18.03.2024 – Auf Jambalaya Island

Um 6:30 reißt mich der viel zu laute Wecker des Liebsten aus dem Schlaf. Das brüllende Handy liegt auf dem Schreibtisch, damit er auch wirklich gleich aufsteht. Gleich dauert aber mehrere Sekunden, in denen ich mir hektisch das Kissen über den Kopf ziehe. Während der Liebste Kaffee kochen geht und dem Kindelein einen Saft bringt, beruhigt sich mein Puls und ich komme im Hier und Jetzt an. Kurzer Check: Mit einer Unterbrechung gegen halb 4 insgesamt gut geschlafen. Die Unterbrechung ist grad der neue Trend, aber immer noch besser als dann ewig wachzuliegen oder dann gar nicht mehr einzuschlafen.

Wir trinken Kaffee im Bett, zwischendurch macht der Liebste immer mal wieder Dinge für die Arbeit oder damit das Kindelein rechtzeitig 7:30 aus dem Haus kommt. Dann sind wir noch eine Weile richtig gemütlich, bis der Liebste die ersten Telefonate führen muss und endgültig aufsteht, wie dann auch ich. Kurz nach 9 beziehe ich mit Mate, Stulle und Mandarinen das Sofa und beginne meinen Arbeitstag.

Er ist für einen Montag erstaunlich meetingarm, es gibt nur eines kurz vor 14 Uhr, eines um 15 Uhr und eines um 17 Uhr, ein anderes wöchentliches fällt aus und das zweiwöchentliche ist heute nicht dran. Stattdessen verbringe ich die meiste Zeit damit, die Antworten aus einer Mitarbeitendenumfrage auszuwerten und aufzubereiten, kläre nebenbei etwas mit einer Grafikerin. Ein völlig anderes Arbeiten, wenn man nur zwei Sachen gleichzeitig beackert!

Zwischendrin machen der Liebste und ich einen Spaziergang zum zukünftigen Gymnasium des Teilzeitkinds und geben Unterlagen ab. Es ist sonnig, aber kalt und meine Beine schmerzen. Weil ich mir ja eher durch Zufall Barfußschuhe gekauft habe, habe ich mich nicht ausreichend damit beschäftigt, wie man umsteigt – nämlich erst langsam, immer mal für ein paar Stunden – sondern trage sie seitdem immer, wenn Schuhe angesagt sind. Meine Füße trainieren also ständig und meine Beine haben jetzt Muskelkater. Gut, dass sie zwischendurch immer hochgelegt werden.

Gegen 15 Uhr kommt außerdem das Teilzeitkind nach Hause und nach meinem Meeting eröffnet es uns, dass es heute Abend etwas aus dem Kochbuch kochen möchte, das ich ihm zum Weihnachten geschenkt habe. Gemeinsam suchen der Liebste und das Kindelein ein Jambalaya aus und in meinem Kopf reist Guybrush Threepwood direkt nach Jambalaya Island. Dann ziehen die beiden los, erst zum Verkehrserziehungsplatz, um Trainingsstunden vor der Fahrradprüfung zu absolvieren, und dann einkaufen fürs Jambalaya.

Währenddessen mache ich mein letztes Meeting und habe dann 18 Uhr Feierabend. Wir kochen zu dritt, damit es schneller geht und als das Jambalaya vor sich hinköchelt, packe ich meinen Kram zusammen, während das Teilzeitkind lauter Rezepte für die Zukunft markiert und der Liebste mit seinen Eltern telefoniert. Wir essen und sind ganz begeistert von unseren Kochkünsten. Gegen halb 8 verabschiede ich mich und fahre zurück in den Pberg.

Dort warten zwei hungrige Katzen, die natürlich sofort Futter bekommen. Ich trinke noch eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel), schnacke mit dem Mitbewohner und lese dann noch an die 80 Seiten in meinem Buch (James Hawes – The Shortest History of Germany). Vieles kenne ich noch so halb aus dem Geschichtsunterricht, aber eben nicht im jahrtausendeüberspannenden Gesamtzusammenhang, mit dem sich auch die Gegenwart erklären lässt. Ich lese vom Wendischen Kreuzzug bis in den Spiegelsaal von Versailles und lerne, dass Ost- und Westdeutschland eben nicht erst seit gut 70 Jahren kulturell verschieden sind, sondern eben seit immer – seit vor fast 1000 Jahren der östliche Teil (Ostelbien) einverleibt, christianisiert und kolonialisiert wurde (sorbische Reconquista, ich sag es doch!) und danach immer schon anderes verwaltet und regiert wurde.

Irgendwann gegen 23 Uhr mache ich das Licht aus.

17.03.2024 – Ein ganz anderer St. Patrick‘s Day

Wer legt denn den 17. März bitte auf einen Sonntag? Andererseits vielleicht ganz gut, dass die Versuchung dann weniger groß ist, ihn im Pub zu verbringen – meine Pariser Kollegin ist ja stets voller Bewunderung für meine Fähigkeit, an jeder Entwicklung die positive Seite zu sehen. Aus diversen Gründen wäre es nämlich gar nicht so gut gewesen, den Abend im Pub zu verbringen. Erstens habe ich ja bereits eine anstrengende Woche hinter mir (und der Liebste auch) und brauche eher Erholsames, und zweitens habe ich mich ja letztes Jahr bei meinem ersten Heraustrauen aus der Lockdown-Mentalität am St. Patrick‘s Day das zweite Mal mit COVID angesteckt und für solche Späße (höhö) hätte ich jetzt überhaupt keine Zeit, schließlich will ich nächstes Wochenende nach Spanien fliegen (ähnlich wie vor zwei Jahren, kurz nach meiner ersten COVID-Infektion… hüstel).

Anyway, ich wache zu einer angemessenen Zeit (also nach angemessen langer Nachtruhe) auf und mache mir dann relativ schnell einen Sencha und einen Obstteller zurecht (Apfel und Mandarinen), womit ich mich wieder ins Bett lege und gemütlich das Internet leer lese. Kurz nach 9 ruft das Teilzeitkind an, das gerade auf dem Weg von Mama zu Papa ist und den Liebsten telefonisch nicht erreicht. Ich übernehme den Telefondienst und etwa zehn Minuten später ist er wach und kann dann fast munter das Kindelein entgegennehmen. Dann telefonieren wir und besprechen, wann wir uns nachher treffen.

Daraus ergibt sich bei mir noch ein ausreichendes Zeitfenster, um mich nach den Programmpunkten Sachen packen und Katzenklo durchsieben noch für eine Grundreinigung in die Badewanne zu legen – sehr schön. Kurz davor stelle ich aber fest, dass meine Kopfhörer nicht da sind. Ich rufe im Café von gestern an und frage nach, man weiß aber von nichts. Ich schreibe der Gastgeberin von gestern Abend, die muss aber erst in Ruhe gucken, in einem 5-Personen-Haushalt gibt es viele Kopfhörer.

Ich beschließe etwas früher loszufahren, um ggf. auf Zuruf noch dort vorbeigehen zu können und außerdem auch nochmal im Café nachzuschauen. Auf dem Weg zur S-Bahn kommt die Nachricht, dass die Kopfhörer wohl nicht in der Wohnung sind. Also fahre ich direkt zum Ostkreuz, laufe von dort zum Café, gehe zum Platz von gestern und finde die Kopfhörer offen und leicht sichtbar unter der Bank liegend vor. Soviel zu „Wir haben nichts gefunden und abgegeben wurde auch nichts“ – geputzt habt Ihr nicht. Aber ist ja gut, dass sie wieder da sind und ich keine neuen brauche. Ich laufe weiter zur Warschauer Straße und fahre von da mit zwei S-Bahnen zur besten Freundin des Liebsten, wo schon zu dritt auf mich gewartet wird.

Es gibt selbstgebackenes Tomatenbrot mit meinem Bärlauch-Bohnen-Dip, vegane Pizzaschnecken, Oliven, Tomaten und Apfelkuchen, dazu Cider oder Eistee, je nach Alter und Zustand und natürlich irische Musik und später noch Apfelkuchen.

Wir plaudern mehrere Stunden – über des Liebsten Zeit in Pamplona, die neue Schule des Teilzeitkinds, meine Abenteuer der letzten Tage, den gestrigen Karaokeabend und die Reisepläne der Freundin, die RAF (vom Teilzeitkind aufgebracht), die ETA und erstaunlicherweise nicht über die IRA, trotz des Anlasses. Das Teilzeitkind findet irgendwann, dass unsere Erwachsenengespräche spannender sind als andere. Yay!

Kurz vor 18 Uhr brechen wir zu dritt auf nach Südberlin und bestellen noch von unterwegs Burger und Pommes. Zuhause angekommen lege ich mich erstmal auf die Couch, mache Italienisch und schlafe dabei ein, bis der Burgerlieferant klingelt. Das Teilzeitkind findet meine 3 € Trinkgeld zu mickrig und legt noch etwas von seinem Taschengeld dazu. (Es ist auch immer sehr großzügig bei Straßenmusik und ähnlichen Gelegenheiten.) Dann essen wir und schauen nebenbei eine Doku über Ausgrabungen in Ägypten, bis es Zeit für das Kindelein wird, ins Bett zu gehen – Rest der Doku morgen.

Der Liebste und ich bleiben noch auf der Couch und ich bekomme jetzt mein Mitbringsel aus Pamplona – die hässlichsten Tourisocken, die er finden konnte. Sie sind schon sehr besonders.

Kurz vor 10 fallen mir die Augen wieder zu und ich begebe mich ins Bett, der Liebste kommt kurze Zeit später nach und vor 23 Uhr sind wir beide eingeschlafen.

16.03.2024 – Samstagslaune

Zum ersten Mal erwache ich kurz nach 6, aber das kann ich natürlich so nicht stehen lassen. Ich mache mir mein Hörbuch an und schaffe dann nochmal zwei Stunden, macht brutto etwas mehr als acht Stunden Schlaf – läuft bei mir. Der Liebste ist auch schon wach und sobald ich munter genug bin, telefonieren wir und schmieden Pläne. Das beinhaltet dann auch, dass wir das Teilzeitkind (es ist noch bei Mama) in unsere Telefonkonferenz hinein holen und gemeinsam beratschlagen. Das Kind macht einen sehr guten Witz über seinen Papa, den ich im Verlauf des Tages noch mehrmals wiedergeben, aber aus Pietätsgründen hier nicht veröffentlichen werde. So ein Kind mit fast 11 hat schon ordentlich Humor und wird auch immer besser darin, unsere spezielle Form davon zu verstehen und nachzuahmen. Wir haben ein Monster erschaffen, aber eben ein witziges.

Als Nächstes holen wir die beste Freundin des Liebsten in unsere Morningshow und planen auch mit ihr, wie und wann wir uns dieses Wochenende treffen. Es wird ein St.-Patrick‘s-Day-Beschluss gefasst. Irgendwann gegen halb 11 dann stehe ich mal auf, der Hase wollte nämlich zwischen 10 und 11 vorbeikommen. Bis das kurz nach 11 wirklich passiert, kümmere ich mich um das Frühstück für mich und die Katzen und schmiede nebenbei mit der Freundin, der ich gestern absagen musste, Pläne für heute. „Ich hab so richtige Samstagslaune“, sagt sie.

Ich frühstücke Porridge mit Grapefruit und Orange und trinke schwarzen Tee mit Maracuja. Dann kommt der Hase wirklich, bringt etwas vorbei und wir updaten uns kurz über unsere Leben, wie immer. Als er weg ist, komme ich endlich zum Bloggen, Italienisch machen und ein wenig Spielen, bevor es Zeit wird, mich für die Samstagspläne fertig zu machen. Dazu gehört dann auch noch Staubsaugen und Küche aufräumen und putzen. Damit sich das richtig lohnt, bastle ich vorher noch schnell einen Aufstrich aus einer Dose Cannelini-Bohnen und dem Rest Bärlauchpesto. Während all dem und dann später auf dem Weg höre ich mich durch das Œuvre von Jon Batiste, wie mir selbst versprochen.

Dann ziehe ich meine neuen Barfußschuhe an und gehe raus „in die Stadt“ – nicht ohne nochmal umzudrehen und die Übergangsjacke doch gegen den Wintermantel zu tauschen, es ist im Vergleich zu gestern empfindlich kalt geworden.

Ich fahre mit zwei Straßenbahnen nach Friedrichshain. Erste Station ist die Wohnung meines Bruders, in der es Planzen zu versorgen und nach der Post zu gucken gilt. Er wohnt im fünften Stock ohne Fahrstuhl und das Ganze wird nicht besser dadurch, dass mir erst im vierten Stock auffällt, dass ich noch nicht am Briefkasten war. Also wieder runter, Post rausgeholt und dann ganz nach oben. Da muss ich dann erstmal kurz verschnaufen, bevor ich loslegen kann. Ich bin das erste Mal seit dem vollständigen Umzug hier, also drehe ich erst kurz eine Runde und schaue mich um, auch um zu eruieren, wo Pflanzen stehen. Dann wird gegossen und wichtige Post aufgemacht und dem Bruder Bescheid gesagt (er schläft noch tief und fest, da drüben in Alaska).

Gegen 15 Uhr laufe ich wieder los und treffe mich ein paar Straßen weiter mit der Freundin und noch einer anderen Freundin von ihr. Wir gehen zunächst in zwei Buchhandlungen – es ist Indie Book Day, eigentlich müsste man aus Prinzip etwas kaufen, aber erstens habe ich noch einen riesigen Stapel Bücher, an dem ich herumknabbere, zweitens sind die Bücher, die mich anlachen, nicht von Indie-Verlagen und drittens habe ich heute morgen schon Comedy-Tickets für den Liebsten und mich gekauft und mein Budget für Spontankäufe ist für heute mehr als ausgeschöpft. (Tatsächlich sind Bücher, Kultur und Luxus unterschiedliche Budgets, aber es geht ja ums Gefühl. Meine Finanzcoachin wäre stolz auf mich, wenn sie nicht gerade selbst vier Bücher gekauft hätte – immerhin alles Fachliteratur, die sie von der Steuer absetzen kann.) Dann kehren wir in einem Café ein, essen Kuchen, trinken Chai und erzählen.

Polentakuchen mit Kirschen und Beeren, Rocky Road

Um 17 Uhr schließt das Café und wir gehen nochmal eine Runde spazieren – hoch in den Nordkiez, wo die Freundin der Freundin ein paar aussortierte Klamotten an einen Gabenzaun hängt. Dann verabschieden wir uns von ihr und ziehen zu zweit weiter zum besten Freund des Liebsten, der zu Kuchen und/oder Gulasch geladen hat.

Wir sitzen etwa zwei Stunden in der Küche bei Tee und Wein und erzählen uns spannende Dinge, nebenbei passieren noch viel mehr spannende Dinge die mit Friedrichshainer Teeniejungen zu tun haben – nicht blogbar, aber aufregend. Dann setzen wir uns in großer Runde zum Gulaschessen zusammen (ich und die Freundin, der beste Freund des Liebsten, seine Frau, deren Eltern, die zwei jüngeren Kinder der beiden), während der ältere Teeniejunge mit seinen Freunden unten im Keller laut Musik hört und sie sich gegenseitig die Haare schneiden, was Teeniejungen halt so machen.

Es gibt Gulasch mit Fleisch, Gemüsegulasch, Klöße, Salzkartoffeln, Rotkraut, Rosenkohl (für mich als Kosteportion), Spiegelei für Gulaschverächter, Kohlrabi-Blumenkohl-Stampf für Kohlenhydratmeidende, dazu Wein und gute Gespräche, unter anderem über einen Besuch im Jüdischen Museum und über Dorfjugend in den 80er und 90er Jahren in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg.

Kurz nach 21 Uhr brechen wir auf. Ich kaufe in Franziska Giffeys Stammspäti noch ein wenig Cider für morgen und dann verabschieden wir uns an der Tram. Zurück zuhause schaue ich mir noch eine Aufzeichnung aus dem Adulting-Projekt an und gegen 23 Uhr streiche ich dann die Segel und gehe satt und zufrieden ins Bett.

15.03.2024 – Stagnafreitag

Nach dem gestrigen Aufwärtstrend heute eher Stagnation, aber es kann ja auch nicht immer alles ewig nach oben gehen – die Grenzen des Wachstums und so, man kennt das. Ich schlafe wieder um die acht Stunden durch, das ist schonmal sehr super – bis zum Weckerklingeln tatsächlich. Telefonat mit dem Liebsten, der kurz davor ist aus seinem Hotelzimmer auszuchecken, weil es nachher wieder zurück nach Berlin geht. Dann heute Homeoffice am Schreibtisch, nicht im Bett. Aber nur mit halber Kraft, aka Hoodie überm Schlafanzug, muss reichen.

Dann geht es eng getaktet los

  • Ab 9 diverse Chats zu diversen Themen, Koordinierung von Projekten
  • 11:00 Meeting mit Lichtenberg und Biesdorf
  • 11:30 Meeting mit Südengland
  • 12:00 Update der Corporate Webseite mit den soeben veröffentlichten Quartals- und Jahresergebnissen
  • 13:00 Zuhören im Investor Call zu den Ergebnissen, nebenbei Auswertung von Präsentation und Vortragsweise mit dem Team – schön, dass das diesmal vor Marktöffnung passiert und wir uns damit nicht die Nacht um die Ohren schlagen
  • 14:00 Meeting mit Paris und Madrid
  • 15:00 Meeting mit Madrid, Dublin und Chennai

Gegen 12:45 rühre ich mir schnell einen Kartoffelsalat zusammen, den ich während des Investor Calls esse, für eine richtige Mittagspause ist heute keine Zeit.

Nach dem zweiten Meeting schreibe ich mit einer Freundin, mit der ich lose für heute verabredet bin, sie hat große Lust, das Wetter auszukosten – heute werden es 19 Grad in Berlin. Als ich ihr sage, dass ich gerade das zweite von heute fünf Meetings hinter mir habe ist die Antwort „WOW“. Evtl. ist das gar nicht so normal, was ich hier mache?

Jedenfalls ist dann nach dem fünften Meeting gegen 15:30 die Luft raus. Ich bin schlapp und friere und sage mir selbst und der Freundin alles ab, was ich für heute noch geplant hatte. Dann lege ich mich mit dem Laptop zurück ins Bett und schreibe meinen Wochenbericht. Kurz nach 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und bleibe nur noch mit einem Auge am Diensthandy, weil das Team grad schon das nächste Riesending für Montag plant. Ab 18 Uhr lasse ich aber auch das. Jetzt werden die Katzen hungrig und da ich beim Füttern eh schon stehe, mache ich mir auch gleich noch was zu essen – der Rest vom Leipziger Bärlauch wird mit Parmesan und Olivenöl zu Pesto. Pinienkerne wollte ich auch noch reintun, aber jemand hat die Tüte offen gelassen und das war nicht so gut. Aus dem Pesto mache ich mit Zitrone und Joghurt (statt Ricotta) eine leckere Pastasauce, dazu Fusilli.

Während ich die esse, beobachte ich auf dem Radar, wie das Flugzeug des Liebsten landet. Nach einer Woche voller Menschen muss er jetzt dringend in seine Höhle, wir telefonieren aber nochmal, als er dort angekommen ist.

Den Rest des Abends verbringe ich mit Filmgucken – erst das furchtbar schmonzettenkitschige „Irish Wish“ auf Netflix, immerhin ist dieses Wochenende St. Patrick‘s Day, und dann nochmal was mit Substanz – „American Symphony“ über Jon Batiste und Suleika Jaouad. Sehr beeindruckend, ich habe Jon Batiste ja bisher hauptsächlich als Musiker in der Late Show wahrgenommen und alles andere nicht so wahrgenommen – das ändert sich jetzt. Gegen 23 Uhr bin ich allerdings so müde, dass ich Zähne putzen gehe und dann schlafe.

14.04.2024 – Aufwärtstrend

Das Fitbit sagt, ich habe mehr als 9 Stunden geschlafen, ich würde sogar neuneinhalb sagen, wenn ich nachrechne. Erwacht ist in meinem Bett quasi ein völlig neuer Mensch – und eine völlig neue Katze, denn während Nimbin gleich mit mir kuschelt, schläft Noosa einfach noch ne Stunde oder so weiter. So kann das gerne bleiben jetzt!

Der Morgen verhält sich ansonsten den Erwartungen entsprechend, aber ich habe Lust auf schwarzen Tee mit Mango zum Frühstück und außerdem muss die erste Grapefruit aus der CrowdFarming-Kiste dran glauben und ins Müsli, beides sehr gute Erfahrungen. Leider ist die Milch alle und es muss Apfelsaft ins Müsli, aber man kann ja nicht alles haben.

Der Arbeitstag ist so ruhig, wie er nur sein kann. Der Geschäftsführer ist im Urlaub, weite Teile der Menschen, die sonst für Arbeit sorgen, sind in einem Offsite in Chicago, der Großteil meines Teams ist mit wichtigen und dringenden Dingen beschäftigt, bei denen ich nicht helfen kann und alle meine wichtigen Aufgaben warten gerade auf Zuarbeit von anderen. Ich genieße den Tag zum Durchatmen, wohl wissend, dass es morgen und dann nächste Woche schon wieder ganz anders aussehen wird.

Neben ein bisschen Kleinkram hier und da (Chats, Recherchen, Daten hin- und herschieben, Planung für Spanien), besteht mein Arbeitstag also vor allem aus drei Meetings:

  • Um 11 mit Paris, viel Menschliches und ein wenig Organisatorisches
  • Halb 12 mit Nordengland, viel Organisatorisches, viel Brainstorming, viel Menschliches
  • Um 5 mit Chicago – der Abschied von einem Kollegen, ein bisschen Organisatorisches in der Übergabe, ansonsten viel Menschliches natürlich

In der Mittagspause gehe ich ins Draußen und erledige Dinge. Ich brauche neue Zahnbürstenköpfe, die Bürste schimpft schon ein paar Tage mit mir, aber ich komme ja zu nichts. Außerdem kaufe ich Milch und anderes fürs leibliche Wohl und dann gehe ich noch ins Schuhgeschäft und gucke nach Sneakern für den aufkommenden Frühling und die hoffentlich vielen Schritte, die ich zu gehen plane. Als ich gerade verzweifelt gehen möchte, lächelt mich doch noch ein Paar an, dass leicht, unaufdringlich, nicht zu teuer und in meiner Größe ist. Zuhause beim Imprägnieren erst stelle ich fest, dass es Barfußschuhe sein sollen. Ich bin gespannt.

Kurz nach 18 Uhr ist dann Feierabend und obwohl ich mich eigentlich schon wieder hinlegen könnte, erledige ich vorher noch dringendes Zeug. Das Katzenklo wird einmal grundgereinigt, das alte Streu plus Kompost wird zum Müllplatz gebracht, ich hole im Haustierbedarf einen neuen Aktivkohlefilter gegen den Duft des Klos, fülle den Katzenbrunnen auf und hole frisches Streu aus dem Keller. Mit all dem bin ich ungefähr eine Stunde beschäftigt. Dann mache ich mir einfach die Pizza warm, die ich für solche Situationen seit Wochen im Tiefkühlfach habe (Spinat-Feta-Mozzarella, aus Italien und in Bio-Qualität) und haue mich aufs Sofa.

Ich verbringe den Abend mit mehreren Folgen von „Kurt Krömer – Feelings“ (Teddy Teclebhran, Stefan Kretzschmar, Mai Thi Nguyen-Kim) und verschwinde dann kurz nach 11 im Bett, für eine weitere Nacht mit ununterbrochenem, gutem und langen Schlaf.

13.03.2024 – Wie in Watte

Ja, das war wie erwartet wieder eine furchtbare Nacht. Ich schlief in drei kurzen Stücken, mit einer kurzen Pause zwischen den ersten beiden und einer mehrstündigen zwischen dem mittleren und dem letzten. Die mehrstündige nutze ich für Sorgen, Rechercheren und Bloggen (veröffentlichte aber erst nach dem dritten Stück Schlaf und nochmaligem Drüberlesen).

Nach dem Aufwachen telefoniere ich dann wieder kurz mit dem Liebsten, bevor sein Arbeitstag beginnt. Aus allen Gründen beschließe ich selbst, heute wieder einen Tag Bett-Office einzulegen, mache aber vorher zumindest einige Dinge außerhalb, wie Katzen füttern, Zähne putzen, Frühstück zubereiten (Müsli, frisch gepressten Mandarinen-Orangensaft, Mate), mit dem Mitbewohner schnacken.

Halb 10 das erste Meeting – mit Dortmund, einem Abfluggate am BER und einer Autobahn hoch im Norden. Danach erstmal tief durchatmen und die Sorgen von heute Nacht ad acta legen. Um 10 das nächste Meeting, mit ganz Deutschland, danach kurz mit meiner Chefin in Nordengland und ab danach wird es ein ziemlich okayer und normaler Arbeitstag mit nichtmal allzu viel zu tun.

  • Koordination eines Projekts mit Paris, Valencia und Berlin
  • Koordination eines anderen Projekts mit London und Chicago
  • Erstellen einer Intranetseite
  • Korrektur eines Textes
  • Lektorieren einer Übersetzung
  • Chats mit Dublin, Madrid, Valencia, Chicago, Paris, Tours
  • Kurzes Meeting mit Nordengland, Chicago und Prag
  • Längere Maildialoge mit Warschau

Alles in allem aber nichts Dramatisches oder unglaublich Dringendes. In der Mittagspause mache ich mir Pellkartoffeln zum Rest Bärlauchquark von Sonntag (Huh, der springt mich olfaktorisch an, als ich die Dose öffne!), nebenbei versucht mir jemand an der Tür einen Stromanbieterwechsel zu verkaufen (Was ist mit den Leuten!) und im Teamchat wird gebrainstormt. Keine richtige Pause also, aber ich habe wegen okayer Arbeitsauslastung auch so genug Ruhephasen den Tag über und muss schauen, dass ich im gemütlichen Bett nicht einschlafe, das zieht sich so bis zum Feierabend.

Jetzt muss ich noch wachbleiben, bis kurz nach 8 der Ex-Mitbewohner vorbeikommt, um seine Post abzuholen. Ich telefoniere kurz mit dem Liebsten, bevor er zum Stadtbummel in Pamplona aufbricht und erfahre kurz danach, dass das Teilzeitkind an seinem Wunschgymnasium angenommen ist. Symbolfoto Kommunikation mit 10jährigen:

Ich halte mich mit Spielen, Duolingo und YouTube wach, bis es endlich klingelt. Der Ex-Mitbewohner bringt gute Nachrichten mit und wir verabreden uns grob auf „nach Ramadan“ zu einem Restaurantbesuch, um das zu feiern. Zwei Minuten nachdem er weg ist, läuft das Badewasser ein und gegen 21 Uhr liege ich wieder im Bett, diesmal mit Licht aus, und schlafe ein.

12.03.2024 – Dienstag nach Plan

Eine arg zerstückelte und insgesamt zu kurze Nach liegt hinter mir, als ich sehr früh mit dem Bloggen beginne. Zuviel los im Kopf, da klappt es mit dem Abschalten nicht. Erstaunlich, wie gut ich den Tag trotzdem überstehe – die paar Nächte guter Schlaf zwischendrin waren echt Gold wert. Ich bin rechtzeitig mit allem fertig, um kurz nach 7 mit dem Liebsten zu telefonieren, bevor er zum Hotelfrühstück geht und dann seinen Arbeitstag startet. Ich hingegen gucke noch ein bisschen Daily Show und Late Show von Montag nach, bevor ich gegen 8 auch aufstehe und das Tagwerk beginne.

Ziemlich pünktlich um 9 komme ich im Büro an – der Bahnstreik hat sich kaum auf den Füllstand von Tram und U-Bahn ausgewirkt, vermutlich sind viele im Homeoffice geblieben. Bei uns weniger, das Büro selbst ist hingegen ganz schön voll heute, man könnte fast trubelig sagen. Mein Arbeitstag sieht weitestgehend so aus:

  • Fotoshoot und Kurzinterview mit der neuen Kollegin und ihrem Hund, offizielle Vorstellung der Beiden im Deutschland-Chat
  • Aktualisierung von Daten im Intranet
  • Vorbereiten, Approval einholen und Versand einer Kommunikation ans deutsche Team
  • Meeting vor Ort mit zugeschaltetem Ostfriesland
  • Finalisierung eines Textes inkl. Koordination mit Valencia, Hamburg und Paris
  • Meeting mit Madrid und Chicago
  • Arbeitsmeeting mit dem Team (Nord- und Südengland, Chicago, Paris)
  • Erstellen einer neuen Seite im Intranet
  • Koordination eines Projekts mit London und Madrid

Dazwischen viel Socializing mit den Kolleg*innen vor Ort. Mittags mache ich eine Stunde Pause, hole mir ein Kumpir und esse das dann bei meinen Eltern – eine willkommene Abwechslung zum Kopf zwischendurch mal rebooten. Auf den Wegen hin und zurück scheint auch wunderschön die Frühlingssonne.

Kurz nach 18 Uhr packe ich meinen Kram zusammen und verabschiede mich für diese Woche vom Büro – ab morgen ist wieder Homeoffice angeht. Dann fahre ich mit der U-Bahn zum Yoga, das heute wieder sehr gut tut. Auf dem Heimweg gibt es dann nochmal interessante Nachrichten, die für eine weitere unruhige Nacht sorgen werden – was gäbe ich nicht mal für eine Phase der Langeweile.

Zuhause angekommen packe ich eine Crowdfarming-Kiste mit Orangen, Mandarinen und Grapefruits aus, schwatze mit dem Mitbewohner, schreibe mit einer Freundin und dem Ex-Mitbewohner und ziehe mich dann mit Feierabendlimo (Tannenwald) und Rauchmandeln in mein Zimmer zurück. Es gibt noch einiges zu recherchieren und durchdenken, bis der Liebste vom spanisch-späten Abendbrot zurück ist. Dann telefonieren wir nochmal und kurz vor Mitternacht mache ich mich bettfertig. Keine Fotos heute, dabei wäre sogar #12v12 gewesen.

11.03.2024 – Fernweh, neuer Bürohund und die Oscars

Nochmal sehr gut geschlafen – man muss es mitnehmen und feiern, solange es anhält (Spoiler: Eine Nacht später reißt der Streak) und dann rechtzeitig wach und munter genug gewesen, um kurz vor 7 mit dem Liebsten zu schreiben, bevor sein Flugzeug nach Madrid startet. Danach dann Bloggen und Netz leerlesen, aufstehen, Katzen füttern, Arbeitsrucksack packen, süße Stullen frühstücken und mit Weg-Mate los ins Büro. Dir Tram- und U-Bahnfahrt reicht für eine ausführliche Runde Duolingo und insgesamt ist das ein sehr guter Start in den Tag und die Woche.

Im Büro ist es für einen Montag relativ voll, was vor allem an Besuch aus Dortmund und dem Arbeitsstart einer neuen Kollegin samt neuem Bürohund liegt. So gibt es einiges an Abwechslung neben der normalen Arbeit, die heute so ausfällt:

  • Versand einer Informationsmail an alle Manager*innen global
  • Kleinteilige Weiterarbeit an diversen Projekten – dabei Koordination mit u. A. Valencia und Hamburg
  • Meeting mit Dortmund, aber heute live in Berlin
  • Meeting mit (Dortmund), Berlin und zugeschaltet Ostfriesland
  • Bearbeiten einer Seite im Intranet
  • Meeting mit Madrid
  • Teammeeting mit Nordengland, Südengland, Paris und Chicago

Zwischendurch meldet sich der Liebste erst aus Madrid und später noch aus Pamplona, wo er bis Freitag bleiben wird. Außerdem gehen wir zu viert mit der neuen Kollegin (und dem neuen Hund) Mittagessen und ich vergesse über den Gesprächen ganz, mein vietnamesisches Mango-Hähnchen zu fotografieren.

Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend und telefoniere auf dem Heimweg ausführlich mit dem Liebsten, der nach einem langen Tag darauf wartet, dass er endlich zum Abendessen gehen kann (in Spanien wird natürlich erst viel später gegessen).

Zuhause angekommen ist auch Nimbin sehr ungehalten, weil das Abendessen nicht pünktlich serviert wurde. Noosa beschwert sich, weil ich so lange weg war und nicht den ganzen Tag mit ihr gekuschelt habe. Das holen wir jetzt nach, während ich bei einem Radler und ein paar Rauchmandeln (Reminiszenz an Spanien?) die Oscar-Verleihung nachgucke.

Ich habe zwar eine Handvoll der Filme gesehen – “Barbie”, “Oppenheimer”, “Nyad”, “Maestro”, “Das Lehrerzimmer”, “Past Lives” (glaube ich, ich kann mich nicht erinnern, wo und wann, wohl aber an diverse Szenen daraus), “Elemental” und “The Wonderful Story of Henry Sugar”), kann aber trotzdem nicht fair beurteilen, ob die Academy richtig abgestimmt hat. Barbie hätte in jedem Fall mehr verdient und „I’m just Ken“ fand ich größer als „What was I made for”. Ich habe jetzt aber auf jeden Fall große Lust auf Poor Things und Killers of the Flower Moon bekommen und musste mehrfach über Jimmy Kimmel lachen.

Dann ist es schon ganz schön spät und ich mache mich bettfertig. Der Liebste schickt noch Fotos von seinem Essen (das ist Liebe!) und gegen 23 Uhr telefonieren wir nochmal kurz, dann ist endgültig Schlafenszeit – in einer der vielen Wachphasen bewundere ich noch die Fotos, die mein Bruder aus dem fernen (und eisekalten) Alaska schickt, da in den USA die Sommerzeit begonnen hat, ist er jetzt nur noch 9 Stunden hinter uns. Seine Freundin schippert währenddessen an der Antarktisküste entlang, und liegt zeitlich vermutlich irgendwo zwischen uns. Immerhin sind es nur noch 12 Tage, bis ich selbst in Spanien bin…

10.03.2024 – Nachchillen

Die letzten Tage waren so anstrengend, dass für heute hauptsächlich Chillen auf dem Programm steht. Bis auf eine katzige Unterbrechung schlafe ich durch und wache auch nicht allzu früh auf – möglicherweise ist der Nichtschlafrhythmus endlich durchbrochen. Gegen halb 11 telefoniere ich mit dem Liebsten und verabrede mich für später, ansonsten bleibe ich bis etwa 12 Uhr gemütlich im Bett mit den verschiedensten Beschäftigungen. Dann heißt es Aufstehen, Anziehen, Katzen füttern, Rucksack auspacken, Wäsche abnehmen und Waschmaschine anstellen und noch den Koffer vom Schrank holen.

Mit dem und einer Tüte Papiermüll gehe ich dann ins Draußen. Vom Müllplatz geht es zum S-Bahnhof, wo ich den Liebsten treffe und ihm den Koffer überreiche. Dann gehen wir gemeinsam frühstücken Mittag essen. Wir probieren ein italienisches Restaurant aus, das hier in der Nähe ist und eine solide Karte vorweist. Es ist für Sonntag mittags erstaunlich leer, andererseits sind die meisten Lokale in der Gegend um die Zeit ja auch noch mit Frühstück beschäftigt. Zwei asiatische Gästinnen am Nebentisch (Ich kann die Sprache nicht zuordnen.) essen Seafood und trinken dazu Cappuccino. Ich bemerke das und sage absolut gar nichts dazu (also zum Liebsten). Das mit dem „kein Cappuccino nach 11“ kommt ja auch mehr aus einem italienischen Aberglauben, dass das schlecht für die Verdauung wäre.

Wir jedenfalls trinken alkoholfreien Aperitif und essen eine Affetati-Platte und danach Pasta mit Weißwein.

Ich finde ein Haar in den Nudeln und eine noch verschlossene, aber nicht raussortierte Muschel, aber das tut dem Geschmack keinen Abbruch und ich bin sehr zufrieden mit dem allem. Wir sparen uns dann Dessert, Espresso oder Digestif, denn der Liebste hat noch einiges vor. Ich bringe ihn dafür zur U-Bahn und spaziere dann mit Podcast auf den Ohren nach Hause. Dort gibt es dann noch Nachtisch, der mich geradewegs in die Siesta geleitet – mit Tiefschlaf.

Kurz nach 17 Uhr bin ich wieder wach. Ich schaue den Film, von dem im Alles-gesagt-Podcast mit Dany Cohn-Bendit so viel geredet wird – sehr interessant und nachdenklich machend. Dann ruft der Liebste nochmal an und vermeldet erfolgreiches Packen und Einchecken. Morgen früh kommt sein Taxi schon kurz nach halb 5, da werde ich hoffentlich noch tief und fest schlafen.

Ich füttere die Katzen ein zweites Mal und durchsiebe ihr Klo, dann suche ich mir als Abendunterhaltung „Das Lehrerzimmer“ heraus, der heute Nacht einen Oscar gewinnen könnte. Beeindruckender Film, auch und gerade, nachdem ich gestern mit der Freundin, die Lehrerin ist, so viel über Schulalltag gesprochen habe. Der Film stresst mich auf eine gute Weise und ich bin froh, nie ernsthaft versucht gewesen zu sein, diese Laufbahn einzuschlagen.

Nach dem Film ist nicht mehr viel mit mir los, ich mache mich bald bettfertig und schlafe kurz nach 23 Uhr ein – vorbei die Zeiten, in denen ich jetzt losgehe, um mit anderen die Oscars zu gucken oder mich irgendwie wachhalte, um es dann alleine zuhause zu tun. Früher habe ich gerne einen von 24 Urlaubstagen fürs Ausschlafen geopfert, jetzt ist es mir keinen von 30 mehr wert. So ändern sich die Dinge.

09.03.2024 – Allerlei in Leipzig

Langsames, behäbiges Erwachen. Irgendwo kramt jemand in Lego. Nach einer gemütlichen Runde durchs Internet stehe ich auf, um aufs Klo zu gehen und finde unterwegs den Cousin und sein jüngstes Kind beim Chillen im Bett. Weil Wochenende ist, darf das Kind vor dem Frühstück noch etwas Fernsehen und hat sich Asterix ausgesucht. Nach und nach finden sich alle wach und in verschiedenen Graden des Angezogenseins am Frühstückstisch wieder und es gibt unter anderem die von mir mitgebrachten Zimt- und Kardamomschnecken.

Nach dem Frühstück gehe ich mit dem Cousin und dem größeren Kind hinaus in den Park – den Clara-Zetkin-Park, passend zum gestrigen Frauentag. Es ist März in Leipzig und das bedeutet Bärlauchernte. Ich bin mit Leipziger Bärlauch aufgewachsen, obwohl ich das nicht wusste – jemand aus der Familie hatte welchen Park ausgegraben und bei uns zuhause eingepflanzt und der verbreitete sich dann munter – wäre heute wohl problematisch. Ich halte mich jedenfalls brav an die Handstraußregel – geringe Mengen für den Eigenbedarf, damit kennt man sich ja inzwischen aus.

Die beiden bringen mich noch bis zum Haus der „alten Freundin“ (Winkewinke!) aus Schulzeiten, die vor acht Wochen ein Baby bekam – ein guter Anlass, sich nach fünf Jahren verschobener Treffen doch mal wieder zu sehen. Das Schöne ist, dass wir übergangslos vom Schreiben der letzten Tage zum Reden wechseln (und bei der Verabschiedung später andersherum) und dass die fünf Jahre dabei keine Rolle spielen. Ein paar Mal haben wir zwischendurch auch telefoniert, aber wenn nicht hätte das vermutlich auch keinen Unterschied gemacht. Die Freundin freut sich noch viel mehr über Zimt- und Kardamomschnecken – dies wissend war ich welche holen gegangen -, das Baby macht goldige Babydinge, wir quatschen und irgendwann gehen wir dann zu dritt wieder raus in den Park.

Nach einer ausgiebigen Runde kehren wir in einem Café ein – Babys erstes Ausgehen und erstes Stillen im öffentlichen Raum. Klappt alles ganz wunderbar. Wir essen Knödel (ich hab welche mit Käse, Butter, Salbei und Tomaten) und trinken Quittensaft – ich heißen mit Vanille.

Dann spazieren wir wieder nach Hause, trinken noch einen Tee zusammen und quatschen weiter, bis es für mich Zeit wird, aufzubrechen, damit ich nicht allzu spät zuhause ankomme. Wir verabschieden uns und setzen das Gespräch ab dann schriftlich fort. Mit Leipziger Tram, zwei Regionalexpressen und Berliner Tram bin ich nach dreieinhalb Stunden wieder in meinem Kiez. Im Gegensatz zu gestern gibt es dabei nur eine leichte Verspätung von fünf Minuten, aber zum Glück wartet der zweite Zug auf den ersten, so dass ich ein rundum entspanntes Bahnerlebnis zum Ausgleich habe. Ich nutze die Zeit zum Bloggen, Italienisch üben, Spielen und im Netz rumgucken. Für vertieftes Lesen ist mir zu viel Trubel um mich herum und sehr müde bin ich auch.

Auf dem Heimweg kaufe ich noch schnell ein paar Dinge im Supermarkt ein, dann begrüße und füttere ich die Katzen, hülle den Großteil des Bärlauchs in nasses Tuch und packe meine Sachen aus. Weil ich zu kaputt zum Kochen bin, rühre ich mir nur schnell einen Bärlauchquark an, streiche den auf Roggenbrot und verziere mit Spreewaldgurken – sorbischer Tsatsiki. Dazu gibt es ein Radler und dann noch zwei Folgen „The West Wing“, bevor ich noch vor Mitternacht im Bett liege.

Noosa ist auch müde