31.10.2026 – Fhain, Demo, Halloween und Wochenende halt

Die Kombination von spätem Schlafen, frühem (nicht benötigtem) Wecker und umtriebigen Mitbewohnerinnen (Noosa, die menschliche Mitbewohnerin und ich waren alle drei jeweils mindestens zweimal unterwegs) sorgt für ein ausgeprägtes Schlafmangelgefühl am Morgen. Ich habe nun aber ja das gestrige Zusammensein auf heute Morgen verschoben und dann ziehe ich das natürlich jetzt auch durch. Der Reboot dauert trotzdem besonders lange und mittendrin melde ich schonmal an, dass ich mich verspäten werde. Sei‘s drum, die Lichtenberger Freundin ist sehr auf Selfcare, Grundbedürfnisse und so gepolt und von daher ist alles kein Problem.

Ein Problem ist der öffentliche Nahverkehr, als ich etwa zehn Minuten später als angedacht die Wohnung verlasse. Auf dem Weg zur S-Bahn fährt ein SEV-Bus an mir vorbei und mir schwant übles. Der Blick in die App bestätigt: Auf der Strecke, die eigentlich unter 15 Minuten benötigt, gibt es einmal Pendelverkehr und einmal Ersatzverkehr mit Bus. Nicht mit mir! Ich entscheide mich für den längeren aber bequemeren Umweg und steige in die Straßenbahn. Direkt beim Einsteigen fällt mir auf, dass sie nicht die komplette Stammstrecke fährt, sondern zwischendurch abbiegen wird und ich dann noch eine U-Bahn brauchen werde, bevor ich in die S-Bahn steigen kann. Immer noch besser als Busfahren, sage ich mir. Insgesamt komme ich dann also nicht 10, sondern eher 25 Minuten zu spät, aber this being Berlin ist das ja immer noch alles Jammern auf hohem Niveau.

Wir beginnen die Runde vor dem Café, weil drinnen noch kein Platz ist. Zum Glück regnet es nicht. Ich trinke Cranberry-Orangen-Soda und wir teilen uns eine Variation von Eggs Benedict, weil es für die Freundin schon das zweite Frühstück ist und ich wenig später zum Mittag verabredet bin. Mittendrin können wir dann nach drinnen an einen Tisch wechseln und dann wird es richtig entspannt und gemütlich.

Wir erzählen uns unsere letzten Wochen und spazieren dann noch gemeinsam zum Markt auf dem Boxi, wo es einen Stand mit handgefertigten Dominosteinen in diversen Variationen gibt. Ich entscheide mich für die klassische Variation (Marzipan und Gelee) with a twist, nämlich mit Kirschwasser. Außerdem kaufe ich noch Kekse, die danach schreien, mit dem Teilzeitkind geteilt zu werden. Wir plauschen noch mit der Verkäuferin über die neuen gesetzlichen Regelungen zu Kassensystemen und dass es spannend wird, ob diese einen Berliner Winter im Freien überstehen.

Dann verabschieden wir uns und ich laufe zur Karl-Marx-Allee, wo ich mit einer Kursteilnehmerin in einem balinesischen Café verabredet bin. Eigentlich soll es dort samstags Pop-up-mäßig Mittagessen geben, aber heute wohl nicht. Wir bestellen also herzhafte Kleinigkeiten und Kuchen und ich trinke einen Hojicha (gerösteten Grüntee) mit Sesampaste. Sehr lecker!

Pandang Basque Cheesecake, Veggie Frisole, Hojicha mit Sesampaste und Hafermilch

Die Unterhaltung ist ganz anders aber doch genauso entspannt und vertraut wie mit der langjährigen Lichtenberger Freundin – der Kurs hat uns alle schon sehr arg zusammengeschweißt und meine Sicht auf das Kennenlernen von Menschen nochmal bestätigt: Man kann fast jede(n) mögen, wenn man sich ausführlich und tief genug mit ihnen beschäftigt. Klappt natürlich nur, wenn das Gegenüber sich auch darauf einlässt und mitmacht, also eher nicht mit Menschen aus dem anderen politischen Spektrum zum Beispiel, die meist kein Interesse an persönlicher Begegnung haben.

Aber ich schweife ab, wir unterhalten uns wunderbar und planen schon nächste Treffen und für etwaige Mitlesende, die sich angesprochen fühlen – in beiden Gespräczeb wurde ein möglicher baldiger Karaoketermin eruiert, zwinkizwonki…

Dann muss mein Gegenüber zurück an die Arbeit und ich nehme die U-Bahn zum Brandenburger Tor, mal nach den jugendlichen Randalierer*innen von der Gen Z gucken, aufpassen, dass kein Quatsch über sie verbreitet wird und mich zählen lassen.

Wie erwartet geht alles sehr gesittet zu, es sind gar nicht mal soooo viele Menschen da und alle wirken fast ein bisschen zu friedlich und entspannt. Ich laufe einmal rum, mache Fotos der schönsten Plakate und fahre dann mit zwei U-Bahnen und Straßenbahn zurück in den Pberg.

Ich muss nämlich noch schnell Süßigkeiten kaufen, bevor die Gen Alpha vermummt durch die Nachbarschaft zieht und Plünderungen androht. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang komme ich vollgepackt nach Hause und lege mich erstmal hin. Eine gute Stunde Tiefschlaf, dann klingeln mich die Nachbarskinder wach und verlangen Süßes sonst gibt’s Saures. Boah sind die wieder niedlich und glücklich, dass ich was habe.

Dann mache ich mir einen Stullenteller zum Abendbrot und starte in einen Couch-Abend, während sich meine Gen-Z-Mitbewohnerin für ihre Halloween-Party fertig macht. Es gibt ein Tarantino-Motto und sie geht als Mia Wallace, mit Perücke und allem.

Zum Glück sind die Gen Alphas früh genug fertig und meine Mitbewohnerin geht spät genug los – beide geraten nicht in die zweite, Trittbrettfahrenden-Demo heute Abend, bei der vor allem die Free-Palestine-Bubble und eventbetontere Linke auf eine weniger entspannte Polizei treffen, was unweit meiner Wohnung kurzzeitig ein bisschen – aber immer noch total in Maßen – eskaliert. In Frankfurt sah es da ein bisschen anders aus, sagen die Medien. In Berlin hingegen können alle morgen ihre Spanplatten wieder abnehmen, mit besonders viel Scham hoffentlich die Luxusgeschäfte am Ku‘damm, kilometerweit entfernt von Kundgebungsort UND Demoroute. Ich hätte dann auch gerne noch Entschuldigungen der panikschürenden Medien und Parteienvertreter*innen, die das Ganze für ihre Zwecke missbraucht haben, vor allem von dem mit der Rehaugenvorliebe.

Auf LinkedIn lese ich einen irritierenden, offensichtlich mit KI geschriebenen Beitrag von einem Menschen, der beruflich was mit KI macht, der sich darüber beschwert, dass er am heutigen Feiertag (offensichtlich lebt er nicht in Berlin) nicht einkaufen, aber Menschen demonstrieren dürften. Dabei seien Feiertage doch für Gemeinschaft und Harmonie da und nicht um die Gesellschaft zu spalten. Es juckt mir in den Fingern, ihn a) für den schlechten KI-Stil zu beschämen, ihm b) vorzuwerfen, dass er anregt Grundrechte einzuschränken und c) die Geschichte des Reformationstags zu erklären, an dem sich Martin Luther eben nicht zum Kuscheln mit seinen Kirchenkollegen getroffen hat. Aber erstens ist LinkedIn ein berufliches Netzwerk und zweitens soll man ja keine Interetdiskussionen vom Zaun brechen, weil jemand Unrecht hat, das endet selten gut oder konstruktiv.

Dann höre ich noch sehr interessiert Podcasts – Lukas Rietzschel bei Ostwärts, Felix Banaszak bei Anne Will. Mit Beiden stimme ich in vielem überein und in manchem nicht, aber ich mag die Art und Weise, wie sie ihre Ansichten formulieren und erklären. Lohnt sich!

Podcasts kann man übrigens sehr gut in der Badewanne hören, bei handgemachten Doministeinen und als Einstimmung fürs Schlafengehen!

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