Sehr sehr kurze Nacht, ich wache aus Tiefschlaf auf und stelle fest, dass ich eine gute Stunde geschlafen habe und es erst halb vier ist. Noosa hat es sich am Kopfende breit gemacht und Nimbin liegt wie ein Häufchen Elend am Fußende. Ich versuche mich möglichst wenig zu bewegen um ihn nicht aus Versehen zu treten und mache Kreuzworträtsel oder höre Hörbuch, um vielleicht nochmal einzuschlafen. Keine Chance. Irgendwann starte ich in den morgendlichen Reboot, irgendwann später ist der Liebste wach und wir telefonieren. Irgendwann noch später fragt der Hase, ob er früher kommen kann als geplant und dann stehe ich auf.

Um etwas im Magen zu haben gibt es italienisches Frühstück – Kaffee und Kekse. Die ganze Zeit ist Nimbin auf dem Bett geblieben, jetzt kommt er zu mir, lässt sich ausgiebig streicheln, springt mir auf den Schoß, läuft immer wieder in die Küche und frisst so viel wie die ganzen letzten zwei Wochen nicht – wohl die Folgen von Betäubung und Spritze gestern. Noosa kommt auch kuscheln und kurz fühlt sich alles normal an.
Dann kommt der Hase an und wir sitzen gemeinsam auf dem Balkon und reden. Nimbin kommt dazu und springt auch ihm auf den Schoß. Noosa ist seit dem Klingeln unterm Bett versteckt, alles wie immer also. Es ist so surreal. Kurz vor 11 dann kommt die Tierärztin, wir reden nochmal, auch mit ihr beschäftigt sich Nimbin und dann geht es los… Als sie ihre Sachen auspackt, wird Nimbin unruhig und wechselt vom Wohnzimmer auf den Balkon. Wir entscheiden, dass das eh ein guter Ort ist.
Ich nehme ihn auf den Schoß und so kann er die Betäubungsspritze bekommen. Dann läuft er noch ein bisschen wackelig herum und liegt dann. Wir legen ihn auf seine Lieblingsdecke und streicheln ihn, während die Tierärztin die andere Spritze aufzieht.
Es dauert ein paar Minuten, bis die Tierärztin keinen Herzschlag mehr feststellen kann. Das Wort Katzenhimmel fällt, wie auch gestern am Telefon und später in der Tierarzt-App. Ich begleite die Tierärztin zur Tür und dann setzen der Hase und ich uns erstmal aufs Sofa und veratmen was passiert ist. Als Nächstes wäre es wichtig, dass Noosa rauskommt, ihren toten Bruder sieht und an ihm schnuppern kann, um zu begreifen, dass er wirklich weg ist. Damit das möglich ist, geht der Hase erst einmal weg. Ich hocke auf dem Sofa, aber Noosa kommt nicht raus. Ich lege mich aufs Bett, aber Noosa kommt nicht raus. Nach einer Stunde setze ich mich auf den Balkon in den Sessel, mit Tee und Decke und Noosa kommt dazu.
Sie macht erst einen großen Bogen um ihren Bruder, aber nach dem zweiten oder dritten Anlauf schnüffelt sie doch kurz und verzieht sich dann wieder unters Bett. Ich sage dem Hasen Bescheid, der bald darauf wieder kommt. Gemeinsam machen wir Nimbins Körper für den Transport fertig und dann geht es für ihn samt Lieblingsdecke zurück in die alte Heimat, der Hase wird ihn in seinem Garten begraben.
Ich lege mich mit meiner Lieblingsdecke aufs Bett, sage dem Internet Bescheid, dass Nimbin gegangen ist und telefoniere mit dem Liebsten, der ausgerechnet heute Vormittag einen Termin hatte – war aber vielleicht so die bessere Variante für alle Beteiligten.
Das Internet enttäuscht nicht, es trudeln den ganzen Rest des Tages Kondolenznachrichten für mich und Noosa ein. Nach einer langen Weile kommt Noosa wieder unterm Bett hervor, läuft etwas ungläubig durch die Wohnung, findet ihren Bruder nicht und kommt dann zu mir kuscheln. Sie ist jetzt ein Einzelkatz und weiß hoffentlich bald ihre Position als neue Chefin der Wohnung zu schätzen – auf eine Art war sie es jetzt ja schon eine Weile. Dann geht sie erst mal wieder in ihren Safeplace unterm Bett und ich lege mich in die Badewanne.
Als ich wieder rauskomme, stelle ich eine Waschmaschine an und bestelle mir Spaghetti Carbonara. Erste richtige Mahlzeit seit… gestern früh? Vorgestern Abend? Das Klingeln des Lieferboten vertreibt Noosa leider wieder vom Bett, aber nicht für lange.

Während ich noch beim Essen bin, klingelt ein Paketbote. Bald darauf klopft das Nachbarskind und holt die Pakete ab. Keine Ruhe für Noosa.
Immer wieder läuft sie durch die Wohnung, schaut an den Lieblingsplätzen von Nimbin vorbei, schnüffelt am Bettende, wo er zuletzt so oft gelegen hat… Und dann wird sie ganz aufgeregt. Um sie zu beruhigen setze ich mich mit ihr nochmal aufs Sofa und kämme sie mit dem Handschuh, das geht ganz gut. Fressen tut sie auch mehr als ordentlich, ich lasse sie heute noch gewähren, aber ab morgen versuchen wir es mal mit Diät und Spielen, damit sie hoffentlich wieder auf Normalgewicht kommt.
Irgendwann abends versuche ich einen Film zu schauen – wollte eigentlich eine seichte Romanze und lande dann natürlich unverhofft bei einem, bei dem die männliche Hauptfigur Krebs hat. Na toll. Zum Glück kann ich mich eh nicht so konzentrieren.
Zwischen Noosa beruhigen, Telefonaten mit dem Liebsten und den Ellis, Kondolenznachrichten entgegennehmen und beantworten etc. vergeht der Abend. Gegen 10 telefoniere ich ein letztes Mal mit dem Liebsten und dann versuchen Noosa und ich es mal mit schlafen.