24.02.2024 – Ein Jahr Tagebuchbloggen

Heute ist es ein Jahr her, dass ich mich motiviert genug fand, wieder mit täglicher Bloggerei zu beginnen. Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich das durchgezogen haben, aber man kann jetzt hier tatsächlich 365 Tage aus meinem Leben nachlesen (Auch wenn immer mal wieder ein paar Einträge irgendwo im Entwürfe-Ordner hängenbleiben, weil die App nicht macht, was sie soll. Ich habe eben den 26.05., den 17.11. und den 31.12. noch mal manuell auf die helle Seite der Macht hinübergeschubst.) An den allermeisten Tagen gibt es eine reine Beschreibung meines Tagesablaufs und das ist wahrscheinlich nur für mich selbst wirklich interessant, um später mal etwas nachgucken zu können, manchmal für meine Familie, die dann interessierte Nachfragen stellt. Der Liebste findet zum Beispiel detaillierte Beschreibungen von Arbeit oder Essen überhaupt nicht spannend, muss aber da oft durch, um manchmal doch noch interessante Dinge mitzubekommen, die er sonst verpasst, weil ich Dinge ungern zweimal erzähle. Er nennt das Blog lesen dann „Hausaufgaben machen“.

Es gibt aber doch täglich Leser*innen hier und ab und an kommentieren sie auch – hier oder auf sozialen Netzwerken. Selbst wenn nicht, würde ich vermutlich auch so weitermachen, denn inzwischen gehört das hier zu meiner Tagesstruktur und hilft mir, jeweils am nächsten Morgen, Sinn in all das zu bringen, was ich so tagtäglich treibe. Das ist von außen vermutlich selten nachzuvollziehen, weil ich so viel weglassen oder verklausulieren muss, da ich ja unter Klarnamen blogge und sich weite Teile meines Alltags um Arbeit drehen, oder eben um andere Leute, deren Privatsphäre auch geschützt werden will. Sollte es dadurch oft langatmig oder mechanisch und schlicht nicht lesenswert werden, tut mir das (in Maßen) leid. Ab und zu gibt es sicherlich den einen oder anderen Gedanken über das reine Abspulen von Fakten hinaus und im Notfall gibt es ja immer noch Katzen-, Essens-, oder Urlaubsbilder zum Auflockern. Und wie immer gilt: „Nobody zwingt Dich“*, mitzulesen. („Mich schon“, wird der Liebste hier einwerfen.)

Anyway, zurück zu gestern:

Ich erwache kurz vor 9, unprompted, der Mitbewohner und sein Besuch schlafen noch, die Katzen auch. Hell ist es im Zimmer, so langsam muss ich die Verdunkelung für die Balkontür wieder anbringen, die im tiefsten Winter nicht nötig ist. Ich mache mir einen weißen Tee und lese gemütlich soziale Medien, Tagespresse (bei der Gelegenheit gleich mal das Probeabo gekündigt, yay me!) und Blogs. Dann blogge ich selbst und währenddessen ruft auch schon der Liebste an. Wir besprechen die Pläne für den Tag und dann bleibe ich noch bis 11 liegen, bevor das Aufstehen wirklich dringend wird.

Ich ziehe nach kurzer Katzenwäsche direkt meinen Bikini unter und mich dann an, packe Rucksack und Tasche für Sport, Wochenende und Büro, füttere die Katzen, mache mir Müsli mit Orange zum Frühstück… Währenddessen stehen auch irgendwann der Mitbewohner samt Besuch auf. Kurz vor 12 verlasse ich das Haus und fahre mit Podcast auf den Ohren und S- und U-Bahn nach Südberlin. Kurz hektisch wird es, als ich den Umsteigebahnhof verpasse, weil ich so in ein Wikipedia-Loch vertieft bin (die gestern erwähnte italienische Punkband, CCCP Fedeli Alla Linea) und zurückfahren muss, aber ich habe zum Glück genug Zeitpuffer.

Im Fitnessstudio angekommen suche ich mir einen Platz mit Riesenspind, um all mein Gepäck unterzubekommen. Dann habe ich noch Zeit für zwei Bahnen Schwimmen, bevor sich das Becken zum AquaFitness füllt. Heute ist wieder der Drill Sergeant da, der mich letztes Mal angeraunzt hatte, weil ich zu viel gelächelt hätte beim Sport. Er ist aber zahmer und ich bekomme die 45 Minuten gut herum. Vielleicht auch, weil durchs Oberlicht die Sonne auf meine Ecke vom Pool scheint und ich den Herrn so schlechter sehen kann. Danach geht es in die Finnische Sauna (wärmer als die im Hotel am Montag) und hinterher unter die kalte Dusche und in den Ruhebereich.

Ich ruhe und lese – nach der Finanzzeitschrift für Frauen vom letzten Mal heute im WWF Magazin. Klischeefittis sind anders. Dann gönne ich mir eine zweite Saunarunde (in der Mediensauna, mit visueller Untermalung von schneebedecktem Gebirge, ich hätte ja lieber die Mittelmeerschleife gesehen, aber die ist heute wohl nicht dran). Nochmal kalt duschen, nochmal ruhen, dann gehe ich ausführlich warm duschen, mit Haarewaschen, Föhnen usw., ziehe mich an, belade mich mit Gepäck und laufe durch den Sonnenschein und die Einkaufsstraße zum Liebsten.

Ich hänge meine nassen Sachen auf und dann legen wir uns erstmal kurz hin und chillen. Mein Rücken tut vom Tragen weh und ich habe Bauchmuskelkater vom Training. Irgendwann gegen 17 Uhr brechen wir dann nochmal auf und gehen in den Supermarkt, fürs Wochenende einkaufen. Dann setzt der Liebste die Gemüsebrühe an. Während die vor sich hinköchelt, spielt er (Ein neues Spiel ist auf dem Markt, das ist alles ganz aufregend.) und ich esse Rosinenschnecke und Babybananen als Nachmittagssnack, mache Italienisch und döse.

Nach etwa einer Stunde kocht der Liebste dann seine vegane Bolognese und dazu Spaghetti (die einzigen langen Nudeln im Supermarkt, die durch Kupferdüsen gepresst wurden) und ich mache einen Salat aus Rucola und Radieschen dazu. Nebenbei läuft laute Musik und mein Bruder ruft auch noch an. Dann gibt es Abendessen, auf dem Sofa herumlümmelnd, und dazu und danach schauen wir „Oppenheimer“. Der Liebste gibt zwischendrin immer wieder Zusatzwissen zum Besten und auch nach dem Film reden wir noch lange über das Thema, kulminierend in einer Dozentur des Liebsten über den Zweiten Weltkrieg im Pazifik und japanische Kriegsverbrechen. Da liegen wir aber schon im Bett und ich schlafe langsam ein.

*Zitat von Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorf: „Die neuen Leiden des jungen W.“, gutes Buch, damals auch hervorragendes Theaterstück im Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen und mit dem damals heartthrob Jungstar Marian Bulang. Mit einer freiwilligen Buchvorstellung in der 10. Klasse habe ich dadurch mal meine erste Zeugnis-1 seit Jahren ergattert, aber ich schweife ab…

23.02.2024 – Happy Friyay

Es ist Freitag und eine lange Woche neigt sich dem Ende zu. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, die Vögel singen – beste Voraussetzungen für einen guten Tag also. Nach Lesen, Bloggen, Telefonieren stehe ich auf und mache Frühstück für die Katzen und mich. Kurz nach 9 sitze ich am Schreibtisch, trinke Tee, löffle Müsli und beschäftige mich mit den ersten Arbeitsdingen – u.a. per Chat mit der Kollegin in Madrid, bei der ich bald ein paar Tage verbringen werde.

Es gibt außerdem die Rohfassung des Videos zum Anschauen und Anmerkungen hinterlassen, ein Fragebogen will ausgefüllt werden, mit dem ich anlässlich des anstehenden Frauentags gemeinsam mit anderen Kolleg*innen porträtiert werden soll, ein Post im globalen Chat-Raum muss abgesetzt werden… Und dann ist zwischendurch um 10 auch schon das erste Meeting, mit Ostfriesland. Um 11 folgt eines mit Moabit, Lichtenberg, Biesdorf und dem Büro. Danach schließe ich endlich den Fragebogen ab und bereite weiter Texte für einen Newsletter vor.

Um 13 Uhr ist es Zeit für die Mittagspause. Der Kasten, in dem Waschmittel und Co. aufbewahrt werden, muss ausgeräumt und gereinigt werden – irgendwas ist da ausgelaufen und hat die Verpackung des Spülmaschinensalzes aufgeweicht und eine unschöne Gemengelage hinterlassen. Der Kasten selbst ist aus Stoff und kommt dann in die Waschmaschine, gemeinsam mit dem Sofakissenbezug mit Katzekotzeflecken, dem Glitzershirt vom Mitbewohner (sorgsam auf links gedreht und in einem Wäschesack verstaut) und meiner normal anstehenden Buntwäsche. Dann mache ich mir die Kartoffelecken von gestern warm und die Guacamole und das Mojo Verde von gestern alle. Dann noch Wäsche zusammenlegen und schon ist es 14 Uhr und Zeit für das nächste Meeting – mit Ostfriesland, Charlottenburg und Nürnberg.

Direkt im Anschluss folgt ein Meeting mit einem Kollegen aus Chicago, der aber gerade in der Kaffeeanbaugegend von Kolumbien ist, in der Nähe von Medellín, und dort seine Famillie besucht. Wir brainstormen zu einer möglicherweise bald stattfindenden Veranstaltung in unserem Büro in Chicago. Ab 15:30 beschäftige ich mich mit dem Erstellen einer Präsentation für meine Chefin. Zusammensuchen von Informationen aus dem Projektmanagement-Tool und Aufzeichnungen von mir, sortieren, mit ChatGPT optimieren und dann in eine Folienform gießen. Danach ist es Zeit zum Wochenbericht schreiben und nebenbei noch mit meiner Chefin über verschiedene Punkte auszutauschen. Nebenbei noch ein bisschen Kleinkram, Koordination mit Kolleg*innen in Warschau, Dublin, Prag…

Gegen 17:30 klappe ich den Laptop zu, habe aber bis 18 Uhr noch ein Auge auf das Diensthandy. Der Mitbewohner und ich wirbeln kurz durch die Wohnung – Küche aufräumen, Katzenklo durchsieben, Staubsaugen… Denn heute kommt eine Freundin aus Italien an, die übers Wochenende in Berlin ist und bei ihm schlafen wird. Eine legendäre italienische Punkband hat innerhalb kürzester Zeit das Astra an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit ihren Reunion-Konzerten ausverkauft und die Hälfte von Italien, die nicht bereits in Berlin wohnt, ist übers Wochenende da, um diesen Auftritten beizuwohnen, so auch die Freundin. Der Mitbewohner selbst hat kein Ticket ergattert und die, die es auf dem Schwarzmarkt gibt, sind ihm zu teuer. Er freut sich aber auf die After-Show-Party morgen und das Wiedersehen mit vielen alten Freund*innen und Bekannten. Nachdem die Freundin eingetroffen ist, gibt es Campari Spritz mit extra Tonic zum Anstoßen auf das Wochenende.

Ich überlasse den beiden das Feld in der Küche zum Ankommen und Erzählen, bevor sie rausgehen, um sich mit weiteren Freund*innen zu treffen, und ziehe mich mit den Katzen in mein Zimmer zurück. Mir ist auch etwas zum Feiern zumute und da heute Gehalt kam habe ich auch kein allzu schlechtes Gewissen, als ich mir schon wieder Essen bestelle – witzigerweise im Stammlokal des Mitbewohners. Es gibt Focaccia mit Provolone und Tagliatelle al limone.

Während ich warte erledige ich meine heutigen Italienisch-Aufgaben und zum und nach dem Essen schaue ich dann die fünfte Staffel „The West Wing“ zu Ende – sind ja nur noch sieben Folgen. Dann ist es fast halb 2 und ich mache mich bettfertig und schlafe dann tief und fest ein – bis irgendwann die beiden lautstark wieder nach Hause kommen, was mich aber zum Glück nur kurz und nicht nachhaltig wach macht, ich schaue nichtmal auf die Uhr.

22.02.2024 – Wieder da

Fast komplett durchgeschlafen, bekuschelt von zwei glücklichen Katzen, und schon etwas vor dem früheren Weckerklingeln aufgewacht. Nach der bisher recht aufregenden Woche hätte es heute ruhig langweiliger werden dürfen, aber nein – ein Handwerkerbesuch steht an. „Zwischen halb 8 und 8“ soll er ankommen. Ich gehe also kurz vor 7 fix ins Bad und mache mich bereit, um dem Mitbewohner auch noch genug Zeit zu geben, damit auch er halb 8 fertig sein kann. Zurück in meinem Zimmer telefoniere ich ab viertel 8 mit dem Liebsten, drei Minuten später klingelt es. Handwerkerzeitmanagement scheint ein allgemeines Problem zu sein. Ich habe ja noch Verständnis für ungenaue Zeitangaben oder Verspätungen, aber wenn man schon eine sehr genaue Zeitangabe macht, dann kann man doch bitte schön noch ein paar Minuten im Auto sitzen und nicht einfach zu früh kommen? Anyway. Die Klingel treibt den Mitbewohner aus dem Bett und dann passt am Ende alles.

Der Handwerker besieht sich den Schimmel, macht exakte Messungen zu Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit an verschiedenen Messpunkten und behandelt dann den akut bestehenden Schimmel. Der Mitbewohner und ich verharren im einzigen schimmelfreien Raum, dem Wohnzimmer – das ist nämlich der einzige, der keine direkte Außenwand hat, vor der ist nämlich noch der Balkon (die Loggia, ich sollte Loggia sagen). Nach einer Stunde verabschiedet sich der Handwerker. Irgendwann gibt es dann einen Termin über mehrere Tage, an dem an den betroffenen Außenwänden die Tapete abgemacht und stattdessen Anti-Schimmel-Farbe aufgetragen wird. Und die Fenster müssen dann auch direkt mal wieder abgeschliffen und neu gestrichen werden. Weltkulturerbe ist schön, aber anfällig.

Ab halb 9 können wir die Türen wieder öffnen und meinen Schreibtisch zurück an die Wand rücken. Ich mache den Katzen und mir Frühstück (Müsli, Mate, frisch gepressten Mandarinensaft) und dann geht ab 9 der Arbeitstag ganz normal los – zum ersten Mal seit Montag Mittag an ergonomischen Möbeln und mit zweitem Bildschirm, Tastatur und Maus. Bis 11:30 arbeite ich an verschiedenen Aufgaben, dann habe ich mein wöchentliches Meeting mit meiner Chefin. Wir besprechen drei Themenkomplexe, die allesamt zu Aufgaben für mich werden oder diese konkretisieren. Danach beschließe ich also folgerichtig, erstmal Mittagspause zu machen.

Podcast auf die Ohren und dann schnappe ich mir die Pfanddosen der letzten zwei Essensbestellungen und drehe eine längere Spaziergangsrunde, um sie an zwei verschiedenen Stellen abzugeben. Kurz danach suche ich hektisch meine Zugangskarte zum neuen Büro, als mich eine Frau anspricht und sie mir reicht – sie muss mir wenige Meter zuvor aus der Jackentasche gefallen sein. Läuft bei mir. Ich kehre kurz beim Späti ein und kaufe Fenchel und Koriander (so viel günstiger als im Supermarkt, sogar als in Discounter) und hole dann noch ein neues Stück Seife in der Drogerie – dank Selbstscankasse bin ich innerhalb von 2 Minuten wieder draußen. Wieder zuhause mache ich mir noch schnell Stullen (Quark mit Leinöl, Gurke, Möhre, Fenchel) und damit geht es dann zurück an den Schreibtisch.

Ich mache mich an die Umsetzung der neuen Aufgaben, gebe zwischendurch Feedback, ziehe Daten, wühle im Archiv… Das 14-Uhr-Meeting wird erst nach hinten und dann auf morgen verschoben, weil die eine beteiligte Kollegin blöd gestürzt ist und erstmal zum Arzt muss. Das 17-Uhr-Meeting wird ebenfalls auf morgen verschoben. Das 18-Uhr-Meeting (mit Seattle, da ist es gerade erst 9) findet dann aber statt, ist zum Glück aber schnell vorbei. Ich schreibe noch schnell eine Mail und habe dann kurz vor halb 7 Feierabend. Zeit fürs Kochen. Ich mache mir wieder einen Podcast an, schnitze Kartoffelecken und werfe sie in den Ofen und mache mir dann eine Guacamole und Mojo verde dazu.

Beim Essen telefoniere ich mit dem Liebsten. Danach schaue ich die neue Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericans-Doku (den ersten Teil von Chile) und danach noch die Aufzeichnung aus dem Adulting-Projekt von gestern, als ich einfach zu kaputt war, um live dabei zu sein. Als das alles durch ist, ist es kurz vor 11. Ich mache mich schnell bettfertig, lese noch zehn Seiten Buch und schlafe dann wie ein Stein. Zum Glück klingelt der Wecker morgen wieder zu einer humaneren Zeit.

21.02.2024 – Working on the Railroad

Gegen 4:30 weckt mich ein Geräusch und trotz anfänglicher Versuche es zu ignorieren, werde ich nachhaltig wach. Also gehe ich aufs Klo und suche außerdem die Ohropax raus. Als ich mich wieder hinlege, geht der Liebste aufs Klo und das Geräusch ist auf wundersame Weise verschwunden. Dann liegen wir beide im Dunkeln und lesen auf unseren Handys und versuchen, wieder einzuschlafen. Es dauert eine gute Stunde, dann bin ich erstmal wieder weg, bis ich etwas merkwürdiges träume und wieder wach bin. Inzwischen schläft dann auch der Liebste wieder. Ich lege nochmal eine kleine Schlafrunde ein, bis halb 8 mein Wecker klingelt. Der Liebste und das Teilzeitkind zeigen sich unbeeindruckt (das Geräusch ist wieder da), ich hingegen fange an zu bloggen.

Eine Viertelstunde später mache ich dem Liebsten Kaffee und mir Kakao (das Teilzeitkind hat noch Tee übrig). Dadurch werden dann erst das Kindelein und dann auch der Liebste wach. Gegen 8:15 geht es hinunter zum Frühstück, wo nach und nach die Feiernden von gestern eintrudeln, die auch im Hotel übernachtet haben. Kurz vor 9 muss ich mich schon wieder verabschieden und gehe mit einer Kanne Tee zurück aufs Zimmer – Arbeiten ist angesagt. Ich verschicke erst eine Mail an den deutschen Standort, dann aktualisiere ich eine Seite im Intranet, schicke eine Mail an die globale Belegschaft und poste dazu noch etwas in einen globalen Chat. Um 10 habe ich ein Meeting nach Paris, an dessen Ende dann das Kindelein und der Liebste nackt vor mir stehen – sie waren nochmal am Pool. Jetzt ziehen sich alle an und packen ihre Sachen und eine Viertelstunde später checken wir aus und fahren hinüber zu den Eltern des Liebsten.

Die anderen versammeln sich zu Kaffee und Schabernack im Wohnzimmer, ich verziehe mich ins Arbeitszimmer und beziehe mein zweites Office des Tages. Ungefähr anderthalb Stunden beschäftige ich mich weiter mit der Auswertung der Umfragedaten von gestern und bereite die Ergebnisse auf – überblicksmäßig für die globale Belegschaft im Intranet und detailliert für die Führungsebene. Dann ist es Zeit für die Mittagspause. Ein kurzes Schwätzchen noch mit der Familie, dann verabschieden wir uns und werden vom Liebstenpapa zum Bahnhof gebracht. Wir kaufen noch schnell Getränke für die Fahrt und dann beziehen wir unsere Plätze zurück im Zug nach Berlin – mein drittes Office heute und das, in dem ich am längsten sitze – viereinhalb Stunden lang. Der Liebste liest und schläft, das Teilzeitkind macht Hausaufgaben und spielt. Ich schneide Videos, mache Übersetzungen für Untertitelungen, schreibe ein Protokoll zu einem Meeting von gestern, bespreche Dinge per Chat mit Kolleg*innen, teste die Gebrauchsanleitung für einen neuen Prozess… Die Zeit vergeht quasi wie im Zuge.

Als wir in Spandau halten, packe ich meinen Laptop ein. Am Hauptbahnhof steigen wir aus und verabschieden uns am S-Bahn-Gleis. Der Liebste und das Teilzeitkind fahren nach Westen, ich nach Osten. Vom Alex aus geht es mit der Tram weiter bin kurz nach halb 6 zuhause. Ich hole ein Paket bei meiner Nachbarin ab, lege alles ab, begrüße die Katzen und lege mich dann nochmal mit dem Laptop aufs Bett – mein viertes Office für heute. Ich habe nämlich noch eine Aufgabe fertig zu machen, die ich im Zug nicht mehr geschafft habe – quasi die Erstellung eines neuen Projekts im Projektmanagement-Tool mit einer zweistelligen Anzahl von Stakeholdern, deren Unteraufgaben und passenden Deadlines. Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend.

Jetzt habe ich kurz Gelegenheit, mit dem Mitbewohner zu quatschen, mein Paket auszupacken (Crowdfarming-Avocados, -Mandarinen und -Orangen, jede Menge und das im Bio-Qualität und für unter 20 € inkl. Versand aus Spanien), dem Ex-Mitbewohner Bescheid zu sagen, dass seine neue BahnCard da ist, und mir eine Pizza zu bestellen – Birne, Rosmarin und Gorgonzola – ich lasse es histamintechnisch drauf ankommen (Anmerkung am nächsten Morgen: zu Recht, keine Probleme). Dann packe ich mein Gepäck aus, mache Italienisch und schon ist die Pizza da.

Zur und nach der Pizza gibt es die Daily-Show-Folge vom Montag und die MaiLab-Folge über Populismus. Dann ist der Mitbewohner von seinem Lauf zurück und fertig mit Abendessen und wir rücken gemeinsam Möbel – morgen früh kommt wieder ein Handwerker zur Schimmelbekämpfung. Gegen 21 Uhr liege ich in der Badewanne, gegen 22 Uhr mit Buch im Bett, gegen 23 Uhr habe ich genug von den zufallenden Augen und gebe mich dem Schlaf hin.

20.02.2024 – Hotel-Office und Goldene Hochzeit

Um 6:30 klingelt der Wecker des Liebsten (aus Versehen). Er snoozt ihn und schläft weiter. 5 Minuten später klingelt er wieder, er macht ihn aus und schläft weiter. Da bin ich schon ein gutes Stück durch meine morgendliche Timeline durch – allerdings fallen mir zwischendurch immer noch die Augen wieder zu. Richtig wach und munter werde ich erst eine halbe Stunde später. Als mein Wecker um 7:30 klingelt, bin ich schon emsig am Bloggen, das Teilzeitkind am Lesen und der Liebste wird dann auch wach und macht Kaffee. Als ich fertiggebloggt habe ist es 8 und höchste Zeit (für mich) aufzustehen, dann in einer Viertelstunde will ich beim Frühstück sitzen.

Es gilt, gemütlich das Hotelfrühstück auszukosten und mit der Liebstenschwesterfamilie zu plaudern, bis ich dann zurück aufs Zimmer und zur Arbeit muss – und außerdem so viel zu essen, dass es bis zum Kuchen nachher reicht, weil ich meine Mittagspause heute wieder erst um 15 Uhr nehme und zwischendurch keine Gelegenheit habe, an Essen zu kommen. Das Büffet erfüllt die Voraussetzungen (nach dem obigen Gang kommt noch ein Süßer) und die anderen trudeln auch nach und nach zum Frühstück ein, so dass es noch ganz gemütlich wird.

Kurz nach 9 habe ich meinen Laptop mit einem Hotspot verbunden und liege mit Tee auf dem Bett im Zimmer. Einen richtigen Arbeitsplatz gibt es nicht, aber ich bin ja Bett-Office gewöhnt. Die ersten zwei Stunden beschäftige ich mich mit der Auswertung einer Umfrage und dem Sortieren und Präsentieren der Ergebnisse. Darauf folgen zwei Stunden Meeting mit zweimal Lichtenberg, Berliner Büro und Ostfriesland. Während all dem sind die anderen mit Pool und Sauna beschäftigt. Von 13-14:30 Uhr beschäftige ich mich mit verschiedenen kleineren Aufgaben, dann gibt es ein halbstündiges Meeting mit Prag und Nordengland und dann ist es Zeit, nach unten zu gehen, wo der Rest schon in festlicher Garderobe wartet.

Die Liebsteneltern, die heute ihre goldene Hochzeit feiern, sind eingetroffen und werden begrüßt und beglückwünscht, außerdem sind zwei Paar Onkel+Tante des Liebsten angekommen. Gemeinsam geht es an die festlich gedeckte Kaffeetafel, ich in Jeans und Shirt noch sehr underdressed. Es gibt köstliche Obstkuchen (Birne, Apfel, Blaubeere und Mango) zum Kaffee.

Pünktlich um 16 Uhr bin ich wieder oben im Bett – Teammeeting bis 17 Uhr. Da mein Anschlussmeeting ausfällt, erledige ich danach nur noch ein paar dringende Kleinigkeiten und klappe dann schon um 17:30 den Laptop zu und werfe mich in Schale – schickes rotes Kleid, schwarzer Blazer, Täschchen für die beiden Handys. Es gibt ein großes Hallo, als ich so wieder unten eintreffe, wo inzwischen auch eine Trauzeugin von vor 50 Jahren eingetroffen ist. Bald danach kommen mit einem Paar Tante+Onkel des Liebsten auch die letzten Gäst*innen für heute an (eine zweite Feier mit lauter Freund*innen und Kolleg*innen des Brautpaars findet am Wochenende statt). Wir verteilen uns an zwei Tische – einer für die Generation Ü80 (plus die 79jährige Trauzeugin) und einen für die Generation Ü40 plus die beiden Kinder und dann gibt es für alle über 11 Champagner. Es folgt ein leckeres mehrtägiges Abendessen (Salat mit Kartoffeldressing und Speck, Selleriecremesüppchen, Spanferkelrücken mit Champagnerkraut und Maccaire-Kartoffeln und zweierlei Schokoladenmousse mit Obst).

Dabei wird viel erzählt, die Braut hält eine Rede, es wird munter zwischen den Tischen hin- und hergewechselt und besonders das kleine Kind hält alle auf Trab. Auch nach dem Essen ist noch längst nicht Schluss. Wir erfahren einiges über das Soziolog*innendasein in den 70ern, über Programmieren in den späten 50ern, über geheime Affären im Bundestag in den 80ern, Reisen, wilde Feiern und heutiges Engagement. The elders are alright. Gegen 22 Uhr bricht das Brautpaar im Taxi auf nach Hause, das kleine Kind wird ins Bett gebracht, das große bringt sich selbst ins Bett. Gegen halb 12 gehe ich nach und gegen 12 folgt auch der Liebste – berichtend, dass sein Schwager und die Trauzeugin immer noch zechen. So soll es wohl sein an solchen Tagen.

19.02.2024 – Drei Tage in einem

Ausgeschlafen aufgewacht, eine gute halbe Stunde vorm Weckerklingeln – sehr gut, denn heute liegt viel an. Kurz vor 8 mit dem Liebsten telefonieren und dann ist jede Menge zu erledigen, bis um 9 die Arbeit losgeht. Den Rucksack vom Wochenende auspacken, das Geschirr von gestern wegräumen – Altlasten sozusagen. Und dann halt die zukunftsgewandten Dinge: Frühstück für die Katzen, Frühstück für mich, Koffer packen, Geräte laden, lauter so Sachen. Ziemlich pünktlich um 9 sitze ich mit Müsli, Joghurt, Apfel und Tee am Laptop. Gemütliches Arbeiten bis zum ersten Meeting halb 12, dann etwas emsiger. Gegen halb 1 macht der Mitbewohner Mittagspause und ich mir zumindest die Reste von gestern warm, esse die dann aber auch wieder am Laptop.

Kurz vor 14 Uhr beginnt das nächste Meeting, danach muss ich los. Ich packe den Laptop und die anderen Gerätschaften ein und stapfe los. Mit der Tram und der S-Bahn geht es zum Hauptbahnhof. Dort treffe ich auf den Liebsten und das Teilzeitkind, die gerade Pommes essen. Ich besorge mir noch einen Milchreis für später und den beiden einen Eistee und dann sitzen wir auch schon im Zug und ich klappe den Laptop wieder auf. Mittagspause nur knapp überzogen, sehr gut. Ich arbeite weiter vor mich hin, das Kind macht Hausaufgaben, der Liebste liest. Um 17 Uhr ist Teammeeting und ich bin ganz überrascht, wie gut mein Empfang ist, eine ganze Weile kann ich sogar die Kamera anhaben. Dann aber fahren wir durch niedersächsische Pampa und selbst der Ton setzt manchmal aus. Kurz nach 18 Uhr ist das Meeting vorbei und der Arbeitstag auch.

Mittlerweile haben wir 20 Minuten Verspätung eingefahren. Ich versuche, mich zu entspannen und höre amüsiert den Gesprächen der Mitreisenden zu – wie sie wahrscheinlich vorher meinem Meeting. Die Frau, die sich wundert, dass sie an einem Sonntagvormittag in Berlin Leute unter Drogen angetroffen hat und findet, dass zuhause in Düsseldorf weniger Leute betteln (ach.). Die Frau, die mit Muttilein spricht. Die beiden dienstreisenden Herren, die Whiskygläser und eine Flasche rausholen…

Kurz vor 19 Uhr müssen wir umsteigen. Und dann sind wir irgendwann da und fahren mit dem Taxi ins Hotel. Schnell Zimmer beziehen, die Liebstenschwester samt Mann und Nifftenkind begrüßen und dann geht es auch schon schnell nach unten in den Keller, wo Pool und Sauna warten.

Gegen halb 10 sind wir wieder oben im Zimmer. Der Liebste geht mit seinem Schwager noch das eine oder andere Bier trinken, das Teilzeitkind und ich gehen ins Bett, hören noch ein bisschen Hörbuch und schlafen kurz nach 22 Uhr tief und fest.

18.02.2024 – Regeneratives

Kurz nach 3 lag ich im Bett, kurz vor 9 bin ich wieder wach – immerhin nicht noch früher. Mich umfängt eine bleierne Müdigkeit, die Beine schmerzen vom vielen Tanzen, aber ansonsten bin ich zufrieden mit der Welt. Es gibt ein schnelles Frühstückchen für die Katzen, ein erstes Telefonat mit dem Liebsten und dann liege ich einfach wieder. Ich muss heute gar nichts, das habe ich klugerweise von Anfang an so eingeplant, auch wenn ich nicht erwartet hatte, WIE kaputt ich eigentlich bin nach der Feierei. Verkatert bin ich eher nicht, nach einem Grappa am Nachmittag und einem Gin Tonic am Abend und dazwischen viel Essen.

Deshalb kann ich auch irgendwann Frühstück machen und das fällt nicht besonders katerig aus. Es gibt Porridge mit Joghurt und der letzten Maracuja, ein Frühstücksei, zwei Blutorangen, eine Portion Flohsamen in Apfelsaft, einen Chai und für den Rest des Tages eine große Kanne Kräutertee. Damit lese ich gemütlich sonntäglich Zeitung – online natürlich. Ich habe mich von einem Angebot des Tagesspiegels locken lassen – vier Wochen Abo für sehr schmalen Taler und der Chance nebenbei diverse Kino-Tickets zu gewinnen. Der schmale Taler tut nicht weh, aber ich hoffe trotzdem auch auf das Losglück – und darf am Ende nicht vergessen, rechtzeitig wieder zu kündigen. Heute aber lese ich dann erstmal mehr Artikel als sonst normal. Mal gucken, ob das auch an Nicht-Sonntagen so sein wird.

Als ich soweit durch bin, gehe ich zum eigentlichen Plan für den Tag über. Inspiriert von der Rez-Dogs-Folge am Freitag wollte ich mal mein Ethan-Hawke-Wissen aus den letzten Jahren erweitern. Ich war ja früher großer Fan – „Club der toten Dichter“, „Wolfsblut“, „Reality Bites“, „Hamlet“, „Boyhood“ und natürlich die „Before“-Reihe, von denen der mittlere wahrscheinlich immer noch mein Lieblingsfilm ist. Daher wollte ich mal bei den mir zur Verfügung stehenden Streaming-Diensten gucken, was an neueren Sachen zur Verfügung steht. „Leave the World behind“ hatte ich ja neulich schon gesehen, ansonsten gibt es jede Menge Thriller und Horror und alles, was mich vage interessieren würde, würde Geld kosten. So dringend ist es dann auch wieder nicht.

Stattdessen nutze ich die Gelegenheit des freien Tages und gucke das Serien-Remake von „One Day“ von vorne bis hinten durch. Gut gemacht ist das auf jeden Fall. Ich wurde ja damals wie viele von dem Film eiskalt erwischt, las dann das Buch und jetzt halt die Serie. Komischerweise hat die gar nicht so viel mehr Handlung, obwohl sie viel mehr Zeit hat, als der Film. Oder vielleicht bringe ich im Kopf Buch- und Filmhandlung durcheinander, es ist mir jedenfalls nichts komplett neu, aber das muss es ja auch nicht. Gute Unterhaltung jedenfalls.

Zwischendurch habe ich nochmal was zu essen bestellt – keine unnötigen Energieverbräuche heute. Es gibt eine Arepa mit Kochbananen, schwarzen Bohnen und Avocado, Yuca Fries mit Kräuterdip und mit Teig umwickelten frittierten Käse (Tequeños) – sehr lecker, sehr sättigend, mit Resten für morgen und ein kleines Schläfchen induzierend.

Ansonsten passiert den Tag über nicht viel, anders als beim Liebsten, mit dem ich mehrfach telefoniere und der einen anstrengenden Tag hat. Bin ganz froh, dass das bei mir anders aussieht, auch wenn ich wirklich für nichts Energie habe. Nur das Katzenklo, das siebe ich abends noch durch. Und dann schaue ich noch einen britischen Dokumentarfilm über Albert Einstein und sein Verhältnis zur Atombombe, was schön Entspannendes vor dem Einschlafen also – nicht. Deswegen danach noch ein bisschen TikTok und dann kann ich gegen 23 Uhr gut schlafen.

17.02.2024 – Partytime

Erstes Aufwachen kurz nach 5, das war so nicht gedacht und passt auch gar nicht zu den Plänen für den Tag. Also schnell aufs Klo und wieder zum Liebsten ins Bett krabbeln. Der schläft natürlich wie ne Eins. Ich lese Wikipedia-Einträge über Bob Marley, weil der Film ja jetzt draußen ist und ich mein Wissen nochmal auffrischen möchte… und schlafe darüber wieder ein. Erst bis kurz nach 7, dann kurz vor 9. OK, das geht. Ich lese den Rest vom Internet leer, dann steht der Liebste auf und macht Kaffee und das Teilzeitkind legt sich zu uns und beschlagnahmt mein Handy. Zum Glück habe ich ein Zweithandy dabei und kann mich weiter gut beschäftigen. Halb 11 stehen wir auf und gehen dann auf den Markt, bei blauem Himmel, Sonnenschein und Wind. Dann gibt es Frühstück. Wir sprechen über den Bob-Marley-Film, aber der Liebste möchte sich das nicht anschauen, weil ihn als Purist von Bob Marley vor allem die Zeit vor der Rastafari-Phase interessiert und der Rest dann gar nicht mehr. Mal gucken, ob ich ihn mir alleine angucken gehe oder warte, bis man ihn streamen kann.

Hinterher macht jede*r nochmal Seins/Ihrs. Das Teilzeitkind geht mit dem Nachbarskind raus, der Liebste zockt ne Runde und ich verziehe mich aufs Sofa zum Bloggen, Italienisch machen und dann auch spielen. Kurz nach 14 Uhr ist dann Aufbruchstimmung. Bis wir alle drei ausgehfertig sind, ist es Dreiviertel 3. Mit S- und U-Bahn fahren wir zu meinen Eltern zum Geburtstag Nachfeiern (selbe U-Bahn-Station wie das neue Büro, ich weiß noch nicht, wie ich das finde). Kurz nach uns trifft mein Bruder ein und dann gibt es Quarktorte und Nusstorte und hinterher einen Grappa für die Erwachsenen.

Irgendwann fangen die Vorbereitungen für den Abend an. Mein Bruder geht nochmal schnell Bier und Limetten holen, meine Mama und das Teilzeitkind werkeln in der Küche und mein Papa erweitert die Sitzmöglichkeiten. Dann trudeln erst meine Tante und dann weitere Freund*innen meiner Eltern ein und wir bedienen uns am köstlichen Buffet.

Gegen 20 Uhr brechen der Liebste und das Teilzeitkind auf zurück nach Südberlin. Ich bleibe noch und ziehe mich dann eine gute halbe Stunde später um für die zweite Party des Abends – die zur Nachfeier des 40. meiner besten Freundin, für die die Einladung „Komm in Glitzer!“ anordnete. Dann fahre ich mit zwei U-Bahnen hinüber in den Friedrichshain, wo wir im Keller eines Restaurants feiern. Als erstes läuft mir das große Kind der besten Freundin über den Weg, dann ihre Mama und Schwiegermama und dann sie selbst. Ich übergebe mein Geschenk, lege Sachen ab, begrüße ihren Mann, hole mir einen Gin Tonic an der Bar und lasse mir dann von ihrem kleinen Kind zeigen, wie es das Gästebuch ausgefüllt hat und wie ich das auch machen kann. Kurz nach 22 Uhr schnappen sich die Großeltern die beiden Kinder und dann ist die mittlere Generation unter sich. Wir wechseln auf die „Dance“-Playlist, schrauben die Lautstärke bis an den Anschlag der kleinen Bluetooth-Box und dann bin ich fast vier Stunden lang durchgängig auf der Tanzfläche – das Timing sorgt dafür, dass ich damit sowohl das Schrittziel für Samstag als auch das für Sonntag problemlos knacke.

Der Anfang ist noch ein wenig zäh, die verschiedenen Freundesgruppen bleiben noch unter sich und man merkt, dass nicht alle die gleiche musikalische Sozialisation mitgemacht haben. Wie kann man zu Franz Ferdinand oder We Are Scientists nicht tanzen?? Später aber kommt dann doch der generationelle Konsens durch (und der Alkohol?). Am Ende sind wir eine homogene Partymasse die gnadenlos alles wegtanzt und wegsingt, egal ob MGMT, Weezer, Deichkind, Liquido, Tocotronic oder Die Ärzte. Und ja, natürlich gehört nach „Everybody“ von den Backstreet Boys zwingend „Wannabe“ von den Spice Girls und beides wird genauso auswendig mitgegrölt wie „Schrei nach Liebe“ oder „Song 2“.

Gegen 2 werden wir dann aus der Location gekehrt und eigentlich haben wir noch lange nicht genug. Dann aber erinnern wir uns, dass wir 40 und nicht 20 sind und die meisten von uns morgen mit Kindern und übermorgen mit Arbeit zu dealen haben und gehen doch lieber nach Hause als noch weiter zu ziehen. Vorher verabschieden wir uns aber noch lange und ausgiebig und die beste Freundin und ich überlegen, wann wir das letzte Mal so zusammen getanzt haben. Gruseligerweise war das wahrscheinlich an meinem 30. – zu 95% zur gleichen Musik wie heute Abend. Damals war sie mit dem großen Kind schwanger und danach war dann erstmal nix mehr mit Tanzen. Immerhin waren wir auf ein paar Konzerten seitdem. Wir verabreden aber, jetzt wo die Kinder groß (10 und 7) sind und die Pandemie soweit eingedämmt, dass wir das demnächst mal wieder einbauen müssen. Bleiben Sie dran…

Ich laufe dann zur S-Bahn und fahre in den Pberg. Kurz nach 3 bin ich zuhause und stelle fest, dass die Katzen in meiner Abwesenheit gar nicht zwingend in meinem Bett schlafen. Sie kommen mir beide aus dem Wohnzimmer entgegenscharwenzelt. Sie bekommen noch eine Ladung Trockenfutter, damit ich hoffentlich lange ausschlafen kann und dann rollen wir uns zu dritt in meinem Bett zusammen und nach etwa drei Minuten schlafe ich tief und fest.

16.02.2024 – Freitägliches

Ich erwache kurz vor 7 und habe so noch Zeit, bis der Wecker klingelt. Zum Glück, denn ich muss heute ins Büro. An einem Freitag. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt an einem Freitag im Büro war, um dort den ganzen Tag zu arbeiten. Ich tippe auf Februar 2020. Ich esse schnell zuhause ein Müsli und mache mich dann auf den Weg. Heute geht alles schon etwas einfacher mit dem Weg und den Türen. Nur am Drucker scheitere ich noch, aber auch das wird sich finden. Halb 10 richte ich mich an meinem Platz ein, um 10 habe ich das erste Meeting mit Ostfriesland und Nürnberg. Um 11 das zweite mit Büro, Lichtenberg, Biesdorf, Moabit und Dortmund. Halb 12 mit Südengland. Um 12 kommt eine Kollegin vorbei, die heute ihren letzten Tag hat und ihren Laptop abgibt. Wir drehen gemeinsam eine Runde durch das neue Büro, sie verabschiedet sich von den drei anwesenden Kolleg*innen und dann gehen wir zu zweit Mittagessen. Es gibt Poké Bowls im Sonnenschein bei 16 Grad. Am 16. Februar.

Hinterher bringt sie mich noch zurück zum Büro und dann verabschieden wir uns auf absehbare Zeit. Wieder drinnen an meinem Platz sehe ich, dass mein Nachmittagsmeeting mit Chicago verschoben wurde. Also kann ich jetzt ganz gemütlich noch die Dinge abarbeiten, die diese Woche noch erledigt werden sollten. Zwischendurch trinke ich einen Kaffee mit der neuesten Kollegin und gegen 17:30 ist dann Feierabend und ich fahre mit U- und S-Bahn nach Südberlin zum Liebsten. Wir bestellen Essen und dann fährt er los, das Teilzeitkind von einem Kindergeburtstag abholen. Als alle da sind, gibt es Futter – für mich Chicken Fingers, Süßkartoffelpommes und Guacamole. Histamintechnisch alles im grünen Bereich, aber weder das Mittagessen noch das Abendbrot sind besonders schonköstlich und das merke ich dann auch stundenlang.

Nach dem Essen gucken wir noch eine Folge „Liv und Maddie“ mit dem Kindelein, bis es ins Bett geht – puh, das ist eine Herausforderung. Danach wechseln wir zu anspruchsvollerem Fernsehek und schauen die letzten beiden Folgen „Reservation Dogs“, besonders die vorletzte, mit Gastauftritt von Ethan Hawke, ist extrem gut. Die letzte ist dann mehr so Fanservice und nochmal ordentlich Screentime für die native Schauspielerlegenden wie Gary Farmer und Graham Greene und bringt die Serie zu einem würdigen Abschluss. Danach gucken wir noch das neueste Netflix-Special von Taylor Tomlinson, dass wir uns beide extra fürs gemeinsame Ansehen aufgehoben haben. Auch das ist wieder sehr gut. Und schwupps ist es Mitternacht und Zeit zum Schlafengehen.

15.02.2024 – Frühling in Berlin?

Der Wecker weckt, die Katzen kuscheln. Wie schön, dass ich heute einfach im Homeoffice bleiben kann und das erste Meeting erst um 10 ist. Wirklich entspannter Morgen, am Ende sitze ich halb 10 am Schreibtisch und habe sogar schon Italienisch gemacht. Ich mache Kleinkram, bis es Zeit ist für den Call mit Madrid, Salerno, Paris, Dublin und Valencia. Dann wieder Kleinkram, Call mit Prag. Dann ist endlich mal ein wenig Zeit für Großkram und ich mache mit einer Rechercheaufgabe weiter, bis die Mittagspause dran ist.

Hierfür gehe ich nach draußen, Tageslicht einfangen. Besonders viel davon gibt es heute allerdings nicht, es ist grau in grau. Aber etwas ist anders. Nicht nur in meinem BalkonBlumenkasten, auch in der wirklichen Welt sieht es nach Frühling aus – und das Mitte Februar.

Haben wir unbemerkt den Winter hinter uns gelassen? Morgen sollen 16 Grad werden und auch für die nächsten zwei Wochen ist nichts frostähnliches mehr angesagt. Mir ist ja Klinawandel in wärmer (zumindest hier in der Gegend) lieber, als die neue Theorie, nach der es hier bald drastisch kälter wird. Aber weird ist das schon, allerdings, ich kann es kaum erwarten, dass es wieder länger hell ist und ich vielleicht bald wieder das zweite Wohnzimmer „Balkon“ einweihen kann. Ich spaziere jedenfalls die ganze Stunde umher und staune. Um 14 bin ich wieder am Schreibtisch. Aus dem langen angesetzten Meeting wird Ostfriesland und Nürnberg wird ein kurzes Telefonat, den Rest verschieben wir auf morgen.

Und dann sitze ich da plötzlich gegen halb 3 und habe heute keine Meetings und keine Deadlines mehr. Komplett ungewohnt. Ich mache mir Musik an (guter Mix der Woche diesmal, endlich wieder ohne Schlager) und recherchiere ganz entspannt vor mich hin, bis ich gegen 17:30 Feierabend mache, weil die Luft raus ist. Es ist noch nicht komplett dunkel, die Luft ist mild und diverse Vögel zwitschern. Der Mitbewohner und ich feiern das. Ich habe auch noch ein wenig Energie, bringe Müll weg, gieße Pflanzen und durchsiebe das Katzenklo. Der Mitbewohner bricht dann zur Bandprobe auf und ich gehe in die Küche und koche mir Abendbrot. Der Chicorée muss weg und ich denke mir, was mit Radicchio geht, muss auch mit seinen Verwandten gehen, und backe ihn im Ofen – mit einer Möhre, ein paar Rosinen und viel Olivenöl und Kräutern. Dazu gibt es Reis, die beiden letzten vegetarischen Würstchen und einen großen Schluck Zitronensaft.

Damit geht es dann aufs Sofa, die neue Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku gucken, heute geht es durch Peru nach Chile. Leider erzählen sie wenig über die Hintergründe der Unruhen, die ihnen in Peru den Weg versperren. Dafür sehe ich den Verkauf einer Gitarre, die ich oft live auf der Bühne gesehen habe. Aber ich schaffe es auch, zwischendurch im Sitzen (!) einzuschlafen. Aber nur kurz immerhin. Gegen 9 ist die Doku vorbei und ich begebe mich mit Buch und Tee in die Badewanne. Nach einer guten Stunde wechsle ich ins Bett und da lese ich auch nochmal weiter – ein schönes Gefühl, das mal wieder länger am Stück zu schaffen. Kurz vor 23 Uhr ist Licht aus und wieder schlafe ich ein wie ein Stein. Frühjahrsmüdigkeit?