- 4,5 Stunden in einer Turnhalle irgendwo im Südwesten verbracht, 4x 1 Minute dem Teilzeitkind aus zweiter Hand bei sportlichen Betätigungen zugesehen, 15 Minuten eine Vorführung der Turnelite des Vereins bewundert, eine halbe Stunde lang die Siegerehrung beklatscht, Rest rumgesessen und erzählt
- Gemeines Patchworkfamilien
frühstückbrunch - Jede Menge Paw Patrol – ich bin hooked (Stockholm-Syndrom)
- Kleine Einkaufstour mit Halt am Bärenland-Stand (Erdbeer-Rhabarber-Bären einhellig für gut befunden und gekauft)
- Nudeln mit veganer Bolognese zum Abendbrot
- Den kranken Freund gegen Widerstände mit Obst gefüttert
- 2,5 Folgen Gilmore Girls geguckt
- Sonntagmorgen lange im Bett geblieben, dann spätes Frühstück
- Ausflug fiel aus Krankheitsgründen aus, dafür viel gelesen, gespielt und geguckt
- Nachmittagsspaziergang zum Tortencafé und ausführliche Tortenessung
- Getrennte Spiel-/Lese-Sessions – eines der 5 Bücher ausgelesen, die ich gerade parallel lese: Hermann Korte: David und Johannes Fabricius und der Roman meines Vaters. Eine biographische Erzählung.
- Schatzsuche im Wohnzimmer
- Steak mit Kräuterbutter, Honigmöhren und Kartoffelecken
- Noch mehr Paw Patrol
- Nach Feierabend vorgelesen bekommen und dann noch gemeinsames paralleles Lesen im Bett
13. Dezember 2019 – Freitage, ey
In letzter Zeit mache ich freitags ziemlich oft Homeoffice (wir nennen es offiziell Remote Work, weil leider zu viele Leute denken, man würde zuhause nur rumgammeln und nicht arbeiten), weil ich durch das Einsparen des Arbeitsweges Zeit für andere Erledigungen habe, nebenbei Wäsche waschen und aufhängen kann und freitags traditionell viele Videokonferenzen anstehen. Wenn ich eh in Meetingräumen und Telefonboxen rumhänge, statt mit den Kolleg*innen im Großraumbüro, dann kann ich auch gleich zuhause bleiben.
So also auch heute. Zehn Minuten vor Arbeitsbeginn lag ich noch in der Badewanne, dann machte ich es mir mit Laptop, Katzen, Porridge und Tee auf der Couch gemütlich und arbeitete los. Ich hatte zwei sehr angenehme und produktive 1:1-Calls mit meiner Chefin in Spanien und meiner Chefchefin in Großbritannien (inkl. Diskussion des Wahlergebnisses), konnte in Ruhe einen Newsletter verfassen und versenden, mit diversen Kolleg*innen Dinge klären, an Konzepten und Plänen fürs nächste Jahr feilen, Zellen hin und her schieben und lustig einfärben und in den Pausen, in denen ich auf Rückmeldungen wartete, in dem Buch schmökern, das mir meine Chefin halb als Weihnachtsgeschenk und halb als Arbeitsaufgabe geschickt hat.
Das Mittagessen (Empanadas) ließ ich mir liefern, so fiel die Mittagspause selbst Homeoffice-typisch sehr kurz aus. Dafür nahm ich zwischendrin eine Ladung Wäsche ab und hängte eine auf und legte meine Sachen fürs Wochenende am anderen Ende der Stadt zurecht.
Ein wenig hatte ich ja gehofft, früh Feierabend machen zu können und dann in aller Ruhe hauszuelfen (Saugen, Bad putzen, Müll wegbringen, Geschirrspüler anstellen, Katzenklo sauber machen, Katzenfutter für anderthalb Tage hinstellen, da die Mitbewohnerin erst Sonntag wieder da ist), meine Sachen zu packen, mich umzuziehen und so loszufahren, dass ich rechtzeitig zum Abendessen mit dem Teilzeitkind aus zweiter Hand am anderen Ende der Stadt wäre.
Und dann kam alles anders. Am mittleren Nachmittag ploppten auf einmal mehrere zeitintensive To Dos auf, ich sagte dem frühen Feierabend „Auf Wiedersehen“, ebenso wie dem gemeinsamen Abendessen, und richtete mich auf einen hektischen Start ins Wochenende ein. Zur regulären Feierabendzeit (zumindest, wenn ich eine reguläre Mittagspause gemacht hätte, also eigentlich schon drüber), war ich mit den To Dos gerade durch, als eine letzte E-Mail einging, die aus Gründen sofort bearbeitet werden musste. Die Freuden des Arbeitens über mehrere Zeitzonen hinweg…
Dann aber: Laptop zu, Diensthandy aus, einmal komplett rumwirbeln, bloß nix vergessen und dann los zur Bahn. Jetzt kann ich dem Teilzeitkind aus zweiter Hand immerhin noch „Gute Nacht“ sagen, bevor ich mein Abendbrot bekomme, damit es heute Nacht oder morgen früh nicht ob meiner Gegenwart im väterlichen Bett verwirrt ist.*
*Ich mache dieses ganze Vereinbarkeitsding (vor allem diktiert durch die Uhrzeiten für Abendbrotzeit, Schlafenszeit und Kitabeginn) gerade im Schnelldurchlauf, merke ich. Unter den erschwerten Bedingungen von „am anderen Ende der Stadt“. Dafür halt nicht jeden Tag. Große Bewunderung an dieser Stelle für alle echten Vollzeit-aus-erster-Hand-Eltern, wo nehmt Ihr nur die Energie her?!
Donnerstag, 12. Dezember 2019 – Der Wille war da
Heute sollte ja dieser hochsportliche Tag werden. Mittags Yoga im Büro, abends Schwimmen hier um die Ecke. Sollte ist dabei das entscheidende Wort…
Eine Viertelstunde vor dem Beginn der Yoga-Stunde wurde ein dringendes Meeting anberaumt, mit Kolleg*innen in insgesamt sechs Ländern. Nix mit Yoga.
Immerhin kam kurz darauf eine Kollegin in Elternzeit mit ihrem Baby vorbei, mit der ich als einzige ausführlich quatschen konnte, weil die anderen aus dem alten Team ja alle beim Yoga kamen.
Abends stand ich dann halb ausgezogen in der Umkleidekabine der Schwimmhalle und stellte fest, dass ich nur die Hälfte meiner Badesachen eingesteckt hatte. Anders als bei dem Spa letztes Wochenende ist Nacktschwimmen bei den Berliner Bäderbetrieben eher ungern gesehen, weswegen ich unverrichteter Dinge wieder ging.
Sicherlich wäre Badesachen holen und zurückgehen eine Option gewesen, aber wenn das Universum mir mitteilt, dass ich heute lieber auf der Couch liegen, lesen und Wein trinken soll, wer bin ich, dem zu widersprechen?
Nächste Woche neuer Versuch!
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Nur kurz, ist spät:
- Seit langem mal wieder Bento-Box essen gewesen
- Durch präzise Auswahl unverpackter Kartoffeln einen Gesamteinkaufswert von 5,00 € erreicht. Die Kassiererin und ich haben uns beide sehr gefreut
- Von Frau Novemberregens DOzember angesteckt viel sortiert, entrümpelt und sauber gemacht und einen neuen Besteckkasten bestellt – Bambus statt kaputter und fleckiger Plaste
- Aufgrund voller Wäscheständer auf dem Trockenboden meine Wäsche auf den Heizungsrohren verteilt, mal gucken ob wer was sagt
- Schön in der Badewanne gelegen und Sprechfunk gehört
- Jetzt gleich von Miezekatzen bekuschelt einschlafen – einzige Solonacht diese Woche in 3… 2… 1…
Dienstag, 10. Dezember 2019
- Heute zum ersten Mal ganz alleine ein Kind in die Kita gebracht. Das war gut und sinnvoll für alle Beteiligten und die Gruppendynamik und ich glaube das mache ich jetzt öfter…
- Auf dem Weg zur Bahn zufällig Il Professore auf der Straße getroffen, das letzte Treffen war verabredet und ist etwa 6 Jahre her. Ein schöner Zufall, der hoffentlich dann doch mal wieder ein verabredetes Treffen nach sich ziehen könnte.
- Den ganzen Tag an einem Spreadsheet gebastelt und immer, wenn ich kurz Luft hatte und überlegte, Pause zu machen, war Zeit für das nächste Meeting.
- Statt Mittagspause also früher Feierabend und letzte E-Mails aus der Bahn.
- Durch günstige Fügung komme ich Donnerstag doch noch spontan zu einer Yoga-Einheit in der Mittagspause. Zusammen mit dem geplanten Schwimmen wird das der sportlichste Tag seit langem.
- Statt Mittagessen gab es dann zum ersten Abendbrot Bratnudeln mit Fleischwurst und Tomatensauce und zum zweiten Abendbrot Bulgursalat. Läuft bei mir.
1000 Fragen nach langer Pause
Im Moment reflektiere ich sehr viel. Vor allem über all das, was in diesem Jahr so passiert ist. In Gedanken versuche ich mich schon an meinem Jahresrückblickpost. Damit der nicht so ganz aus der Kalten kommt und weil ich heute morgen spontan Lust aufs Tagebuchbloggen hatte, steige ich mal ganz sanft wieder ein. Nicht am 1. Januar, sondern sofort. Mit der gleichen Motivation, mit der ich auch diese Woche zum Sport gehen werde und nicht erst nach dem 1. Januar: Klischees vermeiden und intrinsische Motivation ausnutzen.
Weil der Einstieg aber sanft werden soll, gibts erstmal nur drei Highlights des Tages:
- Schönstes gemeinsames Aufwachen nach ausreichend Schlaf und ein sonniger Tag ganz ohne Montagsblues
- Ich werd jetzt berühmt in diesem Internet – auch beruflich
- Unweit vom Büro hat ein guter, authentischer und günstiger Bubble-Tea-Laden aufgemacht, der Jasmin-Tee mit Blaubeersirup und Litschi-Jelly ohne Eis und zusätzlichen Zucker ist sehr gut
Und damit ich mal weiterkomme mit den 1000 Fragen, hier die nächsten 10: Der Jawl fasst die Erklärung bei sich immer schön zusammen:
Die Fragen stammen übrigens übrigens ursprünglich mal aus dem Flow-Magazin, Johanna von pink-e-pank.de hat daraus eine persönliche Blog-Challenge gemacht und Beyhan von my-herzblut.com hat das PDF gemacht.
491. Kommt es dir so vor, als wäre das Gras des Nachbarn immer grüner?
Nein, eigentlich fast nie. Die Lebenserfahrung zeigt immer wieder, dass bei den anderen auch immer irgendwas ist. Vergisst man nur manchmal, dann hilft Reden.
492. Welchen gesunden Snack magst du am liebsten?
Obst jeder Art.
493. Wie fest ist dein Händedruck?
Nicht so fest, dass es wehtut, nicht so lasch, dass man das Gefühl hat, einen toten Fisch in der Hand zu halten. Zumindest ist das das Ziel und ich hoffe, das klappt auch so.
494. Schreibst du häufig etwas auf, damit du es dir besser merken kannst?
Beruflich ja, da ich von Meeting zu Meeting hetze und sonst nach dem zweiten schon wieder vergessen hätte, was im ersten besprochen wurde. Und ebenso alles, was zwischendurch an Aufgaben hereinflattert, damit nichts untergeht. Privat eigentlich nur To-Do-Listen wenn irgendwas besonderes ansteht oder Einkaufszettel, die meisten anderen Dinge merke ich mir auch so ziemlich gut.
495. Worauf hast du zuletzt mit Ja geantwortet?
Ob ich Zeit und Lust habe, heute zu dritt einkaufen zu gehen. Lebensmittel.
496. Welche Mahlzeit am Tag magst du am liebsten?
Das kommt ganz drauf an, wann es das Leckerste gibt und ich am meisten Zeit habe und wo ich die Mahlzeit zu mir nehme – ich bin da flexibel.
497. Schläfst du manchmal beim Fernsehen ein?
Ganz selten mal, außer wenn ich mir bewusst eine Serie zum Einschlafen anmache, dann natürlich idealerweise nicht nur manchmal, sondern immer.
498. Wie stark ist deine Sammelleidenschaft?
Nicht mehr so stark wie früher. Es gibt nur noch wenige Autor*innen oder Bands, deren Oeuvre ich gerne komplett und physisch besitze. Ansonsten bin ich gerade eher dabei, Dinge loszuwerden, als sie anzusammeln.
499. Hältst du dich immer an den Plan, den du gemacht hast?
Nein, auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt.
500. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?
Das da. 🙂
Reisetagebuch 21. September 2019 – Neapel, Bologna, München und Berlin #loosinterrail
Ich schlafe erstaunlich viel in dieser ruckeligen Nacht im Liegewagen, auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder kurz wach werde. Endgültig erkläre ich die Nacht gegen halb sieben beendet, etwa eine halbe Stunde, bevor mein Wecker sowieso geklingelt hätte. Kurz vor halb acht sollen wir in Neapel ankommen, aber ein Abgleich von Google Maps und der Interrail App sagt mir, dass wir schon wieder mit einer halben Stunde Verspätung unterwegs sind – natürlich, das passt ja zum Beginn der Reise gestern. Ich „frühstücke“ einen Cantuccino und ein Päckchen Pfirsichsaft, die alle nebst etwas was Wasser hingestellt bekommen haben, und benutze das ebenfalls zur Verfügung gestellte Erfrischungstuch, um mich halbwegs wach und wohlriechend zu machen. Über den kleinen Plastikkamm lachen meine Haare nur, aber die bändige ich erstmal mit einem Haargummi.

In Neapel habe ich aufgrund der Verspätung keine Zeit mehr für ein vernünftiges Bar-Frühstück, kann mir aber am Gleis noch einen Automaten-Cappuccino ziehen – vom Vollautomaten aus frisch gemahlenen Bohnen und für nur 80 Cent. Zero Waste ist auf dieser Zugreisende erstmal leider nicht mehr drin. Nachdem ich meinen Platz bezogen und die Fahrkarte vorgezeigt habe, verziehe ich mich für die Morgentoilette auf eben jene und sehe dann wieder halbwegs vorzeigbar aus, wenn auch müde und leicht zerknittert.

Das Bordfernsehen berichtet über den Klimastreik und das Klimapaket der GroKo. Na immerhin sind wir pünktlich losgefahren. Ich besorge mir zum zweiten Frühstück ein Sandwich mit Tofu und Gemüse und beschäftige mich dann vor allem mit Lesen, Dösen und Bloggen.

In Bologna wird es nochmal spannend, denn natürlich haben wir inzwischen wieder eine Verspätung aufgebaut, die dazu führt, dass ich statt sechzehn nur sechs Minuten habe, um vom einen Ende des Bahnhofs zum anderen zu sprinten und den Zug nach München zu erwischen. Klappt aber auf die Minute genau und ich lasse mich in die weichen Polster der Österreichischen Bundesbahn sinken. Mist, eigentlich hatte ich gehofft, ich könne noch ein letztes italienisches Festmahl im Speisewagen zu mir nehmen. Stattdessen gibt es dort ein österreichisches Herbstmenü. Mist, auf einmal ist der Urlaub vorbei und Herbst ist auch noch.

Draußen sieht es inzwischen auch viel weniger italienisch aus – die Alpen nahen. Damit ich nicht völlig im Urlaubsend- und Herbstblues versinke, bestelle ich mir halt was sehr österreichisch-herbstliches. Es gibt Erdäpfelsuppe mit Schwammerl, einen eher langweiligen Gemüsegulasch und köstlichen Mohnschmarrn mit Weichselkompott.


Wir erreichen München mit fast vernachlässigbarer Verspätung, geraten dort aber mitten in den Oktoberfesttrubel. Der ganze Bahnhof ist voller angetrunkener Gestalten in merkwürdigen Kostümen.

Ich kaufe mir noch eine Butterbreze und dann geht es in den ICE nach Berlin, der zwar pünktlich losfährt, aber schon das nächste Abenteuer bereit hält: Aufgrund von Böschungs- und Kabelbrand werden zwei Bahnhöfe nicht an- sondern umfahren, woraus sich eine Verspätung von ca. zwei Stunden ergibt und auch der Halt in Berlin-Gesundbrunnen entfällt. Eine Gruppe Oktoberfestbesucher*innen aus Erfurt unterhält den ganzen Wagen mit ihrem Frust, während diejenigen, die noch deutlich weiter zu fahren eher resigniert und still sind. Am Ende komme ich statt kurz vor Mitternacht erst gegen zwei Uhr morgens in Berlin an und muss dann statt fünf Minuten Ringbahn noch eine halbe Stunde fahren. Kurz vor drei liege ich mit beiden Katzen im Bett.

Reisetagebuch 20. September 2019 – Case Vecchie und Catania #loosinterrail
Der Tag beginnt recht faul. Der Großteil der Mannschaft ist ausgeflogen, um einen Schäfer zu besuchen und ihm beim Melken und der Zubereitung von Ricotta und Belegschaft zuzusehen. Ich frühstücke Pasta di mandorle und Obst und lausche Fabrizia und dem Freund der Gärtnerin, die ein trilinguales Gespräch über Gastronomie, Meditation und christliche Hippies führen.


Dann schnappe ich mir Fabrizias neues, autobiographisches Buch und verziehe mich damit an meinen Lieblingsplatz im Garten. Es ist auf Italienisch, so dass ich nur die Basics verstehe, aber nach 46 Seiten beschließe ich, es mir zu kaufen und demnächst noch einmal mit einem Wörterbuch bewaffnet genauer zu lesen, um die Feinheiten mitzubekommen.

Dann möchte ich eigentlich eine Runde in den Pool springen, aber der wird gerade noch gereinigt. Als er fertig ist, kommt gerade eine ganze Gruppe an Gäst*innen an, um zu baden und ich verschiebe das Schwimmen auf den Nachmittag.

Als nächstes steht eine Käseverkostung an, bei der sechs verschiedene Kuh- und Schafsmilchkäse aus Sizilien probiert werden und die verschiedenen Arten der Käsezubereitung und ihre Auswirkung auf Konsistenz und Geschmack diskutiert werden. Dazu gibt es einen Chardonnay.


Auf den Käse folgt dann nur ein leichtes Mittagessen – mit Parmesan überbackene Auberginen, blanchierter Mangold und gedünsteter Cavolo Nero, dazu einen Salat. Bis auf den Parmesan stammt natürlich alles aus dem Garten.

Nach Melone mit Minze zum Dessert kaufe ich mir noch ein paar Dinge aus dem Laden – Textilien mit einem von Fabrizia gemalten Design mit Zucchiniblüten (einen Schal und ein Topflappen-Set) sowie das berühmte Tomatenextrakt, das hier jeden August hergestellt wird. Dann hüpfe ich noch für ein paar Bahnen in den Pool, lasse mich von der Sonne trocknen und als es anfängt zu regnen, packe ich meine Sachen und werde zum Bahnhof gefahren.

Es beginnt eine lange Heimreise, zum Glück hatte mir Fabrizia geraten, schon einen früheren Zug zu nehmen, wer weiß, ob sonst alles gut gegangen wäre. Der erste Zug hat 18 Minuten Verspätung beim Losfahren und 41 Minuten bei der Ankunft – auf der Zugstrecke gibt es ein Problem mit der Stromleitung, deswegen muss langsam gefahren und immer wieder gehalten werden. Eigentlich hätte ich damit direkt meinen ersten Anschlusszug verpasst, aber der hat das gleiche Problem und somit ebenso Verspätung – als ich ankomme bereits 29 Minuten, abfahren tun wir dann mit über 80 Minuten Verspätung. In Catania habe ich dann aber trotzdem noch zweieinhalb Stunden Zeit. Diese nutze ich, um Bargeld zu besorgen – gar nicht so leicht im Bahnhofsviertel der zweitgrößten sizilianischen Stadt – mich ordentlich zu verlaufen und am Ende immerhin noch einen leckeren Arancino mit Spinat und Mozzarella zum Abendbrot zu verspeisen.

Dann geht es zurück zum Bahnhof, wo der Nachtzug nach Neapel ebenfalls Verspätung hat, aber nur so 15 Minuten oder so – geradezu lachhaft. Ich beziehe mein Liegewagenabteil, das ich mir mit zwei anderen Frauen teile, warte noch auf die Fahrkartenkontrolle und schlafe dann überraschend schnell ein, noch bevor wir Messina und die Fähre zum Festland erreichen.
Reisetagebuch 19. September 2019 – Case Vecchie #loosinterrail #eatalien
Nach der gestrigen Herausforderung des späten Frühstücks stellen sich unsere Gastgeber*innen heute einer neuen: Frühstück um 6. Eigentlich hatte ich nur gefragt, ob es möglich ist, dass wir uns morgens um 6 einen Kaffee machen, aber davon wollten sie nichts hören: Sie würden ja sowieso früh aufstehen und wir bekämen natürlich ein komplettes Frühstück, man kann doch nicht ohne aus dem Haus!

Mit Mühe können wir sie morgens davon abhalten, uns Rühreier zu servieren. Nach einem schnellen Frühstück fahren wir halb 7 los: Der Bruder muss zum Flughafen, ich muss rechtzeitig den Shuttle-Bus nach Catania erwischen und das Mietauto muss auch noch abgegeben werden. Zum Glück klappt alles wie am Schnürchen, so dass ich in Catania in den Zug steigen kann, der mich nach Case Vecchie bringt. Was das ist und wie es dort ist, findet man, wenn man in diesem Blog nach Geburtstagswoche sucht.
Unterwegs habe ich noch einen zweistündigen Aufenthalt auf einem fast verlassenen Provinznestbahnhof, aber dann steige ich in den nächsten Zug und irgendwas in mir erkennt die Landschaft wieder (obwohl ich letztes Mal aus der anderen Richtung kam) und die Vorfreude steigt ins Unermessliche. Ich werde am Bahnhof abgeholt und stehe auf einmal wieder vor dem blauen Tor. Es ist, wie nach Hause zu kommen. Als ob ich plötzlich durch all die Fotos laufe, die ich vor vier Jahren gemacht habe. Ich atme tief ein und komme an – so richtig und ganzheitlich.

In der Küche sitzen bereits alle beim Essen: Fabrizia, ihr Team, der Freund der Gärtnerin und drei Kochschüler*innen. Ich werde freudig begrüßt und dann gibt es Mittagessen: Ricotta-Gnocchi mit Sugo, Kaninchen in Mostarda-Sauce mit Kartoffeln und einem Salat aus bunten, gehäuteten Tomaten, Obst (Jujube, Erdbeertrauben), Feigen-Trauben-Tarte und Kaffee. Zum Essen gibt es Grillo, einen autochthonen sizilianischen Weißwein. Ein ganz normales Mittagessen in Case Vecchie eben…





Nach dem Essen besprechen Fabrizia und ich kurz unsere Pläne für meinen Aufenthalt, dann legt sie sich zur Siesta hin und ich begebe mich zu meinem Lieblingsort im Garten, genieße die Aussicht, atme den Duft von Blumen und Kräutern, meditiere, reflektiere und lese.


Irgendwann fängt es an zu regnen, so dass unsere Gartenarbeitspläne ins Wasser fallen. Stattdessen lese ich noch ein wenig in der Bibliothek weiter und abends plaudern Fabrizia und ich dann über dies und das – vom Catch-up seit unserem letzten Treffen im November über Lebensphilosophien, die politische Entwicklung in Deutschland und Italien, Familiengeschichten und Berufliches bis hin zu unseren Lieblingsserien. Der Rest der Gesellschaft ist auf einem Pizza-Workshop im Dorf, deswegen sitzen wir alleine am riesigen Esstisch und essen Reste – frischen Ricotta und älteren Schafskäse, eingelegte gegrillte Auberginen, getrocknete Tomaten, Sauerteigbrot, Macco aus eingefrorenen Fava-Bohnen – schön grün und aromatisch, anders als vorgestern – und eine Cassatina. Alles aus eigenen Zutaten und selbst hergestellt, inklusive des Weins, eines Nero d’Avola.

Nach dem Essen darf ich dann noch in die Badewanne – immerhin zum ersten Mal seit fast drei Wochen – und dann geht es müde und zufrieden ins Bett.
Reisetagebuch 18. September 2019 – Modica, Scoglitti und Comiso #loosinterrail #eatalien
Der Tag beginnt – wie auch sonst – mit einem Frühstück. Bei dem haben wir unsere Gastgeber*innen zeitlich ein wenig herausgefordert, denn eigentlich gibt es Frühstück nur bis 9:30 Uhr, ich bestellte es aber unwissend für 9:30 Uhr und so geschieht es dann auch und ist sehr reichhaltig und lecker:


Nicht im Bild: Rührei, Käse, Schinken…

Nach dem Essen brechen wir nach Modica auf, das nicht nur mit seinem barockem Stadtbild, sondern auch seiner berühmten Schokolade lockt. Eifrige Leser wissen, wo meine Prioritäten liegen… Und bei Katzen:

Als wir unseren Spaziergang durch die Altstadt beenden ist es schon ganz schön heiß, zu heiß für Schokolade – Zeit für ein Eis, mit besagter Schokolade (für den Bruder mit Pistazie).

Dann brauchen wir dringend eine richtige Abkühlung und fahren an den südlichsten Punkt der gesamten Reise, nach Scoglitti, und gehen dort an den Strand. Dieser erinnert in Aufbau und Sandbeschaffenheit an den Strand unserer Kindheit in Warnemünde und macht damit schonmal vieles richtig. Dazu ist das Wasser auch noch angenehm warm und türkisfarben und es gibt sowohl Algen als auch Muscheln und knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen kleine Mini-Fischlein, die uns zwar regelmäßig anstupsen, aber sich nicht fangen lassen. Haben wohl Angst, dass wir ihnen gleich den Kopf abbeißen und/oder ne Zitrone aus der Badehose holen.

Als es das nächste Mal zu heiß wird, gibt es eine Granità. Pistazie für den Bruder (erkennt man ein Muster?) und Maulbeere für mich:

Dann geht es für eine weitere Badung bis kurz vor Sonnenuntergang zurück an den Strand, bevor wir für ein frühes Abendessen nach Comiso fahren. Das ist ein Tipp von Rachel, die hier in der Nähe ihr Sommerhaus hat. Wir haben zunächst Schwierigkeiten, die Cantunera zu finden, was daran liegt, dass sich das Lokal über drei Ecken einer Kreuzung erstreckt. An der einen Ecke bestellt man die Arancini und Getränke, eine andere beherbergt den Außenbereich und die dritte den Innenbereich samt Toiletten. Wir bestellen liebe Grüße von Rachel und werden dann sehr zuvorkommend beraten.

Zu sizilianischem Craftbeer gibt es für mich Arancini mit Salsiccia und Radicchio bzw. Apfel, Speck und Asiago. Der Bruder nimmt zwei andere, aber da ich erst Tage später zum Bloggen komme, habe ich leider vergessen, welche das sind. Nach dem Essen geht es zurück nach Hause und früh ins Bett – nicht ohne die Reste des Weißweins zu trinken, die wir am Brudergeburtstag noch mitgenommen hatten.





