24.01.2024 – Nochmal tief Luft holen

Noosa ist eine sehr kuschelige und anhängliche Katze. Nimbin auch, aber sie toppt ihn um Längen – zumindest was ihre Zuneigung zu mir angeht, er verteilt seine gerne großflächig, auf alle, die in der Nähe sind. Jedenfalls findet Noosa heute morgen kurz vor halb 7, sie müsste jetzt dringend mit meinem Gesicht kuscheln und mich anschnurren und dann bin ich halt wach. Zum Glück habe ich gut und eigentlich aus ausreichend geschlafen und kann gleich aktiv mitkuscheln und dann mein „Tagwerk“ beginnen. Ich lese mich durchs Netz, blogge, mache Italienisch und bin hellwach, als der Liebste anruft und putzmunter die Vorwahlergebnisse in New Hampshire analysiert. Dann spiele ich noch eine Runde, bin aber noch nicht bereit, wirklich aufzustehen. Um halb 9 beschließe ich, dass ich jetzt auch einfach schon die Hausverwaltung anrufen kann.

Seit einiger Zeit hält sich die smarte Heizungssteuerung nicht mehr an die Heizpläne und lässt sich inzwischen auch gar nicht mehr bedienen. Da mein Temperaturempfinden eh aus dem Tritt ist, hat es mich bislang noch nicht so gestört, aber gestern Abend als ich ins Bett ging, heizte es in meinem Zimmer auf voller Kraft und der Mitbewohner berichtet ähnliches aus seinem Zimmer – gerne mitten in der Nacht. Und das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch teuer werden. Außerdem möchte ich in punkto Schimmelmanagement auch gerne die Temperaturkontrolle über meine Wohnung haben. Ich telefoniere also mit der Hotline, nachdem sich niemand meines bereits letzte Woche erstellten Tickets angenommen hat. (Normalerweise sind sie gut bei sowas, aber zum Thema Heizung ist das jetzt schon das zweite Mal…) Die Störung wird aufgenommen und als ich bestätige, dass ich heute den ganzen Tag zuhause sein werde, wird jemand beauftragt, in der Tagschicht vorbeizukommen. Wäre es ein Notfall, würde es also gar nicht heizen, dann wäre auch die Nachtschicht mit drin. Ich frage, bis wann die Tagschicht geht und kriege 22 Uhr zu hören. Da muss ich erstmal schlucken. Aber gut, das Problem gehört gelöst.

Ich richtige mich also darauf ein, in der Mittagspause nicht rauszukönnen, koordiniere mit dem Mitbewohner, dass er während meiner wichtigsten Meetings als Ansprechpartner übernimmt und starte in den Arbeitstag – hoffend, dass das Ganze irgendwann zu humanen Zeiten stattfindet und ich dann abends rauskann.

Den Vormittag über arbeite ich an verschiedensten Dingen, lausche einem Webinar und warte nebenbei auf den Zuruf meiner Kollegin in Südengland. Die hat heute Nachmittag einen Arzttermin und ich soll sie spontan dabei vertreten, ein Meeting mit um die 300 Leuten zu hosten und mich vorher („heute morgen“) nochmal dazu mit ihr absprechen. Ich verschiebe also das Meeting mit Madrid und Chicago, dass ich eigentlich zu dieser Zeit hätte (was blöd ist, da das schon seit Wochen immer wieder verschoben werden muss) und warte dann sowohl auf den Handwerker, als auch auf die Kollegin.

Als der Mitbewohner seine Mittagspause macht und in der Küche kocht, schiebe ich auch eine kurze Pause ein und mache mir wieder Avocado-Toasts, diesmal mit Spiegelei. Die frühe Pause passt gut zu meinem Hunger, der durch das frühe Aufwachen heute früher einsetzt, und erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass die Kollegin, bei der es ja eine Stunde früher ist, und ich heute noch irgendwie zusammenfinden. Ich gehe dann auch sehr schnell wieder an den Schreibtisch und arbeite an anderen Dingen weiter. Dann habe ich um 14:30 ein Meeting mit Berlin, Hamburg und Valencia mit noch etwas Nachbereitung hintendran. Kurz danach meldet sich dann die Kollegin und wir meeten uns kurz für die Absprache und noch eine andere Aufgabe, die ich von ihr übernehmen kann, da ich diese Woche weniger dringende Dinge zu tun habe, als sie.

Mit der Aufgabe beschäftige ich mich dann, während sie zum Arzt fährt und bis um 17 Uhr das Meeting losgeht, das ich für sie hoste. Es ist mein erstes in dieser Größe und ich bin ein klein wenig aufgeregt. Dafür klappt es dann aber recht gut, bis auf kleinere technische Schwierigkeiten, für die ich aber nichts kann. Nach einer guten halben Stunde ist es vorbei. Der Handwerker ist immer noch nicht da und ich sage meinen Eltern für heute Abend ab – eigentlich wollte ich da noch hin. Stattdessen arbeite ich noch ein bisschen weiter, tausche mich mit dem Team aus und stelle die Aufgabe für die Kollegin fertig. Gegen 19 Uhr mache ich Feierabend.

Der Plan war, heute nochmal ruhig zu machen, bevor ich morgen Meeting- und Event-technisch Großkampftag habe. Nun ja. Ich mache mir Abendbrot warm (im Kühlschrank vorhin noch den Rest Orecchiette mit Lachs von Freitag entdeckt) und telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind. Dann noch etwas verschnaufen, bevor ich jetzt ungeplant doch Zeit habe, um 20 Uhr an einem Meeting im Adulting-Projekt teilzunehmen. Ich kündige an, dass ich früher raus muss, falls der Handwerker klingelt, aber das passiert nicht. Kurz vor 22 Uhr sind wir fertig und auch dann kommt er nicht mehr. Na großartig!

Unvermutet habe ich aus dem Meeting auch gleich noch Motivation und ein frisches To Do mitgenommen und weil ich ich bin, kümmere ich mich darum direkt auch noch. Mit allem Drum und Dran beschäftigt mich das bis fast Mitternacht. Dann ist es höchste Zeit, schlafen zu gehen, denn morgen wird wieder ein langer Tag. Einschlafen kann ich natürlich erst kurz vor 1, den Wecker habe ich schon vom ursprünglich avisierten 6:30 auf 7:00 weitergestellt. So viel zum Thema „noch mal durchatmen“.

23.01.2024 – Heute mehr so 80 Prozent

Keine besondere Erinnerung an die Nacht, außer, dass ich nicht vom Heimkommen des Mitbewohners vom Vaccines-Konzert wachgeworden bin, sondern erst vom Wecker. Ergo richtig lange geschlafen. Aus dem Bett und in den Tag finden geht dann weniger gut. Ich richte mich dann aber irgendwie ein, stelle den Schreibtisch erstmal wieder an die richtige Wand (noch kein Termin für die Maler, dann kann ich auch richtig arbeiten und lüften und all das), mache mir Müsli mit Apfel und Blutorange, „Tee“ aus Ingwer und Kurkuma mit Honig und den Katzen Frühstück und dann sitze ich am Schreibtisch, während die Katzen Schichtdienst auf meinem Schoß schieben.

Gegen halb 11 kommt mein Bruder vorbei und holt sich die Hälfte der Crowdfarming-Avocados ab, hälftig unreif aus dem Kühlschrank und hälftig übers Wochenende nachgereift. Wir erledigen noch schnell etwas Papierkram und dann bricht er wieder auf und ich habe ein Meeting mit Lichtenberg, Biesdorf, Charlottenburg und Ostfriesland. Als das vorbei ist, geselle ich mich kurz zum Mitbewohner in die Küche – wir haben uns seit Freitag nicht gesehen. Wir updaten uns und ich bringe das Hygrometer wieder auf unter 60 %, während er sich sein Mittagessen kocht. Zurück am Schreibtisch dann der spannendste Teil des Arbeitstages. Ein Text wird finalisiert und zum PDF und ins Intranet hochgeladen. Dann halten die Kollegin in Südengland und ich unserer Chefin virtuell Händchen, während sie die entsprechende Mail an die Belegschaft ein letztes Mal umschreibt und dann rausschickt. Geschafft!

Jetzt mache ich auch Mittagspause. Erst etwas fürs Wochenende organisieren, dann Wäsche ab- und aufhängen, dann Avocadotoasts mit Safransalz und Pfeffer basteln. Da bin ich ganz Millenial, nur kommen meine Avocados direkt von glücklichen Bio-Bäuerinnen aus Spanien und werden hoffentlich nachhaltig angebaut.

Danach dann ein bisschen Gekruschel hier und da, an verschiedenen Projekten weiterarbeiten, aber keine großen Sprünge machen. Der Kopf spielt mal wieder nicht mit oder es mangelt an dringenden Deadlines. Ich ergebe mich und lasse es ruhig angehen. Um 16 Uhr gibt es noch ein globales Meeting anzusehen und davor kurz Probleme mit der Technik zu klären. Zwischendurch zweimal mit dem Liebsten telefoniert (nach dem Morgen- und vor dem Abendtelefonat). Das Teilzeitkind hatte heute Probetag an der wahrscheinlich neuen Schule und scheint superzufrieden zu sein. Sehr schön. Als wir auflegen ist es 17 Uhr und der Liebste macht Feierabend. Ich hingegen bekomme genau jetzt eine dringende Aufgabe rein, die heute noch erledigt werden muss. Immerhin habe ich so nochmal das Gefühl von Produktivität, bevor ich um 18 Uhr Feierabend mache.

Da mein normaler Yogakurs heute ausfällt, habe ich mir einen Online-Yogakurs gebucht und bereite jetzt alles dafür vor. Platz im Schlafzimmer schaffen, Matte ausrollen, Laptop ans Kabel hängen und einwählen, Kerze anzünden, nochmal was trinken, sitzen und runterkommen… Der Kurs geht dann erstaunlich gut, trotz schlechtem Blickwinkel und eben dem Fakt, dass ich hier ganz alleine bin (bis auf zwei neugierige Miezen). Es ist ganz gut, dass ich schon ein wenig Erfahrung habe und nur ab und zu gucken muss, was die Lehrerin meint. Ich komme erstaunlich gut ins Abschalten. Shavasana ist auch witzig, wenn um eine herum neugierigen Katzen trappeln. Irgendwann denke ich, hoffentlich bin ich nicht aus dem Zoom geflogen und liege jetzt hier für immer rum, aber genau da beginnt die Lehrerin die Gruppe wieder zurück ins Hier und Jetzt zu holen. Gute Erfahrung, das mache ich jetzt evtl. öfter.

Hinterher bestelle ich mir Essen – der Liebste hat mich influencet, als wir vorhin telefoniert haben. Bei mir gibt es aber nicht Thai, sondern Venezolanisch: Arepa mit schwarzen Bohnen, frittierten Kochbananen, Avocado, Schafskäse und Orangensauce, dazu Maniok-Pommes mit Yuca-Sauce und Zuckerrohr-Limonade mit Limette und Minze. Superlecker, auch das muss wiederholt werden!

Während des Wartens kümmere ich mich um die Italienisch-Apps, zum und nach dem Essen schaue ich zwei Folgen „The West Wing“. Danach geht es noch in die Badewanne und dann kurz nach 23 Uhr endgültig ins Bett.

22.01.2024 – Schon wieder eine Woche

Nachdem die letzte Nacht so wundervoll geklappt hat, ist diese wieder unruhiger. Dazu klingelt auch noch um 6:30 der Wecker und ich prangere das an. Nachdem ich eine Viertelstunde durchs Internet geflitzt bin, stupse ich den Liebsten an, der jetzt auch wach wird, Kaffee macht und guckt, ob das Teilzeitkind auch wachgeworden ist. Kurz nach 7 bekommt es seinen nächsten Stupser, denn jetzt ist wirklich höchste Aufstehzeit. Die beiden machen das ganz hervorragend, auch wenn das Kind heute außergewöhnlich lustlos aufsteht, auf Nachfrage fühlt es sich aber nicht schlecht. Kurz nach halb 8 geht es dann los zur Schule und der Liebste kommt wieder ins Bett. Wir behalten unsere dienstlichen Mails und Chats im Blick, bleiben aber noch eine ganze Weile liegen und reden u. A. über die Demos vom Wochenende.

Dann ist irgendwann auch für uns endgültig Aufstehen angesagt. Der Liebste setzt sich an den Schreibtisch, ich gehe ins Bad. Als ich zurückkomme, verschiebt er gerade Termine, weil die Schule angerufen hat und das Teilzeitkind krank abgeholt werden muss. Während der Liebste das tut, mache ich mir Frühstück (Plätzchen und Blaubeeren) und richte mir den Arbeitsplatz auf der Couch ein. Ich checke Mails, spreche Dinge ab und erledige Kleinkram, immer mit einem Ohr an der Wohnungstür. Als die beiden zurückkommen, zieht das Kindelein für einen Moment zu mir auf die Couch und erzählt erstmal, wie ihm nach dem Deutschtest schlecht geworden ist. Als mein erstes Meeting beginnt, verzieht es sich in sein Zimmer.

Ich bespreche Dinge mit Berlin und Dortmund. Kurz danach gehe ich in die verfrühte Mittagspause, weil es Dinge zu erledigen gibt. Mit U- und S-Bahn fahre ich zum Messegelände, wo die Grüne Woche am Wochenende begonnen hat, und treffe mich dort mit einem Freund, der aus der alten Heimat angereist ist und mir lokales Brauchtum mitgebracht hat, das er selbst hergestellt hat. Heute ist er dann hier auf der Messe, morgen fährt er weiter zu Terminen nach Brüssel. Es ist das zweite Mal, das jemand aus meinem Freundeskreis für das Europaparlament kandidiert. So geht Demokratie.

Ich eile mit dem wertvollen Gut wieder zurück und bin gerade rechtzeitig zum nächsten Meeting wieder auf der Couch – wieder Berlin und Dortmund, dazu Ostfriesland. Danach habe ich eine kurze Verschnaufpause, esse ein paar warmgemachte koreanische Dumplings, die die anderen zum Mittag hatten und öffne dann mit dem Teilzeitkind das Paket – kranke Kinder brauchen Aufmunterung!

Alles sieht gut aus, die Vogelhochzeit kann kommen. Um ganz sicher zu gehen, probiert das Kindelein ein Kremnest und ich esse den leicht angedetschten Kremvogel. Dann geht es zurück auf die Couch – ich an den Laptop zum Meeting mit Paris, das Kind mit Buch neben mich. Zwischendrin macht der Liebste heute früh Feierabend und kümmert sich nun mit voller Aufmerksamkeit ums Kindelein, bis das zu Mama abgeholt wird (normalerweise wäre es dort nach der Schule hingefahren). Ich schicke Mails an das gesamte US-Team und an das globale Management, lade eine Pressemitteilung auf unsere Corporate Website hoch, beantworte Anfragen und bastele an meinen Projekten weiter.

Um 16:30 dann ein Meeting mit Madrid und North Carolina, in dem wir unter anderem auch über Strategien für eine gute Work-Life-Balance reden. Alle finden so ihre kleinen Hacks und ich versuche, mir hier und da etwas anzugucken, das für mich passt. Dann schaue ich kurz nach, was heute in der Welt passiert ist, bevor 17:30 mein Teammeeting startet. Heute sind wir alle vollzählig da und besprechen die Pläne für die Woche und den Rest des Quartals. 18:30 ist das Meeting vorbei und ich klappe den Laptop zu. Der Liebste und ich essen nochmal vegane Bolognese und dann packe ich meine Sachen zusammen und mache mich gegen 19 Uhr auf den Heimweg.

Mit voller U- und S-Bahn und zwischendurch Verspätung geht es nach Hause, kurz nach 20 Uhr bin ich da und werde von den Katzen freudig begrüßt. Erstmal werfe ich nur alles ab, schnappe mir eine Feierabendlimo und mein Buch und gehe auf die Couch. Kurz Duolingo abklappern und dann lese ich ein Kapitel im Grass weiter. Mein Kopf macht nicht so richtig mit, also dann noch ein bisschen durchs Internet scrollen, Tasche und Rucksack auspacken… Gegen 22 Uhr mache ich mich bettfertig, schreibe noch drei Leuten zurück, die sich in den letzten Stunden gemeldet haben und dann heißt es sehr früh Licht aus und Schlafen.

21.01.2024 – Herzerwärmend

Bis auf kleinere Nicklichkeiten in Bezug auf die gerechte Verteilung der Bettdecke heute Nacht sehr gut und fast acht Stunden am Stück geschlafen. Gegen 8 bin ich wach und lese mich gemütlich durchs Internet, bis halb 10 auch der Liebste aufwacht – als das Teilzeitkind fragt, ob es fernsehen darf – und uns Kaffee macht. Als wir gegen 11 aufstehen habe ich auch noch gebloggt und einen Teil meines Italienisch-Pensums erledigt. Die „neue“ App Busuu habe ich dann jetzt durchgespielt, nach nur etwas über zwei Monaten. Also zumindest den Kurs, der meinem Lernniveau entspricht (bis auf den Abschlusstest, den muss ich in zwei Wochen nochmal machen, da ich gestern zu viele Flüchtigkeitsfehler gemacht habe, während laute Musik lief und ich mit dem Liebsten plauderte. Es gibt noch zwei Anfängerkurse, aber für die ist mir meine Zeit zu schade. Also Abo gekündigt (Schade, dass es das nur für ein ganzes Jahr gab….) und Benachrichtigungen ausgeschaltet. Bei Duolingo und Babbel habe ich weiterhin zu tun und mit ein bisschen Glück kommt da auch nochmal bisschen imperfektes Konditional und andere komplexere Verbkonstrultionen oder aktuelle Entwicklungen (bei Busuu ging es zuletzt um die Finanzkrise und den Klimawandel).

Kurz nach 11 sitzen wir am Frühstückstisch, traditionell mit Spiegelei, Taboulé, Aufstrichen und bröckeligem geriatrischem Gouda. Bei der Planung für den Tag manifestiert sich, dass hier heute keiner nach Mitte zur Demo fahren wird. Zu viele To Do‘s offen, außerdem Schienenersatzverkehr auf der Strecke. Dann bin ich wohl beim nächsten Mal wieder dabei. Nach dem Frühstück beginnt der Liebste mit Räumarbeiten in seinem Zimmer (das Teilzeitkind und er wollen die Zimmer tauschen, davor muss noch einiges entrümpelt werden) und ich habe einen Bildungsauftrag.

Morgen früh ist Deutschtest und da gilt es, nochmal die vier Fälle durchzugehen, wie man danach fragt und sie bestimmt – inkl. eines von mir selbst entwickelten Probetests zum Thema. Außerdem lerne ich die „Satzgliederpflaume“ kennen – ein Modell zur Erläuterung von Subjekt, Prädikat, den den verschiedenen Objekten (Genitiv-, Dativ- und Akkusativ-) sowie den verschiedenen Adverbialbestimmungen. Hilfreiches Ding, auch wenn der Pflaumenvergleich schief ist. Das lässt sich besser einprägen, als was wir in der Grundschule gemacht haben. Interessant ist, mit einem zehnjährigen Kind zu diskutieren, welche Adverbialbestimmungen „des Grundes“ und welche „der Art und Weise“ sind. Bei der Gelegenheit lernt das Kind auch die Sesamstraßentitelmelodie kennen und hat jetzt hoffentlich einen cringen Ohrwurm davon, wie Papa und ich dazu singend durch die Küche tanzen. Alles für den Lernerfolg!

Dann noch eine Hausaufgabe – das Kind soll im Internet nach guten Nachrichten suchen und diese abschreiben. Wir entscheiden uns dann gemeinsam für den weltweiten Rückgang des Tabakkonsums, wobei für mich die gute Nachricht der Woche natürlich die ganzen Anti-Nazi-Demos sind. Danach ist Mathe dran – ich kann (aus dem Stand, möchte ich betonen), im Rechenweg bei der schriftlichen Multiplikation aufdecken und nachdem dieser Knoten geplatzt ist, klappt es dann auch mit dem Ergebnis. Zur Festigung gucken wir uns das Ganze nochmal von einer vertrauenswürdigen Drittperson auf YouTube erklärt an. Schule fertig.

Inzwischen ist es fast 14 Uhr. Das Teilzeitkind geht mit dem Nachbarskind spielen, ich gehe mich anziehen und liege dann aktiv auf der Couch, während der Liebste noch weiter an seinem Zimmer werkelt und dann zockt. Bei mir gibt es den Rest vom Italienisch-Pensum, Handyspiel, Verfolgung der vielen Demofotos und Berichte aus ganz Deutschland (Hachz!!!), inkl. Live-Berichterstattung von vor dem Reichstag durch den Lieblingsnachbar, der in loser Folge Fotos schickt. Zwischendurch versuche ich, auf dem Kindle Fabrizia Lanzas „L‘ultimo dei Monsù“ weiterzulesen, komme aber nicht allzu weit. Aller Italienischkursfortschritte zum Trotz ist literarisches Italienisch nochmal eine andere Hausnummer und verlangt volle Konzentration und vermutlich auch mal Wort-für-Wort-Übersetzung/Dekodierung, damit ich da nachhaltig weiterkomme. Überfliegen und halbwegs den Sinn erfassen geht, wenn ich nicht nebenbei immer vom Internet abgelenkt werde, aber wirkliches Durchdringen ist noch nicht.

Gegen 18 Uhr gibt es ein frühes Abendessen zu viert inklusive Nachbarskind – Fusilli bucati corti mit der veganen Bolognese von gestern – dann hüpft das Teilzeitkind unter die Dusche. Kurz nach 19 Uhr treffen wir uns zu dritt auf dem Sofa und schauen noch eine Folge „Duck Tales“. Dann geht das Kindelein ins Bett und liest und wir schauen erst die Tagesschau und dann insgesamt noch vier Folgen „Reservation Dogs“, bevor auch wir uns kurz nach 23 Uhr zurückziehen.

20.01.2024 – So viel Licht

Irgendwann im Laufe des Nachmittags fällt mir auf, dass es ja immer noch hell ist, obwohl ich heute schon so viel erlebt habe – und das im Januar. Ganz erstaunlich, wie viel mehr in einen Tag passt, wenn man nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Auch generell ist diesen Winter gefühlt viel mehr Sonne in Berlin als sonst, ich möchte das lobend erwähnen.

Nun aber zum Beginn des Tages – angesichts des späten Zu-Bett-Gehens hatte ich mir vorsorglich einen Wecker auf 9:00 gestellt, um vor meinem Termin alles zu schaffen, tatsächlich wache ich aber schon kurz nach halb 8 auf – zu früh für mein Schlafbedürfnis, aber im Nachhinein gerade noch rechtzeitig. Ich drehe meine morgendliche Runde durchs Internet und blogge in Ruhe und stehe dann gegen halb 10 auf. Das Anziehen geht schnell, den Bikini ziehe ich gleich drunter. Dann noch den Abwasch von gestern erledigen, die Katzen füttern, das Katzenklo durchsieben, die Sporttasche packen, den Wochenend- und Arbeitsrucksack packen. Dann mache ich mir Frühstück – zwei überreife Bananen gehören verbraucht, bevor ich weg bin. Es gibt also Banana Pancakes, die sich im Verlauf wohlwollend gesprochen als Banana Kaiserschmarrn herausstellen, mit Zimt und frischer Maracuja. Auf ein Foto habe ich aus Pietätsgründen verzichtet. Sanddornsaft gibt es auch noch.

Dann ist es plötzlich schon furchtbar spät. Ich ziehe mich schnell an und renne schwer beladen los. Altes Katzenstreu in die Mülltonne, mich und mein Gepäck in die S-Bahn, auf nach Südberlin. Ich liege gerade noch gut in der Zeit, dann hält nach dem Umsteigen die U-Bahn an jeder Station länger als normal und als ich aussteige ist es literally fünf vor zwölf. Rolltreppe hoch, Fahrstuhl hoch, Treppe runter, schnell Klamotten ausziehen, Tasche und Rucksack im Spind verstauen, wieder Treppe hoch und Leiter runter in den Pool. Der AquaFitness-Kurs hat schon angefangen, das Becken ist supervoll und ich muss mir ein bisschen Platz erkämpfen.

Dann kann es aber losgehen. Leider ist heute nicht der fluffige Trainer vom letzten Mal dran, sondern die osteuropäische vermutliche ehemalige Leistungssportlerin, die ich vor Monaten schonmal erwischt hatte. Es geht also ordentlich zur Sache und wir überziehen sogar ein bisschen, so dass ich doch auf die vollen 45 Minuten komme. Einmal komplett durchgewrungen schleppe ich mich hinterher in die finnische Sauna, die erfreulich leer ist. Von da geht es dann in den Ruheraum, in dem ich feststellen muss, dass mein Kindle leer ist und erst aufgeladen werden muss. Stattdessen blättere ich durch eins der herumliegenden Frauenmagazine, immerhin ein recht feministisches.

Gegen halb 2 fühle ich mich ausreichend regeneriert, um mich wieder umziehen zu gehen. Dann laufe ich zum Liebsten nach Hause und telefoniere unterwegs mit meinen Eltern, die die erste Nacht zurück in Berlin gut überstanden haben. Als ich dabei quer über den Markt laufe, hoffe ich, dass mir heute morgen Quarkbällchen mitgebracht wurden. Beim Liebsten zuhause erwarten mich laute Musik und ein durch die Küche tanzender Liebste, der mit Akribie die ganze Wohnung grundreinigt. Die Mitbewohnerin hat ihren Teil schon fertig, das Kind ist „shoppen“ gegangen.

Ich setze mich mit einem Quarkbällchen (juhu!) aufs Sofa und verschnaufe erstmal kurz. Dann ist es Zeit, das Kindelein zu einem Playdate zu bringen. Wir treffen uns zu dritt an der Bushaltestelle und fahren ein paar Stationen gemeinsam. Dann zeigen wir den Weg, müssen aber an der letzten Straßenecke stehenbleiben, es soll so aussehen, als wäre es ganz alleine gekommen. Nun gut. Als wir sehen, dass die Tür geöffnet wird und das Kind drinnen ist, drehen wir auf dem Absatz um und spazieren nach Hause – über den Kanal und durch den Park.

Dazwischen gibt es Abstecher in zwei Supermärkte und einen Drogeriemarkt und dann sind wir auch schon wieder zuhause. Der Liebste setzt die Gemüsebrühe fürs Abendbrot an, ich lege mich in die Badewanne und wasche mir das Chlor aus den Haaren, während der Liebste weiter putzt und räumt. Dann lege ich mich zum späten Mittagsschlaf hin, während der Liebste eine Runde zockt. Nach einer Stunde etwa ist er wieder da und die Musik auch. Er kocht die vegane Bolognese und ich mache meine Italienisch-Übungen. Gegen halb 8 sitzen wir drei Erwachsenen beim Abendbrot, kurz danach wird das Kind heimgebracht, mit bunter Strähne im Haar und spannenden Geschichten vom Shoppen, Spielen und gemeinsamen Kochen. Es hat Brokkoli gegessen und das hat geschmeckt. Mein Weltbild wackelt. Als es fertig erzählt hat, schauen wir zu dritt eine Folge „Duck Tales“ Dann geht der Liebste nochmal zocken, das Teilzeitkind und ich öffnen eine Tüte Chips und erzählen noch ein bisschen. Denn noch kurz, denn dann muss es dringend in sein Zimmer.

Nun gut, ich beschäftige mich weiter mit den Chips und TikTok und den vielen Demobilderb aus dem ganzen Land (hachz!), bis der Liebste zurückkommt und die Schlafenszeit des Kindes einläutet. Wir beide schauen dann noch die ersten drei Folgen der dritten Staffel „Reservation Dogs“ und dann ist gegen Mitternacht auch bei uns game over.

19.01.2024 – So viel Reden

Nachdem ich gestern kurz vor dem Weckerklingeln wach geworden war und die drei Tage davor immer deutlich vorher aufgewacht bin, weckt mich heute zum ersten und letzten Mal diese Woche der Wecker um 7 – denn zwischen 8 und 12 hat sich ein Handwerker angesagt, um sich das Schimmelproblem anzusehen und bis dahin müssen der Mitbewohner und ich beide empfangsbereit sein. Thomas Mann wäre stolz auf diesen Schachtelsatz. Um 7:18 schaffe ich es dann aus dem Bett und ins Bad, um 8 sind wir beide angezogen, der Mitbewohner hat schon gefrühstückt und ich sitze mit Tee und Katzen auf der Couch. Es klingelt nicht. Kurz vor 9 bekomme ich Frühstückshunger und setze mich dann mit Toast (Mandel-Tonka-Creme bzw. Erdbeer-Zimt-Aufstrich) an den Schreibtisch.

Bis 10 gehe ich durch E-Mails und Benachrichtigungen und schreibe dann eine E-Mail mit Umzugsinfos an den Standort, bzw. sehr viele Homeoffices in Berlin. Dann habe ich ein Meeting mit Ostfriesland, plus Nachbereitung. Ich traue mich nicht so richtig an große Aufgaben heran, weil ja jederzeit der Handwerker kommen kann.

Kurz nach 11 werde ich dann ungeduldig und unsicher, ob ich mich im Tag vertan habe, aber genau da klingelt er. Wir machen eine gemeinsame Tour durch die Wohnung und er fotografiert Schimmelstellen und feuchte Stellen, die bald zu Schimmelstellen werden können. Dann gibt er mir viele Tipps zu richtigem Heizen und Lüften, erklärt, wie er es zuhause macht, sagt aber auch, dass jede Wohnung anders ist und bei den derzeitigen Temperaturschwankungen Schimmel sowieso vorprogrammiert ist – erst Recht, wenn man wie wir in einem Haus mit Holzfenstern und eher wenig massiven Außenwänden lebt, zudem viel im Homeoffice sind und vor uns hin atmen. Dann erstellt er einen Schlachtplan – demnächst haben wir zwei Tage am Stück die Maler im Haus und dann werden alle Außenwände gemacht, d. h. Schimmel entfernt, Rauhfaser runter, Anti-Schimmelfarbe rauf. Mein schönes Arbeitszimmer mit orangenem Farbakzent an der Außenwand ist dann rein weiß, aber da kann man wohl nix machen. Er empfiehlt allen Mieter*innen in unserer Wohnanlage, uns keine Mühe mit den Außenwänden zu machen, irgendwann sind die alle fällig.

Als sein Bericht fertig ist, entfernt er noch den gröbsten Schimmel aus meinem Schlafzimmer und verabschiedet sich dann kurz nach 12 zu seinem letzten Termin der Woche. Ein Tipp noch für alle Berliner*innen: Wenn es nächste Woche massiv taut, hört bloß nicht auf zu heizen, er sieht eine Armee von Schimmelsporen auf uns alle zukommen! Ich setze mich wieder an den Schreibtisch und habe halb 1 ein Meeting mit der Kollegin in Nordengland. Wir überziehen ein bisschen und ich erledige schnell noch Action Items daraus, dann mache ich mir fix die Pellkartoffeln von gestern warm – dazu Leinölquark – und esse sie auf dem Sofa.

Draußen lacht die Sonne, aber erstens habe ich 14 Uhr schon das nächste Meeting und zweitens kommt demnächst eine Lieferung an, ich muss also drinnen bleiben. Dann also Meeting mit London, Paris und Valencia mit spannenden Informationen – das könnte interessant werden demnächst. Mittendrin klingelt es und ich nehme eine Kiste Crowdfarming-Acocados an, die ich mir mit meinem Bruder teilen werde. Und eine Kiste Crowdfarming-Zitronen von einem anderen Anbieter für die Nachbar*innen über uns. Nach dem Meeting öffne ich das Paket und stelle fest, dass diesmal noch keine dabei sind, die schon oder bald essreif wären. Muss also das Abendbrot umdisponieren. Außerdem mache ich Post auf und muss feststellen, dass ich demnächst eine Kopie meines Personalausweises beglaubigen lassen muss, weil die Versicherung, bei der ich einen Vertrag kündigen will, scheinbar noch nie von POSTIDENT gehört hat. Heidewitzka.

Jetzt versuche ich, mich an die größeren Aufgaben zu machen, die noch anstehen, aber mir schwirrt und weht der Kopf. Also wieder nur Kleinkram und dann doch nochmal raus in die Sonne. Ich spaziere durch den Schnee zum Baumarkt, auf den Ohren den Anfang eines Terry-Pratchett-Buchs für unseren Arbeitsbuchclub. Im Baumarkt kaufe ich Hygrometer – gleich sechs Stück, weil es sie in Dreierpacks gibt, und noch ein neues, chlorfreies Anti-Schimmelspray, was sich für größere Flächen und Tapete besser macht. Auf dem Heimweg Avocado-Telefonat mit meinem Bruder – und nebenbei die Info, dass meine Eltern es nach nun insgesamt drei verspäteten Flügen, einem verpassten Anschlussflug und zwischenzeitlich verschollenem Gepäck endlich in ihre Berliner Wohnung geschafft haben. Wieder zuhause packe ich die Hälfte der Avocados in den Kühlschrank, die andere darf schon weiterreifen.

Zurück am Schreibtisch beschließe ich, kreative Aufgaben auf nächste Woche zu verschieben und heute nur noch administratives zu erledigen. Ich schiebe Aufgaben hin und her, erstelle ein neues Formular für eine Regel im Projektmanagementtool, aktualisiere den Link im Intranet und verteile ihn an das globale Senior Management, verschicke einen Reminder an das „internationale“ Team (bei uns alle außerhalb der USA“, schreibe meinen Wochenbericht, beantworte E-Mails vom Nachmittag… Gegen 17:30 gebe ich einem IT-Kollegen in Dublin Remote-Zugriff auf meinen Laptop damit er mir ein Softwarepaket installieren kann. Er kommt weder mit den Einstellungen zurecht, die ein Kollege in Bangalore neulich dort vorgenommen hat, noch mit der deutschsprachigen Benutzerumgebung. Ich beobachte wir im Laufe der Installation Meldungen auf Französisch, Italienisch und Niederländisch auftauchen und versuche nebenbei herauszufinden, woher der Kollege ursprünglich kommt. Der Vorname lässt auf Nigeria schließen – möglicherweise hat Französisch also ein bisschen geholfen, aber Englisch wäre vermutlich noch einfacher gewesen. Das Ganze zieht sich jedenfalls bis etwa 18:20 hin.

Zu dem Zeitpunkt sitzt schon seit zwanzig Minuten der ehemalige Mitbewohner in der Küche und unterhält sich mit dem aktuellen Mitbewohner über ihre jeweilige Arbeitssituation und die individuellen Besonderheiten der beiden Katzen. Dann bricht der Mitbewohner auf zu einer Verabredung und ich gebe dem ehemaligen Mitbewohnet seine Post und wir unterhalten uns über dies und das. Nebenbei packe ich die Hygrometer aus und stelle fest, dass keine Batterien dabei sind. Also begleite ich den Ex-Mitbewohner noch bei seinem Aufbruch – er lässt sich von mir dabei die aktuellen Anti-Nazi-Demonstrationen erklären („So what is the problem, why do people vote for AfD”?) und berichtet, wie schwer es geworden ist, als Nichtdeutscher Jobs in deutschen Unternehmen zu finden – in seiner Community ist man überzeugt, dass es eine Policy gibt, nur noch deutschsprachige Leute einzustellen…) – und gehe noch schnell in den Drogeriemarkt, Batterien kaufen. Die lege ich dann zuhause direkt ein und dann habe ich da sechs Hygrometer, die jeweils unterschiedliche Werte anzeigen.

Ich lasse sie sich einigermaßen akklimatisieren, während ich das Abendessen koche und verteile sie dann auf die Räume – mein Schlafzimmer, mein Arbeitszimmer, die Küche, das Wohnzimmer. Eins stelle ich dem Mitbewohner bereit für sein Zimmer, eins kommt auf den Balkon. Denn der Handwerker sagt, wenn es draußen feuchter ist als drinnen, soll man besser nicht lüften oder nur kurz für den Sauerstoffaustausch.

Ich koche aus dem Rest Sockeye-Lachs von gestern mit Olivenöl, Knoblauch, Kapern, Tomatenmark, Zitronensaft, Kaviarcreme und Dill eine Pastasauce, dazu gibt es Orecchiette und Feierabendlimo. Nach dem Essen – es ist kurz nach 20 Uhr, beginnt das geplante Telefonat mit der Freundin und Kollegin in Frankreich. Wir reden erst noch über Arbeit, dann über diverse andere Dinge, wir schmieden Pläne für ein nächstes Treffen – wahrscheinlich kommt sie einfach auch nach Valencia arbeiten, wenn ich dort bin – und reden über die Vergangenheit, die Zukunft und alles dazwischen. Im Laufe des Telefonats lade ich mir aus Gründen eine App herunter, mit der man das ursprüngliche Snake-Spiel von 1997 spielen kann und dann sieht mein Telefon für den Rest des Gesprächs so aus:

Ja, das ist ein Screenshot

Kurz nach 1 legen wir nach fünf Stunden auf und haben einen neuen Rekord aufgestellt. Ich gratuliere noch kurz einer Freundin seit Schulzeiten zur Geburt ihres Kindes und mache mich dann schnell bettfertig.

18.01.2024 – Ommmmmm

Es ist ganz erstaunlich, wie sehr das Homeoffice zu meiner Entspannung beiträgt. Beim morgendlichen Telefonat mit dem Liebsten stellen wir zwar gemeinsam fest, dass ich noch nicht so entspannt bin, wie ich denke, aber im Laufe des Tages fällt der Stresspegel deutlich spürbar ab.

Kurz vor 10 sitze ich mit Porridge, Apfelmus und Chai am Schreibtisch, rechtzeitig für das anstehende Meeting mit Paris, Brüssel, Madrid, Valencia und Dublin. Danach habe ich Muße, mich um eine kreative Aufgabe zu kümmern und erlaube mir danach, nicht gleich mit diversen anderen Dingen weiter zu machen, sondern mal ein bisschen im Internet herumzuhacken, bis es Zeit für das Meeting mit meiner Chefin ist. Dieses ist sehr produktiv, ich bekomme großes Lob für die kreative Aufgabe und eine weitere und gemeinsam kommen wir noch bei ein paar anderen Dingen weiter. Außerdem schließen wir ein paar organisatorische Dinge ab, so dass meinem Spanientrip jetzt nichts mehr im Weg steht und ich außerdem die Hin- und Rückfahrt zur goldenen Hochzeit der Liebsteneltern buchen kann.

Mittags will ich erst die Suppe von Montag aufessen, entscheide mich dann aber nach vorsichtigem Kosten für Entsorgung. War zum Glück nur noch eine Portion. Stattdessen gibt es dann die Burrito Bowl, die ich gestern zusätzlich zu den Tortillas bestellt hatte, um auf den Mindestbestellwert zu kommen. Sehr lecker. Danach geht es nochmal raus zu Sonne, Schnee und blauem Himmel und kurz in den Supermarkt, Vorräte auffüllen.

Um 14 Uhr dann das nächste Meeting, wieder mit meiner Chefin und dazu noch London. Danach Dinge abarbeiten und in dem Zusammenhang gleich noch einen spontanen Videocall mit der Kollegin in Madrid einlegen, bei der ich übernachten werde. Wir reden aber (fast nur) über Arbeitsdinge. Manchmal braucht es etwas Sozialhygiene. Danach jage ich noch ein paar offenen Themen hinterher und komme dabei jeweils einen Schritt weiter – so langsam antworten die Menschen wieder auf E-Mails, so nach dem Jahreswechsel. Um 17:30 dann noch ein letztes Meeting, mit meiner Chefin, der Kollegin in Madrid und einer Kollegin in Chicago. Auch das ist produktiv und um Punkt 18 Uhr zu Ende. Im Anschluss erledige ich noch ein paar Action Items und dann ist Feierabend.

Zur Feier des Abends mache ich mir erstmal einen Aperol Soda mit Orangenscheiben und hänge ein bisschen auf dem Sofa ab, bis ich Hunger bekomme. Dann koche ich Pellkartoffeln und mache mir dazu aus geräuchertem Sockeye-Wildlachs, Blutorange, Olivenöl, Senf, Honig und Dill einen fruchtigen Lachssalat. Eine sizilianisch-skandinavische Fusion, inspiriert tatsächlich von meiner ehemaligen norwegischen Mitbewohnerin – die muss ich noch anschreiben, ob wir sie im Sommer besuchen können, wenn wir in Norwegen sind.

Beim Essen telefoniere ich mit dem Liebsten und danach schaue ich die nächste Folge der Joey-Kelly-und-Family-Panamericana-Doku. Diesmal geht es von Las Vegas über Los Angeles, San Diego und Baja California bis Tequila. Die eigentliche Doku dauert auch nach der Zeitangabe in der Mediathek anderthalb Stunden, aber dank der ganzen Werbung, die man nicht wegblicken oder vorspulen kann, bin ich bestimmt eine Stunde länger damit beschäftigt.

So kann ich mich eigentlich direkt danach schon bettfertig machen. Noch kurzer Check, dass der Flug der Ellis stattfinden wird – wenn auch wieder enorm verspätet, dann Augen zu und Ohren nach Venedig.

17.01.2024 – Stress, Umzug und Antifaschismus

Der Wecker ist wieder auf früher als sonst gestellt, ich wache aber nochmal eine halbe Stunde früher auf. So langsam macht sich der Schlafmangel in meinem Gemüt bemerkbar. Nachdem ich erst anderthalb Stunden entspannt im Bett liege und die üblichen Sachen mache, fühle ich mich gestresst, sobald meine Füße den Boden berühren. Das bekommt dann als erstes der Liebste zu spüren, der mich anruft, als ich grad aus der Dusche komme, statt wie verabredet auf einen Anruf von mir kurz danach zu warten, dann der Mitbewohner, der in der Küche frühstückt, während ich meine Sachen packe, dann der Kater, der unentwegt nach Essen maunzt, während ich gerade noch mein Frühstück vorbereite. Alle außer mir haben heute ein furchtbares Timing. Also, finde ich. Evtl. hätte ich auch ein paar Minuten früher aufstehen können und wäre dann im Zeitplan gewesen und alles wäre gut gewesen. Aber Grummel Grummel!

Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich dann nochmal richtig mit dem Liebsten. Dann lasse ich bei Schnee und Kälte zwei vollbesetzte Trams vorbeiziehen und finde erst in der dritten Platz. Das erinnert mich an meinen Winter in Toronto, als ich das gleiche Szenario immer hatte, wenn ich aus meinem Apartment die King Street entlang zum Büro gefahren bin und es geschneit hatte. Passt zum Podcast auf den Ohren.

Im Büro angekommen hole ich mir als erstes einen Kaffee und stelle dann meinen Rucksack ab und schließe meinen Laptop an. Dann gehe ich mein Frühstück (Joghurt, Ahornsirup, Müsli, Banane und Blutorange) in eine Schüssel schütten und mein Mittagessen (mehr Suppe) in den Kühlschrank stellen. Die ersten Gespräche mit Kolleg*innen bringen mich schon wieder etwas auf die Palme. Heute sind alle wegen des anstehenden Büro-Umzugs höchst emotional unterwegs, das macht meinen gestressten Tag nicht unbedingt leichter. Ich checke dann nur schnell E-Mails, während ich mein Frühstück esse – also ich lese die, die ich morgens im Bett und später in der Tram noch nicht gelöscht habe – und mache mich dann direkt an den „Packen“-Teil des Tages.

Die körperliche Arbeit entstresst mich dann erstmal ein wenig. Ich räume Schränke aus, miste dabei aus, stelle Dinge für die Kolleg*innen zum Mitnehmen bereit (Schlüsselbänder, USB-Sticks, Flaschenöffner, Magnete, Sticker, Aufnäher…). Ganz erstaunlich, wie sich plötzlich dafür interessiert wird, wenn es etwas umsonst gibt. Das macht dann schon auch gute Laune. Am Ende packe ich zwei Kisten mit Dingen, die zu meinem Job gehören plus etwas persönlichen Kram. Dann geht es weiter mit dem Büro vom Ehrenamt. Gemeinsam mit einem Kollegen gehen wir durch alles durch, schmeißen großzügig weg und packen dann vier Kisten mit Büchern, Akten, Archiv und Büromaterialien.

Der nächste Schritt betrifft meine dritte Funktion und beinhaltet, dass der Kollege und ich Pfandflaschen wegbringen und einen einen Plan für leere Getränkekisten aufstellen. Danach setzen wir uns hin und löffeln Suppe. Natürlich reden wir auch dabei über die Arbeit und den Umzug – richtig abschalten ist aber nicht. Nach dem Mittag sage ich meinem Team Bescheid, dass ich jetzt für richtige Arbeit zur Verfügung stünde und fange auch damit an, werde dann aber direkt wieder durch einen Anruf rausgerissen und habe nochmal ehrenamtlich zu tun. Zwischendurch noch zwei Telefonate mit dem Liebsten und Koordination mit dem Lieblingsnachbar und mit Kolleg*innen, die nicht ins Büro kommen konnten, um ihre Sachen zu packen.

„Richtige“ Arbeit schaffe ich heute also nur wenig und als ich endlich Luft hätte, so ab 17 Uhr, ist keine Konzentration mehr da. Das muss dann also bis Morgen warten. Also noch Kleinkram bis 17:30, dann packe ich meinen Kram zusammen und mache Feierabend – Tschüß, altes Büro! Hallo, drei Wochen Homeoffice! (Ersteres macht ein wenig traurig, allerdings waren es auch nur gut anderthalb Jahre hier, letzteres macht mich gerade sehr zufrieden.)

Ich stapfe mit dem Kollegen über Schnee und Eis bis zum Alex, dann geht er zur Tram und ich zum Roten Rathaus, wo ich mit dem Lieblingsnachbar zum Demonstrieren verabredet bin. Es sind viele Menschen da, ist halt auch praktisch in Zeit und Ort, und man kann den Redebeiträgen akustisch schwer folgen. Also konzentriere ich mich auf Schilder und Transparente, klatsche, wenn ich doch mal einen sinnvollen Satz hören kann, halte mein Handy-Licht hoch, als das gewünscht wird, achte darauf, nicht mit einem Juso-Transparent auf Fotos zu erscheinen… Als mein Rücken beginnt, wehzutun, laufen wir noch eine Runde herum, entdecken mit Entsetzen die nicht kleine Gruppe jugendlicher Weißer mit Palästina-Fahnen, die ziemlich sicher Generation Ich-habe-meine-Meinung-von-TikTok sind, und gehen dann frierend los.

Der Lieblingsnachbar fährt mit dem Fahrrad, ich mit der Tram, und wir kommen fast zeitgleich zuhause an. Jetzt bin ich auch körperlich vollkommen platt. Ich nehme mir ein Feierabend-Radler, bestelle mir etwas zu essen und lege mich aufs Bett für das nächste Webinar aus dem Adulting-Projekt. Während das läuft, kommt mein Essen an und ich schnabuliere leckere Quesadilla mit Pico de Gallo und Chili Mais. Vor und nach dem Webinar telefoniere ich mit dem Liebsten. Danach schaue ich die erste Folge von „After Midnight“, der neuen Late Night Show der tollen Taylor Tomlinson. Ich muss ein paar mal lachen, bin aber von der Tragfähigkeit des Showkonzepts nicht überzeugt.

Dann gucke ich den Livestream aus dem Berliner Ensemble, wo die Lehnitzseekonferenz in einer szenischen Lesung nachgestellt wird und auch neue Enthüllungen… enthüllt werden. Ist das alles gruselig! Irgendwann mache ich mich bettfertig, aber das Runterkommen dauert heute lange, ich schlafe erst kurz vor 1 ein.

16.01.2024 – Büro(s) und Yoga

Der Wecker steht wieder auf 7, ich wache kurz vor 6 auf. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Verschwörung? Ich bin zum Glück schon einigermaßen ausgeschlafen und gebe das wieder Einschlafen dann relativ früh auf. Stattdessen ausführliche Internetrunde, geruhsames Bloggen usw. Kurz nach 8 schwinge ich die Beine aus dem Bett und mache mich fertig für den Tag. Den Rucksack habe ich gestern Abend schon weitgehend vorgepackt, ich Schlaubi, und muss also heute früh nur noch Frühstück und Ladegerät einpacken. Ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und schon geht es aus dem Haus.

Vollgepackt mit Rucksack, Yoga-Matte, schwerem Beutel und meinem Wahlbrief laufe ich durch den frisch beschneiten Kiez zur Tram. Den Brief werfe ich unterwegs noch ein – diese Bürgerinnenpflicht auch abgehakt. Da die Linke in meinem Wahlkreis (der ehemalige von Ströbele) sowieso keine Chance auf das Direktmandat hat – und nur diese ihr aktuell wirklich helfen könnten, wieder Fraktionsstatus zu bekommen – musste ich nicht lange abwägen, sondern habe einfach wieder dasselbe gewählt, wie bei der Originalwahl. Auf den Ohren habe ich den Podcast eines deutschen Paares, das nach Toronto umzieht, das ist ganz unterhaltsam, teilweise spannend und macht mich auch nostalgisch. Schon wieder zehn Jahre nicht in Toronto gewesen, meine Eltern hingegen fliegen heute hin.

Im Büro angekommen erst kurze Begrüßungsrunde (eine Kollegin trägt Maske, nachdem sie erst eine Lungenentzündung und dann COVID hatte und jetzt nicht noch Grippe obendrauf möchte) inkl. Schwätzchen mit der neuen Kollegin, dann Kaffee holen (Frühstück gab es mit Banane und Spekulatius schon zuhause), E-Mails checken, ein Formular erstellen und versenden und dann auf das erste Meeting vorbereiten. Das findet um 10 statt, mit London und Nordengland. Im Ergebnis schreibe ich zwei Mails vor und schicke sie zur Abnahme an drei Personen. Dann bereite ich das nächste Meeting vor – zu viert live im Büro plus Zuschaltung aus Charlottenburg. Das dauert gute anderthalb Stunden.

Hinterher nehme ich meinen schweren Beutel und spaziere durch frischen Schneefall an der Spree entlang zur Wohnung meiner Eltern. Briefkasten leeren, Pflanzen überprüfen, diverse Pakete und Päckchen ablegen, die im letzten halben Jahr zu mir geschickt wurden, Heizung anstellen. Das war dann jetzt das letzte Mal für eine Weile, Freitag kommen sie wieder. (Allerdings sind mein Bruder und seine Freundin bald eine Weile weg, mache ich also in deren Wohnung weiter…)

Aus der Wohnung laufe ich etwa fünf Minuten bis zu unserem zukünftigen neuen Büro. Dort treffe ich auf drei Kolleg*innen, die aus dem alten herübergewandert sind, und wir machen eine Begehung der Räumlichkeiten. Das wird neu, anders und interessant – ich bin gespannt!

Hinterher spazieren wir wieder gemeinsam am Wasser entlang zum alten Büro. Dort esse ich meine mitgebrachten Stullen während eines Meetings mit Paris. Danach gehe ich durch die etwa 30 E-Mails, die in den letzten fünf Stunden eingetrudelt sind. Dann kommt die Freigabe für die beiden Mails von morgen, die ich danach versende – eine an die globale Belegschaft, eine an alle Manager*innen.

Ich kläre noch etwas mit der Kollegin in Madrid (und spreche mit ihr über meinen baldigen Aufenthalt dort) und der Kollegin in Südengland, bespreche mich kurz mit dem Kollegen aus Ostfriesland, schaue mir neugewonnene Aufgaben für diese Woche an, schreibe das Protokoll zum 11-Uhr-Meeting, halte kurz nach, was ich heute geschafft habe und mache dann kurz nach 18 Uhr Feierabend.

Wieder mit Podcast auf den Ohren geht es mit der U-Bahn zum Yoga. Dort wird gerade umgebaut und ich komme nur über einen Umweg samt Baustelle in den Yogaraum. Dafür ist die Stunde dann aber sehr gut und entspannend, erst während des Shavasana springt der Kopf wieder an (dabei sollte er das ja genau da nicht tun). Hinterher laufe ich nach Hause, mache mir Suppe von gestern warm und sitze dann gegen halb 10 mit Suppe, Katzen und Feierabendlimo (Estragon-Ingwer) auf dem Sofa. Beim Essen telefoniere ich kurz mit dem Liebsten. Dann ein kurzer Plausch mit dem Mitbewohner, ein Ticket an die Hausverwaltung (die Heizungssteuerung macht erratische Dinge), ausführliches Italienischlernen und schon ist es 23 Uhr.

Ich gehe ins Bett, spiele noch etwas auf dem Handy, bekomme die Nachricht, dass meine Eltern mit fast vier Stunden Verspätung in Toronto gelandet sind und höre mich dann gegen Mitternacht einschlafender Weise nach Venedig.

15.01.2024 – Neue Woche also

In Erwartung von frühen Aufgaben den Wecker auf früher gestellt, um rechtzeitig und in Ruhe am Schreibtisch anzukommen. Meine über die Pandemie eingeübte Morgenroutine (gewissermaßen den Praktiken Churchills entlehnt) ist inzwischen so ausschweifend, dass ich eigentlich nur dann schnell aus dem Bett komme, wenn ich einen frühen Zug erreichen muss oder Handwerker zu klingeln drohen. Beides ist heute nicht der Fall und da auch das Diensthandy noch traulich schweigt, sitze ich trotzdem erst halb 10 mit Frühstück (Joghurt mit Quittengelee und Müsli, Mate, Kräutertee) am Schreibtisch. Diese Woche ist es also wieder so, dass erst im Laufe des Montags die Woche in Fahrt kommt. Auch Recht. Ich wünschte nur, ich könnte das jeweils antizipieren und mir meine Vormittage dann anderweitig verplanen. Dafür telefoniere ich heute Morgen erst sehr nett mit einer Beamten in Bautzen, die mir hinterher eine E-Mail mit zweisprachiger Grußformel schickt und dann mit einem Handwerker, der am Freitag kommen und den Schimmel in Augenschein nehmen wird.

Um 11 Meeting mit Ostfriesland, zum Glück ist der Kollege wieder da und ich kann diese Urlaubsvertretung nach zwei Wochen wie geplant wieder an den Nagel hängen. Just in time. Direkt im Anschluss ein Meeting mit Berlin und Dortmund um 11:30, bei dem ich die entscheidenden Informationen erhalte, auf die ich schon Freitagnachmittag gewartet hatte. Daraus gilt es nun eine Kommunikation an den Standort zu basteln, die ich noch vor meiner Mittagspause zur Abnahme zurückgebe. Mittags gehe ich in dichtem Schneetreiben nach draußen an die Luft, sogar mit Umweg für mehr Tageslicht und Bewegung, und hole ein paar Dinge aus dem Drogeriemarkt, streng nach Einkaufszettel.

Wieder zuhause mache ich mir Stullen aus Toastbrotresten, veganer Mortadella, Gouda und Radieschenresten, dazu eine große Birne. Dann Meeting mit Berlin, Dortmund und Ostfriesland. Wir überziehen ein wenig. Pünktlich zum Ende klingelt es und meine Getränkelieferung (Limo, Mate, Radler) kommt an und wird direkt von mir verstaut. Der Hauptvorteil ist, dass drei Kästen mit leeren Pfandflaschen abgeholt werden, die neuen Getränke reichen jetzt wieder für eine ganze Weile, so selten trinke ich etwas davon.

Hinterher bekomme ich das Feedback zur Kommunikation, stelle sie fertig und schicke sie raus. Danach ist bis zum Teammeeting um 17 Uhr ein bisschen die Luft raus – ich erledige ein bisschen Kleinkram, aber für größere intellektuelle Leistungen fehlt mir was an diesem Montagnachmittag. Das Teammeeting ist dann zwar konstruktiv, aber für ein Problem haben wir noch keine zufriedenstellende Lösung, trotz Überziehen bis 18 Uhr. Ich schreibe noch eine E-Mail und beantworte ein paar Chats, dann ist Feierabend.

Nach dem ganzen Temperatur-Auf-und-Ab vom Wochenende fühle ich mich leicht anerkältet, deswegen koche ich mir jetzt eine schöne Suppe. Ob mich die italienischen Küchengötter strafen, weil ich ihre Tortellini in eine eher chinesisch-scharfe Gemüsebrühe mit Kohl, Sellerie und Möhren werfe? Wir werden es wohl herausfinden müssen. Beim Kochen telefoniere ich mit dem Liebsten und trinke nebenbei das letzte Erdbeerradler. Zum Essen höre ich mein Hörbuch zu Ende und kann Buch 6 auf meine Jahresliste setzen: Karin Smirnoff nach Stieg Larsson – Verderben.

Dann gucke ich mir die Tagesschau an und hinterher zur Beruhigung zwei Folgen „The West Wing“. Ich bin jetzt im hinteren Teil der letzten Staffel, in der Aaron Sorkin noch Showrunner war, der Liebste ist bereits ausgestiegen und negiert die Existenz weiterer Folgen. Das Niveau ist bereits etwas abgeflacht, aber ich habe trotzdem noch Spaß daran. Mal sehen, ob sich das ab der Sorkin-losen Staffel 5 ändert.

Gegen 22 Uhr siebe ich das Katzenklo durch und mache mich dann bettfertig. Ich stelle den Wecker wieder auf 7 Uhr, da ich morgen ins Büro muss, und fange dann das nächste Buch an, Günter Grass – Ein weites Feld. Dank des (zum Glück kurzen) Vorworts von Daniel Kehlmann weiß ich direkt, worauf ich bei der Lektüre achten muss und habe Spaß an den ersten 25 Seiten, bis mir die Augen zufallen. Auch dieses Buch landete wegen Hiddensee-Bezugs auf meiner Wunschliste. Nicht nur war Grass‘ letzte Frau eine Hiddenseeerin, er hat wohl auch Teile des Buches dort geschrieben und es kommen Figuren vor, die aus dem echten Leben abgeguckt sind. Außerdem ist der Mann ja trotz fragwürdiger Vergangenheit und späterer Auslassungen nicht ganz unwichtig für die Literaturgeschichte.

Kaum ist das Licht aus, bin ich natürlich direkt wieder wach und arbeite im Kopf für morgen vor. Um dem Entgegenzuwirken geht es per Hörbuch wieder zurück nach Venedig und das hilft dann doch beim Einschlafen.