irgendwie anerkennend (bilde ich mir zumindest ein). Wir bekamen den Kaffee also wie gewünscht und tranken ihn im Zug zu Brot und Pecorino, Trauben und Feigen.

Nach nicht einmal einer halben Stunde erreichten wir Padua. Dort konnten wir unseren Mietwagen – ich nenne ihn liebevoll Bao Bao, denn er ist ein Panda – entgegennehmen. Nun wollten wir zuerst zum Botanischen Garten fahren, dort irgendwo parken und uns dann den Garten selbst (der älteste der Welt!) und einen Teil der Universität anschauen (immerhin von 1222). Nun war es aber mit dem Navi irgendwie schwierig, so dass wir auf Google Maps umstiegen. Und es ist, wie es ist: Folgt man den Anweisungen, kommt man gut und schnell an. Erkennt man dann aber schmale Gassen nicht als vollwertige Straßen oder verpasst eine plötzlich auftauchende Abzweigung, so muss man Umwege fahren. Und die sind in alten italienischen Städten mit ausgeprägtem Einbahnstraßensystem unglaublich weit. Wir machten zwei oder drei zusätzliche Umwege, bis wir beim Botanischen Garten waren (das dauerte gefühlt eine knappe Stunde, obwohl das Navi ursprünglich eine Viertelstunde angezeigt hatte) und stellten dann dort fest, dass es nur Anwohnerparkplätze gibt. Also kämpften wir uns eine weitere halbe Stunde durch enge Altstadtgassen, bis wir schließlich in einem Parkhaus landeten, das zu Fuß sowohl von der Uni als auch vom Botanischen Garten ca. 20 Minuten entfernt war. Aber sei’s drum, wir hatten immerhin einen Parkplatz.

Dann liefen wir zunächst zur Uni, bzw. deren Haupt- und ursprünglichem Hauptgebäude, dem Palazzo del Bò. Hier wollte der Hase unbedingt die Statue für Eleonora Lucrezia Cornaro Piscopia sehen, der weltweit ersten Frau, die in Philosophie promovierte. Auch Kopernikus, Galileo und Casanova haben hier gewirkt. Während der Hase auf den Spuren der Gelehrten alter Zeit wandelte, mischte ich mich unters aktuelle Studentenvolk und schaute mir auf der Suche nach der Toilette die Uni von innen an. Im altehrwürdigen Gemäuer heißen sämtliche Hörsäle und Seminarräume “Aula x”, wobei das x jeweils für den Namen eines bedeutenden Wissenschaftlers steht. Sah sehr schick aus und gleichzeitig modern, da auf Displays angezeigt war, welche Veranstaltung gerade wo stattfand. Scheinbar fiel ich unter den Student*innen auch gar nicht so auf, zumindest guckte keine*r von ihnen merkwürdig, als ich mich in die Kloschlange einreihte. Sehr gut fürs Ego, das!

Danach fand ich, wir hätten uns endlich unser erstes Eis in diesem Italienurlaub verdient. Die vor Jahren aufgestellte Regel: “x Tage in Italien = x Eise in Italien” werden wir wohl diesmal wieder nicht aufrecht erhalten können. Aber wir können es versuchen! Für mich gab es Schokoladensorbet und Puddingcreme, der Hase hatte Kastanie, Erdbeere und Mango. Beide hatten wir unten Schokoladencreme in der Waffel und ich zusätzlich oben drauf noch Schlagsahne, die sich dann wieder sehr schön mit dem Eis verband.

So gestärkt spazierten wir durch die Fußgängerzone und am Prato entlang bis zur Basilica Sta. Giustina, die ziemlich beeindruckend herumsteht. Gleich um die Ecke davon ist der Botanische Garten, der ziemlich groß ist und sich wirklich lohnt. Der älteste botanische Garten der Welt war unter anderem der Ort, an dem die Kartoffel, die Veilchen, der Sesam und die Sonnenblume erstmals in Italien kultiviert wurden, nachdem sie von fernen Kontinenten mitgebracht wurden. Außerdem befindet sich hier die sogenannte Goethe-Palme, die den alten Geheimrat auf seiner italienischen Reise so beeindruckte, dass sie ihn zu seiner Metamorphose der Pflanzen inspirierte. Sie sieht immer noch beeindruckend aus:

Als wir genug hatten, liefen wir zurück zum Auto und begannen dann so ganz offiziell unseren Roadtrip. Tagesziel war ein Agriturismo in der Nähe von Bardolino, doch auf dem Weg fuhren wir noch in Soave vorbei. Aus Zeitgründen erschlossen wir uns die mittelalterliche Stadt allerdings nicht zu Fuß, sondern fuhren einfach mit dem Auto ein wenig hindurch, um einen Eindruck zu gewinnen. Dafür hielten wir aber kurz nach dem Städtchen mitten in den Weinbergen an. Ein Teil der Reihen hing noch voller Trauben, andere waren schon abgeerntet und trugen nur noch kleine vergessene Garganega-Träubchen. Von denen zwackten wir uns ein paar zum Naschen ab. Sehr köstlich!

Dann bezogen wir unseren Agriturismo (der leider nur Frühstück anbietet) und fuhren in eine Trattoria im Nachbarort. Hier gab es dann für uns beide eine Käseplatte mit Feigensenf und Mostarda als Vorspeise, dann für mich Gnocchi mit Bergkäse und Trüffeln und für den Hasen Tagliatelle mit Pfifferlingen. Dazu gönnten wir uns eine Flasche Bardolino. Bzw. trank der Hase ein Glas und ich zwei, denn er musste ja leider noch fahren. Der Rest der Flasche steht jetzt neben dem Bett und wird mit dem Umweg über die Zahnputzbecher geleert. Cin cin!

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