13.08.2023 – Roadtrip, Powwow, Reisen mit Kind

Heute nun beginnt unser diesjähriger Roadtrip. Der Liebste und das Teilzeitkind haben gestern Abend schon gepackt, ich erledige meinen Teil vor dem Frühstück. Draußen frühstückt zeitgleich mit uns ein Streifenhörnchen und wir debattieren folgerichtig die primären, sekundären und tertiären Charaktere in „Chip & Chap“.

Nach dem Essen telefonieren wir nochmal kurz mit Deutschland (gut soweit) und dann fahren wir los – fünf Tage on the road liegen vor uns. Etwa eine Minute nach jeder Abfahrt tönt es von der Hinterbank „Hörspiel!“ und damit sind „Die drei !!!“ gemeint. Ab und an können wir ein paar Songs von des Liebsten Playlist herausschlagen, den Rest der Fahrt hören wir zu, wie Franzi, Kim und Marie Detektivfälle lösen und Probleme mit Jungs diskutieren und dürfen uns dabei nicht unterhalten. Wir müssen dringend nochmal über Kopfhörer sprechen…

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Millbrook 27 First Nation, ein Reservat der örtlichen Mi‘kmaq, wo heute der zweite Tag des jährlichen Powwows stattfindet. Wir haben noch etwas Zeit, bevor es offiziell losgeht und laufen erst einmal über das Gelände und schauen uns die verschiedenen Stände an, an denen Kleidung, Kunst, traditionelles Handwerk und Essen (Hotdogs, Burger, Poutine oder Lobster) verkauft werden. In der Mitte der schon leicht schlammigen Wiese (Wir vermeiden alle das R-Wort!) befindet sich ein ringförmiges Dach um den Tanzplatz, unter dem die verschiedenen Trommelgruppen, Tänzer*innen und Besucher*innen sich nach und nach einfinden. Der Liebste holt nochmal kurz was aus dem Auto, die Zeit nutzen das Teilzeitkind und ich dafür, uns erstmal Smoothies zu besorgen. Dann setzen auch wir uns unter den Dachring.

„Da lass ich Euch mal eine Minute alleine und schon habt Ihr was Pinkes in der Hand!“

Die „Show“ beginnt damit, dass ein Moderator (MC) das Publikum anheizt. Die Trommelgruppen (u. a. die Superstars der Szene, „Northern Cree“) singen und spielen erste Lieder, die beiden Frontrunners sollen dann für die „Entscheidung“ einen „Karaoke-Song“ ihrer Wahl im Northern-Cree-Stil performen. Eine Gruppe entscheidet sich unter dem Gelächter des Publikums für „The Lion Sleeps Tonight“, die andere für „I Want It That Way”, das unter den anwesenden Millenial-Frauen noch mehr Jubel auslöst und so deutlich gewinnt.

Dann beginnt der offizielle Teil des Powwows mit der Eröffnungszeremonie durch die Tänzer*innen, bevor die Flaggen hereingetragen und aufgehängt werden – die Flagge der Mi‘kmaq, die von Nova Scotia, die der Acadie, die von Kanada, die der USA, die der Streitkräfte und die der Veteran*innen. Währenddessen wird gestanden und den verstorbenen Ahnen, den Opfern der Kolonialisierung und den Gefallenen der Kriege gedacht. Dann gibt es einen speziellen Tanz, um anwesende Veteran*innen zu ehren.

Danach darf man sich wieder setzen und es folgen die Tanzvorführungen und -wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer*innen in verschiedenen Altersgruppen und Kategorien gegeneinander antreten und bewertet werden. Die Musik dazu stammt von den Trommelgruppen, die ebenfalls miteinander im Wettbewerb stehen. Wir gucken jedem Tanz fasziniert zu, amüsieren uns bei den Kindern z. B. über Spiderman- und Pokémon-Kostüme und bewundern die komplizierten Schritte und Figuren.

Irgendwann bei der dritten Kategorie der Teeniemädchen knurrt mein Magen dann so sehr, dass ich mich opfere und zum Burgerstand gehe. Dort stehe ich etwa 40 Minuten an, bevor ich meine Bestellung loswerde und dann nochmal gute 20 Minuten, bis sie fertig ist. Ungefähr die Hälfte dieser Zeit stehe ich ungeschützt im Regen. Immerhin schmeckt das Essen – Forrest Poutine mit Pilzsauce statt Gravy und extra Baconwürfeln für den Liebsten und mich, das Teilzeitkind bekommt nackte Pommes.

Den Großteil der Erwachsenenwettbewerbe habe ich verpasst, kann aber noch sehen, wie Headman und Headwoman gemeinsam tanzen.

Darauf folgen ein gemeinsamer Tanz mit Northern Cree und dem Moderator sowie der Abschlusstanz aller Teilnehmer*innen, bei dem die Flaggen wieder abgenommen werden („zur Ruhe gelegt“, nicht „zurückgezogen“, denn First Nations ziehen sich nie zurück!).

Danach kommen zwei Rounddances, bei denen auch alle Besucher*innen eingeladen sind, mitzumachen. Wir bleiben aber sitzen. Der letzte Programmpunkt ist dann die Siegerehrung, die aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Hier geht es um die Gemeinschaft und die Pflege der Traditionen (und die Geldpreise), weniger um das Feiern der Individuen.

Hinterher wollten wir eigentlich noch ein wenig Geld an den Ständen ausgeben, aber inzwischen regnet es wirklich in Strömen und wir laufen stattdessen schnell zum Auto und fahren die paar Minuten zu unserem Motel, wo wir die Heizung anstellen und uns erstmal in unsere Betten legen, um uns aufzuwärmen. Nach und nach fällt mir auf, warum das Motel auf Google Maps nur 3 von 5 Sternen hat: Nur eine der Leselampen funktioniert, es gibt keinen Wasserkocher – man soll sich den Tee wohl in der Mikrowelle zubereiten – und es gibt zwar Tee und Kaffee sowie Milchpulver, Zucker und Süßstoff, aber nichts, womit man das alles umrühren könnte. Dass der Teebeutel dann auch noch aufreißt, schlägt dem Fass die Krone mitten durchs Gesäß, oder wie das heißt.

Nach etwa anderthalb Stunden machen wir uns auf den Weg zum Abendessen in unser „Stammlokal“ hier in der Gegend. Das Teilzeitkind soll zu diesem Behufe trockene Socken anziehen und verkündet uns nach über einer Woche Urlaub, dass es insgesamt nur zwei Paar Socken eingepackt hat und eins davon noch bei meinen Eltern liegt. Immerhin hat es die nassen Socken an der Heizung halbwegs getrocknet und kann sie jetzt anziehen. Und wir gehen dann also morgen früh erstmal Socken kaufen. Vor dem Motel werden wir von unserem Zimmernachbarn, der dort mit einem Bier vor seinem Zimmer sitzt, gefragt, ob er dem Kind ein Eiscremesandwich geben darf. Zum Glück haben wir mit „nicht vor dem Abendessen“ eine gute Ausrede. Er versteht und erzählt uns, dass er bereits seit drei Jahren in diesem Motel wohnt und allen Kindern Süßigkeiten schenkt. Wir fahren schnell los.

Im Stammlokal gibt es Craftbeer für die Erwachsenen (ein Hoppy Boy IPA aus Halifax für den Liebsten und ein North Shore Lager aus Tatamagouche für mich) und Eiswasser für das Kindelein.

Naan Pieces mit Spinat-Käse-Dip
Schellfisch-Taco
Lobster Roll mit Pommes
BBQ-Bacon-Burger
Hähnchenstreifen mit Pommes
Brownie für das Teilzeitkind
Cheesecake mit Blaubeer-Topping für mich

Nach dem Essen spazieren wir noch ein wenig durch das inzwischen trockene und schwüle Truro und sammeln unterwegs zwei Geocaches ein.

Dann fahren wir zurück ins Motel. Der Zimmernachbar lässt sich nicht blicken. Die drei !!! schallen durchs Zimmer, ich setze mir Kopfhörer auf und vertreibe mir die Zeit auf TikTok und dann mit einem Podcast. Nebenbei versuche ich, den Powwow-Schlamm von Schuhen und Hose zu bekommen. Dann ist gegen 10 für alle Bettgehzeit. Ich höre noch Podcast, bis der Timer den Hörspiellärm beendet (ich höre trotz Noise-Cancelling-Kopfhörern und Podcast immer noch fast jedes Wort) und die anderen beiden schlafen. Dann kann ich die Kopfhörer abnehmen, mich bequem hinlegen (mehr oder weniger, die weiche Matratze behagt meinem schmerzenden Rücken nicht) und schlafe schnell ein.

12.08.2023 – Meer, Felsen, Sand, Robben

Die Nacht war kurz und unruhig, nach dem Frühstück gibt es dann aber ein weiteres erst Telefonat mit Deutschland, nachdem wir wieder etwas entspannter sind. Der Liebste kocht seine vegane Bolognese für das Abendessen, meine Mama und das Teilzeitkind backen einen Streuselkuchen mit Banane, Pfirsich und Blaubeeren, mein Papa und ich liegen und lesen – ich auf einer Heizdecke, für meinen Rücken. Ich lese das erste Buch des Urlaubs aus – Lauren Collins‘ „When in French. Love in a Second Language“. Sehr zu empfehlen für alle, die sich für Sprachen und Kulturen interessieren.

Am frühen Nachmittag kommt ein Nachbarspaar vorbei, um Post abzuholen, die Papa ihnen von seinem gestrigen Ausflug zum Postamt drüben im Dorf mitgebracht hat. Wir erzählen kurz und verabreden uns für nach unserem Roadtrip zu einem Besuch bei ihnen. Danach gibt es Kuchen draußen auf dem Deck.

Nach dem Essen machen sich alle ausflugsbereit und wir fahren gemeinsam zum Nationalpark in der Nähe, um ein wenig zu wandern.

Unterwegs sammeln wir einen Cache ein und beobachten Robben. Das Teilzeitkind und der Liebste klettern genau wie letztes Jahr über die Felsen, während wir anderen den normalen Weg benutzen. Schließlich liege ich eine Weile im warmen Strandsand und höre den Wellen zu. Zurück am Parkplatz trennen sich unsere Wege – meine Eltern fahren noch schnell einkaufen, wir gucken auf dem Rückweg an einigen Caches vorbei und finden noch einen weiteren.

Wieder zuhause gibt es Nudeln mit Bolognese für alle. Danach spielen wir noch eine Runde „Sagaland“ und eine Runde „Halt mal kurz“, bevor ich bewaffnet mit Gummibärchen, Schmerztablette und Wärmesalbe kurz nach 10 im Bett verschwinde.

11.08.2023 – Mall Rats, Lunenburg, Perseiden

Ich wache kurz vor 8 Uhr auf und habe damit beinahe unheimliche neun Stunden geschlafen. Da es draußen in Strömen regnet, besteht auch erstmal keine Eile aufzustehen. Irgendwann gegen 10 versammeln sich dann alle zum Frühstück und danach wird nochmal ein paar Stunden geruht, bis der Regen aufhört. Ich habe von dem Astschereneinsatz gestern Muskelkater an ungewohnten Stellen und meine Lendenwirbelsäule meldet sich über den Tag auch immer deutlicher. Zuerst also ganz gechillt auf dem Sofa lesen und ab und an aus dem Fenster aufs Meer sehen.

Am frühen Nachmittag hört es auf zu regnen und wir fahren zu dritt in die Mall im nahegelegenen Städtchen. Ich hole meine reparierte Hose aus der Schneiderei, der Liebste bekommt ein neues Portemonnaie und wir befüllen uns alle jeweils ein kleines Tütchen im Candy Shoppe.

Dann geht es weiter zum Supermarkt, ein paar Vorräte auffüllen und frisch zubereitetes Sushi fürs Abendbrot mitnehmen (in einer Kühlbox).

Zwischen Paniermehl und Dosentomaten kommt ein Anruf aus Deutschland, der uns etwas beunruhigt. So vergessen wir dann auch Milch und Geschirrspülmittel, das holen wir dann beim nächsten Mal. Nächste Station ist unser erstes Mal bei Tim Horton‘s diesen Sommer. Es gibt Cappuccino und Donut für den Liebsten, Limonade und Croissant für das Teilzeitkind und Brombeere-Yuzu-Getränk und Apple Fritter für mich. Kein Foto, wir sind immer noch etwas durch den Wind. Frisch gestärkt fahren wir weiter nach Lunenburg.

Wir spazieren durch das schöne Städtchen, sammeln unterwegs einen Geocache ein und telefonieren nochmal mit Deutschland – jetzt ein wenig ruhiger.

So richtig entspannt sind wir jetzt aber nicht mehr, also fahren wir bald wieder los nach Hause. Unterwegs versuchen wir uns noch an einigen Geocaches…

…finden aber mehrere hintereinander nicht und sind dann ganz früh, dass unser Hail- Mary-Versuch es uns dann doch ganz leicht macht – mit Cache am Fahnenmast vor einem Feuerwehrgebäude. Wieder zuhause gibt es dann Sushi, Gyoza und Algensalat und hinterher eine Runde „Sagaland“ – Schmerzen und Sorgen machen allerdings, dass ich mich nicht konzentrieren kann und ständig Fehler mache. Also lege ich mich lieber hin und lese, während der Liebste erstmals einen Triumph gegen das Teilzeitkind verbuchen kann. Inzwischen ist es draußen dann dunkel genug, um drinnen alle Lichter zu löschen und draußen auf dem Deck nach den Sternen, Planeten, Satelliten, Flugzeugen und der Weltraumstation zu schauen. Ich sehe eine Sternschnuppe und wünsche mir etwas, bevor es mit Heizdecke in die Falle geht.

10.08.2023 – Bäume fällen, Zimmer besetzen, im Atlantik baden und Seafood essen

Heute wird ein warmer Sommertag, auch wenn es morgens wegen Wind noch recht kühl ist und wir drinnen frühstücken. Danach das übliche Herumlungern mit Lesen, Bloggen, Sprachlern-Apps und Co. Als ich mich dann gerade aufraffen möchte, um ins Bad zu gehen und aus dem Schlafanzug herauszukommen, kommt stattdessen unser Holzfäller-Einsatz zum Zug. Wie berichtet, hatte ja ein Biber einen der Pfeiler der Wäscheleine gefällt. Meine Mama hatte nun den Plan, eine Fichte zu fällen und damit Raum für mehr Wäsche zu machen und bat den Liebsten um Unterstützung. Gemeinsam kamen sie dann darauf, aus der Fichte einfach noch einen weiteren Pfeiler zu machen und so gleich zwei weitere Leinen spannen zu können. Also bearbeitete der Liebste die Fichte mit Beil und zwei verschiedenen Sägen auf über-Kopf-Höhe und sägte später den gefallenen Stamm noch in drei handlichere Teile.

Mein Job war es, den Stamm mit der Astschere zu bearbeiten und die vielen Fichtenwedel dann an eine Stelle am Ufer zu tragen, wo sie als „Flutwall“ gegen zukünftig steigenden Meeresspiegel aufgeschichtet werden – alles in Schlafanzug und Gummistiefeln, wie so ein Stadtmensch. Der dicke Stamm wird zu Feuerholz für den nächsten Winter, aber erst, wenn es nicht mehr so heiß ist. Nach dem Arbeitseinsatz – die Sonne steht inzwischen wirklich hoch und es ist weitgehend windstill, gehen wir erst einmal duschen und uns fertig anziehen, während meine Mama mehr Wäsche wäscht und aufhängt.

Das Teilzeitkind hat in der Zwischenzeit sein Zimmer besetzt. Während des Frühstücks kam nämlich das Thema auf, ob es demnächst, wenn weiterer Besuch eintreffen wird, sein Zimmer mit dem Schlafsofa gegen ein anderes, das zwei Einzelbetten hat, eintauschen würde. Nun, ich denke die Antwort lautet nein. Vor seinem Zimmer jedenfalls steht nun ein Protest-Pappschild mit einer längeren Erklärung, die in „Ich bleibe hier“ und „Dies ist ein Antiterroranschlag des asozialen Netzwerks“ gipfelt. Außerdem hat es den Liebsten als Verbündeten rekrutiert und Flyer gebastelt, die er morgen für die gute Sache verteilen soll. Warten wir ab, wie sich die Situation entwickelt.

Nachdem wir uns von der Aufregung und der Baumfällerei erholt haben, brechen wir auf an den Strand – es ist der Wobamkek Beach, der unter seinem Colonizer-Namen als schönster Strand Nova Scotias bekannt ist – zu Recht! Unterwegs halten wir noch an drei Geocaches an, von denen wir aber nur einen finden. Einer ist von Biomasse überwuchert und gut von Insekten bewacht, ein anderer existiert nicht mehr, da das Haus, an dem er befestigt war, inzwischen verkauft und umgebaut wurde – die neuen Besitzer*innen sind sehr kanadisch freundlich, hilfsbereit und dann untröstlich. Sie erinnern sich sogar daran, dass da ein kleines schwarzes Ding war, dass inzwischen weg ist und vermuten, dass die Handwerker es entsorgt haben. Der dritte Cache klappt dann aber zum Glück.

Auf unserem Weg zum Strand müssen wir durch zwei Baustellen, an denen die vor wenigen Wochen von Überflutungen weggespülte Straße repariert wird. Wir warten jeweils vor einem Mensch mit Stop-Schild, dann kommt nach einigen Minuten ein Führungsfahrzeug und dahinter eine lange Schlange Autos aus der Gegenrichtung. Wenn die durch sind, dreht das Führungsfahrzeug um, der Mensch dreht das Schild auf „Slow“ herum und wir können dem Fahrzeug folgend die Baustelle passieren.

Am Strand angekommen, parken wir das Auto an einem Waldweg und laufen dann einen gut getarnten Pfand entlang nochmal einen halben Kilometer oder so über eine bewaldete Düne, bis wir den weißen Sand erreichen. Der Strand ist so gut wie leer und sehr lang – in den nächsten zwei Stunden sind insgesamt vielleicht zwanzig Menschen da, nicht gleichzeitig und die meisten auf einem anderen Teilstück.

Weil es so warm ist, ziehen wir uns schnell aus und laufen relativ selbstsicher ins Wasser. Zumindest die ersten Schritte. Sobald das Wasser die Knie erreicht, ist es so kalt, dass es wehtut und wir schnell wieder ins Flache müssen. 16 Grad hat das Wasser laut Internet. Wir vergnügen uns eine Weile im flachen Wasser, dann laufe ich noch ein wenig zum anderen Teilstück und stelle fest, dass es dort trotz mehr Wellengang etwas wärmer zu sein scheint. Jetzt gibt es kein Halten mehr – das Teilzeitkind und ich sind als erstes dran, schaffen es jeweils bis zum Hals hinein und machen ein paar Schwimmzüge. Das provoziert dann auch den Liebsten und er geht hinein und taucht unter lautem Kreischen einmal kurz bis zum Hals unter, bevor er schnell wieder rauskommt.

Danach liege ich im warmen Sand und lasse mich trocknen während die anderen beiden eine Sandburg bauen.

Irgendwann wird es Zeit, wieder aufzubrechen. Kurz nach der zweiten Baustelle liegt unsere Location für das Abendbrot – ein Seafood-Imbiss, wo bereits viele Leute anstehen. Eine bunte Mischung aus offenkundigen Locals, die ihr Essen zum Mitnehmen bestellen und mit Namen aufgerufen werden, und Tourist*innen, die vor Ort essen und deren Bestellungen Nummern bekommen. Zu letzteren gehören wir. Es gibt Fish & Chips für den Liebsten und das Teilzeitkind und Clams & Chips für mich. Dazu hausgemachtes Relish, „Tartar Sauce“ (Remoulade), Coleslaw und einen Alibi-Salat mit Ranch Dressing.

Nach all den Jahren sind es meine ersten Fried Clams – musste mich erst über diverse italienische frittiere Meeresfrüchte ranarbeiten. Sie sind sehr lecker, aber leider sind einige bittere dabei, die das Vergnügen dann deutlich einschränken. Und insgesamt ist natürlich alles nordamerikanisch viel zu viel. Trotzdem will das Teilzeitkind hinterher noch ein Eis und bekommt aus Versehen zwei, die wir dann zu dritt teilen.

Dann fahren wir nach Hause und ruhen uns erstmal kurz aus.

Später spielen wir noch zwei schnelle Partien „Halt mal kurz“. Heute bin ich nicht so gut darin, müde vom vielen Histamin in den Clams, von der Seeluft und von der Holzarbeit. Witzig ist aber, wie der Liebste und ich wirklich zeitgleich auf den Nazi draufhauen und dann beide eine Karte ziehen müssen. Nach der zweiten Runde gehe ich kurz nach 22 Uhr direkt ins Bett und schlafe ein.

09.08.2023 – Kitze, Caches und Kuchen

Das Aufwachen war heute erst deutlich nach 7, nachdem wir nachts mehrfach wegen Gewitter wachgelegen hatten, deren Donner gemacht hatten, dass das Haus wackelte. Ist aber alles heil geblieben und wir haben weiterhin Strom und Internet. Gut so, niemand will, dass hier die Stimmung wegen Unterversorgung kippt. Es ist heute nicht wirklich kalt, aber trübe und teilweise regnerisch. Wir lassen uns also nach dem Frühstück noch viel Zeit, lesen und chillen, bis wir uns irgendwann auf den Weg machen, touristische Dinge zu tun. Der grobe Plan ist, bei unserem Lieblingscafé hier einzukehren, dafür die idyllische Küstenstraße entlang zu fahren und auf dem Hin- und Rückweg Geocaches einzusammeln.

Am Ende des Tages werden wir uns an insgesamt neun Caches versucht und davon acht gefunden haben – ein sehr guter Schnitt! Außerdem gesehen: Ein über die Straße wetzendes Eichhörnchen, zweimal über Wege springende Rehe und einen Nerz, der über das Deck des Cafés wieselte (pun intended).

Lemon Squares (Triangles), Butter Tart, Chocolate Fudge Brownie, Caramel Square (Triangle)
Aussicht beim Kuchenessen

Als wir genug haben und es schon ordentlich spät ist, fahren wir nochmal in das andere Städtchen in der Nähe und kaufen ein paar Dinge ein, die wir gestern nicht bekommen hatten (u. a. Gummibärchen und Bier in Flaschen). Zuhause wird dann ein echtes deutsches Abendessen gekocht – Mini-Buletten, Salzkartoffeln und Mischgemüse. Sämtliche Buletten vom Teilzeitkind selbst geformt.

Nach dem Essen gibt es lokales Bier bzw. lokalen Cider bzw. Wasser fürs Kind und jede Menge Chips und Brezeln bei zwei Partien Sagaland, die das Teilzeitkind wieder haushoch gewinnt. Gegen halb 11 haben alle die nötige Bettschwere und gehen schlafen.

08.08.2023 – Morgenstrand, Mall Life, Mehr Caches

Ich erwache gut ausgeruht aber schon wieder um 6. Relativ kurz danach sind auch das Teilzeitkind und der Liebste wach und so beschließen wir gegen halb 8, wieder eine Vorfrühstücksrunde an einem Strand zu drehen. Meine Mama bäckt indes Brötchen fürs Frühstück. Wir fahren zu einem dritten schönen Strand in der Nähe. Der Himmel ist bedeckt, die anderen beiden ziehen sich nicht einmal die Schuhe aus, sondern klettern lieber über Felsen, während ich gemütlich durch die Brandung spaziere. Learning trotzdem: Für Strandausflüge festes Schuhwerk anziehen. Am Anfang musste man über rundliches Geröll steigen, was in Flipflops erstaunlich schlecht geht. Und Mückenspray brauchten wir hier auch, aber darauf waren wir vorbereitet.

Auf dem Heimweg versuchen wir uns an zwei Caches und finden einen davon. An der Rückseite eines Straßenschilds, an dem wir letztes Jahr schon ein Foto gemacht haben. Ähnlich wie der an der Brücke gestern, auf der waren wir letztes Jahr auch ausgiebig. Der Liebste erklärt dem Teilzeitkind den Unterschied zwischen „Sehen“ und „Wahrnehmen“.

Das Foto von letztem Jahr

Wieder zuhause gibt es Frühstück mit leckeren Brötchen und ich werfe mich weiter hinein ins Histaminthema – Heringshappen, Salami, reifer Käse… Jep, da tut sich was im Körper. Wahrscheinlich muss ich einfach insgesamt meinen Intake moderieren und ggf. ab und an eine Tablette (entweder mit dem Enzym oder ein Antiallergikum) einschmeißen, wenn ich zu viel davon esse. Ich experimentiere weiter. Nach dem Essen wird faul herumgelegen und gelesen, gebloggt, Sprachen geübt, „Halt mal kurz“ gespielt, usw. Dann beschäftigen wir uns mit der Planung unseres anstehenden Roadtrips, buchen Unterkünfte und eine Whale Watching Tour für den Liebsten. Nach Seegang und Seekrankheit letztes Jahr möchte das Teilzeitkind nicht mehr auf Boote, also werden wir zwei in der Zeit etwas anderes machen. Nach Kuchen, Eis und Keksen (und dem Kurzbesuch einer Nachbarin – zwei Häuser weiter, etwa 5 Minuten Fußweg durch den Wald), die meinen Eltern einen Hummingbird Feeder mitgebracht hat), fahren wir dann zu dritt in eine größere Stadt in der Nähe. Groß heißt knapp 9.000 Einwohner und Nähe heißt knapp 30 Minuten im Auto. Hier gehen wir zuerst in die Mall.

Im Dollarama kaufen wir Fliesenhaken und kleine Angelköder, die das Teilzeitkind als Tauschgut für Caches braucht (später kommen noch nach Vanille duftende Radiergummis in Cupcake-Form dazu). Ich bringe meine Hose zu einem Schneider, betrieben von syrischen Refugees, in zwei Tagen kann ich sie wieder abholen.

Dann nutze ich die Gelegenheit, nordamerikanisch günstig Klamotten zu shoppen und hole mir eine weitere Hose, eine Sweatjacke und ein Basecap für umgerechnet knapp 60 €. Besonders schön ist, dass die Jacke, die gemütlich weit ist, hier eine XS ist. Fühle mich rank und schlank. (In Italien wäre das mindestens eine L) In der Zwischenzeit erkunden der Liebste und das Teilzeitkind die Mall, kaufen die Radiergummis und entdecken witziges im Buchladen und einem anderen Klamottenladen.

Das Shirt haben wir dann nicht gebraucht – wer weiß, ob und wann die Ampel das hinbekommt – und das Buch haben wir natürlich beide schon (des Teilzeitkinds Englisch reicht noch nicht für politische Manifeste, auch wenn es das Känguru-Manifest demnächst auswendig kann). Als nächstes geht es in den Supermarkt – die Einkaufsliste meiner Eltern abarbeiten und für uns Espresso, Snacks und Ginger Ale besorgen. Im Liquor Store fülle ich dann noch die Weinvorräte auf und hole mir ein paar Flaschen Cider. Das lokale IPA für Papa und den Liebsten gibt es hier nur in Dosen, da fahren wir morgen lieber nochmal in die Stadt in der anderen Richtung, der Liquor Store ist besser ausgestattet, nicht nur was Alkohol angeht.

Dann ist es nochmal Zeit für Geocaches. Einen ersten an einem idyllischen Picknickplatz am Fluss finden wir nicht. Beim nächsten haben wir aber dann Glück.

Auf dem Heimweg halten wir noch am Farm Market. Ich kaufe wilde Blaubeeren, lokale Himbeeren und Pfirsiche aus Ontario und dann bekommen alle noch ein Eis – meins ist mit Peanut Butter Cups und Brownie.

Zuhause gibt es dann die Reste der letzten beiden Abendessen zum Abendbrot, dazu noch frisch gekauftes Knoblauchbrot, Naan und Tsatsiki.

Nach dem Essen spielen wir „Sagaland“ in der Harry-Potter-Edition und obwohl der Liebste mit Strategie und fiesen Tricks spielen, zieht uns das Teilzeitkind mit seinem überlegenen Kindergedächtnis gnadenlos ab. Gegen 10 geht es dafür schon ins Bett. Der Liebste und ich gönnen uns noch die letzten Gummibärchen aus dem Vorrat vom letzten Jahr und liegen dann auch kurz nach 11 in der Falle.

07.08.2023 – Morgenspaziergang, Robbenwache, Extrem-Caching

Ich wache gegen 6 auf, das ist angesichts der Bettgehzeit schon ziemlich OK, auch wenn im Urlaub länger schlafen natürlich auch schön wäre. Andererseits will man ja auch möglichst viel erleben und genießen, von daher alles OK. Ich lese das Internet leer und beginne zu bloggen. Der Liebste erwacht gegen 7, ich mache uns Kaffee und dann steht auch bald das Teilzeitkind in der Tür und verlangt nach meinem Handy. Ich lese ein bisschen in „Catch-22“ weiter und bespreche den Wetterbericht mit dem Liebsten. Der zeigt plötzlich ungewohnte morgendliche Aktivität, was dazu führt, dass wir gegen 8 und noch vor dem Frühstück zu dritt an den Strand fahren. Es ist der nächstgelegene, in einer anderen Richtung als gestern, und noch davor gibt es einen einfach zu findenden Geocache, den wir auch noch mitnehmen.

Der Strand ist so gut wie leer – eine Gruppe mit Hunden macht ganz am Anfang ein professionelles Fotoshooting, weiter hinten gibt es ein paar Surfer, davon abgesehen laufen außer uns nur noch drei, vier andere Menschen vereinzelt rum. Das Wasser ist noch eisig kalt, aber wir wollen jetzt ja sowieso nur mit den Füßen rein und ansonsten spazieren.

Hier am Strand wäre es nichts ungewöhnliches, wenn wir beim Spazieren auf bekannte Gesichter träfen – meinen Eltern passiert das regelmäßig und ich hatte auch schon mehrmals das Vergnügen. Scheint aber eher ein Nachmittagsding zu sein, heute kenne ich niemanden. Als wir genug haben, fahren wir wieder zurück und sind kurz vor 10 wieder zuhause, perfekte Zeit zum Frühstück! Danach sitze ich erstmal auf der Terrasse und blogge zu Ende. Als ich gerade anfangen will, mich um die Sprach-Apps zu kümmern, brauchen der Liebste und das Teilzeitkind Hilfe, um das Kanu zu Wasser zu lassen (man muss es immer erst über die Steine am Ufer tragen, dafür braucht es zwei Menschen, die größer als das Teilzeitkind sind. Danach hänge ich mit meiner Mama die Wäsche auf. Ein Pfeiler der Wäscheleine wurde seit dem letzten Herbst von Bibern zerlegt, wir können also nur den Teil der Wäscheleine nutzen, unter dem Poison Ivy wächst und müssen dabei Gummistiefel tragen. Nach getaner Arbeit sitzen wir zu zweit gemütlich auf dem Deck und erzählen, bis die Kanuten zurückkehren. Dann gibt es einen fliegenden Wechsel und der Liebste und ich paddeln raus zu den Robbenfelsen.

Wenn man zwischendurch aufhört zu paddeln, trauen sich die Robben recht nah heran, beobachten uns und tauchen dann gerne in dem Moment ab, in dem man sie fotografieren will. Dann paddelt man weiter und plötzlich hört man sie direkt hinter sich planschen, dreht sich schnell um und sie sind schon wieder weg und lachen sich ins Fäustchen. Niedliche, freche, unkooperative Biester, die! Fast wie Katzen eigentlich, nur größer. Als wir zurück sind, ist es Zeit für zwei Runden „Halt mal kurz“, von denen ich wieder eine gewinne. Dann gibt es wieder Kuchen und Eis draußen auf dem Deck, wo der inzwischen aufgekommene Wind angenehm die Mücken vertreibt. Danach wollen wir noch ein wenig Action und Bewegung und einigen uns darauf, in der näheren Umgebung noch ein paar Geocaches zu jagen. Wir fahren also mit dem Auto von Cache zu Cache (die Distanzen sind zu weit und die Straßen nicht fußgängerfreundlich) und suchen dann jeweils herum.

Zweimal sind wir nicht erfolgreich – Sturm und Überflutung haben die Caches wahrscheinlich davongetragen oder zumindest unerreichbar gemacht. Dann gibt es zwei recht leichte und gut erreichbare Funde mitten im Dorf – wenn man ein Teilzeitkind dabei hat, das bereitwillig durchs Nadelgehölz krabbelt, dann wieder zwei nicht Auffindbare und dann nochmal einen leichten, der aber aufgrund seiner Lage direkt am Highway mit Adrenalin verbunden ist. Dann hat das Teilzeitkind genug (bei mir war das schon deutlich früher der Fall, auch weil ich mir beim durchs Unterholz Kriechen meine neue Hose zerrissen habe) und wir fahren zurück nach Hause. Auf dem Rückweg lasse ich mich am Abzweig zu unserer Straße absetzen und laufe das letzte Stück, um meinem Schrittziel näher zu kommen.

Ganz reicht es nicht, ich muss also dann noch eine Runde ums Haus drehen und drinnen zweimal die Treppe rauf und runter und ein paar Mal vom einen Ende des Hauses zum anderen laufen, dann kommt endlich das erlösende Vibrieren am Handgelenk. Dann wird kurz ein wenig geruht, bevor Mama und ich das Abendbrot kochen. Es gibt Linguine mit einer Sauce als Auberginen, Zucchini und Tomaten, dazu Parmesan. Die App dreht durch wegen des vielen Histamins in den Auberginen, den Tomaten und dem Parmesan. Und dann auch noch Rotwein dazu! Ich merke dann später auch Symptome – ob die nun damit zusammenhängen, oder nicht. Kribbelnde Zunge/Gaumen, Brennen im Rachen, Hitze im Gesicht, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Müdigkeit… Es ist eigentlich relativ offensichtlich, dass ich reagiere, die Frage ist, wie schwer ich das nehmen muss/sollte.

Nach dem Essen recherchieren der Liebste und ich wieder für die nächsten Tage, dann gibt es zwei Partien „Halt mal kurz“ und dann wird noch ein wenig still gelesen. Mein Papa geht als erstes ins Bett, dann der Liebste, dann meine Mama. Gegen 11 überrede ich das einnickende Teilzeitkind, gemeinsam mit mir Zähne putzen zu gehen und dann ist auch für mich Schlafenszeit.

06.08.2023 – Paddeln, Kuchen, Strand und Caches

Ich wache nach nur fünf Stunden auf – es ist 4 Uhr morgens bzw. 9 Uhr morgens in Deutschland. Draußen ist es noch dunkel und still, aber ich rieche den Holzduft, den dieses Haus auch nach über 20 Jahren verströmt und weiß, dass ich gut aufgehoben bin. Erst lese ich, um wieder einzuschlafen, dann versuche ich es mit Podcast hören – allerdings mit Kopfhörern auf, um den Liebsten nicht zu wecken und das bedeutet auf dem Rücken liegen, was bedeutet, nicht wieder einzuschlafen. Gegen 5 dann geht das Teilzeitkind aufs Klo, bleibt danach wach und hört Hörbuch – laut genug, dass ich im Nebenzimmer mithören kann. Einer Bitte um Leiserstellen wird entsprochen, aber endgültig wach bin ich jetzt doch. Ich lese das Internet leer und blogge. Gegen halb 7 wird der Liebste auch wach, dann stehe ich auf und mache Kaffee für ihn, Kräutertee für mich und Orangensaft für das Teilzeitkind, das dann auch nach meinem Handy verlangt, um zu spielen. Beim in der Küche Stehen sehe ich erstmals hinaus auf die Bucht – gestern war ja alles dunkel. Es ist noch diesig, der Himmel weiß, das Wasser grau. Aber es ist das Meer da draußen.

Ohne Handy zurück im Bett lese ich im Reiseführer herum für unseren diesjährigen Roadtrip und der Liebste und ich setzen erste Eckpfeiler, die wir hoffentlich auch so umsetzen können. Das Teilzeitkind verlegt sich irgendwann vom Zocken und Hörspielhören aufs Tischtennis spielen – es schläft in dem Raum, in dem die Platte steht. Uns fehlt die Energie, das zu verhindern („ICH BIN NICHT LAUT!“), auch wenn das heißt, dass meine Eltern jetzt auch endgültig wach sind. Kurz nach 8 gehen der Liebste und ich gemeinsam hinaus aufs Deck und schauen uns das Draußen nochmal genauer an. Inzwischen hat es aufgeklart und verspricht, ein schöner Sommertag zu werden.

Wir legen uns nochmal für ein halbes Stündchen hin, dann wird der Hunger zu groß und wir beginnen, den Frühstückstisch zu decken. Irgendwann kurz nach 9 sitzen wir bei Brötchen, Frühstücksei etc. alle beisammen – allerdings drinnen am Esstisch, weil es draußen noch zu frisch ist. Weil mein Körper gestern etwas rebellisch war, entscheide ich mich heute wieder für etwas mehr Histamin-Restriktion, da werde ich in den nächsten Wochen noch einiges herumzuprobieren haben. Eine Tasse schwarzen Tee und zwei Erdbeeren esse ich aber trotzdem. Während des Essens schmieden wir Pläne für den Tag, danach ruhen wir uns erstmal noch ein wenig aus. Der Liebste setzt sich mit Buch aufs Deck, die Eltern klappen ihre Laptops auf, ich ziehe mich mit den Sprachlern-Apps aufs Sofa zurück und das Teilzeitkind kehrt nochmal zum Hörbuch bzw. der Tischtennisplatte zurück. Als ich mit den Apps fertig bin, setze ich mich mit raus zum Liebsten. Inzwischen bratzt die Sonne schon aufs Deck und es wird heiß – bei gerade mal 24-26 Grad heute.

Nacheinander gehen wir drei dann irgendwann durchs Bad. Ich bin als letzte dran, währenddessen holen der Liebste und meine Mama schon das Kanu aus der Garage, wo er überwintert hat. Es ist gleich die höchste Tide und damit Paddelzeit. Der Liebste und das Teilzeitkind ziehen sich paddelfertig an, inkl. Sonnenschutz, Badeschuhen und Schwimmwesten und ziehen los zu einer ersten Runde über die Bucht. Ich sitze währenddessen gemütlich auf dem Deck und lese, bis die wieder ankommen und Hilfe beim Landgang benötigen.

Dann werde ich auf einmal ganz schön müde – ich bin seit 8 Stunden wach. Ich ziehe mich aufs Sofa zurück und schlafe fast zwei Stunden, während der Liebste liest und das Teilzeitkind mit meiner Mama Kuchen bäckt. Irgendwann piept der Ofen und meldet Vollzug. Wir decken den Tisch auf dem Deck und es gibt Quarktorte und Pflaumenkuchen mit Streuseln, dazu Eis, Kaffee und Tee.

Nach dem Essen machen wir drei uns strandfein und fahren etwa eine Viertelstunde die Küste entlang zu einem Strand. Erst sind wir sehr optimistisch – es ist warm, es sind einige Leute im Wasser – und schicken uns an, Baden zu gehen. Wir merken dann aber sehr schnell, dass das Wasser eisekalt ist. Angeblich 16 Grad, aber es fühlt sich kälter an. Also ziehen wir uns unsere Oberteile wieder an und gehen nur bis zu den Knien rein. Der Liebste und das Teilzeitkind tummeln sich im Wasser, ich laufe den Strand einmal von Ende zu Ende ab, nähere mich meinem Schrittziel, atme tief ein und starre aufs Wasser. Und mache Fotos.

Nachdem wir uns wieder zusammengefunden haben, versuchen wir des Teilzeitkinds ersten Geocache in Kanada zu finden – der ist nämlich hier am Strand. Allerdings sind wir nicht erfolgreich und lesen dann auch in den Logs, dass der im Sommer kaum zu finden ist, im Winter hingegen leicht. Er muss also entweder irgendwo im Gestrüpp sein, oder neulich beim Sturm irgendwie verschütt gegangen sein. Wegen dieses Misserfolgs müssen wir dann natürlich noch einen anderen Cache finden und fahren eine Bucht weiter, wo er im Wald auf Steilklippen ausgewiesen ist. Dort sind wir – nach längerem Suchen im Unterholz – erfolgreich und können danach zufrieden den Heimweg antreten.

Wieder zuhause duschen wir und suchen uns gründlich nach Zecken ab, bevor wir uns zum Abendbrot niedersetzen. Es gibt Sonntagsbraten (Schweinelende) mit Reis und gelben Bohnen. Danach machen wir es uns noch ein wenig gemütlich und spielen eine Runde „Halt mal kurz“ (Ich gewinne.), bevor das Teilzeitkind Hörspiel hört, der Liebste liest, die Eltern mit meinem Bruder am Klondike telefonieren, der morgen irgendwie von Dawson nach Whitehorse kommen muss, wobei die einzige Straße gerade wegen Waldbränden teilweise gesperrt ist, und ich gönne meinem kaputten Zeh ein Fußbad. Irgendwann zwischen 10 und 11 gehen alle müde ins Bett und ich helfe dem Durchschlafen noch mit einem Gummibärchen aus unserem Vorrat vom letzten Jahr nach. Kanada lebe hoch!

05.08.2023 – 26 Stunden wach

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Heute habe ich wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, um so viel wie möglich Content für #WMDEDGT rauszuholen. Nicht nur, dass der Tag nach hinten raus einfach noch fünf Stunden mehr hat, ich fange ihn auch einfach schon um zwei Uhr morgens an. Da puckert mein gestern aufgeschlagener und inzwischen ordentlich entzündlich angeschwollener Zeh nämlich nach nur etwa 3,5 Stunden Schlaf so los, dass ich aufwache. Drei Stunden vor dem Weckerklingeln, das eh schon großzügig früh angesetzt war. Ich versuche es mit kühlen, aber das ist alles sehr unbequem und ich finde keine entspannte Liegeposition mehr. Nach zwei Stunden komme ich auf die glorreiche Idee, ein entzündungshemmendes Schmerzmittel einzunehmen, danach entspannt sich alles ein bisschen, es ist aber auch halt kurz vor dem Weckerklingeln und ich bin einfach knallewach und gebe die Nacht verloren. Ich lese ein bisschen im Internet herum und übe Tschechisch, Niederländisch und Italienisch und dann ist es 5:30 Uhr und ich stehe auf.

Der Kulturbeutel muss noch in den Koffer, bei der Gelegenheit disponiere ich nochmal Schuhe um und ziehe die besonders breiten für die Reise an. Die Flipflops wandern als Backup in den Rucksack. Der Proviant wandert aus dem Kühlschrank in den Proviantbeutel. Dann noch schnell Wassernäpfe auffüllen und Katzen ausgiebig füttern und streicheln und schon kann es losgehen. Kurz vor 6 Uhr verlasse ich die Wohnung. Ab 6 Uhr zwei Kontrollanrufe in rascher Folge beim Liebsten, um sicherzugehen, dass er den Wecker gehört hat. Kurz nach dem zweiten kommt die erlösende Nachricht, dass sie wach sind. Ich laufe zur S-Bahn und fahre zum nächstgelegenen Fernbahnhof. Noch in der Bahn checke ich den neusten Stand zum avisierten Zug und kriege fast einen Herzkasper, als da steht, dass der Zug ausfällt. Mein Hirn schaltet in Extrem-Orga-Modus um. Noch bevor ich dem Liebsten davon erzähle, will ich Alternativoptionen im Kopf haben. Im Notfall müssen wir schnell für teures Geld ein Auto mieten und uns auf die Autobahn nach Frankfurt stürzen. Erst gucke ich aber, wann der nächste Zug fährt und ob das noch hinhaut. Zu meiner Überraschung: Zum genau gleichen Zeitpunkt wie der geplante. Es fällt nämlich nicht die Verbindung aus, sondern nur der Zug selbst, dafür wird ein anderer eingesetzt. Danke, Deutsche Bahn, 1a User Experience habt Ihr da. Nicht. Ich schreibe dem Liebsten also nur, dass der Zug ein anderer sein wird und unsere Reservierungen nicht mehr gelten und ich ihm dann Bescheid sage, wo ich sitze.

Weil ich früher losgekommen bin als gedacht, habe ich am Bahnhof noch 40 Minuten Zeit, bis der Zug abfährt. Wegen des schweren Gepäcks, des Zehs und meiner Müdigkeit begebe ich mich trotzdem direkt zum Bahnsteig – der Fahrstuhl ist defekt, die Rolltreppe fährt in die falsche Richtung, ich trage also alles nach oben, hmpf. Dann lasse ich zwei andere Züge abfahren, bevor unser Zug erfreulich früh da steht – hier geht nämlich die Strecke los. Ich suche mir im noch sehr leeren Zug einen schönen Viererplatz mit Tisch im Nicht-Ruhe-Bereich und decke schon mal fürs Frühstück ein. Der Zug fährt pünktlich ab, hält noch einmal zwischendurch und dann steigen an der nächsten Station schon der Liebste und das Teilzeitkind ein. Jetzt wird gefrühstückt:

Drei verschiedene Sandwiches, drei Brezen, eine Waffel, Oreos, Nüsse, Reisemöhren, Himbeeren, Blaubeeren, Eiskaffee für den Liebsten und mich, Trinkjoghurt für das Teilzeitkind, Apfelschorle für die beiden, Wasser für mich.

Heute ist Tag 1 nach der Histaminkarenz, zum ersten Mal seit fast drei Wochen gibt es für mich also Kaffee, Remoulade (auf den Sandwiches), Kakao (in den Oreos) und Himbeeren. Mal gucken, ob das gut geht. Die Fahrt dauert ab jetzt gute vier Stunden. Wir erzählen viel, lesen viel und freuen uns vor. Das Teilzeitkind schläft unterwegs eine Weile mit dem Kopf auf meinem Schoß, nachdem es mir stolz sein Handy präsentiert hat – zum Fotos machen sowie Spotify und Audible hören, keine Spiele, keine SIM-Karte. Ab Frankfurt Hbf klingelt der Wecker eines Mitreisenden, der das beharrlich ignoriert, augenscheinlich aber auch am Flughafen aussteigen muss. Das Teilzeitlind rüttelt mehrfach an seinem Fuß, bis er wach wird und sich überschwänglich bedankt.

Wir kommen mit knappen 10 Minuten Verspätung am Flughafen an und haben so genügend Puffer, um entspannt zum Gate zu gelangen. Erst heißt es, das richtige Terminal zu erreichen, dann geht es zur Gepäckabgabe, dann weiter zur Passkontrolle, für die wir lange anstehen müssen, da die automatischen Türen für EU-Bürger*innen erst ab 12 Jahren genutzt werden können. Wir stehen also mit allen anderen Familien und den weniger privilegierten Nicht-EU-Bürger*innen gemeinsam in einer langen Schlange. Als die Passkontrolle selbst dann nur zwei Minuten dauert, ist das Teilzeitkind empört, dass man dafür so lange anstehen muss und überhaupt sei es ja in zwei Jahren schon 12 und da könnte man es doch ruhig jetzt schon durch die automatischen Türen lassen.

Ich erzähle dann, dass alles, was wir tun müssen, um nach Kanada zu kommen, ist, online zwei Formulare auszufüllen (für das eine reichte noch das vom letzten Jahr) und einmal unseren Pass zu zeigen und dann dürfen wir sechs Monate da bleiben. Mein pakistanischer Mitbewohner hingegen möchte demnächst auch seine Eltern in Kanada besuchen. Dafür muss er bald nach Düsseldorf in die dortige kanadische Botschaft reisen (die in Berlin ist nicht für Pakistan zuständig) und dort ein Visum beantragen, wofür er seinen Pass, seine Blue Card und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss. Die Behörde darf dann seinen Arbeitgeber und mich als seine Vermieterin kontaktieren, um Informationen über ihn einzuholen. Falls (nicht: wenn) sein Visum dann genehmigt wird, darf er dann für drei Monate ins Land.

Die nächste Spannung gibt es dann an der Security. Erst braucht die Familie vor uns sehr lange. Es sind zwei kleine Kinder dabei, samt Kindersitzen, der Vater hat jede Menge technisches Equipment dabei, das ausgepackt und aufs Band gelegt werden muss, und dann packen sie noch drei Flaschen Schnaps aus dem Handgepäck aus, die hier bleiben müssen – sie sind aus Versehen im Falschen Gepäckstück gelandet. Die Beamten erkundigen sich direkt erfreut, was dass denn genau sei und hatten dann vermutlich einen angenehmen Feierabend. Bei uns geht alles sehr viel schneller, jedenfalls bis man sich meine Powerbank genauer anguckt und feststellt, dass die doppelt so viel Stromstärke hat, als im Handgepäck erlaubt. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, dass die Powerbank ein Problem sein könnte. Die muss jedenfalls auch da bleiben, ich darf sie aber bei meiner Rückkehr wieder abholen. Grummel, noch mehr Komplikationen!

Mein erster Weg ist dann auch direkt der in einen Elektronikladen. Während das Teilzeitkind mit einem elektronischen Schlagzeug-Pad spielt, suchen der Liebste und ich nach der Powerbank, die am meisten erlaubte Stromstärke zum geringstmöglichen Preis ermöglicht. Die wird gekauft und dann gehen wir erstmal schnell zum Gate, sichern uns Sitzplätze in der Nähe einer Steckdose und ich bewache dann unsere Sachen und lade nebenbei die Powerbank auf, während die anderen nochmal losziehen und sich Wasser (und Schokolade fürs Kind) besorgen. Als sie wieder da sind, übernehmen sie die Wache und ich gehe auch nochmal los. Erst auf die Toilette (20 Minuten in der Warteschlange), dann Trinkflasche auffüllen, dann in den Duty Free. Ich bin durchgeschwitzt vom Tag bis hierhin und schnuppere an den Parfümtestern, bin ich etwas angenehmes, unaufdringliches finde, von dem ich mir ein paar Spritzer auftrage. Dann spaziere ich noch ein paar Minuten das Terminal rauf und runter, um das Schrittziel weiter zu verfolgen und kehre dann zu den anderen zurück. Eine knappe halbe Stunde später beginnt schon das Boarding.

Es folgen siebeneinhalb Stunden Flug. Zum Glück sind wir alle drei sehr gut darin, uns stundenlang an Bildschirmen die Zeit zu vertrödeln, ohne uns groß zu bewegen. Zum späten Mittagessen (also, wenn der Tag normal spät enden würde, für uns total angemessen), gibt es Gnocchi mit Spinat und Kirschtomaten, Krautsalat, Laugenbrötchen mit Butter und Käse und eine Panna Cotta. Hier schlagen Spinat und Tomaten in meiner App total rot an.

Im Laufe des Fluges bekomme ich einiges an Symptomen, aber ob das nun am (ungewohnten) Histamin liegt, am wenigen Schlaf, mangelnder Bewegung oder den Strapazen der Reise? Ich werde weiter beobachten. Ansonsten schaue ich direkt hintereinander weg drei Filme, die ich alle noch nicht kenne, bzw. bisher nicht geschafft hatte, sie zu sehen: „Leander Haußmann‘s Stasikomödie“ (amüsant, besonders Detlev Buck und die Sonnenallee-Referenzen), „How to be single” (nette, zeitgemäße RomCom) und „Lieber Kurt“ (das Buch war sehr gut, der Film ist es auch – mich stört halt Till Schweiger, im Allgemeinen und auch weil er deutlich älter ist, als ich mir den großen Kurt im Buch vorgestellt habe). Während des Films wird das Abendbrot serviert – ein Stück Pizza mit also Hefeteig und noch mehr Tomate. Meine App rotiert. Weil der Tag noch lang wird und die Optionen für Schlaf so langsam vorbei sind, trinke ich dazu sogar noch eine Cola.

In den letzten 45 Minuten löse ich ein Kreuzworträtsel aus dem New York Times Archiv und halte mich nebenbei gut fest, es gibt Turbulenzen und ein Luftloch. Dann landen wir mit etwa 15 Minuten Verspätung in Halifax. Es folgen eine lange Schlange bei der Einreise, das Einscannen von Pässen und Gesichtern, das Sichten von Teilzeitkind-bezogenen Dokumenten (Geburtsurkunde, Sorgerechtserklärung, Brief der Mutter mit Erlaubnis) und dann geht es weiter zum Gepäckband. Auch hier heißt es wieder, warten, warten, warten, das gibt mir Gelegenheit, mein Schrittziel vollzubekommen, bevor es in Deutschland Mitternacht ist. Dann mit unseren Koffern weiter zu den Mietwagenanbietern. Dort, wo wir reserviert haben, ist die längste Schlange – natürlich. Der Liebste stellt sich an, das Teilzeitkind und ich sitzen zumindest gemütlich. Knappe anderthalb Stunden später haben wir ein Auto – sogar spontan ein etwas kleineres und damit günstigeres als gebucht. Insgesamt Stunden nach der Landung rollen wir los.

Die Musik läuft, die Sonne geht langsam unter und wir durchfahren die Gebiete, die vor einigen Wochen von den Waldbränden betroffen waren. Es fängt an zu dämmern und wir fahren durch diverse Baustellen in den Gebieten, die vor zwei Wochen vom Hochwasser betroffen waren, das Teile des Highways weggeschwemmt hat, die jetzt erneuert werden. Die letzte halbe Stunde dann ist es stockfinster – keine Straßenlaternen, einfach nur noch unsere Scheinwerfer und ab und an die entgegenkommender Autos. Kurz vor 22 Uhr (oder 3 Uhr morgens deutscher Zeit) sind wir dann endlich zuhause und werden von meinen Eltern freudig begrüßt. Es gibt noch einen kleinen Snack (für mich die letzte Breze von heute morgen), einen Saft für das Kind, ein Bier für den Liebsten, Gin Tonic und Wundsalbe für den Zeh für mich. (Erster Alkohol seit drei Wochen auch.) Um 23 Uhr liegen wir alle fünf in unseren Betten und das Einschlafen geht sehr schnell.

04.08.2023 – Letzter Arbeitstag

Mein Körper ist schlau, der denkt sich, „wenn der Wecker morgen schon um 5 klingelt, dann wache ich doch heute einfach auch um 5 auf!“ Hmpf. Aber das sorgt wieder für einen seeeeehr entspannten Morgen. Ich daddel bis nach 8 im Bett vor mich hin und nehme dann noch vor der Arbeit die Wäsche ab. Zum Frühstück gibt es Toast mit Ziegenfrischkäse, darauf Apfel-Kürbis-Minze-Gelee. Kurz vor 9 sitze ich am Laptop und fange an zu arbeiten – die Sache von gestern Abend wird sich noch durch fast den ganzen Tag ziehen.

Um 9:15 Uhr dann virtuelle Kaffeerunde, mit vielen Gesprächen über das Reisen. Danach arbeite ich weiter an der Sache von gestern und muss dafür leider auch Kolleg*innen kontaktieren, die eigentlich heute frei haben. Immerhin sind sie nicht böse und helfen schnell und bereitwillig. Pausen, in denen ich auf Rückmeldung warte, nutze ich, um nacheinander die beiden Katzenklos zu leeren, einweichen zu lassen, zu säubern, trocknen zu lassen und wieder zu befüllen. Eins vor der Mittagspause, eins danach.

In der Mittagspause gehe ich Proviant für die morgige Zugfahrt einkaufen (inkl. Reisemöhren), denn meine Vorräte sind thoroughly aufgebraucht, zumindest gleich, denn jetzt gibt es nochmal Toast mit dem letzten Ziegenfrischkäse und gekochtem Ei, danach eine Waffel vom Mitbewohner, der heute Geburtstag hat. Dann geht es zurück an den Laptop. Ich schließe weiter Dinge ab, schreibe Übergaben, dann kommen noch zwei spontane Sachen zum Redigieren rein, die ich auch noch wegerledige. Als der Kollege in Chicago anfängt zu arbeiten (alle anderen im Team sind out of office), schließen wir gemeinsam das Problem von gestern ab. Dann noch fix Wochenbericht schreiben und kurz nach 17 Uhr ist Feierabend.

Die neuen Flipflops einlaufen – keine gute Idee (Spoiler!)

Ich mache den Online-Check-in für den morgigen Flug und buche uns die letzten drei zusammenhängenden Plätze, die nicht in der Mitte sind. Wir sitzen also ganz hinten, haben dafür aber einen Fensterplatz dabei, um den sich der Liebste und das Teilzeitkind streiten werden. Dann nehme ich mir eine Feierabendlimo und gehe in meinen neuen Flipflops nach draußen, um das Schrittziel vollzukriegen. Das geht erst sehr gut, dann laufe ich gegen eine hervorstehende Gegwegplatte, stolpere und tue mir ein bisschen weh. Ein paar Schritte später fühlt sich mein Fuß feucht an, ich sehe nach unten und sehe, dass zwei Zehen bluten. Der eine nur ein bisschen, der große so doll, dass sich die Flipflops bereits rot färben. Ich gehe also erst einmal nach Hause, säubere die Wunden, klebe ein Pflaster um den großen Zee, mache die Flipflops sauber und ziehe dann Socken und Schuhe an, bevor ich wieder rausgehe. Hmpf.

Ein letztes Mal Hochsommerspaziergang in Berlin
Wie ein Bildschirmhintergrund
Der Regen zeigt Folgen
Wild gestikulierender Baum

Ich spaziere das Schrittziel voll, dann kehre ich wieder zuhause ein, füttere die Katzen und mache mir Abendbrot. Ein Rest Milch und zwei Äpfel müssen noch weg, also mache ich eine Grütze aus Buchweizen, dünste die Äpfel darin und süße mit Holunderblütenzucker. Sehr sehr gute Kombination!

Die Tasse kündet schon von Zukünftigen

Danach bringe ich noch fix den Biomüll runter, gieße die Balkonpflanzen und dann ist es Zeit zum Kofferpacken. Dank ewiger (und in den letzten Tagen ergänzter) Packliste dauert das nur eine Dreiviertelstunde, aber ich bin sehr froh, dass am Ende alles in meinen nur mittelgroßen Koffer passt (meinen großen hat ja der Liebste). Gut, dass wir zwischendurch waschen können!

Den ganzen Tag über habe ich übrigens immer wieder mit dem Liebsten telefoniert, bestimmt sechs- oder siebenmal. Das letzte Mal kommt, als ich aus der Badewanne gestiegen bin. Das Teilzeitkind ist jetzt auch angekommen, der Urlaub kann losgehen! Kurz nach halb 10 liege ich im Bett und lasse auf dem Laptop Mad Men laufen. Während der zweiten Folge schlafe ich – vorerst – ein.