04.08.2026 – Woandersoffice

Bei einem der vielen Zwischenwachs der Nacht den Sonnenaufgang mitbekommen.

Beim endgültigen Aufwachen mache ich mir erstmal einen Chai aus schwarzem Tee, Ingwer, Fenchelsamen, Kardamom, Zimt und Zimtblättern, Schwarzem Pfeffer, Sternanis, Erbsenmilch und Zucker und trinke den zum morgendlichen Reboot.

Dienstag ist Bürotag, aber das Büro ist nach Wasserschaden immer noch nicht so gemütlich und so trifft sich ein Teil der Meute schon die dritte Woche in Folge (die ersten beiden Male habe ich verpasst) bei jemandem zuhause. Heute hat eine Kollegin in Schöneberg geladen, ich mache mich also mit einer Aprikose im Bauch und dem Rest Chai im Becher mit zwei S-Bahnen auf den Weg.

Zum Co-Working mit drei Kolleginnen (und dem Partner der Gastgeberin) haben wir dienstagstraditionell aufgefahren. Es gibt Croissants, Tomaten-Focaccia, Käse-Ei-Gebäck, Trauben, Erdbeeren, Blaubeeren und Gurkensticks, außerdem sehr guten Kaffee mit Latte Art, vom Gastgeber serviert.

Wir sitzen aufs Wohnzimmer verteilt, gehen unseren Aufgaben nach, halten zwischendurch Schwätzchen und wer einen Call hat, zieht zwischenzeitlich auf den Balkon, in die Küche oder ins Schlafzimmer um. Seit der Pandemie haben scheinbar wirklich alle Pärchenwohnungen mindestens zwei professionelle Arbeitsplätze fest installiert. Also zumindest die, deren Bewohner*innen klassische Bürotätigkeiten (und keine oder wenige Kinder) haben.

In der Mittagspause klappen wir unsere Laptops zu, essen einfach weiter und erzählen über Dies und Das.

Nach meinem letzten Call verabschiede ich mich und treffe den Liebsten auf ein Eis in Südberlin – wo ich doch schon fast in der Gegend bin.

Wir verabreden uns so richtig für Donnerstag und dann fahre ich bei wirklich warmem Wetter zurück in den Pberg. Dort angekommen werde ich Halloumi in den Speisefön und mache aus dem Rest Kartoffeln und einer Spitzpaprika einen Salat dazu.

Dann Sommerabend auf dem Balkon, ich lese The Berry Pickers zu Ende (wirklich empfehlenswert!) und fange The Blue Castle an, der unter Lucy Maud Montgomery Kennerinnen als bester ihrer Romane bekannt ist. Ist aber nicht so spannend wie die Beerenpflücker*innen, deshalb halte ich heute nicht mehr lange durch und gehe stattdessen früh ins Bett, in der Hoffnung, ein paar gleichzeitige Schlafphasen mit Noosa unterbringen zu können als in den letzten Nächten.

03.08.2026 – Wochenanfang

Langsam habe ich den Verdacht, dass Noosa egal ist, ob ich nachts schlafe. Sie schläft ja schließlich tagsüber und das muss reichen. Dass ich wenn sie schläft, versuche, sie nicht zu stören oder gar zu wecken, scheint ihr kein ausreichender Ansporn zu sein, es andersherum auch so zu tun. Möglicherweise ist meine Herangehensweise da zu subtil?

Jedenfalls hat die Nacht wieder einige Unterbrechungen und ist dann schon deutlich vor dem Wecker halb 7 endgültig vorbei. Morgendlicher Reboot und dann ab ins Draußen, denn ich habe vor der Arbeit noch einen Behördentermin. Auf dem Weg dahin gibt es eine schnelle Aprikose auf die Hand und einen Gewürztee to go. Ich bin zu früh in der Behörde aber die Gesprächspartnerin hat schon Zeit und so bin ich trotz ausführlichem Gespräch schon fünf Minuten nach Termin wieder auf dem Heimweg und kann unterwegs noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann trotzdem mit Frühstück – Mango-Matcha und Müsli mit Pfirsich am Schreibtisch sitzen.

Weil ich morgens unterwegs sein würde, hatte ich gestern schon die E-Mails durchgesiebt und kann nun recht entspannt in den Arbeitstag und die Abarbeitung starten. Erst Recht, als ein Meeting um 11 wegen Krankheit der Gesprächspartnerin abgesagt wird. Ein angenehmer Montag also, mit nur einem einzigen Meeting um halb 2. Ich brauche aber eine Mate, weil ich sonst fast einschlafe.

Nach dem Meeting Mittagspause mit Pellkartoffeln, Quark und Leinöl. Wenn ich schon nicht in Kanada sein kann, kann ich wenigstens die Vorteile von zuhause genießen!

Der Nachmittag ist dann unspektakulär. Zum Abendessen mache ich mir ein BLT-Sandwich aus dem letzten Rest Baguette und mit veganem Bacon aus dem Speisefön, der lustig im Fön herumfliegt, wie ich zwischendurch feststelle. Hinterher also gründliche Reinigung, aber schmecken tut es! Dazu gibt es Federweißer, der mich vorhin im Supermarkt angelacht hat. Noch ist er sehr wenig vergoren, das kommt meinem Histaminspiegel natürlich entgegen, ist geschmacklich aber noch ausbaufähig.

Danach will ich lesen und mache es mir mit dem Widerstandsbuch im Liegestuhl bequem. Dabei schlafe ich aber schon wieder fast ein, also gebe ich nach und mache einen frühabendlichen Powernap. Hinterher kann ich leider nicht in dem Buch weiterlesen, sagt Noosa.

Also schnappe ich mir den E-Reader und einen Gin Tonic und lese halt das andere Buch. Das ist so spannend, dass ich einfach immer weiterlese, auch nachdem ich gegen 11 vom Balkon ins Bett gewechselt bin.

Da das Buch recht kurz ist, denke ich fast, ich könne es heute noch schaffen, aber gegen 1 fallen mir dann doch wieder die Augen zu und ich verschiebe den Rest auf morgen.

02.08.2026 – Sonntagsdinge

In letzter Zeit öfter beim Datum vertippt und dann darüber sinniert, wie es wohl 2926 hier aussehen wird und ob dann noch jemand da sein wird, darüber zu schreiben. Nun, vermutlich zumindest nicht in diesem Blog.

Der Sonntag beginnt mit endgültigem Aufwachen zwischen 9 und 10 und nach Leerlesen des Internets mit Frühstückszubereitung in ausführlicher Form, Einnahme auf dem Balkon.

Letztes Walnussbrötchen mit Brombeerkonfitüre bzw. Gouda, Frühstücksei mit Kaviarcreme und Schnittlauch, Nektarinen und Aprikosen, Gewürztee mit Ingwer, Iced Maple Latte, Ananassaft

Dazu der Rest vom morgendlichen Reboot, also Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel und das Liebstentelefonat.

Dann kruschel ich ein wenig in der Wohnung herum, erledige Dinge von der To-Do-Liste, höre Podcasts und Radio… Eine Zeitlang sitze ich am Schreibtisch und mache ernsthaft produktive Dinge zur Vorbereitung der Woche und dann ringe ich mich zu einem Sonntagsspaziergang durch.

Mit einem Weg-Ingwertee geht es quer durch den Pberg, mal nach der allgemeinen Draufness des Kiezes gucken. Seit heute dürfen die Parteien Plakate für die anstehenden Wahlen aufhängen. Die ersten hatte ich schon gestern gesehen, aber darüber hüllen wir gnädig den Mantel des Schweigens. An der Laterne vorm Haus hängt als erste die Kandidatin der Linken. Ansonsten die erwartbare Mischung aus viel Grün, viel Links, viel SPD, ein bisschen BSW und je näher ich den teuren Vierteln komme auch einiges an CDU und Volt. Sogar ein paar FDP-Plakate. Bisher nichts von den Blauen, aber dafür müsste ich wohl meine Schritte nur ein bisschen nach Norden oder Osten lenken, ein-zwei Blocks nur. Witzige Situation: Im Kollwitzkiez zusehen, wie ein SPD-Kandidat sein eigenes Antlitz an der Laterne anbringt.

Ansonsten ist die Stadt vergleichsweise leer, es ist mitten in den Sommerferien, viele Familien verreist, die Tourist*innen eher in der historischen Mitte und den Partybezirken unterwegs. Ich komme an einer wohl bestückten Brombeerhecke entlang, aber so mitten an der Straße… Auch die Mirabellenbäume hängen ordentlich voll. Ich bin ja sonst um diese Jahreszeit meist selbst verreist, seit es das Teilzeitkind in meinem Leben gibt. Ganz spannend, den August mal zuhause zu verbringen, wie früher!

Wieder zuhause gibt es den Rest Pasta alla Norma vom Freitag (aufgewärmt im Speisefön) und Weißkopfseeadlerbilder von den Eltern aus dem Haus in der Bucht. Unglaublich, wie mein Kopf schon wieder im Alltag angekommen ist, ich war da doch eben auch noch!

Ich schnappe mir das nächste Buch vom SuB, das der Indiejunge gerade nochmal empfohlen hat. Die Handreichung „liest sich weg wie ein Podcast“ stimmt.

Zwischendurch ein Mango-Eis, das dann doch noch den Abendbrotappetit anregt. Ich überbacke Baguette mit Gouda und esse Tomate dazu.

Beim Übergang vom Sofa aufs Bett lasse ich das dicke Papierbuch liegen und beginne auch noch ein Buch von digitalen SuB, da fallen mir dann aber schon ziemlich früh die Augen zu. Morgen also wieder Arbeitswoche.

01.08.2026 – Monatsanfang

Der August beginnt mit ordentlich Regen, schon mitten in der Nacht. Das höre ich, weil ich wieder eine sehr stückige Nacht habe, Noosa sei Dank. Aber wenigstens kühlt es jetzt ab. Beim Frühstück auf dem Balkon (der ist überdacht) sind es 19 Grad.

Ich lasse es auch heute noch ruhig angehen, auch wenn der Jetlag sich in Grenzen hält – mein Biorhythmus fühlt sich nicht verschoben an, Licht und Dunkel passen ziemlich gut zu den Uhrzeiten (nur dass sie im Vergleich zu Nova Scotia breitengradsbedingt leicht versetzt sind, die Sonne geht hier wieder später unter, was sehr angenehm ist). Ich bin nur einfach generell sehr müde, tageszeitunabhängig. Das wäre sicherlich alles anders (im Positiven wie im Negativen), wenn ich nachts einfach durchschlafen würde. Frage mich in dem Zusammenhang, wie das Vielreisende machen, etwa amerikanische Präsidenten oder Berufspendler zwischen Berlin und L.A. Haben die überhaupt einen natürlichen Biorhythmus oder werden die mit Uppern und Downern je nach Bedarf durch die Tage gemanagt?

Anyway. Ich mache heute wieder ein paar produktive Schreibtischdinge, allerdings nicht am Schreibtisch, sondern bequem auf dem Bett. Ansonsten erlaubt mir das Herbstwetter, ein gemütliches Bad zu nehmen, das ist ja auch schön und freut auch meine Erkältung.

Am Nachmittag und Abend dann sogar Draußenaktivität mit vielen Schritten – ich gehe etwas im Drogeriemarkt ausdrucken, laufe von da ein Stück zur Straßenbahn, fahre nach Friedrichshain, laufe störungsbedingt noch ein Stück und dann die fünf Treppen hoch zu Brüderchen und Freundin. Dort erstmal erzählen, dann Dinge erledigen, dann mehr erzählen mit kategorischem Aperitif, dann gehen wir indisch essen, dann fahre ich zurück in den Pberg, laufe dort nochmal ein ganzes Stück nach Hause.

Drumherum viel Kulturkonsum – ich höre heute die aktuellen Podcastfolgen von Alles gesagt? mit Maren Kroymann (sehr zu empfehlen!) und Und was machst Du am Wochenende? mit Kevin Kühnert. Außerdem lese ich dann doch endlich A Sweet Sting of Salt von Rose Sutherland zu Ende, das gegen Ende mit dem Big Reveal nochmal eine völlig neue Fahrtrichtung aufnimmt und vom Historienroman zum magischen Realismus/Volksmärchen wird. Kann man sich allerdings alles ganz gut vorstellen, wenn man die letzten zweieinhalb Wochen an eben dieser Küste verbracht hat. Eigentlich hatte ich mir das Buch nach den beiden Podcasts und schon ziemlich spät abends zum Einschlafen vorgenommen, aber dann ist es plötzlich halb 3 und das Buch vorbei. Vielleicht ist doch ein kleines bisschen Jetlag im Spiel?

31.07.2026 – Urlaubsende, Monatsende

Noosa hat mich wirklich sehr vermisst und bedenkt mich die ganze Nacht über mit sehr viel Liebe, die leider sehr viele Krallenberührungen beinhaltet, schon vor Ende der Nacht sind meine eben verheilten Arme wieder mit genauso viel Kratzern verziert wie vor dem Urlaub. Dem Schlafen tut das natürlich auch nicht gut, ebenso wie die Immer-Noch-Erkältung und die Hitze. Dass der Liebste gegen 9 anruft, um mich vor zu langem Schlafen wegen Jetlag zu bewahren, tut sein Übriges. Bin leicht unausgeglichen heute Morgen. Dann morgendlicher Reboot bei einem Iced Matcha Latte und hinterher gemütliches Frühstück drinnen. Ich mache zwei neue Marmeladen Konfitüren auf – Mango-Maracuja aus Cousinenproduktion und Brombeere aus der Herstellung der Ex-Hasenschwägerin, beide sehr lecker.

Für den letzten Urlaubstag habe ich eine Mischung aus To-Do- und Not-To-Do-List. Auf letzterer stehen bürokratische Dinge aus dem Poststapel und überhaupt alles, was mit dem Schreibtisch zu tun hat. Und Staubsaugen. Auf der To-Do-Liste stehen Dinge, die fürs aktuelle Wohlbefinden essenziell sind (Bett neu beziehen, Müll runterbringen, Balkon wieder wohnlich machen, Katzenklo durchsieben, Essen machen), Getränkebestellung und Kulturkonsum.

Ich erledige den unangenehmen Teil zuerst und laufe dabei den Bauarbeitern von gegenüber über den Weg – zwei davon tragen fragwürdige Symbole als Schmuck oder T-Shirt, der dritte sieht neutral aus und grüßt freundlich. Schwierige Zeiten.

Dann ist es schon wieder Zeit fürs Mittagessen, ich mache eine Version der Pasta alla Norma, frittiere die Auberginenwürfel dabei allerdings im Speisefön und habe keinen Ricotta salata, daher mit Parmesan. Schmeckt auch.

Danach lese ich endlich in meinem Buch weiter. Lesetechnisch war der Urlaub bisher kein großer Erfolg. Ganz am Anfang habe ich ein Bibliotheksbuch ausgelesen, dann ein weiteres E-Book angefangen. Aber spätestens als wir zum ersten von drei Roadtrips aufgebrochen sind, war es mit der Lesemuße vorbei. Lesen kommt also auf jeden Fall auf die To-Do-Liste für die nächsten Wochen, der E-Reader ist gut gefüllt und der SuB sind schon zwei SuB.

Bald fallen mir aber die Augen zu und ich erlaube mir einen Mittagsschlaf, der Katzenwecker weckt zuverlässig nach einer halben Stunde, so muss ich mich gar nicht um den Jetlag sorgen. Bald darauf kommt die Getränkelieferung an – sechs leere Getränkekisten weg, drei volle her (Mate, Tonic, Sprudelwasser zum Mixen). Dann mache ich mir Abendbrot und schaue die neue Staffel Kaulitz & Kaulitz.

Dabei interessieren mich natürlich besonders die Ausflüge in die alte Heimat in und um Magdeburg, was sie von früher erzählen und wie es mit den Freund*innen von damals läuft. Ich war ja als Kind nicht so ein Paradiesvogel wie die Beiden, aber ich habe auch in meiner alten Heimat zumindest einen Vorgeschmack bekommen, wie es hätte sein können, wenn… Auch spannend, was dort alles schon abging, als die Beiden im Teilzeitkindalter waren. Da auch mal genauer zuhören, wenn das Teilzeitkind erzählt…

Die letzte Folge ist dann erst halb 2 vorbei, upsi. Jetzt aber schnell schlafen!