23.04.2024 – Noch längerer Dienstag

Extrem zerstückelte Nacht, nach der ersten Schlafphase liege ich bestimmt eine Stunde wach, danach geht es nur noch in kurzen Etappen weiter und kurz vor 6 erkläre ich die Nacht für beendet, da halb 7 eh schon der Wecker klingelt. Dafür dann in Ruhe die morgendliche Internetrunde gedreht, gebloggt, Tschechisch und Italienisch gemacht, mit dem Liebsten telefoniert, Brötchen mit veganer Salami, Apfel und Orange gefrühstückt und dann geht es mit Tee im Thermobecher kurz nach 8 los ins Draußen – wieder mit Wintermantel, denn es ist weiterhin wirklich kalt. Tram und U-Bahn sind okay gefüllt, ich kann die meiste Zeit über sitzen.

Im Büro bin ich eine der Ersten und helfe zuerst einmal mit, den Meetingraum, in dem wohl noch lange nach meinem Abgang gestern weiter gezecht wurde, wieder zurück in ein seriöses Arbeitsumfeld zu verwandeln. Um 9 sitzen wir dann zu neunt darin – inkl. Besuch aus Nürnberg, Prag, Ostfriesland, Paris und London und mit noch mehr Paris und Nordengland zugeschaltet – für knappe drei Stunden intensives Gespräch. Direkt im Anschluss kümmere ich mich um dringende Anliegen, die während des Meetings aufgelaufen sind, bevor ich wieder mit dem Besuch aus Dortmund und London zusammensitze.

Danach esse ich schnell die Hälfte eines mir mitgebrachten Döners, bevor ich ein anderthalbstündiges Town Hall mit Leuten aus ganz Deutschland und diversen internationalen Teilnehmenden abhalte – as in: moderiere, die Präsentation fahre und etwa ein Drittel der Inhalte selbst präsentiere. Danach gibt es nochmal kurz eine „Pause“ zum Abarbeiten von Dringlichkeiten, noch ein Meeting mit dem Besuch aus London und dann viele informelle Gespräche – u. a. mit Besucher*innen aus Valencia und Hamburg, die inzwischen auch eingetroffen sind. Gegen 17 Uhr kommt wieder eine Pizza-Lieferung an und dann beginnt der gemütliche Teil des Abends – mit mehr Menschen als gestern und in Partyatmosphäre, mit sich ständig neu formierenden Grüppchen zwischen denen ich hin und her wechsle.

Zwischendurch schaffe ich es gegen 20 Uhr zumindest, kurz der Liebstenmama per WhatsApp zum Geburtstag zu gratulieren, bevor ich ins nächste Gespräch gezogen werde. Gegen halb 11 breche ich dann wie gestern wieder mit der Kollegin, die auch hier im Kiez wohnt und einem anderen Kollegen, der sich einen Teil des Weges mit uns teilt, auf. Diesmal haben wir Glück mit der U-Bahn und können bis zum Alex fahren und dort in die Tram umsteigen. Gegen halb 12 liege ich mit zwei Kuschelkatzek im Bett und schlafe dann sehr schnell – und deutlich besser als gestern – ein und fast durch.

22.04.2024 – Langer Montag

Frühes Aufwachen noch vor dem Weckerklingeln am ersten von vielen Bürotagen diese Woche. Da sich der Beginn des anstehenden Meetings nach hinten verschiebt, habe ich noch Zeit für ausführliches Frühstück zuhause und dann eine gemütliche Fahrt mit Tram und U-Bahn, als der ärgste Berufverkehr bereits vorbei ist. Halb 10 bin ich im Büro und finde den Konferenzraum, den wir für eine ganztägige Schulung gebucht haben. Zwei Leute sind remote zugeschaltet – einer aus Chemnitz, eine kränklich aus dem Homeoffice, zehn Menschen sind live vor Ort. Das hatten wir in dieser Gruppenstärke auch schon lange nicht mehr. Schöne, anspruchsvolle Schulung!

In der Mittagspause gehen wir durch Graupelschauer zum Vietnamesen um die Ecke, wo ich, da für heute Abend noch ein Restaurantbesuch geplant ist, „nur“ Sushi bestelle – sehr leckeres allerdings – und sich die Tischgespräche viel um aktuelle Politik drehen.

Am Ende flitze ich etwas früher ins Büro zurück als die Anderen, weil mich ein Hilferuf erreicht – Besuch aus Paris steht am Empfang und will eingelassen werden. Ich bringe den Besuch nach oben, gebe eine kurze Einführung zum Büro und helfe mit dem WLAN-Passwort. Dann geht es zurück in den Konferenzraum für die zweite Hälfte Schulung. Kurz nach 17 Uhr beenden wir diese und ich kehre mit einigen Teilnehmenden ins normale Büro zurück. Die Restaurantreservierung haben wir von 18 auf 19 Uhr verschoben, damit alle noch genug Zeit haben. Ich nutze diese für die dringende Korrektur einer Übersetzung.

Zwischendurch ruft der Dozent an, der fragt, ob er seinen Laptop im Konferenzraum vergessen hat. Ich sprinte durch Hagelschauer zurück in den Raum (über den Hof ist schneller als durchs Gebäude), aber der Rucksack ist nicht da. Durch das Live-Tracking des MacBooks, das sich im Rucksack befindet, klärt sich die Sachlage relativ schnell – er steht in der U-Bahn, mit der Dozent ins Hotel gefahren ist und fährt munter die U2 rauf und runter. Oben im Büro hat sich inzwischen ein anderes Meeting aufgelöst – mit Besuch aus Dortmund, London, Prag und eben Paris. Ein Kollege hängt sich in die Warteschleife der BVG-Hotline, zwei andere verbringen die nächste Zeit damit, gemeinsam mit dem Dozenten durch verschiedene U2-Bahnen zu laufen und nach dem Rucksack zu suchen. Die U-Bahn fährt alle vier Minuten, das Live-Tracking aktualisiert sich seltener, es ist also nicht ganz trivial, die richtige Bahn zu finden.

Die im Büro verbliebenen entscheiden dann, die Restaurantreservierung aufzugeben, stattdessen wird Pizza bestellt und Musik angemacht. Ein glücklicher Dozent mit Rucksack kommt noch vor der Pizza an. Am Ende haben sie einen U-Bahnführer gefragt, der über Funk gehört hat, dass der Rucksack Nollendorfplatz abgegeben wurde – dort konnten sie ihn dann abholen. Den Rest des Abends verbringen wir heiter, mit Pizza und dem einen oder anderen Getränk im Büro. Als ich mit der Kollegin, die auch im Pberg wohnt, kurz nach 22 Uhr aufbreche, bin ich noch lange nicht die letzte.

Jetzt fährt die U-Bahn wegen Bauarbeiten und nächtlichem Pendelverkehr viel seltener. Wir wollen keine Viertelstunde warten, also laufen wir bis zum Alex und nehmen von dort die Tram. Kurz nach 23 Uhr liege ich mit beiden Katzen im Bett und versuche schnell einzuschlafen, denn morgen wird wieder ein langer (und früherer als heute) Bürotag.

21.04.2024 – Gönnjamine

Heute einfach so lange wie möglich im Bett bleiben, haben der Liebste und ich uns vorgenommen. Da das Teilzeitkind ja jetzt groß ist und sich im Allgemeinen morgens alleine beschäftigt und versorgt, könnte das super werden, wenn ich nicht schon kurz vor halb 8 aufwachen würde. Aber immerhin habe ich ja auch seit 10 oder so geschlafen. Alles nicht so wild. Ich lese das Internet leer und dann im „Zauberberg“ weiter, höre das Kind aufstehen und ins Wohnzimmer gehen und irgendwann dann rührt sich auch der Liebste, sagt er würde gleich Kaffee machen und schläft dann wieder ein. Dann dämmere ich auch nochmal fast weg, bis er wirklich aufsteht und Kaffee macht. Zwei Tassen leeren wir jeweils im Bett, lesen und erzählen. Endlich mal Zeit.

Gegen 11 zeichnet sich langsam ein Aufstehwillen beim Liebsten ab, wenig später geht er Brötchen holen und wir decken den Tisch. Kaum ist es mittags frühstücken wir auch schon – u. a. lomo und chorizo, die ich aus Spanien mitgebracht hatte. Nach dem Tisch abräumen legen wir uns wieder hin. Lesen, erzählen, nochmal einnicken… Irgendwann steht das Teilzeitkind in der Tür und erinnert uns daran, dass wir gestern versprochen hatten, heute Eis essen zu gehen. Na dann los, es ist zwar wirklich kalt draußen, aber was muss das muss.

Macadamia und schwarze Johannisbeeren

Draußen ist die Wahlwerbung zur Europawahl ausgebrochen, kommt mir früh vor, aber haut wohl tatsächlich so hin. Eine Partei hat ihr Plakat sinnigerweise am Eisladen aufgehängt. Mit je zwei Kugeln in der Waffel stapfen wir nach Hause und dann nicht mehr ins Bett sondern auf die Couch. Anders als ich haben die beiden nach den ersten beiden Folgen der neuen LOL-Staffel aufgehört, also schauen wir das jetzt nochmal gemeinsam zu Ende. Als das zu Ende ist, ist es schon Zeit, zum frühen Abendessen aufzubrechen. Auf dem Weg zum Eis hatte das Teilzeitkind beim Stammitaliener einen Tisch für 17:30 reserviert (und wurde mit „VIP“ ins Reservierungsbuch eingetragen, wie es stolz berichtete).

Sarti Spritz/Prosecco/Apfelschorle an Rosmarin-Focaccia
Einfach, klassisch, Spaghetti Napoli

Wir sitzen und essen und reden über Sommerurlaubspläne – langsam wird es Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, aber es kommt ja immer wieder etwas dazwischen. Wir nähern uns aber. Nach dem Essen verabschieden wir uns voneinander und ich fahre zurück in den Pberg.

Dort erst einmal emsige Geschäftigkeit – Tasche auspacken, Schwimmsachen wegsortieren, Müll runterbringen, Katzenklo durchsieben, Katzen füttern… Dann mache ich es mir im neuen Sessel bequem und schaue die zweite Hälfte der ersten Staffel „Loudermilk“. Gegen halb 11 wechsle ich ins Bett und schlafe nach wenigen Seiten im Zauberberg ein.

20.04.2024 – Akkus auftanken

Es war wohl eine Mischung aus fettem, scharfen und knoblauchigem Essen, spätem Tee mit Koffein und einem viel zu Denken, die mich so lange wachgehalten hat – erst deutlich 2 eingeschlafen und dann bei erster Gelegenheit kurz vor halb 7 wieder aufgewacht und direkt wachgeblieben. Äußerst suboptimal für die Erholung. Einziger Vorteil: Ich habe keinen Schwierigkeiten, das Haus rechtzeitig zu verlassen um halb 11 im Schwimmbecken zur AquaFitness zu sein und vorher sogar noch vier Bahnen zu schwimmen. Dann ähnlich wie letzte Woche – guter Kurs (45 Minuten) und hinterher ausgiebiges Saunieren (Dampfbad, Biosauna, Finnische Sauna).

In den Pausen im Ruheraum lese ich nicht in meinem Papierbuch weiter, sondern ich habe mir den „Zauberberg“ auf den Kindle geladen. Erstens brauche ich einen Roman als Ausgleich zum Sachbuch (ansonsten lese ich darauf noch ein weiteres, auch noch auf Italienisch), zweitens ist der Kindle praktisch, um auch nachts weiterzulesen, falls ich schlaflos neben dem Liebsten liegen werde und drittens habe ich da schon lange Lust drauf, immer wenn ich in so Ruheräumen oder in Landchaften herumliege, um einfach nur zu sein. Nun also mein dritter Thomas Mann, nach dem „Tod in Venedig“ in der Schule und den „Buddenbrooks“ irgendwann später. Es lässt sich ganz gut an und wieder passt ein Kapitel gut in die Pause zwischen zwei Saunagängen.

Als ich mich vom dritten erholt habe, gehe ich duschen und in die Umkleide. Sauber und halbwegs trocken fahre ich nach Südberlin. Dort läuft mir am helllichten Tag ein Fuchs über den Weg, der sich bereitwillig fotografieren lässt, dann aber schnell wieder unter ein Auto verschwindet. Was den wohl geweckt hat?

und werde vom Liebsten und dem Teilzeitkind freudig begrüßt, die gerade vom Fahrradübungsplatz zurück sind. Das Kindelein hat alle Übungsstunden absolviert und ist nun bereit für die Führerscheinprüfung. Ich bekomme ein Frühstück (vor dem Sport hatte es nur eine Mate und eine Banane gegeben) mit Brot, Aufstrich, Taboulé, Bulgursalat, Oliven, Apfel, Quarkbällchen und Tee. Danach bin ich halbwegs wieder hergestellt und kann mit dem Teilzeitkind an einer Schulaufgabe arbeiten. Wichtigstes Ziel für heute: Eine Szene aus „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ heraussuchen, die kurz genug zum Vorlesen ist, exemplarisch dafür steht, warum das Kind das Buch mag, für das Buch begeistern kann ohne zu viel zu verraten und sich gut mit Bildmaterial illustrieren lässt. Wir einigen uns am Ende für die Flucht aus Gringotts auf dem Drachen. Dann ziehen wir nochmal zu dritt los, um Bastelmaterial und Snacks und Getränke für den Abend zu besorgen – heute steht „Die Rückkehr des Königs“ auf dem Programm.

Im Supermarkt bringt das Teilzeitkind erst Pfandflaschen weg und verdient sich so 2,50 € zum Taschengeld hinzu. Dann treffen wir die Mutter eines Mitschülers, der sich witzigerweise für das gleiche Buch entschieden hat – wir hoffen mal auf eine andere Szene. Wir besorgen Chips und Gummibonbons und dann dürfen sich alle noch eine Limo aussuchen. Das Teilzeitkind und ich einigen uns auf Wildberry und wegen des Liedes, das bei uns rauf und runter läuft, möchte ich dazu auch noch Lillet. Erschreckenderweise findet das Teilzeitkind die Flasche schneller als ich und weiß auch noch, welche der Varianten die richtige ist. Im anderen Haushalt gibt es das nämlich auch öfter, für Mama mit, fürs Teilzeitkind ohne Lillet.

Wieder zuhause bestellen wir uns Abendessen (für die anderen Burger, für mich Hot Dog und Brokkoli-Nuggets) und dann geht es auf die Couch. Kurz nach 17 Uhr starten wir den Film, der knappe dreieinhalb Stunden geht. Bis das Essen kommt, döse ich ein wenig weg (gute Tradition bei mir und dem Film), dann kehren mit dem Essen und dem Drink die Lebensgeister zurück.

Nach dem siebzehnten endgültigen Ende des Films ist es halb 9. Die beiden anderen beschäftigen sich noch ein Weilchen mit dem Making Of, während ich schon wieder döse. Kurz nach 21 Uhr geht das Teilzeitkind ins Bett und direkt danach auch ich ein paar Seiten Zauberberg und ich schlafe tief und fest.

19.04.2024 – Langsam Runterfahren

Heute bleibe ich im Bett. Nicht nur habe ich mein Arbeitszimmer ja für des Mitbewohners Prüfung geräumt, der Kram von rund um meinen Schreibtisch belegt auch den Wohnzimmertisch, in der Küche arbeiten ist mir zu ungemütlich und auf dem Balkon ist es heute zu kalt. Bleibt also nur noch das Bett – was mir gut in den Kram passt, denn ich bin eh völlig durch von der Woche und finde einfach nur Liegen total attraktiv.

So muss ich auch nur ganz kurz vor 9 mal eben aufstehen, mich obenrum präsentabel machen, die Katzen füttern, Tee kochen und Müsli parat machen (mit der letzten Mispel) und kann dann direkt loslegen, flankiert von zwei Katzen, natürlich. Die freuen sich auch, dass sie in ihrer Bekuschelung flexibler sein können, als wenn ich am Schreibtisch säße. Angesetzt sind heute sechs Arbeitsvideocalls und ein privater, einer davon wird aber schon recht früh am Tag auf nächste Woche verschoben. Bleibt immer noch genug.

  • Call mit Ostfriesland, überzogen
  • Call mit Prenzlauer Berg, Lichtenberg und Moabit, überzogen
  • Call mit Paris
  • Teilnahme an einem Webinar

Zack, schon ist Mittagspause. Währenddessen hat der Mitbewohner nebenan seine Prüfung bestritten und bestanden. Wir feiern mit einer Art scharfen Mettwurst aus seiner Heimat auf gerösteten Baguette und Primitivo (für mich nur ein wönziger Schlock) und ich esse noch den Rest Thunfischsalat auf.

Dann klingelt auch noch der DHL-Bote und bringt drei Pakete für mich und eins für einen Nachbarn. Gutes Timing! Das CrowdFarming-Paket mache ich gleich auf. Es gibt Orangen, Zitronen und Blaubeeren, von denen wir uns direkt zum Nachtisch bedienen.

Nach der Pause geht es dann mit dem letzten Arbeitsmeeting für heute weiter – mit Ostfriesland, Lichtenberg, Pankow, Dortmund, London und Paris. Die Zeit zwischen 14:30 und 18:00 verbringe ich mit diversem Kleinkram. Hier und da an Projekten weiter arbeiten, mit Leuten Sachen per Chat abklären, neue Aufgaben im Projektmanagementtool sortieren und zuweisen, im Team-Ordner aufräumen, einen Post in den globalen Chat senden, mit einem Bericht in einer Excel-Tabelle herumspielen und schließlich meinen Wochenbericht schreiben. Tatsächlich ist es 17:50 als ich den Arbeitslaptop zuklappe und meinen privaten Laptop aufklappe – um 18 Uhr startet ein Workshop in meinem Adulting-Projekt.

Dieser beschäftigt mich aktiv bis kurz nach halb 8 – passiv noch den ganzen Abend und die halbe Nacht. Ich mache dann noch schnell meine private Buchhaltung und dann ist gegen 20 Uhr Schluss mit sowas. Ich packe ein weiteres Paket aus – das neue Polster für meinen Sessel. Das alte aus hellem Stoff haben die Katzen über die letzten zehn Jahre mit Krallen und Haaren so nachhaltig verändert, dass ich etwas Neues wollte. Mal gucken, ob sie ein Lederpolster ebenso in Ruhe lassen wir das Lederpolster vom Schaukelstuhl gegenüber. Sieht auf jeden Fall erstmal neu und seriöslich aus – danke für das Weihnachtsgeschenk an meine Eltern!

Das Ergebnis meiner Buchhaltung war übrigens, dass es doch OK wäre, sich heute Abend etwas zu Essen zu bestellen und das tue ich dann auch. Chinesische Nudeln vom gehypetesten Chinesische-Nudeln-Restaurant der Stadt, heute mit Aubergine und veganen Hackfleisch. Dazu und danach gibt es die Daily Show von Montag und dann die erste Hälfte der ersten Staffel von Loudermilk – mein Gehirn ist zu Brei für anspruchsvolle Unterhaltung heute Abend und nach anfänglichem Fremdeln macht die Serie dann auch Spaß. Erst nach Mitternacht klappe ich den Laptop wieder zu und mache das Licht aus. Mit dem Einschlafen dauert es dann noch bis nach 2 – zu viel zu denken nach dem Webinar.

18.04.2024 – Zwei Fische und ein Fahrrad

Der Tag beginnt streng genommen gegen halb 5, als ich eigentlich nur kurz wachwerde, dann aber gute anderthalb Stunden wachliege und immerhin mein Hörbuch zu Ende höre. Zwischen 6 und 7:20 döse ich nochmal halbherzig weg, dann ists vorbei, denn heute geht es wieder ins Büro. Der Mitbewohner und ich sind ungefähr zur selben Zeit in der Küche, was uns für ungeahnte logistische Probleme stellt als wir beide noch gefühlt im Halbschlaf versuchen, unseren Verrichtungen nachzugehen, ohne uns im Weg zu stehen. Meine sind: Tee von gestern aufwärmen und in den Thermobecher füllen, Banane schnippeln und Müslibecher füllen, Salat von gestern portionieren und in Dose zum Mitnehmen füllen, Katzennäpfe ausleeren, abwaschen und neu füllen, nebenbei Spülmaschine ausräumen. Der Mitbewohner hat Kaffee kochen, Milch und Müsli in eine Schüssel tun und beim Spülmaschine ausräumen helfen auf dem Plan – wir brauchen ungefähr gleich lange und es wäre vermutlich alles schneller gegangen, hätte ich das mit der Spülmaschine alleine gemacht. Wenigstens reden wir beide morgens nicht viel.

Kurz vor halb 9 verlasse ich das Haus und erwische so eine Tram- und U-Bahn-Kombination, die gar nicht sooo voll ist. Nach einer Station habe ich in der Tram einen Sitzplatz, in der U-Bahn sofort mit nur wenig Trickserei. So bin ich eine der ersten im Büro und als mein Laptop aufgebaut ist und ich Milch im Müsli habe ist es genau 9 Uhr. Der neue Bürohund macht heute Homeoffice, das finden wir alle nicht gut und beschweren uns bitterlich bei seiner Besitzerin. Ansonsten ist der Arbeitstag aber OK.

Um 10 anderthalb Stunden Meeting mit Ostfriesland, Nürnberg und zu dritt vor Ort, direkt im Anschluss Meeting mit Ostfriesland und Paris und nach kurzer Pause Meeting mit Nordengland. Dann ist es 14 Uhr und dringend Zeit für eine Mittagspause. Ich gehe mit meinem Thunfischsalat nach unten in die Gemeinschaftsküche und esse da. Zwei meiner drei Nachmittagsmeetings werden dann verschoben, so dass ich etwas ausführlicher Zeit habe als geplant, um mich um die verschiedensten Projekte zu kümmern. Letztes Meeting dann um 17 Uhr, mit Leuten vor Ort und Hamburg, Dortmund, Paris, Prenzlauer Berg, London und Valencia. Hinterher noch kurze Nacharbeit und dann verlasse ich das Büro als letzte gegen 17:40 und gehe rüber zu meinen Eltern. Dort gibt es ein frühes Abendbrot mit Heilbutt und Möhrengemüse.

Hinterher holen wir mein neues Fahrrad aus dem Keller und dann fahren meine Eltern ins Kino und ich mache mich radelnd auf den Heimweg. Leider klappt das nur bedingt gut, weil die Reifen nach Jahren im Keller die von meinem Papa reingepumpte Luft nicht richtig halten. Nach etwa 10 Minuten höre ich auf zu radeln und beschließe zu schieben – zum Glück ist gutes Wetter und mein Schrittziel ist eh in weiter Ferne. Ich checke kurz und stelle fest, dass der Fahrradladen bei mir um die Ecke bis 20 Uhr offen hat, also wird der mein Ziel. Das dauert etwa eine Stunde zu Fuß, genug unverhoffte Zeit also, um mit der Freundin und Kollegin in Frankreich zu telefonieren.

Am Fahrradladen angekommen beende ich das Gespräch frühzeitig und gebe dann neue Reifen und eine Frühjahrsinspektion in Auftrag. Angeblich soll das schon am Montagabend erledigt sein, ich werde frühestens am Mittwoch Zeit zum Abholen haben, also kein Problem. Zuhause angekommen bin ich dann so richtig platt, kein Wunder nach der Nacht und dem Heimweg. Die geplante Sportrunde muss nochmal verschoben werden. Stattdessen gibt es Feierabendlimo (Blaubeere-Salbei) auf dem Bett liegend und das erste ausführliche Telefonat mit dem Liebsten seit Sonntag. Teilweise geht es da auch um die Planung der nächsten Tage und Wochen und hui, es geht bei uns beiden so weiter wie die letzten Wochen. Wenn alles klappt, treffen wir uns dieses Wochenende für etwa 24 Stunden, dann evtl. nächsten Sonntag, wahrscheinlich am 1. Mai und so richtig ausführlich dann erst am Wochenende danach. Niemand ist hier gestresst.

Gegen halb 9 legen wir auf, ich verabrede uns für ein Essen mit dem Ex-Mitbewohner für in dreieinhalb Wochen, räume mit dem aktuellen Mitbewohner meinen Schreibtisch und Umgebung leer, damit er an selbigem morgen eine Online-Prüfungsleistung ablegen kann (sein Zimmer ist zu vollgestellt und erfüllt nicht die Prüfungsbedingungen) und ziehe mich dann mit einer seichten Komödie vor toller Landschaft zurück. Wahrscheinlich wollte Julia Roberts mal wieder nach Bali und George Clooney hatte nichts besseres vor. Kann man gucken, wie immer, wenn jemand von denen irgendwo mitspielt.

Gegen 11 ist dann Licht aus und einschlafen zu einem neuen Hörbuch.

17.04.2024 – Luftholtag

Durchgeschlafen, juhu! Und früh genug aufgewacht, um noch mit dem Liebsten zu telefonieren, bevor sein anstrengender Tag losgeht – später gibt es nur mehr Textnachrichten von ihm und bis auf ein Foto zwischendurch klingt das alles gar nicht schön. War zu erwarten, aber ist ja trotzdem doof. Im Vergleich nimmt sich mein Tag da echt okay aus. Gemütlicher Morgen mit ausreichend Zeit, dann ab 9 am Schreibtisch – zum Frühstück English Muffins mit Honig, Nudossi, Mandel-Tonka-Creme und Rosengelee, dazu gemischten Tee (schwarz und Kräuter), Apfel, Banane, Mispel.

Heute ist dann mal wirklich meetingfreier Mittwoch, bis auf ein etwa fünfminütiges Videotelefonat mit Prag, das aber nicht als Meeting durchgeht, wir mussten nur schnell was klären. Ansonsten arbeite ich an den den verschiedensten Projekten vor mich hin – ein wenig Recherche, ein wenig Leuten hinterherlaufen, ein wenig Kreatives. So könnte es jeden Tag sein.

In der Mittagspause stelle ich eine Waschmaschine an, bringe Müll runter und mache einen langen Spaziergang durchs frische Grün.

Kurz vor Feierabend werde ich nach einem Nachmittagstief, das ich zum Wäsche aufhängen nutze, nochmal richtig produktiv, so dass ich mich kurz nach 18 Uhr fast zwingen muss, den Laptop zuzuklappen, aber es reicht dann auch. Ich räume ein bisschen auf, putze ein wenig vor mich hin, stelle die Spülmaschine an und beschäftige mich dann erstmal noch ein wenig mit den sozialen Medien, bis mein Abendessenplan steht. Und dann wird gekocht – eine Art Salade niçoise, aber auch nicht ganz, mit sizilianischen Anleihen und ohne Tomaten, Paprika (hat beides keine Saison) und Blattsalat (habe ich nicht da), dafür mit Kapern und Oregano. Außerdem mit Kartoffeln, Bohnen, Ei (in drei verschiedenen Töpfen gleichzeitig gekocht, was für ein Aufwand), Thunfisch, Oliven, Gurke (die hätte es nicht gebraucht, stand aber im Originalrezept), Oregano und einer Vinaigrette mit Dijon-Senf, die ich im gerade geleerten Salzkapernglas zurechtschüttele. Sehr lecker das alles!

Nach dem Essen ausführliche Sprachübungen, ein wenig Spielerei und dann sitze ich Musik hörend (die Ellis haben bei ihrem heutigen Vortrag einen Musiker kennengelernt, dessen größten Hit ich dann auf Spotify anmache, woraufhin der Algorithmus mir einen erstaunlich guten Soundtrack für den Abend bastelt) auf dem Sofa, unter zwei Katzen, und lese in meinem Buch weiter – über die Zitrussammlung der Medici, die lange, und längst vergangene, Geschichte der Sauerorangen in der italienischen Küche (meine einzigen Sauerorangenerfahrungen habe ich aus Jamaika), Amalfi-Zitronen und die arabisch-muslimische Geschichte Siziliens. Gewusst habe ich das natürlich schonmal, aber bewusst war mir nicht, dass Palermo während seiner Zeit als Bal‘harm – mitten im Mittelalter – die am weitesten entwickelte europäische Stadt war – dank vor allem der arabischen Irrigationssysteme und des Zitrusanbaus.

Gegen halb 11 habe ich genug gelesen und mache mich bettfertig, kurz nach 11 schlafe ich tief und fest.

16.04.2024 – Große Dinge allerorten

Das ist dann eine dieser Nächte, die im Nachhinein nur als Nachtschlaf gelten, weil ich früh genug damit angefangen habe. In den Pausen gibt es Hörbuch, Lesen, Katzenkuscheln und scheinbar auch viel Denken, das ich dann in so Halbwachträume einbaue. Interessant, was mich so alles beschäftigt, kriegt man ja im Alltag alles gar nicht so mit. Das endgültige Aufwachen ist dann weit genug vor Weckerklingeln um ganz in Ruhe das Internet leer zu lesen und zu bloggen. Als der Liebste anruft, bin ich dann schon mitten im Aufbruch – ab dieser Woche sind ganz offiziell der Dienstag und der Donnerstag Bürotage. Zum Glück habe ich ja jetzt schon einige Übung darin.

Es ist im Vergleich zu den letzten Tagen furchtbar kalt und morgens auch noch nass. Ich trage den Hoodie aus Hiddensee, der passt zum Wetter. Die Tram ist furchtbar überfüllt und die U-Bahn dann erstaunlich leer, vielleicht kann ich es irgendwie einrichten, an den nächsten Diens- und Donnerstagen eine halbe Stunde später loszugehen, das würde das alles deutlich entzerren und angenehmer machen. Trotzdem schaffe ich es, schon in der Bahn ein bisschen die E-Mails zu checken und bekomme spannende Entwicklungen zu großen Dingen mit, die gleich in einem Chat mit Mailand münden. Außerdem gibt es im Büro mal wieder Probleme mit der Stromversorgung und ich kann gleich beim Ankommen am Empfang Bescheid sagen. Hoffentlich wird das jetzt nicht auch ein wöchentliches Erlebnis.

Beim Hochgehen treffe ich heute auf die Kollegin mit dem neuen Bürohund und oben setze ich mich auch direkt neben die beiden. Schön ist, dass man im Büro gleich von mehreren Umarmungen empfangen wird, die Art von Kollegium sind wir. Ich gieße mir Milch ins Müsli mit Apfel und arbeite los. Mit vielen Unterbrechungen und Smalltalk zwischendurch – Großraumbüro halt. Kurz vor halb 11 ein kurzer Call mit Prag, dann halb 11 mit Ostfriesland. Um 11 mit Leuten vor Ort und Ostfriesland. Dreiviertel 1 mit Ostfriesland, Dortmund und London.

Halb 2 kann ich Mittagspause machen und gehe mit zwei Kolleg*innen und Hund in eine Sandwichbar um die Ecke. Wir holen uns etwas to go und setzen uns damit dann in die Büroküche. Für mich gibt es ein warmes Panino mit Tomate und Mozzarella und dann ein Apfel-Zimt-Dings.

Wir nutzen die Stunde voll aus und reden erst über Arbeit und dann über Wohnungseinrichtung und Familien. Dann geht es zurück ins Großraumbüro, wo die Arbeit nicht abreißt.

15 Uhr habe ich ein Meeting mit Dortmund und London (es stehen große Dinge an), direkt im Anschluss eins mit Nordengland, Südengland und Paris. Dann nochmal kurz zurück ins Großraumbüro und kurz vor 16:30 dann wieder in einen Meetingraum – ich bin für das technische Hosten eines globalen Calls zuständig. Als der vorbei ist, rufe ich den Liebsten zurück, der zwischendurch angerufen hatte um quasi live von anderen großen Dingen – der Verleihung eines – Bundesverdienstkreuzes am Bande zu berichten (nicht an ihn, aber sehr nahe dran). Alles sehr aufregend!

Ich gehe dann zurück an meinen Großraumbüro und arbeite noch bis kurz nach 18 Uhr weiter Sachen ab, während um mich herum allgemeine Aufbruchstimmung herrscht. Am Ende schreibe ich noch mit der Kollegin und Freundin in Frankreich, die mir mit meinem Verständnis eines niederländischen Textes helfen kann. Dann ist auch für mich irgendwann Feierabend und ich nehme die U-Bahn zum Yoga.

Das findet heute wieder zu viert in einem kleinen Raum statt, ist dafür aber mal wieder genau in der richtigen Intensität für mich. Hinterher halte ich noch ein längeres Schwätzchen mit der Yoga-Lehrerin und dann verlasse ich kurz vor 9 die Physiotherapiepraxis und laufe die halbe Stunde nach Hause. Zwischendurch schreibe ich mit meiner Familie und mein Bruder kommentiert trocken, dass die Unterschrift von Frank-Walter Steinmeier wie die einer Grundschullehrerin aussieht – da ist was dran.

Zuhause mache ich mir den Rest Gnocchi warm und telefoniere nochmal in Ruhe mit dem Liebsten. Dann tausche ich mich mit einer Freundin über Polster aus. Nach dem Essen geht es in die Badewanne und dann gegen 23 Uhr ins Bett. Halb 12 mache ich das Licht aus. Reicht für heute.

15.04.2024 – Verquerer Montag und Topinambur-Gnocchi

Dieser Montag geht irgendwie anders als andere Montage, ich kann es gar nicht richtig greifen. Es fängt schonmal damit an, dass ich ziemlich gut ausgeschlafen bin, es dann aber dauert, bis ich mir den nötigen Ruck geben kann, auch wirklich aufzustehen. Trotzdem sitze ich noch vor 9 am Schreibtisch, mit Müsli und Tee, und bin produktiv. Irgendwer hat da an der Werkseinstellung gedreht. Dann kommt dazu, dass keines meiner heutigen regulären Meetings auch regulär stattfindet, zwei werden wegen Krankheit verschoben, eins wegen Busyness auf der anderen Seite, genau deswegen fällt auch ein anderes, zwar nicht reguläres, aber immerhin schon länger geplantes aus. Statt vier geplanter Meetings habe ich dann ein ungeplantes, das auch noch zusätzliche Arbeit nach sich zieht. Routine ist anders.

Mittags gehe ich ins Draußen und in zwei Supermärkte, um ein paar Dinge zu holen, die dringend benötigt werden und einen Ricotta für ein Rezept, das mir für heute Abend in den Weg gesprungen ist. Auch der zweite Supermarkt hat keinen Ricotta, also sattle ich dann spontan auf Frischkäse um. Zum Mittagessen gibt es dann Stullen und cruditées, wie man anderen Gegenden hip sagt.

Am Nachmittag weiter leicht merkwürdiges Arbeiten – ich erledige lauter Jobs für andere, die nicht da sind. Nebenbei begleite ich den Liebsten emotional, der mal wieder Abenteuer mit der Bahn erlebt. Der Feierabend um 18 Uhr kommt dann erstaunlich schnell, ich habe aber weiterhin das Diensthandy am Start, weil ich noch auf Rückmeldungen warte, die schnelles Handeln erforderlich machen. Die kommen dann aber nicht. Währenddessen hauselfe ich wieder ein wenig – Staubsaugen und Müll runterbringen steht auf dem Plan. Ich überlege noch, einen Spaziergang dranzuhängen, aber als ich den Müll wegbringe droht das saftige Grün gerade noch viel saftiger zu werden und ich gehe schnell und rechtzeitig vor Gewitter und Hagel wieder rein.

Reinstes Aprilwetter also, passt ja ausnahmsweise zum Kalender. Nach einer kurzen Verschnaufpause stelle ich mich dann in die Küche und koche nach diesem Rezept Topinambur-Gnocchi mit einer Knoblauch-Salbei-Butter. Der letzte Topinambur von der Hasenmama muss endlich verbraucht werden, den Salbei habe ich ja jetzt wieder frisch vom Balkon und den Rest eh immer da. Statt dem Ricotta gibt es wie gesagt Frischkäse, was auch erstaunlich gut schmeckt, mit Ricotta stelle ich es mir aber noch raffinierter vor. Einzig die Konsistenz des Teiges kriege ich nicht so hin, dass man ihn in Gnocchi-Form bringen könnte, stattdessen steche ich mit einem Löffel Nocken (höhö) ab, das funktioniert auch erstaunlich gut.

Der ganze Prozess dauert dann eine gute Stunde, dafür habe ich eine gute Portion für heute und noch eine weitere für die nächsten Tage. Ich schlemme im Bett und gucke nebenbei auf TikTok rum. Für Lesen bin ich heute zu kaputt. Stattdessen mache ich mich dann schon kurz nach 10 bettfertig und schlafe extrem schnell ein.

14.04.2024 – Sonntagsruhe und Date Night

Es ist Sonntag und die Verpflichtungen sind rar. Ganz grundsätzlich bin ich mit dem Liebsten verabredet, aber wir sind schon gestern Abend einstimmig übereingekommen, dass das doch keine Frühstücksverabredung wird, sondern wir dann im Laufe des Tages gucken, wie und wonach uns ist. Von daher bleibe ich nach gutem Nachtschlaf (unterbrochen wieder von Nimbin, dem gegen halb 7 kurz langweilig ist), einfach im Bett liegen. Internet leer lesen, Bloggen, Telefonat mit dem Liebsten. Wir einigen uns auf gemeinsames Ausgehen am Abend und danach alle wieder zurück in ihre eigenen Wohnungen. Das ist mir sehr recht, nach dem vielen Unterwegssein der letzten Wochen möchte ich einfach nur wohnen und der Liebste bricht morgen Mittag eh schon wieder auf durch die halbe Republik.

Jetzt, wo ich weiß, dass ich erst abends rausmuss, richte ich mich so richtig im Bett ein. Es gibt noch schnell Frühstück für die Katzen und mich und ich stelle eine Waschmaschine an, dann liege ich und lese in aller Ruhe mein Buch aus. Ich bin hin und her gerissen, mag vieles daran sehr (das Kind, den Hund, die Nerdigkeit – sehe nur ich die Anleihen bei Irving, dazu noch das Waisenhaus und die alleinstehende Mutter, oder sind die gewollt?), aber neben dem, dass es unrealistisch ist (das Kind, der Hund, der Erfolg der Nerdigkeit im Fernsehen der 60er Jahre) ist es auch sehr on the nose was Feminismus und allgemeine wokeness angeht. Alles ein bisschen zu sehr gewollt, zu sehr forciert, zu sehr aus der Sicht 60 Jahre später geschrieben, neben den vielen schrecklichen Dingen auch ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Bin gespannt, was der Firmen-Buchclub dazu sagt.

Rosengelee auf Erdnussmus, Nudossi, Mispeln, Apfel, Sencha

Als das Buch aus ist, beschäftige ich mich kurz mit Dringlichem – Wäsche abnehmen und zusammenlegen, gewaschene Wäsche aufhängen, Spülmaschine aus- und einräumen, Katzenklos durchsieben… Und habe dann immer noch ausreichend Zeit. Also lege ich mich wieder ins Bett und schaue einen Film – The Zone of Interest – und der ist wirklich so gut, wie alle sagen, aus genau diesen Gründen. Puh.

Ich beschließe dann, früher aufzustehen als ich müsste und noch ein bisschen draußen zu spazieren – das Schrittziel, ihr versteht. Also werfe ich mich in Schale und gehe zur S-Bahn, die mich bis zum Ostkreuz bringt. Von hier aus spaziere ich eine knappe Stunde bis zum Restaurant, wo ich den Liebsten treffe.

Auf der Modersohnbrücke treffen sich Menschen weit vor Sonnenuntergang und gucken auf die Gleise. Verstehe das Konzept nicht. Aber Brückensitzen ist halt so ein Ding in Berlin, ich präferiere aber Brücken über Wasser.
Quod erat demonstrandum

Wir treffen uns heute in einem österreichischen Lokal, in dem ich früher öfter wegen des Kaiserschmarrns war, der Liebste zum Trinken und Doppelkopf spielen, als er noch um die Ecke wohnte. Heute kommen wir, um ganz ernsthaft und gut zu speisen.

Gerösteter Blumenkohl auf Kräutern, Ei und Kapern / Limonade mit weißem Pfirsich und Lavendel
Frittatensuppe
Panierte Portobello-Pilze mit Erdäpfel-Vogerlsalat, Dip und Preiselbeeren
Wiener Schnitzel mit Röstkartoffeln und Preiselbeeren / Helles vom Fass
Marillenknödel mit Bröselbutter

Wir schmausen und erzählen – nachdem es morgens beim Telefonieren schon um Iran und Hitler ging abends dann leichtere Themen – Linguistik, Writing Prompts, Planung der nächsten Tage… Vor zwei Tagen hatten wir viereinhalbjähriges Jubiläum, das kann hier also als Festessen durchgehen. Der Liebste lädt großzügig ein, vielen Dank dafür! Nach dem Essen verabschieden wir uns und gehen in verschiedenen Richtungen zur U-Bahn, die hier alle vier Minuten über unseren Köpfen rattert – mit Grüßen an Element of Crime!

Den Rückweg bestreite ich mit U-Bahn, S-Bahn und S-Bahn und kurz vor Zuhause sind die 10.000 Schritte voll. Ich putze mir die Zähne und liege kurz vor 10 wieder in meinem Bett, von Katzen umgeben, und fange das nächste Buch an, bis mir eine Stunde später die Augen zufallen.