Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 5: Guarrato (Trapani)

Man müsste mal wissenschaftlich untersuchen, ob nach dem Höhepunkt-Tag eines Urlaubs immer ein nicht so guter Tag folgt und wenn ja, ob das dann nur gefühlt so ist, oder statistisch doch irgendwie zu rechtfertigen. So im Nachhinein betrachtet war dieser Tag jedenfalls im Vergleich irgendwie lasch. Dabei fing es richtig gut an – mit einem gemütlichen Frühstück im Wohnzimmer, inklusive frisch gebackener Croissants und hausgemachter Marmelade. Danach ließen wir uns vom Sohn des Hauses noch einmal durch Hof und Garten führen und von Oregano bis Hühnerstall alles zeigen. Er schenkte uns dann einen Rosmarinzweig sowie einen Zweig eines Strauches, aus dessen Blättern man einen Tee gegen Magenbeschwerden kochen kann (Inzwischen schon zweimal probiert und durchaus lecker und bekömmlich. Leider habe ich den Namen nicht verstanden und bisher durch Googlen auch nicht herausbekommen können.)

Dann kauften wir noch eine Flasche des hauseigenen Olivenöls und machten uns noch einmal auf den Weg nach Agrigento, in kulinarischer Mission. Wir hatten nämlich in einem fast 20 Jahre alten Reiseführer gewesen, dass man, wenn man an einer bestimmten Tür an einem Zisterzienserinnenkloster klopft, dort von den Nonnen hergestellte Paste di Mandorle, also Mandelkekse, kaufen kann, und wollten herausfinden, ob das immernoch so ist. Die kurze Antwort ist: Ja. 
Die lange Antwort ist, dass die Nonnen inzwischen keinem Schweigegelübde mehr folgen und uns fast ein Ohr abgekaut wurde. Wir sollten uns noch das Kloster oder zumindest die Kapelle zeigen lassen. Leider ist unser Interesse an Religion deutlich geringer als das an gutem Essen und da wir es auch etwas eilig hatten, mussten wir die gute Dame enttäuschen. Die Kekse waren hingegen recht lecker, aber es gab sie nur in einer festen, etwas überteuerten Zusammenstellung für 10 Euro. Nunja, haben wir eben auch mal die katholische Kirche unterstützt. Dafür können die sich jetzt zwei Heiligsprechungen auf einmal leisten.
Der nächste Programmpunkt war ein kleines Naturreservat, bei dem man sich sogenannte “Vulcanelle”, also kleine Vulkane anschauen konnte. Ich hatte als Island-vorgeprägte an so etwas wie Solfataren oder Fumarolen gedacht, mit ein wenig Blubber, Rauch und Schwefelgeruch. Tatsächlich handelte es sich aber nur um winzige Löchlein am Boden von Pfützen aus denen ab und zu mal kleine Gasbläschen aufstiegen. Nichtmal gerochen haben die. Und dafür fährt man nun extra ne halbe Stunde Umweg. Irgendwie… Underwhelming. Beim nächsten Sizilienbesuch müssen wir auf jeden Fall zum Stromboli, damit der Mann auch mal etwas Vulkan-Action zu sehen bekommt.

Als nächstes wurde die Scala dei Turchi abgehakt, ein großer, weißer, Treppenartiger Felsen direkt am Strand. Allerdings sah der von weitem auch nicht so spektakulär aus, so dass wir uns damit beschieden, endlich mal die Füße ins Mittelmeer zu tauchen, ein paar Muscheln einzusammeln und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Weiter ging die Fahrt dann Richtung Trapani, einen Ort, den ich vor allem als den Herkunftsort des Mannes einer ehemaligen Italienischkurskollegin kannte. Wir hatten die Wahl gehabt zwischen einer Übernachtung in Marsala oder einer in Trapani und uns dann für Trapani entschieden. Im Nachhinein wäre Marsala wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen, denn Trapani war irgendwie langweilig und hässlich. Es gab zwar einen Weg am Meer entlang und wahnsinnig gutes Eis, aber verzehrt haben wir es inmitten von Müll, der direkt am Ufer herumlag. Ein paar nette Gässchen gab es dann doch noch, aber alles in allem ist Trapani keine Reise wert. 
Passend dazu war auch die Übernachtung nicht schön. Laut Webseite ein gemütlich-uriger Agriturismo inmitten von Oliven und Zitronen, mit afrikanisch angehauchter Küche nach Großmutters Rezepten entpuppte er sich eher als Landgasthof und Ausflugslokal, in dem Touristengruppen mit mittelmäßigem Essen abgespeist werden. Ich habe meinen Hauptgang kaum angerührt, weil ich ihn vor lauter Salz (und Haaren) gar nicht essen konnte. Auch die Vorspeisen und der Wein waren nichts besonderes und so endete der Abend früh und unbefriedigend in einem auch noch lauten Zimmer. Möp.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 4: Montaperto (Agrigento)

Nach dem Hostelfrühstück mit Cappuccino und frisch gebackenen Croissants machten wir uns auf, die zweite große Sehenswürdigkeit Siracusas zu besichtigen: Den archäologischen Park. Hier kann man durch das “Ohr des Dyonisos” spazieren, griechische Altare und ein römisches Amphitheater sehen. Leider wurde es gerade für die sommerlichen Aufführungen griechischer Dramen hergerichtet, so dass die Bauarbeiten den antiken Charakter übertönten. So brachen wir recht schnell wieder auf gen Süden, zur barocken Stadt Noto.

Einen kurzen Spaziergang entlang des Boulevards mit sonnengelben, rötlich schimmernden Palazzi und ein Eis der angeblich besten Gelateria der Welt (Lonely Planet) später setzten wir uns wieder ins Auto und ließen uns von Tommy durch wunderschöne, wildmalerische Berge und Täler nach Agrigento leiten – zum Tal der Tempel.

Hier spazierten wir bei strahlendstem Sonnenschein zwischen den griechischen Tempelruinen umher. Durchaus beeindruckend, aber das Highlight des Tages fanden wir erst, als wir einem unscheinbaren Schild zum Garten der Kolymbetra folgten. Er ist das Ergebnis von Bewässerungsanlagen, die hier in antiker Zeit angelegt wurden und aus Agrigento eine der bedeutendsten griechischen Siedlungen machten. Heute ist der Garten eine Art botanische Ausstellung, vor allem von allen Zitrusbäumen von Kumquat bis Pampelmuse, aber auch Mandeln, Artischocken, Kakteen und anderen typisch sizilianischen Gewächsen. Der Clou: Man bezahlt 4 € Eintritt und darf sich dafür nach Herzenslust bei den Früchten bedienen. 

Wir pflückten Mandarinen, Apfelsinen, Blutorangen und  Zitronen direkt vom Baum oder sammelten sie aus dem Gras auf. Alles wurde verkostet (und danach noch pfundweise eingepackt). Bevor wir in den Garten kamen, hatte mein Kreislauf mir zu schaffen gemacht und ich wollte nur noch zu unserer Unterkunft. Nach dem Garten war ich rundherum glücklich und aufgedreht – Vitamin C-Überschuss wahrscheinlich 😉
An diesem Abend ging es dann auch zur besten Unterkunft, die wir auf dieser Reise hatten, dem Agriturismo Due Ganée. Der Biobauernhof ist bereits seit Jahrzehnten im Besitz der Familie und lebt vor allem von den Olivenbäumen und dem daraus hergestellten Olivenöl. Aber auch diverse Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter werden hier angebaut. Wir bekamen unser Abendbrot, ein Menü aus  hausgemachten Antipasti, Pasta mit Kirschtomaten und Ricotta, einem Schweinesteak und köstlichen Orangen, Wein, Espresso und selbstgemachten Limoncello im Wohnzimmer der Familie serviert. Vater Salvatore ist der Koch, sein Sohn spielte den Kellner und versorgte uns mit Smalltalk und Informationen zur Gegend. Vollgestopft und glücklich fielen wir danach gegen zehn Uhr todmüde ins Bett.

Sieben Nächte, sieben Eise, Si…zilien – Nacht 3: Siracusa

Am nächsten Tag machten wir uns nach dem köstlichen Frühstück mit Pistaziencreme zunächst noch einmal auf nach Randazzo, um ein wenig frisches Obst zu kaufen. Der Mann bestand auf Orangen, wobei ich meine Zweifel hatte, wie gut die denn so ohne Messer unterwegs zu essen seien….
Dann ging es weiter am Ätna entlang bis zu einer uralten (Ess-)Kastanie, die je nach Legende 1000 bis 3000 Jahre alt ist und in ihrem Innern schon 100 bis 300 Pferden inkl. Reitern Schutz geboten haben soll. Ich würde sagen, selbst 100 wird knapp, aber ne Menge Leute passen schon rein. Ansonsten ist das Ganze inzwischen schon etwas morsch und muss gestützt werden, ist aber immernoch beeindruckend:

Nächster Haltepunkt war Zafferana Etnea, ein kleines Örtchen in dem ein großer Anteil der italienischen Honigproduktion stattfindet. Wir steuerten also zielsicher einen Laden an, in dem man Honig und andere Produkte verkosten und kaufen konnte. Am Ende kauften wir unter anderem Kastanienhonig, Scharfgarbenhonig, Zitronenhonig, Honig mit Melone, Honig mit Erdbeeren, Honig mit Pistazien, Honig mit Haselnüssen, Honig mit Pistazien… Aber auch noch Olivenöl und Oliven, Dessertwein, Pistazienlikör, verschiedene Pestos und Kekse. Es war ein sehr guter Tag für den (sehr zu empfehlenden) Laden…

Als nächstes zog es mich nun endlich ans Meer und so fuhren wir an die Riviera dei ciclopi, die Zyklopenküste, wo einst Odysseus den Zyklopen blendete und deswegen davongejagt wurde. Wir setzten uns auf einen im Wasser liegenden Stein in Aci Trezza, mit Blick auf die Felsen, die der Zyklop Odysseus hinterhergeschmissen hatte, und aßen unsere erste sizilianische Orange. Ohne Messer. Sie lassen sich ganz einfach mit der Hand schälen, wie eine Clementine etwa, und sind unwahrscheinlich süß, aromatisch und saftig. Dazu der blaue Himmel, das blaue Meer… loosy im Glück.

Dann fuhren wir weiter zu unserem heutigen Ziel, nach Siracusa. Die Heimat von Archimedes ist heute vor allem wegen ihrer griechischen und römischen Ruinen, sowie wegen ihrer wunderschön malerischen, auf einer Insel vor der Küste gelegenen Altstadt touristisch interessant. Unser Hostel befand sich genau in der Mitte zwischen den beiden Punkten. Wir luden unsere Sachen ab und die Handy-Akkus ein wenig auf und machten uns auf den Weg auf die Isola d’Ortiga, um den Sonnenuntergang zu erleben. 

Da wir ein wenig Zeit hatten, spazierten wir zunächst noch ein wenig durch die engen Gassen des ehemaligen jüdischen Viertels und umrundeten die Insel dann fast vollständig, direkt am Wasser entlang. Als wir an den Punkt kamen, von dem man den besten Blick gen Sonnenuntergang hatte, kauften wir uns ein gar köstliches Eis (bei mir Zitrone – noch nie ein so cremiges Sorbet gegessen – und Pistazie) und setzten uns auf eine Bank und schauten zu.

Danach hatten wir (es war ja erst März) noch gute zwei Stunden Zeit bis zum Abendbrot und liefen also erst einmal kreuz und quer durch die Altstadt und begutachteten die Restaurants, die Reiseführer und Hostelrezeptionist uns empfohlen hatten. Dann hörten wir aus einem Hinterhof Jazzklänge und entdeckten eine gemütliche kleine loungige Bar, die gerade ihre Türen geöffnet hatte. Die Crew saß noch beisammen und plauderte, aber als wir ankamen wurden wir sofort freundlich begrüßt. Zeit für einen Aperitif, wir sind schließlich in Italien. Es gab einen Aperol Spritz draußen unterm Wärmepilz und gute Musik dazu. Die Küche sei montags leider geschlossen, sagte man uns. Nichtsdestotrotz tauchte der Koch nach einer Viertelstunde mit frisch gebackenem Kräuterbrot vor uns auf. Nochmal eine Viertelstunde später brachte er dann auch noch Padelle, einer palermitanischen Spezialität aus Kichererbsenmehl, die seien gerade frisch fertig geworden. Alles war heiß und lecker und wir hatten die perfekte Zeitüberbrückung bis zum Abendessen gefunden.

Hinterher machte sich der Mann im Restaurant über einen riesigen Berg an Fischspezialitäten her, während ich mit einem Teller Pasta bestens bedient war und spazierten satt und glücklich und mit einem kleinen Verdauungs-Umweg durch den idyllischen Yachthafen zurück ins Hostel.

Tagebuch-5 im April

Als der 5. beginnt, sitzen wir in einer Bar in Mitte. Um hereinzukommen, mussten wir klingeln und dann glaubhaft versichern, dass ein Freund heute hier seinen Geburtstag feiere. Erst mit Nachfragen und Diskutieren wurde uns schließlich Einlass gewährt. Gegen Mitternacht saßen wir also mit unseren Moscow Mules in der Hand an der Theke und redeten über… Arbeit. Nun ja. Da die Barhocker nicht so bequem und wir eher müde waren, machten wir uns bald auf den Weg nach Hause und versackten noch ein Weilchen auf der Couch, jede/r eine Katze auf dem Schoß. Kurz vor 2 lagen wir dann in den Federn.

Gegen 10 dann Twitter, Facebook, Reeder, Mails und Instagram checken/lesen, aufstehen, Katzen füttern, Miezenchaos in Bad und Wohnzimmer beseitigen und dann den Frühstückstisch  decken und essen. Dazu spielt Spotify die “Unplugged in New York” und ich erinnere mich, wie wir vor 20 Jahren am Frühstückstisch saßen und das Radio sagte, Kurt Cobain sei tot. Ich fühle mich alt. Beschließe, heute Musik mal ganz oldschool albenweise zu hören. Als nächstes das Debüt von Franz Ferdinand. Auch schon zehn Jahre alt, verdammte Axt!
Ein weiterer Programmpunkt war der Versuch des Schuhekaufens. Da ich damit nicht den ganzen Tag verbringen wollte, mal eben schnell online vier Paar Sneakers ausgesucht und bestellt. Ein bis zwei Paar werde ich maximal behalten. Für Menschen wie mich, bei denen Schuhe- und Hosenkaufen regelmäßig frustriert und zumindest im Schuhfall dann meist in sinnlosen Trotzkäufen endet, ist der Laden mit dem Z vorne echt eine grandiose Erfindung. 
Der nächste Punkt auf meiner To Do-Liste sind die neuen Folgen von Big Bang Theory, Scandal und Parenthood. Geguckt mit Nimbin auf dem Bauch, Noosa auf den Füßen und einen Candy Crush spielendem Mann neben mir.

Nachmittags ging der Mann mit Freunden zum Wrestling und ich machte einen Spaziergang zur Erkundung des “neuen” Kiezes. Wir wohnen hier ja nun schon seit über vier Monaten, aber der Großteil davon war Winter oder ich war krank. Also mal ein bisschen Prenzlauer Berg-Luft schnuppern, dachte ich. Leider haben meine Füße schon nach den ersten Minuten schlapp gemacht und sich entschlossen, dass die Schuhe, die ich dabei trug in die Altkleidersammlung gehören. Wie gesagt, ich und Schuhe… Also lief ich etwas gezwungen und mit teilweise schmerzverzerrtem Gesicht nur etwa eine halbe Stunde umher, um dann noch schnell ein paar Dinge einzukaufen (vor allem Backzutaten für morgen) und die Nachbarskatze zu besuchen und zu versorgen.

Wieder zuhause bekamen unsere Miezen dann ihr Abendbrot – nachdem sie zum zweiten Mal heute einen angeschimmelten Brotkanten aus dem Biomüll gezogen hatten, um ihn zu verputzen. Als ob sie bei uns nichts zu essen kriegen würden… Danach war ich dran und machte mir einen Kartoffel-Gurken-Avocado-Salat mit Senf-Dill-Sauce. Dazu gabs eine Flasche Bionade Himbeer-Pflaume, man muss ja alles mal ausprobieren. Kann man trinken, macht aber nicht sofort glücklich. Dann verzog ich mich mit meinen blasengeplagten Füßen und den Miezen auf die Couch und schaute ein paar Folgen Orange Is The New Black. Sehr zu empfehlen. Und jetzt gehts ab ins Bett, ein spannender Samstagabend ist das!