Ist der Tag heiß, schläft Noosa viel und dreht dafür nachts auf. Verständlich, aber gähn! Zum Glück ist es ein Homeoffice-Freitag und der Stress hält sich in Grenzen. Schon kurz nach 8 sitze ich mit Iced Mango Matcha Latte und Müsli auf dem Balkon und beende den morgendlichen Reboot dort.

Dann geht es an den Schreibtisch. Freitags ist die Branche schon mit einem Fuß im Wochenende, der einzige Kontakt zu Kolleg*innen findet am späten Nachmittag statt, als Mexico aufsteht, ansonsten kann ich ruhig vor mich hinwurschteln. Dafür kriege ich nebenbei eine ganze Menge Dinge erledigt – das letzte Geburtstagsgeschenk für den Liebsten kommt an und all seine Geschenke werden verpackt. Ich koche die neu gekauften Silikontrinkhalme fürs Dolce Vita aus und bereite aus Pistazien- und Vanillekeksen und Butter den Boden für einen Kuchen vor, der dann im TK landet – Fertigstellung am Sonntag!

In der Mittagspause esse ich die Reste der Zitronenpasta von gestern und geselle mich dann für ein Schläfchen zu Noosa aufs Sofa. Am Nachmittag ärgere ich mich dann über eine dubiose Firma aus Zypern, für deren Service ich neulich wissentlich 1,99 € bezahlt habe. Unwissentlich habe ich damit ein Abo abgeschlossen. Ich werde zwar darauf hingewiesen, dass ich als EU-Bürgerin das Recht habe, 14 Tage lang von dem Vertrag zurückzutreten, muss aber dem Kundenservice mehrere Tickets lang erklären, dass ich wirklich zurücktreten will und keine vergünstigten Angebote haben will. Das scheint mir nicht ganz Compliance-konform zu sein, was sie da machen. Am Ende jedenfalls wird der Vertrag aufgelöst und ich bekomme die erste monatliche Rate zurück.

Nach Feierabend gibt es ein schnelles, hitzekonformes Abendbrot mit Käsebrot, Brot mit Ei, Kaviarcreme und Schnittlauch und Möhren mit den Resten von Quark und Smetana und Balkonkräutern als Dip. Dann heißt es anziehen für einen heißen Sommerabend in einem Club, mit nur kleiner erlaubter Tasche und langem Ausblick. Ich entscheide mich am Ende für Rock, T-Shirt und Sneaker und einen Schal, den ich für die Rückfahrt in meine Shoulder Bag stopfe.
Bei 30 Grad laufe ich los zur S-Bahn. Die ist so angenehm klimatisiert, dass ich fast vergesse, auszusteigen. Dann hole ich mir eine Weg-Spezi und laufe vom Ostkreuz zum Astra. Dort treffe ich auf den Liebsten und tausche die Spezi gegen ein erstes (alkoholfreies) Bier. Wir sitzen erstmal draußen und quatschen und gehen dann erst hinein, als die erste Band, The Frank and Walters bereits angefangen hat. Schöne Musik, ein bisschen Strom und Tempo dran hätte ihr aber gut getan.

In der Umbaupause wird drinnen tanzbare Musik aufgelegt, draußen beginnt das Public Viewing des Spiels USA-Australien. Es sind einige in Australien-Trikots im Publikum, das 11-Freunde-WM-Quartier ist eher kein Ort für Amerikaner*innen, auch wenn am Ende ungefähr sieben Zuschauende über den Sieg der Amis jubeln. Die anderen zweihundert oder so sind eher still, die Stimmung klar.
Bis dahin haben wir aber schon die zweite Band gesehen, Temmis, die ziemlich speziell sind. Die Musik gefällt, der Gesang ist nicht so meins, den Texten merkt man an, dass die Musizierenden rund 20 Jahre jünger sind als ich. Dafür legt der Sänger aber eine Attitüde irgendwo zwischen Jim Morrison, Mick Jagger und Ian Curtis an den Tag. Insgesamt eine wilde Mischung, die sich mit einem Zitat des Liebsten gut zusammenfassen lässt: „Die Musik klingt so, wie der Gesang aussieht.“

Während des Auftritts treffen wir sowohl die Schöneberger Freundin als auch den Mann der besten Freundin, die die Band beide auch eher so mittel finden.

Die dritte Band ist dann Julia Effekt aus Wien, auch hier wieder mit Gesang, der mir nicht so zusagt und insgesamt Musik, die runterzieht. Der Liebste vergleicht sie mit dem Energy Vampire aus What We Do In The Shadows. Wir gehen also nochmal raus, essen Pommes, trinken noch ein Bier und gucken uns das Ende des Fußballspiels an.
Dann folgt allerdings der Höhepunkt des Abends, das Konzert von Shout Out Louds. Letztes Jahr bin ich ja vor allem wegen ihnen aufs Immergut gefahren und lag dann während ihres Auftritts krank und fiebrig im Zelt. Davor habe ich sie 2018 in Magdeburg gesehen und noch davor 2007 auf dem Immergut, kurz nachdem ich ihr Album Our Ill Wills fürs Radio rezensiert habe und mich fürs erste Anhören dafür aufs Dach des Senders gesetzt hatte. Die Debütsingle daraus, „Tonight I Have To Leave It“ ist immer noch mein Go-To-Song, wenn ich spontan gute Laune brauche.

Das Konzert ist genauso toll wie erwartet, auch wenn die Musiker*innen sich an einigen Stellen verzettelt haben – das Publikum freut sich einfach, dass sie noch da sind und die Band noch da ist und singt und feiert mit, als wäre es höchstens 2007. So, so schön! Gegen 1 Uhr ist Schluss und ich fahre mit zwei S-Bahnen zurück in den Pberg, füttere Noosa, liege gegen 2 mit ihr im Bett und freue mich auf die Fortsetzung morgen.