26.03.2024 – The Rain in Spain

Wieder viel zu früh aufgewacht und ab 5:20 nicht mehr einschlafen gekonnt, dabei ist das Bett weiterhin bequem, der Raum dunkel, der Kopf angekommen… Vielleicht liegt’s am vielen guten Essen gestern oder der Körper ist jetzt einfach auf Kurzschlaf trainiert. Jedenfalls gibt es so keinen Zeitdruck und mit Bloggen, Telefonieren und Sprachkram bin ich trotzdem so rechtzeitig mit allem fertig (inkl. Kaffee und Müsli), dass die Gastgeberin und ich pünktlich um 9 Uhr im Büro ankommen – ein paar Minuten vor der anderen Kollegin, mit der wir gestern den Abend in ihrem Restaurant verbracht haben.

Mein erstes Meeting ist erst um 11 und bis dahin halten sich die To Do‘s einigermaßen in Grenzen. Dann geht es anderthalb Stunden mit Biesdorf, zweimal Büro und Chemnitz. Hinterher noch Nachbereitung und inzwischen angefallene E-Mails und Chats und dann ist es auch schon 1 und mein Magen knurrt – die anderen beiden haben während meines Meetings Frühstückspause mit Kaffee und Gebäck gemacht und sind noch nicht mittagshungrig (spanischer Tagesablauf einer Französin und einer Peruanerin…), kommen aber mit mir in den Supermarkt und holen sich etwas für später. Ich stelle mir an der Salattheke etwas zusammen und esse das dann im Büro direkt.

Dann geht es weiter mit inzwischen aufgelaufenen To Do‘s. Das angesetzte Nachmittagsmeeting fällt aus, dafür habe ich zwei spontane (mit dem Büro und mit London) und telefoniere noch zweimal mit Berlin. Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend. Die Gastgeberin hat noch ein wenig zu tun, aber ich will jetzt ins Draußen. Tagsüber kam trotz Kälte (Höchsttemperatur heute 10 Grad) die Sonne heraus, dann hat es aber auch mal gehagelt. Weil ich mittags nicht spazieren war, entscheide ich mich, nach Hause zu laufen und dabei die Stadt zu begucken – Google Maps sagt, das sind knapp anderthalb Stunden. Also trabe ich los.

Der erste Teil der Strecke ist nicht so spannend, aber ich nutze ihn sowieso telefonierend – erst mit der Kollegin und Freundin in Frankreich und dann mit dem Liebsten. Währenddessen wird es dunkel und blöderweise kehrt jetzt auch der Regen zurück. Gut, dass ich meinen Wintermantel mit habe und gut geschützt bin. Ich laufe trotzdem flink und ohne viel zu gucken durch die Straßen und Gassen. Kurz vor „zuhause“ hole ich mir noch ein bocadillo mit jamón und Brie zum Mitnehmen.

Kurz vor mir ist die Gastgeberin eingetroffen. Sie macht sich ein paar Reste warm, bevor sie morgen Abend für längere Zeit das Land verlässt, und wir essen gemeinsam. Dazu gibt es eine Auswahl verschiedenster eingelegter Oliven, außerdem Tee und zum Nachtisch Schokolade und Fudge mit Amarula, die sie vom Weihnachtsbesuch bei der Familie ihres südafrikanischen Freundes mitgebracht hat. Heute sind wir beide sehr müde und gegen 23 Uhr liegen wir in unseren Betten.

25.03.2024 – Büro, Nikkei-Küche und spanische Tagesabläufe

Mein eh verschrobener Biorhythmus und der spanische Tagesablauf sind sich noch etwas uneins, bzw. sorgen mit vereinten Kräften für zu wenig Schlaf. Nachdem ich wegen der späten Siesta gestern erst gegen 1 eingeschlafen bin, bin ich schon vor 5 wieder wach und döse mich dann noch anderthalb Stunden mit Halbschlaf durch die Gegend – auch weil der eigentlich gemütliche Regen draußen im Hof laut auf Plastikdinge pladdert (oder eher plauzt), bis ich aufgebe und den Tag beginne – auch in Madrid gemütlich im Bett und im Internet. Zu Vogelgezwitscher blogge ich dann, bis es langsam Zeit wird, aufzustehen. Die Gastgeberin und ich navigieren einen Montagmorgen zu zweit, was aber erstaunlich gut klappt. Es gibt Kaffee und Müsli (naja, Schokoflakes) und dann fängt sie, die heute im Homeoffice bleibt, um 8 schon an zu arbeiten. Wir klären erste Arbeitsdinge direkt noch live und sparen uns E-Mails später am Tag. Dann ziehe ich mich fertig an, telefoniere mit dem Liebsten und mache mich auf den Weg ins Büro.

Das dauert etwas länger als in Berlin, mit mehr Fußweg, aber dafür ohne Umsteigen und nach zwei Stationen habe ich sogar einen Sitzplatz in der U-Bahn. Ein bisschen nass werde ich unterwegs auch, es ist heute regnerisch, grau und fast zehn Grad kälter als gestern – Übergangsjackenzeit. Im Büro angekommen ist sonst noch niemand da – es ist für die Kolleg*innen kein Pflicht-Bürotag und während der Semana Santa haben eh viele frei. Ich suche mir nach Lust und Laune einen Platz aus, richte mich ein und dann kommt auch schon die Kollegin dazu, mit der ich heute verabredet bin. Wir begrüßen uns herzlich – auch wir sehen uns nach Jahren der Zusammenarbeit zum ersten Mal live – und dann entscheidet sie sich für den Platz neben mir. Witzigerweise liegt dort eine deutsche Tastatur und bei mir eine spanische und wir tauschen also einfach und dann passt alles.

Gegen 10:30 gehen wir gemeinsam Frühstückspause machen (spanischer Tagesablauf), trinken in einer Cafeteria nebenan einen café con leche und essen Brot mit Tomate und Avocado.

Kurz danach habe ich mein erstes Meeting des Tages – mit Dortmund und dem Berliner Büro. Dann geht es weiter mit der Arbeit an verschiedenen Projekten und Koordinationen per Chat. Das zweite Meeting des Tages fällt aus und ich mache dann eine späte Mittagspause. Dank des zweiten Frühstücke und den großen Plänen für das Abendessen hole ich mir nichts zu essen, sondern presse mir im Supermarkt nebenan nur schnell einen O-Saft und drehe eine Spazierrunde unter Platanen, während die Kollegin sich einen Salat holt und den direkt am Schreibtisch isst.

Der Nachmittag beginnt mit emsiger Arbeit (teils kreativ, teils organisatorisch), dann ist es Zeit für ein Meeting mit Chicago, Schottland, Chennai und meiner Gastgeberin, die dabei mit virtuellem Hintergrund genau neben meinem Bett sitzt. Das ist witzig, wir lassen uns aber nix anmerken in der großen Runde. Direkt im Anschluss dann Team-Meeting mit Nord- und Südengland, Paris und Chicago. Danach ist es kurz nach 18 Uhr. Ich arbeite noch kurz die Action Items aus dem Meeting ab, packe dann meine Sachen zusammen, fläze mich auf die Büro-Couch und telefoniere mit dem Liebsten, mache Duolingo und spiele auf dem Handy, bis die Kollegin auch fertig ist.

Gemeinsam fahren wir mit der U-Bahn zur Plaza Espanya und laufen dann zum Templo de Debod, einem nachgebauten ägyptischen Tempel, Geschenk der ägyptischen Regierung. Wäre ein toller Ort bei Sonnenuntergang, aber bei dem heutigen Wetter haben wir dafür leider keine guten Aussichten. Wir spazieren weiter zum Königspalast und zur Kathedrale – alles Orte, die ich auch vor viereinhalb Jahren besucht habe, als das mit dem Liebsten alles noch ganz frisch und weit von in trockenen Tüchern war, wir uns aber tagsüber die ganze Zeit geschrieben und dann abends telefoniert haben. Hachz.

Gemütlich spazieren wir in den barrio, indem sowohl die Kollegin als auch meine Gastgeberin leben und in dem auch das Restaurant ist, das die Kollegin mit ihrem Partner und einigen Freund*innen betreibt. Die Kollegin kommt ursprünglich aus Peru und ihr Restaurant ist auf die peruanische Nikkei-Küche spezialisiert, eine Fusion aus peruanischen Zutaten und Zubereitungsmethoden, die die japanischen Einwanderer*innen mitgebracht haben. Meine Gastgeberin kommt dazu und dann haben wir einen tollen Abend mit Pisco-haltigen Cocktails, Garnelen in Tempura mit salsa acevichada, roh marinierten Jakobsmuscheln und dann neun verschiedenen köstlichen Maki-Sorten – mit peruanischen Fleisch- und Fischspezialitäten, leckeren Saucen verschiedener Schärfegrade, viel Avocado und zum Beispiel einer umwerfenden Maracujasauce. Wir verlassen uns dabei natürlich ganz auf die Empfehlungen der Chefin, die uns eine Auswahl ihrer Favoriten zusammenstellt.

Die Gastgeberin und ich lassen es uns nicht nehmen, alles selbst zu bezahlen – auch den Anteil der Kollegin – und noch ein großzügiges Trinkgeld zu geben. Evtl. gehen wir die Tage nochmal hin. Und Ihr solltet das auch tun, wenn Ihr mal nach Madrid kommt – ab ins Xolo!

Sehr sehr vollgefressen verabschieden die Gastgeberin und ich uns – bis in ein paar Stunden im Büro! Und machen uns zuhause gleich bettfertig. Gegen 11 liege ich, gegen 12 ist Schlafenszeit.

24.03.2024 – Sonntags im Park

Sehr gut geschlafen, mit einer kurzen Unterbrechung gegen 5 und am Ende nur bis kurz vor 8, aber wirklich gut. Was Gästebetten angeht ist dieses hier unglaublich bequem und natürlich hatten Kopf und Geist auch einiges an Erholung nachzuholen. Gemütliches Lesen und Bloggen im Bett, dann wird es gegen halb 10 Zeit, aufzustehen. Kurz die Dusche ausprobiert – in einer fremden Wohnung und besonders auch einem fremden Land ja auch immer ein Erlebnis – und dann für einen Sommertag angezogen, mit Sommerkleid und Flip Flops. Mit der Gastgeberin geht es ins Draußen, Madrid am Sonntagmorgen ist auf jeden Fall etwas ruhiger als gestern. Wir spazieren zu einer Churreria in der Nachbarschaft, die fast voll besetzt ist. Da wir nur zu zweit sind, bekommen wir noch einen Platz am Tresen und frühstücken Churros, Porras und frisch gepressten Orangensaft, wie sich das gehört.

Das Frühstück selbst – und die Gespräche seit gestern, bringen mich auf den Film Chocolat, den die Gastgeberin tatsächlich noch nicht kennt und der somit direkt auf unsere To-Do-Liste wandert. Nach dem Essen laufen wir am Prado vorbei hinüber in den Retiro-Park und promenieren ein wenig, mit längerem Aufenthalt am leider gerade wegen Bauarbeiten gesperrten Kristallpalast.

Dann suchen wir uns ein sonniges, grasiges Plätzchen am Wasser und sitzen für die nächsten Stunden da und plaudern, die nackten Füße im Gras.

Irgendwann bekommen wir Durst und wechseln in ein Lokal ein paar Meter weiter. Es gibt ein Glas Vermouth – hier gerade (?) sehr beliebt als Aperitif und für mich eine Zitronen-Granità, die natürlich auf Spanisch anders heißt. Verschiedene Straßenmusiker kommen vorbei und versorgen unsere Gespräche mit akustischer Untermalung.

Die Gastgeberin und ich sind in ein paar entscheidenden Punkten sehr unterschiedlich, in sehr vielen anderen aber total ähnlich, so zum Beispiel in unserer Trinkgeschwindigkeit und Verarbeitungsfähigkeit alkoholischer Getränke – aufgemerkt, Liebster, ich trinke sogar schneller als sie! Jedenfalls sitzen wir wieder ungefähr zwei Stunden hier und werden von dem einen Glas Vermouth beide ordentlich tipsy, was sich auf die Gesprächsqualität natürlich alles andere als negativ auswirkt. Dann spazieren wir wieder zurück zum Apartment, sitzen kurz auf der Couch und entscheiden uns dann beide sehr schnell für ein Mittagsschläfchen, obwohl es schon nach 18 Uhr ist. Ich schlafe ungefähr eine Stunde sehr tief und muss dann erstmal ordentlich kaltes Wasser anwenden – innerlich und äußerlich – um wieder in die Gänge zu kommen.

Kurz nach 20 Uhr gehen wir wieder raus zum Abendessen. Die Gastgeberin hat eine Pintxos-Bar avisiert, bei der es am für spanische Verhältnisse noch sehr frühen Abend tatsächlich noch Plätze gibt. Es riecht dezent nach Marihuana, es läuft laute Musik, die Deko ist bunt und die Stimmung ist sehr angenehm. Ob ich den Laden ohne die Gastgeberin entdeckt hätte, ist fraglich. Sie wohnt ja selbst erst ein gutes Jahr in Madrid (aufmerksame Leser*innen erinnern sich an die französische Kollegin in Dublin, die „bald nach Madrid zieht“ und mich einlud, sie dort zu besuchen), bekam die Empfehlung aber von einem ehemaligen gemeinsamen Kollegen von uns. Locals kennen, so wichtig!

Blauschimmelkäsecreme mit Feigenhonig, marinierten Radieschen und Brot, Räucherlachsschnittchen mit Brie, gedämpfte Artischocke mit Romesco-Sauce (davon am Ende zwei), geschmortes Rindfleisch mit Kartoffelgratin

Wir schwelgen in baskischen Leckereien und trinken jede einfach ein großes Glas Leitungswasser – und wir lassen Platz für Nachtisch.

Guaxo (ein Mix aus Sahne, süßem Teig und Crème brûlée bzw. Frischkäse-Flan)

Nach dem Essen (hier sowohl raffinierter als auch günstiger als gestern Abend) laufen wir noch zur Metro-Station. Die Gastgeberin zeigt mir, wie ich morgen zum Büro komme (sie wird im Homeoffice bleiben) und wir laden eine Plastikkarte mit Guthaben für insgesamt zehn Fahrten auf, damit sollte ich versorgt sein für den Rest des Aufenthalts. Wieder zuhause ist es kurz vor halb 10. Ich telefoniere zum zweiten Mal heute mit dem Liebsten (das erste Mal war auf der Wiese im Park) und dann gucken wir tatsächlich „Chocolat“ und ich hatte sehr Recht mit meiner Einschätzung, dass das ein Film für die Gastgeberin ist. (Wir blicken beide großzügig über Johnny Depp und Harvey Weinstein hinweg.)

Kurz vor Mitternacht ist der Film vorbei, kurz nach Mitternacht liege ich im Bett, kurz vor 1 schlafe ich endlich ein. Damn you, late siesta!

23.03.2024 – Auf nach Spanien

Heute ist es also endlich soweit, das erste große Soloabenteuer in diesem Jahr beginnt. Mein Körper dankt es mir natürlich mit unruhigem Schlaf. Nach dem Einschlafen kurz nach 21 Uhr wache ich noch vor Mitternacht das erste Mal auf, stelle meinen Wecker nochmal auf etwas früher, weil ich beim Nachrechnen feststelle, dass ich sonst das gebuchte Zeitfenster bei der Security evtl. nicht nutzen kann – also von 3:45 auf 3:30. Dann schlafe ich nochmal in zwei kurzen Etappen und bin dann um 3 Uhr knallewach. Ich beschließe, nicht noch eine halbe Stunde rauszupressen, sondern gucke kurz ein paar Minuten im Internet herum und stehe dann einfach schon auf.

War richtig so, denn um diese Uhrzeit funktioniere ich einfach langsamer und komme nicht easy in einer halben Stunde aus dem Haus. Ich beginne den Tag mit Aspirin+C, denn die Erkältung ist unterschwellig immer noch da, und habe dann genug Energie, um mich anzuziehen, die letzten Sachen in den Koffer und den Rucksack zu verstauen, mein Bett zu machen, zu lüften, beide Katzen kurz zu streicheln und dann kurz vor 4 das Haus zu verlassen. In meiner ersten Rechnung hätte auch 4:15 gereicht, aber jetzt ist es gut so, auch weil ich mit Rucksack und Koffer natürlich auch langsamer zur S-Bahn laufe als sonst.

Es ist Berlin und es ist so gesehen immer noch Freitagnacht, die S-Bahnen fahren also alle paar Minuten und sind bis auf ein paar müde Reisende voll mit Partypeoplen in verschiedenen Graden der Munterkeit. Am Ostkreuz muss ich dann eine knappe Viertelstunde auf den Zug zum Flughafen warten – das sind die 5-10 Minuten Luft, die ich noch gehabt hätte. Kurz vor 5 komme ich am Flughafen an und ab dann beginnt viel Rumgelaufe. Leider hat IBERIA keine Baggage Drop-Off Möglichkeiten, so dass ich mich in die Schlange zur Abfertigung stellen muss, die an einem Sonnabendmorgen deutlich länger ist, als beim Liebsten neulich am Montag. Von da komme ich dann ziemlich genau pünktlich zu meinem Zeitfenster zur Security, so dass ich da in etwa einer Viertelstunde durch bin. Dann muss ich gefühlt bis ans andere Ende des Flughafens laufen, bis ich mein Gate erreiche. Nach ingesamt 50 Minuten am Flughafen habe ich es geschafft. Und das ist am frühen Morgen, wo noch nicht so viel los sein dürfte. Hui.

Nach Toilettengang und Wasserflasche auffüllen habe ich noch eine gute halbe Stunde, bis das Boarding beginnen soll. Ich esse die mitgebrachte Banane und knabbere ein paar Kekse, während ich den gestrigen Tag verblogge. Schon bevor ich damit fertig bin, beginnt das Boarding – früher als geplant. Ich stelle mich als eine der letzten an, muss aber trotzdem immer noch ewig im Gang stehen, bis wir wirklich ins Flugzeug dürfen. Ich habe per Zufallsprinzip einen Gangplatz erhalten, was OK ist, weil ich die Beine mehr ausstrecken kann und sowieso hauptsächlich schlafen will. Ich decke mich mit meinem Mantel zu, setze Kopfhörer auf und verfalle in gute zwei Stunden Dösen – mein FitBit erkennt keinen Schlaf, aber gut tut es trotzdem. Die letzte gute halbe Stunde vor der Landung verbringe ich mit Sudoku und anderen Handyspielereien.

Ab Landung in Madrid wird es dann ein bisschen hektisch – mein Handy hat Schwierigkeiten, sich ins spanische Netz einzuwählen. Einmal geht es kurz, dann nicht mehr. Flugmodus an/aus, mobile Daten an/aus, Handy an/aus… All das mache ich in der nächsten Stunde etwa 5mal – ohne Erfolg. Zum Glück kann ich am Flughafen per WLAN kurz mit der Familie kommunizieren und mit dem Liebsten telefonieren und ich habe ja auch das Diensthandy dabei, mit dem ich dann auch danach mit meiner Gastgeberin in Kontakt bleibe. Mein Koffer kommt recht schnell an, dann suche ich den Bahnsteig, kämpfe mit einem undurchsichtigen Ticketautomat, der zwar Englisch und sogar Deutsch kann, aber keine Informationen darüber hat, was für ein Ticket ich brauche, verhasple mich dabei ein wenig und sitze dann irgendwann im richtigen Zug. Während der halbstündigen Fahrt probiere ich weiter mit dem Handy rum – ohne Erfolg. Horrorszenarien im Kopf von Apple Stores und/oder Vodafone-Läden in Spanien… Dass die Anzeigen im Zug sich verschluckt haben und die Bandansagen falsche Stationen ansagen, macht alles nicht einfacher. Google Maps auf dem Diensthandy hilft mir aber, am richtigen Bahnhof auszusteigen. Wie sind wir nur früher gereist?

Der Stadtteilbahnhof ist ebenfalls unübersichtlich und die Schranken am Ausgang sind kaputt und erkennen keine Einmalfahrscheine. Alle die einen haben, müssen sich hinter Monatskartenbesitzer*innen schnell mit durchdrängen. Ich fühle mich kriminell. Dann plötzlich Madrid – es ist etwas diesig, aber hat 25 Grad und schicke Gebäude. Die Gastgeberin und ich treffen uns am Museum Reina Sofia – erste Live-Begegnung, nachdem wir seit 10 Jahren zusammenarbeiten und gerade in den letzten zwei Jahren auch ständig Videocalls hatten.

Es gibt bergauf bis zu ihrem Apartment, ich komme ganz schön ins Schwitzen. Oben angekommen muss ich dann erstmal Sitzen und Wasser trinken. Dann will ich mich wieder mit meinem Handy beschäftigen, aber plötzlich kommen lauter Nachrichten und Benachrichtigungen an – mein Handy ist zwei Stunden nach mir auch in Spanien angekommen. Puh. (Letztes Jahr in Kanada brauchte es auch etwas länger, aber maximal eine halbe Stunde, glaube ich.) Jetzt sitzen wir erstmal, trinken Kaffee und erzählen, bis ich mich akklimatisiert habe. Irgendwann gegen 14 Uhr ziehe ich mich dem Wetter entsprechend um – Stoffhosen ohne Leggings drunter, Strickjacke aus, Socken aus, Flip Flops an – und dann ziehen wir los in die Stadt.

Am Stamm-Fleischstand in der Nachbarschaft gibt es Jamón zu verkosten und meine Gastgeberin kauft Verschiedenes als Mitbringsel für ihre Eltern, die sie zu Ostern besuchen wird. Dann laufen wir weiter durch die Innenstadt und über die Plaza Major.

In einem Markt holen wir uns Fischiges und Wein zum Mittagssnack und später nochmal Obst.

Lobster-Croissant für mich, Lachstartar auf Avocado für sie
Pitahaya, Papaya und die ersten Erdbeeren der Saison

Danach schlendern wir wieder nach Hause und machen erstmal Siesta. Meine Gastgeberin schaut einen Film, ich lege mich hin und döse/schlafe. Ich erinnere mich an einen Traum, mein FitBit behauptet weiterhin keinen Schlaf. Nun ja. Nach etwa anderthalb Stunden treffen wir uns wieder auf der Couch und erzählen weiter, bis es Zeit wird, zum Abendprogramm aufzubrechen.

In einem kleinen Kulturzentrum in der Nähe schauen wir uns eine Flamenco-Show an, die ziemlich intensiv und interaktiv ist, ganz anders als das Konzert von Paco de Lucia, das ich in den 90ern im Kulturpalast in Dresden gesehen habe. Danach sind wir ganz geflasht, haben Gitarrenohrwürmer und meine Gastgeberin, die außer Marketingexpertin auch Tänzerin ist, kriegt die Schritte und Bewegungen so schnell nicht aus ihrem Körper. In dieser Stimmung laufen wir durch die Gegend und suchen uns ein Lokal, wo wir Tapas bekommen.

Es gibt Salmorejo mit Schinkenstreifen, Patatas bravas, Croquetas mit Schinken und Spinat, marinierte Anchovis auf Kartoffelchips, Pimientos de Padron, Oliven und Brot, dazu Cava. Zum Nachtisch teilen wir uns einen Flan und gegrillte Ananas mit Kokoseis.

Satt und zufrieden laufen wir nach Hause. Ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten, dann sitzen wir noch ein wenig auf der Couch und plauschen. Gegen Mitternacht machen wir uns bettfertig. Der Schrittzähler sagt 19.907, aber ich bin zu müde, um noch eine Runde durch die Wohnung zu drehen und die 20.000 voll zu machen.

22.03.2024 – Freitag auf Speed

Die letzten beiden Tage habe ich vor allem im Bett gelegen, in der Hoffnung, mich vor dem Reisen auszukurieren – heute muss dann alles nachgeholt werden. Evtl. bin ich deshalb etwas aufgeregt und kann nicht mehr einschlafen, nachdem ich gegen Dreiviertel 5 aufwache. Eine Weile probiere ich es noch, dann fällt mir auf, dass Wachbleiben eigentlich ganz clever wäre, damit ich abends schön müde bin und möglichst früh und viel schlafen kann, bevor ich morgen wirklich, wirklich früh aufstehen muss. Also gemütliche Morgenroutine mit Lesen, Bloggen und mit dem Liebsten telefonieren. Dann mache ich den Katzen und mir Frühstück (ich bekomme Rest-Joghurt mit Rest-Grapefruit und Müsli, dazu Saft aus Rest-Orangen und Rest-Mandarinen und Kräutertee), beziehe mein Bett neu und stelle die Waschmaschine an.

Kurz nach 9 sitze ich am Schreibtisch, für einen weiteren recht entspannten Arbeitstag. Neben dem üblichen Kleinkram bietet er

  • 10 Uhr Meeting mit Ostfriesland
  • 11:00 Meeting mit Büro, Moabit und Biesdorf
  • 11:45 Meeting mit Nordengland
  • Abschluss eines Projekts
  • Weiterarbeit an einem Projekt von gestern
  • Wochenbericht schreiben

Zwischendurch verfolge ich mit einem Auge die Abstimmung im Bundesrat, bekomme Teile der Statements von Haseloff und Kretschmer mit (Puls!!!), dann großes Aufatmen. Hoffen wir, dass da bald noch nachgebessert wird, ich wünsche mir kanadische Verhältnisse!

In der Mittagspause gehe ich zum Drogeriemarkt und zum Haustierbedarf, um mich und die Katzen für die nächsten zwei Wochen einzudecken. Dann hole ich im Supermarkt noch ein Mitbringsel für die liebe Kollegin in Madrid, bei der ich die nächsten Tage übernachten darf.

Berliner Gin, Lübecker Marzipan, Bonner Ostereier

Wieder zuhause mache ich mir ein österliches Mittagessen aus Osterbrot, dem Rest Bärlauch-Bohnen-Aufstrich und zwei Eiern – mein Ostern wird ja dieses Jahr eher unkonventionell werden.

Am Nachmittag kommt meine Mama nach dem Sport auf einen Sprung vorbei und wir updaten uns nochmal ausführlich, bevor auch wir uns ein paar Wochen nicht sehen werden.

Um 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und dann beginnt der anstrengende Teil des Tages. Ich gieße die Pflanzen, lege Wäsche zusammen, hänge Wäsche auf, siebe das Katzenklo durch, hole frisches Katzenstreu aus dem Keller, reinige den Katzenbrunnen (Katzenspucke klebt!) und fülle ihn auf, passe meine ewige Packliste an, trage alle Sachen zusammen, die ich für die nächsten zwei Wochen brauche, stecke Geräte an Ladekabel, tue alles in den mittelgroßen Koffer und bin froh, dass er problemlos zugeht – der große wäre für zwei Wochen echt überdimensioniert.

Um 20 Uhr bin ich fertig mit allem und koche mir mit dem Rest Hafermilch einen Milchreis, den es dann mit Butter, Zimt und Erdbeersirup gibt. Solche Art Mahlzeiten machen ja auch, dass Babys gut schlafen. Kurz vor 21 Uhr liege ich im Bett, sage der Familie und der Kollegin gute Nacht, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und dann ist Schlafenszeit.

21.03.2024 – Schonerstag

Heute Nacht wieder mit Unterbrechung geschlafen – von meinem Wachwerden werden die Katzentiere wach und die müssen dann erstmal kuscheln und spielen und bis sie wieder einschlafen habe ich keine Ruhe. Dauert zum Glück nicht besonders lange heute, ich schlafe wieder ein und bin deutlich vor dem Weckerklingeln ausgeschlafen und wach. Dafür kratzt der Hals weiterhin und es fühlt sich weiter so an, als würde da eine Erkältung ausbrechen. Ich entscheide mich für einen weiteren Tag Bett-Office, um dem entgegenzutreten, und mache mir wieder einen heftigen Vitamincocktail zum Frühstück (frisch gepresster Saft, diesmal Orangen pur), außerdem ein paar Scheiben Osterbrot und Joghurt mit Banane – ich stecke seit Tagen im Restevertilgen, bevor ich zwei Wochen nicht da sein werde.

Der Arbeitstag lässt sich ruhig an, weiterhin. Schon faszinierend, welch unterschiedliche Phasen mein Job mit sich bringt – daran auch immer wieder erinnern, wenn es besonders viel wird!

  • Vorläufiger Abschluss eines Projekts, für das ich gestern noch auf Zuarbeit warten musste
  • Beinahe Abschluss eines anderen, auch hier wartete ich auf Zuarbeit, muss aber morgen noch finale Dinge klären
  • Bei einem dritten Projekt hält das Warten weiter an, was ziemlich nervt, weil es, je länger es dauert, zum Ende hin anstrengender werden wird und zusätzliche Probleme nach sich ziehen wird
  • 10 Uhr Meeting mit Brüssel und Dublin, ein Langzeitthema seit je nach Betrachtungsweise 9, 7 oder 2 Jahren wird vorerst auf Eis gelegt
  • 11 Uhr Meeting mit Paris
  • 12:30 Meeting mit London
  • 16:00 Meeting mit London, Madrid und Chicago
  • Der übliche Kleinkram zwischendurch

Nach dem London-Meeting mache ich mir den Rest Pizza von gestern warm – ich hatte nur die Hälfte geschafft und den Rest mitgenommen. Kurz nach 17 Uhr mache ich dann einen frühen Feierabend, telefoniere zum wiederholten Mal heute mit dem Liebsten (aus Gründen gehen wir zusammen die Liste der Empfänger*innen des Bundesverdienstkreuzes am Bande durch) und mache mir dann einen Reste-Schnittchenteller zum Abendbrot.

Zum und nach dem Essen schaue ich „Drive„, nachdem mich der wundervolle Newsletter von Lukas nochmal final motiviert hat. Den Film habe ich vor Ewigkeiten schonmal angefangen (Ryan Gosling!), kam aber damals auf Grund des Genres nicht so richtig rein. Heute halte ich aber durch, auch wenn der schönste (Indie-RomCom-)Teil des Films zu kurz kommt und mich der GTA-artige Teil des Films weniger interessiert.

In der Hoffnung, morgen dann fit genug zu sein, um alles zu erledigen, was ich vor zwei Wochen Abwesenheit noch erledigen muss, lege ich mich gegen 9 in die Badewanne und mache gegen 10 das Licht aus.

20.03.2024 – Bett-Office und Pizza-Abend

Zack, kaum beschwert, schon eine ganze Nacht einfach durchgeschlafen. Wach werde ich dann schon gegen halb 7, es ist einfach schon so hell draußen – Zeit für Verdunkelung der Balkontür. Dieser Tage jähren sich meine erste und zweite Covid-Infektion (ich glaube, 2022 war es der 19.03., 2023 der 20.) und da es in meinem Hals kratzt mache ich direkt mal einen – negativen – Test. Ich entscheide mich trotzdem, der Faulheit und Gemütlichkeit wegen, für das Bett-Office. Vorher bereite ich noch mir und den Katzen Frühstück zu. Ich bekomme heute frisch gepressten Mandarinen-Orangen-Saft und Müsli mit Joghurt und Grapefruit, dazu Ingwer-Holunder-Tee.

Der Arbeitstag ist wieder verhältnismäßig ruhig, bei den meisten Projekten an denen ich gerade dran bin, warte ich auf Zuarbeit. Ich nutze die viele Zeit zur Vorbereitung von Dingen, die erst nächste Woche dringend werden (welch ein Luxus!) und jage nebenher ein wenig den Zuarbeiten hinterher, teils mit, teils ohne Erfolg. Ein bisschen Kleinkram erledige ich auch und brainstorme mit dem Team und dann gibt es an diesem eigentlich meetingfreien Mittwoch auch noch drei Termine.

  • Meine Versicherungsmaklerin bat um einen Termin, ruft dann aber doch nicht zur vereinbarten Zeit an – dann eben nicht, ich habe ja kein Anliegen
  • Ich bespreche mit der Kollegin in Madrid, bei der ich demnächst eine Weile wohnen werde, Details meiner Anreise und meines Aufenthalts, unter anderem möchte ich wissen, wie ich am besten vom Flughafen zu ihr komme und sie möchte wissen, wie ich meinen Kaffee trinke
  • Ein Auftaktmeeting zu einem neuen Gesprächskreis von Menschen, die sich beruflich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen – die beiden aktuellen Kolleginnen, die auch eingeladen sind, schaffen es heute nicht, dafür sind aber insgesamt vier ehemalige Kolleg*innen dabei – ein sehr schönes Wiedersehen. Mal sehen, wie es mit dieser Runde weitergeht

Mittags gibt es den letzten Rest Bärlauchpasta, außerdem ziehe ich mich da an, denn nach dem letzten Meeting muss ich halb 7 direkt los, um mich mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind zum Pizzaessen zu treffen, bevor ich die beiden drei Wochen lang nicht sehen werde.

Wir gehen in die nächstgelegene Pizzeria, die vorher ein Bäcker mit Café war, und zwischendurch auch nebenbei noch ein Testzentrum. Die Betreiber*innen scheinen immer noch die Gleichen zu sein, eher keine Italiener*innen, und es ist nicht unmöglich, dass die Kellnerin mir und dem Liebsten schon mal in der Nase gebohrt hat, damals, vor dem ersten Auswärtsessen nach dem Lockdown. Das Essen ist OK, aber nicht außergewöhnlich, aber was erwartet man auch von einem Laden, der mit originaler Carbonara mit Sahne drin wirbt. Dafür sind die Getränke schön dekoriert (Foto vergessen).

Um 20 Uhr verabschieden wir uns – das Kind muss ins Bett und die beiden haben ja noch eine Stunde Fahrt nach Südberlin vor sich – mit Knutschen (der Liebste) bzw. dem geheimen Zeichen des asozialen Netzwerks (das Teilzeitkind). Ich laufe mit offenem Mantel und unter blühenden Magnolien nach Hause. Leider fühle ich mich inzwischen deutlich erkälteter, das ging schon während des letzten Meetings langsam los. Gutes Timing, wo ich doch am Wochenende nach Spanien losfliege…

Zuhause siebe ich schnell das Katzenklo durch, räume den Arbeitskram aus meinem Bett und dann lege ich mich direkt wieder rein. Ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten noch, als das Kindelein im Bett ist, und dann ist kurz vor 22 Uhr auch schon wieder das Licht aus. Parole Gesundschlafen!

19.03.2024 – Wuseltag

Wieder komisch einmal mitten in der Nacht aufgewacht und dann wieder eingeschlafen, bis eine angemessene Schlafdauer erreicht war. Gemütlicher, aber verkürzter Bettmorgen, da heute Bürotag ist – wie habe ich das nur früher jeden Tag hinbekommen? Geschweige denn 12 Jahre Schule mit Schulbeginn um 7:30? Man weiß es nicht… Ich bin dann jedenfalls halb 10 am Büro (losgearbeitet natürlich schon früher auf dem Handy) und bin dann direkt unter lauter Leuten. Ich kippe mir Milch ins mitgebrachte Müsli (heute mit Banane und Grapefruit) und wechsle ein paar Worte hier und ein paar Worte da.

Nebenbei beantworte ich eine Anfrage aus der Chefetage, was sich zu einem längeren Chat ausweitet und baue in meine Datenauswertung von gestern noch einen Hinweis von meiner Managerin mit ein. Um 11 dann das erste Meeting des Tages, vier vor Ort, einer zugeschaltet. Es soll dann auch das letzte Meeting des Tages bleiben, weil ein anderes abgesagt wird und mehr gar nicht geplant sind. Verrückte Woche. Der Rest des Arbeitstages vergeht mit Koordinierung, kurzen Chats und längeren Gesprächen vor Ort.

Mittags laufe ich eine Runde durch die Sonne und hole mir einen Bagel mit Lachs und Rührei (die einzige Bagelauswahl, die es gab), dann setze ich mich zur neuen Kollegin und ihrem Hund in die Lounge und lasse mir erzählen wie ihre zweite Woche so läuft.

Kurz vor halb 7 verlasse ich als vorletzte das Büro, da habe ich aber schon ein längeres Telefonat mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind hinter mir. Ich nehme die U-Bahn zum Yoga – ein letztes Mal, bevor ich nach Spanien fliege. Die Runde ist klein, aber fein und ich merke meinen Barfußschuhmuskelkater sehr – einiges geht nicht, einiges nur mit Hilfsmitteln – aber gut tut es. Kurz vor halb 9 bin ich auf dem Heimweg durch den dunklen Prenzlauer Berg. Auf einem Platz unter einer hellen Laterne spielen Leute Tischtennis. Es sind 6 grad, gefühlt 4, aber das stört hier niemanden. Etwas weiter das gleiche Spiel mit Fußball. Dit is Berlin.

Zuhause angekommen gibt es Abendbrot für die Katzen und ich mache mir die vorletzte Portion Bärlauchpasta warm und telefoniere nochmal mit dem Liebsten. Dann mache ich mich schnell bettfertig und lese wieder in der deutschen Geschichte herum, bis mir gegen halb 11 bereits die Augen zufallen.

18.03.2024 – Auf Jambalaya Island

Um 6:30 reißt mich der viel zu laute Wecker des Liebsten aus dem Schlaf. Das brüllende Handy liegt auf dem Schreibtisch, damit er auch wirklich gleich aufsteht. Gleich dauert aber mehrere Sekunden, in denen ich mir hektisch das Kissen über den Kopf ziehe. Während der Liebste Kaffee kochen geht und dem Kindelein einen Saft bringt, beruhigt sich mein Puls und ich komme im Hier und Jetzt an. Kurzer Check: Mit einer Unterbrechung gegen halb 4 insgesamt gut geschlafen. Die Unterbrechung ist grad der neue Trend, aber immer noch besser als dann ewig wachzuliegen oder dann gar nicht mehr einzuschlafen.

Wir trinken Kaffee im Bett, zwischendurch macht der Liebste immer mal wieder Dinge für die Arbeit oder damit das Kindelein rechtzeitig 7:30 aus dem Haus kommt. Dann sind wir noch eine Weile richtig gemütlich, bis der Liebste die ersten Telefonate führen muss und endgültig aufsteht, wie dann auch ich. Kurz nach 9 beziehe ich mit Mate, Stulle und Mandarinen das Sofa und beginne meinen Arbeitstag.

Er ist für einen Montag erstaunlich meetingarm, es gibt nur eines kurz vor 14 Uhr, eines um 15 Uhr und eines um 17 Uhr, ein anderes wöchentliches fällt aus und das zweiwöchentliche ist heute nicht dran. Stattdessen verbringe ich die meiste Zeit damit, die Antworten aus einer Mitarbeitendenumfrage auszuwerten und aufzubereiten, kläre nebenbei etwas mit einer Grafikerin. Ein völlig anderes Arbeiten, wenn man nur zwei Sachen gleichzeitig beackert!

Zwischendrin machen der Liebste und ich einen Spaziergang zum zukünftigen Gymnasium des Teilzeitkinds und geben Unterlagen ab. Es ist sonnig, aber kalt und meine Beine schmerzen. Weil ich mir ja eher durch Zufall Barfußschuhe gekauft habe, habe ich mich nicht ausreichend damit beschäftigt, wie man umsteigt – nämlich erst langsam, immer mal für ein paar Stunden – sondern trage sie seitdem immer, wenn Schuhe angesagt sind. Meine Füße trainieren also ständig und meine Beine haben jetzt Muskelkater. Gut, dass sie zwischendurch immer hochgelegt werden.

Gegen 15 Uhr kommt außerdem das Teilzeitkind nach Hause und nach meinem Meeting eröffnet es uns, dass es heute Abend etwas aus dem Kochbuch kochen möchte, das ich ihm zum Weihnachten geschenkt habe. Gemeinsam suchen der Liebste und das Kindelein ein Jambalaya aus und in meinem Kopf reist Guybrush Threepwood direkt nach Jambalaya Island. Dann ziehen die beiden los, erst zum Verkehrserziehungsplatz, um Trainingsstunden vor der Fahrradprüfung zu absolvieren, und dann einkaufen fürs Jambalaya.

Währenddessen mache ich mein letztes Meeting und habe dann 18 Uhr Feierabend. Wir kochen zu dritt, damit es schneller geht und als das Jambalaya vor sich hinköchelt, packe ich meinen Kram zusammen, während das Teilzeitkind lauter Rezepte für die Zukunft markiert und der Liebste mit seinen Eltern telefoniert. Wir essen und sind ganz begeistert von unseren Kochkünsten. Gegen halb 8 verabschiede ich mich und fahre zurück in den Pberg.

Dort warten zwei hungrige Katzen, die natürlich sofort Futter bekommen. Ich trinke noch eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel), schnacke mit dem Mitbewohner und lese dann noch an die 80 Seiten in meinem Buch (James Hawes – The Shortest History of Germany). Vieles kenne ich noch so halb aus dem Geschichtsunterricht, aber eben nicht im jahrtausendeüberspannenden Gesamtzusammenhang, mit dem sich auch die Gegenwart erklären lässt. Ich lese vom Wendischen Kreuzzug bis in den Spiegelsaal von Versailles und lerne, dass Ost- und Westdeutschland eben nicht erst seit gut 70 Jahren kulturell verschieden sind, sondern eben seit immer – seit vor fast 1000 Jahren der östliche Teil (Ostelbien) einverleibt, christianisiert und kolonialisiert wurde (sorbische Reconquista, ich sag es doch!) und danach immer schon anderes verwaltet und regiert wurde.

Irgendwann gegen 23 Uhr mache ich das Licht aus.

17.03.2024 – Ein ganz anderer St. Patrick‘s Day

Wer legt denn den 17. März bitte auf einen Sonntag? Andererseits vielleicht ganz gut, dass die Versuchung dann weniger groß ist, ihn im Pub zu verbringen – meine Pariser Kollegin ist ja stets voller Bewunderung für meine Fähigkeit, an jeder Entwicklung die positive Seite zu sehen. Aus diversen Gründen wäre es nämlich gar nicht so gut gewesen, den Abend im Pub zu verbringen. Erstens habe ich ja bereits eine anstrengende Woche hinter mir (und der Liebste auch) und brauche eher Erholsames, und zweitens habe ich mich ja letztes Jahr bei meinem ersten Heraustrauen aus der Lockdown-Mentalität am St. Patrick‘s Day das zweite Mal mit COVID angesteckt und für solche Späße (höhö) hätte ich jetzt überhaupt keine Zeit, schließlich will ich nächstes Wochenende nach Spanien fliegen (ähnlich wie vor zwei Jahren, kurz nach meiner ersten COVID-Infektion… hüstel).

Anyway, ich wache zu einer angemessenen Zeit (also nach angemessen langer Nachtruhe) auf und mache mir dann relativ schnell einen Sencha und einen Obstteller zurecht (Apfel und Mandarinen), womit ich mich wieder ins Bett lege und gemütlich das Internet leer lese. Kurz nach 9 ruft das Teilzeitkind an, das gerade auf dem Weg von Mama zu Papa ist und den Liebsten telefonisch nicht erreicht. Ich übernehme den Telefondienst und etwa zehn Minuten später ist er wach und kann dann fast munter das Kindelein entgegennehmen. Dann telefonieren wir und besprechen, wann wir uns nachher treffen.

Daraus ergibt sich bei mir noch ein ausreichendes Zeitfenster, um mich nach den Programmpunkten Sachen packen und Katzenklo durchsieben noch für eine Grundreinigung in die Badewanne zu legen – sehr schön. Kurz davor stelle ich aber fest, dass meine Kopfhörer nicht da sind. Ich rufe im Café von gestern an und frage nach, man weiß aber von nichts. Ich schreibe der Gastgeberin von gestern Abend, die muss aber erst in Ruhe gucken, in einem 5-Personen-Haushalt gibt es viele Kopfhörer.

Ich beschließe etwas früher loszufahren, um ggf. auf Zuruf noch dort vorbeigehen zu können und außerdem auch nochmal im Café nachzuschauen. Auf dem Weg zur S-Bahn kommt die Nachricht, dass die Kopfhörer wohl nicht in der Wohnung sind. Also fahre ich direkt zum Ostkreuz, laufe von dort zum Café, gehe zum Platz von gestern und finde die Kopfhörer offen und leicht sichtbar unter der Bank liegend vor. Soviel zu „Wir haben nichts gefunden und abgegeben wurde auch nichts“ – geputzt habt Ihr nicht. Aber ist ja gut, dass sie wieder da sind und ich keine neuen brauche. Ich laufe weiter zur Warschauer Straße und fahre von da mit zwei S-Bahnen zur besten Freundin des Liebsten, wo schon zu dritt auf mich gewartet wird.

Es gibt selbstgebackenes Tomatenbrot mit meinem Bärlauch-Bohnen-Dip, vegane Pizzaschnecken, Oliven, Tomaten und Apfelkuchen, dazu Cider oder Eistee, je nach Alter und Zustand und natürlich irische Musik und später noch Apfelkuchen.

Wir plaudern mehrere Stunden – über des Liebsten Zeit in Pamplona, die neue Schule des Teilzeitkinds, meine Abenteuer der letzten Tage, den gestrigen Karaokeabend und die Reisepläne der Freundin, die RAF (vom Teilzeitkind aufgebracht), die ETA und erstaunlicherweise nicht über die IRA, trotz des Anlasses. Das Teilzeitkind findet irgendwann, dass unsere Erwachsenengespräche spannender sind als andere. Yay!

Kurz vor 18 Uhr brechen wir zu dritt auf nach Südberlin und bestellen noch von unterwegs Burger und Pommes. Zuhause angekommen lege ich mich erstmal auf die Couch, mache Italienisch und schlafe dabei ein, bis der Burgerlieferant klingelt. Das Teilzeitkind findet meine 3 € Trinkgeld zu mickrig und legt noch etwas von seinem Taschengeld dazu. (Es ist auch immer sehr großzügig bei Straßenmusik und ähnlichen Gelegenheiten.) Dann essen wir und schauen nebenbei eine Doku über Ausgrabungen in Ägypten, bis es Zeit für das Kindelein wird, ins Bett zu gehen – Rest der Doku morgen.

Der Liebste und ich bleiben noch auf der Couch und ich bekomme jetzt mein Mitbringsel aus Pamplona – die hässlichsten Tourisocken, die er finden konnte. Sie sind schon sehr besonders.

Kurz vor 10 fallen mir die Augen wieder zu und ich begebe mich ins Bett, der Liebste kommt kurze Zeit später nach und vor 23 Uhr sind wir beide eingeschlafen.