Zwei Welten

Am Wochenende war ich in Rostock. Vor drei Jahren zog ich weg aus der Stadt, in der ich – mehr oder weniger – erwachsen geworden bin. Sechs Jahre lang habe ich dort gelebt – und wie. Es gibt unendlich viele Geschichten, Menschen, Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit, die ich wahrscheinlich auch noch mit 80 erzählen werde.

Das Verrückte ist, dass ich, sobald ich dort bin, zuhause bin. Als wäre ich nie weg gewesen. Ich treffe die Leute von damals und bin wieder genau in dieser Zeit. Es fühlt sich total natürlich und normal an und ist gleichzeitig so weit weg von meinem Alltag. Es ist als würde man in zwei verschiedenen Welten leben. Innerhalb von zweieinhalb Stunden war ich von meinem aktuellen Leben, dem Büro, den Kollegen, dem Arbeitsstress und dem Rumgealber in meine Vergangenheit versetzt. Und beides war völlig normal, beides war ich. Und obwohl es einige Berührungspunkte zwischen den beiden Welten gibt, könnte man sie absolut nicht miteinander vereinbaren.

So bleibt nur, sich zu wünschen, dass Berlin eines schönen Morgens plötzlich doch an der Ostsee liegen möge. Denn Meer muss sein, jeder braucht ein Meer an Lebensqualität, das einzige, was diese Stadt noch verbessern könnte, wäre MEER DAVON:

Internet und Real Life in Berlin

Hach dieses Internet. Wer mich auch nur ein bisschen kennt, weiß ja, wieviel Zeit ich damit/darin verbringe. Von der Informationsbeschaffung über die Kommunikation mit Freunden und Familie, über Spiele, Musik, Filme, Serien bis hin zur Arbeit  – alles läuft zum großen Teil übers Netz. Dank BlackBerry passiert das nicht nur zuhause und im Büro, sondern auch in der Bahn, beim Shoppen, beim Verlaufen, bei Freunden zuhause… Foursquare, Twitter, Facebook, E-Mails, alles ist ständig dabei.

Ein Nebeneffekt davon ist, dass sich das “Internet” immer mehr in die “reale Welt” einschleicht. Beim Erleben wird in Gedanken mitgetwittert, Kommentare werde antizipiert… Und ich erkenne mitunter bekannte Blogger/Twitterer auf der Straße oder im Park. Ich bin zwar in diesen Kreisen nicht wirklich, wenn überhaupt nur passiv, drin, aber je länger ich in Berlin lebe, desto mehr lerne ich diese Menschen “kennen”, die mir früher in Rostock immer so unglaublich weit weg erschienen.

Vor einiger Zeit teilte ich mir für ein paar Monate ein Büro, das ehemalige des Bildblog, mit Stefan Niggemeier. Auf einer Lesung frotzelte ich beim Buchkauf mit dem Vergrämer. Ich kann Euch schon jetzt dieses Buch empfehlen, das erst nächstes Jahr erscheinen wird – die Teile, die ich bis jetzt kenne, haben sehr viel Spaß gemacht. Und heute Nacht träumte ich von Mr. Coffee And TV. Und da wundert sich jetzt noch einer, dass ich so viel und gerne online bin?

Danke liebes Internet, danke liebe Blogger, danke Twitter, danke Facebook und vor allem danke großartiges Berlin!

Ausnahmezustand

Trennungen sind Ausnahmezustand. Man wird in seinen Bedürfnissen auf das Wesentliche zurückgeworfen. Isst man sonst zu relativ geregelten Zeiten, meistens mit anderen Menschen, so ist dieses Bedürfnis nach einer Trennung auf ein Minimum reduziert. So wirklich Appetit hat man nicht. Ich kann mich in der Theorie an kulinarischen Leckereien erfreuen, mich an ein vollgestelltes Brunch-Büffet wünschen usw., aber in der Praxis sagen Gaumen und Magen: Och nö, lass mal. Erst wenn eine gewisse Hungermarke erreicht wird, lässt man sich dann doch hinab, etwas zu essen und zwar weit weniger kultiviert, als man es sonst gewöhnt ist: Im Stehen oder Gehen, Automatenfraß, Eis um Mitternacht (direkt aus der Packung)…

Ähnlich ist es mit dem Schlafen. Ich habe diese Woche (teilweise noch Jetlag-bedingt) nie vor 2 Uhr morgens geschlafen und war dementsprechend den ganzen Tag über müde. Trotzdem war ich halt nie in der Lage, am nächsten Abend früher zu schlafen. Gestern nun war ich endlich so hinüber, dass ich schon gegen 10 im Bett lag und vor 11 rettungslos weggepennt bin. Wach war ich dann allerdings auch schon kurz vor 6. Sobald das unmittelbare Bedürfnis gestillt ist, ist man wieder voll da.

Lesen ist auch so eine Sache. Lesen kann ich grad nicht. Normalerweise atme ich ein Buch nach dem Anderen weg, aber momentan fehlt es mir an der nötigen Konzentration. Selbst für längere Texte im Internet reicht es nicht. Serien gehen, Filme habe ich noch nicht probiert. Es fehlt die Fähigkeit, sich in etwas zu verlieren. Ich habe in den letzten Wochen (vielleicht auch zur Ablenkung von den immer gravierender erscheinenden Problemen) täglich diverse Stunden in ein Online-Spiel gesteckt, das mich im Moment einfach nicht fesseln kann.

Mein Kommunikationsbedürfnis ist derzeit groß, erstreckt sich aber nur auf bestimmte Leute. Das sind vor allem enge Freunde sowie Männer, an denen ich mal intensiver romantisch und/oder erotisch interessiert war. Oder flüchtige Bekannte und Kollegen, mit denen ich gerade NICHT über die Situation sprechen muss. Was eher nicht geht, sind Familie oder Freunde, die den Verfall dieser Beziehung nicht so mitbekommen haben und also Informationsbedarf haben. Vielleicht, weil mein Denken gerade eher auf die Zukunft ausgerichtet ist (Überlebensinstinkt und Selbstschutz gemischt), als auf das gerade Beendete.

Interessant ist, dass trotz dieses Einschnitts vieles auch einfach gleich bleibt. Ich kann genauso gut herumalbern, ich lache über dieselben Dinge, ich kann mich einigermaßen gut auf die Arbeit konzentrieren, ich interessiere mich für ähnliche Themen im Internet… Tagespolitik hingegen ist mir im Moment herzlich egal, ebenso wie der Zustand meiner Wohnung (Also, der ist nicht egal, aber mir fehlen Kraft, Motivation und Wille, um so richtig aufzuräumen und zu putzen und das ist irgendwie OK für mich.) oder Punkte auf meiner To Do-Liste, die im Moment einfach mal warten müssen.

Ist jetzt nichts Neues, aber an diese Gefühle erinnert man sich wahrscheinlich einfach nicht, wenn man nicht aktuell davon betroffen ist. Insofern hab ichs mal aufgeschrieben, for future reference.

Abschlüsse und Anfänge

Dieser 5. Oktober ist ein Tag der Abschlüsse und Anfänge.

  • Heute vor 11 Jahren kam ich mit meinem ersten Freund zusammen
  • J. (siehe letzter Beitrag) hat heute seine Verteidigung bestanden und heißt jetzt J., Ph.D.
  • Steve Jobs ist tot
  • Mio und ich beschlossen heute, ab jetzt besser Freunde zu sein

Abschlüsse und Anfänge…