08.03.2024 – Frauenstreiktag

Um 8:30 hätte der Wecker geklingelt, ich bin seit kurz nach 7 wach – habe aber trotzdem ausreichend geschlafen, drum soll mich das nicht grämen. Das Teilzeitkind rödelt dann auch schon irgendwann herum, frühstückt und packt seine Sachen für einen Wochenendausflug und gegen 8 wacht auch der Liebste auf und macht Kaffee. Wir trinken ihn wie immer gemütlich im Bett und checken dann, wie der Streikfahrplan für heute aussieht – nicht so gut. Meine ursprünglich anvisierte Verbindung klappt nicht, drei Stunden später könnte ich aber wohl los – da ich nicht so weit fahre wohl kein Problem. Der Liebste entscheidet sich angesichts der Gesamtsituation, seine Reise nach Westen abzublasen und das nun zugbindungsfreie Ticket lieber in drei Wochen zu Ostern zu nutzen.

Kurz nach 9 werden das Teilzeitkind und das Nachbarskind von der Teilzeitkindmama samt Anhang und Geschwistern abgeholt und der Liebste und ich legen uns dann nochmal kurz hin. Die neue Ausgangslage schafft ganz neue Möglichkeiten – eigentlich hätte er jetzt bald losgemusst, so aber können wir schön zusammen frühstücken gehen und Frauentag feiern. Dazu gehen wir in unser Stammfrühstückslokal Südberlin und gönnen uns zum italienischen Frühstück (für ihn) und schwedischen Frühstück (für mich) je ein schönes Glas Rieslingsekt.

So richtig Date-Atmosphäre hatten wir ja auch schon eine Weile nicht mehr – gute Sache das. Der Liebste bezahlt dann auch und stottert so einen Teil der jahrtausendelang aufgebauten Kollektivschuld als Mann ab. Finde ich OK. Apropos Geld – für die Spannungsbogenenthusiast*innen: Gestern kam dann endlich das Geld von der Versicherung an und war sogar mehr, als ich in Erinnerung hatte. Finde ich mehr als OK. Nächster Programmpunkt war ein Einkauf im schwedischen Kaffeehaus – Zimt- und Kardamomschnecken als Mitbringsel und frisch gemahlenen Espresso für den Liebsten. Dann ist noch etwas Zeit, bis meine S-Bahn fahren soll und weil wir es können gehen wir einfach noch zum Eisladen.

Dann spaziert der Liebste nach Hause und ich zur S-Bahn, stelle aber dort angekommen fest, dass die S-Bahnen doch noch nicht fahren. Kann ich also nicht entspannt mit Blick auf den Wannsee auf meinen Zug warten, sondern nehme die U-Bahn zum Zoo.

Die Aussicht ist anders, aber die Sonne scheint und mit Musik auf den Ohren komme ich jetzt in Ruhe dazu, den gestrigen Tag zu verbloggen, bis der Zug kommen soll. Mit Betonung auf „soll“. 14:20 soll er nach Plan kommen, also über eine Stunde nach Streikende. Daraus wird dann 14:47 laut App, 14:45 laut Ansage. Gegen 15 Uhr werde ich unruhig. Bald darauf kommen Ansagen, dass der Nachfolgezug um 15:20 verspätet ist, dann aber auch welche, dass der 14:20 mit 60 Minuten Verspätung abfahren soll – und das tut er dann auch. An der Stelle bin ich dann schon ganz durchgefroren. Ich ergattere einen Sitzplatz am Fenster, mit Steckdose, und freue mich lesend über mein Glück – bis angesagt wird, dass der Zug in Bad Belzig endet und nach Berlin zurückfährt. Der Folgezug soll ja aber kurz danach kommen.

Auf dem Bahnsteig in Bad Belzig drängt sich eine komplette Zugladung Menschen und viele versuchen, in dem kleinen sonnenbeschienenen Streifen zu stehen. Da stehe ich auch bis ein paar Minuten bevor der Folgezug kommen soll – aus Angst, nicht mitzukommen, wenn gleich zwei Zugladungen voll Menschen in einen Zug passen sollen. Natürlich kommt der Folgezug nicht pünktlich. Mit ordentlich Verspätung kommt dann ein Zug, der aber auch nach Berlin zurückfährt. Ein kalter Wind weht über den Bahnsteig. Eine Zugbegleiterin wartet mit uns, die mit dem gleichen Zug weiter will und auch nicht mehr Informationen hat – bis sie mit dem Lokführer des nächsten Zugs telefoniert, der uns dann wirklich mitnehmen wird – nochmal deutlich später.

Bis dahin beantwortet sie so gut es geht Fragen, klärt über die Gründe für den Streik auf, die schlechten Arbeitsbedingungen, die unverschämten Vorstände, den unfähigen Verkehrsminister, die Fehler der Privatisierung… Sie hält die Leute bei Laune und schafft es, dass sich der Zorn der Menschen gegen den Konzern richtet und nicht gegen die GDL. Ich unterstütze sie mit passenden Nachfragen dabei nach Kräften. Eine Gruppe Damen mit Piccolöchen auf Frauentagsausflug sorgt mit lautem Gesang auf Stimmung.

Es ist inzwischen furchtbar kalt, die Sonne ist weg, der Wind weht immer noch. Der Zug ist dann überraschend leer und ich bekomme unproblematisch einen Sitzplatz in der (freigegebenen) ersten Klasse. Leider ist die Fahrt nicht so lang, denn in Roßlau heißt es dann nochmal umsteigen nach Leipzig. Dieser Zug ist dann auf die Minute pünktlich, aber so voll, dass ich 50 Minuten dicht gedrängt stehen muss. Ab der um zwei Stunden verspäteten Ankunft in Leipzig Hauptbahnhof wird es dann einfach.

Die Straßenbahn kommt und eine Viertelstunde später sitze ich im Wohnzimmer meines Cousins, seine Kinder toben um uns herum. Er serviert den Wein, seine Freundin die Pasta al limone und dann wird das ein sehr guter Abend, bis ich kurz nach Mitternacht völlig knülle ins Bett falle.

07.03.2024 – Mittelgroßer Freitag im Bett-Office

Es gibt ja Menschen, die den Donnerstag den kleinen Freitag nennen, das finde ich immer nicht ganz so originell, aber der heutige Donnerstag ist ja (in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie einer Handvoll anderer Länder) wirklich ein Freitag für mich. Ein Freitag, an dem ich bis zum Weckerklingeln um halb 8 schlafe (Yay!) und dann erst ganz langsam in den Tag finde. Also, körperlich. (Da ist mein Bruder schon von Berlin nach Amsterdam geflogen)

Der Geist ist wach und schreibt schon kurz nach 8 erste Arbeitsmails – nach Australien. Angesichts dieser Gesamtlage hole ich mir dann einfach den Laptop ins Bett und mache bis zur Mittagspause Bett-Office im Schlafanzug.

  • Frauentagskommunikation finalisieren und entsprechende Seite im Intranet erstellen
  • Meeting mit London
  • Meeting mit Paris und Ostfriesland
  • Meeting mit Nordengland.

Die Mittagspause nutze ich dann zum Anziehen, Wäsche zusammenlegen und neue Wäsche aufhängen und Sachen fürs Wochenende packen. Da ich Montag wieder ins Büro fahren werde, lohnt sich der Umzug mit dem Laptop an den Schreibtisch kaum, deswegen lege ich mich dann für die Nachmittagsschicht mit Klamotten zurück aufs Bett.

  • Abarbeiten von Kleinigkeiten
  • Aktualisieren von Tasks im Projektmanagementtool
  • Meeting mit Chicago
  • Webinar-Aufzeichnung anschauen
  • Auto-Responder einrichten und zwei Tasks für morgen an eine Kollegin übergeben
  • Wochenbericht schreiben

Um 18 Uhr mache ich Feierabend, füttere die Katzen und mache mich dann angesichts des Bahnstreiks mit Tram und U-Bahn auf den Weg nach Südberlin. Ich treffe den Liebsten und das Teilzeitkind, die gerade vom Schwimmen kommen, an der Dönerbude beim Essen holen. Dann gibt es passend zum Beginn des Wochenendes Abendbrot vor dem Fernseher. (Da ist mein Bruder schon von Amsterdam nach Minneapolis geflogen)

für einen Film ist es schon zu spät, aber eine Folge Liv und Maddie darf das Teilzeitkind schauen (diesmal müssen auch wir ein-zweimal lachen). Dann geht das Kindelein ins Bett und wir verziehen uns auch relativ bald in des Liebsten Zimmer – er an den Rechner zocken, ich ins Bett zocken und Podcast hören. Gegen 23 Uhr sind wir beide so müde, dass wir die Schlafenszeit einläuten, bevor mein Bruder in den Flieger nach Anchorage steigt.

06.03.2024 – Sehr viele Kilometer

Heute wieder vor dem 6:30-Weckerklingeln wach, aber zum Glück vorher weitgehend durchgeschlafen, den Rest richtet das Adrenalin schon. Ich habe einen beruflichen Termin im Draußen, das beinhaltet spezielle Garderobe (die grüne Firmen-Trainingsjacke und die grünen Firmen-Chucks, damit ich schnell auffalle und erkannt werde) und Frühstück vor dem Rausgehen. Beim Telefonat mit dem Liebsten kurz nach 8 esse ich wieder gerade mein Müsli. Kurz nach halb 9 verlasse ich das Haus, bringe noch schnell den Müll weg und laufe dann zur S-Bahn. Einmal fast halb um Berlin herum geht es zum Messegelände, es ist ITB.

Ich laufe erstmal automatisiert dahin, wo ich mich neulich mit dem Dorfbäckermeister getroffen habe, dann fällt mir ein, dass die Halle 9 ja ganz woanders ist. Dort zeige ich dann mein eTicket vor und erhalte meinen Badge, dann stelle ich mich raus in die Sonne und warte auf die anderen. Diese Woche sind Kolleg*innen auf Warschau, London und Valencia in der Stadt, von denen ich nur einen (einen Global Head of) per Videochat kenne, die anderen nur schriftlich oder gar nicht – daher meine Kleidung. Der mit dem Video und ich erkennen uns dann aber schnell und es gibt ein großes Hallo. Ich mache ein Gruppenfoto, verteile meine Ausdrucke von Montag und dann zerstreut sich die Gruppe recht schnell, weil alle Termine haben.

Ich begleite einen der Valencia-Kollegen zu einem Meeting mit einem Kunden aus Paris, halte Smalltalk, mache Fotos und Notizen und werde dann schon von dem Global Head of (aus London) gerufen, um mich mit ihm zwischen zwei Terminen schnell zu einer Foto-Op bei einem Geschäftspartner zu treffen. Als das erledigt ist, gehe ich zurück zum Valencia-Kollegen, der aber schon auf dem Sprung zum nächsten Meeting ist. Also laufe ich ein wenig alleine über die ITB (leider weit weg von den Bereichen, die mich als Besucherin interessiert hätten), aber immerhin sitze ich kurz in der Blogger Base.

Dann schaue ich bei einem der Warschau-Kollegen vorbei, der sich mit einem potenziellen Kunden aus Luxemburg unterhält und treffe mich dann wieder mit dem Global Head of – im Streetfood Market.

Wir teilen uns eine Brezel-Pizza mit Nürnberger Würstchen und reden über dies und das – Sprachen lernen, Sprachreisen, die vielen Jahre in der Firma (er ein paar weniger als ich) und sitzen dabei zufällig mit dem Paris-Kunden und dem Warschau-Kollegen am Tisch. Dann kommt auch noch eine London-Kollegin dazu und ich erkläre ihr das deutsche Getränk Spezi und mit dem Kontext schmeckt ihr der vorher argwöhnisch beäugte Mezzo Mix dann doch und sie bringt mir sogar noch einen mit. Dann interviewe ich sie und den Global Head of noch ein wenig, ebenso den Kunden aus Paris, bis alle wieder zu Terminen müssen. In der Zwischenzeit breche ich auf ins Büro.

Von der Brizza bekommen der Liebste und das Teilzeitkind ein Foto in unsere nigelnagelneue WhatsApp-Gruppe

Ich habe mir – wie immer in diesen Chucks (nachdem sie einmal komplett nassgeworden sind, sind sie jetzt irgendwie enger) – relativ schnell Blasen gelaufen und humpele zur nächsten S-Bahn-Station. Mit S-Bahn und U-Bahn geht es ins Büro. Dort läuft mir als erstes eine Kollegin über den Weg, die Hilfe beim Drucken braucht. Nachdem das geklärt ist, folgt ein recht normaler Arbeitstag:

  • Mail ans Team zum Abschied einer Kollegin
  • Kurzes Face-to-Face-Meeting vor Ort
  • Arbeit am Frauentagsprojekt
  • Verkünden der Umfrageergebnisse vom Sprachprojekt
  • Arbeit am Employee-Appreciation-Projekt
  • Kurz zwei Übersetzungen checken
  • Nachfassen bei verschiedenen Projekten im Tool
  • Kurzer Call mit der scheidenden Kollegin in Florenz
  • Telefonat mit einem Kollegen im Ruhrgebiet
  • Aufbereiten der Notizen und Fotos von heute morgen

Kurz vor 18 Uhr ist die Luft raus und ich packe meine Sachen und fahre heim. Ich bin so platt, dass ich meine Umsteigestation verpasse und die nächste Möglichkeit nehmen muss – das bedeutet nochmal etwas mehr Fußweg am Ende. Ich bin froh, als ich die Chucks ausziehen kann. Zuhause dann erst Haushalt (Spülmaschine ausräumen, Filter reinigen, Katzen füttern, Reste warmmachen), dann Abendbrot mit Topinambur-Gratin, Suppe und Pflaume-Kardamom-Limo an Liebstentelefonat.

Ich daddel ein bisschen herum und höre dabei den Alles-gesagt-Podcast mit Daniel Cohn-Bendit (also die ersten Stunden davon), gehe gegen 9 in die Badewanne und gegen 10 ins Bett. Gegen 11 schlafe ich ein und suggeriere meinem Körper, dass er sich mit dem Aufwachen Zeit lassen soll, bis der Wecker klingelt.

05.03.2024 – Endlich wieder Yoga (und Kaffee) #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Der Wecker klingelt heute um 6:30, falls ich doch früher los muss – muss ich aber nicht. Dafür wache ich aber schon um 6 auf, immerhin aber nach ununterbrochenem Schlaf, so dass ich mich trotzdem überraschend fit fühle und der Liebste ganz irritiert ist, als wir kurz nach 8 telefonieren und ich ihm fröhlich Müsli essend entgegenblicke, während er noch halbwach im Bett liegt und sich für sein erstes Meeting sortiert. In der Zwischenzeit habe ich das Internet leer gelesen, Italienisch gemacht, gebloggt, mich ausgehfertig gemacht, meine Sachen für den Tag gepackt und die Katzen gefüttert.

Ich gehe passend los, um pünktlich um 9 im Büro zu sein (Dienstag ist ja seit dem neuen Büro der neue Präsenztag für möglichst alle) und treffe (von weitem) an der Tramstation den Kollegen, der hier in der Nähe wohnt. Eine vollbesetzte Tram lassen wir beide vorbeiziehen, die nächste soll unverständlicherweise erst nach 11 Minuten kommen. Ich warte auf die nächste, er geht – ich nehme an, nach Hause, bestimmt hat er ein frühes Meeting und kommt dann später ins Büro. Die nächste Tram kommt dann erst nach 15 Minuten, ist sehr voll (ich habe aber einen Stehplatz) und schleicht geradezu zum Alex. Ab dem Umstieg in die U-Bahn geht es dann aber gewohnt schnell und in der kann ich sogar sitzen. Allerdings ist es jetzt ja auch schon deutlich nach 9.

Als ich im Büro ankomme, ist es fast halb 10. Völlig überraschend ist der Kollege schon da – er ist nicht nach Hause gegangen, sondern zu einer anderen Tram-Linie und mit der dann zu einer anderen U-Bahn-Station gefahren. Ich notiere mir diese Option mental für die Zukunft – ich wohne ja auch erst 10 Jahre hier, hüstel. Die zweite große Überraschung ist, dass die Kaffeemaschine endlich da ist. Wir haben aber noch keine Tassen und außerdem habe ich meine Weg-Mate noch gar nicht ausgetrunken. Also setze ich mich ohne Kaffee an den Schreibtisch und beginne meinen Arbeitstag. Da zwei Meetings im Laufe des Tages verschoben werden, habe ich sogar unverhofft viel Zeit und schaffe eine Menge:

  • Spesenrechnung für das Drucken von gestern und ein Messeticket für morgen einreichen
  • E-Mail mit News über die Kaffeemaschine versenden
  • Seite fürs Intranet bauen
  • Zwei Stunden Meeting – zu viert vor Ort, einer zugeschaltet – wir sitzen in einem Raum, alle vor unseren Laptops und geben uns Zeichen, wer sich wann unmuten kann. Ungewohnte Disziplin mit Ausredenlassen usw., aber für zwei Stunden recht anstrengend.
  • Interview von Freitag transkribieren und zur Freigabe schicken
  • Diverse Absprachen mit Kolleg*innen zu diversen Projekten
  • Abarbeiten der Action Items von den gestrigen Meetings (vor allem Dokumentation, Anlegen von neuen Aufgaben im Prokektmanagementsystem)
  • Eine Stunde Arbeitsmeeting mit dem Team zu aktuellen Themen
  • Eine halbe Stunde Meeting mit Chicago samt Nachbereitung

Die Mittagspause zwischendrin nutze ich zu einem Besuch bei meinen Eltern, deren Wohnung ja jetzt noch viel näher am Büro ist als früher. Es gibt warmes Mittagessen (Auflauf mit Kartoffeln, Paprika und Fleisch), gute Gespräche und zum Abschied noch einen Apfel und eine ausrangierte Tasse. Juhu. Damit ziehe ich mir dann den ersten Kaffee aus der neuen Maschine und jetzt habe ich eine eigene Panda-Bürotasse.

Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend und fahre mit der U-Bahn zum Yoga – zum ersten Mal seit Wochen. Letzte Woche war Büroparty, die Woche davor goldene Hochzeit, die Woche davor war ich rekonvaleszent, die Woche davor krank. Wir sind heute zu viert und die Asanas fühlen sich wie für mich zugeschnitten an – nicht zu anstrengend, nicht zu viel Balance, viel Kind, viel Dehnung… Es ist ganz großartig und einen Großteil der Zeit denke ich nicht an Arbeit oder sonstige To Do‘s. Erst beim Shavasana beschäftigt sich mein Kopf gegen Ende dann mit dem Abendessen.

Ich laufe nach Hause und erreiche auf dem Weg mein Schrittziel. Kurz nach 21 Uhr komme ich an und koche mir ein schnelles Süppchen – „Brühe“ aus Gochuang-Paste und Sojasauce, darin TK-Blattspinat, einen Rest Reisnudeln und zwei verquirlte Eier von der Hasenmama. Nebenbei werden die Katzen versorgt und die Dinge aus dem Rucksack geräumt, die ich morgen nicht brauche.

Zum Abendessen auf der Couch telefoniere ich erst mit dem Liebsten und dann mit meinem Bruder (dem ich mit dem Hinweis weiterhelfen kann, dass man sich beim BER kostenlos einen Zeitslot für die Security buchen kann – nicht ganz unrelevant, wenn man morgens um 6 fliegt) und mache mir dann zum Runterkommen schon mal mein Hörbuch an. Ein Stündchen sitze ich noch, verdauend und auf dem Handy spielend, dann bin ich bettschwer und gehe in Selbiges. Kurz vor 23 Uhr ist das Licht aus und das Hörbuch trägt mich langsam aber sicher in den Schlaf.

04.03.2024 – Überraschend okay

Ich hatte ja lange wach gelegen und mich gestresst und wache dann natürlich auch noch nach weniger als sechs Stunden Schlaf auf und stresse mich weiter. Tolle Wurst. Der arme Liebste hat gar nicht verdient, dass ich beim Telefonat so ungehalten bin, hat aber zum Glück Verständnis (Ich habe da einen guten Fang gemacht. Pünktlich um 9 sitze ich am Laptop und arbeite erstmal alles mögliche ab und nach und auf und löffele nebenher ein Müsli mit Chai (Milch war alle.) und trinke Tee. Um 11:30 dann Meeting mit Dortmund, sehr angenehm und produktiv und mit einer Menge Action Items für mich hinterher, die ich aber auf später verschieben muss.

Direkt um 12 geht es nämlich erstmal raus, auf eine Spaziergangs-, Eis- und Einkaufsrunde mit dem Lieblingsnachbarn. Das haben wir schon lange nicht mehr hinbekommen und tut sehr gut. Wir reden hauptsächlich über Arbeitsdinge, aber eher auf einer abstrakten Meta-Ebene als über konkrete Projekte, da wir ja nicht in der gleichen Firma arbeiten. Büro-Umzug, Homeoffice vs. Präsenzpflicht, Live-Meetings vs. Videokonferenz bzw. asynchrones Arbeiten sowie Remote-Kolleg*innen vs. Vor-Ort-Kolleg*innen beschäftigen uns aber beide – ihn als Geschäftsführer, mich als Kommunikationsmensch.

Kokos und Limone-Minze-Erdbeere

Wieder zuhause räume ich die unterwegs gekaufte Milch weg, füttere die Katzen, deren Näpfe morgens noch so voll waren, und setze mich wieder an den Schreibtisch. Der Nachmittag ist voll von Meetings:

  • 13:45 Ostfriesland, Dortmund und Warschau
  • 14:30 Südengland
  • 15:00 Paris
  • 15:30 kurze Pause zum Bearbeiten inzwischen eingetrudelter Nachrichten und Chats bzw. von ersten Action Items aus den Meetings
  • 16:00 Ostfriesland
  • 16:30-17:00 nochmal kurze Pause, weitere Absprachen
  • 17:00 Team-Meeting mit Nordengland, Südengland, Paris und Chicago

Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu und gehe wieder nach draußen, zum Copyshop, das sind etwa 20 Minuten Fußmarsch, evtl mache ich das jetzt öfter, wenn ich Druck- und Kopieranliegen habe, kostet Geld aber ist näher als das Büro. Dort drucke ich ein Projekt, an dem ich seit Freitagnachmittag gearbeitet hatte, 50 mal in bunt auf dickerem Papier aus – das hätten wir im Büro eh nicht gehabt. Auf dem Heimweg erreiche ich mein Schrittziel.

Gegen 7 esse ich Portion 2/3 des Topinambur-Gratins von gestern und telefoniere mit dem Liebsten. Der Tag war am Ende zwar voll und anstrengend, aber weniger stressig als die Nacht über befürchtet, evtl haben die beiden längeren Spaziergänge dazu beigetragen. Nach dem Auflegen überlege ich gerade, was ich mit dem restlichen Abend anfange, da meldet sich die Freundin und Kollegin aus Frankreich und Zack telefonieren wir mal wieder zweieinhalb Stunden – ist ja schon ein Weilchen her. Währenddessen schlafen die Katzen auf mir ein und so braucht es danach noch eine ganze Weile, bis ich aufstehe und mich bettfertig mache. Ich schlafe schnell und tief ein und schlafe seit langem mal wieder durch (wenn auch immer noch zu kurz)

03.03.2024 – Ausgleichssonntag

Kurze Nacht mit sechs Stunden Schlaf brutto und einer Unterbrechung zwischendrin. So langsam nervt es mich, vor allem, wenn ich die Gründe nicht verstehe, so wie heute. Als ich hellwach bin, ist es kurz vor halb 9, wirklich munter bin ich irgendwann später. Immerhin habe ich bis auf die Katzen sturmfrei und auch keine terminlichen Verpflichtungen. So kommt es, dass ich erst nach ausführlichen Herumliegen irgendwann nach 11 aufstehe und gegen 12 dann mit Frühstück auf dem Sofa sitze. Beim Aufstehen war noch Sonne auf dem Balkon und ich hatte Lust, direkt die Balkonsaison auch noch einzuweihen, aber als alles fertig ist, sind Wolken am Start und es ist direkt kalt.

Avocadobrot mit Koriander, zwei Eier im Glas mit Forellenkaviar, Flohsamen in Apfelsaft, frisch gepresster Mandarinen- und Limettensaft, Kräutertee

Nach dem Frühstück kommt dann der Reset für den Haushalt – zumindest das Nötigste davon. Küche aufräumen, Wäsche waschen, Wäsche zusammenlegen und verräumen, Pflanzen gießen, Bett neu beziehen, Katzenklo durchsieben, Müll runterbringen… Dann erstmal wieder ausruhen, bis es klingelt und der Hase mit einem Care-Paket von seiner Mama vor der Tür steht. Es gibt eine Packung Eier und einen Beutel voll Topinambur. Da der Hase auf dem Sprung ist, räume ich nur schnell die Sachen weg und ruhe dann noch ein wenig weiter aus. Die ganze Zeit über höre ich übrigens nebenbei den „Alles gesagt“-Podcast mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Spannende Sache.

Als der Podcast zu Ende ist, ist der nächste Schritt dann Folge zwei des „Sportprogramms für Vielsitzer“ [sic]. Nachdem ich in den letzten Wochen erst krank und dann renonvaleszent bzw. beschäftigt war, wird es Zeit weiter zu machen, damit ich bis irgendwann im Juni, wenn die Frist abläuft, alle zehn Folgen schaffe. Ganz schön anstrengend, vor allem die Aufwärmphase am Anfang. Danach kurz ausschwitzen und dann geht es gemütlich in die Badewanne zur ausführlichen Grundreinigung. Ich nehme extra kein Entspannungsbad, so dass ich mich hinterher direkt der Essenszubereitung widmen kann, statt einzuschlafen.

Nach dem Konsultieren verschiedener Topinambur-Rezepte fabriziere ich dann eine Mischung aus allem – ein Gratin mit Ei, Butter, Hafermilch- und Quarkresten (statt Sahne), Knoblauch, Safransalz, Muskat, Thymian und Grana Padano. Lecker und mit den bei Topinambur üblichen Nachwirkungen. Mindestens eine Portion ist noch für morgen da. Und dann halt noch die andere Hälfte der Tüte für irgendwann.

Wegen des verschobenen Tagesrhythmus gibt es das Essen schon kurz nach 18 Uhr, aber verdauungstechnisch ist das ja bestimmt nicht so falsch. Nach dem Essen ist es jedenfalls noch sehr früh und ich bin sonntäglich entspannt, also lese ich ein Kapitel weiter im Grass. Dann schaue ich einen Film und finde eher zufällig auf Netflix einen sehr guten – Nuovo Olimpo von Ferzan Özpetek. Ich schaue ihn im italienischen Original mit italienischen Untertiteln dazu und bin am Ende hochemotional, auch wenn ich natürlich nicht jedes Wort verstanden habe. Es ist dann gegen halb 10. Ich quatsche noch kurz mit dem nach Hause gekommenen Mitbewohner und mache mich dann bettfertig.

Um 10 liege ich und lese weiter bei Joan Didion. Zwischendrin fällt mir etwas ein, woran ich morgen bei der Arbeit denken muss, nehme mir mein Diensthandy und markiere eine Mail aus ungelesen, damit ich weiß, dass ich morgen damit befassen muss. Dummerweise fällt mein Blick dabei noch auf eine weitere Mail und ich öffne sie und lese sie und danach bin ich schon wieder ganz unentspannt und denke über mögliche Reaktionen meinerseits nach. Dies, während ich das ganze Buch noch zu Ende lese (bis halb 1) und während ich danach versuche, endlich einzuschlafen (bis gegen 1) und dann direkt am nächsten Morgen wieder, als ich viel zu früh aufwache. Grummel. Blödes Ende für einen eigentlich sehr tollen Sonntag.

02.03.2024 – Dreiviertel Programm am Samstag

Was für eine Nacht das war – das Teilzeitkind und ich vergleichen am Morgen unsere Wachzeiten und können uns erstaunlich gut erinnern, wann wer auf Klo war usw. Nach 23 Uhr einschlafen wachte ich gegen halb 3 kurz auf, schlief wieder ein, wachte kurz vor 5 wieder auf, weil das Teilzeitkind aufs Klo ging, dann ging ich aufs Klo und machte es wieder wach, dann kam um 5 die Mitbewohnerin nach Hause (und weckte es nochmal, ich hingegen war noch wach), dann wälzte ich mich ungefähr zwei Stunden herum, döste immer mal kurz weg, dann war wieder irgendwas – mal wusste ich nicht, wohin mit alle meinen langen Gliedmaßen, die nachts die merkwürdigsten Schmerzen auffahren, dann lagen der Liebste und ich so, dass er mich anatmete und ich wieder wach wurde und mich wegdrehen musste… Dann war das Teilzeitkind irgendwann endgültig wach und machte nebenan Kinderdinge und irgendwann muss ich dann nochmal eingeschlafen sein, bis der Liebste kurz vor 10 nach fast 11 Stunden ununterbrochenem Schlaf erwacht und Kaffee macht. Laut meinem FitBit sieht das ungefähr so aus:

Brutto 8:45h, Qualität „mäßig“

Ich hätte dann jetzt bitte danke mal wieder eine Nacht mit 7-8 Stunden einfach durchschlafen. Anyway… Da ich ja in den vielen Wachphasen schon den Großteil des Internets durchgelesen habe, reicht die Zeit bis zum Aufstehen für eine Tasse Kaffee und Bloggen locker aus, dann ist es Zeit, auf den Markt zu gehen.

Wir kaufen Obst, Brot, Aufstriche, Oliven, Tabouleh, Börek und Quarkbällchen. Am Eierstand ist eine ewige Schlange und da der Liebste eh nochmal in den Supermarkt muss, holen wir die Eier eben dort. Voll bepackt kommen wir nach Hause und decken kurz vor 12 den Frühstückstisch. Ich sage meinen AquaFitness um 13 Uhr ab – das wäre zu knapp und ich fühle mich auch nicht fit genug dafür, nach dieser Nacht Woche. Stattdessen essen wir gemütlich und überlegen, am Nachmittag irgendwann entspannt Schwimmen und in die Sauna zu gehen.

Nach dem Frühstück ist aber erstmal Zeit für Siesta. Der Liebste zockt am Schreibtisch, ich zocke im Bett, das Teilzeitkind macht über WhatsApp eine Challenge mit dem Nachbarskind, wer innerhalb von einer Stunde mehr Zimmer aufräumen kann – hat halt jede*r so seine Hobbies. Während der Siesta wird klar, dass hier heute niemand mehr Schwimmen geht. Ein längerer Spaziergang steht noch im Raum, aber je mehr der Tag fortschreitet, desto kürzer wird der gedanklich. Irgendwann wechselt der Liebste vom Spielen zum Aufräumen, ich halte hingegen weiter tapfer durch (und komme heute ordentlich weiter, nachdem ich die ganze Woche nur wenig dazu kam).

Dann kommt das Nachbarskind in persona vorbei und wir brechen alle gemeinsam auf zum Spazieren – zum Eisladen nämlich, der gestern die Saison eröffnet hat. Wir kommen unseren nachbarschaftlichen Pflichten selbstverständlich gerne nach und eröffnen unsererseits die Saison.

Nach dem Essen ziehen die Kinder ab Richtung Einkaufsstraße und der Liebste und ich gehen nochmal schnell etwas für heute Abend einkaufen. Wieder zuhause kocht der Liebste Abendessen und ich daddel weiter vor mich hin. Irgendwann kommt das Kindelein zurück – es hat einen Stift gekauft und Schleim gewonnen, ein guter Tag also – und ich packe so langsam meine Sachen zusammen. Schwer bepackt nehme ich die S-Bahn nach Schöneberg und bringe das gesammelte Kindheitslego von meinem Bruder und mir zu einer Freundin und ihren Kindern. Es lagerte die letzten Jahre bei meinem Bruder und kam jetzt beim Umzug wieder zum Vorschein. Das Teilzeitkind ist dem Lego-Alter schnell entwachsen und bei den Kindern meiner Freundin ist das alles gut aufgehoben.

Da dort alle krank sind, quatschen wir nur kurz ein paar Minuten an der Tür, dann fahre ich weiter mit der S-Bahn nach Mitte, steige um in die U-Bahn nach Friedrichshain (ärgere mich dabei über eine Schulklasse aus Spanien, wie so eine echte Berlinerin) und komme kurz nach 20 Uhr auf der Geburtstagsfeier meiner Cousine an.

Nach und nach trudeln die anderen Gäst*innen ein, darunter ihre beiden Schwestern und mein Bruder, und es wird ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen. Wie jedes Jahr aus Gründen über die Berlinale, über Arktis- und Antarktisexpeditionen, über das Leben mit und ohne Kindern, die aktuelle Politik etc. Mein Bruder und ich erzählten uns lang und breit wie stressig unsere letzten Wochen waren (Einerseits ja schön, dass ich damit nicht alleine bin und es also nicht nur an meinen Entscheidungen liegt, andererseits erschreckend, dass das wohl ein gesamtgesellschaftliches Problem ist.) und stießen dann darauf an, dass seine unnötig spannende Krankheitsgeschichte vom letzten Jahr jetzt ein Jahr her ist und er immer noch und wieder gesund da ist (letztes Jahr hatte er die Party wegen Bauchschmerzen absagen müssen wurde und am nächsten Tag notoperiert).

Kurz nach 1 mache ich mich langsam aufbruchfertig, dann gehe ich zur U-Bahn, warte mitten im Szenekiez 13 Minuten auf den Zug, dafür kommt die S-Bahn beim Umsteigen direkt. Kurz nach 2 bin ich endlich zuhause, bereite den Katzen noch schnell eine Bestechungsmahlzeit für möglichst langen Schlaf zu, lasse sie schnell nochmal auf den Balkon und gegen halb 3 ist dann endlich Schlafenszeit. (Spoiler: Weniger als sieben Stunden und mit mehreren Unterbrechungen)

01.03.2024 – Wie, schon März?

Ich wache auf (viel zu früh, yada yada) und ein Sechstel vom Jahr ist schon wieder rum. Time flies when you‘re having fun oder viel zu tun. Heute beginnt der Arbeitstag mit der monatlichen virtuellen Kaffeerunde, einem Überbleibsel aus Pandemiezeiten. Nach der ganzen Feierei am Dienstag bleibt die Runde verständlicherweise klein: Treffen sich vier Berliner*innen in einem Videocall und reden über ihre Essenspläne fürs Wochenende. Aber schee is scho. Es schließen sich längere Gespräche mit Lichtenberg und dann Ostfriesland an, bevor ich mich um die „normale“ Arbeit kümmern kann.

Darin heute:

  • Nutzungsdaten zum Intranet im Februar ziehen und aufbereiten
  • Betriebsjubiläen im März im Intranet veröffentlichen
  • Employee Appreciation Day zelebrieren und alle von ihren Mitarbeiter*innen nominierten Kolleg*innen dokumentieren und anschreiben (zwischendurch nudgen, damit die Kette nicht abbricht)
  • März-Newsletter für Diversity, Equity & Inclusion finalisieren
  • Frauentagsaktion für nächste Woche weiter vorbereiten (in Kollaboration mit Madrid und London)
  • Ein halbstündiges Interview mit einem Unternehmer in den Niederlanden führen und das Ergebnis hinterher trotz technischer Probleme weitestgehend aufbereiten und zur Abnahme schicken, drumherum Kommunikation mit Kollegen in Warschau
  • Abstimmung mit der Chefin zu einem Projekt, das jetzt überraschend doch wieder auf meiner To-Do-Liste gelandet ist
  • Wochenbericht schreiben

Zwischendurch gibt es die Risotto-Reste von gestern als schnelles Mittagessen und ich packe meine Tasche fürs Wochenende. Es dauert bis 18 Uhr, bis ich den Laptop zuklappen kann. Dann geht es mit zwei S-Bahnen (die U-Bahn wird heute bestreikt) nach Südberlin. Ich nutze die Fahrtzeit geschickt für meine Italienisch-Aufgaben und treffe dann den Liebsten und das Teilzeitkind beim Stammitaliener. Heute ist Gönnung angesagt.

Sarti Spritz ist inzwischen mein Go-To-Aperitivo
Lachs-Carpaccio, Rinder-Carpaccio, Vitello tonnato und Bruschetta
Spaghetti Frutti di Mare

Ja, die Meeresfrüchte sind ein Wagnis, aber wir verstehen uns mit den Betreibern des Restaurants so gut, dass sie mir schon nichts vorsetzen würden, was mich krank macht. Schön auch die Frage: „Willst Du das Original oder mit Tomatensauce?“ Die Antwort war wohl klar. Der Cattaratto dazu war leider ausverkauft, stattdessen wurde uns ein Ca‘ dei Frati empfohlen, der auch sehr lecker war. Während des Essens baut das leicht angeschlagene Teilzeitkind spürbar ab. Eine halbe Pizza bleibt übrig und Eis wird verweigert, also verzichte ich auch auf Dessert (nächstes Mal dann aber die Zabaione!) und wir bezahlen schnell und gehen heim. (Auf die traditionellen heimlichen Süßigkeiten zum Abschied verzichtet das Teilzeitkind natürlich keinesfalls, das Versteckspiel vor uns gehört schließlich zum Ritual und man kann ja nie genügend Süßigkeiten auf Vorrat haben). Auf dem zweiminütigen Heimweg kuschelt es sich dann aber zitternd an mich und verschwindet zuhause direkt im Bett.

Der Liebste und ich teilen uns noch den Rest Wein – er zockend am Schreibtisch, ich zockend im Bett und dann ist bei uns um 23 Uhr auch das Licht aus.

29.02.2024 – Das Gegenteil von gestern

Ich stecke in einer Früh-Aufwach-Schleife fest, schon wieder ist es erst kurz nach 6. Heute weckt mich das Geräusch zweier Katzen, die rechts und links von mir sitzen und sich synchron kratzen. Dann hören sie auf, legen sich wieder hin, schlafen weiter und ich bin halt wach. Wenigstens schaffe ich es so, meinen Vorsatz für heute einzuhalten. Eigentlich war der für gestern, aber gestern ging ja nichts. Heute aber stehe ich gegen 8 auf (nach einem ersten Check des Diensthandys und dem Beantworten erster Nachrichten), ziehe mich an, telefoniere mit dem Liebsten und gehe direkt nach Draußen.

Es ist kalt, gerade erst hat sich der Morgen aus den Minusgraden verabschiedet. Der Kaffeemann unten im Haus stellt die Stühle und Tische raus. Der Platz drinnen ist so gering, dass das Draußenmobiliar bei Wind und Wetter das ganze Jahr über draußen stehen muss, weil man sich sonst drinnen nicht bewegen könnte. Also wird es draußen hingestellt und wo es Außenmobiliar gibt, setzen sich Berliner*innen hin, das ganze Jahr über. So auch nachher wieder, wenn ich zurückkomme. Erst einmal laufe ich jetzt aber zu meiner Hausarztpraxis. Im Wartezimmer tragen alle Maske, ich auch. Die Sprechstundenhilfe reagiert verwundert über mein Ansinnen, mir meine Ausweiskopie von der Hausärztin beglaubigen zu lassen, zieht aber meine Karte durch und bucht mich ein.

Ich nutze die Wartezeit und arbeite auf dem Handy weiter, bis ich aufgerufen werde. Die Ärztin ist ebenfalls verwundert, aber hilfsbereit. Sie versteht gut, dass ich nicht nochmal einen Bürgeramtstermin angeln möchte für diesen Vorgang. Am Ende wünschen wir uns beide, uns hoffentlich nicht so bald wieder zu sehen und noch einen schönen Tag. Auf dem Heimweg mache ich noch Besorgungen in Apotheke und Drogeriemarkt. Die Sonne ist rausgekommen und natürlich sitzen diverse Menschen vorm Café, als ich ankomme. Ich aber nicht, ich mache oben den Katzen und mir Frühstück (Müsli, Apfel, Tee) und sitze dann ab 10:00 am Schreibtisch.

Jetzt widme ich mich der Auswertung der Umfrage zum Internationalen Tag der Muttersprache [sic] die ich gestern geschlossen habe. Erst müssen Daten bereinigt werden (es gab viele Freitextfelder), dann kann ich rechnen, Grafiken erstellen etc. Ich komme auf ein paar schöne Ergebnisse, die in den nächsten Tagen noch intern und extern verwurstet werden. Wenn das geschehen ist, kann ich hier etwas davon teilen (wenn ich es nicht vergesse). Unterbrochen wird diese Arbeit durch einen Call mit Paris, bei dem ich eine Kollegin durch einen Prozess auf unserer Corporate Website führe und merke, dass ich doch ein bisschen mehr Ahnung von HTML und allgemein Technik habe, als der Durchschnitt. Das mal mental notieren für die Zukunft.

Nach dem Call mache ich meine Umfrageergebnisse schön und teile sie mit den Kolleginnen, die mit mir an der weiteren Verwurstung arbeiten sollen. Außerdem wähle ich zwei Teilnehmerinnen für die weitere Berichterstattung aus und lose aus allen Teilnehmenden aus, wer einen und welchen der ausgelobten Preise erhält. Dann ist schon wieder Meeting – mit Biesdorf, Lichtenberg, Charlottenburg und Ostfriesland. Das zieht sich eine gute Stunde und dann ist es schon 14 Uhr, Zeit für Mittagspause.

Ich scanne meine Ausweiskopie ein und schicke sie per E-Mail an die nervige Versicherung, dann tue ich sie auch noch in einen Briefumschlag und trage diesen zur Post. Am frühen Nachmittag muss ich hier wenigstens nicht anstehen und kann ihn direkt als Übergabe-Einschreiben loswerden. Unglaublich, was für Aufwand und und Kosten aus dem Kündigen eines einzigen Versicherungsvertrags entstehen. Ich hoffe, diesmal kommt alles an und das das Thema dann endlich abgeschlossen wird, bin aber nur verhalten optimistisch. Natürlich werde ich für den Freundeskreis Spannungsbogen weiter berichten. Mein Schrittziel habe ich jedenfalls heute damit auch schon erreicht.

Wieder zuhause habe ich ein wenig Zeit, weil ein für den Nachmittag geplanter Call auf morgen verschoben wurde. Ich kann also an verschiedenen Projekten weiterarbeiten und springe munter hin und her, wenn ich bei einem nicht weiterkomme oder keine Lust mehr habe. Dazu höre ich laute Musik und knabbere Fenchelsamen-Taralli. Um 18 Uhr mache ich Feierabend und erstmal noch eine Runde Haushalt – sauberes Geschirr verräumen, Katzenbrunnen auffüllen, Katzenklo durchsieben, neues Katzenstreu aus dem Keller hochholen, Müll wegbringen… Jetzt fühlt sich das Haushaltsthema wieder etwas mehr im Griff an – ich war ja gefühlt seit Wochen entweder nicht da, oder am Schreibtisch, oder malade im Bett.

Und dann wird gekocht. So richtig. Und kleinteilig, nach diesem Rezept aber leicht abgewandelt, weil keine Schalotten da (mehr Knoblauch!), keine Hühnerbrühe da (Gemüse ist auch gut), kein Parmesan da (aber Grana Padano) und weil ein halber Teelöffel Fenchelsamen ja ein Witz ist (bei mir aus dem Handgelenk eher zwei). Das dauert alles seine Zeit, aber das tut auch gut und nebenbei wird die Küche weiter aufgeräumt.

Nach dem Essen telefoniere ich kurz mit meinem Bruder und dann schaue ich die letzte Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku, durch Patagonien und Feuerland bis Ushuaia – der einzige Teil der Strecke, den ich aus eigenem Erleben kenne. Der Perrito-Moreno-Gletscher sieht auf Luftbildaufnahmen noch beeindruckender aus als von der Besuchertribüne aus (zumindest in meiner Erinnerung von vor 25 Jahren). Ich hätte dann jetzt auch Lust auf so einen ewig langen Roadtrip (sie waren über 100 Tage unterwegs), aber bitte danke ohne die Fernsehkameras und das ständige Reflektieren vor der Kamera dabei. Ich würde aber versprechen zu bloggen! Sagt Bescheid!

Es ist dann schon nach 22 Uhr, ich mache noch schnell Italienisch mich dann langsam bettfertig, halb 11 liege ich. Der Mitbewohner geht nochmal kurz los, etwas einkaufen, seine Heimkehr bekomme ich schon nicht mehr mit.

28.02.2024 – Einfach liegen

Zack, da ist es wieder, ein paar Tage voller Aktivität und schon liege ich einen Tag flach, danke Pandemie! Heute dann auch noch mit ordentlichen Kopfschmerzen zur allgemeinen Erschöpfung. Natürlich habe ich auch wieder zu wenig geschlafen und war nach Bett um 1 und irgendwann Klo zwischendurch schon wieder vor 7 wach. Folgerichtig also heute Bett-Office, damit geht es einigermaßen gut. Ab 9 habe ich also den Blick auf dem Diensthandy, kurz danach auch den Laptop dazu am Start.

Zum Glück ist meetingfreier Mittwoch, das erleichtert alles ein wenig. Und große Baustellen gibt es heute auch nicht. Stattdessen an verschiedenen Projekten jeweils Kleinigkeiten gemacht. Eine Presseanfrage muss beantwortet werden, das erfordert Koordination mit verschiedenen Fachabteilungen. Ein paar Dinge müssen im Chat besprochen und abgestimmt werden. Eine E-Mail an alle Manager*innen zu einem neuen Prozess muss herausgeschickt werden. Irgendwo zwischendrin habe ich dann genug Hunger, um mir ein Müsli mit Joghurt und Orange zu machen, einen Ingwer-Kurkuma-Tee zu kochen und bei der Gelegenheit auch die Katzen zu füttern und ein paar Worte mit dem Mitbewohner zu wechseln. Da ist es nach 11.

Danach bastle ich weiter an zwei Texten herum, einer auf Englisch, einer auf Deutsch, helfe der Kollegin in Frankreich mit einem technischen Problem im Backend, mache ein Update auf unserer Firmenwebseite und dann ist erstmal nichts wirklich Dringendes mehr zu tun. Ich beschäftige mich eine Weile mit dem Thema „Essen“ und beschließe schließlich, wieder etwas zu bestellen. Heute mag ich nicht aus dem Bett. Es werden dann Köttbullar mit Gurkensalat und zum Nachtisch Milchreis mit Apfelmus – alles in vegan.

Bisschen viel Sauce über die Bullar gekippt, aber sie sind da drunter!

Um 18 Uhr schließe ich noch das Formular für eine Umfrage, die wird morgen ausgewertet. Dann ist auch ganz offiziell Feierabend. Ich wechsle vom Dienstlaptop zum Privatlaptop und schaue die dieswöchige Jon-Stewart-Folge der Daily Show vom Montag, die Jubiläumsfolge von Seth Meyers mit Gast Joe Biden von gestern (der alte Mann ist witzig!) und dann wechsle ich zu „The West Wing“ und beginne die sechste Staffel. Es geht um Gaza und Israel – nichts mit Eskapismus heute. Es guckt sich so weg und dann ist es plötzlich schon 23 Uhr. Schnell Zähne putzen und Licht aus, damit morgen wieder mehr Energie da ist!