04.11.2026 – Die perfekte Welle

Gegen 4 seufzt Noosa laut und ich gehe mal eben aufs Klo und dann überlege ich kurz, ob ich wieder einschlafen soll oder doch nach den Midterms schaue und dann hat die New York Times meinen Sperrbildschirm direkt mit den aktuellen Senatssitzen belegt… Ich schaue also kurz und das ist mal wieder genau in dem Moment, als das Ausmaß des Ergebnisses klar wird (ähnlich wie Trump 2016, da wachte ich auf als Ohio oder Iowa fiel), diesmal aber in die andere Richtung: Die gute alte New York Times sagt bereits eine riesige Wahrscheinlichkeit für zwei demokratische Kammern voraus und jetzt muss ich erstmal alles nachlesen und überblicken und mich freuen. Die Eltern in Kanada sitzen auch und gucken, das sehe ich über Mastodon und BlueSky. Der Liebste sowieso. Aber ich bin nicht wach genug für Interaktion und melde mich bei niemandem.

Irgendwann fallen mir die Augen fast wieder zu, aber das ist dann zu nah am Weckerklingeln um nochmal gewinnbringend einzuschlafen, also powere ich through und bin dann während des morgendlichen Reboots ziemlich gerädert. Das ändert sich dann aber, als ich aufstehe und direkt triumphierende Musik anmache – „Power To The People“, „Do You Hear The People Sing“, „Battle Hymn Of The Republic“ – ab da trägt mich das Adrenalin durch den Tag.

Zur Feier von „woke is back“ und der Rückkehr meiner Millenial Hope (sagt das Internet) gibt es zum Frühstück Iced Coffee mit Vanillesirup, dazu Müsli mit Apfel und Kaki, Blutorangensaft. Ich arbeite los, erledige Dinge und gucke mit einem Auge weiter auf den Newsfeed, das ist alles sehr erbaulich.

Dann zwei Meetings mit Frankfurt, in einem gewinne ich eine weitere Dienstreise nach München. Ich werde die Vorweihnachtszeit in vollen Zügen genießen, bisher sind im Advent insgesamt vier Trips geplant, zwei private und zwei dienstliche. Besinnlichkeit galore.

Dann ist der Liebste endlich wach (er ging schlafen als ich aufstand) und wir werten mal eben aus, dass das heute wirklich ein guter Morgen ist, dass es sich anfühlt wie Obama 2008, dass der Großteil der vermuteten Unbill nach diesem klaren Ergebnis wohl ausbleiben wird (doch kein Bürgerkrieg?)… Alles sehr erquicklich. Ich mache Mittagspause, schicke den Rest Pellkartoffeln durch den Speiseföhn und esse dazu den Rest Sahnehering.

Am Nachmittag gibt es noch ein Meeting mit Leverkusen und dann pünktlichen Feierabend. Ich fahre mit der S-Bahn nach Fhain (heute fährt sie), laufe rüber nach Lichtenberg (der Tunnel ist wieder auf) und bin pünktlich zum Kurs im Wasser. Trainer ist heute wieder der großartige Party-Typ, der jede Übung nur kurz zeigt und dann wild tanzt, während wir uns lachend abstrampeln. Es ist ein Fest und passt zur Stimmung. Auch im Wasser: Überall blaue Welle.

Dann komme ich pünktlich zum Aufguss in den Saunabereich (Himbeere und Minz-Beere, nicht sooo toll, das angekündigte Limette-Yuzu hätte mich mehr angesprochen, aber die Minze macht immerhin die Atemwege frei), dusche hinterher kalt und lege mich in den Ruhebereich und lese ordentlich was in meinem Buch weg. Läuft bei mir.

Als mein Kreislauf sich beruhigt hat und das Kapitel beendet ist, mache ich mich fertig und auf den Rückweg. Wieder zuhause mache ich zum Abendbrot eine Dose Thunfisch auf. Sieht aus wie Katzenfutter, riecht wie Katzenfutter, ist Katzenfutter, findet Noosa und macht ihn mir streitig. Ich leere die Dose, lasse sie den Rest ausschlabbern (eigener Saft, kein Öl!) und verfremde den Rest mit Salzkapern, Oregano, roter Zwiebel, Tomatenmark und ein wenig Mayo für aufs Brot. Daran will sie dann nur noch schnuppern, das Essen überlässt sie mir.

Zum Essen telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten und sowieso schicken wir uns die ganze Zeit lustigen Kram die Wahlen betreffend zu. Nach dem Essen geht es in die Badewanne, gegen halb 11 ins Bett und ich glaube schon vor 11 schlafe ich selig ein.