03.02.2024 – Arbeit und Vergnügen

Nein, keine Erwerbsarbeit, „nur“ Hausarbeit, keine Sorge!

Mein Plan mit dem früh wach und munter sein geht auf. Also ich bin noch früher wach als munter, scheinbar hat Noosa jetzt morgens immer schreckliche Langeweile und Spieltrieb, aber so gegen 8 bin ich dann auch munter und mache die üblichen morgendlichen Dinge. Gegen 10 schwinge ich mich aus dem Bett und beginne mit unüblichen Dingen. Erstmal das Katzenklo ausleeren und säubern, dann das Bett ab- und neu beziehen. Dann mache ich mir eine Mate auf und die erste Pause das Tages, als der Liebste anruft. Wir sind uns einig, dass wir es heute nicht zur Demo schaffen: Wir haben beide noch Schmerzen und trauen uns kein langes Gehen und Stehen zu. Also lassen wir es heute nochmal ruhig angehen und treffen uns dann morgen zum Brunchen.

Als Nächstes schaffe ich rund ums Bett Platz, lege Wäsche zusammen und fummele die Sesselpolster zurück in den frisch gewaschenen Bezug. Kurz ausruhen. Dann trockne ich das Katzenklo ab und befülle es mit neuem Streu – es reicht nicht mehr für eine ganze Füllung, also muss ich hinunter in den Keller und neues hochholen. Als das Klo fertig ist, schnappe ich mir den Staubsauger und sauge die Wohnung gründlich durch – ich sage nicht, wann das das letzte Mal passiert ist, Teile der Antwort könnten meine Leserschaft verunsichern. Dann muss ich mich wirklich erstmal ausruhen. Inzwischen ist auch der Mitbewohner aufgestanden und wir treffen uns in der Küche beim Frühstück machen. Bei ihm gibt es Müsli, bei mir Toast mit Mandel-Tonka-Creme samt einem Apfel und Toast mit Gouda und Apfelmeerrettich samt einer Möhre, außerdem frisch gepressten Blutorangensaft und Sencha-Tee. Damit setze ich mich dann kurz nach 13 Uhr in den frisch bezogenen Sessel. Die Katzen sind verwirrt, da sitze ich doch sonst nie?? Es wird viel miaut und geguckt, aber keine setzt sich dazu, merkwürdig. Aber schön, dass ich zur Unterhaltung beitragen kann.

Erst als ich fertig mit Essen bin und mich noch etwas ausruhe, nimmt Noosa auf mir Platz und dann kann ich eine ganze Weile nicht aufstehen. Irgendwann aber raffe ich mich doch auf und putze das Bad. Auch das ist in dieser Gründlichkeit eine Weile nicht mehr vorgekommen (der Mitbewohner putzt öfter als ich, aber mehr so on the fly, ich seltener, dann aber ausführlich, das Ideal läge sicherlich dazwischen, oder in einer regelmäßig engagierten Putzkraft, aber dafür ist mein Leidensdruck noch nicht groß genug). Ich wische noch Bad und Küche und bringe denn Müll runter und dann reicht es für heute mit der Arbeit.

Während der anschließenden Ausruhphase gebe ich dann einer Werbung nach, die mich seit Tagen in den sozialen Medien verfolgt – ein Online-Sportkurs für „Vielsitzer“ (sic!). Man zahlt 99 € und bekommt dann zehn Wochen lang Infos und Übungen zu absolvieren. Nach erfolgreichem Abschluss bekommt man die 99 € von der Krankenkasse zurück. Das Konzept passt gut zu meinem aktuellen Zustand. Ich mache direkt den Theorieteil. Um 16 Uhr bin ich mit meinem Bruder zum Telefonat verabredet, es gibt mal wieder Bürokratisches zu klären. Danach reden wir aber auch noch über Avocados, Geburtstagsgeschenke und seine Freundin, die gerade irgendwo in der Luft zwischen Singapur und Sydney ist.

Etwas später hole ich auch noch die Yogamatte hervor (weil es auch Übungen am Boden gibt) und absolviere die 35 Minuten Praxisteil des Sportkurses dieser Woche. Abgehakt ist abgehakt. Hui, teilweise ganz schön anstrengend, teilweise nicht zu schaffen, aber angeblich lernt die App und passt den Schwierigkeitsgrad an. Der nächste Teil wird dann in einer Woche freigeschaltet. Ich ruhe mich wieder aus, mache Italienisch (und bestehe diesmal den „B2“-Test in Busuu) und suche nebenbei eine Brunch-Location für morgen aus. Dann dusche ich und ziehe mir einen frischen Schlafanzug an, mache mir Stullen (letzte Wildschwein-Leberwurst aus Hiddensee, nochmal Gouda, Cornichons) und lege mich mit Buch aufs Sofa, während es draußen in Strömen regnet.

Mit viel Mühe schaffe ich ein Kapitel, bevor mir die Augen zufallen und ich wegdöse, für ein Stündchen etwa. Danach mache ich mir stattdessen ein Hörbuch an und spiele nebenbei. Später lese ich noch etwas in einer Literaturzeitschrift. Dann ist Zeit für TikTok und Co. Langsam macht sich das viele Koffein und von Mate und Sencha (es gab eine große Kanne voll) bemerkbar und ich werde wirklich hellwach. Gegen Mitternacht wechsele ich ins Bett, muss aber noch lange Hörbuch hören, bis ich dann richtig einschlafen kann.

02.02.2024 – Mummeltiertag

Muss ich das Wortspiel erklären? Ich denke nicht.

Heute wieder wie üblich vor dem Weckerklingeln aufgewacht, womöglich weil eine kleine niedliche Katzen kuscheln und spielen wollte. (Auch zehnjährige Katzen können klein und niedlich sein) Also gekuschelt und gespielt und im Internet herumgeguckt, gebloggt, Italienisch gemacht und mit dem Liebsten telefoniert. Gegen halb 9 dann aufgestanden, Katzen gefüttert und Frühstück organisiert. Heute gibt es seit langem mal wieder einen Smoothie – zwei überreife Bananen müssen endlich weg und nachdem das mit den Pancakes neulich nicht so gut geklappt hat und mir gestern Abend Zutaten für Banana Bread fehlten, eben so. Saft zweier Blutorangen und einer halben Limette (dafür seit langem mal wieder die gute elektrische Zitruspresse rausgeholt), zwei Bananen, ein Stück Ingwer, ein Stück Curcuma, mit Hafermilch auf 0,4 l auffüllen, den Smoothiemodus des Mixers anstellen und während der ohrenbetäubenden Krach macht schnell noch etwas Gebäck und getrocknete Feigen auf einem Teller arrangieren – Zack, Frühstück fertig.

Damit sitze ich dann gegen 9 am Schreibtisch. Viertel 10 beginnt die monatliche virtuelle Kaffeerunde – ein Überbleibsel aus Pandemiezeiten, da wir viele Remote-Leute in Deutschland haben und gerade ja auch eh wieder alle im Homeoffice sitzen, passt es aber weiterhin gut. Alle stimmt nicht, ein Kollege ist gerade in Prag (mit meiner Kollegin aus Südengland und anderen) und hat sich vom Hotelfrühstück eingewählt, um uns vom Austausch mit den Kollegen aus den USA, Frankreich, UK und Tschechien zu berichten. Ziemlich cool.

Direkt im Anschluss Meeting mit Ostfriesland. Danach habe ich eine halbe Stunde Zeit und kann durch E-Mails und Nachrichten gehen, bis zum nächsten Meeting mit Dortmund, Biesdorf, Lichtenberg und Moabit. Danach ist es halb 12 und vorbei mit Meetings für diese Woche. Ich überarbeite einen Text und verschiedene andere Dateien den Ergebnissen des Gesprächs mit meiner Chefin entsprechend und erstelle dann ein extra Dokument für Übersetzungen. Ich übersetze den englischen Text danach ins Deutsche und bitte meine Kollegin in Paris um eine Übersetzung ins Französische.

Dann ist es erstmal Zeit für die Mittagspause. Ich mache mir die Reste von gestern warm und danach bringe ich erst den Müll weg und spaziere dann zu einem Restaurant in der Nähe, um eine Pfanddose zurückzubringen. Auf dem Hinweg denke ich, dass ich ja doch wieder erstaunlich fit und fast wieder schmerzfrei bin. Auf dem Rückweg werden mir die Beine schwer, der untere Rücken schmerzt und ich werde unheimlich müde. Tippe auf eine Mischung aus Überschätzung meines Zustands und Histamin, das durch die Chili im Curry freigesetzt wurde. Grummel.

Die Beschwerden halten den Rest des Tages an. Aber erstmal muss ich ja nur wieder sitzen und denken. Wieder zurück „esse ich den Frosch zuerst“ und erledige eine Recherche-Aufgabe, die heute fertig werden muss und schon eine Weile prokrastiniert wurde. Dann widme ich wieder den Übersetzungen und jage meinen Text durch Übersetzungsmaschinen, um Arbeitsversionen in Spanisch, Italienisch, Polnisch, Tschechisch und Niederländisch zu erstellen. (Bei den nicht-slawischen Sprachen erkenne ich sofort „diese Umfrage“, um sie zu verlinken, bei den slawischen brauche ich eine Extrarunde mit der Übersetzungssoftware, aber meine Grundkenntnisse im Sorbischen und in Grammatik im allgemeinen machen es mir zumindest leichter, als es dem Rest des Teams gefallen wäre. Den zu fettenden Textteil mit drei „drei“ vorne erkenne ich in allen Sprachen sofort.) Ich schicke die Übersetzungen jeweils zu Kolleg*innen aus den jeweiligen Ländern zur Korrektur und dann ist auch diese Aufgabe für diese Woche erledigt.

Noch ein paar kleinere Sachen von meiner Liste werden abgehakt und dann kommen wichtige Neuigkeiten aus Südberlin. Heute ist Zeugnisausgabe und ich sage mal so: Das Einzige, was dem Wechsel des Teilzeitkinds aufs Gymnasium noch in die Quere kommen könnte, ist, dass die Eltern vergessen, die Anmeldung rechtzeitig abzuschicken. Geforderter Notenschnitt mit Abstand übertroffen, über die „Informationen über Arbeits- und Sozialverhalten“ können alle nur wissend schmunzeln und die arme Liebstenmama, die dem Kind „fünf Euro für jede 1 und drei Euro für jede 2“ angekündigt hat, muss jetzt eine ganze Weile stricken.

Dann ist es schon kurz vor 17 Uhr und ich schreibe meinen Wochenbericht. Um 17 Uhr schicke ich ihn ab, wenige Minuten danach fahre ich den Laptop runter. Bis 18 Uhr behalte ich noch das Diensthandy im Auge und dann ist endgültig Wochenende. Alle Pläne, die ich für heute Abend gemacht hatte (nochmal rausgehen und/oder putzen und/oder Ordnung schaffen) sind aber erstmal auf Eis, mein Körper sagt: „Liegen will ich!“ Also lege ich mich aufs Bett und zocke eine Runde, während der Mitbewohner sich zum Ausgehen fertig macht. Er ist zwar total kaputt, will sich aber zwingen, weil er die ganze Woche noch nicht unterwegs war und Angst hat, in eine Routine des „Nichtstuns“ zu kommen. Ich lächle gequält und sage nichts, während ich mir überlege, was ich heute Abend zu Essen bestelle und der Kollegin und Freundin in Frankreich schreibe, dass ich heute zu erschöpft bin, um mit ihr zu telefonieren. Eine halbe Stunde kommt mein Burger mit Feta und Rucola samt Pommes an.

Ich gucke ein Comedy Special (Geoffrey Asmus – wilde Mischung aus hui und pfui), telefoniere noch zweimal mit dem Liebsten und gucke ansonsten bis kurz nach 23 Uhr „The West Wing“ weiter – bis zu der Folge, in der Armin Mueller-Stahl einen Gastauftritt als israelischer Premierminister hat. Danach mache ich mich bettfertig, in der Hoffnung, mich gesünder zu schlafen und außerdem morgen früh genug wach (und munter!) zu sein, um die Pläne von heute Abend nachholen zu können.

01.02.2024 – Hallo Februar

Vom Wecker geweckt wurden und damit von Anfang an mit der Morgenroutine im Hintertreffen. Da aber morgens keine Meetings anstehen und mir meine Chefin ja letzte Woche bestätigt hat, dass ihr egal ist, wann und wo ich arbeite, solange das Ergebnis stimmt, muss ich mich nicht eilen und kann trotzdem entspannt in den Tag starten. (Ja, ich habe schon darüber nachgedacht, meinen Wecker grundsätzlich früher zu stellen, aber der ist eh mehr so ein last warning und ich wache meistens vorher von alleine auf. Also gönne ich mir die wenigen Male, die ich ihn brauche auch den zusätzlichen Schlaf.) Schon während des Bloggens jedenfalls ruft der Liebste an. Er hat weniger Schmerzen und ich auch, obwohl wir uns beide noch ordentlich etwas vorklagen können.

Gegen 9 stehe ich auf und mache mich und die Katzen für den Tag fertig. Es gibt Müsli mit Apfel und getrockneten Wildfeigen, Pfefferminztee und eine Mate, um den Kopf in Schwung zu bringen.

Es ist schon Februar? Wahnsinn, wie der Januar vorbeigerauscht ist, aber ist ja auch genug passiert, mit Ankündigung und Durchziehen des Büroumzugs, der Lehnitzsee-Konferenz und den folgenden Demonstrationen, Spaß mit Handwerkern und Behörden, einem Wellness-Wochenende, Vogelhochzeit und Weihnachten in Familie, Reiseplanungen, Zuspitzung der Stress-Situation und jetzt Arbeit an selbiger… Da kann man schonmal verpassen, wie die Kalenderblätter vorbeiflattern. (Alles individuelle Wahrnehmung jedenfalls, bei der Kaltmamsell sieht das z. B. ganz anders aus.)

Erst mache ich also Monatsanfangsdinge. Die Liste der Jubiläen im Intranet muss erneuert werden, das hatte ich die letzten Tage vorbereitet. Außerdem kann ich heute endlich vollständige Nutzungsdaten des Intranets für den Januar ziehen, aufbereiten und verteilen. Schön, dass Dinge, an denen ich und mein Team arbeiten, zu den meistangesehenen Seiten gehören! Dann bastle ich noch ein paar Änderungen in die neue Unterseite ein und widme mich dann verschiedenen Entwürfen, die die Chefin schickt und für die sie Input braucht.

Heute achte ich darauf, idealerweise immer nur eine Sache auf einmal zu machen und währenddessen Chat-Anfragen und eintrudelnde E-Mails zu ignorieren. Wieder so ein Ding, das man eigentlich weiß, ich mir aber über Jahre anders antrainiert habe. Ich werde auch meine Arbeitsapps vom Privathandy schmeißen (bis auf den Kalender und das Personalverwaltungssystem, damit ich weiter berufliche und private Termine koordinieren, Urlaub einreichen und Krankmeldungen machen kann). Dann kann ich abends oder in der Pause das Diensthandy einfach weglegen (und hoffentlich ignorieren) und bekomme nicht mehr so leicht etwas mit. Mit etwas Aufwand komme ich notfalls ja trotzdem ran, wenn ich es muss und wenn die Welt untergeht, haben meine wichtigsten Kolleg*innen eh meine Privatnummer und können mich erreichen. (Nach diesem Absatz direkt: erledigt.)

Halb 1 habe ich mein wöchentliches Meeting mit meiner Chefin. Wir gehen produktiv alle Punkte auf unserer Agenda durch, heute keine Zeit für Smalltalk. Wir überlegen aber, das Meeting zukünftig zu verlängern, damit immer auch Zeit für das Persönliche bleibt. Danach mache ich Mittagspause. Erst Wäsche aufhängen, dann raus in die Sonne. Die Katzen brauchen Katzengras und ich neue Hafermilch. Bei der Gelegenheit hole ich auch noch andere Dinge von meiner Drogeriemarkt-Einkaufsliste. Auf dem Heimweg fühle ich mich kurz gestresst, weil ich zu spät zum nächsten Meeting kommen werde. Ich sage dann aber einfach Bescheid, dass es später wird (machen die anderen dauernd) und bei der Gelegenheit stellt sich heraus, dass der eine Teilnehmer eh keine Zeit hat und wir außerdem auch keine dringenden Themen haben. Ich sage das Meeting also direkt ab und spaziere gelöster nach Hause. (Wieso nochmal fällt das den Leuten nicht früher ein?)

Wieder zuhause stelle ich also erst das neue Katzengras auf und das welkende auf den Balkon. Dann verräume ich die Einkäufe, mache mir eine Stulle und dann die Post auf. Ein Brief für den Ex-Mitbewohner, meine neue EC-Karte (Wird direkt aktiviert und außerdem dem Telefon zugefügt, genau wie die Kreditkarte, da mein 49-Euro-Ticket ebenfalls auf dem Telefon ist, könnte ich jetzt theoretisch oft auch ohne Portemonnaie unterwegs sein. Allerdings dann halt auch ohne Versicherungskarte, Personalausweis und Bargeld. Hmm.) und ein Schreiben vom Finanzamt. Mit dem muss sich am Wochenende weiter auseinandergesetzt werden, irgendwo ist ein Fehler.

Zurück am Schreibtisch passe ich unsere Büroadresse in meiner Signatur und unseren Briefbögen an und schicke dann eine E-Mail-Anleitung an die Belegschaft, wie sie ihre Signatur anpassen können. Ab heute arbeite ich also endlich an der Wall Street (nur die in Berlin, aber pssst). Dann setze ich die letzten Änderungen an der Intranetseite um, die ich mit meiner Chefin besprochen habe und bringe diese dann live. Wieder ein Meilenstein geschafft. Noch ein bisschen Kleinkram hier und da (und ein Telefonat mit dem Liebsten) und dann ist es schon wieder Zeit für Team-Meeting. Heute reines Arbeitsmeeting – wir gehen zusammen ein Projekt durch und brainstormen gemeinsam. Sehr schön! Am Ende hat die Chefin noch eine Überraschung für uns – wir werden es dieses Jahr wohl wirklich hinbekommen, uns alle in echt zu treffen. In Prag.

Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber wir sind schonmal außer uns vor Freude. Das letzte Offsite war vor viereinhalb Jahren, als ich gerade frisch im Team war. Meine Chefin und die Kollegin in Südengland waren dabei. Die Kollegin in Paris gab es damals noch nicht und der Kollege in Chicago konnte damals nicht teilnehmen. Die beiden habe ich also noch nie live gesehen. Wir schmieden direkt Pläne und gleiten so sanft in den Feierabend. Whoop whoop!

Ich setze mich kurz mit einer Feierabendlimo (Blaubeer-Salbei) auf die Couch und mache mir dann Abendbrot. Hoch lebe das Internet, ich finde ein passendes Rezept zu meinen Zutaten (Süßkartoffel, Erbsen) und mache mir eine Art asiatischen Gemüseeintopf daraus, mit Dosentomaten, frischer Limette, einem Rest roter Thai-Curry-Paste und Kokosmilch. Eigentlich hätte es mehr so ein Curry werden sollen, wurde dann aber flüssiger als geahnt. Mit Dinkelbrot dazu wird das ganze sättigend und weniger scharf.

Das Rocher steht da nur präventiv

Zum und nach dem Essen schaue ich die nächste Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku, quer durch Kolumbien. Danach mache ich meine Italienisch-Aufgaben und spiele noch ein bisschen, telefoniere noch einmal mit dem Liebsten und lege mich dann in die Badewanne. Ich probiere seit langem mal wieder eine geführte Meditation aus, scheitere aber nach der Hälfte beim Durchziehen und höre den Rest weiter, während ich mir die Haare wasche. 15 Minuten war ein bisschen viel gewollt bei meinem derzeitigen Geisteszustand. Aber in kleineren Dosen sollte ich das wieder regelmäßiger machen. Ich hatte da vor Jahren mal eine gute Routine drin mit Morgenmeditation und einer zweiten kurzen Session in der Mittagspause, mit allen Kolleg*innen die gerade Zeit und Lust hatten. Da lagen wir dann immer in einem Meetingraum auf dem Boden herum und lauschten der Stimme aus meinem Handy. Das war auch vor 4,5 Jahren und endete dann mit Corona und der Homeoffice-Pflicht.

31.01.2024 – Focus Wednesday

So heißt der Mittwoch in meinem Arbeitskalender. Eigentlich(TM) sollen keine Meetings stattfinden und man soll Zeit haben, sich in komplexe oder kreative Projekte zu vertiefen. Das mit dem „keine Meetings“ hat schonmal geklappt, mal sehen, wie das mit dem Vertiefen wird. Ich bin zweimal nachts wach, schlafe dann aber bis zum Weckerklingeln. Der Morgen startet leicht benommen – das Schmerzmittel? – aber OK. Erst, als ich schon aufgestanden bin, ruft der Liebste an, der verschlafen hat. Und einen eingeklemmten Nerv und ebenfalls Schmerzen hat er auch. Sind wir nicht noch ein bisschen jung, um uns gegenseitig unsere Schmerzen zu klagen? (Nein, sind wir nicht, über Schmerzen klagen darf man in jedem Alter, besser als runterschlucken und darüber hinweg gehen!)

Zum Müsli mit Apfel, Chai und Maracujaschorle (frisch gemacht), gehe ich durch E-Mails und erledige die Aufgabe, die wir gestern Abend verschoben hatten. Dann vertiefe ich mich in Aufgaben, allerdings mehrere parallel – immer wenn ich nicht weiterkomme, mache ich mit etwas anderem weiter und springe dann wieder zurück. Ich schaffe erstaunlich viel heute – Konzeptionelles, Kreatives, Recherchereiches…

Dazwischen kommen natürlich aber auch einige curve balls. Erst telefoniere ich länger mit einer Kollegin, die meine Unterstützung braucht, dann daraufhin mit einem Kollegen, der dabei helfen kann. Dann braucht ein anderer Kollege Unterstützung und wir klären das mit einem Videocall – immerhin der einzige heute. Dann weist ein anderer Kollege darauf hin, dass wir an einer Stelle noch eine Schriftart verwenden, die wir nicht mehr verwenden dürfen, woraufhin ich noch andere Orte ausfindig mache, von ihm entsprechend abgeänderte Grafiken anfordere und dann auf die Jagd gehe – im Intranet Grafiken ersetzen, unter anderem auch in dem Video, das ich letzte Woche geschnitten habe – das dauert natürlich – und Grafiken mit der alten Schriftart aus unserem Archiv löschen, damit sie nicht wieder verwendet werden. Bei den beiden letzten curve balls kommt jeweils kurz Stress auf, sie sind dringend und umfangreich und unterbrechen die Arbeiten, die ich eigentlich mache. Wie so vieles in letzter Zeit.

Auf den ganzen Tag gerechnet ist das aber überschaubar und wird einigermaßen ausgeglichen. In der Mittagspause (Probierportion Champignonrisotto vom Mitbewohner und großer Salat aus Chicorée, Blutorange und Banane) setze ich mich nochmal ans Puzzle. Erst mit Hörbuch, dann nach offiziellem Pausenende mit strategischen Gedanken. Ich gehe mehrere „Probleme“ und Lösungsansätze im Kopf durch und als ich zufrieden bin, decke ich das Puzzle zu, gehe an den Schreibtisch und schreibe die entsprechende Antwort in den Chat. Hat ja keiner gesagt, dass Arbeiten immer am Schreibtisch stattfinden muss.

Um 18 Uhr bin ich gerade dabei, den Tag für heute abzuschließen (To Do‘s abhaken oder weiterschieben, so dass für heute nichts offen bleibt), als der ehemalige Mitbewohner vorbeikommt, um seine Post abzuholen. Heute hat er wenig Zeit mitgebracht, das ist für mich aber auch OK. Nach zehn Minuten bricht er wieder auf und ich mache mir die letzte Portion Pasta e fagioli warm und telefoniere mit dem Liebsten. Dann wieder: Hörbuch an und zurück ans Puzzle.

Gegen 22 Uhr – nach netto 8 Stunden – bin ich fertig und stolz auf mein Werk. Mal sehen, ob ich direkt mit dem Rostock-Puzzle weitermache, dass ich noch von meinem Geburtstag übrig habe, oder was mir sonst in den nächsten Tagen einfällt, um gegen den Stress anzugehen. Heute jedenfalls muss ich noch ein wenig der Revenge Bedtime Procrastination fröhnen und bewege mich durch die sozialen Netzwerke, bis es fast Mitternacht ist. 🤷‍♀️

30.01.2024 – Das mit dem Stress

Schon wieder früh aufstehen und früh aus dem Haus heute. Der Wecker steht für einen entspannten Morgen auf 6:30, ich wache aber schon Dreiviertel 6 auf – ziemlich genau sieben Stunden nach dem Einschlafen immerhin. Heute schaffe ich es, noch im Bett fertig zu bloggen, dann stehe ich schnell auf, telefoniere mit dem Liebsten und mache mich auf den Weg (das zeitgleich). Mit der S-Bahn geht es nach Moabit, dann sehe ich, dass ich genug Zeit habe und steige nicht für eine Station in die U-Bahn um, sondern laufe die ganze Strecke. Sechs Minuten vor meinem Termin bin ich in der Praxis. Es folgt etwas Wartezeit, dann Gespräch und ausführliche Untersuchungen. Die Ärztin schätzt meine Verdacht als unbegründet ein, nimmt ihn aber soweit ernst, dass sie mich noch zu einem anderen Facharzt überweist, um ganz sicher zu sein. Ansonsten ließen sich meine Symptome für sie aus meinen bereits gesicherten Diagnosen plus – Überraschung – Stress erklären.

Gehe ich das Stressthema also noch gezielter an. Ich laufe wieder zurück zur S-Bahn und fahre nach Hause. Unterwegs gucke ich auf dem Diensthandy nach dem Rechten – immerhin ist inzwischen offiziell Arbeitszeit. Zuhause mache ich dann erstmal in Ruhe den Katzen und mir Frühstück. Sie bekommen was mit Kaninchen, bei mir gibt es Grießbrei mit den letzten Juli-Erdbeeren. Essen tue ich das Frühstück dann aber am Schreibtisch, das trägt irgendwie zur Entschleunigung des Arbeitens bei. Aber auch daran könnte man wohl schrauben. Nachdem ich die dringendsten Dinge beantwortet habe, beschäftige ich mich dann erst mit dem Facharzttermin, bevor ich mich so richtig in die Arbeit stürze. Erstaunlicherweise ergattere ich über Doctolib einen in nur zwei Wochen, an einem Zeitpunkt und Ort, der mir gelegen kommt.

Jetzt geht es los mit der Arbeiterei. Ich übertrage Daten aus einem Sheet in ein Doc und schicke es verschiedenen Leuten zur Abnahme, schreibe einen Text um, nachdem ich neue Informationen per E-Mail erhalten habe und dann ist es Zeit für das erste Meeting des Tages – mit Ostfriesland, Lichtenberg, Biesdorf und Charlottenburg. Wir haben heute keine feste Agenda, sondern kommen endlich mal dazu, bestimmte Themen in der Tiefe zu diskutieren und uns auf Zwischenstände zu einigen. Wir überziehen ein wenig und dann ist es schon kurz nach halb 1. Der Mitbewohner werkelt um diese Uhrzeit in der Küche und ich nutze die Gelegenheit und geselle mich kurz auf einen Plausch dazu. Dann gehe ich nochmal zurück an den Schreibtisch, mache aber auch kurz nach 1 Mittagspause.

Ich esse eine Probierportion von der Linsensuppe, die der Mitbewohner gekocht hat, und eine größere Portion von meinen Pasta e fagioli von gestern. Dann lege ich mich bewusst für eine knappe halbe Stunde auf die Couch und gucke TikTok, anstatt schon wieder aufs Diensthandy zu gucken. Ein Spaziergang wäre sicherlich noch effektiver gewesen, aber ich war heute ja schon ordentlich unterwegs und grad ist mir mehr nach liegen.

Kurz nach 14 Uhr bin ich wieder am Laptop und bereite mich auf das nächste Meeting vor. Um 15 Uhr treffe ich mich mit Chicago, Nordengland und Paris und gehe einen Projektplan intensiv durch. Als die beiden anderen losmüssen, Chicago ins Büro und Paris zu einem privaten Termin, plaudern meine Chefin und ich noch eine Weile weite, über Arbeit und Privates, bis sie los muss, um ihr Kind aus der Schule abzuholen. Danach bastle ich noch weiter an der Intranetseite von gestern und chatte nebenher mit der Kollegin in Madrid, die ich bald besuchen werde. Um 17 Uhr ist meine Chefin zurück und wir haben gemeinsam ein Meeting mit einer anderen Kollegin in Chicago. Um 17:30 ist das vorbei. Wir verschieben noch eine Aufgabe auf morgen, die sonst heute noch hektisch werden könnte und dann ist quasi der Arbeitstag vorbei.

Ich telefoniere kurz mit dem Liebsten, der vom Vorstellungsgespräch des Teilzeitkinds am Gymnasium berichtet („Wir sehen uns im September!“ – jetzt nur nicht die Anmeldung vermasseln.) und schließe dann noch ein paar Dinge ab, bevor ich kurz vor 18 Uhr endgültig Feierabend mache. Dann geht es in die Küche – Abendbrot für die Katzen und mich machen. Der Yogakurs fällt auch heute aus und ich hätte sonst vermutlich eh wegen Schmerzen abgesagt. Also mache ich mir eine Art Guacamole (leider weder Koriander noch Tomaten da) aus zwei Crowdfarming-Avocados, dazu getoastetes Dinkelbrot und zwei Sorten Käse.

Nach dem Essen nehme ich mir das neue Puzzle vor, dass ich am Sonntag zu Weihnachten bekommen habe. Erst ganz ohne zusätzliche Beschallung, um wirklich runterzukommen, später mache ich mir noch ein Hörbuch an, telefoniere auch nochmal mit dem Liebsten und gratuliere der besten Freundin zum runden Geburtstag. Nach etwa vier Stunden sieht das Ganze so aus:

Eine Schnellpuzzlerin wie Anne Schüssler wird aus mir nicht, aber dieses Puzzle ist auch besonders schwer – kein Rahmen, lauter individuell geformte Teile. Immerhin scheint das dickere Holz zu machen, dass die Katzen es beim Drüberlaufen und Draufsitzen weniger durcheinanderbringen als bei klassischen Papp-Puzzles. Müde und zufrieden – und nur wenig an die Arbeit denkend – liege ich gegen halb 12 im Bett, mit Heizdecke und Schmerzmittel, dafür (oder dadurch) aber auch schnell einschlafend.

29.01.2024 – Amtlicher Tag

Ich wache das erste Mal um 5 auf, weil Noosa schnarcht – erst in meinen Traum hinein, aber irgendwann kriege ich es nicht mehr einsortiert und dann bin ich halt munter. Kurz aufs Klo, dann Podcast an und dann schaffe ich es nochmal, bis gegen 7 wegzudösen – mir Unterbrechungen. Dann nutze ich die Gunst der Stunde – früh wach und erst spät das erste Meeting – und gucke nach Bürgeramtterminen. Für Nichtberliner*innen: Wenn man einen für ihn sechs Wochen braucht, um etwa ein neues Ausweisdokument abzuholen, dann kriegt man einen im Bürgeramt des Vertrauens (zumindest noch vor fünf Jahren, als ich das das letzte Mal gemacht habe). Wenn man einen kurzfristigen braucht, weil es dringend ist, dann kann man entweder einen in x Wochen haben, oder jeden Morgen auf die neu eingespeisten Termine schauen und vielleicht Glück haben.

Im ersten Batch gibts es Termine in Biesdorf und irgendwo tief im Süden. Da brauche ich eine Stunde hin, so dringend will ich es doch nicht. Nach dem Aktualisieren gibt es u. A. Lichtenberg, aber während ich noch schaue, ob ich das verbindungstechnisch hinkriege, wenn ich jetzt sofort aufstehe, ist der schon wieder vergeben. Beim dritten Versuch dann plötzlich Rathaus Neukölln, sogar viele. Dahin brauche ich dank Ende des Bahnstreiks nur eine gute halbe Stunde. Ich klicke mir einen, der mir erlaubt, noch ein bisschen liegen zu bleiben und trotzdem komfortabel vor dem Meeting wieder zurück zu sein. Ich mag keine morgendlichen Termine, aber wat mutt dat mutt.

Dann Internetrunde – ohne Italienisch, ohne Spielen und nur mit halbem Anbloggen – und schon ist es Zeit, aufzustehen. Während ich mich fertig mache, ruft der Liebste an und wir telefonieren kurz. Ich gehe zur S-Bahn, blogge dort fertig, steige in die U-Bahn um und bin 10 Minuten vor dem Termin da. Das ist gut, denn ich muss erst noch den richtigen Eingang suchen, das Rathaus ist groß. Dann finde ich eine Schlange samt Türstehern. Sie lassen nur Menschen durch, die erstens einen Termin haben (und gleichen den mit ihren Informationen ab) und deren Termin zweitens zeitnah ist. Meiner ist in sieben Minuten, ich darf rein.

Etwa eine Viertelstunde sitze ich im Warteraum und lasse die Anzeigetafel nicht aus den Augen. Dann werde ich vorgelassen und eine junge Frau kopiert mir meinen Personalausweis (Ich hatte zwar schon die Kopie von dem Postmensch neulich dabei, aber sie sagt, es wird billiger für mich, wenn sie das selbst tut). Wie jetzt, das kostet Geld? Immerhin nur 2,50 €, aber sollte sowas nicht kostenlos sein für Bürger*innen dieses Landes? Anyway. 10 Minuten nach meinem Termin verlasse ich das Rathaus wieder, bei strahlendem Sonnenschein.

Mit der U-Bahn fahre ich zurück zur S-Bahn. In der S-Bahn tüte ich die Kopie ein – nicht ohne vorher ein Beweisfoto gemacht zu haben.

Nach anderthalb Stunden bin ich wieder zuhause – mein zuständiges Bürgeramt wäre keine 20 Minuten Fußweg entfernt gewesen, mit der Tram noch weniger. Auf dem Heimweg habe ich den Brief direkt eingeworfen und jetzt hoffen wir mal alle, dass die Versicherung mir das Geld überweist und dann am besten noch auf das richtige Konto (Zum 24.02. habe ich dort einen Kontoumzug angemeldet, allerdings genau für dieses Geld das alte Konto noch nicht gekündigt, das mache ich erst, wenn sicher alles umgestellt ist.)

Zuhause füttere ich erst die Katzen und dann mich – mit Vogelhochzeitskram, einer Banane und einer Maracuja. Dazu gibt es Ingwer-Kurkuma-Tee. Arbeitstechnisch lässt sich die Woche erfreulich ruhig an, das kann sich aber noch ändern, da die Kollegin in Südengland ab Morgen den Rest der Woche nicht da ist (bzw. in Prag und beschäftigt) und ich Aufgabeb von ihr übernehmen werde. Jetzt aber erstmal ein entspanntes Meeting mit dem neuen, noch nicht offiziell eröffnetem, Büro. Dann gehe ich durch die E-Mails des Wochenendes durch, hake Kleinigkeiten ab und strukturiere meine Woche. Da der Nachmittag meetingreich wird, mache ich eine frühe Mittagspause, erledige den Wocheneinkauf und schmiere mir Stullen. Dazu gibt es einen Apfel.

Den Nachmittag verbringe ich, wenn ich nicht gerade in Meetings bin, mit dem Erstellen einer neuen Seite im Intranet. Dazwischen Meeting mit Berlin und Ostfriesland, Meeting mit Paris und Meeting mit Nordengland, Südengland, Paris und Chicago. Außerdem ein Telefonat mit dem Liebsten und eins mit einer Arztpraxis. Ich wäre gerne an meinem meetingfreien Mittwoch irgendwann hingegangen, aber das klappt nicht, stattdessen muss ich morgen früh gehen (und um 8 das Haus verlassen).

Das Teammeeting endet gegen 18 Uhr und ich mache direkt Feierabend und spaziere in die Küche. Heute gibt es Pasta e fagioli, mit ordentlich Acqua faba, Zwiebel, Knoblauch, Rosmarin, etwas Tomatenmark und Safransalz, dazu Fusilli und zum Nachtisch eine Blutorange.

Den Abend verbringe ich mit Liebstentelefonat, Italienischübung, Onlinespiel und Berichten über die Demo in Bautzen. Gegen 20 Uhr drohe ich das erste Mal, einzunicken, kämpfe mich dann aber noch bis 22 Uhr durch, dann falle ich ins Bett und schlafe fast sofort ein.

29.01.2024 – Frühlingshafte Vogelweihnachten

Ich schlafe bis zu einer vernünftigen Zeit hin aus – irgendwas nach 8 und horche dann vorsichtig in mich hinein. Der Nebel ist größtenteils verflogen, die Müdigkeit nur noch die normale morgendliche. Die Schmerzen sind noch da, also erstmal Heizdecke an. Morgendliche Bettdinge, inkl. Liebstentelefonat, und dann stehe ich irgendwann auf und schaue, was die Senkrechte mit dem Befinden macht. Erstaunlich guter Effekt, vor allem, weil draußen die Sonne scheint. Ich lüfte eine Runde durch und schaue auf dem Balkon nach der Luftfeuchtigkeit – 1A, damit kann ich arbeiten – und merke dabei, wie warm es ist. Nimbin auch, der bleibt jetzt erstmal eine Weile in der Sonne liegen. Die vom Bruder adoptierten Tulpen (seine neue Wohnung hat keinen Balkon mehr) treiben fleißig aus.

Nächster Schritt also Blumen gießen, dann Katzennäpfe auffüllen, Spülmaschine anstellen, Porridge kochen. Darunter rühre ich einen Rest Mandelmus und Beeren sind schon drin. Dazu gibt es einen „kanadischen“ Früchtetee mit Blaubeeren, Cranberries und Ahornsirup. Da der Mitbewohner erst um 9 nach Hause gekommen ist, höre ich bei all diesen Verrichtungen Musik über Kopfhörer. Ich hatte Lust auf KT Tunstalls „Suddenly I See“, das ich wegen „Der Teufel trägt Prada“ mit Aufstehen und Losgehen assoziiere. Dann spielt der Algorithmus dazu passendes und dann bin ich wieder inspiriert und schwupps bastele ich mir eine entsprechende Playlist zusammen, mit der ich jetzt morgens öfter den Arsch hochkriegen werde.

Mit der auf den Ohren erledige ich dann gleich noch andere Dinge, räume mein Zimmer ein bisschen auf und lege Wäsche zusammen. Dann lege ich meine schmerzenden Glieder in die Badewanne, was auch ein bisschen hilft. Hinterher räume den Geschirrspüler aus, packe das große Katzenfutterpaket aus, das mir in den letzten Wochen als zusätzlicher Nachttisch diente, sortiere den Inhalt in den Balkonschrank ein und bringe den Karton zum Müll. Dort bemerke ich aus erster Hand, wie es sich anfühlt, wenn AirBnB die Nachbarschaft erobert. Neulich fragte mich schon jemand auf Englisch, wie man an die Mülltonnen kommt, heute fischte ich eine volle Tüte mit gemischtem Müll aus der Papiertonne und führte sie dem Restmüll zu und sammelte eine noch unangebrochene „Rei aus der Tube“ vom Boden auf, die uns im Sommerurlaub gute Dienste leisten wird. Ungeöffnetes Lip Gloss liegt auch noch rum, das stelle ich gut sichtbar hin, da habe ich keine Verwendung für.

Dann nochmal kurz ausruhen und schon ist es Zeit für den Aufbruch – heute sind wir bei meinen Eltern zum Nachfeiern von Weihnachten und Vogelhochzeit verabredet. Voll bepackt mit Geschenken nehme ich Tram und U-Bahn und komme als erste an. Fünf Monate nicht gesehen und doch wiedererkannt. Kurz danach treffen mein Bruder und seine Freundin ein, nochmal kurz danach der Liebste – das Teilzeitkind ist wegen eines Kindergeburtstags verhindert. Nach vielen Umarmungen, „Frohe Weihnachten“, „Frohes Neues“ und „Fröhliche Vogelhochzeit“ gibt es Kaffee und Tee. Mama hat Mandelkuchen und Zupfkuchen mit Sauerkirschen gebacken. Außerdem gibt es jetzt endlich die Vogelhochzeitssüßigkeiten – aber erst, nachdem ausreichend Fotos für die verschiedenen sozialen Netzwerke und (Online-)Tagebücher gemacht wurden.

Gegen den Zuckerschock hilft dann erstmal Grappa (aus gutem Brunello di Montalcino) und dann gehen wir zur Urlaubsplanung über und suchen alte Fotos von Norwegenurlauben der frühen 90er Jahre heraus. Und zwischendurch ist natürlich auch noch irgendwann Bescherung. Unter anderem bekomme ich ein Holzpuzzle aus drachenförmigen Puzzleteilen, die am Ende eine italienische Hafenstadt ergeben – muss noch herausfinden welche. Das kann interessant werden.

Zum Abendbrot bleibt es weihnachtlich – es gibt Pute in Cranberrysauce mit Rosmarinkartoffeln und verschiedenen Gemüsen.

Wir sitzen noch ein Weilchen und erzählen, dann ruft das Bett, in dem ich dann kurz nach 10 liege. Ein guter Tag.

27.01.2024 – Luft raus

Ich wache gegen 7 das erste Mal auf und gehe aufs Klo. Mein Kopf fühlt sich neblig an, alles tut weh. Schnell wieder ins Bett. Bis gegen 9 schaffe ich es, nochmal zu schlafen/zu dösen, dann ruft der Liebste an. Klar denken kann ich noch nicht, aber ich kündige schonmal an, dass ich heute vermutlich eher nicht aufstehen werde und erbitte mir noch ein bisschen Zeit zum Wachwerden. Nach und nach gelingt das, aber der Nebel und die Schmerzen bleiben. Ich mache mir die Heizdecke an und einen Chai und lese mich durchs Internet. Dann rufe ich wieder beim Liebsten an. Der für heute geplante Sport in Südberlin fällt definitiv aus, und ich bin mir auch relativ sicher, dass ich heute Abend nicht mit zum Abendessen bei einer Freundin kommen werde, habe aber ein schlechtes Gewissen dabei. Der Liebste beruhigt mich und bestärkt mich in meinem Ansinnen, auf meinen Körper zu hören und heute nichts zu tun. Nun gut also. Ich liege hauptamtlich, immer wenn etwas (Schultern, Nacken, Beine, Arme, Gelenke) zu sehr wehtut, wird die Heizdecke angemacht. Ansonsten gucke ich im Internet herum, lese ein wenig in meinem Buch weiter, schlafe zweimal und gucke dann sehr viel „The West Wing“.

Nach 12 habe ich das erste Mal ein Gefühl von Appetit und Hunger und mache mir das erste, was ich beim Gang in die Küche sehe – Toast mit Banane und Käse überbacken, dazu für die Gesundheit zwei Möhren. Nicht schön, aber selten. Im Laufe des Nachmittags lässt der Nebel nach und (ein kleines bisschen) mehr Energie ist auch da. Ich nehme Pakete für Nachbar*innen entgegen, bestelle mir Pad Thai und Papaya-Salat.

Ansonsten gucke ich mir wieder Demofotos aus ganz Deutschland an. Freue mich über die – immerhin – 1500 Leute in Bautzen, die gegen Rechts auf die Straße gegangen sind, und entdecke auf einem der Fotos eine meiner Tanten und eine meiner Cousinen. Vermutlich waren auch noch mehr vor Ort. Mein Papa hat außerdem ein Foto von 1932 ausgegraben, bei dem sein Opa, mein Uropa, bei einer „Antifa“-Demo in Sangerhausen auf der Bühne spricht.

Worum es im Detail geht, ist nicht zu erkennen, aber mein Uropa war Kommunist und Widerständler, von daher wird es schon passen. Bastele mir direkt einen Sticker mit „4. Generation Antifa“. Interessant auch, dass auf dem einen lesbaren Transparent gegen den Paragraph 218 protestiert wird – auch damals schon. Unfassbar, dass sich da in 92 Jahren wenig getan hat. Noch später am Abend mache ich mir noch ein Eis mit heißen Erdbeeren vom Juli und Marzipan-Eierlikör. Ja, die Lebensenergie kehrt auf jeden Fall zurück.

26.01.2024 – Feiner Freitag

Ich hätte so viel Schlaf nachzuholen gehabt, bin aber wieder zu früh wach. Immerhin diesmal erst kurz nach 6. Zum Glück stehen heute keine großen, wichtigen Termine mehr an. Im Zuge der Neuigkeiten von gestern Abend lese ich nochmal ein wenig im Internet herum, falle in ein Musikloch und stehe dann irgendwann mit lauter Musik auf. Das macht munter und möglicherweise tanze ich auch beim Zähneputzen. Die Stimmung steigt mit der ersten Arbeitsmail, die ich lese, das wird heute ein guter Tag. Um 10 habe ich ein kurzes Meeting mit Ostfriesland, dann arbeite ich einfach Dinge ab, dann um 11 ein längeres Meeting, mit Lichtenberg, Biesdorf, Kreuzberg und Moabit. Ab danach ist quasi Smooth Sailing.

Ich höre die heute erschienene Single von Christian, und dazu sein ebenfalls heute erschienenes neugemastertes Album. Eigentlich gar nicht mein Musikstil und ich wäre ohne sein Blog nie auf die Idee gekommen, mir sowas anzuhören. Aber ja, das gefällt mir.

Bis zur Mittagspause beschäftige ich mich damit, das Video des gestrigen Menopause-Workshops (amateurhaft) zurechtzuschneiden und eine Seite im Intranet dafür zu basteln. Dann mache ich mir wieder Crowdfarming-Avocado-Toast. Genau als der aufgegessen ist, klingelt es und ich kann ein Paket entgegennehmen. Und jetzt muss ich auch nicht mehr drinnen bleiben, sondern kann nochmal fix raus und ein paar Besorgungen erledigen. Auf dem Heimweg werde ich ordentlich nass. Dann schnell Auswringen und zurück an den Rechner.

Ich kümmere mich um die losen Enden der Woche. Hier eine E-Mail, da einen Text finalisieren, da Aufgaben voranbringen oder neu erstellen. Als letztes bleibt noch die Auswertung einer Umfrage. Das kann ich zwar nicht bis zum Ende durchziehen, da mir der Input des Teams fehlt, aber es bringt mich (so richtig im Flow, ohne dass ich merke, wie die Zeit vergeht), bis 17 Uhr. Jetzt ist es höchste Zeit, den Wochenbericht fertig zu schreiben. Kurz nach 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und habe den frühesten Feierabend der Woche.

Ich gebe den Katzen Abendbrot, wusele ein bisschen herum, telefoniere mit dem Liebsten und rolle dann meine Yogamatte aus. Für 18 Uhr habe ich mir wieder einen Kurs gebucht.

Es fängt alles gut an, aber gerade als ich eine Pause brauche, geht es plötzlich in ganz andere Sphären und fortgeschrittene Positionen, für die ich weder die Kraft, noch die Beweglichkeit, noch die Balance habe. Ich bleibe also fasziniert auf der Matte sitzen und schaue zu. Erst ganz am Ende kann ich wieder einsteigen und beim Shavasana bin ich natürlich wieder voll dabei. Trotzdem bleibt ein schaler Geschmack. Aber jetzt weiß ich, dass Vinyasa Flow nichts für mich ist. Beim Säubern und Zusammenrollen der Matte merke ich, wie ich körperlich abbaue. Alles tut weh. Ich mache mir schnell noch die Reste vom Mango-Lamm-Curry von gestern warm, dazu den Rest von der Yuca-Sauce von neulich und ein Feierabendradler.

Und dann hänge ich auf der Couch. Heute Morgen war ich ja noch überrascht über den plötzlichen Energieschub und schaute mutig, was heute Abend so in Berlin geht. Aber nein, hier geht heute niemand mehr tanzen. Stattdessen schaue ich die nächste Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku (Mexico City bis Panama City), verpacke Weihnachtsgeschenke, erledige Papierkram und schaue dann weiter „The West Wing“. Dummerweise wird es gegen Ende der 4. Staffel ziemlich spannend im Plot, so dass ich nicht nur wie geplant eine Folge gucke, sondern gleich vier, die letzte dann nach dem Zähneputzen im Bett zu Ende. Gegen 1 schlafe ich, der Wecker steht auf 9.

25.01.2024 – Viel zu voll

Also, weder ich noch mein Magen (der schon mal gar nicht), sondern eher der Tag, mein Kopf und unterbewusst wohl auch meine Nase. Nachdem ich gestern erst spät zur Ruhe kam und einschlafen konnte, wache ich nach guten vier Stunden gegen 5 Uhr auf, dummerweise ziemlich hellwach direkt, so dass es eher unwahrscheinlich ist, wieder einzuschlafen. Ich versuche es trotzdem eine Weile, mit Hörbuch, Kreuzworträtsel, Lesen… Nichts hilft, der Kopf ist an und beschäftigt sich mit allem, was heute ansteht. Gegen 6 gebe ich endgültig auf und fange an, das Internet leer zu lesen, zu bloggen und Italienisch zu üben.

Da der Handwerker ja gestern nicht kam (und ich den zweiten Tag in Folge das Haus nicht verlassen habe, diesmal ohne Absicht), ist eine meiner Sorgen, dass er stattdessen heute irgendwann auftaucht. Das geht aber nicht, weil ich heute von 10-19 Uhr Meetings habe, in denen ich nicht nur präsent sein muss, sondern teilweise auch federführend bin. Als es endlich 7 ist, rufe ich deswegen bei der Hausverwaltung an und bitte darum, den Auftrag für „sofort“ zurückzuziehen und stattdessen einen Termin auszumachen. Ich werde zur Terminvergabe weitergeleitet, dort sagt man mir, der Auftrag liege bei einem Drittunternehmen und man würde denen Bescheid sagen, dass sie sich wegen eines Termins bei mir melden. Na hoffentlich rufen die nicht zwischen 10 und 19 Uhr an, denke ich mir. (Spoiler: Tun sie nicht, den ganzen Tag nicht. Irgendwann abends springt die Heizungssteuerung zumindest wieder an, bedienen lässt sie sich trotzdem nicht und als ich gegen 22 Uhr ins Bett gehe ist der Heizkörper in meinem Zimmer heiß – das soll er eigentlich nur morgens zwischen 7 und 9 sein und dann auch nur solange, bis 18 Grad erreicht sind.)

Anyway, keine Zeit, mir weiter darüber Gedanken zu machen aktuell. Kurz vor 8 telefoniere ich mit dem Liebsten und dann wird mir klar, dass ich theoretisch noch bis 10 Uhr Zeit habe, um ins Draußen zu gehen, Bewegung zu haben und Dinge zu erledigen. Also stehe ich dann gegen 8 schnell auf und mache mich ausgehfertig. Ich mache einen Brief fertig (die Zugangskarte zum alten Büro muss eingeschickt werden) und bereite einen zweiten vor (die Beglaubigung meines Personalausweises, damit die eine Versicherung, der ich gekündigt habe, mir mein Guthaben auszahlt) und laufe los zur Post. Das Draußen hat sich nicht sehr geändert in den zwei Tagen, es ist nur deutlich wärmer geworden und ich brauche weder Mütze und Handschuhe noch einen Schal. Der Weg zur Post fühlt sich heute deutlich länger an, entweder meine Beine sind mal wieder etwas eingerostet oder es ist die allgemeine Erschöpfung und akute Müdigkeit (und die Uhr, die in meinem Kopf tickt).

Als ich ankomme, ist die Post noch zu – diese Filiale macht erst um 9 auf. Das sind aber nur noch 20 Minuten also gehe ich solange zum Drogeriemarkt, wo ich auch noch etwas holen will. Auch der macht erst um 9 auf. Kann ich gut verstehen, ich mache ja sonst auch erst um 9 auf. Zum Glück ist die Konkurrenz fleißiger (oder ausbeuterischer) und ich kann schnell die beiden Sachen kaufen, die auf meiner Liste stehen. Dann habe ich noch etwa 10 Minuten bis 9 und denke ernsthaft über Kaffee und was Süßes nach, denke mir dann aber „Wir haben Kaffee und was Süßes zuhause“ und außerdem ist es etwas unromantisch, in einem leeren Einkaufszentrum herumzusitzen und Kaffee zu trinken. Also gehe ich wieder zur Post und stelle mich auf Platz 2 der Warteschlange und das ist dann auch sehr gut so, bis sie aufmacht gibt es Platz 6. Während ich warte, schreibe ich mit der Freundin, die gerade ein Kind bekommen hat, das gerade frisch gestillt eingeschlafen ist. Sie erzählt mir von einer Buchidee, die sie vielleicht während ihrer Elternzeit umsetzen will. Das Kind ist sechs Tage alt – wir sprechen uns in ein paar Monaten nochmal. 😉

Ich bekomme Briefmarken für beide Briefe und eine Kopie meines Pesonalausweises, aber beglaubigen dürfe man den leider nicht. Später am Abend werde ich nochmal recherchieren und meine beste Chance (neben Polizei, Konsulaten oder dem Bürgeramt – haha, nope! Keine Termine in ganz Berlin) sind Ärzte. Beim Notar kostet es Geld und mein Rechtsanwalt sitzt in Nürnberg. Also werde ich wohl am Montag morgen mal in meiner Hausarztpraxis vorbeischauen und um eine Beglaubigung bitten. Mit Maske und Wartezeit. Vielleicht kann ich bei der Gelegenheit auch meine Karte einlesen lassen und bin dann für den Rest des Quartals safe was eventuelle Krankschreibungen angeht, kann nur gut sein.

Das ist jedoch alles Zukunftsmusik, im Hier und Jetzt laufe ich den langen Weg zurück nach Hause, hole Post aus dem Briefkasten (einmal Werbung, einmal Rechnung, einmal für den Ex-Mitbewohner, die wird direkt abfotografiert und verschickt). Dann mache ich den Katzen Frühstück und mir auch. Es gibt Chai, Spekulatius und einen Apfel. Außerdem eine Kanne Ingwer-Kurkuma-„Tee“ mit Honig und eine Mate. Mit all dem geht es an den Schreibtisch.

Kurz E-Mails bearbeiten und dann habe ich um 10 das erste Meeting, mit Prag, um einen Sachverhalt zu klären, der uns schriftlich nicht gelungen war. Wir kommen auf einen halbwegs klaren Fahrplan und ich beginne direkt mit der Umsetzung. Und arbeite noch etwas an dem Projekt für die Kollegin in Südengland weiter, bis es Zeit ist, um 11 das erste große Meeting des Tages – mit ganz Deutschland – zu starten. Hier habe ich eine Sprechrolle, moderiere, „fahre“ die Präsentation und achte nebenbei darauf, dass sich alle Präsentierenden an den Plan halten.

Das läuft alles sehr gut, immer schön, wenn man am Ende noch tolle Neuigkeiten zu verkünden hat. Ende Februar wird es zum ersten Mal seit Januar 2020 wieder eine Party für alle Kolleg*innen in Deutschland geben. Bis jetzt waren alle größeren Zusammenkünfte immer auf die Berliner*innen beschränkt gewesen. Hoffen wir, dass möglichst viele kommen können und uns die Grippewelle, Covid und Co. keinen Strich durch die Rechnung machen. Nach einer Stunde sind wir fertig, dann spreche ich noch eine Weile mit einem Kollegen in Lichtenberg Dinge ab und habe dann Zeit, mal aufs Klo zu gehen (wurde langsam dringend) und mein Frühstück aufzuessen.

Um halb 1 habe ich mein wöchentliches Meeting mit meiner Chefin und nachdem wir mit aktuellen Projekten durch sind, sprechen wir über die Arbeitsbelastung, unsere jeweilige Work-Life-Balance und mögliche Verbesserungen in unserer Arbeitsorganisation als Team. Das tut sehr gut! Wir überziehen ein wenig, deshalb habe ich dann nur noch 20 Minuten von meiner ohnehin schon auf eine halbe Stunde verkürzten Mittagspause. Ich kann aber eh noch nicht wieder essen, also geselle ich mich nur kurz zum Mitbewohner in die Küche und quatsche mit ihm.

Um 13:30 dann das nächste Meeting – mit Ostfriesland und Paris, 45 Minuten, und direkt im Anschluss mit Ostfriesland und Nürnberg. Hier muss ich dann nach einer halben Stunde früher raus, denn das nächste große Meeting steht an, inklusive Prep Call für das technische Set-up. Zwei externe Damen halten für unsere Firma einen Workshop zur Menopause: Allgemeine Aufklärung für Betroffene und Nichtbetroffene und dann geht es darum, was das für die Arbeit bedeutet und wie betroffene Arbeitnehmer*innen, Vorgesetzte und Personaler*innen mit der Situation umgehen können. Ein spannender Workshop, auch wenn ich mehr mit der Technik dahinter zu tun habe, aber immerhin habe ich die Folien schon vorher gelesen, für die Leute hier ins Deutsche übersetzt und mir eine mentale Notiz gemacht, demnächst mit meiner Gynäkologin darüber zu sprechen.

Nach dem einstündigen Workshop reden wir noch eine halbe Stunde weiter mit den beiden Expertinnen, dann Meeting mit – eigentlich – London, Chicago, Madrid und Valencia, aber heute bleiben die Kollegin aus Madrid und ich alleine und starten mit der Planung für den Internationalen Frauentag und den gesamten Women‘s History Month. Das dauert bis 17 Uhr. Dann habe ich eine Stunde Luft, arbeite die über den Tag eingetrudelten E-Mails ab, kläre Dinge ab, telefoniere kurz mit dem Liebsten und suche mir schonmal mein Abendbrot aus (aka mache die Bestellung soweit fertig, dass ich nachher nur noch auf den Knopf drücken muss, um sie auszulösen).

Um 18 Uhr dann ein Community Call mit anderen Menschen, die sich mit Diversity, Equity und Inclusion in Unternehmen befassen, moderiert von Jennifer Browne, die heute Jackye Clayton interviewt. Es geht vor allem um inklusives Recruiting, nicht ganz mein Bereich, aber ich kann mir einige Anregungen mitnehmen – immerhin arbeiten wir mit der Abteilung eng zusammen. Zur Mitte des Calls drücke ich auf Bestellen, pünktlich zum Ende klingelt es an der Tür. Ich klopfe mir selbst auf die Schulter und bringe die Bestellung zur Couch. Jetzt erstmal ganz in Ruhe essen. Es gibt nepalesische Bohnensuppe, Mango-Curry mit Lamm und Reis, Knoblauch-Naan und Mango-Lassi. Ganz langsam fährt mein Kopf ein bisschen runter und körperliches Wohlbefinden setzt ein – Löffel für Löffel.

Dann sehe ich die Bilder aus Rostock, je nach Quelle 6000 oder 9500 Leute auf der Demo gegen Rechts, juhu! Ich schreibe mit der Kollegin und Freundin in Frankreich, die noch nicht genau sagen kann, ob und wann sie nach Valencia kommen kann, und buche dann einfach schonmal eine Unterkunft, die ggf. Platz für uns beide hat. In dem Viertel, das mir ein Kollege empfohlen hat. 10 Minuten zu Fuß zum Strand, 20 Minuten zu Fuß zum Büro. Das wird gut. Dann telefoniere ich nochmal ausführlicher mit dem Liebsten und dümpele danach noch ein wenig auf der Couch herum, weil halb 9 irgendwie zu früh ist, um ins Bett zu gehen. Um 10 mache ich mich aber auf den Weg. Unterwegs lese ich noch, dass Jan Wigger gestorben ist – ein Freund von mir war mit ihm befreundet und trauert auf Facebook darüber. Gemeinsam haben sie vor 27 Jahren eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die mein Freund heute noch betreibt. Ich sende eine virtuelle Umarmung.

Im Bett bin ich dann plötzlich wieder viel zu aufgekratzt und es dauert bis fast Mitternacht, bis ich endlich, endlich, einschlafe.