Schon wieder so früh aufstehen, schon wieder Handwerker im Haus. Wieder gegen 6 aufgewacht, wieder zu wenig geschlafen. Pünktlich um 7 klingeln die Handwerker. Diesmal ist das für den Mitbewohner das Zeichen, sein Bett und Zimmer zu verlassen – ohne, dass ich klopfen muss – und sich dann auf dem Sofa im Wohnzimmer hinzulegen und wieder einzuschlafen. Ich sitze derweil auf dem Balkon, trinke warmes Ingwerwasser und lese im Internet herum. Als die Handwerker sich Dreiviertel 8 in die „20-30 Minuten“ Frühstückspause verabschieden, mache ich mir Banana Pancakes mit gedünsteten Äpfeln zum Frühstück.
Dreiviertel 9 sind die Handwerker zurück. Ich packe meine Sachen, wecke den Mitbewohner und verlasse die Wohnung. Mit zwei Bussen fahre ich erst nach Weißensee und dann gefühlt durch Wald und Wiesen hinaus nach Marzahn, wo ich um 10 einen beruflichen Termin habe, der sehr angenehm verläuft. Danach nehme ich Tram und S-Bahn für den Heimweg, das fühlt sich gleich viel urbaner an, geht etwas schneller, aber beinhaltet auch mehr Fußweg. Ich setze mich an den Schreibtisch, erledige ein paar Dinge und schreibe ein paar E-Mails. Dann mache ich gegen 12:30 Uhr Mittagspause.
In der Küche schnipple ich mir einen Reste-Salat zurecht – Lollo bianco, Fenchel, Gurke, lila Möhre, Radieschen und saure Gurke mit einem Dressing aus Joghurt, Tahini und Gurkenwasser. Dazu gibt es wieder Maracuja-Schorle und außerdem Taralli mit Fenchelsamen.
Ich esse auf dem Balkon und lege mich dann für eine halbe Stunde ins Bett und schlafe. Kurz bevor mein vorsorglich gestellter Wecker klingelt, wache ich von Handynachrichten wieder auf. Der Lieblingsnachbar liegt nach OP jetzt auf der Station, auf der mein Bruder auch war und wird da noch eine Weile bleiben müssen. Er bittet mich, vor dem nächsten Regen seine Wäsche vorm Balkon zu holen und seinen Bio-Müll runterzubringen. Die Freundin, mit der ich morgen Abend verabredet bin, will Pläne schmieden.
Alles beantwortet, dann zurück an den Schreibtisch, wo ich 14:30 Uhr ein wichtiges Meeting habe. Hinterher habe ich kreative Sachen zu machen und wechsle dafür mit dem Laptop auf den Balkon. Dort arbeite ich, bis ich Regen rieche. Schnell hechte ich hinüber zum Lieblingsnachbar und rette seine Wäsche – ich dachte ja, „bis zum nächsten Regen“ hätte noch ein paar Wochen Zeit. Viel Regen ist es auch nicht, aber zählen tut der schon. Zurück auf dem Balkon dann noch ein sehr gutes Meeting mit meiner Chefin in Nordengland, das wir um etwa 10 Minuten überziehen, weil es so viel zu besprechen gibt.
Dann ist es 17:40 Uhr und ich arbeite noch einige Kleinigkeiten ab und führe ein weiteres berufliches Telefonat. Um 18:20 Uhr klappe ich den Laptop zu und bringe ihn nach drinnen. Da ich schon beim Lieblingsnachbar war, bleibt als letztes To Do für heute der eigene Biomüll. Und ich möchte Kartoffeln und die letzte lila Möhre beim Abendbrot verwerten, bevor morgen die nächste Biokiste kommt. Dazu schwebt mir ein Stück Lachs vor, also gehe ich nochmal in den Supermarkt. Leider gibt es dort nur Zuchtlachs, so dass ich auf geräucherten Wildlachs ausweiche, nicht was ich geplant hatte, aber wird schon auch schmecken.
Ich backe Kartoffeln und Möhren mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Thymian vom Balkon. Dazu gibt es dann Räucherlachs und dänische Remoulade. Nicht ganz rund, aber schmeckt trotzdem.
Während und nach dem Essen hänge ich auf dem Sofa rum und versinke eine Weile in TikTok. Die Luft ist raus, ich muss dringend Körper und Geist erholen. Kurz nach 9 streiche ich die Segel und mache mich bettfertig. Halb 10 liege ich im Bett und lese noch ein wenig das Internet leer. Um 10 wechsle ich zum Buch und 10 Minuten später schlafe ich tief und fest – mit nur zwei sehr kurzen Unterbrechungen bis zum regulären Weckerklingeln um 7:30 Uhr.
Unruhige Nacht und dann gegen 6 Uhr wach, was aber bis auf den Schlafmangel gar nicht ganz so schlimm ist, denn ab 7 kommen Handwerker und bis dahin muss ich präsentabel sein. Gegen halb 7 schaffe ich es aus dem Bett, dusche, ziehe mich an, gieße die Pflanzen und füttere die Katzen. Dann klingelt es auch schon. Ich wecke den Mitbewohner, um dessen Zimmer es geht, durch mehrmaliges lautes Klopfen an seiner Zimmertür und dann können die beiden Herren auch schon loslegen. Währenddessen kümmere ich mich um den Rest meiner Morgenroutine und verlasse dann kurz nach halb 9, den Handwerker-Staffelstab zögerlich an den Mitbewohner übergebend, das Haus.
Nachdem es heute morgen noch sehr sonnig aussah, ist es jetzt eher grau und kühl und ich bin froh, Leggings unter den Rock und eine Jacke über das T-Shirt gezogen zu haben. Ich laufe zu einem Facharzttermin an der Schönhauser Allee. Während ich im Wartezimmer sitze, verblogge ich den gestrigen Tag zu Ende und dann schreibt der Lieblingsnachbar, dass er seit gestern Abend im Krankenhaus ist. Ups. Es folgen die Untersuchung durch die Ärztin, mehr Wartezeit und dann Blutabnehmen, Einweisung in diverse Tests, die ich zuhause machen müssen werde und eine Terminvereinbarung für den August. Beim Blutabnehmen darf sich erst eine Azubi an meinem linken Arm versuchen – es tut ganz schön weh und Blut kommt keins. Danach übernimmt die Fachfrau meinen rechten Arm und zapft Kanüle um Kanüle.
Ich verlasse die Praxis mit Pflastern an beiden Armen und falle fast nebenan beim Espresso Haus ein – jetzt darf ich endlich frühstücken! Eine Kardamomschnecke muss sein und dazu gibt es einen Caffè latte – original schwedisch wäre natürlich der Filterkaffee gewesen, aber ich brauche dringend etwas in den Magen. Weil es jetzt schon später ist als vorher gedacht, fahre ich die eine Station mit der S-Bahn und bin so etwa 10 Minuten schneller wieder zuhause und am Schreibtisch. Die Handwerker sind inzwischen für heute fertig und haben sich bereits bis morgen verabschiedet. Der Mitbewohner und ich schieben noch schnell meinen Schreibtisch zur Seite, denn morgen soll darüber eine Ecke gestrichen werden. Notiz an mich: Hintergrundbild für Videokonferenzen einrichten, das sorgsam zusammengestellte Arrangement funktioniert heute und morgen nicht.
Ich arbeite zwei Stunden lang – inkl. eines Meetings mit Paris – dann mache ich Mittagspause, bringe Müll runter und gehe rüber zum Lieblingsnachbar, gieße seine Pflanzen und packe die Dinge zusammen, die er für ein paar Tage Krankenhaus benötigt. Dann gibt es Käsebrot, Ayran und seine Balkonerdbeeren, die es nicht bis zum Wochenende schaffen, als Mittagessen wieder auf meinem Balkon.
Um 14 Uhr habe ich ein Meeting mit Dublin und danach laufe ich los zum Krankenhaus. Es ist dasselbe Krankenhaus und fast dieselbe Station, wo mein Bruder vor einigen Wochen noch lag. Nach etwa einem Viertel der Wegstrecke sagt das FitBit, dass die 10.000 Schritte voll sind. Im Krankenhaus angekommen ist der Lieblingsnachbar gerade zur Untersuchung. Ich gebe seine Sachen bei den Pfleger*innen ab. Auf dem Heimweg telefoniere ich mit einem Kollegen.
Wieder zuhause arbeite ich weiter. Zwischen drin schreibt der Lieblingsnachbar und bedankt sich für die Sachen. Dann klingelt es an der Tür und mein Paket Crowdfunding-Maracujas aus Sizilien kommt an. Ich werfe gleich den Inhalt von zwei Maracujas in ein Glas mit Sprudelwasser und habe so einen leckeren Nachmittagsdrink.
Gegen 18 Uhr ist Feierabend und ich ruhe mich ein wenig im Liegestuhl auf dem Balkon aus. Dann ist es aber auch schon wieder Zeit, aufzubrechen. Ich bringe den Papiermüll weg und mache mich auf den Weg zum Sport. Wieder einmal fährt die Ringbahn um diese Zeit nicht, diesmal wegen eines Kabelbrands. Ich fahre also einen Umweg mit Tram und S-Bahn und komme gerade eben noch rechtzeitig im Wasser zum AquaFitness-Kurs an.
Das Training ist anstrengend, aber weckt noch einmal für einen Moment meine Lebensgeister. Hinterher gibt es zwei Saunagänge für mich und dann laufe ich im Sonnenuntergang und zwischen einzelnen Regentropfen hindurch zurück zum Ostkreuz. Die Ringbahn fährt wieder und bringt mich in meinen Heimatkiez. Auf dem Weg zurück in die Wohnung telefoniere ich mit dem Liebsten. Zuhause angekommen, esse ich etwas Skyr mit Johannisbeergelee und Haferflocken und trinke meine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel).
Dann siebe ich das Katzenklo durch und lege mich in die Badewanne – etwaige Reste vom Saunaschweiß loswerden und Haare waschen sind angesagt. Außerdem will ich richtig runterkommen und Bettschwere haben, damit ich gut schlafen kann, denn morgen um 7 klingeln ja wieder die Handwerker. Gegen halb 12 liege ich im Bett. Das FitBit meldet 24.646 Schritte (neuer Rekord) und ich schlafe gleich wie ein Stein.
Je nach Situation mache ich ja viel Homeoffice, Balkon-Office, Bett-Office und selten Büro-Office (das heißt doch so?), muss ja auch mal sein. Heute zum Beispiel. Und da ich um 9:30 Uhr einen wichtigen Termin habe, für den ich noch Technik aufbauen muss, stelle ich mir den Wecker auf 7 Uhr. Die heiße Nacht, die Katzen und meine Aufregung wecken mich allerdings schon kurz vor 6 Uhr. Für meinen Geschmack deutlich zu früh, aber so komme ich zu einem ganz entspannten Morgen, kann mir noch in Ruhe Frühstück vorbereiten und dann trotzdem kurz vor 9 im Büro sein.
Dort begrüße ich die Kolleg*innen, die schon da sind, gieße mir Milch ins Erdbeermüsli und hole mir einen Cappuccino. Dann baue ich mir in einem Meetingraum einen zweiten Monitor auf, schließe diverse Kabel an und bereite mir drei Tabs auf zwei Displays vor, während ich den Kaffee trinke und ein wenig Müsli löffle. Um 9:30 Uhr ist es soweit und ich führe ein einstündiges Interview mit Tonaufzeichnung. Das direkte Aufzeichnen in Schrift funktioniert leider nicht wie geplant, so dass ich mir nebenbei noch Notizen machen muss. Das nervt ein bisschen, sorgt aber dann auch dafür, dass ich mir die Inhalte direkt besser merke und im Kopf schon strukturiere. Hinterher frühstücke ich zu Ende und bearbeite eingetrudelte Mails und Nachrichten.
Danach folgt ein anderthalbstündiges Meeting. Wir sind zu dritt vor Ort, zwei per Videokonferenz zugeschaltet. In dieser Konstellation ist das selten geworden. Die Mehrheit im Büro, was ist das denn bitte? Hinterher nochmal ein wenig Mails bearbeiten und dann schlüpfe ich mal schnell in den Drogeriemarkt nebenan und hole mir dringend benötigte Blasenpflaster – jedes Jahr dasselbe mit Ballerinas und Co.!
Um 14 Uhr treffe ich mich mit zwei Kolleg*innen in der Büroküche und wir schnappen uns jede*r so viel Pfandflaschen, wie wir mit einem Mal wegbekommen. Die geben wir im Supermarkt nebenan zurück und kaufen dann Süßigkeiten für den morgigen Team-Tag im Büro, der Rest des Geldes kommt in unsere Kasse für zukünftige Anwendungen. Außerdem hole ich mir noch eine „Korean Veggie Bowl“ und esse dann gemeinsam mit dem einen Kollegen in der Büroküche.
Danach habe ich ein Meeting mit Atlanta und beschäftige mich dann damit, die Interviewaufzeichnungen von heute morgen in Form zu gießen. Zwischendurch schneide ich noch mit einer Papierschneidemaschine Papierkärtchen für morgen zurecht, die der Kollege dann gemeinsam mit den Süßigkeiten verteilt. Noch ein kurzes Webinar um 17 Uhr und dann sitze ich noch bis kurz nach 18 Uhr weiter an dem Interview. Kurz vor halb 7 verlasse ich das Büro und fahre mit U- und S-Bahn zum Yoga.
Die Yogarunde ist heute zu viert und macht Spaß, auch wenn ich nicht alle Asanas komplett durchhalte und ab und an Schmerzen habe. Hinterher laufe ich nach Hause und telefoniere nebenbei mit dem Liebsten. Zuhause bastle ich mir ein schnelles Gericht aus Reis-Vermicelli, Sesamöl, Gochuang-Paste, Knoblauch-Ingwer-Paste, Erdnussmus, Sesam, Rührei und Gurken. Nächstes Mal noch etwas mehr Sojasauce und dann ist es perfekt. Dazu gibt es Feierabendlimo (Pflaume-Ingwer) und TikTok, bis ich gehen halb 12 die Augen zu mache.
Das war so eine Nacht, in der ich mich erst nur neben die Bettdecke lege und mit ihr und den Katzen kuschele. Irgendwann stecken die Füße unter der Decke, nach dem nächtlichen Klogang gegen 3 ziehe ich die Decke bis zur Hüfte und am Morgen wache ich dick darin eingemummelt auf. Die Temperaturen sind in diesem Zeitraum um knapp 10 Grad gefallen und die Balkontür steht ja die ganze Zeit offen. Ich erwache nicht vom Weckerklingeln oder von alleine, sondern weil Nimbin mich anschreit und Aufmerksamkeit respektive Futter haben will. Immerhin ist es gar nicht mehr so früh, da geht das in Ordnung. Ich widme mich der Morgenroutine und als der Liebste gegen halb 8 schreibt, dass das Teilzeitkind auf dem Weg in die Schule ist, telefonieren wir direkt das erste Mal an diesem Tag.
Später sitze ich mit Erdbeermüsli mit Joghurt, Kaffee mit Hafermilch (andere Milch war aus, aber so schmeckts auch) und Wasser mit Johannisbeersirup am Schreibtisch und beginne die Arbeitswoche. Da zwei meiner montäglichen Meetings abgesagt wurden, habe ich nur zwei insgesamt (eins mit Bochum – währenddessen flattert die Todesmeldung von Berlusconi rein – eins mit Berlin) und ansonsten viel Zeit, mich um Dinge zu kümmern, die letzte Woche wegen der re:publica liegen geblieben sind. Ich ernte die Früchte, die ich letzte und vorletzte Woche gesät habe und habe nun diese Woche drei Termine für das nächste Großprojekt im Kalender (das letzte wurde letzten Freitag endlich abgeschlossen). Ich löse eine Aufgabe mit sinnvollem Einsatz von ChatGPT, was mich nicht von Sorgfalt und Nachdenken befreit, aber den Prozess definitiv beschleunigt. Ich bereite administrativen Kram vor, der mir während der Woche Zeit sparen wird und räume im Projektmanagementtool auf.
In der Mittagspause hänge ich Wäsche auf, lege vorher trockene zusammen und setze eine zweite Maschine an – jetzt bin ich auch da wieder auf „Inbox zero“. Dann schnappe ich mir die fünf Mehrwegdosen, die sich in den letzten zwei Wochen hier angesammelt haben, spaziere zu einem Restaurant in der Nähe, das alle vorhandenen vier Formate annimmt und gebe diese zurück. Essen muss ich noch nichts, das Frühstück war reichlich. Am Nachmittag habe ich nachdem alle Aufgaben erledigt sind noch etwas Zeit und schaue die letzten beiden Webinare an, die noch in meinen Bookmarks rumhingen und zu denen ich nach dieser Woche den Zugang verloren hätte. Und telefoniere das zweite Mal heute mit dem Liebsten.
Danach gehe ich nochmal nach draußen und besorge im Bio-Supermarkt Wollwaschmittel (habe ich heute alle gemacht), Milch (war ja alle), Rohrzucker und Pistazien. In den Rohrzucker lege ich wieder zuhause die restlichen Holunderblüten vom Wochenende ein. Damit und mit den Pistazien will ich für meinen Geburtstag nächste Woche backen. Dann mache ich mir zwei dicke Stullen mit dem Rest Pastrami und zwei Sorten Käse (der letzte Waldmeisterkäse und den royalen Käse) und bastele mir dazu einen Salat aus Lollo bianco, Gurke, lila Möhren und Fenchel mit Zitronendressing. Dazu gibt es Ayran und eine Feierabendlimo (Orange-Vanille). Ich esse auf dem Balkon und dann wird es dort im Schatten überraschend schnell kühl.
Also lege ich mich aufs Bett, trinke die Limo weiter und schaue mir verpasste re:publica-Sessions an – Kübra Gümüşay, Tupoka Ogette, Galerie Arschgeweih – während der Mitbewohner mit einem Freund pakistanisches Essen kocht. Dann gehen die beiden spazieren und ich mache mich bettfertig. Zwischendurch noch das dritte Telefonat mit dem Liebsten und dann lese ich noch in paar Seiten. Um 23:30 Uhr fallen mir die Augen zu und ich lege den Kindle weg und beschließe den Tag.
Es ist Sonntag und wir dürfen ausschlafen – irgendwann gegen halb 9 werde ich wach, weil der Liebste aufsteht und Kaffee macht. Da ist das Teilzeitkind schon eine ganze Weile in seinem Zimmer beschäftigt und hat Pizzareste von gestern geknabbert. Als es mitbekommt, dass wir wach sind, kommt es zu uns ins Bett und beschlagnahmt mein Handy zum Zocken. Zum Glück habe ich ja noch mein Diensthandy, so dass wir eine ganze Weile lang friedlich zu dritt mit jeweils einem Handy herumliegen können. Wegen eines Klopapier-Engpasses kommt dann aber heute früher Leben in die Bude. Gegen 10 steht der Liebste auf und geht zur Tanke, während ich den Frühstückstisch decke. Wir essen gemeinsam und dann gehen die Großen nochmal ins Bett und das Kind in sein Zimmer – Turnen, Hörspiel hören oder sowas.
Wir lesen und erzählen, ich mache Sprachlernsachen und blogge und alles ist sehr gemütlich. Ab 12:30 Uhr gehen wir alle nacheinander ins Bad, duschen und ziehen uns an. Während das Teilzeitkind duscht (das dauert am längsten), sitze ich im Liegestuhl des Liebsten auf dem Balkon und sammle Ideen für die Herbstferien, bzw. alternativ meinen Herbsturlaub, falls der Liebste und das Teilzeitkind andere Pläne haben.
Dann holen wir die Holunderblüten von gestern aus dem Kühlschrank und fahren mit S- und U-Bahn zu meinen Eltern. Dort gibt es erstmal kalte Getränke für alle und das Teilzeitkind bekommt als nachträgliches Geburtstagsgeschenk noch eine schöne gebundene Ausgabe vom „Krabat“ von Otfried Preußler. Mama und das Teilzeitkind verschwinden dann auf den Balkon, verlesen die Blüten und sammeln Blattläuse ab.
Dann bereiten sie einen Eierkuchenteig zu und frittieren die Blüten darin. Währenddessen schneide ich Erdbeeren klein und Papa und der Liebste spielen mit Technik aus den 90ern herum (ein Handheld-PC von Compaq und Mamas erstes Notebook von damals), die Papa beim Aufräumen gefunden hat.
Dann gibt es Kaffee, Tee und Holunderküchl mit Erdbeerkompott, Geschichten von früher und Urlaubsplanungen für den Sommer.
Nach dem Essen spielen Mama und Teilzeitkind mehrere Partien Schach und wir anderen unterhalten uns nebenbei über dies und das.
Kurz vor 18 Uhr brechen wir auf zum nächsten Termin. Mit zwei U-Bahnen geht es nach Friedrichshain, wo wir in einem Biergarten mit meinem Cousin und seiner Freundin, meiner Cousine und meinem Bruder verabredet sind. Der Liebste und das Teilzeitkind nehmen nur ein Getränk und fahren dann heim nach Südberlin. Wir anderen essen und trinken gemütlich und lange. Witzigerweise ist Berlin mal wieder ein Dorf. Erst hatte ich beim Umsteigen am Alex auf dem Nachbarbahnsteig den Mitbewohner erspäht, dann tauchten im Biergarten drei bekannte Gesichter auf – eins ist der Mann der Zufallsfreundin, die uns ja neulich im Schwimmbecken begegnet war, die anderen beide sind Freunde von ihm, die ich beide auch auf dem Immergut getroffen habe. Von wegen anonyme Großstadt!
Ich trinke Rieslingsekt – erst mit Birnensaft, dann mit Erdbeer- und Rhabarbersaft. Zum Essen gibt es Senfeier und Kalten Hund mit wahnsinnig leckerem Pfirsicheis.
Dann stößt auch noch der Freund meiner Cousine zu uns und es dauert dann bis nach 22 Uhr, bis wir alle bezahlen und aufbrechen. Vor ein paar Jahren hätten wir noch in den Geburtstag meines Cousins reingefeiert, aber heute sind alle zu müde und müssen morgen zu früh aufstehen, als dass das eine gute Idee wäre. Ich spaziere noch mit meinem Bruder, der sein Fahrrad dabei hat, zur U-Bahn und fahre dann mit U- und S-Bahn nach Hause, wo mich zwei hungrige und unterkuschelte Katzen erwarten, die es sich auch in dieser heißen Nacht wieder nicht nehmen lassen werden, sich an mich zu kuscheln und mich dann nachts mehrmals um Aufmerksamkeit heischend zu wecken. Bis zum Einschlafen lese ich noch ein paar Minuten in „Patria“ und dann ist das Wochenende schon wieder zu Ende.
Juhu, im frisch bezogenen Bett und mit nur einer kätzischen Unterbrechung gegen 3 Uhr fast acht Stunden durchgeschlafen. Das war auch dringend nötig. Ich lasse mir Zeit bei den üblichen morgendlichen Verrichtungen, telefoniere dabei zweimal mit dem Liebsten, bewundere kurz die Blütenpracht auf dem Balkon und breche dann auf nach Südberlin.
Die Zeit in S- und U-Bahn nutze ich zum Bloggen. Ich nehme eigentlich lieber die Route mit 2x S-Bahn, weil die Laufwege kürzer sind und man fast die ganze Zeit Internetempfang hat, aber die dauert eben auch 20 Minuten länger und ich werde doch zum Frühstück erwartet. Als ich ankomme, hören der Liebste und das Teilzeitkind gerade laut die Ramones, während sie am Herd stehen und das Teilzeitkind sein erstes eigenes Rührei zaubert. Ich kümmere mich noch um den Obstteller und dann können wir frühstücken.
Nach dem Essen chillen nochmal alle kurz, dann klingelt es an der Tür und der Besuch des Teilzeitkinds ist da. Die Kids verbringen erst ein wenig Zeit im Kinderzimmer und gehen dann nach draußen in den Park. Irgendwann tun wir das auch, denn erstens ist Wetter und zweitens brauche ich Holunderblüten, die ich mit dem Schnitzmesser des Teilzeitkinds ernte.
Irgendwann haut die Allergie des Liebsten voll rein und er tritt schnell den Heimweg an (und reserviert auf dem Weg noch schnell einen Tisch beim Stammitaliener für den Abend), während ich gemütlich noch eine kleine Runde durchs Grüne drehe. Auf dem Heimweg treffe ich die Kids, denen sehr heiß ist, und nehme sie wieder mit nach Drinnen, wo es erst einmal Getränke und Ruhe für alle gibt. Dann klingelt es wieder und das Nachbarskind stößt dazu. Jetzt toben also drei Kinder durch die Wohnung, der Lautstärkepegel steigt exponential, aber irgendwann zieht es sie auch wieder nach Draußen.
Am frühen Abend gehen wir dann zu viert zum Stammitaliener, außerdem stoßen noch die beste Freundin des Liebsten und später die Mutter des Besuchskinds dazu. Wir teilen uns Antipasti, Bruschette und Focaccia, dann gibt es Pizza für die Kinder, Pasta mit Pfifferlingen für den Liebsten, Salat für seine beste Freundin und Calamari alla livornese für mich und dann hinterher noch das gemischte Dessert zum Teilen für alle. Dann gehen die Kids nach Hause und werfen sich vor den Fernseher, während wir Erwachsenen zu dritt und dann zu viert noch einen Drink zu uns nehmen und erzählen. Kurz nach 9 schleichen wir uns wieder in die Wohnung, stellen aber fest, dass die Kids gar nichts Verbotenes gucken. Dann verabschieden sich das Besuchskind und seine Mama. Wir anderen sitzen noch eine Stunde zusammen, bis das Teilzeitkind ins Bett verschwindet und dann noch eine weitere Stunde zu dritt.
Kurz nach 11 sind wir dann nur noch zu zweit und gucken mit zwei Wochen Verspätung endlich das Serienfinale von „Marvelous Mrs Maisel“ bevor es gegen halb 1 glücklich, zufrieden und sehr sehr müde ins Bett geht.
Puh, nach den ganzen letzten Tagen (inklusive gestern) brauche ich heute dringend mal weniger Action und weniger Menschen. Dafür werde ich liebevoll von Noosa geweckt, die findet ja auch alle Menschen außer mir völlig überbewertet. Mich findet sie allerdings so großartig, dass ich mich ihrer Liebe oft nicht erwehren kann. So auch heute morgen, als sie sich an mich kuschelt und ihren Kopf für eine gute Viertelstunde auf meinem Gesicht ablegt.
Der Homeoffice-Tag ist trotzdem geprägt von vielen Meetings – allerdings heute mehr menschelnde dabei. Fünf finden statt, das sechste wird kurzfristig abgesagt. So komme ich dann schon gegen 16 Uhr dazu, mich den für diese Woche noch ausstehenden Arbeiten zu widmen. Fertig bin ich kurz vor 18 Uhr, seit auf Arbeit so viel los ist, sind die geruhsamen Freitagnachmittage mit frühem Start ins Wochenende, die es viele Jahre lang gab (nach den ersten Start-up-Zeiten, in denen Freitage mindestens bis 22 Uhr und oft bis nach Mitternacht gingen und dann am Wochenende auch noch was getan werden musste – passé.
Das schränkt mich mehr und mehr in meiner Planung von Wochenenden ein, merke ich. Oft mag ich nicht noch nach der Arbeit nach Südberlin fahren, so dass Wochenenden beim Liebsten dann nur noch von Samstag bis Sonntag gehen. Oder ich komme gar nicht erst auf die Idee, am Wochenende richtig wegzufahren, weil sich das ja gar nicht richtig lohnt, wenn man erst Freitagabend los kann. Muss mich dann wieder erinnern, dass ich sowas auch zu Start-up-Zeiten gemacht habe. Da hat man dann ausnahmsweise mal „früher“ (zwischen 20 und 21 Uhr) und ist dann noch drei Stunden nach Rostock oder Hamburg gegurkt. Heute denke ich freitags um 22 Uhr darüber nach, ob ich noch was gucken oder mich schon bettfertig machen will. Dringend wieder flexibler werden im Kopf!
Anyway, damit ich so viel wie möglich vom Samstag und Sonntag in Südberlin habe, fange ich fast direkt nach der Arbeit mit dem Wohnungsputz an. Da es ja noch lange hell ist, kriege ich das irgendwie mental hin, im Winter wäre das nicht möglich, ich brauche Tageslicht zum Putzen! So ist dann 20 Uhr wirklich Wochenende (wie putzen andere Leute schneller?). Ich bin so platt von der Woche, dass ich die Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) auf dem Bett liegend trinke und mir eine Pizza bestelle, die auch die Katzen interessiert (Mortadella, Pistazien, Fior di Latte. Eigentlich wollte ich die Quattro Formaggi mit Feigen, habe mich aber in der Eile vertippt und die ist auch lecker.)
Ich schaue mir einige der re:publica-Sessions an, die ich verpasst habe und dann die Closing Ceremony. Schade, dass es nächstes Jahr wieder in der Station ist, aber die Gründe (zu wenig große Bühnen und fehlende Barrierefreiheit) sind absolut nachvollziehbar. Werde trotzdem die Hoppetosse, den Strand, das viele Grün und das Wasser vermissen. Dafür wird dann diese ganze Woche sehr interessant und ggf. wieder anstrengend werden. Ist zwar alles gut getimed und glücklicherweise ohne Überschneidungen, aber
Sonntag 11. Geburtstag des Teilzeitkinds
Montag bis Mittwoch re:publica
Donnerstag bis Sonntag Immergut
Wird trotzdem anspruchsvoll – logistisch, physisch und mental. Aber ich ziehe das natürlich durch – doing it for the plot, wie großartig ist das denn! Aber ich nehme mir dann diesmal auf jeden Fall komplett frei und habe keine Arbeit neben den Sessions. Wahrscheinlich wäre der Montag nach dem Immergut auch noch gut, aber das sind dann schon wieder ein Fünftel meiner Urlaubstage fürs Jahr… Hui. Auf jeden Fall bin ich dann geistig ebenso raus wie bei einem dreiwöchigen Urlaub, auch schön.
Kurz vor Mitternacht streiche ich die Segel. Als ich aus dem Bad komme, spielt Noosa noch mit ihrem Lieblingsbällchen, aber sobald ich im Bett liege kuscheln sich beide Miezen gechillt an mich und obwohl das ziemlich warm ist bei der Hitze, schlafe ich so lang, tief und fest wie schon lange nicht mehr. Der freie Abend war dringend nötig.
Ich habe natürlich wieder nicht so gut geschlafen, noch bis weit nach Mitternacht Sachen recherchiert und die Namen von Songs vom Konzert gesucht… Alles habe ich noch nicht gefunden, ich möchte meine mitgeschriebene Setlist irgendwann vollständig haben… Und dann wieder Katzis, die sich unterkuschelt fühlen oder viel zu früh denken, dass die Nacht vorbei ist… Aber wenigstens muss ich mich heute nicht so viel bewegen, das wird irgendwie.
Fürs Bloggen bleibt dann morgens aber erstmal keine Zeit, denn noch vor Frühstück und Arbeit bringe ich dem Lieblingsnachbar eine Wärmeflasche, ein Körnerkissen und ein Lavakissen vorbei, mit denen er versuchen will, seine akuten Beschwerden zu lindern. Auf dem Rückweg telefoniere ich mit dem Liebsten und dann sitze ich pünktlich um 9 am Schreibtisch, zum ersten Mal seit einer ganzen Weile, davor war re:publica, davor Bett-Office, davor Büro, davor Balkon-Office… Ungewohnte Situation. Es gibt Müsli und Holunderblütenschorle mit Zitronensafteiswürfel und Balkonminze.
Stop and smell the roses!
Ich habe an großen Dingen zu arbeiten, werde aber ständig mit kleinen aufgehalten oder daran gehindert. Dazwischen ein Meeting mit der Kollegin in Paris, bei der wir trotz Überziehens zu wenig Smalltalk und Beziehungspflege kommen, weil es einfach so viele verschiedene Projekte sind, zu denen wir uns abstimmen müssen. Dann mache ich Mittagspause und erledige Dinge. Ich gehe Brot und Erdbeeren kaufen und nehme im Supermarkt noch rote Nelken im Topf für den Balkon mit (mit Gruß an Oma und Opa). Hunger habe ich noch nicht, also sitze ich dann einfach auf dem Balkon, fange an zu bloggen und dann kommt der Mitbewohner dazu, der heute von seinem Chef, der in Baden-Württemberg sitzt, frei bekommen hat. Wir reden über Fronleichnam und darüber wie weird dieses ganze Christentum und seine Spielanleitung sind im Vergleich zu Judentum und Islam.
Zurück am Schreibtisch dann weiter im Text, es gibt viel zu tun aber alles erfordert geistige Fitness und Konzentration, die sich heute nicht so richtig gut einstellen möchte. Als die neue Getränkelieferung kommt, nehme ich mir deswegen sofort eine Mate, mit deren Hilfe ich dann die dringendsten Aufgaben erledigt bekomme. Um 16 Uhr höre ich bei einem globalen Meeting nur zu und schreibe nebenbei einem Kollegen eine recht elaborierte und gut formulierte LinkedIn-Empfehlung. Danach habe ich ein Meeting mit meiner Chefin in Nordengland – auch hier wieder wenig Zeit für Menschelndes, aber dringend benötigte Absprachen, und dann klappe ich um 17:30 Uhr den Rechner zu. Man kann es ja nicht erzwingen.
Jetzt habe ich Zeit, mich um Häusliches zu kümmern. Ich schleppe die Getränkekisten auf den Balkon und verteile sie auf die schattigen Flächen, ich packe die Müslilieferung von gestern aus, ich siebe das Katzenklo durch und bringe den Müll runter, ich räume meinen Konferenzbeutel aus und alles ordentlich auf. Als ich mich gerade zum Weiterbloggen auf den Balkon setzen möchte, klingelt der angekündigte Besuch des besten Freundes des Liebsten. Wir trinken Wasser mit Almdudlersirup, sitzen auf dem Balkon und tauschen uns aus – über das Immergut und die re:publica, über die Danger-Dan-Konzerte vom Wochenende, über den Boys-Club-Podcast und das Stuckrad-Barre-Buch, über Soloalbum vs High Fidelity… Dann kommt der Mitbewohner dazu und die beiden führen ein berufliches Gespräch.
Als der Besuch wieder weg ist, gehen der Mitbewohner und ich in die Küche. Ich mache mir einen Salat aus verschiedenen Blattsalaten und Radieschen, Stullen mit Pastrami und drei Sorten Käse und Joghurt mit Erdbeeren. Er kocht sich ein Hähnchen-Biryani und telefoniert nebenbei. Ich bin zuerst fertig, esse auf dem Balkon und telefoniere mit dem Liebsten und danach mit der Freundin in Frankreich. Der Mitbewohner kommt irgendwann dazu und isst sein Abendbrot. Dann geht er spazieren und ich telefoniere weiter bis mir zu kalt wird (ich trage wegen 29 Grad nur ein dünnes Kleid) und ich nach drinnen gehe. Am Ende des Telefonats sind zweieinhalb Stunden vorbei (relativ kurz für unsere Verhältnisse) und es ist schon halb 12.
Jetzt muss ich mich sputen, damit mein Blogpost noch rechtzeitig heute online geht. Ich schaffe es nach 23:50 Uhr ihn zu posten. Dann mache ich mich bettfertig und gehe schlafen.
Das war eine kurze und unruhige Nacht, der Kopf voller Input, die Nase noch etwas zu, das Licht früh wieder da und die Katzen gelangweilt und unterkuschelt, weil ich gestern den ganzen Tag unterwegs war. Ich habe also wieder viel Zeit für die Morgenroutine und bin dann trotzdem irgendwie erst hektisch aus dem Haus und gute 10 Minuten vor Session-Start vor Stage 3 der re:publica. Es geht darum, wie KI für gute Arbeit eingesetzt werden und dabei negative Auswirkungen auf die Arbeitenden möglichst gering gehalten werden können. Klappt am besten – wen wunderts – da wo es starke Arbeitsgesetze und Mitbestimmungsmöglichkeiten gibt.
Gute Arbeit ist auch das Thema des nächsten Panels auf Stage 1, auch wenn die versprochenen 10 Tipps für eine bessere Arbeitswelt irgendwie nicht gegeben wurden. Nachschauen auf YouTube lohnt sich aber allemal. Einen Ansatz werde ich direkt morgen unserer Head of Diversity, Equity & Inclusion als Anregung weitergeben.
Nach den zwei intensiven Sessions gönne ich mir eine kurze Pause draußen auf dem Deck des Badeschiffs und kümmere mich auf dem Diensthandy um Arbeitsdinge (soviel zu Pause, also: Luftveränderung). Dort findet mich der Neffe 2. Grades wieder, der eine Runde planschen gehen möchte. Ich passe solange auf seine Sachen auf und danach unterhalten wir uns noch ein bisschen und geben uns Updates über unsere Teile der Familie. Dabei profitiert er von meiner Sonnencreme und ich von seinen Radieschen. Dann ziehe ich weiter zum „Tod in der Netzgemeinde“, denn in den letzten Jahren sind so einige gestorben, die ich vermisse. Ich habe aber gerade nicht die richtige Stimmung dafür und dringende Selfcare-Bedürfnisse, daher gehe ich recht schnell wieder, nutze die während Sessions relativ kurzen Schlangen am Klo und der Trinkwassersäule und gehe dann zu Susanne Mieraus Lightning Talk darüber, wie wir die Welt durch stärkere zwischenmenschliche Beziehungen verbessern und die Probleme gemeinsam bewältigen können.
Von da geht es direkt weiter zum Gespräch mit Robert Habeck, der ebenfalls versucht, Mut zu machen, dass wir die positiven Veränderungen, die es braucht, nur gemeinsam bewältigen können und eher aufeinander zugehen als aufeinander rumhacken sollten. Hmm ja, sie haben ja alle vermutlich Recht, aber das ist schon auch der anstrengendere Weg, damit umzugehen, näch? Ich gelobe innerlich Besserung, erlaube mir aber weiterhin, Faschos zu verurteilen. 😉
Nach Habeck war es dann schon 15:30 Uhr und mein Magen knurrte wieder. Ich lief zum quasi geheimen zweiten Food Court und holte mir eine Portion Pommes mit grüner Salsa. Unterwegs fallen mir die Schuhe einer Teilnehmerin auf und ich frag nach. Sie kann mir sofort Modell, Marke und Bezugsquelle nennen – ich bin schwer beeindruckt, beim Recherchieren hinterher stolpere ich aber über den Preis (über 100 €) und ich unterlasse einen impulsiven Spontankauf. Stattdessen leihe ich solidarisch meinem Cousin meine Powerbank und ein Ladekabel für eine Session, obwohl mein Akku auch schon langsam zur Neige geht. Seht Ihr, Beziehungspflege! Dann komme ich an der Gedenkwand vorbei, an der denen gedacht wird, die nicht mehr unter uns sind, und füge einen Zettel für Sophie hinzu.
Die nächste Session dreht sich darum, wie sich rechtsextreme Gruppen finanzieren und über welch perfide Wege sie Geld einnehmen. Ich verurteile fleißig innerlich. Danach bekomme ich Powerbank und Ladegerät zurück, hole mir eine hausgemachte Limettenlimo und setze mich in einen Liegestuhl auf dem Deck. Ich arbeite noch ein wenig auf meinem Diensthandy, gucke aufs Wasser, telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind… Und breche dann auf, kurz bevor die Closing Ceremony beginnt. Davor hatte ich ein wenig Angst, denn die Closing Ceremony gehört eigentlich untrennbar zur re:publica für mich, es ist nicht vorbei, bis wir gesungen haben! Aber diese re:publica begann ja auch unkonventionell für mich und so ist es irgendwie OK.
Schnitt
Ich spaziere also bei schönsten Sommerwetter entlang sich kreuzender Kanäle von Alt-Treptow durch Kreuzberg 36 nach Neukölln, ein Spaziergang voller Kontraste: Das Wetter genießende Hipster, Expats und Yuppies, die mit Bieren am Ufer sitzen, auf Wiesen liegen und sich in Schlauchbooten auf dem Wasser treiben. Zelte, in denen Obdachlose hausen. Familien mit und ohne Migrationsvordergrund, die heimlich grillen.
Dealer, die in Gebüschen stehen und auf sich aufmerksam machen. („Nein danke, ich hab noch“, ist meine go-to Antwort). Und dann in Neukölln die Mischung aus den hippen Gentrifizierungsbeweisen, den migrantisierten „Ureinwohner*innen“ und den vielen, vielen Obdachlosen rund um den Herrmannplatz. Irgendwo auf dem Weg ist auch mein Schrittziel übrigens erreicht.
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Und dann bin ich am Huxleys, lasse mein Ticket scannen und meinen Beutel durchsuchen. Ich gebe meine Trinkflasche ab und bekomme eine Pfandmarke und dann darf ich nach oben gehen, wo schon Lina Bó als Vorband spielen, bevor kurz nach 20 Uhr Jimmy Kelly & The Street Orchestra die Bühne stürmen. Es folgt eine Auflistung von Bemerknissen:
-Jimmy ist meines Wissens der einzige Kelly, der eine Vorband hat – weder die Kelly Family noch die anderen solo machen so etwas eigentlich normales und Nachwuchs förderndes
-Auf der Bühne stehen 13 Musiker*innen (zum Finale inkl. Vorband dann 15) und bis auf seine eigene Frau hat Jimmy die alle entweder auf der Straße bei Straßenmusik kennengelernt oder im Internet nach ihnen recherchiert. Alle sind ausgebildete Musiker*innen und sowohl virtuos als auch mit einer wahnsinnigen Bühnenpräsenz, Spielfreude und Showmanship gesegnet. Am Schlagzeug sitzt eine Frau, ein Gospel singendes Paar ist ebenso dabei wie Leute am Akkordeon, der Geige, der Mandoline, diversen Blasinstrumenten etc. etc. Alle Songs werden mit gewaltiger Instrumentalkulisse und mehrstimmigem Satzgesang arrangiert und alle Musiker*innen haben immer wieder Soli und andere Glanzmomente und Showeinlagen.
-Jimmy ist der einzige Kelly, zu dessen Konzerten ich unbesehen jede*n mitnehmen würde, ohne mich zu schämen. Hammergut ist das heute wieder!
-Das Konzert dauert drei Stunden mit nur einer 10-minütigen Pinkelpause. Insgesamt werden 27 Songs gespielt, davon fünf Jimmy-Songs von der Kelly Family, sechs Solo-Songs von Jimmy und 16 Folksongs oder Traditionals aus aller Welt – irisch, amerikanisch, französisch, spanisch, deutsch oder jüdisch, in fünf verschiedenen Sprachen, vom Chanson über den Gospel zum Folksong, alles mit dieser atemberaubend dichten Soundkulisse.
-Das Konzert beginnt mit „I can’t stop the love“, dem Opener des legendären Tough Road Konzerts der Kellys 1994 in der Westfalenhalle, damit sind sofort alle Langzeitfans emotional am Anschlag, auch ich.
-Ich habe meinen Platz zwei Reihen vor dem FOH bezogen. Es gibt Stühle, aber gesessen wird nur ganz selten, bei einigen ruhigen Stücken und in der Pause. Zwischen mir und dem FOH sitzen zwei amerikanische Bekannte des Gospel-Pärchens, die nur wegen der beiden heute da sind und kaum glauben können, was da auf der Bühne so abgeht und wo ihre Freund*innen da hineingeraten sind. Erst sind sie irritiert, wie die Menge von Anfang an abgeht und jubelt, dann unterhalten sie sich viel oder gucken in ihre Handys. Doch je mehr die Party steigt, desto mitgerissener sind sie. Sie sind voller Bewunderung für Jimmys Stimme und wie dieser Mann singen kann, sie loben jede musikalische Großtat der verschiedenen Musiker*innen. Sie sind völlig außer sich, als zu einem irischen Volkslied diese merkwürdigen Deutschen plötzlich mit einer Polonäse durch den Raum tanzen (ich nicht, keine Sorge) und fasziniert, wie einfach alle mitsingen, mitmachen und die ganze Zeit tanzen und ausflippen. Bei den Songs, die Gesangssolos ihrer Freund*innen haben, flippen sie selbst völlig aus und jubeln. Und als dann auch noch ein Gospelpart kommt – mit „I‘ll Fly Away“ und dem Kelly-Song „Lord Can You Hear My Prayer“ gehen sie völlig mit und improvisieren zusätzliche Stimmen und Gospel-Verzierungen hinzu. Ich habe quasi ein Meta-Konzerterlebnis.
-Und ich tanze, singe und hüpfe wirklich die ganze Zeit mit. Die kurze Nacht, der Konferenztag, der Fußmarsch hierher und all die körperliche Unbill seit dem St. Patrick‘s Day sind plötzlich vergessen. Kein Vergleich zu dieser Zeit vergangenes Jahr, als ich nach der ersten Corona-Infektion noch völlig in den Seilen hing und beim Tocotronic-Konzert auf der re:publica keinen Song stehend geschweige denn tanzend durchhalten konnte!
-Wir haben gesungen, was haben wir gesungen, das hier ist emotional viel besser als die Closing Ceremony und ihr Bohemian Rhapsody (gucke ich mir natürlich trotzdem noch auf YouTube an in den nächsten Tagen)
Kurz nach 23 Uhr und nachdem die Band bei der zweiten Zugabe nochmal so richtig richtig aufgedreht hat, ist das Konzert vorbei. Ich bringe meinen Becher zurück (es gab ein alkoholfreies Hefeweizen, ich weiß, wie man feiert), löse meine Wasserflasche aus und fahre mit U- und Straßenbahn nach Hause. Um Mitternacht liege ich im Bett und habe 22.680 Schritte auf der Uhr – neuer Rekord, seit ich vor zwei Jahren das FitBit gekauft habe.
Wie fast immer, wenn ich mir den Wecker früher stelle, wache ich noch viel früher auf. Dieses Mal eine Mischung aus aktiven Katzen und Vorfreude/Aufregung. Es kratzt noch ein wenig im Hals, aber jetzt bin ich wild entschlossen, in die Arena zur re:publica zu fahren und Spoiler: Ich halte den Tag gut durch, huste nie und niese nur einmal. Richtige Entscheidung. Ich absolviere also meine Morgenroutine wie üblich, esse ein schnelles Frühstück mit Pistaziencremetoast und Banane, packe mir meine Utensilien für den Tag in den neuen Immergut-Beutel (und vergesse dabei, die über Nacht geladene Powerbank einzustecken, ich Dusseline.
Dann laufe ich gut gelaunt und mit einer Mate in der Hand los zur S-Bahn, die mich zum Treptower Park bringt. Von da sind es nochmal ein paar Minuten zu Fuß zur Arena und ich bin gut genug zu Fuß, um mich über die re:publica-Taxi-Fahrrad-Taxis zu amüsieren, die ich sonst auch hätte nehmen können. Beim Check-in ist früh morgens an Tag 2 wenig los und so bin ich kurz nach 9 bereits in der Halle und schaue mich um. Kurz schauen, wo alles ist, was für Stände etc. noch so da ist, wo sich der Affenfelsen (diesmal in Form eines Geldstapels) befindet und gehe dann raus ins Außengelände um noch ein wenig Ruhe am Wasser zu genießen und mich auch dort umzuschauen.
Mir läuft direkt eine Freundin über den Weg (eigentlich die Tochter von Freund*innen meiner Eltern, also quasi Familie) und wir setzen uns in Liegestühle am Wasser und quatschen – über Gesundheitliches und dann Berufliches und unsere diesbezüglichen Pläne auf dieser re:publica. Dann brechen wir auf und gehen zu verschiedenen Sessions. Meine erste dreht sich um die langfristige Etablierung von mehr Homeoffice und was das aus Sicht von Gesundheit, Arbeitsschutz, neuen gesetzlichen Regelungen und natürlich auch den Arbeitsalltag so mit sich bringt. Apropos, ich arbeite auch wieder nebenbei remote und bearbeite Anfragen, E-Mails und Projektplanungen nebenbei auf dem Diensthandy. Und der „Second Screen“ Mastodon, früher bei der re:publica ja Twitter, ist natürlich auch mit am Start und ich knüpfe dort den ersten neuen Kontakt dieser re:publica.
Thematisch bleibt es bei der nächsten Session an Deck der Hoppetosse ähnlich, aber der Blickwinkel verlagert sich – es geht kontrovers um digitales Nomadentum und die Auswirkungen der remote Arbeitenden auf ihre neuen Umgebungen, am Beispiel von Lissabon. Danach verbringe ich eine Stunde vor Stage 1 mit Maja Göpel und Mamphela Ramphele zur sozialen Technologie Geld und zu Finanzen im digitalen Zeitalter. Hinterher geht es wieder nach draußen in den Garten des Festsaal Kreuzberg, wo es darum geht, wie man heutzutage digitale Kompetenzen an Schüler*innen und Studierende vermitteln kann und direkt hinter zu einem Workshop darüber wie Geld und unsere Glaubenssätze dazu unseren Umgang damit prägen.
Danach treffe ich mich mit meinem Cousin, der aus Rostock zu Besuch und mit journalistischem Auftrag auf der re:publica unterwegs ist zum Mittagessen. Wir gehen zu einem Imbiss abseits des Geländes und essen ohne langes Anstehen und günstiger vegetarische Köstlichkeiten aus den nahen Osten. Für mich gibt es einen Teller mit Falafel, Halloumi, Makali, Salat und verschiedenen Saucen.
Wir erzählen, wie es uns seit dem letzten Treffen im Herbst ergangen ist, berichten von unseren Teilen der Familie, vergleichen re:publica- und Urlaubspläne und schmieden weitere für die nächsten Tage. Dann muss er wieder ab die Arbeit und ich treffe mich mit einer Freundin und ihrem Kind, die inzwischen angekommen sind. Gemeinsam erkunden wir das Gelände nach kindertauglichen Beschäftigungen und sie beantragt am Stand des Bürgeramtes einen neuen Perso und Reisepass, während ich mit ihrem Kind entdecke, dass die Gummibärchen, die das Innenministerium verteilt, vegan sind.
Ich lasse die beiden beim Samenbomben basteln zurück und gehe zur nächsten Session draußen an der Oberhafenkantine, Hier stehen die Stühle so eng beieinander, dass ich mich auch ohne Pandemiegedanken nicht sehr wohl fühle und eher unkonzentriert der Diskussion zum Einsatz von KI am Arbeitsplatz und den unterschiedlichen Interessenslagen von Unternehmen und Arbeitnehmer*innen folge. Schade. Nach der Session muss ich dann dringend auf den Affenfelsen, um mein Privathandy ein wenig zu laden – das Diensthandy ist auch schon ordentlich runter, das geht aber noch.
Dann geht es zur für mich letzten Live-Session des Tages, dem Vortrag zu Esoterik und Verschwörungstheorien von Katharina Nocun. Auch hier bin ich wieder reichlich abgelenkt von einem ständig ausgehenden Kopfhörer und nebenbei Arbeitsthemen auf dem Diensthandy. Irgendwann muss ich die Zeit finden, einige der aufgezeichneten Sessions nochmal oder überhaupt erstmal anzugucken. Nach dieser Session beschließe ich, nicht noch für den spaßigen Teil des Konferenztages zu bleiben, sondern mir die Session zu Elon Musks schlimmsten Fehlern bei der Twitter-Übernahme von Zuhause aus anzusehen.
Vorher drehe ich aber nochmal eine Runde zum Wasser, um zu gucken, wer da noch ist und laufe meinem Großcousin/Kleincousin/Neffen zweiten Grades buchstäblich direkt in die Arme. Es ist seine erste re:publica (der Jungspund!) sowohl als Besucher als auch als Teilnehmer (er ist mit dem Team einer anderen Konferenz hier, das einige Veranstaltungspunkte beisteuert) und er ist völlig begeistert, aber auch hektisch auf dem Weg zu einer Session. Wir quatschen ein paar Minuten und machen ein Beweisfoto und ziehen dann beide unserer Wege.
Ich nehme den gleichen Weg nach Hause wie am Morgen hin und kaufe unterwegs noch Batterien und Müllbeutel in der Drogerie ein. Dreiviertel 8 bin ich zu Hause, füttere die Katzen, koche mir Rhabarberkompott zum Abendbrot, telefoniere mit dem Liebsten (Das Teilzeitkind hat seinen ersten Tag krank allein zu Hause bei Mama mit Netflix und Hörspielen bravourös gemeistert. Sie werden so schnell groß!) und gehe dann mit Katzen, Kompott und Johannisbeerschorle ins Bett, um mir die Elon-Musk-Session anzusehen.
Vor lauter Freude, dass ich danach nicht erst noch nach Hause muss und Abendbrot machen muss, beschäftige ich mich noch ein halbes Stündchen mit Arbeit, gucke auch da noch eine Aufzeichnung an, und dann heißt es Laptop zu, TikTok mit Essensvideos auf und langsam runterkommen. Gegen 23 Uhr mache ich das Licht aus, aber das mit dem Einschlafen dauert natürlich noch eine ganze Weile. (Lesen wäre sicher besser gewesen, aber dazu war ich zu körperlich erschöpft und geistig aufgekratzt.)