Natürlich wache ich schon wieder 7:30 Uhr auf, statt einfach mal bisschen Schlaf aufzuholen, auch heute ist das aber schon wieder sinnvoll, denn wir haben viel vor. Als der Liebste gegen 8 aufwacht, stehe ich schnell auf und mache dem Geburtstagskind Kaffee und Orangensaft. Das Teilzeitkind wacht gegen halb 9 auf und vergnügt sich erst einmal einige Zeit in seinem Zimmer mit Turnübungen. Halb 10 heißt es dann aufstehen für alle. Der Liebste geht auf den Markt und besorgt Brot, Oliven, getrocknete Tomaten, Aufstriche und Quarkbällchen. Das Teilzeitkind gehen in den asiatischen Supermarkt und besorgen Galgant, Zitronengras, Koriander, Thai-Auberginen, Thai-Basilikum, Limetten, Chilis, Kokosmilch, Fischsauce, Kaffirlimettenblätter, Frühlingszwiebeln, Shrimps, koreanische Mandus und Kokospuddings – und auf dem Rückweg noch eine Blume für den Liebsten.
Zuhause decken wir den Tisch, stellen die Blume an des Liebsten Platz und das Teilzeitkind macht Rührei. Dann kommt der Liebste auch und wir frühstücken gemütlich zusammen. Hinterher dann wieder volle Aktivität – der Liebste beschäftigt sich mit Aufräumen und Putzen und das Teilzeitkind und ich ziehen nochmal los. Erst Altglas wegbringen, dann nochmal in den asiatischen Supermarkt, Erdbeer-Bobas und dicke Strohhalme (aus Papier) holen, dann weiter in den normalen Supermarkt. Das Teilzeitkind hat 20 Euro bekommen, von denen es Snacks kaufen soll, ich habe einen Einkaufszettel für alles, was sonst noch fehlt. Mit Snacks im Wert von 19,58 €, Sekt, Cola, Kaffee, Milch, Saft, Champignons, Rucola, Fusilli und einigem mehr beladen machen wir uns wieder auf den Heimweg.
Dort wird dann erstmal kurz ein bisschen ausgeruht und dann geht es los mit dem Kochen. Über den Tag entstehen ein Nudelsalat und eine Tom Kha Gung und nebenbei wird immer weiter aufgeräumt und geputzt. Dann ist irgendwann alles soweit fertig, der Liebste geht noch eine Runde zocken, ich liege auf dem Sofa und gucke TikTok und das Teilzeitkind geht draußen spielen. Kurz nach 18 Uhr kommen die ersten Gäste – des Liebsten Schwester, seine Cousine und deren Freund. Der Liebste bekommt Gratulationen und Geburtstagsgeschenke und mein Geburtstagsgeschenkbücherstapel wächst auch nochmal um zwei.
Wir essen und erzählen, dann kommt das Teilzeitkind nach Hause und kurz danach immer weitere Gäste. Immer wieder faszinierend ist ja das Thema Küche auf Parties. Der Liebste hat eine riesige Wohnküche mit großem Esstisch und Sofagarnitur. Trotzdem huddlen am Ende alle genau dort, wo die Küchenzeile ist – stehend, lehnend oder auf der Theke hockend. Das Teilzeitkind verschwindet gegen halb 11 ins Bett, kurz danach verabschieden sich die ersten Gäste… Der harte Kern bleibt aber noch und irgendwann wird sogar noch zu Johnny Cash getanzt. Um 3 fällt die Tür hinter den letzten Gästen zu, um 03:07 Uhr liegen der Liebste und ich im Bett.
Wieder aufgewacht, bevor der Wecker klingelt, aber immerhin einigermaßen gut geschlafen nach dem verspäteten Start wegen des Gewitters. So habe ich genügend Zeit um alles morgendliche zu erledigen, bis ich pünktlich um 9 am Schreibtisch sitze. Könnte man ja auch mal wieder, denke ich ich mir. Der Tag beginnt mit einem Meeting, bei dem mein Gegenüber im Auto sitzt und der Regen laut aufs Dach pladdert, so dass ich erst denke, er tippt die ganze Zeit nebenbei. Danach administrative Aufgaben und Sichtung der heutigen To Dos bis zum nächsten Meeting, diesmal mit Dublin. Direkt hinterher Meeting mit Südengland und direkt danach Meeting mit Amsterdam. Das danach eigentlich direkt anschließende Meeting wird kurzfristig abgesagt, immerhin.
In der Mittagspause nehme ich mein neues Kleid entgegen und stecke es direkt in die Waschmaschine mit den restlichen Sommersachen der letzten Tage. Dann siebe ich die beiden Katzenklos durch – wie erwartet wird nur das frische neue frequentiert, das zweite alte auf dem Balkon steht nutzlos herum. Ich nehme noch die trockene Wäsche ab und verräume sie und dann mache ich mir zwei schnelle Stullen (Toastbrot, Hummus, Ziegengouda, Gurke) und den Rest Radieschen zum Essen am Schreibtisch. Mein Handy sagt mir, dass das Gehalt eingetroffen ist. Ich checke kurz den Kontostand, bin positiv überrascht und bestelle schnell noch die Haushaltsdinge, die auf meiner Wunschliste standen und die ich nicht zum Geburtstag bekommen habe.
Ich verbringe den Nachmittag mit kreativen Dingen – Schreiben, Übersetzen, Folien basteln und nutze dabei auch mal wieder die Fähigkeiten von ChatGPT zur Zuarbeit. Immer wieder beeindruckend, was das kann, wenn man weiß, wie man fragt. Um 16 Uhr gibt es das letzte Meeting des Tages und danach noch ein paar Diskussionen dazu im Team-Chat. Ich schreibe meinen Wochenbericht fertig und mache um 17 Uhr Feierabend. Dann heißt es Wäsche aufhängen, Müll zurecht stellen, Sachen packen (Habe ich alle Geschenke für den Liebsten? Wie verpacke ich das noch feuchte Kleid?). Kurze Katzenübergabe mit dem Mitbewohner und dann bin ich unterwegs, den Müll runterbringen, beim Lieblingsnachbarn nach den Pflanzen sehen und seinen Arbeitslaptop und einen frischen Zahnbürstenkopf einpacken – er muss noch mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben.
Ich spaziere mit Podcast auf den Ohren durch letzte Regenreste ins Krankenhaus und komme dort gegen halb 7 an. Außerhalb der Besuchszeit, aber ich habe inzwischen gelernt, dass das für kurz Dinge abgegeben OK ist. Ich bleibe auch wirklich nur zwei Minuten und laufe dann weiter zur Tram, die mich zur S-Bahn bringt, die mich zum Liebsten bringt. Unterwegs suche ich mir Abendbrot aus – Burger mit Feta und Aubergine, Pommes, Churros mit Schokolade), das der Liebste schonmal bestellt. Heute komme ich aber ganz ohne Bahnchaos pünktlich und vor dem Essen an. Dafür bekomme ich nachträgliche Gratulationen und ein schönes Bild vom Teilzeitkind.
Der Liebste und ich setzen uns an eine To-Do-Liste für den Abend und morgen und dann kommt das Essen. Wir futtern und lassen uns vom Teilzeitkind von der Klassenfahrt erzählen. Dann rödeln die Erwachsenen noch eine Weile herum, während das Kind erst liest und dann beim Hörspiel einschläft. Ich schlafe auch auf der Couch ein, zweimal, für länger, weil die Woche so anstrengend war. Rechtzeitig vor Mitternacht bin ich wieder wach und kann dem Liebsten pünktlich zum Geburtstag gratulieren und Geschenke überreichen, bevor es ins Bett geht.
Puh, das war schon wieder eine viel zu kurze Nacht. Der Liebste und ich hatten uns zum Anfang, der ja schon nach Mitternacht lag, noch ganz schön viel zu erzählen und dann bin ich schon wieder gegen 6:20 Uhr wach geworden. Da es in den Stunden dazwischen für mich zwei Toilettengänge (gegen 2 und gegen 5) gab und der Liebste zwischen 3 und 4 wach lag, sind wir beide total gerädert, als sein Wecker um 7 geht und ich ihm schon den Kaffee reiche. Extra die große Moka benutzt heute. Und nein, das hat alles bestimmt nichts mit den gestrigen Mengen Alkohol zu tun und liegt auch nicht an unserem jetzt fortgeschrittenen Alter, da ist ganz allein die Hitze Schuld. Und die Katzen. 😉 Es wird ein langer, müder und kopfschmerziger Tag für uns beide.
Der Liebste bricht gegen dreiviertel 8 auf, zurück nach Südberlin. Ich baue meinen Gabentisch auf und mache ein Foto davon, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, blogge, dusche und schicke ein Save The Date für mein Nachgeburtstagspicknick herum… Zum Frühstück gibt es anderthalb Muffins, einen hat der Liebste mit heimgenommen und den letzten bekommt der Mitbewohner. Mit dem Rest Kaffee geht es dann raus ins Balkon-Office für den ersten Call des Tages, den ich auch noch leiten muss. Die anderen Teilnehmenden sitzen in Dublin, Amsterdam, Madrid, Warschau, Brüssel und Salerno, soweit ich das überblicken kann auch alle zuhaue und nicht im Büro.
Hinterher arbeite ich schnell ein paar Dinge ab, die über Nacht aufgelaufen sind. Dann packe ich den Laptop ein und stapfe los zur S-Bahn, mit der ich eine gute halbe Stunde hinaus nach Brandenburg fahre. Ich bin in einem Restaurant an einem See zu einem beruflichen Termin verabredet.
Unterwegs schaue ich mir die Speisekarte an und träume schon von Zander, Schmorgurken und Kartoffelstampf, aber irgendwie kommt es dazu dann gar nicht und ich mache mich nach dem Termin direkt wieder auf den Heimweg. Digga, auf dem Rückweg sind Brandenburger Jugendliche in der Bahn, Digga, die nach Berlin fahren, Digga, um sich Klamotten für die Abschlussfeier zu laufen, Digga!
Ich träume derweil von Manti zum Mittagessen, laufe aber doch direkt nach Hause und mache mir Stullen mit Hummus und Käse, dazu Radieschen, Gurke und Ayran. Ein bisschen Frugalität ist angezeigt. Den Nachmittag verbringe ich mit Textarbeit und Recherchen, was in meinem Zustand gar nicht so leicht ist. Zwei Telefonate mit Kolleg*innen machen zumindest den Geist wieder etwas wacher, aber gegen 17 Uhr streikt dann der Körper und ich klappe den Laptop zu. Telefonat mit dem Liebsten, der Ähnliches berichtet. Dann muss ich nochmal raus – beim Lieblingsnachbarn die Pflanzen gießen und vor Sturm und Gewitter die Balkontüren schließen.
Wieder zurück sitze ich mit Maracujaschorle und TikTok auf dem Balkon. Irgendwann fängt der Mitbewohner an zu kochen – es gibt Heute pakistanische Burger mit Linsen-Kebap, Salat, Zwiebeln, Gurke, Tomate und Ei, die man in eine Mischung aus Koriander-Minz-Chutney, Joghurt und Heinz Ketchup stippt. Wir essen gemeinsam auf den Balkon, dann bricht der Mitbewohner auf zu Freunden.
Ich räume die Küche auf, packe das gestern angekommene Katzenfutter-Paket aus und verstaue die Tütchen im Balkonschrank und dann ruft schon eine gute Freundin aus Schulzeiten an, mit der ich auf dem Bett liegend fast zwei Stunden telefoniere.
Nachdem wir uns verabschiedet haben, mache ich mich bettfertig, schließe die Fenster beim Mitbewohner und die Balkontüren und lege mich mit den Katzen ins Bett, als das Gewitter losgeht. Für einen Moment geht es noch einmal hinaus auf den Balkon, vom Liegestuhl aus beobachten, aber dann fällt mir wieder ein, wie ein Sturm mal das Glas in der Balkontür zerstört hat und ich gehe doch zurück ins Bett und lasse das Rollo erstmal noch oben.
Mit den Katzen Kuscheln und Kieken, wie die Blitze über uns hinwegfegen und dem Regen und Donnergrollen lauschen. Kurz nach halb 11 ist die erste Runde vorbei und ich lasse das Rollo herunter und mache einen Podcast an. Die zweite Runde verpasse ich dann schlafend, als ich nachts auf Toilette gehe ist alles vorbei und ich mache die Balkontüren wieder auf. Podcast wieder an und schnell weiterschlafen…
Nun also 40, auch OK. Ich erwache für diese Woche typisch gegen 6:20 Uhr im Bett des Liebsten und lese still und leise im Internet herum, bis um 7 Uhr sein Wecker klingelt und er uns Kaffee und Orangensaft ans Bett bringt. Bis halb 8 bleiben wir noch gemütlich im Bett liegen, dann heißt es aufstehen. Ich gehe ins Bad und er macht Frühstück – in der Wochenendedition mit gebratenen Eiern, diversen Aufstrichen und extra Obst für mich – das gibt es in seinem Haushalt nur wenn das Teilzeitkind oder ich da sind und das Kind ist ja gerade auf Klassenfahrt.
Nach dem Frühstück mache ich mich mit S- und U-Bahn auf dem Weg ins Büro. Die Fahrtzeit nutze ich zum Bloggen und Musik hören (Schön der Moment, als „Für immer Punk“ von den Goldenen Zitronen läuft und ich, gerade 40 geworden, in der S-Bahn auf der Ablagefläche sitze auf der ein Aufkleber klebt, dass man darauf nichts ablegen darf. Am Potsdamer Platz steige ich um und habe kurz echtes Metropolenfeeling, dann geht es mit der U-Bahn weiter ins Nikolaiviertel mit Kleinstadtflair. Um 9 laufe ich pünktlich zum Glockengebimmel an der Parochialkirche vorbei und dann geht es an den graffitiverzierten S-Bahn-Bögen vorbei ins Büro. Dort stelle ich als erstes die 36 Erdbeer-Holunderblüten-Muffins auf den Tisch, poste das Foto im Büro-Chat und nehme mir zwei plus einen Cappuccino fürs zweite Frühstück mit an den Schreibtisch. Heute ist ja Mittwoch und damit Büro-Tag für die Mehrzahl der Berliner Kolleg*innen, deshalb gibt es viele Live-Gratulationen und Umarmungen und sogar ein Schokoladengeschenk von einer lieben Kollegin für mich.
Wie immer an Bürotagen komme ich weniger zum „echten Arbeiten“ als sonst – viele Gespräche mit Leuten vor Ort und heute eben auch noch diverse Nachrichten und sogar einige Anrufe (ein Kollege, der Geschäftsführer und die Freundin meines Bruders) zum Geburtstag. Aber ein bisschen was schaffe ich doch. Ich schreibe das transkribierte Interview in Schön auf, arbeite mit einem Legal-Kollegen in London an einer Freigabevereinbarung, übersetze diese dann ins Deutsche und lasse den Geschäftsführer digital unterschreiben, redigiere einen Text der Kollegin in Georgia, kümmere mich um organisatorische Dinge und führe ein kleines Krisengespräch. Zwischendurch hole ich mit zwei Kolleg*innen noch auf Firmenkosten Wassermelone und Cantaloupe-Melone für alle und bringe mir ein Onigiri mit veganem Thunfisch zum Mittagessen mit.
Die Mittagspause verbringen wir in größerer Runde in der Büroküche und reden über alles mögliche – von verschollenen U-Booten und der Flüchtlingspolitik der EU über Bestattungsformen bis hin zu der Frage, wie Konzertbesuche bei Feine Sahne Fischfilet bzw. Rammstein im Vergleich ethisch zu bewerten sind. Am späten Nachmittag habe ich dann noch ein Meeting mit meinem Team (Paris, Chicago, Georgia und Südengland, also alle bis auf die Chefin, die wegen Covid gerade etwas außen vor bleibt und nur das Nötigste macht) und die anderen überraschen mich mit Happy-Birthday-Hintergründen und -Gesängen. Das ist schon eine sehr großartige Bande, mit der ich da zusammenarbeite! Nach dem Call packe ich meine Sachen zusammen (es sind nur noch 3,5 Muffins übrig) und laufe dann eine Dreiviertelstunde durch schönstes Sommerwetter durch Mitte und Friedrichshain. Dabei komme ich an mehreren Live-Musiken der Fête de la Musique vorbei und telefoniere auch einmal für ein paar Minuten mit dem Lieblingsnachbar, der immer noch im Krankenhaus liegt und wohl auch mindestens bis zum Wochenende dort bleiben muss.
10 Minuten vor der Reservierung komme ich am Restaurant für den Abend an. Das sollte eigentlich schon seit zwei Stunden geöffnet haben und die Tür ist zwar offen, aber die Tische drinnen sind noch nicht eingedeckt und die draußen noch nicht einmal aufgebaut. Zwei aufgewühlt guckende junge Frauen bitten mich, doch in 10-15 Minuten wieder zu kommen, es dauere noch etwas. Ich stelle mich also auf die gegenüberliegende Straßenseite, neben eine Bar vor der gerade ein Musiker „America“ von Simon & Garfunkel spielt und dann in ähnlicher Manier den ganzen Abend über weitermachen wird. Nach zehn Minuten kommt eine der beiden jungen Frauen und bittet mich, doch hereinzukommen. Sie entschuldigt sich vielmals und fragt, ob ich Italienisch spreche. Ich kann zum Glück bejahen und dann erklärt sie mir, dass noch die Person fehlt, die den Schlüssel für die Kette hat, mit der die Draußenmöbel festgekettet sind. Die kommt aber hoffentlich bald und ob ich so lange etwas trinken möchte?
Bei dem Wetter nehme ich erstmal ein Wasser und dann kommen kurz hintereinander mein Bruder, meine beste Freundin und der Liebste an. Wir bekommen alle Getränke aufs Haus und setzen uns erst einmal mit Stühlen vors Lokal und ich fange an, Geschenke auszupacken. Da kommt dann auch endlich die Frau mit dem Schlüssel, entschuldigt sich ebenfalls und baut uns dann einen Tisch auf – gerade rechtzeitig, bevor meine Eltern eintrudeln. Sie erzählt uns (auf Englisch), dass sie heute aus dem Italienurlaub zurückgekommen ist und drei Stunden am Mailänder Flughafen festsaß wegen des NATO-Manövers im deutschen Luftraum. Zur Wiedergutmachung gibt es Prosecco für alle und einen Gruß aus der Küche (Brot mit Olivenöl, Tomaten und zwei verschiedenen hausgemachten Pasten), den ich leider vergesse zu fotografieren, weil ich nebenbei die Geschenke von meinen Eltern auspacke. Dann beschäftigen wir uns eingehend mit der Karte und bestellen schon einmal die Antipasti:
„Cheesecake“ mit einer Basis aus Taralli und Limetten, darauf Ricotta und Garnelentartar, mit Microgreens und MangosauceDrei Sorten Bruschetta: Mit Tomaten, Pilzen und Trüffeln, OliventapenadeGemischter Salat mit mariniertem Lachs, Stracciatella und ZitronendressingGemischter Aufschnitt und Käse mit Feigenhonig und eingelegten Auberginen und Artischocken
Während wir die Vorspeisen genießen, beschäftigen wir uns mit der restlichen Speisekarte und ich suche einen Wein aus.
Sizilianischer Natural Wine von der Cataratto-TraubeFür mich: Cacio e Pepe mit mit Clitoria gefärbten Spaghetti, für meinen Papa Spaghetti mit Trüffeln, für meine beste Freundin Spaghetti alle chitarra mit Garnele und roter BeteFür meinen Bruder und den Liebsten gibt es Spaghetti aglio, olio e peperoncino mit schwarzem KnoblauchMeine Mama bestellt das Risotto mit Rotkohl, Gorgonzola und Lauch und hat das einzige nicht perfekte Gericht des Abends – nach dem Nachsalzen war aber auch das sehr lecker
Nach der Pasta gibt es wieder eine Runde Getränke aufs Haus – Limoncello für die Kernfamilie, Espresso für die beste Freundin und Montenegro für den Liebsten (der Grappa ist aus). Dann bestellen wir zwei Basilikum-Panna-Cotta mit einer Sauce aus Orangensaft und -zesten und weil das Tiramisu, das der Liebste möchte, auch aus ist, gibt es eine dritte Panna Cotta aufs Haus dazu. Sooooo unglaublich gut!
Dann ist das Essen beendet und meine Eltern machen sich auf den Heimweg. Wir anderen bestellen noch eine Runde Getränke – Birra Moretti für den Liebsten und mich, Aperol Spritz für meinen Bruder und meine beste Freundin. Neben dem Erzählen nehme ich auch noch zwei Geburtstagsanrufe an – vom Mann der besten Freundin und von einer anderen lieben Freundin. Gegen halb 11 gehe ich bezahlen und stelle fest, dass man uns die Aufschnitt-Käse-Variation ebenfalls geschenkt hat. Die Rechnung ist dann am Ende für sechs Personen, das großartige Essen und den teuren Wein echt human, danke NATO würde ich sagen. Wir kommen aber auch so gerne wieder, das Restaurant lohnt sich wirklich!
Wir verabschieden uns und der Liebste und ich nehmen angesichts der ganzen zu schleppenden Geschenke (er hat ja auch noch die mitgebracht, die ich schon um Mitternacht auspacken durfte) ein Taxi zu mir nach Hause. Dort werden wir vom Mitbewohner und den Katzen willkommen geheißen. Wir nehmen uns noch ein Kaltgetränk (der Rest Weißwein von Sonntag für den Liebsten, Blaubeer-Salbei-Limo für mich) und setzen uns auf den dunklen Balkon. Die Katzen bekuscheln mich ausgiebig, während ich das Päckchen von den Liebsteneltern aufmache, das neben einem Buch noch diese Grußkarte enthält:
Außerdem lese und ich beantworte ich noch diverse Glückwünsche, die im Laufe des Abends eingetrudelt sind und schaue mir das zweiminütige Video an, das oben genannte liebe Freundin für mich zusammengestellt hat: Fotos von uns aus über 20 Jahren Freundschaft – Uni-Parties in Rostock, Chorfahrten, Konzertbesuche, den paar Wochen, in denen wir hier in Berlin zusammengewohnt haben, Team-Events aus den fast 12 Jahren, die wir Kolleginnen waren – wir kennen uns unser halbes Leben! Ich werde ganz gerührt von den vielen Bildern und Erinnerungen. Um 0:00 feiern der Liebste und ich offiziell aus meinem Geburtstag heraus und dann machen wir uns bettfertig.
Geschenkeausbeute vom Tag – und dabei wurde noch gar nicht groß gefeiert! I feel blessed!
Der Wecker klingelt um 7, da bin ich gerade schon im Bad. Heute muss ich einen Lebensmittelunverträglichkeitstest durchführen und der ist kleinschrittig und zeitkritisch, weswegen ich ihn extra auf heute Morgen gelegt habe, weil ich dienstags Teststruktur und Meetingplan einigermaßen so miteinander koordinieren kann, dass sich nichts überschneidet und ich am Vortag immerhin noch bis 17 Uhr essen kann. Es beginnt mit einem Glas warmem Wasser und einer Mundspülung. Dann muss ich die Testlösung herstellen und zu einem dokumentierten Zeitpunkt trinken. Jeweils 30, 60, 120 und 180 Minuten später muss auf eine bestimmte Art in ein vorher beschriftetes Teströhrchen geatmet werden. Zwischen diesen Zeitpunkten blogge ich, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, habe ein erstes Meeting und arbeite. Frühstücken und mehr trinken darf ich erst nach der letzten Probe um 10:45 Uhr. Ich schlinge so viel Erdbeermüsli wie möglich runter, bis um 11 das nächste Meeting beginnt – 18 Stunden fasten ist nichts für mich!
Dann anderthalb Stunden Meeting – heute wieder alles im Balkon-Office. Die Mittagspause nutze ich für Duolingo und Babbel, zum Abknibbeln welker Pflanzenteile, zum Durchsieben des Katzenklos, zur Entgegennahme und zum Bereitstellen eines neuen Katzenklos (das alte wandert erstmal als Zweitklo auf den Balkon) und zum Aufräumen. Meine beiden Nachmittagsmeetings werden abgesagt, so dass ich mich bis 17 Uhr aufs Abarbeiten konzentrieren kann – Interview zu Ende transkribieren, eine Präsentationsübersetzung Korrektur lesen, eine Kollegin in Dublin in ein Thema einführen, Projektkoordination mit Paris und London… Zwischendurch esse ich noch den Rest Algensalat von Sonntag und zwei Stullen mit Hummus und Käse, Radieschen und Apfel.
Von 17 bis 18:30 Uhr nehme ich an einem Webinar meines Berufsverbands Teil und mache mir fleißig Notizen, um die Erkenntnisse morgen mit meinem Team teilen zu können. Dann ist Feierabend. Ich füttere die Katzen, packe meinen Rucksack für Übernachtung und Büro, schnappe mir den Holunderblütenzucker und die restlichen Erdbeeren sowie eine Mülltüte und den Umschlag mit meinen Teströhrchen und mache ich auf den Weg in die zweite Schicht.
Müll wegbringen, Balkon des Lieblingsnachbarn gießen, Teströhrchen versenden, Butter-Milch-Eier-Mehl-Muffinförmchen kaufen und dann mit der S-Bahn nach Südberlin. Also eigentlich mit drei Bahnen, weil es auf beiden relevanten Streckenbereichen Probleme gibt. Noch von unterwegs bestelle ich gemischte griechische Vorspeisen zum Liebsten, die dann schneller da sind als ich, so dass er die Schulung unterbrechen muss, an der er gerade teilnimmt, um das Essen entgegen zu nehmen.
Kurz nach halb 9 komme ich endlich an. Der Liebste begrüßt mich kurz, stellt sich seinen Abendbrotteller zusammen und verschwindet nochmal für anderthalb Stunden in die Schulung. Ich esse gemütlich und mache mich dann daran, 36 Erdbeer-Holunderblüten-Muffins fürs Büro morgen zu backen.
Damit bin ich etwa 2 Stunden beschäftigt, weil ich in drei Lagen backen muss – aber der Liebste hat ja eh noch keine Zeit. Danach Chillen und TikTok auf der Couch. Um Mitternacht köpfen wir eine Flasche Sekt und ich darf vier Geschenke auspacken. Gegen 1 liegen wir im Bett.
Der Morgen beginnt früh, nach erstaunlich gut durchschlafener Nacht (aber insgesamt nur ca. 6 Stunden Schlaf) wache ich kurz vor dem Weckerklingeln auf, weil der Liebste sich regt. Noosa hat sich unter dem Bett verkrochen, Nimbin wird später verschlafen aus dem Schrank steigen. Der Liebste regt sich jedenfalls und schläft dann aber tief und fest weiter, während ich schnell in die Küche schlüpfe und Kaffee koche. Zum Weckerklingeln um 6:30 Uhr steht der Kaffee dann schon auf dem Nachttisch und es wird ein entspannter kurzer gemeinsamer Morgen mit Kuscheln, Internet leerlesen und sich gegenseitig lustige Bildchen zeigen. Kurz nach 7 steht der Liebste auf und fährt zurück nach Südberlin – das Teilzeitkind fährt nämlich auf Klassenfahrt und verbringt anderthalb Stunden vorher bei ihm, weil seine Mama schon arbeiten muss und dann muss natürlich auch dem Bus nachgewunken werden.
Ich stehe dann auch bald auf, ich habe eine medizinische Probe zu produzieren und in die Facharztpraxis zu bringen. Auf dem Hinweg esse ich als schnelles Frühstück eine Banane und höre außerdem weiter den „Alles gesagt“-Podcast mit Renate Künast. Den höre ich auf dem Rückweg auch und außerdem kaufe ich Erdbeernachschub am Erdbeerhäuschen. Wieder zuhause mache ich mir Erdbeermüsli und sitze dann ab 9:30 Uhr im Balkon-Office.
Ich lese mich durch E-Mails und Chat-Nachrichten, bringe das Projektmanagement-Tool auf den neuesten Stand und erfahre, dass meine Managerin zum vierten Mal Covid hat – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Sie lebt ja in England und hat damals soweit ich weiß nur zwei Dosen AstraZeneca bekommen und in England ist die Pandemie ja auch schon viel länger vorbei als im Rest der Welt. Zum Glück steckt sie die Infektionen immer erstaunlich gut weg – Pferdemädchen mit Pferdenatur, steht auch mit Fieber morgens früh im Stall und mistet aus. Aber zumindest fällt damit heute unser Team-Meeting aus, auch weil die beiden amerikanischen Kolleg*innen Juneteenth feiern.
Es bleiben damit nur zwei Meetings übrig, ansonsten kann ich recht entspannt an verschiedenen Dingen arbeiten – eine Rundmail verfassen und abstimmen, ein Präsentationsdeck vorbereiten und die Präsentator*innen einloopen, aus einem letzte Woche geschriebenen Langtext einen Dialog „fingieren“, ein letzte Woche geführtes Interview anfangen zu transkribieren… Zwischendurch meldet sich eine liebe Freundin aus Rostock, die im Namen der Musik in der großen Stadt ist, und wir verabreden uns für den Abend als einzig möglichen Zeitslot für ein Treffen.
In der Mittagspause befreie ich den letzte Woche angesetzten Holunderblütenzucker von den Dolden, zermörsere größere Klumpen und fülle alles in ein leeres Nutellaglas. Dann esse ich den Rest des Mangosalats von gestern in dem Liegestuhl, in dem ich nicht zur Arbeit sitze – abschalten kann ich. Am Nachmittag mache ich nochmal eine kurze Pause und bereite mir eine Henkersmahlzeit zu, bevor ich dann insgesamt rund 18 Stunden nichts mehr essen darf, weil morgen früh ein weiterer medizinischer Test ansteht. Es gibt Stulle mit Butterschmalz, Ei, Kaviar und Balkonschnittlauch.
Ich arbeite noch bis 18 Uhr und klappe dann den Laptop zu und baue das Balkon-Office für heute ab. Die Katzen bekommen Abendbrot, ich bediene endlich meine Sprachlern-Apps, telefoniere nochmal in Ruhe mit dem Liebsten, gehe beim Lieblingsnachbarn Blumen gießen und dann mache ich mich wieder zu Fuß und Podcast hörend auf den Weg in eine Kneipe im (erweiterten) Kiez, irgendwo auf dem Hinweg sagt das FitBit Bescheid, dass ich mein Schrittziel erreicht habe.
Vor der Kneipe sitzen die Freundin aus Rostock und ihr Freund und nach und nach gesellen sich auch andere hinzu. Ich trinke Wasser und wir erzählen (Gesundheit, Musik, Konzerte) und schicken Geburtstagsgrüße an eine gemeinsame Freundin. Dann gehen wir rein zum Konzert von The Great Crusades aus Chicago, das viel Spaß macht.
Ich habe allerdings auch die kurze Nacht, die Wärme, das viele Laufen und das fehlende Abendbrot in den Knochen und werde schnell müde. Konzertschluss ist wegen Auflagen 22:00, ich mache mich aber schon 20 Minuten früher auf den Heimweg und laufe durch die Dämmerung nach Hause. Kurz vor dem Bett ist der Podcast vorbei und als ich drin liege sind schon wieder über 16.000 Schritte auf der Uhr. Kurz nach halb 11 mache ich das Licht aus und schlafe in Sekundenschnelle ein.
Es ist Sonntagmorgen, gegen 8 Uhr wache ich auf – angemessen später als in der Woche, aber ich könnte schon auch länger, wenn nicht gewisse vierbeinige flauschige Biester immer so früh Sehnsucht nach mir hätten und mir ihren Plüschkopf in die Augenhöhle rammen würden, liebe Noosa! Allerdings ist das halt auch echt niedlich und kuschelig und gemütlich, sobald sie endlich neben mir umplumpst und schnurrt. Nimbin bleibt derweil noch irgendwo verschollen – im Schrank oder auf dem Balkon – und gesellt sich erst später zu uns. Ich lese gemütlich das Internet leer, blogge, kümmere mich um die Sprachlern-Apps und stehe dann kurz vor 10 auf.
Der ursprüngliche Plan sah vor, dass der Liebste und ich uns 11:30 Uhr treffen und dann Brunchen gehen. Deshalb habe ich früh am Morgen noch ein bisschen was zu tun, um die Wohnung allergieangemessen von möglichst vielen Katzenhaaren zu befreien. Meine Wohnung ist schon unter normalen Umständen eine Herausforderung für den Liebsten, umso mehr aber zu Pollenflughochzeiten, wenn sein Immunsystem eh schon auf Hochtouren läuft. Ich beseitige als erstes die Spuren meines gestrigen spontanen Bett-Tages rund um ebendieses. Dann siebe ich das Katzenklo durch und beziehe mein Bett neu. Jetzt lohnt sich das Staubsaugen so richtig. Zwischendurch ruft der Liebste an und sagt, dass es aus Gründen später wird. Das ist mir ganz recht, denn so muss ich mich nicht hetzen. Ich höre Podcast (erst die aktuelle Folge „Hagrids Hütte“ zu Ende und dann „Alles gesagt“ mit Renate Künast). Und wusele durch die Wohnung. Die Pflanzen müssen noch gegossen und die Wassernäpfe aufgefüllt werden.
Dann dusche ich und setze mich mit nassen Haaren draußen auf den Balkon zum Trocknen. Als der Liebste von unterwegs Zeichen gibt, kämme ich mich, trage Sonnencreme auf und packe meine Handtasche. Dann laufe ich hinüber zum Lieblingsnachbar, gieße seinen Balkon, nasche eine reife Erdbeere und nehme herumliegende Lebensmittelreste mit nach unten. Ich laufe zur S-Bahn und bin dann ein paar Minuten vor dem Liebsten da. Diese verbringe ich drinnen im Kühlen auf der Treppe sitzend und Podcast hörend.
Dann ist der Liebste da und wir spazieren gemeinsam zu unserem Frühstückslokal. Als wir dort ankommen ist es fast 13 Uhr, wir haben also in der Theorie nur noch drei Stunden Zeit zu frühstücken, brauchen am Ende aber weniger. Er bestellt ein herzhaftes Frühstück, ich ein gemischtes vegetarisches. Beide dürfen wir uns dafür mehrere Aufstriche aussuchen – bei mir sind das Avocado-Chili, Limetten-Frischkäse-Meerrettich und Camembert-Preiselbeere. Dann teilen wir uns noch die Pancakes mit Ahornsirup und Bacon und bestellen jeweils einen großen frisch gepressten Orangensaft und einen Latte Macchiato.
Wir schlemmen ausführlich und lange und haben uns dabei viel zu erzählen – und den Damen am Tisch nebenan zu lauschen, die von ihren Erfahrungen mit Männern berichten – eine ist vergeben, die andere auf Dating-Apps unterwegs. Irgendwann haben wir weitestgehend alles aufgegessen und spazieren dann gemütlich und etwas zu vollgefuttert durch den Kiez zu mir nach Hause. Der Eisladen, an dem wir noch anhalten wollten, ist leider heute wegen Krankheit geschlossen, aber vielleicht ist das angesichts des Magenfüllstands gar nicht so schlimm.
Zuhause angekommen, mische ich Almdudler-Schorle aus Sirup und viel Mineralwasser zurecht und serviere außerdem Prosecco mit gefrorenen Himbeeren (Erdbeeren gerade nicht vorrätig). Wir lassen uns in die Liegestühle auf dem Balkon fallen und verbringen dort die nächsten Stunden ganz entspannt. Irgendwann kommt doch noch ein kleines Hüngerchen und wir bestellen uns ein paar asiatische Kleinigkeiten – Tom Kha Gung, vietnamesische Frühlingsrollen, Mangosalat und Algensalat.
Dann dopet sich der Liebste mit der nächsten Anti-Allergikum-Ladung und wir legen uns aufs Bett.
Von den Katzeln bekuschelt schauen wir Comedy-Specials: Matteo Lane, Hannah Gadsby und Jen Kirkman. Und dann ist es auch schon Mitternacht und dringend Schlafenszeit. Der Liebste macht ein Hörbuch an und traut sich nach gutem Zureden meinerseits, sich auf die Seite zu drehen, obwohl Noosa auf seinen Beinen schläft. Die verjagt dann halt Nimbin, der an meinen Bauch gekuschelt gelegen hatte und sich jetzt in den Schrank verzieht, und übernimmt wieder die Pole Position und dann können wir alle vier entspannt einschlafen.
Ich habe im Kalender und im Blog nachgesehen, heute ist der erste Tag seit dem 5. Mai, an dem ich keine Termine habe und nicht krank bin. Das letzte Mal davor dürfte irgendwann vor der zweiten Covid-Infektion im März gewesen sein. Was ich alles anstellen könnte, mit so viel Zeit! Spoiler: Vor allem Ausruhen.
Ich beginne mit gemütlicher Morgenroutine im Bett. Internet leer lesen, Sprachen lernen, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren… Am Ende ist es schon fast Mittag, als ich aufstehe, die Katzen füttere und mir Frühstück mache. Mit dem Tablett (Ei mit Kaviar, Stullen mit Lachs und zwei Sorten Käse, Joghurt mit Apfel, Tee mit Milch) setze ich mich raus auf den Balkon. Der Himmel ist grau und es gibt immer wieder Schauer, die die Luft abkühlen. Ich hole mir eine Strickjacke und eine Decke auf den Balkon, liege im Liegestuhl und lese, während es ein paar Zentimeter weiter in Strömen gießt.
Vom Lesen und Verdauen werde ich so müde, dass ich mich wieder ins Bett lege, falls mich ein Mittagsschläfchen übermannt. Das passiert nicht, aber ich bleibe dann trotzdem einfach liegen. Irgendwann wechsle ich vom Lesen zu TikTok, bestelle mir ein Kleid, das ich dort unter die Nase gerieben bekomme (sozusagen als Geburtstagsgeschenk für mich, auch wenn es wohl nicht pünktlich ankommen wird) und beschließe dann, mich mit meiner Netflix-Liste zu beschäftigen.
Ich schaue das aktuelle Special von Hannah Gadsby und dann die komplette letzte Staffel „Never have I ever“ (10 Folgen à 25 Minuten, das ist gar nicht so viel!). Zwischendurch esse ich die Aprikosen, die ich mir quasi über Nacht gebastelt habe. Hier hatte ich von dem Trick gelesen, getrocknete Aprikosen über Nacht in Wasser zu legen, dann hat man am nächsten Tag leckeres Aprikosenwasser und fast komplett rehydrierte Früchte. Und was soll ich sagen, das klappt! Überlege schon, nur noch getrocknete Aprikosen zu kaufen, das kommt mich am Ende fast billiger.
Noch später habe ich nochmal Hunger auf Herzhaftes und mache mir eine Portion Paprika-Popcorn aus dem letzten Adventskalender. Ich habe noch so viele verschiedene Tüten übrig und komme so selten dazu, das zu essen. Als die Serie mit dem richtigen Happy End abgeschlossen ist, have ich noch Lust auf mehr Hollywood/Netflix und schaue mir bis kurz nach Mitternacht noch „Here Today“ mit Billy Crystal und Tiffany Haddish an, was sich auch lohnt. Kurz nach Mitternacht ist der Film vorbei und ich gehe Zähneputzen. Nach 10 Minuten Buch lesen ist dann endgültig Schlafenszeit.
Der Freitag lässt sich im Vergleich zu den vergangenen Tagen erst einmal ganz entspannt an. Der Wecker klingelt erst 7:30 Uhr und da ich gestern um 10 im Bett war, fühle ich mich sogar ausgeruht, wenn auch noch nicht wach genug, um gegen 8 sinnvoll auf die Gesprächsthemen des Liebsten einzugehen. Ich mache ganz ruhig mit der Morgenroutine, lasse sogar die Sprach-Apps aus und schaffe es so kurz vor 10 an den Laptop im Balkon-Office – mit Ingwerwasser und Porridge mit Apfel und Zimt, ich habe sogar vergessen, ein Foto zu machen.
Während des ersten Meetings um 10 fängt es an zu regnen, aber ich sitze ja überdacht und kann mich freuen, dass endlich wieder etwas Wasser vom Himmel kommt. Muss mir dann aber Socken und eine Strickjacke anziehen, damit ich draußen nicht friere. Bis 13 Uhr arbeite ich Dinge ab, die sich im Laufe der Woche angesammelt haben. Dann telefonieren der Liebste und ich das zweite Mal heute. Hinterher treffe ich mich unten im Stammcafé mit einem Nachbarn, den ich während der re:publica auf Mastodon kennengelernt habe und der mir ein Geschenk für des Liebsten Geburtstag nächste Woche liefert. Wir essen den wundervollen New York Cheesecake und damit auch ein bisschen Umsatz rumkommt trinke ich noch meinen typischen großen Organic Latte ohne Zucker.
Die Gespräche drehen sich um den Kiez, die Pandemie, das Klima, die Nazis, neue Arbeitsrealitäten, Reisen, Katzen, Ost und West… Schade, dass ich schnell wieder zurück an die Arbeit muss, aber wir können sowas ja jetzt auch öfter machen. Wieder oben beginne ich mit Kreativarbeit, schreibe aus meinen Notizen einen Text zusammen und höre dabei Musik. Um 15 Uhr gibt es ein Teammeeting, bei dem wir u. a. für den Kollegen aus Chicago „Happy Birthday“ singen und ansonsten besprechen, was diese Woche so anlag. Danach Wochenbericht schreiben und letzte E-Mails beantworten. Um 17 Uhr mache ich Feierabend.
Ich gehe rüber zum Lieblingsnachbarn, packe ihm noch ein paar Dinge zusammen und gieße die Pflanzen auf seinem Balkon, die nicht genug Regenwasser abbekommen haben. Dann laufe ich wieder ins Krankenhaus und telefoniere dabei zweimal mit dem Liebsten. Im Krankenzimmer erwartet mich neben dem Lieblingsnachbar auch ein Bekannter, den ich neulich auf dem Immergut und dann am Sonntag im Biergarten getroffen habe. Wir erzählen etwa eine Dreiviertelstunde zu dritt – über Krankheitsverläufe, gemeinsame Freunde, die Arbeit, das Klima, die Nazis… Dann lassen wir den Patienten alleine und der Bekannte nimmt mich im Auto mit nach Lichtenberg, wo er wohnt und ich mit einer Freundin verabredet bin. Im Auto Gespräche über das Klima und das Immergut.
Als ich bei der Freundin ankomme, telefoniert sie grad noch mit dem Lieblingsnachbar und wir dann nochmal einen kurzen Moment zu dritt. Dann gibt es Abendbrot. Sie hat Salat und Pasta gemacht und ich steuere den Nachtisch bei – Ricotta und Mascarpone verrührt, mit Reissirup gesüßt und mit frischer Maracuja getoppt. Während des Essens rufen erst der Liebste und dann das Kind der Freundin an und wir sagen beiden „Gute Nacht“. Dann machen wir es uns auf dem Sofa bequem und reden stundenlang über Dies und Das. Beziehungs- und Familienkonstellationen, Arbeitsverhältnisse, Krankheiten, Feminismus, Psychologie. Nicht über das Klima und nicht über Nazis, immerhin.
Gegen 23 Uhr fallen meiner Freundin die Augen zu – sie hat heute Nacht nur vier Stunden geschlafen – und ich laufe los zur S-Bahn. Zuhause angekommen füttere ich noch die Katzen und lege mich dann mit TikTok ins Bett und schaue noch ein bisschen Videos zu Essen und kulturellen Unterschieden. Zum Glück auch kein Klima und keine Nazis. Es ist 0:40 Uhr als ich pro forma noch einen Podcast anmache und das Handy weglege. Mitbekommen tue ich davon nichts mehr, beim Intro schlafe ich ein.
Schon wieder so früh aufstehen, schon wieder Handwerker im Haus. Wieder gegen 6 aufgewacht, wieder zu wenig geschlafen. Pünktlich um 7 klingeln die Handwerker. Diesmal ist das für den Mitbewohner das Zeichen, sein Bett und Zimmer zu verlassen – ohne, dass ich klopfen muss – und sich dann auf dem Sofa im Wohnzimmer hinzulegen und wieder einzuschlafen. Ich sitze derweil auf dem Balkon, trinke warmes Ingwerwasser und lese im Internet herum. Als die Handwerker sich Dreiviertel 8 in die „20-30 Minuten“ Frühstückspause verabschieden, mache ich mir Banana Pancakes mit gedünsteten Äpfeln zum Frühstück.
Dreiviertel 9 sind die Handwerker zurück. Ich packe meine Sachen, wecke den Mitbewohner und verlasse die Wohnung. Mit zwei Bussen fahre ich erst nach Weißensee und dann gefühlt durch Wald und Wiesen hinaus nach Marzahn, wo ich um 10 einen beruflichen Termin habe, der sehr angenehm verläuft. Danach nehme ich Tram und S-Bahn für den Heimweg, das fühlt sich gleich viel urbaner an, geht etwas schneller, aber beinhaltet auch mehr Fußweg. Ich setze mich an den Schreibtisch, erledige ein paar Dinge und schreibe ein paar E-Mails. Dann mache ich gegen 12:30 Uhr Mittagspause.
In der Küche schnipple ich mir einen Reste-Salat zurecht – Lollo bianco, Fenchel, Gurke, lila Möhre, Radieschen und saure Gurke mit einem Dressing aus Joghurt, Tahini und Gurkenwasser. Dazu gibt es wieder Maracuja-Schorle und außerdem Taralli mit Fenchelsamen.
Ich esse auf dem Balkon und lege mich dann für eine halbe Stunde ins Bett und schlafe. Kurz bevor mein vorsorglich gestellter Wecker klingelt, wache ich von Handynachrichten wieder auf. Der Lieblingsnachbar liegt nach OP jetzt auf der Station, auf der mein Bruder auch war und wird da noch eine Weile bleiben müssen. Er bittet mich, vor dem nächsten Regen seine Wäsche vorm Balkon zu holen und seinen Bio-Müll runterzubringen. Die Freundin, mit der ich morgen Abend verabredet bin, will Pläne schmieden.
Alles beantwortet, dann zurück an den Schreibtisch, wo ich 14:30 Uhr ein wichtiges Meeting habe. Hinterher habe ich kreative Sachen zu machen und wechsle dafür mit dem Laptop auf den Balkon. Dort arbeite ich, bis ich Regen rieche. Schnell hechte ich hinüber zum Lieblingsnachbar und rette seine Wäsche – ich dachte ja, „bis zum nächsten Regen“ hätte noch ein paar Wochen Zeit. Viel Regen ist es auch nicht, aber zählen tut der schon. Zurück auf dem Balkon dann noch ein sehr gutes Meeting mit meiner Chefin in Nordengland, das wir um etwa 10 Minuten überziehen, weil es so viel zu besprechen gibt.
Dann ist es 17:40 Uhr und ich arbeite noch einige Kleinigkeiten ab und führe ein weiteres berufliches Telefonat. Um 18:20 Uhr klappe ich den Laptop zu und bringe ihn nach drinnen. Da ich schon beim Lieblingsnachbar war, bleibt als letztes To Do für heute der eigene Biomüll. Und ich möchte Kartoffeln und die letzte lila Möhre beim Abendbrot verwerten, bevor morgen die nächste Biokiste kommt. Dazu schwebt mir ein Stück Lachs vor, also gehe ich nochmal in den Supermarkt. Leider gibt es dort nur Zuchtlachs, so dass ich auf geräucherten Wildlachs ausweiche, nicht was ich geplant hatte, aber wird schon auch schmecken.
Ich backe Kartoffeln und Möhren mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und Thymian vom Balkon. Dazu gibt es dann Räucherlachs und dänische Remoulade. Nicht ganz rund, aber schmeckt trotzdem.
Während und nach dem Essen hänge ich auf dem Sofa rum und versinke eine Weile in TikTok. Die Luft ist raus, ich muss dringend Körper und Geist erholen. Kurz nach 9 streiche ich die Segel und mache mich bettfertig. Halb 10 liege ich im Bett und lese noch ein wenig das Internet leer. Um 10 wechsle ich zum Buch und 10 Minuten später schlafe ich tief und fest – mit nur zwei sehr kurzen Unterbrechungen bis zum regulären Weckerklingeln um 7:30 Uhr.